Entwicklung der Arbeitsteilung



Die obige Grafik soll für die europäischen Verhältnisse zeigen, wie sich die Arbeitsteilung über die Jahrhunderte hin bis in die heutige Zeit entwickelt hat. Die Idee dieses Siebener-Ablaufs kam mir nach dem Lesen des Buches von Daniel T. Jones: "Die Zweite Revolution in der Autoindustrie" (Campus Verlag 1992). Bitte verstehen Sie die Ausführungen als Arbeitshypothese; vor allem Schritte 6 und 7, die noch teilweise bzw. ganz in der Zukunft liegen.
Die einzelnen Phasen und Ihre Übergänge sollen vorab skizziert werden:

1. Die Landwirtschaft


Die Landwirtschaft stellt den Ausgangspunkt aller Arbeitsteilung dar, indem hier alle handwerklichen Fertigkeiten schon keimhaft veranlagt waren. Zwar hatte der Bauer auch schon einen primitiven Pflug und Werkzeug für Feldarbeit und Viehhaltung, doch waren diese längst nicht so spezialisiert. Selbst heute noch treffen wir bei vielen Landwirten die Anschauung, daß ein Landwirt eigentlich alles können muß (als Erinnerung an historische Zustände).

2. Handwerkliche Einzelfertigung


Alle Berufe haben sich aus der Landwirtschaft entwickelt (Schmied, Sattler, Schuster, Förster, Zimmermann, Händler etc.). Die Spezialisierung wurde durch besondere Fähigkeiten und durch die Erfindung besonderer Werkzeuge gefördert. Die Arbeit war gekennzeichnet durch sehr niedrige Fertigungszahlen, direkte und stetige Verbindung zwischen Produzent und Abnehmer. So war es früher durchaus üblich, daß der Schuster mit seinem Werkzeug übers Land ging und bei den Menschen zeitweise wohnte, für die er Schuhe anfertigte. Er nahm Maß und machte die Schuhe nach den individuellen Wünschen seiner Kunden. Schuster mit einer lokalen Werkstatt hatten ein überschaubares Absatzgebiet und oft eine langdauernde Kundenbindung.

3. Industrielle Mengenfertigung


Mit dem Aufkommen der Dampfmaschinen beginnt die industrielle Revolution (ca. ab 1770 in England, in Deutschland etwas später) und der Übergang zur Fertigung in großen Stückzahlen. Die Fertigung verliert zunehmend den Bezug zu einem bestimmten Abnehmerkreis und einem regionalen Absatzgebiet. Die Arbeitsabläufe erhalten durch die Maschinen eine Zergliederung in einfache Tätigkeiten, die für die gering bezahlten Arbeiter wenig Abwechselung bieten und sie einseitig belasten. Dennoch bestanden für viele Fertigungsbereiche noch zusammenhängende Tätigkeiten, die sich nicht einfach mechanisieren ließen.

Einer dieser Bereiche war die Autoindustrie, wo weiter handwerklich gearbeitet wurde und der Herstellungsprozeß der "Benzinkutschen" dezentral in eigenständigen Werkstätten erfolgte. Die Bauteile wiesen kleine Toleranzen auf, die Nacharbeit und handwerkliches Geschick erforderten. Dies alles hatte Zufolge, daß die Stückkosten bei steigender Fertigung nicht sanken und viele Erzeugnissse (Auto) nur etwas für Reiche waren.

4. Industrielle Massenfertigung


Durch zwei Neuerungen wurde eine weitere Stufe der industriellen Revolution eingeleitet: Die Möglichkeit gehärteten Stahl bearbeiten zu können und die damit verbundene Möglichkeit Metallteile unter Zugrundelegung einheitlicher Masse millimetergenau herstellen zu können.
Es ist das Verdienst von Henry Ford die Maßgenauigkeit und damit die Austauschbarkeit einzelner Bauteile vorangetrieben zu haben. Erst 1908 war die perfekte Austauschbarkeit im Fordwerk erreicht. Dies ermöglichte Ford 1913 ein bewegtes Montageband, später Fliessband genannt, einzusetzen und die Produktivität zwischen 60 und 90 % gegenüber der handwerklichen Industriefertigung zu steigern.

Die Massenfertigung ist heute in der Warenproduktion vorherrschend. Sie hat z.B. auch durch die Kunststofftechnik und jüngst durch die Nanotechnologie in der Chipherstellung ungeahnte Spitzen erreicht. Neben der Produktion von Waren hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts ein neuer Wirtschaftssektor etabliert: die Dienstleistungen.

Die Massenfertigung hat zur Verbilligung vieler Waren beigetragen und die Nationalwirtschaften zur Weltwirtschaft übergeleitet. Ihre Nachteile liegen in der Schwerfälligkeit der Anpassung an individuelle, wechselnde Kundenwünsche, in der Erzeugung von Ausschuss, verschwendeter Arbeitszeit und Energie (jap. "Muda").

5. Schlanke Fertigung


Nach der industriellen Revolution kam es nach Daniel T. Jones zu einer zweiten Revolution, die in der japanischen Autoindustrie zwischen 1940 und 1950 ihren Ausgangspunkt nahm. Dort wurde die Arbeitsteilung nicht mehr allein technisch verbessert. Jones charakterisiert die schlanke Fabrik so:

Die schlanke Fertigung setzt guten Informationsfluß und unternehmerisches Denken bei allen Mitarbeitern voraus. Kleine Teams übernehmen eigenverantwortlich Produktionsschritte, "Qualitätszirkel" dienen der Aufbau- und Ablaufverbesserung. Just-in-time-Produktion senkt im Hinblick auf Zulieferer die Lagerbestände und -kosten. Technische Neuerungen erlauben immer kürzere "Rüstzeiten" für Maschinen bei Modellwechseln, zunehmend ohne die Unterstützung von teuren Fachkräften, d.h. die Arbeiter können die Maschinen selbst einrichten.

6. Nachfrage-Leistung


Das Konzept des "Business on Demand" entwickelt sich vor allem in der Informations- und Elektronikbranche. Es ist nicht mit dem identisch, was ich hier als Nachfrage-Leistung skizziere. Doch soll der Computer auch als auslösendes und diese Stufe ermöglichendes Symbol verstanden werden.

Im gesamten Wirtschaftsbereich vollzieht sich eine Verschlankung des Dienstleistungssektors, die Empfangsdame, die Telefonistin, die Sekretärin, sie alle werden mehr oder weniger "elektronisiert" (um nur einige zu nennen). Dieser Aspekt ist aber noch vergleichbar mit der Verschlankung der Produktion durch die reine Entlastung des Menschen von gleichförmigen Massenarbeiten.

Ein Beispiel von Jeremy Rifkin aus dem Buch "Das Ende der Arbeit" (Fischer, 1997) soll zeigen, daß mehr möglich ist: IBM und eine amerikanische Videokette konzipierten für 3500 Läden ein Verkaufssystem bei dem eine Zentrale alle Filmbestellungen entgegennimmt und die Daten der Filme elektronisch an die Läden sendet. Dort erhält der Kunde die gerade im Laden bespielte Kopie. Ein Laserdrucker im Laden druckt einen ansprechenden Umschlag. Vorteile: Geringe Transportkosten, keine Ladenhüter etc. Dieses System läßt sich sogar noch weiter bis zum Kunden direkt denken.

Mit Nachfrage-Leistung meine ich, die gerade begonnene Entwicklung den Bedarf direkt als Auslöser für Produktion und Dienstleistung einzubeziehen. Dies geschieht allerdings noch unter der Verschwendung (jap. Muda) erzeugenden, freien Marktwirtschaft, d.h. Kooperation, Zusammenarbeit geschieht nur betriebs-, konzernintern. Der Kunde ist hier immer noch "König", d.h. er arbeitet nicht bewußt mit dem Fertigungssektor zusammen, sondern versucht durch freie Wahl aus dem konkurrierenden Anbieterkreis Preis- und sonstige Vorteile zu erlangen.

Diese 6. Stufe entwickelt den Keimling just-in-time aus der 5. Stufe weiter, indem die Fertigung rückwärts hin (Zulieferer) noch kooperativer gestaltet wird (Planung, Informationsfluß überbetrieblich etc.). Außerdem bildet sie einen eigenen Keimling als Vorstufe assoziativer Zusammenarbeit. Darunter läßt sich vielleicht im weitesten Sinne die direkte Auslösung der Fertigung verstehen, die schon einen großen Teil von Verschwendung vermeidet. Da der einzelne Mensch dabei (noch) keine bewußte Kooperation anstrebt, kann allerhöchstens von einer "technischen Assoziation" gesprochen werden.

7. Assoziative Leistung


Hierunter verstehe ich eine zukünftige Arbeitsteilung, die anerkennt, daß eine bewußt gewollte Zusammenarbeit der Menschen über die gesamte Erde hin, die sinnvollste Arbeitsteilung ist, die am leichtesten eine Vollversorgung auf hohem Niveau erreicht.
Dies sei anhand einer Busfahrt illustriert:
Eine Busfahrt auf der Stufe 5 kann noch häufig so erfolgen, daß ein Bus nach festem Fahrplan nur zum geringen Teil ausgelastet ist.
Auf der Stufe 6 versucht der Anbieter ein System zu installieren, daß geringe Auslastung durch "Bus auf Abruf", dynamische Taktzeiten unter Einbezug aktueller Nutzerdaten oder ähnliches vermindert.
Auf der 7. Stufe wird das Transportbedürfnis als eine gemeinsames Bedürfnis eines kleineren Menschenkreises gesehen, der regional zusammenarbeitet und Informationen austauscht. Die große Wahlfreiheit des "König Kunden" wird vermindert, der Gewinn wird aber beträchtlich sein. In diese Richtung gehen ja schon viele Auto-Teiler-Gemeinschaften.

Bisher gab es also 3 technisch ausgelöste Revolutionen, die zur Entwicklung der Arbeitsteilung (Mensch/Mensch oder Mensch/Maschine) geführt haben:

Die Menschen konnten von einer zur nächsten Stufe Arbeit in einem jeweils neuen Gebiet der Wirtschaft finden. Heute sind die Dienstleistungen eine Wachstumsbranche. Wird dies so bleiben, muß die "Rettung" überhaupt in der Hoffnung auf weiteres Wachstum liegen? Es sei erlaubt hierzu verschiedenes ins Bild zu setzen:



„Drei-Sektoren-Hypothese“

Sie besagt, daß alle sich modernisierenden Gesellschaften zwangsläufig die gleichen Entwicklungsstadien durchlaufen. In der ersten Phase dominiert der primäre Sektor, dem im wesentlichen die Bereiche der Landwirtschaft zugerechnet werden. Im zweiten Stadium wird die Wirtschaft durch den sekundären Sektor – den Sektor der Industrie – dominiert, und im dritten schließlich durch den tertiären Sektor, dem man in der Regel den Gesamtbereich der Dienstleistungen zurechnet. (vgl. Littek, Rammert, Wachtler, Einführung in die Arbeits- und Industriesoziologie, Campus-Verlag, 1983, S. 308). Mir scheint diese Hypothese wohl naheliegend. Sie bietet aber nicht den Blick auf eine Ganzheit, sondern gibt Beschäftigungszahlen der Erwerbswirtschaft wieder. Wo ist z.B. der ganze Bereich der Hauswirtschaft berücksichtigt?

Schauen wir weiter:



Die obige Graphik stellt die vier Kondratjew-Zyklen dar, die von den genannten Basiserfindungen ausgelöst wurden bzw. worden sein könnten (mehr dazu hier).

Der russische Konjunkturforscher Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew (eingedeutscht "Kondratieff") hat durch die Beobachtung einer Vielzahl von Zeitreihen (z.B. über Großhandelspreise, Außenhandel, Löhne oder die mengenmäßige Produktion von Basisgütern wie Kohle und Stahl) in England, Frankreich, Deutschland und den USA drei langfristige Wirtschaftszyklen von 48 bis 60 Jahren Länge von 1790 bis zur Veröffentlichung seiner Beobachtungen im Jahr 1926 festgestellt. Diese Beobachtungen wurden später fortgeschrieben, so dass man bisher vier Kondratjew-Zyklen kennt, die man auch mit langen Wellen beschreiben könnte.

Sollen wir also unsere ganze Hoffnung auf ein lineares oder wellenförmiges Wachstum, ausgelöst durch die neusten Technologien, stützen? Mich erinnern die Grafiken zu sehr an Kurven aus der Naturwissenschaft, die wenig für die Gesamtgestalt der Arbeitsteilung hergeben und eine unsichere Prognose für die Zukunft zulassen.

Könnten folgende bebilderten Annahmen eher zutreffen und ein Zukunftsbild ergeben?




(Klicken Sie auf die Bilder und Sie gelangen zu einer größeren Ansicht.)

Mit den Bildern will ich darstellen, daß das "Herz" der Wirtschaft die Haushalte sind. Alle Arbeitsteilung, aller wirtschaftlicher Einsatz, zielt darauf die Lebensprozesse in den Haushalten, der Landwirtschaft und der Natur zu erhalten. Die Entwicklung hat durch die Technik und den menschlichen Erfindungsgeist dazu geführt, in den eigentlichen Lebensbereichen die Arbeit zu vermindern (das meint der schwarze Pfeil von unten).
Eine weitere Auswirkung des menschlichen Geistes ist das Aufkommen neuer Arbeitsbereiche, in die hinein immer wieder Menschen aus den älteren Bereichen (im Bild den inneren Sektoren) strömen. Heute sind wir soweit, daß die Technik die menschliche Arbeit so stark vermindert, daß mehr und mehr Menschen aus dem Industriesektor und dem von der Industrie abhängigen Dienstleistungsektor freigestellt werden.

Es will scheinen als fallen die Menschen nun aus dem Wirtschaftprozeß heraus (im Bild von der Erdscheibe herunter). Da aber jeder Verbraucher bleibt, kann dies gar nicht sein.
Technische Verbesserungen ließen "Freistellungen" stark zunehmen. Wir sollten hierin kein Manko sehen und weiteres Wachstum als "Lösung" fodern. Die Denkrichtung kann nur dahin gehen, mehr und mehr (freigestellte) Menschen zur qualitativen Aufbesserung der ursprünglichen Lebensfelder Familie, Gemeinschaft, Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz zurückzuleiten (im letzten Zukunftsbild durch gelbe Pfeile angedeutet). Dadurch wird das Herz der Wirtschaft wieder kräftig. Menschlicher Wille kann durch sozialkünstlerische Ideen dafür sorgen, daß alle Menschen eine erfüllende Lebensaufgabe finden.

Dies ist die Aufgabe einer neuen sozialen Revolution, deren Beginn heute keimhaft auf allen Lebensgebieten wahrnehmbar ist. Der große Umschwung hängt nicht allein von technischem Fortschritt ab, sondern davon, daß wir gemeinsam neue sozial-fortschrittliche Ideen verwirklichen wollen.

Voraussetzung dafür ist, daß wir auch die Wertschöpfung neu verteilen wollen, denn es führt kein Weg daran vorbei: Die (menschliche) Arbeit in Fertigung/Dienstleistungen wird weniger. Die dort geleistete Arbeit kann nicht rechtlicher Maßstab für ein persönliches Einkommen, für den Lebensunterhalt sein. Dieser Gedanke sei an anderer Stelle fortgeführt, um das Thema der Arbeitsteilung fortzusetzen.




Die Spiegelung

Weiter scheint mir der siebengliedrige Gestaltwandel der Arbeitsteilung eine Wiederholungsregel, eine Spiegelung (s. Grafik oben) zu enthalten: Die 7. Stufe und die 1. Stufe, die 6. und die 2...Die 4. Stufe stellt einen Höhe- oder aus sozialer Sicht Tiefpunkt dar. Ich möchte mich darauf beschränken einige Aspekte der Assoziation, durch eine Spiegelung mit der frühen Landwirtschaft zu charakterisieren:

Die Assoziationen werden einen Zusammenhang von Menschen darstellen, die einen dorfähnlichen Charakter haben werden. Die Menschen werden sich gegenseitig so kennen, wie man sich in einem Dorf kannte (oder sich in größeren Dörfern eben eher oberflächlich kannte). Die Menschen müssen aber nicht mehr alle an einem Fleck wohnen, sondern nutzen für den Zusammenhang moderne Transport- und Nachrichtenwege.

Dennoch wird es ein Wesensmerkmal sein, daß die Menschen den Erhalt einer regionalen Wirtschaft wollen und sich in einer Assoziation dazu gegenseitig unterstützen, dieses Ziel gemeinsam mit anderen Assoziationen zu erreichen.

Der Aspekt der sachlich notwendigen Vielfalt landwirtschaftlicher Arbeit wird sich in neuer Gestalt wiederholen, indem die Assoziationen sich als Mittelpunkt um eine Landwirtschaft einrichten und diese aus allen Tätigkeitsbereichen (Handwerk, Dienstleistungen, Industrie) unterstützen. Alle wirtschaftliche Tätigkeit der Industrie, des Handels, Handwerks, und der Dienstleistungen muß auf die Erhaltung von gesunden Lebensbedingungen gerichtet sein:



Dezentralisation

Ein weiterer Gestaltungsaspekt assoziativer Arbeitsteilung wird es sein, den hohen Grad an Fremdversorgung durch bewußte Entscheidung stellenweise wieder zu verringern. Es geht dabei um Dezentralisation und Reintegration allein aus sozialen Gründen:

"Es ist erst einige Jahrzehnte her, dass Haus oder Wohnung Orte waren, an denen ein großer Teil dessen, was zum Leben nötig war, hergestellt wurde. Die Kinder erlebten um sich tätige Menschen und die Tätigkeiten waren von der Art, dass die Kinder sie begreifen und ihren Sinn einsehen konnten. Sie verstanden: Diese Menschen meistern das Leben durch die Arbeit, die sie leisten. Das regt dazu an, solchen Vorbildern nachzueifern.

Der Platz, der durch das Auslagern oder Schrumpfen von Tätigkeiten frei wurde, ist nicht leer geblieben. Zuerst kamen die illustrierten Zeitungen, der Plattenspieler und das Telefon. Im zwanzigsten Jahrhundert folgten Radio, Fernsehen und der Computer. Wenn die Menschen von den Tätigkeiten, die sie außerhalb verrichten, nach Hause kommen, werden sie von diesen Dingen empfangen. Sie erfüllen die Funktion von Zerstreuungskünstlern, die von Belastungen ablenken und Ersatz bieten für manches, das entbehrt wird. " Heinz Buddemeier im Jedermensch Nr. 625, "Familienkultur und Erziehung")

"Die staatliche Ordnung sollte erschweren, daß unternehmerisch geführte Betriebe geplante, organisierte Sozialarbeit durchführen; sie sollte ermöglichen und erleichtern, daß immer mehr Bürger die Gelegenheit erhalten und gern ergreifen, familiäre Pflichten in ehelicher Freiheit durch die Kunst des gesellschaftlichen Verbrauchs zu erfüllen - erforderlichenfalls durch Betriebe, dann aber in 'Ehe- und Familien-Trägerschaft'... Zwischen Pflichterfüllung und Willkür könnten alle die gesamte ungebundene Arbeitszeit mit nie endender, freier, 'spielender' Arbeit für andere - unentgeltlich oder gegen Entgelt - ausfüllen, ohne daß diese unter Streß getan werden müßte oder aus Kostengründen nicht unternommen werden könnte. Beschäftigungslosigkeit wäre nicht mehr die Folge mangelnder Arbeitsmöglichkeit, sondern mehr und mehr ein freiwilliger Zustand und verlöre den Charakter unausweichlichen, schlimmen Schicksals, der der Arbeitslosigkeit heute anhaftet. Arbeitslosigkeit hieße dann Studium oder Feiern. Es ist leicht erkennbar, daß solche Ordnung die Zusammenarbeit vieler 'Ehen und Familien' fördern würde, die dann in sehr differenzierten Beziehungen die konkrete menschliche Gesellschaft wären.

In Verkennung dieser Situation haben - wenn wir die vorgetragenen Gedanken einmal akzeptieren - die Regierungen in Stadt, Land und Kommune dadurch, daß sie in scheinbarer Erfüllung des Verfassungsauftrages 'Ehe und Familie' von Aufgaben entlasteten, zu deren Verfall beigetragen. Wegen der großzügigen staatlichen Förderung betrieblicher (marktwirtschaftlicher) Einrichtungen zur Behebung menschlicher Not haben 'Ehe und Familie' Phantasie und Einsatzbereitschaft eingebüßt. Wir haben Lebensumstände und -gewohnheiten geschaffen, die nur schwer zu ändern sind. Die staatliche Verhaltensweisen wurde allerdings von den Menschen in 'Ehe und Familie' provoziert." Wir können..., S. 21ff

Obwohl Barkhoff selbst zugibt, daß die Wiederbelebung der Ehe und größerer Familien weder auf ökonomische Voraussetzungen noch auf menschliches Verständnis bauen kann, sieht er darin eine notwendige öffentliche Aufgabe. Nach meinem Gefühl sollte der Staat sich auch in diesem Bereich neutral verhalten, weder das eine noch das andere fördern (Behinderungen für sozialpflegerische Großfamilien sollten allerdings wegfallen.)
Ich sehe hierin vielmehr eine Aufgabe für den Schul- und Bildungsbereich ein zeit- und kulturentsprechendes Gemeinschaftsverständnis zu wecken, das pluralistische Tendenzen nach Wahlverwandtschafts-Gemeinschaften ebenso berücksichtigt wie Tendenzen zur Stärkung von Ehe und Familie.

In dieser Richtung wäre ebenso eine Senkung der hohen Fremdversorgung in der Nahrungsmittelzubereitung zu begrüßen:



Welche Gründe sprechen gegen Tiefkühl-, Konserven- und andere Industrienahrung: Kinder erleben nicht mehr den Zusammenhang mit und die Abhängigkeit von der Natur, wenn Pizzen u.a. nur noch in der Mikrowelle zubereitet werden. Über die Ökobilanz einer Tiefkühlpizza will ich erst gar nicht nachdenken. Viel wichtiger ist, daß industrielle Nahrung weniger Vielfalt zuläßt ("Hausmacherart"), durch Transport, Erhitzung und viel Zuckerzugaben weniger gesund und frisch ist. Dieses "mehr" an sinnvoller, dezentralisierter Zubereitung muß durch entsprechende "Aufstockung" der Haushalte durch ausgebildete Mitarbeiter erfolgen.

All diese Aspekte können nur grob andeuten, daß assoziative Leistungen um ein vielfaches wirksamer den Bedarf befriedigen als die heutige Massenproduktion. Die Wirksamkeit ergibt sich in der Summe für alle Wesensglieder des Menschen(Leib, Seele und Geist). Auch wird das gleichzeitige Zusammenwirken aller Dreigliederungsideen einen Synergieeffekt auslösen, der die Rahmenbedingungen in der Wirtschaft grundlegend gesunden wird.