Was ist Geld?

Geld vereinfacht den Gütertausch. In den ehemals einteiligen Tauschvorgang hat sich das Geld "hineingeschoben" und daraus zwei Teile gemacht: Kauf und Verkauf.



Folgerichtig ist das Geld auch der Wertmesser wirtschaftlicher Leistungen. Geld ist aber über diese Funktionen des Zwischentauschmittels und des Wertmessers hinausgewachsen. Es ist auch Wertaufbewahrungsmittel (Speicher, Schatz, Notgroschen etc.) geworden, was eine nicht unproblematische Funktion darstellt, wie sich zeigen wird.

Die Wirtschaft hat sich über verschiedene Stufen entwickelt (s. ). Dabei ist die Entwicklung der Produktionsfaktoren durch einen entsprechenden Funktionszuwachs am Geld ablesbar. Es ist ein Sympthom einer gesunden Wirtschaft, daß eine stetige Kontinuität der Leistungs- als auch der Geldströme ohne Stau- oder Mangelsituationen aufrechterhalten wird. Hier kann man von einem Kreislauf sprechen, einem ständigem Geben und Nehmen.



In der Tauschwirtschaft bestand dieser Kreislauf vornehmlich zwischen den Faktoren Natur und Arbeit. Geld bewirkte allein Kauf und Verkauf der Waren. Die Produktionsmittel waren noch einfach und leicht zu finanzieren. Eine Kreditwirtschaft existierte noch nicht.

Erst mit dem Aufkommen der Arbeitsteilung durch das Eingreifen des menschlichen Geistes wurden die Produktionsvorgänge komplizierter und aufwendiger, weshalb immer häufiger größere Geldsummen für die Produktionsmittel notwendig wurden. Diese Summen wurden geliehen. Jetzt erst entstand das eigentliche Kredit- und Bankwesen. Der Kreislauf erhält als neuen Faktor das Kapital. Da alle Kapitalbildung letztlich seine Ursache im menschlichen Geist hat, erhält dieser Faktor eine Doppelbezeichnung.

Heute stehen wir vor der Situation, daß dieser Kreislauf nicht "rund" läuft, da der menschliche Geist auf der einen Seite Rationalisierung bewirkt, er aber nicht für den notwendigen "Abfluß" des sich daraus ergebenden Kapitals sorgt. Es kommt so zu Stau- und Mangelphänomen im Wirtschaftskreislauf. Wie der Geist mit Vernunft und Ideenkraft in der Produktion Arbeit vernichtet, so muß er beim Verbrauch ebenso Kapital ideenvoll vernichten, d.h. auf eine Gegenleistung verzichten, sinnvoll verschenken.

Was ist die fruchtbarste, sinnvollste Kapitalvernichtung? Die Schenkung an den Kultur- und Bildungsbereich. Denn dadurch wird bewirkt, daß Menschen mit neuen Fähigkeiten den Wirtschaftsprozeß wieder verjüngen und befruchten. Alles beginnt wieder von vorn, der Kreislauf wird geschlossen.



Der "Spiegel" Geld

Geld ist die "fliegende" Buchhaltung der Weltwirtschaft und muß daher Spiegelbild für die wirklichen Leistungen sein, die der Mensch durch seine Arbeit an der Natur (W1) schafft. Wie unter dem Thema "Wertbildung und Preis" gezeigt, darf die Geldmenge nicht mit den geistigen Leistungen (W2) wachsen, denn diese wurden ja von der Urproduktionsseite kreditiert, aber nicht im Sinne einer grundlosen Geldschöpfung, sondern im Sinne eines den Gesamtumfang nicht aufblähenden Ausgleichs.

Hier müßte auch die Korrektur des heute üblichen Begriffs des Sozialproduktes ansetzen, der in diesem Sinne nicht einfach alle Wertschöpfung in einer Summe zusammenfassen darf:

"Der Wert der gesamten volkswirtschaftlichen Leistungen (Sozialprodukt) muss also bei gleichbleibender Bevölkerungszahl zahlenmässig immer der gleiche bleiben, weil der Wert zusätzlicher, aufgrund geistiger Arbeit erwirtschafteter Leistungen sich mit dem Wert anderer Leistungen kompensiert, an denen körperliche Arbeit erspart wurde."Wirtschaften ...S. 25

Diese Tatsache muß ein "gesundes" Geld widerspiegeln. Wir könnten auch vereinfacht sagen, daß Geld immer ausdrücken muß, daß wir nicht vom Geld leben, sondern von der menschlichen Arbeit, von den durch menschliche Arbeit erzeugten Waren (W1). Die Wirkungen des menschlichen Geistes sind aber nicht Waren erzeugend, sondern Arbeit vermindernd bzw. Kultur "befruchtend", weshalb die entsprechenden W2-Werte negativ einzusetzen sind. Die "Spiegelfunktion" des Geldes bleibt daher nur wahr, wenn es diese Vorgänge im Leistungsbereich wahrheitsgemäß wertmäßig spiegelt. Hierzu Alexander Caspar:

"Die Geldmenge mit der Gütermenge wachsen zu lassen, wäre nur richtig, wenn es sich nur um aufgrund von körperlicher Arbeit vermehrte Naturprodukte handelte. Im Moment, wo es sich aber um durch Rationalisierung, also Einsparung körperlicher Arbeit erzeugte Industriegüter handelt, müssen deren Preise sinken...

Diesen Irrtum zu durchschauen, dass die Geldmenge nicht mit der Menge der durch organisierte Arbeit erzeugten Güter zunehmen darf, ohne Inflation auf Seiten der Industriegüter auszulösen, macht solange Mühe, als man nicht zur Erfassung der beiden sich kompensierenden Werte vordringt: nämlich Wert 1 «Arbeit angewandt an der Natur»...und demgegenüber Wert 2 «Arbeit durch den Geist organisiert».

Wegen dieser beiden kompensatorischen Wertbildungen ist es für die Funktion des Geldes nicht gleichgültig, ob die Geldmenge sich nach den Preisen, beziehungsweise einer Auswahl von Preisen, richtet oder ob die Preise durch die Geldmenge ihre Orientierung finden."Wirtschaften...S. 58f

Bezüglich der geistigen Leistungen "verhält" sich ein gesundes Geld so, daß es die Bewertung dieser Leistungen (W2) nach der durch sie bewirkten Ersparnis körperlicher Arbeit an der Urproduktion (W1) bemisst, sich aber nicht um diese Werte vermehrt.

In Zukunft müssen wir also das Geld wieder gesunden, es auf den Umfang zurückführen, den es seiner wahren Natur nach nur haben darf: Es spiegelt (mit Worten Caspars: erinnert) den Wert der Urproduktion.

Was ist also heute falsch?

Im Nationalökonomischen Kurs vergleicht Steiner das Geld mit einem Thermometer. Sofern es in einem Raum wärmer werden soll, käme auch niemand auf die Idee am Thermometer zu reiben. So kommt einem aber heute Theorie und Praxis zum Geld vor.

Wie erreichen wir eine Gesundung des Geldes?

Ziel ist es also die wahre "Buchführung" der Werte zu erreichen, die alle Veränderungen im Leistungsbereich getreu wiedergeben muß. Entsteht eine neue Warenproduktion, so muß hierfür Geld herausgegeben werden, damit die Menschen die Waren kaufen können. Die Geldmenge muß dann weiter mit der Warenmenge im Gleichgewicht bleiben. Insbesondere dürfen Geldansprüche der Vergangenheit nicht zu einem Machtmittel in der Gegenwart werden. Daraus ergeben sich zwei weitere Fragen:



Die Geldentstehung

Das Geld muß in die Selbstverwaltung der Wirtschaft kommen, denn es ist ureigene Aufgabe dieses Gebietes: Hier sind die Fachkenntnisse über notwendige Produktionen, über dafür notwendige Kredite.
Hier können Bedürfnisse schnell und flexibel wahrgenommen werden und die Produktion danach eingerichtet werden. So können bankmäßige Einrichtungen durch die Zusammenfassung der Kenntnisse aller Assoziationen die Herausgabe von Geld und die Kreditschöpfung in einem Gleichgewicht zur Warenmenge halten. Dies mag unter heutigem Rechts- und Staatleben utopisch klingen, doch es führt kein Weg an einem solchen Machtverlust des Staates vorbei, ohne weiterhin nur "Flickschusterei" zu betreiben.

Alterung und Tod des Geldes

Das ist die größte Denkschwierigkeit zeitgenössischer Wirtschaftstheorie und -praxis. Wir brauchen für die Gesundung aller ökonomischen Prozesse den "Tod" des Geldes.
Geld darf nicht ewig Bestand haben, es muß wie alles Irdische bewußt zu einer Alterung und zu einem Zeitpunkt eines endgültigen Wertverlustes hingeführt werden.
Um es klarer auszudrücken: Auch heute hat Geld keinen Ewigkeitswert. Aber die Alterungs- und Sterbeprozesse des Geldes verlaufen unter der Illusion von ewig währendem Geld. Mit allen bekannten Folgen: ständige Inflation, eine "explodierende" Überliquidität, vermehrt "platzende" Kredite.

Wie könnte man das zunehmende Auseinanderdriften von Leistungen und Zeichen für die Leistungen charakterisieren?

"Nicht wahr, wenn wir, sagen wir, zu irgendeinem Arbeitszusammenhang Tiere brauchen, so zähmen wir sie uns, und wir verwenden sie dann als gezähmte Tiere. Denken Sie, wie lange man ein Reitpferd einreiten muß, bis man es benutzen kann und so weiter. Denken Sie nur, was wäre, wenn wir Tiere nicht zähmen würden, sondern als wilde verwenden würden, wenn wir gar keine Mühe auf das Zähmen verwenden würden! Das Geld lassen wir so ganz wild im volkswirtschaftlichen Prozeß zirkulieren."340.178

Gerade in der bewußten Einrichtung eines dreigliedrigen Geldwesens (Kaufgeld - Leihgeld - Schenkungsgeld) mit einem Endalter der einzelnen Geldzeichen ist eine solche "Zähmung" zu sehen. Wie ein Haustier mit gewisser "Vernunft" dem Menschen sinnvolle Arbeit leistet, so bringt entsprechendes Geld Vernunft in den sonst gestörten Wirtschaftsablauf. Vor allem staut sich Kaufgeld nicht mehr im Unternehmensbereich durch ständig Rendite suchende Reinvestition. Der kluge Unternehmer wird das Geld durch das Altwerden rechtzeitig wegschenken und sich wieder für Investitionszwecke junges Geld besorgen.

Diese Schenkungen aber sind das, was heute dringend fehlt, für eine Ausweitung notwendiger "Arbeiten am Menschen" durch das Kultur- und Geistesleben (daß hierin auch ein riesiges Potential zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit steckt, soll an anderer Stelle erwähnt werden). Alle nicht im produzierenden Bereich arbeitenden Menschen müssen durch diese Schenkungen ihr Auskommen finden. Und dies ist umso besser, je sinnvoller geschenkt wird.

Gerade in der bewußten Einrichtung eines dreigliedrigen Geldwesens (Kaufgeld - Leihgeld - Schenkungsgeld) mit einem Endalter der einzelnen Geldzeichen ist eine solche "Zähmung" zu sehen. Wie ein Haustier mit gewisser "Vernunft" dem Menschen sinnvolle Arbeit leistet, so bringt entsprechendes Geld Vernunft in den sonst gestörten Wirtschaftsablauf. Vor allem staut sich Kaufgeld nicht mehr im Unternehmensbereich durch ständig Rendite suchende Reinvestition. Der kluge Unternehmer wird das Geld durch das Altwerden rechtzeitig wegschenken und sich wieder für Investitionszwecke junges Geld besorgen.

Diese Schenkungen aber sind das, was heute dringend fehlt, für eine Ausweitung notwendiger "Arbeiten am Menschen" durch das Kultur- und Geistesleben (daß hierin auch ein riesiges Potential zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit steckt, soll an anderer Stelle erwähnt werden). Alle nicht im produzierenden Bereich arbeitenden Menschen müssen durch diese Schenkungen ihr Auskommen finden. Und dies ist umso besser, je sinnvoller geschenkt wird.

Freigeldlehre

Geld soll wie gesagt mit einer neuen Warenproduktion in der Wirtschaft entstehen. Daher ist der Gedanke naheliegend auch den Sterbeprozeß mit dem "Sterben" der Waren zu verknüpfen, also ein Schwundgeld zu fordern, da sich ja auch die Ware abnützt und (ver-)schwindet. Dem Geld soll durch verwaltungsmäßige, technische Maßnahmen nach und nach der Wert genommen werden (Diese Idee unterscheidet sich also wesentlich - nicht allein durch den viel höheren Verwaltungsaufwand - von der Idee Steiners die Gültigkeit des Geldzeichens zu begrenzen). Das Schwundgeld wird von den Anhängern Silvio Gesells (1862 - 1930) als Freigeldlehre in die Diskussion um die Art und Weise der Alterung von Geld eingebracht.

Hier muß zugestanden werden, daß die viel zu kurzen Ausführungen Steiners im Nationalökonomischen Kurs keinesfalls als einfache und klar verständliche Beschreibungen angesehen werden können, wie Geld altern soll. Allerdings verstehe ich den Kurs so, daß darin kein Schwundgeld gefordert wird.

Dies wird nach meiner Meinung u.a. an der Stelle deutlich wo Steiner davon spricht, daß das Geld scheinbar als Äquivalent im reinen Tausch gegenüber den verderblichen Gegenständen einen unreellen Konkurrenten darstellt und auch nur scheinbar seinen Zahlenwert behält. In Wirklichkeit sei es aber nicht so. 340.174f

Die Betonung muß hier auf "reinen Tausch" liegen. Geld ist heute nicht mehr allein Äquivalent für den reinen Tausch. Soweit muß man sagen, ergibt sich eine Parallelität in der Erkrankung des Geldes und der anachronistischen Selbstversorgermentalität: Beide haben ihre Ursache in einem seelischen Stehenbleiben in der Tauschwirtschaft.

Doch wie zu "Wertbildung und Preis" (s. Menü "Wirtschaft") erwähnt, hat sich unsere Wirtschaft über dieses Stadium hinausentwickelt: Heute organisiert das Geld als Leih- oder Unternehmergeld neben dem Tausch den Einsatz der notwendigen Fähigkeiten. Der Wert des Geldes wird heute mehr durch den geschickten Einsatz menschlicher Fähigkeiten, menschlichen Geistes bestimmt als durch Tauschprozesse. Die Schwierigkeit besteht darin, daß ein und dasselbe Geld nacheinander verschiedene Aufgaben übernimmt. Zur weiteren Klärung möchte ich mich hier den Äußerungen Schweppenhäusers anschließen:

"Die Vorgänge auf dem Gebiet des Kaufgeldes lassen erkennen, daß hier das Geld in seinen verschiedenen Formen die Funktion des Vermittelns und Bewertens hat und daß laufende oder periodische Entwertungsmanipulationen am Kaufgeld dem Wesen und der Aufgabe des Kaufgeldes widersprechen. Ist es doch gerade der laufende Kaufgeldschwund, durch den die Problematik des heutigen Geldwesens der Allgemeinheit erst voll zum Bewußtsein kommt und in den Reihen der Geldreformer die mechanische Manipulation des Entwertungsvorganges zur fixen Idee hat werden lassen im Begriff des Schwundgeldes. Es ist nichts mit dem Schwundgeld! Ein für allemal!

Und doch ist der undeutliche Gedanke, auch das Geld müsse sich wie die volkswirtschaftlichen Güter und Waren entwerten, ein durchaus naheliegender. Die Geschichte des Geldes zeigt, daß außerdem sich alles Geld einmal aus Naturwerten, aus Waren in Geld verwandelt hat; also, sagt man, kann es doch nicht sein, daß die Ware verbraucht wird und das Geld als Warengeld seinen Wert behält! So einfach ist die Sache aber nicht, wie diese einfache Begründung der Geldreformer sie darstellt. Das Problem findet seine Lösung, wenn man die drei Geldsphären, das Kaufgeld, das Leihgeld und das Schenkungsgeld sowohl als Entwicklungsstufen des Geldwesens wie auch als drei verschiedene Geldgebiete untersucht.

Das Kaufgeldgebiet ist die Entwicklungsstufe des Geldes, die einstmals die dominierende war in der vorindustriellen Agrargesellschaft. In dieser waren etwa 92 Prozent der Bevölkerung landwirtschaftlich tätig, während sich die restlichen acht Prozent auf Geistlichkeit und Adel, Kaufleute und Handwerker verteilten. Von Natur aus ist die landwirtschaftliche Produktion im Gegensatz zur Industrieproduktion unkapitalistisch.

Heute ist es umgekehrt: in industrialisierten Gebieten sind nur noch vier bis acht Prozent der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor tätig; es kommt hier nicht auf die genauen Zahlen an. Diese totale Umschichtung gehört zum Wesen der Industriegesellschaft. Während in der Agrargesellschaft die Leihgeldsphäre gar keine Rolle spielt und der Kultur- und Herrschaftsbereich durch laufende Abgaben aus der Naturalproduktion unterhalten wurde, ist heute der mit Unternehmer-Kapital arbeitende Bereich der Wirtschaft der ausschlaggebende.

Die Wirtschaft selbst hat sich ihrerseits deutlich auseinandergegliedert in zwei polare Bereiche: den schrumpfenden unkapitalistischen Teil der Nahrungsmittelproduktion und den expandierenden der kapitalistischen Industrieproduktion. Eben durch diese Differenzierung hat sich auch das Geld in drei Gebiete: Kaufgeld, Leihgeld, Schenkungsgeld differenziert, die im vorindustriellen Geldwesen gleichsam nahtlos zu einer Einheit verschmolzen waren. "Das kranke Geld, S. 143f

Dieser Brunnen soll die verschiedenen Lebensstufen des Geldes charakterisieren. Junges Geld dient zum Kaufen der Waren. Altes Geld wird in Schenkungen "einfließen". Dazwischen steht das Leihgeld. Mit dem erneuten Aufsteigen des Wassers durch die nicht sichtbare Brunnenmitte läßt sich die Verjüngung des Geldes und damit ein Kreislauf beschreiben. Quelle: Diether Vogel, Selbstbestimmung...

Die Art und Weise der möglichen Alterung von Geld

Lassen wir uns also seelisch nicht nur auf die Kauffunktion, sondern auch auf die Leihfunktion des Geldes ein, dann ist der Schwerpunkt eines Alterungsprinzips auf den Leihgeldbereich zu legen. Im Kaufgeldbereich behält das Geld seinen Wert bis zu letzt. Etwaige Ungleichgewichte zwischen Ware und Geld finden Korrektur beim Leihgeld, wodurch vorgenanntes Schwundgeld überflüssig wird.

Nicht die Konsumgüterabnutzung, sondern die Veralterung der Produktionsgüter ist das Entscheidende für ein Altern des Geldes.


Maschinen und Herstellungsprozesse veralten nicht allein durch Abnutzung, sondern durch ein Fortschreiten des "know-how" (Beispiel: Datenverarbeitung). Das Leih- oder Unternehmergeld muß also nicht den "Warenschwund", sondern den "Schwund" des menschlichen Organisations- und Innovationswertes abbilden: Eine Erfindung wird durch eine folgende und bessere Erfindung weniger Wert. Der menschliche Geist treibt die Rationalisierung immer weiter.

Wie aber erreichen wir, daß das Leihgeld altert wie der damit in Gang gesetzte Produktionsprozeß?

Da gibt es sicher verschiedene Möglichkeiten. Wir könnten prinzipiell zwei Wege einschlagen: Eine allmähliche Wertminderung oder ein abruptes Wertende. Mit Zunahme elektronischer Datenverarbeitung im bargeldlosen Zahlungsverkehr ließe sich wahrscheinlich heute dort eine allmähliche Wertabnahme (im Sinne einer Abzinsung o.ä.) leicht durchführen. Allerdings würde dies dem Schwundgeld, dem ja steigende Liquiditätskosten aufgelegt werden sollen, wieder nahe kommen. Wenn also auch in Zukunft ein gewisser Verwaltungsaufwand nicht gegen eine allmähliche Wertminderung spricht, so doch die ständige Veränderung der Geldzeichens und damit eine schwerere Überschaubarkeit der Wertverhältnisse.

Die Begrenzung der Gültigkeitsdauer des Geldes bzw. ein abruptes Wertende des Geldes ist die andere Möglichkeit der Alterung. Hierin liegen zwei Vereinfachungen:

Ein konkretes Beispiel:
In einem Land wird die Gültigkeitsdauer des Geldes auf 25 Jahre begrenzt. Jede neue Geldserie bekommt einen Aufdruck einer Jahreszahl des Wertendes (z.B. 2003 ausgegebenes Geld die Jahreszahl 2028). Der Zeitraum ist nicht exakt berechenbar, sondern muß wahrscheinlich angepasst werden im Hinblick auf seine "staulösende" bzw. kulturerneuernde Wirkung.
Für alle Kaufprozesse ergibt sich keine verminderte Restnutzbarkeit. Das Geld behält seinen Wert bis zuletzt. Für alle Leihprozesse tritt ein verminderter Restnutzen ein, weil der Unternehmer meist langfristig kalkuliert und sein Leihgeld möglichst lang gültig sein soll. Er versucht mit möglichst viel jungem Leihgeld die Unternehmung aufzubauen und wird bereit sein, hierfür mehr Zins zu zahlen. Mit der Tilgung des Kredites gelangt das alte Geld (mit neuem Geld aus Zinszahlungen) an den Gläubiger zurück.

Der Gläubiger hat nach einigen Jahren der Tilgung einen Teil des ersten Leihgeldbetrages zurück und kann dieses Geld wieder verleihen, sofern er einen Unternehmer findet, der dieses mittelalte Geld (meinetwegen hat es schon 12 Jahre "auf dem Buckel") noch will. Der Zins wird allerdings nicht mehr so hoch sein. Dieser zweite Unternehmer zahlt seine Schuld über die Jahre wieder zurück. So sammelt sich das Kapital in der Kasse des Gläubigers und er hat 2028 für die weitere Verwendung drei Möglichkeiten:

Hier könnte man einwenden, daß es doch viele andere Möglichkeiten gäbe den Wert zu konservieren (Goldkauf, Vererbung, Aktien, Reinvestition, Grundstücke etc.). Sicher, heute gibt es diese Möglichkeiten und es wird sie auch noch so lange geben, wie die Menschen nicht erkennen, daß dies die eigentliche Funktion des Geldes und damit die Funktion der Wirtschaft selbst untergräbt.

Die Alterung des Geldes ist aber sinnlos, ohne nicht gleichzeitig solche "Fluchtwege" zu versperren. Dies ist in der sozialen Dreigliederung vorgesehen. Alternative Wertaufbewahrungen bzw. "Verjüngungen" werden ein Mittel zur Macht oder Rente ohne Gegenleistung, wenn nicht eine Verknüpfung mit dem menschlichen Bedarf vorliegt.
Hier will ich kurz einfügen, daß es jedem einleuchten sollte, daß Geld und Geldvermehrung kein Selbstzweck darstellen, sondern immer auf dem menschlichen Bedarf und einer darausfolgenden Warenvermehrung fußen müssen, wenn gesunde Verhältnisse bestehen. Roland Geitmann drückt das treffend in dem Satz aus:

"Wenn ich jetzt Bedarf habe, kaufe ich, wenn ich jetzt keinen, aber später Bedarf habe, leihe ich, oder investiere ich, und wenn weder jetzt noch später Bedarf habe, dann sollte ich bitteschön schenken, damit ein anderer kaufen kann..."

Im Grunde gibt es doch zwischen der biographischen Bedürfnissituation jedes Menschen und dem Geld ein typisches Verhältnis:
In der Jugend können wir nur verbrauchen, wir benötigen Kaufgeld.
In der Mitte besteht die Möglichkeit zur Arbeit für andere. Wir erhalten Kaufgeld. Soweit man in der Mitte produktiv ist, kann man Kaufgeld sparen. So entsteht Leihgeld.
Im Alter können wir wieder nur Kaufgeld verbrauchen. Soweit der eigene Bedarf gedeckt ist, lassen sich Werte nicht endlos konservieren. Sie müssen als Schenkung für den Bedarf anderer oder durch Verfall an ein Ende kommen, wie das menschliche Leben.

Hier ist es auch richtig, wenn Hermannstorfer eine Alterung des Kaufgeldes (im Sinne der Freigeldlehre) durch ein Verderblichmachen als Entsprechung für die Verderblichkeit der Waren ablehnt:

"Diese Argumentation ist auf der Kaufebene so nicht richtig. Denn der Geldbesitzer ist immer auch Bedürfnisempfindender. Der Verderblichkeit der Waren steht die eigene Verderblichkeit gegenüber...Solange deshalb Geld kauft, solange hat Geld keinen Vorteil (gegenüber den Waren - wb)."Scheinmarktwirtschaft, S. 179

Dies sei angeführt, um zu verdeutlichen, wie wir bei jeder Gestaltung eines dreigliedrigen Geldwesens immer den Menschen im Auge behalten sollten. Die Endlichkeit seiner Bedürfnisse, die Vergänglichkeit des Menschen selbst. Hier findet das Geld sein Maß. Aus dieser Sicht ist wahrscheinlich auch eine Gültigkeit des Geldes von ein bis zwei Generationen sinnvoll. Damit Geldvermögen der Vergangenheit kein Machtmittel in der Gegenwart werden, sollten Sie im Gernationenrhyhthmus verfallen. So bleiben Leistung und Gegenleistung im Einklang. Hiermit vergleichbar ist das im Alten Testament erwähnte Jubeljahr (Halljahr, Erlassjahr; alle 70 bzw. 50 Jahre sollen alle Schulden erlassen werden; 3.Mose 25, 10).

Geld und Währung

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Geld mehr und mehr vom materiellen Gegenwert gelöst. Anfangs war das Geld selbst eine Ware, dann wählte man wertvolle und geschätzte Stoffe aus wie Gold. Weiter kam es zur Banknote mit Golddeckung (als hinterlegtem Eintauschwert) und heute ist selbst diese Golddeckung aufgehoben. Mit dem Übergang zur Kreditwirtschaft steht Geld nicht mehr hauptsächlich für ein Tauschobjekt, sondern für die Produktionsmittel. In einem Land mit hoher Arbeitsteilung und entwickelter Industrie hat das Geld eine höhere Kaufkraft als in einem Agrarland.

Kaufkraft und Währung haben gleiche Bedeutung: Sie stehen in Geld gemessen für die Summe der brauchbaren Produktionsmittel, wobei hier sowohl die Natur und der Boden (als natürliche Produktionsmittel) als auch die vom Menschen geschaffenen Produktionsmittel gemeint sind.

Damit allen Menschen der immer bestehende Zusammenhang des Geldes mit der Arbeit an der Natur, mit den Naturprodukten in Erinnerung bleibt, schlägt Steiner vor, das Geldzeichen mit der Angabe zu versehen, wieviel Arbeit dafür auf einer bestimmten Bodenfläche an dem Naturprodukt nötig war:

"Vor allen Dingen wird dadurch erreicht ein wirklich überschaubares Verhältnis innerhalb der einzelnen Glieder eines wirtschaftlichen Ganzen. Es wird erreicht die Möglichkeit, daß jeder in jedem Augenblick seinen Zusammenhang mit der Natur auch im Gelde noch hat. Und das ist ja dasjenige, was alle unsere Verhältnisse so ungesund macht, daß sie sich so viel abheben von der Natur, der Zusammenhang mit der Natur gar nicht mehr da ist.

Wenn wir es dazu bringen - und die Beantwortung der Frage ist ja nur eine Sache der Technik, die man eben im assoziativen Leben sich bilden kann -, tatsächlich statt des undefinierbaren Goldwertes den Naturwert zu haben auf unserem Papier, dann werden wir unmittelbar einsehen, im gewöhnlichen Verkehr einsehen, wieviel auch irgendeine geistige Leistung wert ist; denn ich weiß dann: Wenn ich ein Bild male, so müssen, weil ich das Bild gemalt habe, so und so viel, sagen wir, Landarbeiter so und so viel Monate oder Jahre arbeiten an Weizen, an Hafer und so weiter. Denken Sie sich, wie übersichtlich dadurch der wirtschaftliche Prozeß würde. . Man würde ja nach dem heutigen Sprachgebrauch eben dann sagen: Es ist dann eben eine Naturwährung statt einer Goldwährung da. Das würde auch gerade das Richtige sein. "340.210f