Wertbildung und Preis

Die wichtigste Frage des Wirtschaftslebens ist die Preisfrage:
Jeder hat ein Interesse - wenn auch ein verschiedenes - am Preis einer Ware, einer Leistung. Wie kommen wir zu gerechten Preisen, die allen ein ausreichendes Einkommen geben?

Diese Frage werden die in den Assoziationen zusammenkommenden Menschen konkret beantworten. Weder einzelne Menschen noch staatliche Gesetze führen in dieser Frage auf einen gesundenden Weg.

Für eine fruchtbare Zusammenarbeit in den Assoziationen ist die Erneuerung unserer Volkswirtschaftlehre eine erste Notwendigkeit. Schon die Kinder in der Schule sollten über die Grundtatsachen der Wirtschaft aufgeklärt werden und sie später wie das Einmaleins beherrschen. Dabei ist immer auf bewegliche, nicht fest umrissene Begriffe oder sinngemäße Bilder zu achten, die sich durch die eigene Lebenserfahrung aufhellen. Die Erkenntnismethode der Volkswirtschaftslehre sollte in diesem Sinne weder vom Einzelnen zum Allgemeinen führen (induktiv) noch vom Allgemeinen ableiten (deduktiv), sondern anhand gedanklicher Bilder, anhand von Charakterisierungen, die Übereinstimmung der Begriffe mit den Phänomenen zu bewahrheiten versuchen:

"Die Methode in der Volkswirtschaft ist eben eine höchst unbequeme Methode, weil sie in Wirklichkeit darauf hinausläuft, daß man die Begriffe aus unendlich vielen Faktoren zusammensetzen muß. Sie müssen auf volkswirtschaftliche Imaginationen hinarbeiten! "341.12



Der Preis

Wir haben es ja alle gelernt, daß sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bilden soll. Dabei wird behauptet, daß Angebot und Nachfrage die Konstanten und der Preis das Ergebnis, die Variable, seien:

P = f (a · n)     -"f" bedeutet "Funktion aus"-

Diese Definition ist ein Muster für viele der heutigen volkswirtschaftlichen Definitionen. Sie gelten nur für einen bestimmten Standpunkt. Sobald man diesen verändert, kann man nicht viel damit anfangen.

Jeder Konsument ist ja auch "Produzent", jeder Nachfrager nach Ware ist Anbieter von Geld. Und umgekehrt ist jeder Anbieter von Ware auch Nachfrager nach Geld.

Der Kauf eines Brötchens hängt doch nicht allein von den Preisen der Bäcker ab. Habe ich viel Geld, kaufe ich auch schon mal Brötchen zu 1,20 Euro. Habe ich wenig, leiste ich mir nur die ganz billigen Brötchen zu - sagen wir 'mal - 60 Cent. Dabei schaue ich auf meine eigene Haushaltskassenlage, die ja wieder abhängt von meinem Einkommen, das ja abhängt vom Preis meiner Leistung, der ja abhängt vom Preis der Leistung der anderen, der ja abhängt vom Einkommen der anderen...

Wir sehen:
Angebot und Nachfrage sind ebenso veränderlich wie der Preis selbst.

Wir sollten also nicht glauben, daß der Preis immer gerecht ist, der den Markt "räumt", der sich aus dem unmittelbaren Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage ergibt.
Wie ist Maxchen Müller denn zu seinem Geld für die Brötchen gekommen?
Es ist notwendig "hinter" Angebot und Nachfrage einen realen Bezugspunkt zu suchen.

Dazu wollen wir die Preisfrage in einer groben geschichtlichen Entwicklung anschauen.


Wie hat sich Wirtschaft entwickelt?

Zunächst waren da einmal Jäger und Sammler, später wurde der Mensch seßhaft, er wurde zum Bauer, es kam zu Dörfern. Weiter folgte die Stadtentwicklung, die Entwicklung von Gewerbe und Handwerk, dann von Industrie, von Ballungszentren und heute stoßen wir mit der Weltwirtschaft an die Grenzen wirtschaftlicher Verflechtungen.


1. Selbstversorgungswirtschaft

Am Anfang gab es hauptsächlich nur zwei Faktoren für die Existenz des Menschen: Die Natur und die für das Überleben notwendige Arbeit. Die historischen Jäger mußten je nach Fähigkeit und Landschaft verschieden viel Zeit für die Jagd aufwenden. Die Arbeit spielte aber auf dieser Stufe keine volkswirtschaftliche Rolle, denn noch gab es ja keine Tauschwirtschaft.

Da sehen wir, daß die Natur der Ausgangspunkt aller Wirtschaft ist. Innerhalb der vorwiegenden Haus- oder Sippenwirtschaft hatten weder die Natur noch die Arbeit einen bezifferbaren Wert. Jeder sorgte nur für den Eigenbedarf. Diese sog. Subsistenz- oder Selbstversorgungswirtschaft stand auf einer Stufe mit dem selbstversorgerischen Leben im Tierreich.


2. Tauschwirtschaft

Erst mit dem Heraufkommen der Seßhaftigkeit, mit den Dörfern, entwickelte sich langsam die Tauschwirtschaft, ein erster Handel entstand und zur Vereinfachung auf den beschwerlichen Transportwegen auch so etwas wie ein Tauschmittel, das wir heute als Geld bezeichnen.

Hier wandelte sich der bloße Naturstoff zur Ware:
Eine Ware ist nur das, was in Zusammenhang gekommen ist mit der menschlichen Tätigkeit, entweder seinem inneren Wesen nach durch menschliche Tätigkeit verändert oder durch menschliche Tätigkeit von einem Orte zum anderen gebracht worden ist.


Diese menschliche Arbeit verleiht dem an sich wertlosen Naturstoff einen für den Tausch nennbaren Wert.
Beim Tausch treffen im Preis Wert und Wert aufeinander.

Nehmen wir einen Apfel als Verkaufsware und fragen, was ist in seinem Wert enthalten?

Apfel als Naturstoff
+
menschliche Arbeit (Pflücken, Lagern, Transport) = W1


Auf dieser Stufe bildet der Apfel den Wert nicht allein aus dem Naturstoff, sondern im Zusammenhang mit der menschlichen Arbeit. Ein Apfel am Baum stellt allein noch keinen Wert dar, denn es fehlt ihm ja mindestens der Transport zum Käufer. In der ersten Tauschwirtschaft entstehen Werte, durch die in den Tausch einfließende Arbeit. Wenn Sie einen Apfel essen, essen Sie nicht allein Naturwert, sondern - Wert1 - Naturwert verändert durch menschliche Arbeit (sie essen quasi Pflück-, Lager-, Transportwert einfach mit).

Wert1 = Menschliche Arbeit angewandt auf Natur
Auch an anderer Stelle als Wert1 oder Naw bezeichnet.


3. Kreditwirtschaft

Nach und nach kam der Mensch darauf, wie er sich die Arbeit erleichtern kann. Menschliche Intelligenz, menschlicher Geist veränderten die Arbeit durch technische Erfindungen, durch Veränderung der Arbeitsabläufe, vor allem durch Gliederung, durch Arbeitsteilung. Historische Berufe (Schmied, Schuster etc.) wurden durch Arbeitsabläufe in Fabriken ersetzt.

Heute haben sich die geistigen Leistungen schon zum Teil sehr weit von jeglicher Naturbearbeitung entfernt, denn Zielpunkt dieser geistigen Leistungen ist die Veränderung, die Organisation der Arbeit. Wir erhalten dann eine neue Art, ein neues Prinzip von Wertbildung:

Wert2 = Menschlicher Geist angewandt auf die Arbeit
Auch an anderer Stelle als Wert2 oder Agw bezeichnet.

Der Einsatz des menschlichen Geistes macht immer einen gewissen Konsumverzicht notwendig, der die anfängliche Tauschwirtschaft zur Kredit- und Kapitalwirtschaft hinüberleitete. Erst die gewerblich-industrielle Produktion mit der Notwendigkeit größerer Investitionen hat in den vergangenen Jahrhunderten zur Entwicklung des Bank- und Kreditwesens geführt.

Allerdings wäre es unvollständig, würde man nicht sehen, daß der menschliche Geist nicht nur auf der Produktionsseite Arbeitsteilung und technische Erfindungen gebracht hat, sondern auch auf der Konsumseite eine Kultivierung der Bedürfnisse, weshalb ein Teil der Kapitalbildung, auch zur Befriedigung neuer geistiger Bedürfnisse dient (Kunst, Wissenschaft, Bildung u.a.).



3.1 Die Ersparnis

Heute finden wir beide Wertebildungen nebeneinander, nein, selbst in den Leistungen zu einem mehr oder weniger großen Teil gleichzeitig enthalten. Einige Waren werden im Wert stark von der Naturseite bestimmt (W1). Andere Waren werden im Wert stärker durch den menschlichen Geist bestimmt (W2). Selbst das Buch hat allerdings immer noch einen Rest Natur (Papier etc.). Dies möchte ich mithilfe eines Vergleichs zum Farbspektrum darstellen:



Diesen Vergleich finden wir auch im Nationalökonomischen Kurs (nur sagt man heute zu "ultrarot" eher infrarot = IR):

"Diejenige Wirtschaft, von der man zunächst eigentlich als einer menschlichen Wirtschaft reden kann, ist zu vergleichen mit dem, was im Spektrum als Licht sichtbar ist, während wir das, was noch in die Natur hineinragt, vergleichen müssen mit dem, was ins Ultrarote hineinragt. Da ragen wir hinein zum Beispiel in das Gebiet der Landwirtschaft, ragen hinein in das Gebiet der wirtschaftlichen Geographie und so weiter. Die Wirtschaftslehre können wir nach dieser Richtung nicht fest begrenzen. Die Wirtschaftslehre ragt hinein in ein Gebiet, das auf ganz andere Weise erfaßt werden muß. Das auf der einen Seite. Auf der andern Seite aber ist man gerade unter unseren komplizierteren Wirtschaftsverhältnissen allmählich dazu gekommen, daß eigentlich wiederum das wirtschaftliche Denken dem Menschen entfällt. Geradeso wie das Licht aufhört, gegen das Ultraviolette hinein als Licht zu erscheinen, so hört das menschliche Wirken im Wirtschaften auf, rein wirtschaftlich zu sein...
Es ist so geworden, daß heute von der einzelnen Persönlichkeit im Großen des Wirtschaftslebens ungemein wenig abhängt. Das menschliche wirtschaftliche Wirken ist schon sehr stark hineingegangen in dieses, was ich vergleichen möchte mit dem Ultraviolett. Und das ist dasjenige, was als Kapital als solches arbeitet. Die Kapitalmassen arbeiten als solche. Es liegt über dem wirtschaftlichen ein ultrawirtschaftliches Leben, was im wesentlichen bedingt ist von der Eigenkraft der Kapitalmassen, so daß wir sagen müssen: Wollen wir heute wirklich das wirtschaftliche Leben begreifen, so müssen wir es so ansehen, daß es in der Mitte liegt zwischen zwei Gebieten, wovon das eine in die Natur hinunter und das andere in das Kapital hinauf führt. Und dazwischen liegt das, was wir als das eigentliche wirtschaftliche Leben zu erfassen haben."340.17f




Die Wertebildungen W1 und W2 stehen polar zueinander. Natur verändernde Arbeit bringt positive Werte hervor, während der schaffende, schöpferische Geist die Arbeit vermindert, er erspart Arbeit. Durch diese Tatsache erhalten wir eine wichtige Hilfe bei der gegenseitigen Preisfindung, sozusagen einen ersten Bezugspunkt.

Geistige Leistungen bekommen ihren Wert, durch das Maß, was sie an körperlicher Arbeit ersparen.

Die Arbeit eines Ingenieurs an der Entwicklung einer neuen Maschine kann nur stattfinden, wenn er von der Produktion für den gegenwärtigen Konsum freigestellt wird. Dies wird ermöglicht durch Mehrarbeit, durch Konsumverzicht oder als Geldwert durch einen Kredit.

Deutlich wird hieran, daß die geistige Wertebildung immer einen Rückbezug zur Vorleistung in der Urproduktion finden muß. Das Maß der für den gegenwärtigen Konsum leistungslosen Zeit des Ingenieurs bestimmt den Wert der Innovation. Die Freistellung oder der Kredit erfolgt immer aus einem Bedürfnis nach einer entsprechenden technischen Verbesserung o.ä. Dies betrifft die gebundene Wirksamkeit des Geistes im Gebiet der Wirtschaft.

Wie aber schon erwähnt, kommen mit zunehmendem Kulturfortschritt Bedürfnisse auf, die nicht im Bereich der Rationalisierung der Wirtschaft liegen, sondern wo sich Menschen frei geistig betätigen. Ein Beispiel wäre der Pfarrer eines Dorfes, der für die Erfüllung eines religiös-geistigen Bedürfnisses arbeitet und dauernd aus der eher körperlich-produktiven Arbeit freigestellt wird. Die restlichen Menschen des Dorfes tragen diese körperliche Arbeit wie für die sonstigen reinen Verbraucher (Kinder, Alte etc.) mit. Diese Freistellungsleistung gibt ebenso das Wertmaß für den Preis, wie die Freistellung des in der Wirtschaft eingebundenen Geistes.


3.2 Der Ausgleich oder die Kompensation

Es wurde oben angedeutet, daß der Naturwert-Pol einen positive Wirkung, der Geistwert-Pol eine negative Wirkung hat. Die Wert- oder Geldseite der Wirtschaft muß also bei stetiger Rationalisierung auch eine stetige Wertekompensation erfahren. Mit anderen Worten: Die geistige Leistung wurde ermöglicht durch einen in der Vergangenheit liegenden Konsumverzicht oder Kredit, dem die nachfolgende Arbeitsersparnis entspricht.


Erfolgt zudem eine Ausweitung der Geldmenge, so ist dies eine doppelte Guthaben-Buchung. Diese "Überkapitalisierung" kommt dann vor allem dem Industrie- und Dienstleistungsbereich zugute, der die Gelder reinvestiert oder - soweit Sättigung eintritt - in leistungslose Rentenbildung steckt. Dort wo menschlicher Geist nur wenig Rationalisierung bewirken kann, hauptsächlich in der Landwirtschaft, führt dies zu spürbaren Einkommensverlusten und einem Substanzabbau.

Mit Ausweitung der Geldmenge für geistige Leistungen wird heute die Bilanz zwischen Werten aus eher körperlicher und Werten aus eher geistiger Arbeit ständig verfälscht. Für die Geldmenge sind geistige Leistungen negativ zu bewerten.


Beim in die Wirtschaft eingebundenen Geist erspart die nachfolgende Verbesserung Arbeit (oder Material, das aber letztlich auch Arbeit als Einkommen der Vorverarbeiter ist). Beim freien Geist im Kulturbereich wird die Ersparnis von anderen erbracht.

Konsumverzicht und ersparte Arbeit sind die zwei Seiten eines zusammengehörigen Vorgangs. Die Geldmenge muß konstant bleiben. Die Währung - oder mit einem anderen Wort - die Kaufkraft steigt durch Zunahme bzw. Verbesserung der Produktionsmittel.


3.3 Scheinwaren und Scheinwerte

Durch den menschlichen Geist und die heraufkommende Geldwirtschaft hat sich ein gewisser Schleier über die Wirtschaft gelegt, der die realen Werteverhältnisse kaschiert. Die beschriebene Überkapitalisierung hat nach und nach dazu geführt, daß zuviel Geld in der Wirtschaft verblieb und "Anlage" suchte. Hier passt das Bild eines "Geldstaus", der keinen Abfluß findet. So wurden nach und nach alle Produktionsfaktoren: Arbeit, Boden und Kapital (Produktionsmittel und Geld) zu Waren. Dies sei kurz erläutert:

 Ware:
  Eine Ware ist nur das, was in Zusammenhang gekommen ist mit der menschlichen Tätigkeit, entweder seinem inneren Wesen nach durch menschliche Tätigkeit verändert oder durch menschliche Tätigkeit von einem Orte zum anderen gebracht worden ist. Eine Ware ist zum unmittelbaren Verbrauch da, unterliegt einer Abnutzung, Alterung.
 Scheinwaren:
Boden Boden ist die feste Erdoberfläche. Er kann nicht durch menschliche Tätigkeit vermehrt, wohl - wenn nötig - mit Mühe aufgebessert werden. Er ist nicht zum Verbrauch da und unterliegt bei guter Pflege einer jährlich wiederkehrenden Fruchtbarkeit. Die Benutzung des Bodens kann daher nur ein Recht sein, das nicht durch Kauf und Verkauf übertragen werden darf.
Arbeit Arbeit ist keine Ware, sondern integrativer Bestandteil eines Menschen. Die menschliche Arbeit darf kein Verbrauchsprozeß sein. Der gesamtwirtschaftliche Einsatz wird demokratisch bestimmt. Die direkte Kopplung von Arbeit und Einkommen macht die Arbeitsleister zu Anbietern von "Arbeitsware" mit dem Wunsch nach größtmöglicher Vermehrung (bzw. bester Bezahlung), was nicht zu Scheinwerten, aber zu unnötiger Arbeit, zu Verschleißwirtschaft führt.
Produktions-
mittel
Produktionsmittel sind Güter, die aber nicht dem unmittelbaren Verbrauch dienen. Ihre langfristige Nutzung verlangt eine dem Boden entsprechende Behandlung, denn sie könnten als "verlängerter" Boden verstanden werden. Sie dürfen nach Fertigstellung wie der Boden nicht gekauft und verkauft werden. Ihre Nutzung ist ein Recht, das befähigten Unternehmern aus ihrer Eigeninitiative zusteht.
 Scheinwerte:
Geld Geld kann nur Anweisung auf eine Ware und nicht selbst Ware sein. Es ermöglicht als Wertmesser und Zwischentauschmittel den Warentausch. Es ist die "Buchführung" der Wirtschaft im Großen. Die Geldmenge sollte immer im Verhältnis zu den bearbeiteten Naturwerten (W1) stehen.


Scheinwaren blähen die Geldmenge auf, führen also zu Scheinwerten. Gerechte Preise sind ohne Eliminierung dieser Scheinwaren und Scheinwerte nicht möglich. Hierzu sind Regelungen und Einrichtungen im Bereich des staatlichen Rechtslebens vorzunehmen, die ich dort erklären werde. Einzig die Geldverwaltung ist eine originäre Aufgabe der Wirtschaft. Hier muß Kreditschöpfung an tatsächlichen Investitionsbedarf und nicht an bloße Gewinnmaximierung aus dem Nichts gekoppelt werden.


4. Die Schenkungswirtschaft

Diese Wirtschaftsstufe kann in der Zukunft die Fortentwickelung der Kreditwirtschaft darstellen. Vom Standpunkt der heutigen Schulökonomie könnte das als ein Witz verstanden werden, doch wird sich die Notwendigkeit eines Abflusses überschüssiger und sonst sozialschädlicher Gelder nicht anders bewirken lassen. Auch heute schon findet ein chaotischer Entwertungsprozeß z.B. durch internationale, betriebliche und vermehrt auch private Schuldabschreibungen statt. Dies betrifft Werte und Scheinwerte, letztere aber vermehrt.

In einer gesunden assoziativen Wirtschaft werden ebenso "echte" Überschüsse entstehen (wenn auch viel geringer als heute) für die weder eine Verwendung als Einkommen der Mitarbeiter noch eine betriebliche Reinvestition sinnvoll sein wird. Bei so einer Sättigung entsteht die Aufgabe eine notwendige Entwertung möglichst sinnvoll zu gestalten. Die Frage ob Entwertung sein muß, kann nur mit "Ja" beantwortet werden; was allein zur Debatte stehet ist das "Wie".

Wie oben schon angedeutet hat der menschliche Geist hier ein Feld aufgetan und durch eigene Lebenswirksamkeit völlig neue Bedürfnisse geschaffen, die die durch den Geist gegebene Rationalisierung begleiten.

Wie der Geist einerseits Urheber der Überschüsse ist, so bietet er auch inform neuer kultureller Bedürfnisse einen Weg zu deren Abbau. Alle freien Schenkungen für Einrichtungen des Kultur- und Geisteslebens können als Investitionen für die Zukunft verstanden werden, die Menschen ausbilden und fähiger machen und langfristig wieder "Ressourcen" der Wirtschaft darstellen. Damit soll nicht nur eine berufliche Qualifizierung, sondern überhaupt jegliche menschliche Entwicklung gemeint sein.


Zusammenfassung

Nach dieser Kurzdarstellung der wirtschaftlichen Entwicklung sehen wir auf folgende Stufen (ohne Stufe 1):



Tauschwirtschaft Natur wird zur Ware
Hauptgeste: zahlen
Kreditwirtschaft Ware wird zu Kredit Hauptgeste: leihen
Schenkungswirtschaft Kredit wird zur Schenkung Hauptgeste: schenken

Die Tauschwirtschaft ist Vergangenheit. Dies muß man wie folgt relativieren: Faktisch ist sie Vergangenheit, seelisch aber lebt eine selbstversorgerische Mentalität noch im Bewußtsein vieler Menschen.

Die Kreditwirtschaft ist Gegenwart. Sie ist Ausdruck für das Hereinwirken des menschlichen Geistes und hat mit allen dargestellten Problemen das ursprünglich aus der Tauschwirtschaft stammende Wertbildungsprinzip W1 um ein neues Prinzip, W2, ergänzt. Arbeitsteilung führt zur Fremdversorgung.

Die 3. Stufe ist noch Zukunft. Erste keimhafte Ansätze werden erst dann zur vollen Entfaltung kommen, wenn wir die unter 3.1 bis 3.3 genannten Fehlentwicklungen ausgleichen.
Die besondere Bedeutung des Geldes soll als nächstes dargestellt werden, wodurch sich weitere Bezugspunkte für die Preisfrage ergeben.