Begriff der Assoziation


Unter Assoziationen verstehen wir allgemein Verbindungen. Wir sprechen von assoziieren, wenn gedankliche Vorstellungen mit etwas verknüpft werden oder sich Menschen genossenschaftlich zusammenschließen. Der Wortteil "sozi" = lat. Genosse, Weggefährte, ist nicht identisch, doch wohl sinnverwandt mit dem Bruder, wie auch eine Ähnlichkeit der Zusammenarbeit zwischen einer Genossenschaft und einer Bruderschaft besteht. So ist es verständlich, wenn Steiner diesen Begriff wählte, um damit innerhalb einer dreigliedrigen Gesellschaft wirtschaftliche Organe zu bezeichnen, die die Aufgabe geschwisterlicher Zusammenarbeit übernehmen. Gleichwohl muß deutlich vorweggenommen werden, daß Assoziationen anders als Genossenschaften über einen gewissen "Gruppenegoismus" im Rahmen üblicher Marktwirtschaft hinauszielen.

Das neue Verständnis von Assoziationen umfasst eine neue Entwicklungsstufe der Wirtschaft: Von der Selbstversorgerwirtschaft und Tauschwirtschaft, über die Marktwirtschaft zur assoziativen Wirtschaft. Von der unbewußten, blutmäßigen Einheit der Interessen, über die zunehmende Zersplitterung und wieder zu einer bewußten, frei gewählten Verbindung der Interessen; einer Einheit auf höherer Ebene.

Der Wirtschaftskreislauf baut auf den berechtigten Bedürfnissen aller Menschen eines Wirtschaftsgebietes auf. Freie Marktwirtschaft versucht diese Bedürfnisse auf der Nachfrageseite mittels der Einrichtung des ungeregelten, frei zugänglichen Marktes mit der Angebotsseite in Einklang zu bringen. Konkurrenz und Anonymität sind systembedingt und sollen nach der klassischen Theorie von Smith, zur egoistischen Einzelinitiative anspornen ("freie Bahn dem Tüchtigen"). Der "Kampf" der Anbieter gegeneinander um die Gunst der Nachfrager soll das Gesamtwohl fördern. Es zeigt sich aber, daß gerade so ein riesiges Leistungspotential verschlissen wird oder brach liegt und Fähigkeiten und Erfahrungen nicht zum bestmöglichen Wohl wirken können.

Volkswirtschaftliches Urteil

Ein besonderes Problem liegt darin, daß durch die Arbeitsteilung die Erfahrungen und Informationen der Wirtschaft dezentralisiert, "zersplittert" sind und die freie Marktwirtschaft vom System her die Zusammenführung erschwert oder unmöglich macht (Kartellrecht etc.). Beispielsweise hätten zahlreiche Insolvenzen der vergangenen Jahre vermieden werden können, wenn genauere Informationen über die jeweilige Bedürfnissituation (regional/Branche) vorgelegen hätten.

Der Nettonutzen der Anonymität und gegenseitigen Verdrängung der Anbieter wird stark vermindert. Nicht umsonst drängt die heutige Wirtschaft in die Konzentration um den Vorteil der Transparenz und Zusammenarbeit konzernintern zu nutzen. Allerdings mit dem für die Allgemeinheit gravierenden Nachteil, daß noch viel größere Teile des Sozialproduktes für noch viel weniger private Kassen abgeschöpft werden. Smith würde sich wohl im Grabe umdrehen, würde er sehen, wie "seine" freie Marktwirtschaft unter heutiger Konzentration verzerrt wird.

In einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist jedes Einzelurteil falsch!
Es ist die Hauptaufgabe neuer Einrichtungen, der Assoziationen, daß sich die Menschen darin verbinden, um die zersplitterten Erfahrungen zu einem Gesamturteil wieder zusammenzuführen. Die Assoziationen sind Wahrnehmungsorgane, die die vielfältigen Erfahrungen zusammenführen und miteinander harmonisieren. Diese Zusammenführung mündet in Verträge.

"Ein wirtschaftliches Urteil bloß aus der Individualität heraus zu bilden, wird den Menschen der Zukunft, wenn sie sich richtig entwickeln, so vorkommen, wie der berühmte Jean Paulsche Schläfer, der mitten in der Nacht im finstern Zimmer aufwacht, nichts sieht, nichts hört, und nachdenkt, wieviel Uhr es ist, und es durch Nachdenken herauskriegen will. Man muß im Einklange mit seiner Umgebung stehen, wenn man sich mitten in der Nacht ein Urteil bilden will, wieviel Uhr es ist. Und man wird in der Zukunft, wenn man sich ein wirtschaftliches Urteil bilden will, sagen wir, ein Preisurteil oder ein Urteil, wieviel Arbeiter in einer bestimmten Branche arbeiten dürften, man wird um sich haben müssen Assoziationen, solche Assoziationen, welche in dieser Branche produzieren, solche Assoziationen, welche in dieser Branche konsumieren. Und aus dem Zusammenfluß dessen, was von diesen Assoziationen ausgeht, wird man sich ein Urteil bilden. So wie man das heute will, von der Individualität aus, das würde eben dem Schläfer gleichkommen, der aus sich selbst herauskriegen will, wieviel Uhr es ist. Das hat sich ja eben gerade gezeigt, wie weit man mit einem solchen Urteil kommt, welches nicht auf assoziative Erfahrung gestellt ist. "199.91f

Wie "nachtblind" wirkt doch im vorgenannten Sinne die Marktwirtschaft, die allein am Gewinn eine Erkennungsmarke hat, ob ein Produkt auf ein Bedürfnis trifft oder nicht. Selbst die "Marktforschung" verhält sich zum assoziativen Urteil wie ein Urlaubsprospekt zum wirklichen Urlaubserlebnis.

Auf der Verbrauchseite ist eine entsprechende "Blindheit" in den billigsten Marktpreisen zu sehen: Nur weil am Markt niemand die sozialen Folgen der Billig-Preis-Mentalität bilanziert, bleibt deren Schädlichkeit im Unbewußten. Dadurch, daß alle Produkte billiger werden und entsprechend auf der Einkommensseite weniger da ist, wird weder Wohlstandssteigerung noch Verteilungsgerechtigkeit erreicht.

Die Assoziationen sollen die nötige Transparenz, die Überschau in der arbeitsteiligen Wirtschaft schaffen und unternehmerische Einzelinitiativen aus dem Bewußtsein des Gesamtwirtschaftlichen fördern. In diesem Sinne sind Absprachen und Zusammenarbeit gewünscht.



Ob die Polaritätsebene Erzeuger-Verbraucher horizontal oder vertikal (wie von H.-G. Schweppenhäuser in Fallstudien Heft 1, S.22) dargestellt wird ist m.E. nicht entscheident. Entsprechendes für die andere Ebene gleicher Interessen. Wichtig ist der der Marktwirtschaft eigene Charakter der "Dissassoziation"



Assoziative Verträge

Absprachen und Verträge werden das Wirtschaftsgebiet durch ein Netz von Assoziationen miteinander verbinden. Dies erfordert die Zusammenarbeit vieler. Sobald von einer Assoziation gesprochen wird, geht es um die Verbindung verschiedener Interessen und Branchen. Assoziationen innerhalb einer Branche gibt es nicht, denn das sind keine Assoziationen, sondern Assoziationen gehen von Branche zu Branche, gehen vor allen Dingen auch von den Produzenten zu den Konsumenten hin. Die Verträge sind in Zukunft unter Korporation gleicher Interessen (Berufe/Branchen) und Assoziation verschiedener Interessen (Hersteller/Verbraucher) auszuhandeln.

Die Verträge sind befristet und werden - anders als Gesetze - dem ständigen Wandel schnell angepasst werden können.

Auch müßte nicht jedes einzelne Produkt, jede Dienstleistung eines Unternehmens in Relation gesetzt werden. So ließen sich bestimmte Schlüsselleistungen festlegen, die von ihrem Aufwand (zeitlich, materiell) in einem festgelegten Verhältnis zu den sonstigen Leistungen des Unternehmens stehen. Die Vertragsarbeit würde minimiert.

Dabei spielen allein wirtschaftliche Erfahrung und Sachverstand eine Rolle. Anders als im Bereich des Rechtslebens kann deshalb nicht jeder mitentscheiden, sondern nur der, der als Produzent oder Konsument in der Sache die erforderliche Kompetenz aufweist. So wird nicht jeder direkt, aber doch mittelbar mit der ganzen Wirtschaft verbunden sein:



Ziel der assoziativen Arbeit

Ziel aller vertraglichen Verhandlungen ist es, durch den Preis die Lebenslagen aller Menschen so in ein gerechtes Verhältnis zueinander zu bringen, daß niemand menschenunwürdig leben muß und darüber hinaus die Leistungen des Einzelnen vor dem Hintergrund des Gesamtleistung gerecht getauscht werden. Wie bereits bei der Arbeitsteilung erwähnt, stellen Preise der assoziativen Wirtschaft ja eine grobe Vorstrukturierung der Einkommen innerhalb der gesamten Wirtschaft dar. Die feinere Aufteilung der sich durch die Preisrelationen ergebenden betrieblichen Einnahmen erfolgt durch die arbeitsvertraglich vor der Arbeit festgelegten Einkommensanteile (s. hier).


Aufgaben der Assoziationen

Schließlich sei noch bemerkt, daß die Assoziationen nicht über die Art der Bedürfnisse zu urteilen haben. Dies ist eine Frage des Kultur- und Geisteslebens. Nur die Erziehung, Bildung und persönliche Entwicklung der Menschen kann dazu führen, schädliche Bedürfnisse aus der Welt zu schaffen.

Der Ausgleichsgedanke

Die Urproduktion und insbesondere die Landwirtschaft hat die Eigenart, daß sie nur in viel geringerer Weise als die Industrie rationalisieren kann. Sie hat eine viel größere Starrheit in den Erzeugungsbedingungen: das Boden, Klima und landwirtschaftliche Erzeugnisse können nicht beliebig verändert werden. Ganz anders in der Industrie: Hier führt der technische Fortschritt zu einer fast kontinuierlichen Steigerung der Rentabilität. Dies wird aber nicht 1:1 an die Preise weitergegeben, so daß die Preise der Industrie gegenüber der Urerzeugung höher sind als es für den Lebensunterhalt der Landwirte möglich ist zu zahlen.

Daher ist es äußerst sinnvoll gleich von Anfang an in jeder Assoziation außer einer Zahl von Industriebetrieben auch eine Zahl von Landwirtschaften aufzunehmen. Das wird dazu führen, daß sich die zu teuren und die zu billigen Preise gegeneinander aufrechnen. So würde vor allem der riesige Umweg durch die staatliche Agrarbürokratie (Steuerzahlungen - Subventionen/Direktzahlungen) gespart und die Weisheit wäre die gleiche: Wir müssen die Landwirtschaft ernähren, sonst ernährt sie uns nicht.

Auch sollten die Assoziationen schon bei der Gründung auf eine Durchmischung achten, daß stark rentable Unternehmen, jüngere, aber erst später rentabel werdende Unternehmen unterstützen.




Es folgen Zitate Steiners, die bestimmte Einzelfragen behandeln:

Größe der Assoziationen


"Zu kleine Genossenschaften fördern das Verhungern der Teilnehmer dieser Genossenschaften, zu große Genossenschaften fördern das Verhungern der anderen im wirtschaftlichen Leben mit diesen Genossenschaften verbundenen Menschen. Darum wird es sich handeln, daß dieser zweifachen Verkümmerung der menschlichen Bedürfnisse ausgewichen werde. Das wird die Richtlinie sein, in welcher gearbeitet werden muß aus allen Gliedern des Volksganzen heraus. Denn es läßt sich nicht durch irgendein mathematisches Errechnen finden, wie groß eine solche Genossenschaft sein muß, sie muß an dem einen Orte eine bestimmte Größe haben, an einem anderen Orte eine andere. Sie muß ihre Größe regeln nach den tatsächlichen Voraussetzungen. "330.203

Hinweis: Genossenschaften ist hier gleichbedeutend mit Assoziationen





Struktur der Assoziationen


"Insofern diejenigen Menschen im Geistesleben als Unterrichtende oder Erziehende stehen, wird das Geistesleben von innen, unabhängig vom Staats- und Wirtschafsleben, nach rein pädagogisch-didaktischen Gesichtspunkten und innerlichen geistigen Ideen einzurichten sein; sonst sind sie, da sie ja auch leben müssen, eine Wirtschaftsgenossenschaft im Wirtschaftsorganismus innerhalb des dreigliedrigen sozialen Organismus. Und genau ebenso, wie ein Betrieb von Fabrikarbeitern selbstverständlich weiß, daß ihm aus dem Wirtschaftsleben heraus dasjenige wird, was er braucht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, so wird die Räteschaft des Wirtschaftslebens auch dafür zu sorgen haben, daß in der richtigen Weise ein wirtschaftliches Verhältnis besteht zwischen dem Wirtschaftskörper, der selbständig ist im dreigliedrigen sozialen Organismus, und dem andern Wirtschaftskörper, der das geistige Leben zu besorgen hat. Und was zwischen drinnen als das dritte Glied des sozialen Organismus bleibt, der Rechtsstaat, der wird dafür zu sorgen haben, daß dasjenige, was im freien Wirtschaftsvertrag geschlossen wird zwischen dem Wirtschaftskörper und dem Geistkörper, daß das auch wirklich ausgeführt werde. "330.287


"Insofern diejenigen Menschen im Geistesleben als Unterrichtende oder Erziehende stehen, wird das Geistesleben von innen, unabhängig vom Staats- und Wirtschafsleben, nach rein pädagogisch-didaktischen Gesichtspunkten und innerlichen geistigen Ideen einzurichten sein; sonst sind sie, da sie ja auch leben müssen, eine Wirtschaftsgenossenschaft im Wirtschaftsorganismus innerhalb des dreigliedrigen sozialen Organismus. Und genau ebenso, wie ein Betrieb von Fabrikarbeitern selbstverständlich weiß, daß ihm aus dem Wirtschaftsleben heraus dasjenige wird, was er braucht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, so wird die Räteschaft des Wirtschaftslebens auch dafür zu sorgen haben, daß in der richtigen Weise ein wirtschaftliches Verhältnis besteht zwischen dem Wirtschaftskörper, der selbständig ist im dreigliedrigen sozialen Organismus, und dem andern Wirtschaftskörper, der das geistige Leben zu besorgen hat. Und was zwischen drinnen als das dritte Glied des sozialen Organismus bleibt, der Rechtsstaat, der wird dafür zu sorgen haben, daß dasjenige, was im freien Wirtschaftsvertrag geschlossen wird zwischen dem Wirtschaftskörper und dem Geistkörper, daß das auf wirklich ausgeführt werde. "338.168f


" Man fürchte nicht, dass man durch das assoziative Prinzip zu einer furchtbaren Bürokratie kommen werde. (Die Bürokratie wird ja heute schon genug besorgt in allen Ländern der Erde gerade aus andern Verhältnissen heraus !) Was ich hier als wirtschaftliches Assoziationswesen meine, das wird sich einrichten lassen neben der Arbeit, durch die Arbeit hindurch. Und da wirtschaftliche Gebiete, wirtschaftliche Assoziationen, wenn sie zu groß werden, unübersichtlich werden, wenn sie zu klein werden, zu teuer arbeiten, so hat die wirtschaftliche Organisation je nach den klimatischen und sonstigen Verhältnissen, auch nach den Charakteren der Menschen usw., eine bestimmte Größe.

"Die Assoziationen assoziieren sich weiter. Das gibt dann erst die Grundlage für die großen Weltassoziationen, für den großen Weltwirtschaftsbund, der nur aus einem vom Geistesleben und vom Staatsleben unabhängigen Wirtschaftsleben heraus geschaffen werden kann."
Delft, 25. Febr. 1921 (aus einer Sammlung von Fritz Götte für den "Heidenheimer Kreis")


"Und im staatlichen Leben soll nur das verwaltet werden, was auf demokratischer Grundlage verwaltet werden kann, worüber jeder mündige Mensch entscheiden kann. Jeder mündige Mensch kann aber nicht einfach entscheiden, was die beste Art ist, dieses oder jenes Produkt von dem einen zum anderen Ort zu bringen; dazu gehört Sachverständnis. Und Sachverständnis haben nur die Menschen aus den jeweiligen Wirtschaftszweigen selbst. Deshalb muß das gesamte Wirtschaftsleben auf Sachverständnis beruhen und zugleich eine gewisse föderative Struktur aufweisen.

Professor Heck, der manches Törichte gesagt hat, hat vorzugsweise Angst, daß dann, wenn eine solche Art der Verwaltung entsteht, im Wirtschaftsparlament - ein solches wird es aber nicht geben, es wird nur einen wirtschaftlichen Zentralrat geben - der kleine Handwerker den Großindustriellen, der Landarbeiter den Naturwissenschaftler nicht verstehen wird. Ja, aber eine solche Situation entsteht gar nicht erst, weil die Assoziationen, die im Wirtschaftsleben entstehen, sich kettenförmig zusammenschließen und von Assoziation zu Assoziation sachgemäß verhandelt werden wird. Es bezeugt eben gerade ein solcher Einwand, daß man das Wirtschaftsleben nicht auf demokratische Art verwalten kann, sondern nur föderativ, assoziativ. Es kann nur etwas durch sachgemäße Verhandlungen zustande kommen.

Also, da sitzen, sagen wir, Vertreter der Schuhbranche, Vertreter der Metallindustrie oder der Textilindustrie, und die verstehen alle speziell etwas von ihrer Sache. Und die Versammlung ist nun dazu da, daß jeder sein sachgemäßes Urteil über das Festsetzen gerechter Preisverhältnisse abgibt. Es ist doch etwas ganz anderes, wenn man sich die verschiedenen Urteile anhört und jeder seine Forderungen geltend macht, als wenn man einfach auf demokratische Art abstimmt. Dies würde ja nichts anderes bewirken, als daß sich gewisse Wirtschaftszweige zusammenschließen und die anderen majorisieren. Dann würde die Minderheit nie zu ihrem Recht kommen können. Bei einer Konstitution, die aus dem Sachzusammenhang des wirtschaftlichen Lebens selbst heraus entsteht, ist eine solche Majorisierung ausgeschlossen. "331.278f



Zur Konkurrenz


Nach und nach wird durch die Arbeit der Assoziationen Vertrauen entstehen und die heutige Konkurrenz in eine freie Konkurrenz verwandeln. Diese Konkurrenz wird seinen gesunden Platz finden im Kultur- und Geistesleben als Konkurrenz der Ideen und Fähigkeiten:

"Wenn Sie das durchdenken, - was verschwindet dann, wenn man wirklich auf diesem Wege durch Zusammenschließung der Branchen den Preis bestimmen kann? Es hört die Konkurrenz auf! es ist nur nötig, dieses Aufhören der Konkurrenz in einer gewissen Weise zu unterstützen. Und man kann es dadurch unterstützen, daß ja immer ein Bedürfnis dazu vorhanden sein wird, daß sich die Leute gleicher Branche auch zusammenschließen .

Aber dieses Zusammenschließen der Leute gleicher Branche verliert tatsächlich seinen wirtschaftlichen Wert, wenn dadurch, daß man nicht zu konkurrieren braucht auf dem freien Markt, man nicht nötig hat, den Preis zu unterbieten und dergleichen. Dann werden allerdings die Assoziationen - die sich im wesentlichen von Branche zu Branche begründen - durchzogen sein von jenen Vereinigungen, die wir dann wieder Genossenschaften nennen können, die aber keine eigentlich wirtschaftliche Bedeutung mehr zu haben brauchen, die mehr herausfallen aus dem eigentlich wirtschaftlichen Leben. Wenn sich diejenigen, die ein gleiches Produkt fabrizieren, verbinden, so wird das ganz gut sein. Aber es wird eine gute Gelegenheit sein, daß sich mehr geistige Interessen da entfalten, wenn da die Leute, die aus gemeinsamen Denkrichtungen heraus arbeiten - vorzugsweise dadurch, daß sie sich kennen lernen - einen gewissen moralischen Zusammenhang haben. Wer real denkt, kann sehen, wie schnell sich das machen ließe, daß abgetastet würde die Sorge um die Preisbestimmung von den Verbänden der gleichen Branche und die Preise lediglich bestimmt würden von den Verbänden der ungleichen Branchen. Denn es würde sich dadurch - indem das Moralische einziehen würde in die Verbände gleicher Branche - am besten die Brücke schaffen lassen zu der geistigen Organisation des dreigliedrigen sozialen Organismus."
Dornach, 12.Okt. 1920 (aus einer Sammlung von Fritz Götte für den "Heidenheimer Kreis")



Zur Kreditgewährung


"Die Kompliziertheit des modernen Lebens hat immer mehr dazu geführt, daß wie für ältere Kulturen ein Übergang stattfand von der Natural- zur Geldwirtschaft, so für jüngere ein solcher zu einem Arbeiten auf der Grundlage von Kreditgewährung. Wir stehen in einem Zeitalter, in dem das Leben notwendig macht, daß der eine mit den Mitteln arbeitet, die ihm ein anderer oder eine Gemeinschaft im Vertrauen auf seine Leistungsfähigkeit überantworten. Für das kapitalistische Wirken geht aber der menschlich befriedigende Zusammenhang mit den Lebensbedingungen durch die Kreditwirtschaft völlig verloren. Kreditgewährung mit der Aussicht auf entsprechend erscheinende Kapitalvermehrung und Arbeiten unter dem Gesichtspunkte, daß das in Anspruch genommene Vertrauen kapitalmäßig gerechtfertigt erscheint, werden die Antriebe des Kreditverkehrs. Das aber liefert Ergebnisse im sozialen Organismus, durch welche die Menschen unter die Macht lebensfremder Kapitalumlagerungen gebracht werden, die sie in dem Augenblicke als menschenunwürdig empfinden, in dem sie sich ihrer in vollem Maße bewußt werden.
Wird auf Grund und Boden Kredit gewährt, so kann im gesunden sozialen Leben dies nur von dem Gesichtspunkte aus geschehen, daß einem mit den notwendigen Fähigkeiten ausgestatteten Menschen oder einer Menschengruppe die Möglichkeit gegeben werde, einen Produktionsbetrieb zu entfalten, der aus allen in Betracht kommenden Kulturbedingungen heraus gerechtfertigt erscheint. Wird aus der rein kapitalistischen Orientierung heraus Kredit auf Grund und Boden gewährt, so kann es geschehen, daß dieser seiner sonst wünschenswerten Bestimmung entzogen werden muß, damit er einen Warenwert erhalte, welcher der Kreditgewährung entspricht.

Ein gesundes Kreditgewähren setzt eine soziale Struktur voraus, durch welche die Lebensgüter eine Bewertung finden, die in ihrer Beziehung zur leiblichen und geistigen Bedürfnisbefriedigung der Menschen wurzelt. Ein selbständiges Geistes- und Rechtsleben führt die Menschen zu einem lebensvollen Erkennen und Geltendmachen dieser Beziehung. Dadurch wird der Wirtschafskreislauf so gestaltet, daß er die Beurteilung der Produktion in Abhängigkeit bringt von dem, was die Menschen bedürfen, und sie nicht beherrscht sein läßt von Mächten, bei denen die konkreten menschlichen Bedürfnisse in der abstrakten Kapital- und Lohnskala ausgelöscht erscheinen.

Das Wirtschafsleben im dreigliedrigen sozialen Organismus kommt durch das Zusammenwirken der aus den Produktionserfordernissen und Konsumtionsinteressen sich bildenden Assoziationen zustande. Diese werden die Entscheidungen haben über die Kreditgewährung und Kreditentgegennahme. In den Verhandlungen solcher Assoziationen werden die Antriebe eine entscheidende Rolle spielen, die aus dem geistigen und dem Rechtsgebiet heraus in das Wirtschaftsleben hineinwirken. Die Notwendigkeit einer bloß kapitalistischen Orientierung ist für diese Assoziationen nicht vorhanden. Denn die eine Assoziation wird mit der andern im Wechselverkehr stehen. Dadurch werden die einseitigen Interessen des einen Produktionszweiges durch diejenigen des anderen geregelt.

Die Verantwortung für Kreditgewährung und Kreditentgegennahme wird den Assoziationen zufallen. Dadurch wird die Bedeutung der individuellen Fähigkeiten der Einzelpersönlichkeiten nicht beeinträchtigt, sondern erst zur vollen Geltung gebracht. Der einzelne ist seiner Assoziation gegenüber verantwortlich für die bestmögliche Leistung; und die Assoziation ist anderen Assoziationen gegenüber verantwortlich für die zielgemäße Verwendung der Leistungen. In solcher Teilung der Verantwortlichkeit liegt die Gewähr dafür, daß die Produktionsbetätigung aus einander in ihrer Einseitigkeit korrigierenden Gesichtspunkten vor sich geht. Es wird nicht aus den Erwerbsantrieben der einzelnen in das Gemeinschaftsleben hinein produziert, sondern aus den sachgemäß wirkenden Bedürfnissen der Gemeinschaft heraus. In dem Bedarf, den eine Assoziation feststellt, wird die Veranlassung zur Kreditgewährung für eine andere liegen können.

Wer nur an gewohnten Gedankengängen hängt, der wird sagen: das sind " schöne " Gedanken; aber wie soll man aus dem gegenwärtigen Leben in ein solches hineinkommen, das auf dergleichen Ideen ruht? Es handelt sich darum, einzusehen, daß das hier Vorgeschlagene tatsächlich unmittelbar in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Man hat nur nötig, den Anfang mit den gekennzeichneten Assoziationsbildungen zu machen. Daß dies ohne weiteres möglich ist, sollte eigentlich niemand bezweifeln, der einigen gesunden Sinn für die Wirklichkeiten des Lebens hat. Solche Assoziationen, die auf der Grundlage der Dreigliederungsidee ruhen, sind doch wahrlich ebensogut zu bilden wie Konsortien, Gesellschaften und so weiter im Sinne der alten Einrichtungen. Es ist aber auch jede Art von Wirtschaftsverkehr der neuen Assoziationen mit den alten Einrichtungen möglich. Man braucht durchaus nicht daran zu denken, daß das Alte zerstört und künstlich durch das Neue ersetzt werden müsse. Das Neue stellt sich neben das Alte hin. Jenes hat sich dann durch seine innere Kraft und Berechtigung zu bewähren; dieses bröckelt aus der sozialen Organisation heraus. "24.259ff



Sonstige Aspekte


Zentralistisch gelenkte Wirtschaft und Arbeitszwang gehören zusammen

"Man kann nun sagen: Wir kümmern uns nur um die Bedürfnisse, produzieren dann zentralistisch das, was für die Bedürfnisse notwendig ist, und verteilen dass Ja, sehen Sie, da stellt sich dann heraus, daß man die Nötigung hat, mindestens den furchtbaren Arbeitszwang einzuführen... Aber er ist gar nicht notwendig, wenn man restlos durchführt das Prinzip: Leistung muß in sachgemäßer Weise der Gegenleistung gleich sein."
Stuttgart, 24. Juni 1919 (aus einer Sammlung von Fritz Götte für den "Heidenheimer Kreis")


"Und man sollte eigentlich nicht irgendwie eingeschachtelt in Paragraphen und in Prinzipien sich das vorstellen, was diese Assoziationen tun werden. In diesen Assoziationen werden wiederum Menschen sein, die aus der ganzen Wärme des menschlichen Empfindens und Erlebens heraus werden Urteile fällen können. "337b.102- Hervorhebung WB -


"Es handelt sich darum, wo man mit der Arbeit im volkswirtschaftlichen Leben beginnt. Geht man dagegen vom Verständnis der Bedürfnisse aus, dann werden allmählich nur solche nötigen Produkte erzeugt, so daß sich die Produktion nicht fortwährend hinten zusammenschoppt, [sich staut an den lebensnotwendigen Bedürfnissen]; es wird dann nämlich vorn so produziert, daß hinten die wirklich vorhandenen Bedürfnisse befriedigt werden können. Wenn man nur über die Erträge spricht, so zäumt man gewissermaßen das Pferd beim Schwanz auf. Es handelt sich darum, daß man sich das Leben anschaut und weiß, wo die Arbeit begonnen werden soll; es handelt sich nicht darum, irgend etwas zu "regeln", sondern so in das Leben einzugreifen, daß die Dinge ihren richtigen Gang nehmen."337a.288


Die assoziative Wirtschaft ist also im Gegensatz zur Marktwirtschaft viel stärker auf Bedarfsdeckung ausgerichtet. In der heutigen Marktwirtschaft werden Warenströme aus dem bloßen Bedürfnis der Unternehmen nach Geld in den Markt "gepumpt", die nach der Art oder der Menge nicht dem Bedarf entsprechen. Dies will die assoziative Marktwirtschaft vermeiden, indem alle Herstellung nach und nach auf den konkreten Bedarf ausgerichtet wird. Das assoziative Gesamturteil wirkt durch die konkreten Abnahmeverträge wie ein "Warensauger", während heute Unternehmen - trotz Marktforschung - ohne genaue Kenntnis Waren aus Profitinteresse in Übermengen und an den wirklichen Bedarf vorbei in den Markt pressen oder pumpen:



"Innerhalb des Wirtschaftskreislaufes sollen sich Assoziationen bilden, wie ich gestern auseinandergesetzt habe. Es werden Berufsstände einander gegenüberstehen, es werden Produzenten und Konsumenten einander gegenüberstehen. Was da geschehen wird an rein wirtschaftlichen Tatsachen und Maßnahmen, das wird beruhen auf Verträgen, die die Assoziationen miteinander schließen. Im Wirtschaftsleben wird alles auf Verträgen, alles auf gegenseitigen Leistungen beruhen. Da werden Korporationen Korporationen gegenüberstehen. Da wird Sachkenntnis und Fachtüchtigkeit den Ausschlag zu geben haben. Da wird es sich nicht darum handeln, was ich für eine Meinung habe, sagen wir, wenn ich Industrieller bin, welche Geltung gerade mein Industriezweig im öffentlichen Leben haben soll; nein, darüber werde ich nichts beschließen können, wenn das Wirtschaftsleben selbständig ist, sondern ich werde zu leisten haben in meinem Industriezweige, werde Verträge zu schließen haben mit den Assoziationen anderer Industriezweige, und die werden mir die Gegenleistungen zu bieten haben. Ob ich in der Lage bin, sie zu Gegenleistungen zu verhalten, davon wird es abhängen, ob ich meine Leistungen anbringen kann. Vertragsweise wird sich eine Tüchtigkeitsassoziation abschließen. Das ist es, was Tatsachen sind. "
332a.88f


"Was soll denn eigentlich der Sinn solcher Assoziationen sein im Wirtschaftsleben? Der Sinn dieser Assoziationen soll sein, daß sich zunächst verbinden Berufskreise, die irgendwie verwandt sind, die sachlich zusammenarbeiten müssen, die vollständig frei und selbständig, ohne irgendwelchen staatlichen Verwaltungen zu unterstehen, ihre Wirtschaft besorgen, daß sich die zusammenfinden. Und dann sollen sich diese Assoziationen von Berufskreisen wiederum assoziieren mit den entsprechenden Konsumenten, so daß das, was als Wechselverkehr eintritt erstens zwischen den verwandten Berufskreisen, dann aber auch [zweitens] zwischen den Produzenten- und Konsumentenkreisen, wiederum in Assoziationen zusammengeschlossen ist. Es soll an die Stelle der heutigen Wirtschaftsverwaltung dasjenige treten, was sich durch den freien Verkehr der wirtschaftlichen Assoziationen ergibt. "
337a.143.


"Natürlich wäre es da notwendig, daß die Produzenten allein, also Leute, die verstehen, irgendeinen Artikel zu schaffen, daß diese die Initiative dazu ergreifen; das heißt, von den Konsumenten kann natürlich die Initiative nicht ausgehen, wenn eine Assoziation gebildet werden soll. Aber auf der anderen Seite wird derjenige, der die Initiative zur Einrichtung einer Assoziation ergreift, für die Gestaltung der Assoziation im wesentlichen abhängig sein von dem, was die Konsumenten an Bedürfnissen entwickeln; er kann sich ja immer nur an bestimmte Bedürfnisse richten, die niemand zu regeln hat. "
337b.157


"Wird der Warenpreis festgesetzt werden müssen?

Meine sehr verehrten Anwesenden, es kann sich gar nicht darum handeln, den Warenpreis festzusetzen, wenn Sie real denken, und es ist eben die Dreigliederung des sozialen Organismus real zu denken und nicht abstrakt. Wenn Sie real denken, dann werden Sie darauf kommen, daß der Warenpreis etwas ist, was sich gewissermaßen einfach in einem Territorium dadurch ergibt, daß eine bestimmte Anzahl von Menschen innerhalb dieses Territoriums gewisse Dinge in einem gewissen Quantum brauchen. Und man wird wissen müssen: Nur wenn dieser Preis sich nicht halten kann auf einem bestimmten Niveau, wenn der Preis zu hoch wird und wenn man das bemerkt, dann ist es nötig, daß dann die Assoziationen dafür sorgen, daß dieses Produkt nicht zu wenig erzeugt wird. Es handelt sich ja doch darum, das wirtschaftliche Leben so einzurichten, daß ein Preis, der sich aus den Bedürfnissen heraus ergibt, daß der wirklich auf seiner Höhe erhalten werden kann. Das kann nicht durch Festsetzen erhalten werden, denn es ist ja klar: Wenn für irgendeine Ware der Preis zu gering ist, dann wird zu viel von dieser Ware erzeugt. Und es handelt sich dann darum, daß man diese Warenerzeugung dadurch regelt, daß man umlenkt die Arbeiter, die daran arbeiten, auf ein anderes Gebiet. Wird aber ein zu hoher Preis dafür bezahlt, so ist es umgekehrt. Es handelt sich nicht darum, daß man Gesetze macht. Die Assoziationen werden nicht Gesetze zu machen haben; die Assoziationen werden fortwährend zu arbeiten haben, damit erstens tatsächlich nicht unnötige Arbeit geleistet wird, indem viel verschleudert wird, was ich hier schon charakterisiert habe, und damit zweitens tatsächlich jeder an denjenigen Platz hingestellt wird, an dem er am besten arbeiten kann, aber im Interesse der Gesamtheit. Diese Assoziationen werden gerade so zu arbeiten haben, um dem wirtschaftlichen Leben seine entsprechende Konfiguration zu geben. Also es wird sich darum handeln, daß man zunächst an den ersten Schritt denkt, an die Bildung der Assoziationen, und daß dann diese Assoziationen einfach anfangen zu arbeiten; sie können einfach arbeiten, sobald sie nur da sind. "
337b.171


"Assoziationen sind keine Genossenschaften, Assoziationen sind keine Kartelle, keine Syndikate; Assoziationen sind vor allen Dingen Vereinigungen, besser gesagt Verbindungen, die ganz nach einem bestimmten Ziele hinarbeiten. Welches kann dieses Ziel sein?
Wir werden uns allmählich nähern einem praktischen Verständnis des Wirtschaftslebens: Welches kann dieses Ziel sein? Meine sehr verehrten Anwesenden, dieses Ziel kann nämlich kein anderes sein, als das Hinarbeiten nach einer ganz bestimmten Preisgestaltung der einzelnen Waren. Man wird nicht früher richtig volkswirtschaftlich denken können, bis man in der Lage ist, das Preisproblem so in den Mittelpunkt dieses volkswirtschaftlichen Denkens zu rücken, wie das - vielleicht nicht immer pedantisch mit Theorien, wohl aber dem ganzen Geiste nach - das dritte Drittel meines Buches "Die Kernpunkte der Sozialen Frage" tut.
Worauf kommt es denn beim Preisproblem an? Es kommt darauf an, daß tatsächlich jede Ware nur einen bestimmten Preis haben kann, höchstens sollten kleine Schwankungen nach oben und nach unten stattfinden. Jeder Ware entspricht ein bestimmter Preis, denn, meine sehr verehrten Anwesenden, der Preis einer Ware ist - sehen Sie jetzt vom Gelde ab, ich werde auch darüber übermorgen sprechen -, der Preis einer Ware ist nichts anderes als dasjenige, was ihren Wert darstellt im Vergleich zum Wert der anderen Waren, für die man als Mensch Bedürfnis hat. Der Preis drückt ein Verhältnis aus, zum Beispiel das Verhältnis zwischen dem Wert eines Rockes zu einem Laib Brot oder eines Stiefels zu einem Hute. Dieses Verhältnismäßige, das ist dasjenige, was zuletzt zum Preisproblem führt. Aber dieses Verhältnismäßige kann nicht durch irgendeine gewöhnliche Arithmetik gelöst werden, kann auch nicht gesetzmäßig festgelegt werden, von gar keiner Körperschaft, sondern kann nur durch assoziative Arbeit errungen werden.
Was arbeitet denn in dem gegenwärtigen Wirtschaftsleben einer gesunden Preisbildung entgegen, und was ist zugleich dasjenige, was uns in solches wirtschaftliches Elend hineingeführt hat, wie wir es haben? Das ist, daß der Preis der Waren nicht aus dem Wirtschaftsleben heraus gebildet wird, sondern daß sich einschiebt zwischen die Gebrauchswaren - die Waren, die den Bedürfnissen entsprechen - etwas, was nicht Ware sein kann, was nur dazu dienen kann, ein Ausgleichsmittel für die gegenseitigen Wertverhältnisse der Ware zu sein: das Geld. Wie gesagt, wir wollen über alles das noch genauer sprechen, aber ich will jetzt einiges auch Allgemeines andeuten. Das Geld ist mit einem Warencharakter ausgestattet, namentlich dadurch, daß jenes real unklare Verhältnis zwischen Papiergeld und Goldgeld eingetreten ist, das jetzt in seiner Kulmination ist. So wird es sogar möglich, daß man nun nicht bloß Waren austauscht und das Geld nur als Erleichterungsmittel dient für den Austausch in einem großen Gebiete mit reichlicher Arbeitsteilung, Beschäftigungsteilung, sondern daß das Geld selber eine Ware geworden ist. Und das zeigt sich einfach darinnen, daß man mit Geld handeln kann, daß man Geld kaufen und verkaufen kann, daß sich der Geldwert ändert durch Spekulationen, ändert durch dasjenige, was man vollbringt auf dem Geldmarkt. Aber nun mischt sich hier etwas hinein, was durchaus ganz anschaulich zeigt, wie vom Einheitsstaate aus heute noch dasjenige zusammengehalten wird, was sich dreigliedern will. Das Geld, so wie wir es heute haben: es wird ja gewissermaßen sein Wert gesetzmäßig vom Staate aus festgelegt. Vom Staate geht der Impuls aus, der den Wert dieser "Ware" im wesentlichen bestimmt. Und durch dieses Zusammenwirken von zwei Dingen, des Warenaustausches und der Festlegung des Geldwertes von seiten des Staates, dadurch wird unser ganzes Wirtschaftsleben eben konfus gemacht, so daß es für den Menschen, der heute darinnensteht, überhaupt nicht mehr durchschaubar ist. Möchten sich doch die Leute, die im Wirtschaftsleben stehen, ehrlich eingestehen, daß auf der einen Seite irgendeine Geldmenge, die da zirkuliert, ein völliges wirtschaftliches Abstraktum ist - zirkuliert wie der allerabstrakteste Begriff in unserem Denken -, daß auf der anderen Seite das mit dem menschlichen Wohl und Wehe so eng zusammenhängende Erzeugen, Austauschen und Konsumieren der Waren steht und daß gewissermaßen wie eine große Fälschung der gegenwärtige Geldwert alles übertönt, alles auslöscht, was an gegenseitiger Wertbestimmung der Waren gerade lebendig sein soll. Diese Dinge müssen aber eben auch nicht agitatorisch betrachtet werden, sondern sie müssen ganz nüchtern und sachlich, ganz objektiv betrachtet werden, sonst kommt man auch nicht zu Rande damit. Es ist ideell einmal so, daß zunächst ganz real jede Warengattung innerhalb des Wirtschaftslebens darauf angewiesen ist, einen ganz bestimmten Wert zu haben. Irgendeine Warengattung X muß in einem eindeutigen Verhältnis in bezug auf ihren Wert zu den anderen Warengattungen stehen.
Damit aber dieser Wert herauskommt, dazu sind verschiedene Dinge notwendig. Erstens ist dazu notwendig, daß die Kenntnisse vorhanden sind, die wirklichen technisch-universellen Kenntnisse, um für irgendein bestimmtes Zeitalter die betreffende Ware in bestmöglichstem Zustande und auf rationelle Weise, das heißt mit Aufwendung der geringsten Arbeitskraft und ohne den Menschen zu schädigen, herstellen zu können. Und zweitens ist es notwendig, daß nicht mehr Menschen beschäftigt sind in dem [ganzen Produktionsprozeß], als beschäftigt sein müssen, damit gerade diese eine Ware nach ihren Herstellungskosten und so weiter den einen bestimmten Preis, den eindeutig bestimmten Preis bekommt. Sind zuviele Arbeiter beschäftigt in jener Richtung, die zu einer bestimmten Warengattung führt, so bekommt die Ware einen zu niedrigen Preis; sind zu wenig Arbeiter beschäftigt, so bekommt die Ware einen zu hohen Preis; und es ist daher notwendig, daß man durchschaut im Wirtschaftsleben, wie viele Menschen in einem bestimmten Gebiete der Warenerzeugung beschäftigt sein mussen. Diese Kenntnis der Anzahl von beschäftigten Menschen, die für die Produktion einer bestimmten, für den Konsum gedachten Warengattung arbeiten, diese Kenntnis ist notwendig, um zum Kulminationspunkt des Wirtschaftslebens, dem Preisproblem, zu kommen. Das geschieht dadurch, daß man positiv arbeitet, indem man verhandelt im Wirtschaftsleben mit den Leuten, wie sie an ihre Plätze gestellt werden sollen. Das darf natürlich nicht pedantisch aufgefaßt werden und nicht bürokratisch aufgefaßt werden. Sie werden bemerken, daß die völlige, auch wirtschaftliche Freiheit gerade durch dasjenige dem Menschen gesichert wird, was "Die Kernpunkte der Sozialen Frage" wollen. "
337b.208ff.


"Die Assoziationen, sie gehen von Branche zu Branche, sie gehen vom Konsumenten zum Produzenten hinüber. Dadurch entstehen nämlich schon die Verbindungen zwischen den einzelnen Branchen, denn es ist immer derjenige, der Konsument ist von irgend etwas, zu gleicher Zeit auch Produzent; das geht schon ineinander. Es kommt nur darauf an, daß man überhaupt mit dem Assoziieren anfängt. Anfangen kann man, das habe ich schon vorgestern erwähnt, zunächst allerdings am besten, indem man Konsumenten und Produzenten zusammenführt auf den verschiedensten Gebieten und dann beginnt, wie wir heute gesehen haben, Assoziationen zu bilden vor allen Dingen zusammen mit dem, was der Landwirtschaft nahesteht und was reine Industrie ist. Ich meine damit nicht eine Industrie, die selber noch ihre Rohstoffe gewinnt, die steht der Landwirtschaft näher als die Industrie, die schon ein ganzer Parasit ist und nur mit lauter Industrieprodukten und Halbfabrikaten und so weiter arbeitet. Man kann da ganz ins Praktische hineinkommen. Wenn man nur will und wenn man genügend Initiative hat, kann man auf Bildung dieser Assoziationen schon losgehen. Aber vor allen Dingen haben wir nötig, daß wir einsehen, daß das assoziative Prinzip das eigentlich wirtschaftliche Prinzip ist, denn das assoziative Prinzip arbeitet auf die Preise hin und ist in der Preisbestimmung unabhängig von außen. Wenn die Assoziationen nur über ein genügend großes Territorium und über die verwandten Wirtschaftsgebiete, über die mit irgendeinem wirtschaftlichen Zweige zusammenhängenden Gebiete sich ausdehnen, da kann man schon sehr viel leisten. "
337b.231