Die Trennung von Arbeit und Einkommen

"Worauf es also ankommt, das ist, daß für die Mitmenschen arbeiten und ein gewisses Einkommen erzielen zwei voneinander ganz getrennte Dinge seien." 34.34 (Einzelausgabe)

Hier haben wir eine erste und wesentliche Einrichtung, die das erläuterte Soziale Hauptgesetz konkretisiert (s. W3). Zugleich berühren wir wohl eines der stärksten Vorurteile des modernen Lebens, die Kopplung von Arbeit und Einkommen. Wohl jeder hält es für richtig, daß sich sein Einkommen ausschließlich nach seiner eigenen Leistung bemißt.

Die Trennung von Arbeit und Einkommen bedeutet aber nicht: Einkommen völlig ohne persönliche Leistung oder Einkommen ganz nach den persönlichen Bedürfnissen. Es geht vielmehr darum...


Was ist Arbeit?



Der Tausch Arbeit gegen Geld ist eine Illusion. Arbeit ist immer so notwendig an einen Menschen gebunden, wie es dem Menschen unmöglich ist seine Hand oder seinen Kopf zu verkaufen. Die Arbeit oder Arbeitskraft stellt keinen wirtschaftlichen Wert dar, sondern allein das Ergebnis der Arbeit, die Ware.

"Im Altertum gab es Sklaven. Der ganze Mensch wurde wie eine Ware verkauft. Etwas weniger vom Menschen, aber doch eben ein Teil des Menschenwesens selber wurde in den Wirtschaftsprozeß eingegliedert durch die Leibeigenschaft. Der Kapitalismus ist die Macht geworden, die noch einem Rest des Menschenwesens den Charakter der Ware aufdrückt: der Arbeitskraft. "23.43

Daher ist die Arbeit keine Ware, sondern ein Menschenrecht und muß nach Art und Zeit im Rechtsleben demokratisch festgelegt werden. Ein neues Arbeitsrecht setzt der Wirtschaft Grenzen und schützt die Menschen vor Überbelastung. Vor allem wird der Wohlstand, das Sozialprodukt mit allen Warenpreisen abhängig von dem Rechtsbewußtsein der Menschen, wie und wieviel sie arbeiten wollen. Heute ist es ja vielfach umgekehrt (lesen Sie im Bereich Recht weiter )



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Die innerbetriebliche Verhältniszahl

Wie soll der Ertrag verteilt werden? Da sollten wir erst 'mal sehen, was es generell vom Ertrag des Unternehmens zu verteilen gibt:




Allein der mittlere Teil steht für die Einkommen der Mitarbeiter zur Verfügung. Investitionen und Steuern sind an anderer Stelle zu erläutern. Zu den Mitarbeitereinkommen gehören auch die Einkommen der Unternehmensleiter, denen nach der neuen Eigentumsordnung nicht automatisch der gesamte Gewinn zufällt.

In der Dreigliederung wird nun für die Aufteilung vorgeschlagen, daß vor der Arbeit für jeden Mitarbeiter eine Verhältniszahl im Arbeitsvertrag festgelegt wird. Diese orientiert sich an der Ausbildung, Erfahrung, Leistung und Verantwortung. Bei dem Anteil handelt es sich nicht um "Kosten", sondern um die Ermöglichung des zukünftigen Lebensunterhalts bis wieder neue Erträge fließen. Dieses Verständnis ist vergleichbar dem der Alimentierung wie ist sich historisch im Beamten- und Soldatenrecht entwickelt hat. Eine Gewinnbeteiligung kann diese Funktion nicht ersetzen.

Zum Unternehmer ist zu sagen, daß dieser bei der Gründung mit den Mitarbeitern ebenso in seinem eigenen Arbeitsvertrag einen Anteil festsetzt, an den er sich nachfolgend bindet. Findet er keine Mitarbeiter da der Anteil zu hoch ist, muß er den Anteil eben senken. Wichtig ist nur, daß die erste Festlegung aus seiner völlig freien Initiative erfolgt, wodurch es zu einem wirklichen, gegenseitigen Arbeitsvertrag kommt.



"Er bezieht nun aus dem Unternehmen heraus nichts weiter als den vereinbarten Anteil, der, wenn sich seine Arbeit vergrößert, vergrößert werden kann. Aber es bleibt Zins. Daneben besteht die Produktivität der Produktionsmittel selber, der Profit, der aus dem Betrieb hervorgeht. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge, das, was man durch seine geistige Leistung erwirbt, und das, was aus dem Betrieb herausgeht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, mit Produktionsmitteln zu arbeiten, als sein erspartes Kapital in Produktionsmittel hineinzustecken. "190.28(s.auch 23.99)


Als eine grobe Orientierung könnte folgendes Schema gelten:

Heutige Verdienstspannen weisen häufig zwischen niedrigstem und höchstem Verdienst ein Verhältnis von 1 : 50 auf. Dies läßt sich nicht mit der Leistung rechtfertigen, sondern beruht lediglich auf sozialem Unrecht und Machtausübung. Ein Verhältnis von 1 : 10 läßt sich mit längerer Ausbildung, mehr Verantwortung u.a. begründen. Durch Fortbildung, Leistungsverbesserung, Zunahme der Verantwortung, kann die Verhältniszahl vertraglich verändert werden.

Mit dem niedrigsten Einkommen muß ein menschenwürdiges Leben möglich sein. Da sich hiermit auch das Menschenrecht auf ein Existenzminimum verwirklicht (ähnlich wie mit dem Basissatz der Sozialhilfe), ist das unterschreiten eines Mindestbetrages nicht erlaubt. Es kann vermutet werden, das dieser Betrag höher sein wird als heute (siehe hierzu unter Existenzminimum).

Neben der Verhälniszahl läßt die Vertragsfreiheit auch andere Teilungsverfahren zu. Genannt sei hier die Möglichkeit allen einen Sockelbetrag als Grundeinkommen zuzuerkennen und den verbleibenden Rest nach den gegenseitig jeweils beim anderen zuerkannten Bedürfnissen zuzusprechen. Einfacher ist es vielleicht den Rest nach Leistungskriterien aufzuteilen, aber für das "Betriebsklima" und die Einzelentwicklung nicht in jedem Fall sinnvoller.

Von dem Ertrag müssen natürlich auch die Einkommen von Kindern, Alten, Kranken, Invaliden usw. bezahlt werden, die allerdings schon auf der Ebene der assoziativen Verträge in die Kalkulation der Preise Eingang finden.

Zu der Versorgung des Kultur- und Geisteslebens:

"Ein sozialer Organismus, der im Lichte der hier dargestellten Vorstellungsart sich gestaltet, wird durch eine Übereinkunft zwischen den Leitern des Rechtslebens und denen des Wirtschaftslebens die Abgaben regeln können, welche für das Rechtsleben notwendig sind. Und alles, was zum Unterhalte der geistigen Organisation nötig ist, wird dieser zufließen durch die aus freiem Verständnis für sie erfolgende Vergütung von seiten der Einzelpersonen, die am sozialen Organismus beteiligt sind. Diese geistige Organisation wird ihre gesunde Grundlage durch die in freier Konkurrenz sich geltend machende individuelle Initiative der zur geistigen Arbeit fähigen Einzelpersonen haben. "23.101


Wirkung der Verhältniszahl

Die neue Verteilung wird ganz notwendig dazu führen, daß die Gegenüberstellung in zwei Lager: Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufhört. Lohnkämpfe werden vermieden. Rechtlich stehen Arbeiter und Unternehmer auf einer Stufe. Daher wird sich auch Wohl im Laufe der Zeit die Bezeichnung Geschäftsführer oder Arbeitsleiter einführen. (Natürlich trägt dazu auch die neue Eigentumsordnung bei, die dem Unternehmer nicht den Verkauf des Unternehmens erlaubt.) Die Mitarbeiter werden ihre Interesse vom Lohn herüber auf die Ware verlagern. Gewerkschaften werden sich neuen Aufgaben zuwenden können. Die Unternehmensleiter werden alle Verhältnisse innerhalb und außerhalb des Unternehmens in Besprechungen erläutern und durch diese Transparenz eine Mitverantwortung aller bewirken.