Die Arbeitsteilung und der Preis

Vor der Beschreibung der Einrichtungen, die zukünftig dem Egoismus entgegenwirken sollen, ist auf eine bereits bestehende Einrichtung des heutigen Wirtschaftslebens hinzuweisen, die damit quasi als "Mutter der Selbstlosigkeit" bezeichnet werden könnte: die Arbeitsteilung.

Die allermeisten Menschen leben nicht mehr direkt von ihren eigenen Leistungen. Über den Tausch mittels Geld werden heute die eigenen Bedürfnisse von den anderen befriedigt. Mit der Arbeitsteilung hat sich auch notwendig das Geld entwickelt und die Bewertung der Leistungen in Preisen.

Wie ist die Arbeitsteilung entstanden?
Der menschliche Geist ist die Quelle der Arbeitsteilung. Durch Phantasie, Erfindungsgabe und Rationalität verbessert er die Erzeugung, vereinfacht und erspart Arbeit. Gesamtleistungen der alten Berufe wurden aufgeteilt in Einzelschritte zur fabrikmäßigen Fertigung. Neue Berufe und Dienstleistungen kamen hinzu. Das ökonomische Prinzip, mit möglichst wenig Aufwand einen möglichst großen Ertrag zu erzielen, wurde bei jeder Erzeugung Grundmaxime. So sind die Menschen vom Selbstversorger zum überwiegenden Fremdversorger geworden.

Allerdings wurde auch schon immer versucht, die Errungenschaften des Geistes individuell zu nutzen.
Das materiell-ökonomische Prinzip wird dabei auf der sozialen Ebene angewendet: Der Mensch versucht den Vorteil durch die technische Verbesserung o.ä. für sich allein abzuschöpfen, indem er bei geringerem Aufwand den gesamten Ertrag für sich beansprucht. Die Abschöpfung erfolgt meist beim Geldstrom und fällt deshalb nicht so schnell auf.

Erst ein erwachender Gemeinsinn wird zeigen, daß die "Früchte" des menschlichen Geistes (Erfindungen etc.) nicht ein individuelles "Produkt" sind, sondern in einem bestimmten Maße durch diese Gemeinschaft mit ermöglicht, gefördert und entwickelt wurden. Es ist also nur zu gerecht, daß technische Verbesserungen, Erfindungen, dem Wohl aller dienen. Wieviel und wielange der einzelne Erfinder selbst einen Nutzen daraus zieht, sollten alle zusammen entscheiden.
In diesem Verhalten zeigen die Menschen aber heute, daß sie beim Einkommen noch "selbstversorgerisch" denken.

Wie stellt sich die Arbeitsteilung heute dar?


Die Herstellung einer Ware ist innerhalb eines Unternehmens auf verschiedene Menschen verteilt. Die klassische Organisation ist das Fließband, die heute auch durch Team- und Gruppenarbeit ergänzt wird. Jeder Mensch leistet für das Zustandekommen der Ware einen Beitrag. Für bestimmte Waren werden die Produktionsabläufe auch noch zwischen verschiedenen Unternehmen aufgeteilt (z.B. Urerzeugung - Weiterverarbeitung A - Weiterverarbeitung B - Handel - Konsum). Der Wert einer Ware steigt dabei von Mensch zu Mensch, von Unternehmen zu Unternehmen. Dies nennt man auch Wertschöpfung. Einen Preis errechnet man allerdings nur zwischen den Unternehmen, damit ein Verkauf möglich ist.
Innnerhalb eines Unternehmens wird der Ertrag (= Einnahmen - Ausgaben) nach Abzug der Investitionen und Steuern aufgeteilt. Im Ertrag ist der Gewinn, der in der Dreigliederung dem Unternehmer nur zum Teil zusteht, mitenthalten (s. Verhältniszahl in W4).


Verfolgt man den Weg des Preises für eine Ware vom Konsumenten zurück zur Urerzeugung, so stellt man eine ständige Verringerung fest. Auf jeder Stufe bleiben Einkommen der jeweiligen Menschen zurück. Die Betriebsausgaben für die Vorprodukte, Zulieferungen, Betriebsstoffe enthalten ihrerseits wieder zwei Hauptkostengruppen: Einkommen und Sachkosten der Vorunternehmen. Investitionen und Steuern sind davon nicht ausgenommen. Eine Ausnahme bildet aber schließlich die Urerzeugung (streng volkwirtschaftlich gesehen - ein jeweiliger Betrieb hat heute immer Zulieferungen): Die Rohstoffe aus der Natur kosten nichts. Hier fallen nur Einkommen an. Alle Preise "lösen" sich damit in Einkommen auf.

Durch diesen Rückwärtsblick kann einem deutlich werden, welche Bedeutung der Preis hat. Er ist die Größe, die letztlich bestimmt, welchen Anteil jeder einzelne Mitarbeiter der Wertschöpfungskette erhält. Auf dem überbetrieblichen Produktionsweg werden die Einkommen durch die Preisbestimmung in eine Relation zueinander gebracht. Innerhalb eines Unternehmens spielt der Preis noch eine indirekte Rolle, da er das Gesamtergebnis bestimmt.


Über die Preise werden die Lebenslagen der Menschen der gesamten Wirtschaft in ein Verhältnis gesetzt. Die Preise stellen die Verrechnungs- verhältnisse beim Warentausch dar. Die Preisabhängigkeit wirkt auf Unternehmensebene nur indirekt durch die Verteilung der Erlöse je Leistungseinheit.
Jeder sollte also durch die "Vorstrukturierung" der Einkommen über den Preis soviel vom Sozialprodukt erhalten, daß er alle notwendigen Ausgaben davon bestreiten kann. Diese Zielgröße bezeichnet Steiner verschiedentlich als "Urzelle", "gerechten Preis" oder "Preisformel":

" Ein richtiger Preis ist dann vorhanden, wenn jemand für ein Erzeugnis, das er verfertigt hat, so viel als Gegenwert bekommt, daß er seine Bedürfnisse, die Summe seiner Bedürfnisse, worin natürlich eingeschlossen sind die Bedürfnisse derjenigen, die zu ihm gehören, befriedigen kann so lange, bis er wiederum ein gleiches Produkt verfertigt haben wird. "(340.82)

Das Ziel eines gerechten Preises erfordert verschiedene Einrichtungen, die ich auf den weiteren Seiten beschreibe.