Gemeinschaftsprojekt Sonnenblume



"Solange man nicht von Mensch zu Mensch einander so gegenübersteht, daß man in dem anderen Menschen das Bild, die Erscheinung des unsterblichen Menschen sieht, solange man nicht in jedem Menschen, wenn man mit ihm in sozialem Zusammenhänge lebt, zwar ein individuelles Wesen sieht, aber ein solches Wesen, das der Ausdruck ist einer übersinnlichen Wesenheit, solange man das, was der Soziologie und dem sozialen Impulse aus der Naturwissenschaft zuwachsen kann, nicht ergänzen will durch dasjenige, was man aus geistigem Erkennen gewinnt, so lange wird man mit dem modernen sozialen Denken, aber hauptsächlich mit der modernen sozialen Gestaltung, mit dem praktischen Auslegen der Begriffe in ein solches Leben hineinkommen, das sich selber auflösen muß, das zu Streit und Disharmonie führen muß."
73.318


Übersicht:


1 Einleitung
2 Neue Wege
3 Ziele der Gemeinschaft
4 Die Lebensfelder
   4.1 Geistesfeld
   4.2 Rechtsfeld
   4.3 Wirtschaftsfeld
5 Der erste Schritt






1 Einleitung


Weshalb gibt es viele Lebensgemeinschaften, aber wenige, die für das soziale Miteinander die Ideen der Anthroposophie zugrunde legen? Ich würde gern eine Gemeinschaft gründen, die genau in diese Richtung zielt. Diese Gemeinschaft soll nicht allein eine ökologische, sondern auch eine sozial-anthroposophische Ausrichtung haben.

Der Beitrag Dreigliederung und Gemeinschaften sollte eine allgemeine Orientierung geben. Nun suche ich mit diesem Beitrag Menschen, die wie ich den Wunsch haben, in einer Gemeinschaft zu leben. Es würde mich freuen, gemeinsam mit weiteren Menschen einen eher ländlich gelegenen Ort für eine Siedlung zu finden (deshalb im Menü unter "Regional").


2 Neue Wege


Vor nun bald 21 Jahren habe ich einige Monate in dem Siedlungsprojekt "Neue Wege" mitgelebt, was für mich der Anfang von einer Art Ausstieg war. An die Zeit denke ich gern zurück, denn die Menschen dort wollten neben der ökologischen Ausrichtung für die soziale Siedlungsgestaltung die Ideen der sozialen Dreigliederung zugrunde legen. In der Zeit dort habe ich bei der Renovierung einer alten, mehrgeschossigen Mühle mitgeholfen, die eine erste Anlaufstelle und Unterkunft für Siedlungswillige außerhalb des eigentlichen Siedlungsgeländes werden sollte.


Ausschnitt aus einem studentischen Siedlungsentwurf des für ca. 300 Personen geplanten Siedlungsprojektes in einem Randbereich des baden-württembergischen Weinörtchens Schäftersheim



Vorprojekt "Mühle" als erste Unterkunft für Siedler - 1985 - Mithilfe bei Renovierungsarbeiten


Ich habe die Gemeinschaft dann 1986 mit der Absicht verlassen, um u.a. mit einer neuen Berufsausbildung zurückzukehren.

Über eine kurze Zwischenetappe entschied ich mich für eine landwirtschaftliche bzw. gärtnerische Ausbildung. So durfte ich März 1987 als einer der ersten Schüler des Landwirtschaftlichen Grundjahres die vielfältige Gemeinschaft des Demeterhofes Rengoldshausen bei Überlingen am Bodensee kennenlernen. Auch dieses lebendige Beispiel hat mich "gemeinschaftsinspiriert". Der "rote Faden" Dreigliederung ließ mich nebenbei nicht los, denn durch die Zeit am Bodensee konnte ich auch Peter Schilinski, der im Gasthof Eulenspiegel das Modellprojekt Wasserburg initiiert hatte, kennenlernen. Die freien Gesprächsabende mit Peter Schilinski haben mein Engagement für die Dreigliederung "angefeuert".

Nach der Ausbildung zum Gärtner in der Baumschule C. Appel und einem Praktikum im Obstbau verbrachte ich 1990 ein Probejahr vor Aufnahme in die Betriebsgemeinschaft auf dem Demeterhof Louisgarde in der Nähe des Projektes Neue Wege. Meine Absicht war es auf dem Hof Obst anzubauen und langfristig mit dem Siedlungsprojekt zu kooperieren. Zwar war ich damit wieder nah am Projekt, doch ließ mir die Arbeit auf dem Hof wenig Zeit dort mitzumachen. Dann erfolgten in wenigen Jahren zwei Rückschläge: Das Probejahr verlief negativ und die Gemeinschaft Neue Wege löste sich 1993 wegen unüberwindlicher Meinungsverschiedenheiten auf. Meine Frage der praktischen Verwirklichung der Dreigliederung blieb seit diesen Rückschlägen ungeklärt.

Dieses Gefühl begleitete mich die weiteren Jahre im Grunde bis heute. 1994 zog ich nach Freiburg, weil mir Land und Leute zusagten. 1997 haben Kirsten und ich geheiratet.

Je tiefer ich in die Kerngedanken der Dreigliederung einstieg, desto mehr schien es mir sinnvoll auf der makrosozialen Politikebene zu arbeiten. Kurzzeitige Unterstützung von Volksentscheid-Aktionen, Ausarbeitung von VHS-Kursen, Teilnahme an Dreigliederungs-Studien- und Arbeitskreisen prägten die nächsten Jahre neben der Gärtnerarbeit.

Ein gewisser Schlußpunkt meiner "Gemeinschaftsbemühungen" war der mißglückte Versuch einer gärtnerischen Betriebsgemeinschaft in Freiburg, in deren Rahmen ich auch biologisch-dynamischen Obstanbau auf einer ehemaligen Baumschulfläche nicht weit von Freiburg betreiben wollte. Leider ging damit auch mein Subunternehmerverhältnis zu Bruch, so daß ich anschließend ab dem Jahr 2001 einen eigenen Kundenkreis als Gärtner im Bereich Gartengestaltung und -pflege aufbauen mußte. Dies ist inzwischen gelungen.

2002 begann ich mit dieser Internetseite, um mich weiter in die Dreigliederung zu vertiefen und um die Ideen zu verbreiten. Daneben wollte ich hier in der Region auch eine praktische "Dreigliederungsarbeit" beginnen. Zunächst mit der Idee Regionalgeld, dann mit einer regionalen Assoziation. Nach und nach verlor ich das Vertrauen, daß dies mein Weg ist, nicht das Vertrauen in die Ansätze an sich. Ich glaube Regionalgeld und Assoziationen werden im Sinne der Dreigliederung nur funktionieren, wenn die beteiligten Menschen von einer auf Gemeinsinn orientierten "Mission" inspiriert werden. Für die Entwicklung eines solchen Gemeinsinns halte ich Gemeinschaften für sinnvoll, die wie die Hefe im Teig innerhalb einer Region ein gemeinwohlorientiertes "Milieu" erzeugen. Wenige können durch Ihr Verhalten viele "anstecken".

Daher halte ich es inzwischen (wieder) für meinen Weg nicht nur makrosozial politisch zu arbeiten, sondern auch in und mit einer Gemeinschaft die Fruchtbarkeit der sozialwissenschaftlichen Ideen praktisch zu erproben.


Gäbe es Neue Wege heute noch, so würde ich mich wahrscheinlich noch einmal dafür entscheiden. Mir gefiel an Neue Wege damals die Kombination aus sozial-anthroposophischen und ökologischen Zielsetzungen. Leider konnte ich unter den heutigen Gemeinschaften nichts ähnliches finden. Mein Gefühl sagt mir: Mach es selbst! Nach 21 Jahren wiederhole ich meinen Versuch in einer Gemeinschaft zu leben. Vielleicht müssen manche Impulse erst "erwachsen" werden, damit sie gelingen.


3 Ziele der Gemeinschaft


Diese Ziele beschreiben meine persönlichen Vorstellungen einer Gemeinschaft in der ich gern leben würde. Sie haben also keinen allgemeingültigen Charakter, weil jede Gemeinschaft je nach den Menschen eine eigene Gestaltung erfordert. Gern würde ich mit Menschen ins Gespräch kommen und diese Vorstellungen "abschleifen", um zu einem sinnvollen Konsens zu kommen.

Das Hauptziel der Gemeinschaft ist es einen Rahmen oder auch eine "Schale" zu bilden, um allen beteiligten Menschen Möglichkeiten zu einer Weiterentwicklung zu bieten. Diese individuelle Weiterentwicklung erlebt jeder Mensch in den drei Qualitäten: Mündigkeit, Fähigkeiten und Bedürfnisse. Der Verwirklichung des Hauptzieles dient daher die Gestaltung der Gemeinschaft auf den drei Lebensfeldern Recht, Geist und Wirtschaft, die ich im folgenden Abschnitt erläutere. Die jeweiligen Teilziele seien hier stichwortartig aufgeführt und können durch Anklicken geöffnet werden:

Geistesfeld Rechtsfeld Wirtschaftsfeld
Individuelle Freiheit Gemeinschaftsvertrag Wirtschaftsgemeinschaft
Religion Konsensprinzip Nachhaltigkeit
Medien... Nutzungseigentum Jugend/Krankheit/Alter



4 Die Lebensfelder


4.1 Geistesfeld:

Individuelle Freiheit
Die wissenschaftliche, künstlerische, religiöse, politische und weltanschauliche Orientierung der Menschen muß frei von vertraglicher Festlegung durch die Gemeinschaft bleiben. Alle gemeinsame Übereinstimmung auf diesem Gebiet muß auf Freiwilligkeit und individueller Initiative beruhen.
Es widerspräche auch meinem Verständnis von geistiger Freiheit nur Anthroposophen/Innen in die Gemeinschaft aufzunehmen (gleichgültig ob sie der Anthroposophischen Gesellschaft zugehören oder sich der anthroposophischen Bewegung freundschaftlich verbunden fühlen). Jede/r einzelne muß für sich frei entscheiden können, wohin und wie sie/er sich geistig-seelisch entwickeln will, wenn sie/er einmal in die Gemeinschaft aufgenommen ist. Gegenseitige Hilfe ist möglich, doch darf niemand zu etwas auf diesem Gebiet gezwungen werden. Allerdings sollten die Menschen, die neu in die Gemeinschaft aufgenommen werden wollen, eine gewisse Zeit auf Probe in der Gemeinschaft verbringen. Die Aufnahme in die Gemeinschaft und der Austritt von Menschen aus der Gemeinschaft soll genau im Gemeinschaftsvertrag festgelegt werden. Dieser Vertrag kann ein harmonisches Gemeinschaftsleben ermöglichen, jedoch nicht hervorrufen. Für das Hineinwachsen in die Gemeinschaft ist - wie in allem Leben - Sympathie oder Antipathie mitentscheidend, weshalb das Gespräch und das Im-Gespräch-Bleiben die Gemeinschaft lebendig hält.

Religion
Für das religiöse Leben habe ich folgende Vorstellung: Da ich mich als Christ verstehe und ich dieses Christ-Sein in der Mitte der Gemeinschaft als alle verbindendes Element begreife, möchte ich gern mit Menschen zusammenleben, die die christliche Religion in der Gemeinschaft auch miteinander teilen wollen. Dabei ist es mir ein wichtiges Ziel, das Christentum in der Weise mit der Anthroposophie bewußt zu verbinden, wie dies dargestellt ist auf der Internetseite www.forum-kultus.de. Folgende Grundaussage empfinde ich dort mit meinen religiösen Vorstellungen harmonierend, weshalb diese Gemeinschaft kein amtskirchlicher Orden oder eine "Teilgemeinde" der Christengemeinschaft werden soll:

"Das nicht urchristliche «Zwei-Stände-Prinzip» insbesondere der katholischen/orthodoxen und aber auch der Kirche «Die Christengemeinschaft», das nur dem Geweihten innerhalb seiner Kirche ein sakramentales Handeln zugesteht, wird hier durch die mögliche Mündigkeit des "laienpriesterlich" = ur-/direkt-christlich brüderlich handelnden Christen abgelöst."
Quelle hier


Ich muß zugestehen, daß ich auf diesem Gebiet Lernender bin und gemeinsam lernen möchte. Als Kind habe ich den katholischen Glauben erleben dürfen. Dieser schlief dann später ein bzw. wurde von mir bewußt abgelehnt. Heute würde ich gern einen christlichen Glauben, bei dem Wort und Tat in Übereinstimmung kommen, ausbilden. Die Aufgabe anthroposophischer Gemeinschaftsbildung, die ja heute auf lokaler Ebene u.a. in den Zweigen der Anthroposophischen Gesellschaft Ausdruck findet, wird in Zukunft weitere Formen finden, die dem christlichen Glauben und gleichzeitig den anthroposophischen Erkenntnisbedürfnissen dienen. Hierzu eine Aussage Steiners:

"Sehen Sie, in solchen Dingen haben wir es mit unserer anthroposophischen Bewegung ja natürlich schwer. Denn diese anthroposophische Bewegung kann heute (1921, wb) durch ihre innere Natur nichts anderes sein als eine ganz universelle Bewegung. Sie muß sich gewissermaßen auf alle Gebiete des Lebens verlegen, und wir stehen in bezug auf die anthroposophische Bewegung in einer außerordentlich schwierigen Situation drinnen. Wir stehen in der schwierigen Situation, daß auf der einen Seite ein gewisses anthroposophisches Gut heute der Welt mitgeteilt werden muß - das muß in die Welt, denn es fehlt der Welt an der Möglichkeit, geistige Inhalte zu bekommen -, auf der anderen Seite tritt überall das Bestreben auf, Gemeinden zu bilden, gewissermaßen anthroposophische Gemeinden zu bilden. Nennen Sie es Zweige, nennen Sie es, wie Sie wollen, es tritt das Bestreben auf, anthroposophische Zweige zu begründen. Und weil die anthroposophische Bewegung heute noch so etwas Universelles sein muß, können diese anthroposophischen Zweige nicht eigentlich zu einem wirklichen Leben kommen, denn sie pendeln hin und her zwischen dem religiösen Element und dem mehr auf alle Zweige des Lebens gerichteten geistigen Element. Sie kommen dadurch natürlich auch nicht zu einer wirklichen Brudergesinnung; sie kommen dadurch überhaupt nicht zu einem Erfassen der sozialen Aufgabe, die darin besteht, daß man in kleinen Gemeinden vorbildlich dasjenige konkret begründet, was dann in der Menschheit sich ausbreiten soll; sondern entweder arten sie aus in eine bloße Übertragung des Lehrgutes, oder aber sie fühlen in sich das menschliche Widerstreben gegen den Zusammenschluß und zersplittern sich in Meinungen, zanken sich und dergleichen. Aber wenn man fragt: Worin liegt der Fehler? - dann liegt er eben nicht in diesen Gemeinschaften, sondern darin, daß man ja eigentlich einen wirklichen Anschluß an ein religiöses Leben heute nicht findet, wenn man auf der anderen Seite erkennend die geistige Welt durchdringt. Bei all den Bekenntnissen, die heute existieren, finden die Anthroposophen ein religiöses Leben nicht. Diese Gemeinschaften müssen eben erst da sein. Sie können nicht anders da sein, als daß man in ganz ernster Weise sich alles das vorlegt, was zur Begründung solcher Gemeinschaften führen kann. "
342.59f



Medien, Kommunikation, Elektronisierung
Die Gemeinschaft sollte auch das Ziel der Verlebendigung des menschlichen Wortes und die Weckung menschlicher Herzenskräfte bei den Menschen unterstützen. Sollte die vielfältige Elektronisierung und Digitalisierung des täglichen Lebens dem entgegenstehen, so wäre in dem notwendigen Maße darauf zu verzichten. Dies ist zum Teil eine Frage besonderer Forschung, zum Teil eine Frage eines bewußt gestalteten Wohn- und Arbeitsumfeldes. Für eine solche bewußte Gestaltung bieten sich innerhalb einer Lebensgemeinschaft weitergehende Möglichkeiten als in den heutigen anonymen Wohn- und Lebensformen. Hiermit werden natürlich auch Rechtsfragen berührt, doch glaube ich daß es in erster Linie eine freiwillige Übereinstimmung erfordert, daß Menschen dem gesprochenen Wort unter Anwesenden eine zukünftige Bedeutung zuerkennen. Nicht nur das direkte Gespräch, auch Dichtung, Sprachgestaltung und eine neue Diskussionskultur müssen die heutige, einseitig visuell überbetonte Kultur erneuern (vgl. J.W. Ernst).


4.2 Rechtsfeld:

Gemeinschaftsvertrag
Methodische Grundlage für die Aufbauphase und für die weitere Entwicklung der Gemeinschaft soll die Anthroposophie, insbesondere deren Menschenkunde und deren Sozialwissenschaft sein. Die Menschen der Gemeinschaft sollten sich hierzu auf einen Gemeinschaftsvertrag einigen, in den die Regeln konkretisiert werden, die die Grundlage des innergemeinschaftlichen (und damit nicht selbständigen, weil vom Staat abhängigen) Rechtslebens bilden sollen. Einen Vertragsentwurf werde ich gern mit den daran interessierten Menschen vorbereiten. Als Gesprächsgrundlage kann hierzu das Positionspapier (PDF, 82 kb) eines dem Münchener Arbeitszentrum zugehörigen Arbeitskreises dienen, für dessen Ausarbeitung ich mich bedanke.

Hier ist es auch nötig, die innergemeinschaftliche Grenze zwischen Geist und Recht anzudeuten: Anthroposophie, vor allem deren Sozialwissenschaft, sollen die Grundlage für die Einigung auf einen Gemeinschaftsvertrag sein, den ich als einen Minimalkonsens für ein verträgliches Zusammenleben verstehe. Die Anthroposophie kann aber nicht auf dem Geistfeld vertraglich verbindlich festgelegt werden, hier muß persönliche Freiheit und Freiwilligkeit herrschen. Anfangs mag eine Gemeinschaft von Begeisterung getragen sein und solche Fragen mögen verschoben werden. Doch irgendwann mit zunehmendem Wachstum und zunehmender Differenzierung der Gemeinschaft kommen diese Fragen unweigerlich auf und müssen geklärt werden. Eine Grundaussage zur sachlichen Begrenzung des Vertrages sollte daher von Anfang an aufgenommen werden. Außerdem hilft hier - wie schon angedeutet - ein bewußt gestalteter Aufnahmevorgang.

Konsensprinzip
Entscheidungen, die eine Veränderung des Gemeinschaftsvertrages bewirken, sollten alle mündigen Menschen der Gemeinschaft mittragen. Die vorgenannte Begrenzung der Entscheidungen im Rechtsfeld wird nach meiner Meinung eine Vereinfachung, eine "Verschlankung" der rechtlichen Diskussionen und Entscheidungsfindung bewirken. Sollte dennoch nach einer im Vertrag festzusetzenden Zeit der Diskussion kein Konsens erzielt werden können, entscheidet die einfache Mehrheit. Bei wichtigen Fragen muß die Mehrheit aller zur Gemeinschaft gehörenden Menschen an der Abstimmung teilnehmen (qualifizierte Mehrheit).

In Parallelität zur Dreigliederung auf Staatsebene sollte auch bei der Entscheidungsfindung festgelegt werden, daß wirtschaftliche Fragen und Fragen aus dem Geistesfeld nicht auf demokratischem Wege zu einer Entscheidung kommen dürfen. Jeder ist zwar Konsument, aber nicht Konsument von allen Erzeugnissen und Produzent für alle Erzeugnisse. In Wirtschaftsfragen sollte sich jeder Mensch nach Sachkenntnis und Erfahrung beteiligen dürfen, in Rechtsfragen sollte sich jeder mündige Mensch beteiligen dürfen.

Nutzungseigentum
Ein wichtiges Teilziel auf dem Rechtsfeld ist es, im Rahmen der staatlichen Vorgaben des Privateigentums innerhalb der Gemeinschaft vertragliche Formen zu entwickeln, die eine notwendige Vorbereitung eines Nutzungseigentums darstellen. Wie gesagt glaube ich nicht an eine funktionierende Mesodreigliederung. Dennoch halte ich es für sinnvoll, die Stellung des Individuums zum Eigentum neu zu inspirieren, wenn auch ein vollgültiges Nutzungseigentum nur durch den Gesetzgeber geschaffen werden kann.


4.3 Wirtschaftsfeld:

Wirtschaftsgemeinschaft

"Tribut war die Arbeit in der Vergangenheit, Opfer wird sie in der Zukunft sein. Nichts hat sie zu tun mit Eigennutz, nichts mit Entlohnung. Lasse ich mir die Arbeit von dem Konsum diktieren, im Hinblick auf das, was die Menschheit braucht, dann stehe ich in einem freien Arbeitsverhältnis, und meine Arbeit ist ein Opfer für die Menschheit. Dann arbeite ich nach meinen Kräften, weil ich die Menschheit liebe und meine Kräfte ihr zur Verfügung stelle.

Das muß möglich sein, und das ist nur möglich, wenn die Lebensexistenz getrennt wird von der Arbeit. Und dies wird in der Zukunft eintreten. Niemand wird Besitzer des Arbeitsproduktes sein. Erzogen muß die Menschheit werden zu freier Arbeit, einer für alle, und alle für einen. Jeder hat danach zu handeln. Wenn Sie heute eine kleine Gemeinde gründen, in der jeder, was er einnimmt, in die gemeinschaftliche Kasse wirft, und jeder arbeitet, was er arbeiten kann, dann ist nicht seine Lebensexistenz abhängig von dem, was er arbeiten kann, sondern diese Lebensexistenz wird von dem gemeinschaftlichen Konsum aus bewirkt.(Hervorhebung wb) Das bewirkt eine größere Freiheit als die Regelung des Lohnes nach der Produktion. Wenn das geschieht, werden wir eine Richtung bekommen, die den Bedürfnissen entspricht. Das kann heute schon in jedes Gesetz, in jede Verordnung hineinfließen."
Beiträge zur GA, Heft 88


Diesen Passus habe ich erst vor einiger Zeit in den Beiträgen entdeckt. Ich finde ihn deshalb interessant, da Steiner dies bereits 1905, also noch vor Herausgabe des Sozialen Hauptgesetzes (1906), so formulierte. Obwohl er die Worte "kleine Gemeinde" und "gemeinschaftliche Kasse" benutzte, wollte er wahrscheinlich damit eher die makrosoziale Wirkensrichtung der damaligen Dreigliederungsarbeit illustrieren, was ja am Ende des Zitats mit Hinweis auf jedes Gesetz und jede Verordnung deutlich wird.

Dennoch glaube ich, daß Steiner mit dieser frühen Formulierung des Sozialen Hauptgesetzes nicht allein an den Staat, sondern auch an kleinere Verbände dachte. Wie ich bereits an anderen Stellen erwähnte (), stützt sich die (makrosozial gemeinte) Dreigliederung auf das Hauptgesetz, nicht aber das Hauptgesetz auf die Dreigliederung. Es ist nach meiner Meinung umfassender als nur makrosozial gemeint.
Neue Erfahrungen mit Arbeit im wirklichen Interesse an anderen Menschen können daher in kleineren Verbänden gesammelt werden und nach und nach die Gesellschaft insgesamt verändern. Gemeinsinn läßt sich nicht gesetzlich verordnen, höchstens gesetzlich fördern z.B. durch Ausschluss schädlichen Verhaltens.

Primär geht es um die Trennung von Arbeit und Einkommen. Alle Arbeitsergebnisse sollen möglichst ohne Rest der Gesamtheit zukommen. Unter Gesamtheit muß nicht allein die Gemeinschaft verstanden werden, doch in erster Linie sollten alle Menschen der Gemeinschaft menschenwürdig leben können. Überschüsse in der Gemeinschaftskasse können auch für die Unterstützung gemeinnütziger Projekte eingesetzt werden. Jedenfalls sollte eine ausschließlich individuelle Vermögensbildung nur in bestimmten Grenzen möglich sein (Rechtsrahmen durch Gemeinschaftsvertrag).
Weitere Aspekte wären die Beteiligung an assoziativen Projekten und Regionalgeldkreisen. Damit wird sich eine Tendenz abzeichnen, die in früheren Jahrhunderten schon da war: Lebensgemeinschaft ist auch Wirtschaftsgemeinschaft. In den Städten und großen Industrieansiedlungen hat sich heute die frühere dörfliche Wirtschaftsgemeinschaft nach und nach aufgelöst und Massenarmut und anonymes Einzelschicksal hervorgerufen. Die Unternehmen innerhalb der Gemeinschaft bilden jedoch relativ souveräne "Zellen", die sich freiwillig dazu verpflichten, wirtschaftliche Gesamtverantwortung mitzutragen.

Wäre eine Unternehmung nicht eine gute Grundlage für eine Gemeinschaft? Dies ist eine durchaus berechtigte Frage. Doch kommt es auf die Gesinnung der Menschen an und die läßt sich nicht mit dem Eintritt in ein Unternehmen einfach umschalten. Außerdem braucht eine assoziative Gestaltung der Wirtschaft noch viel Zeit. Daher ist die Gemeinschaft vorläufig ein "Unternehmen Zukunft" (andersherum sind einige sozial fortschrittliche Unternehmen eine Art "Gemeinschaft Zukunft").

Nachhaltigkeit
Die Gemeinschaft soll auch zur gegenseitigen Hilfe bei der Verwirklichung einer ökologischen und nachhaltigen Lebensweise (Nahrung, Wohnung, Kleidung) beitragen. Jeder Mensch muß heute einen Beitrag zur Erhaltung von Natur und Umwelt leisten. Dazu rechne ich sowohl eine aktive Unterstützung einer nachhaltigen, möglichst biologischen Landwirtschaft und eine Energieerzeugung aus regenerativen Quellen. Aus Sicht der CO²-Einsparung und des absehbaren Endes der Primärenergien ist es Aufgabe jedes Menschen in Zukunft, Verantwortung für eine möglichst lokale, dezentrale Energieversorgung zu übernehmen in der erneuerbare Energien eine Hauptrolle spielen werden. Jede Hausgemeinschaft sollte möglichst passive und aktive Solarenergie nutzen. Jeder Landwirt sollte in irgendeiner Weise Energie "ernten". Jede Schule, jede Verwaltung, jedes Unternehmen sollte Energie "gewinnen" durch Einsparung, Modernisierung etc.
Außerdem sollte die Gemeinschaft sich gemeinsam dafür einsetzen, daß aus sehr fragwürdigen bzw. gefährlichen Umwelttechniken wie die Atom- und Gentechnik möglichst schnell "ausgestiegen" wird.

Jugend/Krankheit/Alter
Ich möchte, daß in der Gemeinschaft verschiedene Generationen leben und eine Solidargemeinschaft für Krankheiten (s. Artabana) entsteht. Dies soll sowohl materielle Hilfe wie auch manuelle Hilfe und seelische Sorge für die verschiedenen Menschen der Gemeinschaft umfassen, womit nicht allein ein wirtschaftlicher Aspekt, sondern auch ein geistig-seelischer Aspekt angesprochen ist. Für die Kinder sollten sich die Eltern an der Gestaltung oder Neubegründung einer freien Schule gemeinsam einsetzen. Das generationsübergreifende Wohnen wird helfen, die Isolation der Kleinfamilien zu überwinden.





5 Der erste Schritt


Wer Interesse hat eine solche Gemeinschaft mitzubegründen, der kann sich über das Kontaktformular dieser Internetseite bei mir melden. Sie können natürlich auch einen Brief schicken oder anrufen (s. Kontakt).
Sobald sich etwa 20 Menschen gemeldet haben, werde ich einen Vorschlag für ein Treffen anbieten. Bitte geben Sie falls vorhanden eine E-Mail-Adresse an, da ich auf diesem Wege gern Nachrichten versende.