Ideenwerkstatt für eine regionale Assoziation


Termin: Donnerstag, den 23.09.2004 ab 19 Uhr


Ort: Künstlerisches Therapeutikum, Urachstr. 40b,
Stadtteil Wiehre, 79102 Freiburg (in der Nähe vom Alten Wiehrebahnhof).


Kosten: Freiwilliger Kostenbeitrag am Ende des Abends erbeten
(für Raummiete 30 Euro und Vorbereitung)

Nach einer Einführung in assoziatives Wirtschaften wollen wir Ideen entwickeln, in der Region Freiburg/Südbaden eine Assoziation zu begründen.

Angedachter Ablauf (Pausen nach Bedarf):

19.00 - 19.45 Uhr Einführung in assoziatives Wirtschaften
Werner Breimhorst
19.45 - 21.45 Uhr Ideensammlung
Ideen sollen am Anfang nicht gleich bewertet werden, sondern dienen der Wahrnehmung, wofür das stärkste Bedürfnis vorliegt. Es könnten zwei grundsätzliche Verbindungstypen entstehen: unternehmerorientierte und verbraucherorientierte.
22.00 - 22.30 Uhr Wie weiter?
Der weitere Weg ist offen. Ich hoffe, weitere Schritte ergeben sich aus den vorgetragenen Ideen und Arbeitsansätzen.





Informationen zur Ideenwerkstatt:


Einleitung
Vorbereitung zur Ideenwerkstatt
Bericht über die Ideenwerkstatt vom 23.09.04
Der Grund für eine regionale Initiative
Die Vorbedingungen assoziativer Arbeit
"Schlummerpotentiale" und Arbeitsfelder
Arbeitsfeld Schulbildung
Arbeitsfeld Naturkost
Arbeitsfeld Energie
Soziales Verständnis






Einleitung:


"Zur assoziativen Praxis ist noch zu sagen, daß sie sich zwar nur ideal verwirklichen läßt, wenn sie die ganze Erde umspannt, daß sie jedoch begonnen und sozusagen eingeübt werden kann, nur wenn sich in einem kleinen, verhältnismäßig geschlossenen Wirtschaftsgebiete die in ihr befindlichen Industrien nebst Handwerk mit den landwirtschaftlichen Betrieben dieses Gebietes assoziierten."
Prof. Folkert Wilken, Selbstgestaltung der Wirtschaft, S. 102f


"Wer nur an gewohnten Gedankengängen hängt, der wird sagen: das sind "schöne" Gedanken; aber wie soll man aus dem gegenwärtigen Leben in ein solches hineinkommen, das auf dergleichen Ideen ruht? Es handelt sich darum, einzusehen, daß das hier Vorgeschlagene tatsächlich unmittelbar in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Man hat nur nötig, den Anfang mit den gekennzeichneten Assoziationsbildungen zu machen. ...Man braucht durchaus nicht daran zu denken, daß das Alte zerstört und künstlich durch das Neue ersetzt werden müsse. Das Neue stellt sich neben das Alte hin. Jenes hat sich dann durch seine innere Kraft und Berechtigung zu bewähren; dieses bröckelt aus der sozialen Organisation heraus... "
24.260f.


"Dasjenige, um was es sich bei der Dreigliederung des sozialen Organismus handelt, ist nicht, aus einem utopistischen Gedanken heraus Wirklichkeiten zu schaffen, sondern das, was wirklich ist, anzufassen; diejenigen Institutionen, die gegenwärtig da sind, diejenigen, die konsumieren, die produzieren, der Unternehmer, das, was da ist selber ohne Neugründung, das soll in Assoziationen zusammengefaßt werden. Man soll gar nicht fragen: Wie gründet man neue Assoziationen? - Sondern: Wie faßt man die wirtschaftlichen Verbände, die wirtschaftlichen Institutionen, die da sind, in Assoziationen zusammen?"
305.237


Mit der Ideenwerkstatt möchte ich herausfinden, ob im näheren Umkreis Menschen bereit sind, eine geschwisterliche Zusammenarbeit zu beginnen bzw. bestehende Arbeit in einer regionalen Initiative zu bündeln. Sowohl praktische als auch theoretische Arbeit sollen sich gegenseitig in einem dauernden Prozess befruchten. Ob eine dauernde Arbeit zustande kommt, hängt vom "Aufwachen eines schlummernden Potentials" in der Region ab.

Ich habe ganz bewußt in der Ankündigung von der Region Freiburg und Südbaden gesprochen, um das Einzugsgebiet der Assoziation noch offen zu lassen. Vielleicht wird es schwierig sein, allein im nahen Umkreis von Freiburg genügend Menschen für eine Gründung zu finden. Anders könnte es sein, wenn ein größerer Raum einbezogen wird, beispielsweise von Basel bis Offenburg. Dies hängt von dem Wirtschaftsbereich ab, in dem die Menschen in der Assoziation zunächst tätig sein wollen. Im Grundnahrungsbereich sind die Kreise sicher enger zu ziehen, als im Bereich handwerklicher und technischer Erzeugnisse.



Vorbereitung zur Ideenwerkstatt


Die folgenden Informationen ermöglichen Ihnen, sich vorab eine Vorstellung zu bilden, was hier mit Assoziation gemeint ist, welchen Ziele damit in der Region verfolgt werden könnten, welche Aufgaben eine Assoziation übernehmen kann u.a.

Einige Informationen finden Sie hier auf dieser Internetseite:



Zur Grundlagenliteratur rechne ich folgende Werke bzw. Vorträge Steiners, die als Volltext online bei www.dreigliederung.de einsehbar sind:



Außerdem sind folgende fremde online-Beiträge hilfreich:



Im übrigen verweise ich auf meine Literaturliste, woraus ich einige Titel hier explizit nennen will:




Dokumentation


Ich plane die weitere Leitbildarbeit und die praktische Entwicklung auf dieser Seite zu veröffentlichen, so daß jeder auf dem Laufenden bleiben kann und die Treffen für die eigentliche Arbeit frei bleiben:

Bericht über die Ideenwerkstatt vom 23.09.04



Zum ersten Treffen waren 8 Personen anwesend. Davon hatte sich fast niemand im Internet vorinformiert. Trozdem bin ich nicht auf theoretische Aspekte zu tief eingegangen und habe die Einführung kurz gehalten. Ich wollte einfach sehen, welche Ideen die Menschen mitgebracht hatten. Zur Einstimmung hatte ich zwei Beispiele vorgestellt:



Allerdings sind wir über ein Frage-Antwort-Niveau nicht hinaus gekommen, was ich auf die geringe Vorbereitung der Teilnehmer zurückführe.

Vielleicht lag die geringe Teilnahme auch daran, daß gerade einige Veranstaltungen zur Waldorf-Aktionswoche anstehen und mögliche Interessenten überlastet waren (leider wußte ich von dieser Aktionswoche noch nichts als ich die Ideenwerkstatt terminierte).

Am Ende des Abends hatte ich den Eindruck, daß die Organisation einer bewußten Verbraucherschaft die erste Aufgabe auf dem Weg zu einer assoziativen Wirtschaft ist. Noch habe ich keine Energie und kein Konzept für weitere Veranstaltungen und freue mich über konkrete Anregungen.




Der Grund für eine regionale Initiative


Bernhard Lievegoed hatte in der sozialen Frage immer zwischen Entwicklungsweg und sozialer Form unterschieden.

"Die Dreigliederung hat sich intensiv beschäftigt mit dem Idealbild am Ende einer Entwicklung. Sie hat sich jedoch nicht beschäftigt mit den Gesetzmäßigkeiten des Weges dorthin. Ihr fehlt die Fähigkeit zu vermitteln, welche Schritte gemacht werden sollen, was der erste, was der nächste Schritt sein soll. Stattdessen wollen die Dreigliederer gleich den Endzustand durchsetzen. Das ist Vergewaltigung." "
Dem 21. Jahrhundert entgegen, S. 109


Er hatte sich als Verräter der Dreigliederung gefühlt, u.a. wegen seiner Aussage die Dreigliederung sei erst etwas für später, für die sechste Kulturepoche (ca. ab 3500). Damit meinte er die "erwachsene" Form der Dreigliederung, das Idealbild, wie es uns u.a. in den Kernpunkten Steiners entgegenleuchtet. Keinesfalls meinte er, nicht auch heute schon daran zu arbeiten und sozusagen "dem Keimling den Boden zu bereiten" (aaO).
Ich erkenne hierin eine ganz wichtige Aufgabe. Nötig sind also kleine Schritte, Schritte die Menschen von dort "abholen" wo sie in ihrer seelisch-geistigen Entwicklung stecken und sie nach und nach zu dem Idealbild hinführen. Sehe ich mir die "große" Politik an, dann habe ich wenig Hoffung über Parteien und Wahlen etwas zu verändern. (Einzig die Mehr-Demokratie-Bewegung für Volksabstimmungen wecken in mir einen Hoffnungsschimmer.) Wo aber ist der "Boden" auf dem der "Keimling Dreigliederung" wachsen kann?

Diesen Boden sehe ich in einer regionalen Wirtschaft. Betroffenheit, Interesse, Vertrauen, all das kann leichter entstehen in der Nähe und kann Grundlage bieten für eine neue "Vertragskultur". Wo das Demokratieprinzip keine Aussicht auf Erfolg bietet oder nicht greift bleibt nur das Vertragsprinzip. Ein Beispiel sind die Landwirte, die keine Gentechnik wollen: Wo die EG nicht den sinnvollen Rechtsrahmen schafft, schließen Landwirte Verträge über gentechnikfreie Zonen (www.faire-nachbarschaft.de/ (Infos zu gentechnikfreien Zonen).


Die Vorbedingungen assoziativer Arbeit


In gewisser Weise könnte in regionalen Assoziationen etwas (wenn auch provisorisch) einfließen, was später demokratisches "Allgemeingut" werden soll. Lassen Sie dies an dem Beispiel der Eigentumsfrage verdeutlichen:
In der Dreigliederung soll es ein Nutzungseigentum an Produktionsmitteln geben (s. Recht). Diese Eigentumsform wird früher oder später durch den Staat zu regeln sein. Die ersten "Fingerübungen" mit dieser Eigentumsform könnten die Assoziationen machen, denn heute wird noch keine demokratische Mehrheit dafür zu finden sein. Zu stark wirken noch römische Rechtsgedanken und der Lichtblick des "Eigentum verpflichtet" wartet noch auf seine konkrete Ausgestaltung durch die Rechtswissenschaft.

Für die Entwicklung stabiler Preisrelationen durch die Assoziationen ist es aber eine Vorbedingung, daß alle an der Erzeugung beteiligten Menschen - also auch die Eigentümer der Betriebe und Grundstücke - einen gerechten Anteil nur aufgrund persönlicher Leistung beanspruchen. Erst dann lassen sich schädliche Preisverzerrungen aus der verbreiteten Gewinnmaximierung "ohne Ende" überwinden.

Gesunde Preisrelationen können nicht ohne die Beseitigung dieser alten Privilegien hergestellt werden, das bedeutet schrittweise Eliminierung der an anderer Stelle () als Scheinwaren/-werte genannten Rechte: das Eigentumsrecht am Boden, am Geld- und Produktivkapital und das Lohnrecht.



Die Säulen in der Skizze sollen die Gesamtheit der Wertschöpfung darstellen, die Kreise darunter die Menschen eines Wirtschaftsgebietes, die unter assoziativen Verhältnissen gleichmäßiger an der Wertschöpfung beteiligt werden.
Innerhalb einer regionalen Assoziation kann ich mir - solange eine Regelung auf staatlich-demokratischer Ebene fehlt - langfristig nur einen freiwilligen (vertraglich festgelegten) Verzicht auf Erlöse aus Eigentums- und sonstigen leistungslosen Bevorrechtigungen vorstellen. Welche Wege da beschritten werden hängt vom aufkeimenden sozialen Verständnis ab. Vorbedingungen zum Beitritt in die Assoziation könnten Vorstufen des Rechteabbaus umfassen.

Die Schaffung eines befristeten Geldes (s. auch hier) innerhalb der Assoziation gehört in diesen Rahmen, um die Anteile aus Zinsen wieder auf ein gerechtes Maß zurückzuführen. Allerdings erfordert dies gewissen Aufwand, der erst ab einer größeren Mitgliederzahl lohnt. Solange die Assoziation noch klein ist, wäre eine Arbeit an den Preisrelationen allein in Euro sinnvoll. Die Kooperation mit Schwundgeldsystemen wie dem Breisgauer und weiteren Komplementärgeldern im näheren Umfeld (z.B. dem Sulzbachtaler) ist zu diskutieren.




"Schlummerpotentiale"


Es gibt im südbadischen Raum ein großes Potential zivilgesellschaftlicher Kräfte. Allerdings ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit einigen Gruppen weniger ein Bedürfnis als Aufklärung und politische Einwirkung. Doch gerade Zusammenarbeit mit Gruppen und Initiativen, die auf Veränderungen zielen, könnte Synergieeffekte auslösen.

Ich greife einige Gruppen stichpunktartig heraus, also längst nicht vollständig:




Konkrete Arbeitsfelder in der Region


Ich sehe die Arbeitsfelder einer regionalen Assoziation für folgende Grundbedürfnisse:



Arbeitsfeld Schulbildung


Es ist nicht erste Aufgabe der Assoziationen eine vom Staat unabhängige Schulbildung zu unterstützen. Dennoch könnte ich mir vorstellen, daß es wichtig ist, daß sich Menschen auch für Bildung in freien Schulen (z.B. Montessori-, Waldorfschulen) assoziativ verbinden, um langfristig größere regionale Wertschöpfung für die Lehrer, für Schulausstattung zu erbringen. Denn es ist damit zu rechnen, daß der Staat die Privatschulen auf Dauer nicht mehr bezahlen kann/will. Allerdings muß eine Assoziation erst zu einer gewissen "Blüte" kommen (sprich Finanzkraft zusammenfassen) bevor Kultur und Bildung wirksame Unterstützung erfahren.


Arbeitsfeld Naturkost


Im folgenden soll der Naturkostbereich näher angeschaut werden, der schon relativ früh assoziative Vorstufen durchlaufen hat. Einige Beispiele für solche Vorstufen:



Dies können nur grobe Skizzen von assoziativen Vorstufen im Naturkostbereich sein, die heute in der Realität in vielfältigsten Variationen bestehen. Assoziationen umfassen jedoch mehrere Branchen und nicht allein Landwirtschaft, weshalb der Vorstufencharakter allein in der Naturkostbranche nicht überwunden werden kann.

Anders ausgedrückt: Verbraucher, die Bio-Landwirtschaft vorfinanzieren (CSA-Beispiel), tragen diese Kosten aus ihrem Einkommen als Produzenten aus anderen Wirtschaftsbereichen (auch Arbeitnehmer als Produzenten verstanden). Eine assoziative Frage kann also nicht lauten, wie können die Betriebskosten der Landwirtschaft durch die Endverbraucher getragen werden. Das Wort Endverbraucher (ebenso Letztverbraucher, "echte" Konsumenten, "Berufsverbraucher") hat allein marktwirtschaftliche Bedeutung in Bezug auf eine Produktlinie, eine Branche. Im Bereich von Assoziationen sind alle Arbeitsfähigen auf die Person bezogen Erzeuger und Verbraucher. Es besteht ein Kreislauf, ein Geben und Nehmen. Die Urzelle der landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft (Landwirtsfamilie, Praktikanten, Lehrlinge und sonstige Mitarbeiter) muß neben den weiteren Urzellen der Assoziation in Preisverhandlungen treten. Beengen wir die wirtschaftliche Sicht auf die Betriebskosten eines Erzeugnisses, auf eine Unternehmung und nicht auf Preisrelationen verschiedener Erzeugnisse und Branchen untereinander, so kommt die dynamische Wechselwirkung nicht zum Leben.

Ein Aspekt assoziativer Arbeit wird es sein, die Wertverhältnisse, die Preise zwischen den dem Naturpol nahen Erzeugnissen und industriellen Erzeugnissen auszugleichen (s. Assoziationen: Der Ausgleichsgedanke). Verträge zwischen Industrie und Landwirtschaft könnten zunächst den Grundstock einer Assoziation bilden:

"Daher ist das erste, daß hintendiert werde auf Assoziationen, die sich bilden gerade aus der Landwirtschaft heraus mit verschiedenen Zweigen der Industrie. Gewiß, daß ist der erste, ich möchte sagen abstrakteste Grundsatz, daß die Assoziationen in der Zusammengliederung der verschiedenen Branchen bestehen. Diese Assoziationen werden aber am allergünstigsten (Hervorhebung wb) wirken, wenn sie sich bilden zwischen der Landwirtschaft und der Industrie, und zwar so sich bilden, daß nun wirklich dadurch, daß solche Assoziationen zustandekommen, hingearbeitet wird nach einer entsprechenden Preislage. Nun können Sie aber in Assoziationen, die natürlich erst geschaffen werden müßten, zunächst nicht viel tun - dies würde sich gleich herausstellen. Wenn Assoziationen so geschaffen werden könnten, daß Industriebetriebe zusammengegliedert würden mit Landwirtschaftsbetrieben, und wenn die Sache so gescheit gemacht würde, daß diese sich gegenseitig versorgen könnten, dann würde sich sogleich einiges herausstellen - ich werde gleich nachher die Bedingungen anführen, unter denen das geschehen kann; einiges kann natürlich sofort gemacht werden.

Aber was ist dazu zuerst notwendig? Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, dazu ist zuerst notwendig, daß man überhaupt in der Lage sei, so etwas wirklich vernunft- und sinngemäß zu begründen. Nehmen Sie einmal ein konkretes Beispiel. In Stuttgart ist "Der Kommende Tag" gegründet worden. Der Kommende Tag geht natürlich seiner Idee nach aus von dem, was durch die Prinzipien, durch die Impulse der Dreigliederung gegeben werden soll. Er würde also - ebenso wie das "Futurum" hier, - er würde in erster Linie die Aufgabe haben, das assoziative Prinzip zwischen der Landwirtschaft und der Industrie herbeizuführen, und zwar bis zu dem Grade herbeizuführen, daß durch die Assoziation der gegenseitigen Bezieher wirklich auf die Preislage [Einfluß genommen wird], indem die einen, die Konsumenten sind von den einen Gebieten, Produzenten werden auf den anderen Gebieten. Es würde sich auf diese Weise schon in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr viel leisten lassen in der Herstellung eines wirklich richtigen Preises. "
337b.227f

Mittel der direkten Einkommensübertragung - wie es heute diskutiert wird - insbesondere aus Steuern, sind wenig bewußtseinsbildend, wenig transparent und sollten gegenüber der Schaffung wahrer Preisrelationen zwischen Industrie und Landwirtschaft nachrangig sein. Zu weiteren Problemen ein guter Beitrag Udo Herrmannstorfers als PDF-Datei:
www.sozialimpulse.de

Auf dem Naturkostfeld sind verschiedene Gruppen und Unternehmen tätig, eine Auswahl:

Seit einigen Jahren bilden sich öffentlich geförderte Regionalinitiativen und Bürgernetze u. a. zur Förderung "gemeinnütziger" Landwirtschaft, so auch im Freiburger Umfeld (s. hier). Ich will dazu nichts sagen, ehe nicht deutliche Konzepte veröffentlicht sind.

Arbeitsfeld Energie


Es wird noch einmal zum Einmaleins moderner Menschen gehören, nicht nur einen konstruktiven Bezug zur lokalen Landwirtschaft, sondern auch zu einer lokalen Energieerzeugung zu haben. Vor allem weil die Ölreserven in absehbarer Zeit zuende gehen und auch der Klimaschutz Verstärkung erneuerbarer Energien erfordert.

Da leben wir allerdings in Südbaden in einer Region, die hierfür ein Bewußtsein entwickelt und auch zunehmend aktiv wird. Allein bei der Solar-Fabrik ist die Jahresproduktion 2005 (40 Megawatt) schon verkauft und weitere Ausweitung geplant (die 16 Megawatt aus 2004 gingen natürlich in die ganze Welt und nicht allein in die Regio). Aus kompetenten Quellen verlautet allerdings, daß Freiburg das versprochene Klimaschutzziel - 2010 25 % weniger CO2-Ausstoß als 1992 - weit verfehlen wird ohne verstärkte Anstrengungen. Es wird vermutet, daß nicht mal 1 % Verringerung erreicht wird (Dr. Bläsi, fesa-Vorstand, Die Solar-Region, Ausgabe 2/2004, S. 11). Nützliche Informationen zur regionalen Solarszene erhalten Sie unter:



Vielleicht ist es noch ein wenig fremd die Energie als ein lokales Wirtschaftsfeld zu sehen, doch dies wird mit verbesserter Technik eine große Herausforderung. Nicht nur Wind, Sonne, Wasser und Biogas lassen sich nutzen, es werden noch weitere Quellen auftauchen. Zumal auch die neuartige Holznutzung (Pelletsheizung) naheliegt. Es kommt nicht allein auf Großgeschäfte an, wie die neuste 2,5 Megawatt-Solarstromanlage im Gewerbepark Breisgau (1,9 ha Modulfläche für 650 Haushalte), sondern auf eine dezentrale Stromerzeugung. Jeder Mensch wird in Zukunft Strom sparsam verbrauchen und sich möglichst an der Erzeugung beteiligen. Der Übergang aller Stromerzeugung und -verteilung in Privathand ist aus assoziativer Sicht zu begrüßen. Es ist aber wenig sinnvoll an die Stelle des Staates Großkonzerne zu setzen, die einen ruinösen Verdrängungswettbewerb im Interesse der Konzerneigner führen. Hier ist eine assoziative Gestaltung nötig.

Strom ist - wie Schweppenhäuser in einem südjütländischen Beispiel (Anhang Fallstudien Heft 1) beschreibt - bedingt lagerfähig und erfordert von Natur aus eine Bedarfswirtschaft. Er geht in dem dänischen Beispiel auch darauf ein, daß eine Gliederung in die Gebiete Erzeugung und Verteilung des Stromes in Süddänemark durchaus fruchtbar waren. Nicht nur Schweppenhäuser als Dreigliederer, sondern auch D. Dunlop als führender englischer Anthroposph hatte beruflich mit der Stromwirtschaft zu tun. Dunlop sah in der Energieversorgung ein vorzügliches Feld für eine assoziative Zusammenarbeit auf Weltebene und gründete hierzu schon 1924 die World Power Conference (heute WEC), mit der er dann eine Fortführung zu einer Weltwirtschaftassoziation plante . Was Dunlop - in Kenntnis der Dreigliederung - als Vision auf der Weltebene vorzubereiten hoffte (er konnte es vor seinem Tod nicht mehr erleben), das durfte Schweppenhäuser in Südjütland in kleinerem Maßstab einige Jahrzehnte später erleben: die große Fruchtbarkeit einer politikfreien, staatsfreien, genossenschaftlich strukturierten Stromerzeugung und -verteilung.

Es erscheint mir nicht nur eine sachliche Aufgabenteilung, sondern auch eine geografische Dezentralisierung in der Stromwirtschaft sinnvoll. Waren doch gerade die Stromrebellen aus Schönau Vorreiter einer atomstromfreien Stromeerzeugung.
Weitere - genannte wie ungenannte - Arbeitsfelder können in den Treffen besprochen werden.



Soziales Verständnis


Wie kommen die Menschen nun zu einem neuen, sozialeren Verständnis?
Ist der Kampf aller gegen alle die wirksamste Möglichkeit für den Fortschritt? Oder entwickeln die Menschen durch Kooperation größere Kraft, durch die gemeinsame Ausbildung ihrer Individualität in solidarischer Zusammenarbeit? Die große Illusion des Sozialdarwinismus entlarvt sich zunehmend von selbst. Entwickeln wir aber keine neuen Bilder so greift der Fatalismus weiter um sich.
Wie läßt sich heute der Wert bewußt gewollter Zusammenarbeit vermitteln? Der Mitteleuropäer ist da anders als westliche oder östliche Menschen veranlagt:

„In Mitteleuropa reagiert man auf alles mit der Frage: Ist das auch richtig? – und vergisst, dass es im Sozialen kein richtig oder falsch gibt. Denn das Soziale ist ,manmade‘. Die Amerikaner kennen das überhaupt nicht. Hier im Westen stellt man sich die Frage nach Leben oder Tod. Wenn etwas Leben hat, dann muss es auch richtig gewesen sein. Das ist grundsätzlich eine andere Einstellung. Die Amerikaner sind viel pragmatischer und eher bereit, einfach mal etwas auszuprobieren und zu sehen, was dabei herauskommt. Im Osten ist das wieder anders. Kommt man nach Russland, trifft man dort auf die Frage nach Gut oder Böse. Das macht Dostrojewski so schön deutlich.“
Trauger Groh, Landwirt und Begründer der CSA-Bewegung in den USA (s.www.buschberghof.de/Seiten/Trauger.html )


Die Mitteleuropäer müssen erst eine Vorstellung, ein Bild gewinnen. Ein Bild für Zusammenarbeit, auch ein neues Organismus-Bild. Es ist sicher kein Zufall, wenn die Klimaveränderungen und Katastrophen uns heute ein neues Verständnis für den Organismus Erde und für die Notwendigkeit einer zusammenarbeitenden, solidarischen Weltwirtschaft abverlangen.

Doch konkret, ein Beispiel aus dem Rudersport: Rudern ist ein Mannschaftssport (außer im "Einer", eine wohl eher "sozialdarwinistische Bootsklasse"). Es kommt darauf an, sich gemeinsam gleichmäßig zu bewegen. Übereinstimmung und Freundschaft sind von großer Bedeutung, wenn neun Menschen (Achter mit Steuermann/-frau) schnell über das Wasser gleiten wollen. Ein einzelner kann den Sieg nicht erreichen und muß seinen Ruderrhythmus dem des gesamten Bootes anpassen. Dann entsteht etwas, das sich mit Worten wie Teamgeist, Mannschaftsgeist nur unzulänglich beschreiben läßt. Was ist das? Es ist das was Steiner als das Grundphänomen jeder harmonischen Vereinigung bescheibt:

"Da sehen wir, was Vereinigung bedeutet. Vereinigung bedeutet die Möglichkeit, daß ein höheres Wesen durch die vereinigten Glieder sich ausdrückt. Das ist ein allgemeines Prinzip in allem Leben. Fünf Menschen, die zusammen sind, harmonisch miteinander denken und fühlen, sind mehr als 1 + 1 + 1 + 1 + 1, sie sind nicht bloß die Summe aus den fünf, ebensowenig wie unser Körper die Summe aus den fünf Sinnen ist, sondern das Zusammenleben, das Ineinanderleben der Menschen bedeutet etwas ganz Ähnliches, wie das Ineinanderleben der Zellen des menschlichen Körpers. Eine neue, höhere Wesenheit ist mitten unter den fünfen, ja schon unter zweien oder dreien. " Wo zwei oder drei in meinem Namen vereinigt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Es ist nicht der eine und der andere und der dritte, sondern etwas ganz Neues, was durch die Vereinigung entsteht. Aber es entsteht nur, wenn der einzelne in dem andern lebt, wenn der einzelne seine Kraft nicht bloß aus sich selbst, sondern auch aus den andern schöpft. Das kann aber nur geschehen, wenn er selbstlos in dem andern lebt. So sind die menschlichen Vereinigungen die geheimnisvollen Stätten, in welche sich höhere geistige Wesenheiten herniedersenken, um durch die einzelnen Menschen zu wirken, wie die Seele durch die Glieder des Körpers wirkt. In unserem materialistischen Zeitalter wird man das nicht leicht glauben, aber in der geisteswissenschaftlichen. Weltanschauung ist es nicht bloß etwas Bildliches, sondern im höchsten Grade Wirkliches. Daher spricht der Geisteswissenschafter nicht bloß von abstrakten Dingen, wenn er von dem Volksgeist oder von der Volksseele oder von dem Familiengeist oder von dem Geiste einer andern Gemeinschaft spricht. Sehen kann man diesen Geist nicht, der in einer Vereinigung wirkt, aber da ist er, und er ist da durch die Bruderliebe der in dieser Vereinigung wirkenden Persönlichkeiten."
54.192f

Das in den Assoziationen zu pflegende Konsensprinzip kann gar nicht anders funktionieren als durch die Zurücknahme des einzelnen vor dem liebevollen Verständnis fachlicher Autorität, die das Wohl des Ganzen im Auge hat. Dann kann sich praktische Gliederung beweisen: Freier Wettkampf im Geistigen, liebevolle Zusammenarbeit im Wirtschaftlichen.