Regionalgeldkonzept

- Vorbemerkungen -


Hier möchte ich meine Gedanken und Ideen zur Verwirklichung einer Regionalgeldwährung zur Diskussion stellen. Kritik ist ausdrücklich erwünscht (s. Allgemeines → Kontakt) und Mitarbeit von Menschen aus Freiburg und dem südbadischen Umkreis würde mich freuen.

Mein besonderer Dank gilt Stefan Reeder, von dem ich den Hinweis bekam, daß die großen Rabattsysteme, die sich inzwischen nach Veränderung der Rechtslage etabliert haben, als eine Art Ergänzungswährung gesehen werden könnten. Was ich als Dreigliederer aber noch viel sensationeller finde, drei der größten Systeme Payback, HappyDigits und Webmiles mit über 20 Millionen Mitgliedern haben Systeme, die mit einer Befristung der Rabatteinheiten arbeiten. Doch dazu im folgenden mehr.

Weltweit dürfte es inzwischen 3000 Ergänzungswährungen geben (lt. Lietaer 2700; Interview in Brandeins/2001). Es wäre schön, wenn auch im Freiburger Umfeld mit einer Ergänzungswährung zum Euro Keime gelegt würden, daß offenbare Mißverhältnis zwischen Geld und Waren wieder zu gesunden. Die Regionen beginnen damit eine wirkliche Friedensarbeit zu leisten, denn ein gleichmäßig verteilter Wohlstand ist der beste Garant für weltweiten Frieden.


Eckpunkte eines Regionalgeldkonzeptes




Die Grafik zeigt das System eines Regionalgeldes (im weiteren kurz "Regio" genannt). Der Eintausch gegen Euro soll im Verhältnis 1 : 1 erfolgen.

Der Regio kann zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen bei allen Mitgliedern des Regiogeldvereins (RGV) benutzt werden. Mitglied können alle Unternehmen und Privatpersonen aus dem festgelegten Einzugsgebiet werden.
Die Abrechnung sollte der Einfachheit halber unbar erfolgen, also über Konten, auf die je nach technischen Möglichkeiten manuell oder elektronisch zugegriffen wird.
Die Mitglieder des Vereins dürfen jederzeit die Deckung von jedem Konto eines anderen Mitgliedes beim RGV abfragen. Vielleicht lassen sich als Fernziel die gesamten Buchungsvorgänge und Kontoabfragen automatisieren, so daß jedes Mitglied sofort ("in Echtzeit") die aktuelle Deckung abfragen kann.


Die Gültigkeitsdauer


Bei der Abrechnung soll die Idee der Geldalterung auf dem Wege der Begrenzung der Gültigkeit des Geldes erfolgen. Ausgehend von dem Gedanken, daß Geld keinen anderen Gegenwert als den, der in den Menschen liegenden Fähigkeiten, der existierenden natürlichen wie künstlichen Produktionsmittel darstellt, soll die Dauer der Gültigkeit je nach der Alterung der Produktionsmittel der Mitglieder eine bestimmte Zahl von Jahren betragen. Da es keine ewig haltenden Produktionsmittel gibt, muß auch das Geld in gewissen Zyklen "sterben".

Ein Schwundgeld, das in Entsprechung zur Abnutzung und zur Verderblichkeit von Waren tritt, soll aus dem in der Einleitung genannten Gründen () nicht ausgegeben werden. Der Wert des Buchgeldes wird auf den Konten bis zuletzt nicht verändert. Mit den Worten von H.G. Schweppenhäuser: Nicht der Funktionswert muß vermindert, sondern die Funktionsdauer des Geldes muß verkürzt werden.

Ich schlage zunächst eine Gültigkeit von 20 Jahren vor. Ein aus den Mitgliedern zu wählender Regiorat soll den Zeitraum der Gültigkeit bei Bedarf an die Alterung der Produktionsmittel anpassen können.

Nach Ablauf der 20 Jahre verfällt das Geld. Alle Mitglieder habe am Ende der Gültigkeit nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie verschenken das Geld vor Ablauf der Gültigkeit an eine Einrichtung des Kultur- und Geisteslebens, so daß diese Einrichtungen sich noch etwas dafür kaufen können, oder sie lassen es verfallen. Ist das Geld abgelaufen, so zieht es der RGV ein und bringt dafür wieder "neues" Geld in Umlauf, vorzugsweise im Bereich der Landwirtschaft, der gesamten Urproduktion.

Der Regio benötigt keine Umlaufgebühr, damit er ausgegeben wird. Seine "Abnutzung" resultiert allein aus der Tatsache, daß es nicht möglich ist, ihn ewig zu horten und er als Leihgeld im Laufe der Jahre immer geringer werdenden Nutzen entfaltet. Dieser geringer werdende Nutzen betrifft nicht den Kaufgeldbereich, sondern den Leihgeldbereich. In unserer arbeitsteiligen Wirtschaft ist es wichtig, daß das Geld als eine Art Buchführung eine "Spiegelfunktion" der realen Vorgänge im Kreditbereich wiedergibt. Da Kredite für Produktionskapital gegeben werden und sich dieses abnutzt, muß auch das Geld an ein Ende kommen und "sterben".

Das befristete Geld hat dann im Leihgeldbereich ganz konkrete Auswirkungen: Kein Unternehmer kann sein Unternehmen auf Geld "bauen", das ungültig wird, noch bevor sich die Investition amortisiert hat. Kalkuliert er Investitionen auf 5 Jahre, so sollte er versuchen Geld mit mindestens 5 Jahren Laufzeit zu bekommen. Allerdings wird Geld mit längerer Gültigkeit mehr Zins kosten, so daß er als sparsamer Unternehmer Kredite sucht, bei denen sich Geld und jeweilige Investition in ihrer zeitlichen Funktion annähern. Zum Zins später mehr.



Die Buchführung


Heute läßt sich keinesfalls auf das sogenannte Buchgeld verzichten. Verschiedene Dreigliederer betonen zwar die Notwendigkeit der Begrenzung der Gültigkeit, doch werden dabei immer schöne Jahreszahlen auf Banknoten also Bargeld gesetzt. Ehe nicht eine Lösung für den Buchgeldbereich gefunden ist, wird die Idee keine Bedeutung erlangen.

Es muß die Gültigkeitsdauer in einem speziellen Buchungssystem berücksichtigt werden. Dies erfordert ein neues Konzept der doppelten Buchführung, bei der zu jeder Buchung eines Geldbetrages ein Zeitwert verbucht wird. So ist es möglich, die Restlaufzeit jeder einmal herausgegebenen oder eingetauschten Geldsumme bis zum Verfall zu berücksichtigen. Die Entwicklung einer entsprechenden elektronischen Buchungssoftware dürfte bei heutigen Programmier- und Speichermöglichkeiten kein großes Problem darstellen (die Datenbanken der Rabattsysteme bieten dafür brauchbare Vorlagen, s.u.). Im folgenden zwei denkbare Lösungen hierzu:

Vorab zur Schreibweise:
515 Regio = 5 Regio verfallen in 15 Jahren. Von den 20 Jahren Gesamtlaufzeit sind also bereits 5 Jahre verstrichen (alternative Schreibweise: 5/15).

1. Lösung:

Der RGV verbucht auf jedem Konto die Einnahmen und Ausgaben unter Soll oder Haben. Bei einer Kontoabfrage werden wie heute auch beide Seiten gegeneinander aufgerechnet ohne die Zeitwerte zu berücksichtigen, denn es interessiert hier nur die Deckung und nicht der Ablauf der Gültigkeit. Die Summe gibt am Ende immer "nur" Auskunft, wieviel Geld der Kontoinhaber besitzt, das noch nicht abgelaufen ist.

Für die Finanzplanung des Kontoinhabers und bei Rechnungsabschluß, wird eine Detaildarstellung möglich sein. Dafür werden alle Positionen mit gleicher Restlaufzeit auf beiden Kontoseiten addiert und mit den Summen der Gegenseite verrechnet, so daß sich im Endergebnis (bei 20 Jahren Laufzeit) maximal 20 Endsummen bilden.

Der eigenliche Alterungsvorgang findet nun dadurch statt, daß der RGV zum Jahreswechsel auf allen Konten alle Zeitwerte um den Wert "1" vermindert. Außerdem werden dann alle Summen mit einer Restgültigkeit von einem Jahr gelöscht (denn 1 weniger 1 ist 0). Ein Beispiel:




Hier könnte eingewendet werden, daß dies sehr unübersichtlich wird. Letztlich interessant sind jedoch nur zwei Daten: Kontostand und abgelaufene Regio. Dies im Auge zu behalten, sollte jedem Menschen möglich sein.
Im übrigen soll nicht widersprochen werden, daß die Buchführung gegenüber heute aufwendiger wird, dafür aber gerechter. Nimmt man noch die Steigerung der Leistungsfähigkeit heutiger computergestützter Buchführungsarbeit hinzu, so können die Nachteile gegenüber den weitreichenden Vorteilen vernachlässigt werden.

2. Lösung (besser Weiterentwicklung der 1. Lösung):

Hier habe ich die Zusammenfassung der max. 20 Summen je Konto zu einer Summe mit einem Durchschnittszeitwert als Ziel. Wegen eventueller Rundungsverluste beim Weglassen von Kommastellen beim Zeitwert wäre es wohl sinnvoll, dies nur einmal am Jahresende vorzunehmen, so daß zu Jahresbeginn der jeweilige Kontoinhaber - so wie heute - nur eine Summe mit einem Durchschnittszeitwert vorfindet. Allerdings ist ein Punkt dabei wichtig: Der Kontoinhaber sollte Mitteilung erhalten haben, daß x Regio beim Jahreswechsel verfallen. Der Durchschnittszeitwert wird durch folgende Rechenvorgänge ermittelt:

Addition
  510Regio
+ 38Regio
  89Regio
Rechnung:
(5x10)+
(3x8):8=
Laufzeit der Summe
= 9 (abgerundet)
Subtraktion
  510Regio
- 3Regio
  213Regio
Rechnung:
(5x10)-
(3x8):2=
Laufzeit des Restbetrags
= 13

Positivwert
"besonders jung"
  515Regio
- 3Regio
  233Regio
Bei Subtraktionen können die Zeitwerte unter 0 und über 20 Jahren liegen. Dies sind Zwischenergebnisse, die sich in der Gesamtrechnung wieder ausgleichen. Negativwert
"besonders alt"
  52   Regio
- 315 Regio
  2-17Regio

Multiplikation und Division: Zeitwerte unverändert



Die Praxis soll zeigen, ob ein gerundeter Durchschnittszeitwert (Lösung 2) oder die Übertragung von bis zu 20 exakten Einzelzeitwerten zum Jahreswechsel (Lösung 1) sinnvoller ist.


Der Rücktausch


Der Regio kann natürlich auch wieder zurückgetauscht werden, weshalb der Regiogeldverein die eingetauschten Euro als Deckung bei der GLS Gemeinschaftsbank oder einer anderen Bank auf einem jederzeitig kündbaren Konto hinterlegt. Allerdings erfolgt die Rückgabe unter Abzug eines Betrages der im Verhältnis steht zu der Restlaufzeit des zurückgetauschten Regio. Ansonsten könnte das ganze Regiogeldsystem geschädigt werden, indem viele Mitglieder kurz vor Verfall der Regios ihr Geld wieder über den Euro "verjüngen".

Berechnung:
5018Regio:
Von der Gesamtlaufzeit (20 Jahre) sind zunächst 2 Jahre verstrichen, also erhält das Mitglied (50 : 20) x 18 = 45 Euro zurück.
504Regio:
Nach 16 Jahren erhält der Inhaber beim Rücktausch 10 Euro wieder: (50 : 20) x 4.



Der Praxisbeweis durch Rabattsysteme


Wie in den Vorbemerkungen gesagt, hat mir Stefan Reeder dankenswerterweise aufgrund "geheimer" Informationen über Rabattsysteme die Praxistauglichkeit einer Geldbefristung deutlich gemacht. Geheim deshalb, weil sie, wie vieles Kleingedruckte in Verträgen schwer aufzufinden sind (also kein gutes Beispiel für Transparenz, die im RGV ein wichtiges Ziel werden sollte) oder bestimmte Informationen nur Mitgliedern im Log-In-Bereich zugänglich sind (was dem "Kauf einer Katze im Sack" gleichkäme).

Es handelt sich um die Rabattsysteme Payback, HappyDigits und Webmiles. Wer ist nicht schon im Baumarkt oder Kaufhaus nach einer entsprechenden Karte gefragt worden? Also keine kleinen Fische mit über 20 Millionen Mitgliedern.

Meist erhält man (aber je nach Kaufhaus, Partnerunternehmen unterschiedlich) auf Einkäufe 1 % Rabatt, also bei 100 Euro, 1 Punkt = 1 Cent. Bei allen Systemen laufen die Punkte, Meilen oder sonstwie genannten Einheiten nach einer Frist von 3 Jahren ab, wobei verschiedene Modi für den Verfall bestehen: Jahre, Quartale und Monate. Payback verwaltet 3 Verfallsjahrgänge, 12 Quartale werden bei Webmiles verwaltet, HappyDigits kennt gar 36 verschiedene Monatsgruppen für den Verfall.

Dies erfordert jeweils Datenbanksysteme, die bei diesen Anbietern schon lange ohne Probleme funktionieren und damit widerlegen, daß die Verwaltung unterschiedlicher Geldjahrgänge allein von der technischen Seite nicht handhabbar ist. Die Kunden können auch ihre Punktestände übers Internet selbst abfragen.

Entsprechende Software müßte somit nur modifiziert werden, um sie für ein bargeldloses Regiogeld mit Befristung anzupassen. Es zeigt aber auch, daß die Altersgruppen-Verwaltung etwas ist, das die Mitglieder nicht sonderlich interessieren muß. Das läuft mehr oder weniger automatisch, obwohl die geldwerten Rabatte sicher nochmal etwas anderes sind wie ein Regiogeld. Rabatte sollen Kunden binden (letztlich dienen sie zur Gewinnsteigerung), das Regiogeld soll kooperatives, kleinräumiges Wirtschaften fördern.




Der Kreislauf


Anfangs kann der Regio noch keine große Harmonisierung zwischen dem Ungleichgewicht von Waren und Geld bewirken, denn die Mitglieder werden ja weiterhin einen Großteil der Käufe und Investitionen in Euro leisten:

Insbesondere wird der Zeitraum der Ablauf der ersten Geldjahrgänge eine Durststrecke sein. Hier möchte ich nur ein Beispiel aus der Landwirtschaft bringen: Portugiesische Korkeichen werden auch von den Vätern gepflanzt. Erst die Söhne können nach etlichen Jahrzehnten die Korkrinde ernten (wie überhaupt die Forstwirtschaft ein gutes Beispiel ist, für eine "Generationenwirtschaft").
Was aber sind 20 Jahre Gültigkeit mit "segnenden" Folgen gegen ein Geld mit Ewigkeitswert, das nur Krieg und Unheil bringt?