Saba (China) - Sekem (Ägypten) - Salamita (Italien) - Maikaal (Indien) - Laslea (Rumänien)


Diese Namen stehen für Beispiele von erfolgreichem biologisch-dynamischem Landbau in Entwicklungsregionen. Darüber soll nicht der Erfolg der hiesigen Bioanbauer vergessen oder geschmälert werden. Doch die genannten Projekte und Unternehmen haben sich in einem ärmlicheren Umfeld entwickelt und liefern uns heute wertvolle Erzeugnisse in hoher Qualität.

Worauf ist der Erfolg zurückzuführen?
Ein wesentlicher Teil des Erfolges ist sicher auf die gesundende Wirkung der Landbaumethode selbst zurückzuführen. Auch darauf, daß biologisch-dynamischer Landbau nicht in erster Linie auf eine hochgradige Technisierung setzt, sondern Mittel und Methoden nutzt, die Anbauer auch in ärmlicheren Gegenden nach und nach selbst herstellen bzw. erlernen können (Motto: Hilfe zur Selbsthilfe). Dadurch entsteht keine hochgradige Abhängigkeit der Landwirte von profitorientierten Großkonzernen. Anders ist es beim konventionellen Einsatz von künstlichen Düngern und Pflanzenschutzmitteln sowie gentechnisch verändertem Saatgut, die viele Landwirte in den finanziellen und seelischen Bankrott treibt.

Wesentlich für den Erfolg waren/sind auch die vielfältige Beratungsarbeit und Aufbauhilfe sowie die nachfolgenden auf Partnerschaft bauenden Geschäftsbeziehungen zu Menschen aus den Ländern des entwickelten Nordens. In erster Linie sind hier europäische Verbindungen zu nennen.


Mehr zur Beratung in außereuropäischen Projekten von Tadeu Caldas im online-Beitrag von www.lebendigeerde.de .

Der Bio-Landbau wird allgemein immer dort erfolgreich sein, wo sich die Menschen nicht allein auf die neuen oder wiederentdeckten alten Anbauweisen beschränken, sondern wo gleichzeitig damit ein fairer Handel der Produkte, Ausbildung der Landwirte, Aufbau von Bildungseinrichtungen, Gesundheitsfürsorge, soziale Sicherung für die Familien und mit zunehmender Fruchtbarkeit auch die Förderung von Kultur verknüpft ist.

Ich möchte Sie zunächst auf Informationen zu den einzelnen Projekten und Unternehmen hinweisen:




Es folgen einige Fragen an Herrn Dr. Julius Obermaier.

? Was tun Sie für welche Organisationen?
O: Ich berate zur Zeit ökologische bzw. biologisch-dynamische Landbauprojekte für folgende Organisationen:



? Welche Projekte haben Sie in den letzten Jahren schwerpunktmäßig beraten?
O: Entwicklung und Aufbau von landwirtschaftlichen Projekten



? Liegt Ihr Schwerpunkt der Beratung mehr auf dem Landbau oder mehr auf der Vermarktung?
O: Der Schwerpunkt ist die landwirtschaftliche Fachberatung, Vermarktungsfragen mithelfend, wenn gefragt wird.

? Was ist der Ausgangspunkt für ein neues Projekt?
O: Anfragen von Organisationen und/oder Handelsfirmen für landwirtschaftliche Entwicklungen und Fachberatungen sowie Schulungen.

? Gibt es bei der Entwicklung der Projekte eine Reihenfolge wie z.B. erst die Landwirtschaft gesunden und dann eine faire Vermarktung aufbauen?
O: Mein Anliegen ist der Aufbau einer gesunden Landwirtschaft, bei der es weltweit im Argen liegt.

? Wieweit greifen Sie bei Ihrer Tätigkeit auf Ideen der Dreigliederung, insbesondere auf die Ideen zu einer assoziativen Wirtschaft zurück?
O: Ich kann den Menschen davon erzählen und diese neugierig machen, sobald sie mir für unausgesprochene Fragen offen erscheinen.

? Gibt es Projekte wo Mitarbeiter nach diesen Ideen oder nach Beispielen für Assoziationen fragen?
O: Leider viel zu selten, weil die Menschen dem aktuellen Wirtschaftlichen zu stark verhaftet sind.

? Gibt es Projekte, die über faire Preise hinaus weitere Aspekte assoziativer Gestaltung aufweisen?
O: Leider nicht in meinem Umfeld.

? Ist die Exportorientierung der meisten Projekte nicht ein Nachteil für die notwendige Einbeziehung der Verbraucher in assoziative Abmachungen, da diese ja wegen der Entfernung nur schwer zu erreichen sind?
O: Ich habe sehr oft erlebt, dass durch den Export erst die Entwicklungen im eigenen Land ermöglicht werden. Ein klassisches Beispiel ist die Cooperative Salamita auf Sizilien. Beginn 1976 mit 2 ha Zitronen für die "Neuform".
Heute sind es über 1000 ha mit etwa 35 % für die mittlerweile entstandenen Bioläden und -märkte in Italien. Salamita hat durch 25 Jahre Präsenz auf Messen, Tagungen, Kundenbesuche, geführte Reisen zu den Anbauern viel dafür getan, die Verbraucher einzubeziehen und zu sensibilisieren (in 2004 3 Landwirtschaftskultur-Reisen durch Sizilien). Je weiter weg, desto schwieriger und es braucht die geeigneten Menschen, die dafür freigestellt werden.

Speziell zu Saba:
In China erfolgt der Aufbau vieler neuer Projekte durch kleine VTEs oder auch TVEs (Township-Village-Enterprises) genannt.
? Waren diese beim Aufbau der Seideerzeugung eine Hilfe?
O: Das Saba-Projekt ist eine Schweizer Initiative mit deren Partnern in Chengdu/Sichuan Province. Von VTE oder TVE habe ich nie gehört und auch nicht damit zu tun.

? Wie kommen die Preisvereinbarungen für die Landwirte dort zustande?
O: Die Anbauer erhalten auf den Marktpreis für Seidenkokons einen Biozuschlag, den die Fa. Sichuan Alkena Textiles Ltd. festlegt.

? Ist/war die kommunistische Regierung/Verwaltung ein Hindernis für den Aufbau des Projektes?
O: Die kommunistische Verwaltung war und ist hilfreich, weil das Projekt deren Strukturen mitnutzen darf. Zudem sind Regierung und Verwaltung sehr an Alternativen in der Seidenkultur interessiert.

? Gibt es in China staatliche Preise, Exportbeschränkungen etc. für Seide?
O: Soweit ich weiss, gibt es für Seide weder staatliche Preise noch Exportbeschränkungen.

Herr Dr. Obermaier, ich bedanke mich für die Fragenbeantwortung und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der weltweiten Gesundung der Landwirtschaft.




Es folgt ein Beitrag über das Maikaal-Projekt in Indien von Wolfgang Ritter aus Nürnberg:

Nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst - ich war Lehrer an einer beruflichen Schule - ergab sich mir die Gelegenheit Einblick zu nehmen in verschiedene anthroposophisch orientierte Initiativen in verschiedenen Teilen der Welt (Philippinen, Australien, Neuseeland, Brasilien). Anfang 2004 war ich beim Weltsozialforum in Mumbai (Indien) und nahm die Gelegenheit wahr, anschließend auch dort Initiativen kennen zu lernen.

Schon in Europa hatte ich von der assoziativen Zusammenarbeit im Maikaal-Projekt gehört, und da unsere Arbeitsgruppe Initiative Dreigliederung Nürnberg nach Assoziationen sucht, war dieses Projekt das Wichtigste, das ich besuchen wollte. Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise kenne ich schon seit meiner Jugendzeit, ihre positive Wirkung auch in unwirtlichen Gegenden konnte ich in den 80er Jahren in der ägyptischen Wüste (SEKEM) bestaunen, ihre Wirkensweise lernte ich vor zwei Jahren durch Alexander Podolinskys Schriften verstehen.

Im Maikaal-Projekt (Mhow/ Indien) bemüht man sich um beide Anregungen Rudolf Steiners: den biologisch-dynamischen Landbau im Sinne einer nachhaltigen Primärproduktion (hauptsächlich Baumwolle) und die assoziative Zusammenarbeit mit den Kleinbauern, um sie vor den Risiken des Wettbewerbs im Marktgeschehen zu bewahren. Die Garnhandelsfirma Remei AG in der Schweiz hat darüber hinaus eine Kette der assoziativen Zusammenarbeit auch mit den anderen Gliedern der am Baumwollverarbeitungs- und Vermarktungsprozess Beteiligten aufgebaut. Sie selbst verzichtet auf spekulative Gewinne im Handel mit Garnen und gibt Ihre Gewinne, die sie über die notwendige Handelsmarge hinaus macht an die Produzenten in der Dritten Welt - hier an das Maikaal-Projekt - zurück. Dadurch werden dort die Produzenten (Landwirte und Spinnereien) teilweise vom Konkurrenzdruck befreit.

Die Maikaal-Projekt-Mitarbeiter kümmern sich um die Probleme der Bauern, schulen sie im biologisch-dynamischen Anbau, achten auf die Einhaltung der Anbau-Richtlinien, führen Qualitätskontrollen durch und garantieren die Abnahme der erzeugten Baumwolle zu einem Preis, der deutlich über dem Marktpreis liegt, damit die Bauern ein Polster bilden können für den Fall von Missernten. Diese Prämie wird jährlich mit den Bauern diskutiert - in diesem Jahr liegt sie bei 20 %. Bis in die Fakturierung hinein wird das soziale Engagement sichtbar: Die Remei AG bezahlt den Garnpreis, eine Entwicklungsgebühr für das Maikaal-Projekt und einen Anteil für einen Sozialfonds der Bauern.

Die garantierte Abnahme und der erhöhte Preis bieten natürlich Anreiz, dem Projekt beizutreten. Keiner der im Maikaal-Projekt zusammen geschlossenen Kleinbauern mit durchschnittlich vier Hektar eigenem Land wird dadurch reich, aber den Pionieren geht es doch schon viel besser als vorher: Sie können nicht bloß ihre Familien und Mitarbeiter ernähren, sondern auch neue Wohnhäuser und Ställe bauen. Ihr Blick in die Zukunft ist ins Positive gewendet, denn sie können ihr Land nachhaltig chemie- und pestizidfrei bearbeiten, sind also unabhängig von teuren Kunstdünger- und Spritzmittelkäufen, und haben die Maikaal-Mitarbeiter als Berater stets an ihrer Seite.

Die Kette der Zusammenarbeit der am Baumwoll-Wirtschaftsprozess Beteiligten reicht zur Zeit vom Produzenten in Indien bis zum Einzelhandel in Europa (Rakattl, Comazzo Nuthofil Traxler und viele andere mit "COOP Natura Line", DM, Waschbär, Hess und weitere). Mitarbeiter dieser Firmen haben die Arbeit in Indien kennen gelernt und berichten ihren Kunden darüber, so dass auch der Konsument von den Gestehungsbedingungen der Baumwolle in Indien erfährt. Durch die Zusammenarbeit mit den Einzelhändlern erfährt man, welche Produkte der Kunde wünscht und welche Preise er dafür bereit ist zu bezahlen. Diese Daten erhalten die Händler, indem sie ihren Kunden Tragemuster von Kleidungsstücken anbieten und sie zu Qualitäten und Preisen befragen. Auf diese Weise ist der Kunde anfänglich integriert, und in der Kette der Zusammenarbeit richtet man sich immer mehr nach seinen Wünschen aus, denn die Einzelhändler bringen sie in die Vertragsverhandlungen mit den Lieferanten von Kleidung, Garnen und Baumwolle ein.

Insgesamt darf man sich nicht vorstellen, dass Produzenten, Händler und Konsumenten an einem Tisch säßen und verbindliche Vereinbarungen träfen, aber wie die Meinung der Kunden bei den Einzelhändlern zählt, so die Meinung der Kleinbauern bei den Maikaal-Projekt-Mitarbeitern. Die Bauern wissen für wen sie produzieren und die Konsumenten kennen den Ursprung ihrer Kleidung - Interesse und Vertrauen kann entstehen. Der Beginn einer assoziativen Zusammenarbeit ist gemacht. Ich erfahre soeben, dass Maikaal BioRe die Bauern zu Teilhabern macht.

Übrigens, weil ich durch die Beschäftigung auch mit diesem Projekt zu der Ansicht kam, dass die Verbraucher noch nicht in Assoziationen mit Händlern und Herstellern zusammenarbeiten, weil es noch kaum Verbraucher-Verbände als Partner für die Hersteller- und Händler-Verbände gibt, bin ich dabei, mit Freunden einen Verbraucher-Verein zu gründen. Er wird heissen: Bio-Verbraucher Deutschland e.V. Wir bauen gerade die Internetseite auf, haben&xnbsp;schon eine email-Adressse: info@bio-verbraucher.de.

Vielen Dank, Herr Ritter für Ihren Beitrag über Maikaal. Sehr schön finde ich die Darstellung, daß ein assoziativer Arbeitsstil selbst über Kontinente hinweg ökonomisch sein kann: Nicht ein runder Tisch ist nötig, sondern die Vermittlung der Wünsche, Informationen und Preisvorstellungen durch die "Mittelglieder" der Zusammenarbeitskette, insbesondere durch den Handel. Die Praxis wird deutlich machen, daß dies effizienter sein wird, als marktwirtschaftlicher, anonymer Wettbewerb.

Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg mit dem neuen Bio-Verbraucher-Verband.