Die schweizer Arbeitsgemeinschaft

 
 

Mit der CoOpera AG hat sich ein Unternehmenszusammenhang entwickelt, der ein partnerschaftliches und nachhaltiges Wirtschaften entwickeln will ( www.coopera.ch). Impressionen beteiligter Unternehmen


Ich habe Herrn Matthias Wiesmann (MW) von Concepts & Communication aus Bern Anfang Dezember 2002 einige Fragen gestellt: Herr Wiesmann, wollen Sie zunächst etwas zu Ihrer Aufgabe, Ihrer Funktion für die CoOpera AG mitteilen?

MW: Zunächst war ich einer der Unternehmer, die geholfen haben, die CoOpera zu gründen und an dessen Unternehmung (Regionalverteiler BioProdukte) sich die CoOpera beteiligte. Ich bin aber eigentlich mehr "Entwerfer", Konzept- oder Strategieentwickler und Initiant als Unternehmer, ausserdem schreibe ich gern. Deshalb bin ich mehr und mehr für Kommunikation und Kontakte verantwortlich. Formell-rechtlich gesehen bin ich Vorsitzender des Verwaltungsrates (ähnlich Aufsichtsrat in Deutschland).

Ist die CoOpera von Menschen gegründet worden, die das Ziel verfolgen eine assoziative Wirtschaft im Sinne der sozialen Dreigliederung zu entwickeln?

MW: Man kann das schon so sagen, auch wenn wir eher vorsichtig sind mit den Begriffen aus dem "Dreigliederungsarsenal". Manchmal werden Begriffe ja auch missbraucht und es wird z.B. ein ganz ordinäres Kartell als assoziative Zusammenarbeit gepriesen. Ich persönlich bin schon sehr glücklich, wenn es uns gelingt, kooperativere, transparentere Beziehungen zustandezubringen.

Hat sich diese Zielsetzung im Laufe der Zeit (seit 1984) erweitert, verändert?

MW: Man müsste vielleicht eher sagen: wir haben überhaupt erst in den letzten Jahren begonnen, konkret Ziele zu formulieren. Ich persönlich bin froh, dass wir nicht mit einem grossen Ideenrucksack, sondern eher als Problemlöser angetreten sind. Es gibt ja immer wieder Unternehmensgründer, die sich ungemein viele Gedanken machen, wie sie dereinst ihren Gewinn verteilen oder ihr Eigentum neutralisieren wollen - und es gibt einfach nie etwas zu verteilen oder zu neutralisieren. Zu den Zielen gehört nach wie vor ganz pragmatisch, aus den immensen und ziemlich virtuellen Kapitalströmen einen Teil zur Finanzierung der Realwirtschaft abzuzweigen. Die Banken hungern uns ja eher aus.

Können Sie grob einige Eckdaten der beteiligten Unternehmen mitteilen (Zahl der Unternehmen, Zahl der Gesamtmitarbeiter, Gesamtumsatz oder -bilanzkapital)?

MW: Das was auf dem Schaubild dargestellt ist, nennen wir CoOpera Werkstatt. Eine zentrale Einrichtung dieser Werkstatt ist die CoOpera AG (Beteiligungsgesellschaft). Ich äussere mich im Moment nur zu dieser Einrichtung.
Im Prinzip halten wir 11 Beteiligungen. Im Prinzip deshalb, weil wir vier davon bilanzmässig ganz abgeschrieben haben, die übrigen stehen mit 3.876 Mio CHF in der Bilanz der CoOpera. Die Mitarbeiterzahl dürfte zwischen 150 und 200 liegen. Umsatz- und Bilanzzahlen der einzelnen Unternehmen sind (aggregiert) nicht sehr aussagekräftig, da u.a. eine Bank und eine Leasinggesellschaft dazugehören. Die Bilanzsumme der CoOpera AG beträgt ca. 7.4 Mio CHF. Die Pensionskasse Stiftung PUK, sozusagen die Mutter der CoOpera AG, hat ein Vermögen von mehr als 90 Mio CHF.


Kommen die beteiligten Unternehmen alle aus dem anthroposophischen Umfeld?

MW: Nein - bei sieben von elf Unternehmen kann man das sagen.Das ist eine gute Mischung.

Wie läßt sich die enge Beziehung der CoOpera zum Naturkostbereich erklären?

MW: Rein historisch. Der Naturkostbereich war in der ersten Hälfte der 80-er Jahre ein Gründerbereich. Hier waren auch Finanzierungslösungen gesucht. Deshalb wurden Leute aus diesem Bereich initiativ. Inzwischen ist auch der Textilbereich wichtig geworden und nun dreht sich die Sache um. Wir sagen: In diesen beiden Bereichen sind wir besonders kompetent. Deshalb legen wir in diesen Bereichen an. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass wir uns nächsten an einer Hightechfirma beteiligen werden.

Können auch Unternehmen mit Ihnen zusammenarbeiten, die weniger nachhaltig arbeiten, aber gern innerhalb der Arbeitsgemeinschaft solidarisch und assoziativ zusammenarbeiten möchten? Würden Sie z.B. mit einem Gentechnik-Unternehmen zusammenarbeiten?

MW: Wenn Sie nicht die Gentech-Zusatzfrage gestellt hätten, hätte ich ohne zögern ja gesagt. Wichtig ist - wie oben festgestellt - Realwirtschaft und eine kooperative und transparente Art des Wirtschaftens. In der Entscheidsituation wird aber Nachhaltigkeit doch immer wichtig sein.

Gibt es regelmäßige Treffen zwischen den Unternehmen und was wird dort besprochen? Wie findet ggf. Kommunikation sonst noch statt?

MW: Eine gewisse Institutionalisierung hat die CoOpera-Arbeitsgemeinschaft gefunden, deren Teilnehmerkreis sich aber nur teilweise mit den CoOpera-Beteiligungsunternehmen deckt und weit darüber hinausreicht. Die "ARGE" trifft sich etwa achtmal im Jahr einen ganzen Tag. Hier hängen die Themen meist im engeren oder weiteren Sinn mit Unternehmensführung zusammen. Thema einer Arbeitsgruppe ist Qualität (In Zusammenhang mit "Wege zur Qualität" bzw. "Werkstatt Qualität".) Eine andere Gruppe von vier Unternehmen nennt sich "Reportinggruppe" und tauscht sich sehr nah an und mit den Zahlen der beteiligten Unternehmen aus.

Welche assoziativen Einzelziele werden schwerpunktmäßig verfolgt (z.B. Nachfolge, Eigentumsfreikauf, Konsumenteneinbeziehung, Unterhalt renditeschwacher durch renditestarke Unternehmen)?

MW: Hier gibt es keine festen Konzepte. Das hat vielleicht mit dem oben erwähnten Ideenrucksack zu tun. Es gibt aber ab und zu Initiativen aus der Situation heraus. So wurden z.B. die Marketinganstrengungen einer umsatzschwachen Unternehmung finanziell unterstützt. Die CoOpera AG hat einen Fonds eingerichtet der Beratung der "Mitglied"unternehmen ermöglichen soll. Diskutiert wurde auch ein überbetrieblicher Kindergeldausgleich - aber wieder ad acta gelegt.

Ist es richtig, daß die von Steiner genannten Aufgaben der Assoziationen wie Preis- und Arbeitskräfteverhandlungen in einzelnen Branchen noch Fernziele für die beteiligten Unternehmen sind?

MW: Was Preisverhandlungen betrifft, würde ich sogar gern von einem Nahziel sprechen. Ich würde das auch im Bereich Arbeitskräfteverhandlungen gerne sehen. Nur ist bei beiden Problemstellungen eher die Branche gefordert.

Wirken sich assoziative Veränderungen in den Unternehmungen auch auf das Bewußtsein und die Arbeit der Belegschaft aus?

MW: Schwer, allgemein zu sagen. Zumal auch hier "assoziativ" konkretisiert werden müsste. Wenn wir aber z.B. zwischen zwei Unternehmungen eine feste Lieferbeziehung entwickelt haben und den (neuen) MitarbeiterInnen immer wieder erklären, dass wir Problemlösung und Innovation durch Zusammenarbeit und nicht durch Lieferantenauswechseln erreichen möchten, dann müsste das eigentlich schon kulturbildend wirken.

Was wirkt der Entwicklung assoziativer Zusammenhänge von Seiten der schweizer Politik und Gesetzgebung am stärksten entgegen?

MW: Die schweizerische Wirtschaftspolitik ist kartellfreundlicher als die EU-Politik. Deshalb ist sicher mehr an innerwirtschaftlichen Absprachen denkbar. Gegenwärtig stossen wir aber nicht an solche Grenzen. Spürbarer sind sie im Bereich Finanzierung. Der Finanzierung durch Privatdarlehen sind z.B. enge Grenzen gesetzt.

Was betrachten Sie als einen Erfolg Ihrer assoziativen Arbeit?

MW: Am meisten freut es mich, wenn wir eine Lösung finden, die ganz quer zum Mainstreamdenken liegt. So haben wir in der PUK (Pensionskasse) einen Kreditnehmer-Solidaritätsmechanismus eingebaut. Wir versuchen damit, die im Kreditzins eingebaute Risikoprämie zu ersetzen durch eine Beitragsverpflichtung, die dann wirkt, wenn sie gebraucht wird. Wenn eine Anlage teilweise oder ganz verloren geht, dann zahlen die übrigen Kreditnehmer während max. drei Jahren einen zusätzlichen Zins von max. 2%. Erstmals nach über 15 Jahren Anlagetätigkeit haben wir den Mechanismus letztes Jahr in Gang gesetzt. Derzeit tilgen die Kreditnehmer mit ½ Zusatzprozent einen Ausfall.

Weshalb werden Aktien von CoOpera-Aktien außerbörslich gehandelt?

MW: Beteiligung durch Aktienkapital soll ja nicht a priori Schenkungsgeld sein. Es sollte jemand sagen können, dass er auch einen Teil seines Alterskapitals in unseren Aktien anlegt - dann muss aber die reelle Chance bestehen, dass er sie wieder verkaufen kann. Er trägt dann "nur" das Risiko für Wertverlust, nicht aber gleichzeitig das Risiko, die Aktien überhaupt wieder verkaufen zu können.

Sie betreiben für den Aktienhandel außerhalb der Börse den virtuellen Marktplatz .

Können Sie über Ergebnisse berichten?

MW: Vorläufig sind sie sehr bescheiden. Ein Marktplatz braucht ja eine gewisse Grösse an Angebot, dass man überhaupt hingeht oder dass er von genügend Interessenten wahrgenommen wird. Mit im Moment (Ende 2002) vier Unternehmen ist diese kritische Grösse nicht erreicht. Trotzdem sind bescheidene Anzeichen vorhanden, dass etwas mehr Bewegung entsteht. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es so etwas braucht. - virtueller Marktplatz ist übrigens nicht ganz genau. Das muss ich aus rechtlichen Gründen präzisieren, sonst werde ich gleich dem Börsengesetz oder der Bankenaufsicht unterstellt. Ich biete nur Kontaktvermittlung an, publiziere im Auftrag von Anbietern oder Nachfragern sozusagen Chiffre-Anzeigen. Diese Dienstleistung könnte sehr wohl auch von deutschen Anbietern und Nachfragern für Aktien deutscher Unternehmen genutzt werden.

Betrachten Sie die Arbeitsgemeinschaft CoOpera als eine Assoziation im Sinne der sozialen Dreigliederung?

MW: Ich sagte schon eingangs, dass ich mit Begriffen sehr vorsichtig bin. Ich betrachte die CoOpera (und die PUK) als "Entwicklungslabor" für assoziative Ansätze. Deshalb eben "Werkstatt".

Was sind die nächsten Ziele der Arbeitsgemeinschaft CoOpera?

MW: Diese Frage stellt sich die Arbeitsgemeinschaft selber immer wieder. Eines der Themen, die wichtiger werden, ist die Qualitätssicherung. Wir können nicht immer nur sagen, wir seien nachhaltig. Da braucht es mehr Verbindlichkeit. Sobald man sich dem Bereich der Verbindlichkeit nähert, ist allerdings auch eine grosse Scheu zu spüren. Wir stecken stark in der alten Kultur der "freien Unternehmer", die sich nichts sagen und nicht in die Karten gucken lassen wollen.

Was empfehlen Sie Menschen, die Kapital ethisch sinnvoll und nachhaltig anlegen wollen, die aber der assoziativen Arbeitsweise aus Unkenntnis skeptisch gegenüberstehen?

MW: Wir sind (über die CoOpera hinaus) intensiv an der Entwicklung eines Konzepts, das genau diese Frage beantworten soll. Ich denke, dass es genügend Menschen mit genügend Kapital gibt, mit dem man weit mehr finanzieren könnte, als wir sinnvoll investieren können. Wir können aber nicht erwarten, dass uns viele Menschen gleich ihre ganzen Ersparnisse anvertrauen. Mir schwebt vor, dass wir ein Kompetenzzentrum entwickeln, das landauf landab Treuhänder, Steuerberater, Notare, Rechtsanwälte, d.h. alle Vertrauenspersonen von Bürgern, mit Ausbildung und solider Information über ethisch-ökologische Anlagen versorgt. Diese Vertrauenspersonen können dann mit Vorschlägen reagieren, wenn jemand kommt und sagt "ich möchte meine xy-Aktien verkaufen. Können Sie mir zu einer Anlage raten, die sinnvoll ist und doch möglichst sicher?" Wir haben ja von (alternativen) Banken über Pensionskassen und Beteiligungsgesellschaften bis zu Direktanlagen viele Möglichkeiten. Der konkrete Ratschlag muss aber individuell sein.

Welche weiteren Erfahrungen sind nach Ihrer Meinung schließlich für Menschen mit Interesse an sozialer Dreigliederung interessant?

MW: In den Vorträgen "Der menschliche und der kosmische Gedanke" vergleicht Steiner "Gnostiker des Realismus" mit dem Theosophen in einer Bilderausstellung. Der Theosoph - ich spitze jetzt etwas zu - weiss viel über Kunst zu erzählen, nimmt aber kaum etwas wahr, der "Gnostiker des Realismus" ist voller Beobachtungen und kann lebhaft schildern. Ich war auch einmal ein "Dreigliederer" (übrigens mit Gruppe in Freiburg i.Br.). Ich war wohl auch ein solcher "Theosoph" - und davon gibt es viele unter Dreigliederern. Ich hüte mich deshalb zu sagen, dass man in der CoOpera interessantere Erfahrungen machen kann als sonst an einer Stelle in Wirtschaft und Gesellschaft. Vielleicht haben wir bessere Bedingungen des Austauschs und etwas bessere Bedingungen, Initiativen umzusetzen.

Vielen Dank für Ihre Mitteilungen über die Arbeit der CoOpera.