Ernest Bader - Christ, Unternehmer und sozialer PionierSie finden hier die Prinzipien eines internationalen Chemiekonzerns mit einem britischen Mutterhaus. Es handelt sich um die von Ernest Bader 1921 gegründete Scott Bader und Co. Ltd. |
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Ernest Bader übertrug 1951 90 % und 1963 die restlichen 10 % des Eigentums seines Unternehmens auf den Sott Bader Commonwealth (=Gemeinwesen), dessen Teilhaber seine früheren Arbeitnehmer waren.
Dies soll ein Beispiel sein für eine fortschrittliche Sozialgestaltung, die sich einem assoziativen und sozial verantwortlichen Wirtschaften nähert. Sie können die Prinzipien auch auf der Homepage von Scott Bader in englischer Sprache lesen (
www.sottbader.com):
Der Geist von Scott Bader
Diese Schrift gibt die Prinzipien wieder und beschreibt die bei der Arbeit verfolgten Verpflichtungen der Scott Bader Unternehmungen an allen Standorten auf der Welt. Die Prinzipien und Verpflichtungen sind von den Gründern der Gesellschaft in einer Verfassung entwickelt worden.
Die Absicht der Gründer war, eine konsequent andere Art einer Unternehmung zu schaffen, deren Wohl denen anvertraut wird, die in ihr arbeiten. Dies soll zu einem Geist von Kooperation und gegenseitiger Hilfe ermutigen und soziales Unrecht und Verschwendung vermeiden helfen - damit die Erde zu einem besseren Platz für das Leben wird.
Scott Bader Unternehmungen sind Mitglieder einer größeren Organisation, die Scott Bader Gemeinwesen (Commonwealth) genannt wird. Von jedem neuen Mitarbeiter, der bei Scott Bader eintritt, wird erwartet, daß er dem Commonwealth beitritt. Mitglieder teilen gemeinsam die Verantwortlichkeiten, die Rechte einer treuhänderischen Verwaltung und die Art und Weise des Arbeitens bei Scott Bader. Sie müssen die Herausforderung annehmen, sicherzustellen, daß die Gesellschaft mit ihrer Arbeit dem Wohl zukünftiger Generationen dient.
Prinzipien
Scott Bader Unternehmungen arbeiten an allen Standorten nach einer gemeinsamen Fassung von Prinzipien - diese sind:
- Sorgfalt, Achtsamkeit
- Chancengleichheit
- Ethik
- Miteinbeziehung
- Keine Diskriminierung
- Service
Verpflichtungen
Alle die bei Scott Bader mitarbeiten, verpflichten sich zu folgendem:
1. Die Art und Weise der Arbeit von Scott Bader - der Scott Bader Geist
Um vertrauenswürdig zu sein, müssen wir den Ruf von Ehrlichkeit, Redlichkeit, Service und Qualität bei allen Handlungen pflegen.
Jede Scott Bader Unternehmung muß in einem Geist von Kooperation und Partnerschaft arbeiten - mit Kollegen, dem örtlichen Umfeld und mit allen, mit denen wir geschäftlich zu tun haben.
Wir wollen Chancengleichheit durch (gegenseitige) Information und Ausbildung untereinander erreichen, um die volle Kraft unserer Individualität zu entfalten und um so die Unternehmung vorwärts zu bringen.
2. Verantwortung übernehmen
Als Individualitäten akzeptieren wir, für unsere Handlungen persönliche Verantwortung zu übernehmen und erkennen, daß alle Mitarbeiter vertrauenswürdig sein müssen, Interessenkonflikte vermeiden und ständig versuchen müssen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen zu verbessern.
Wie die Gesamtorganisation muß sich jede einzelne Unternehmung in achtsamer und ethischer Weise verhalten und für das Wachstum gegenseitiger, lang dauernder Beziehungen, die auf Ehrlichkeit und Redlichkeit bauen, einsetzen.
Leiter haben eine besondere Verantwortung, dieses individuelle und gemeinsame Verhalten zu ermöglichen und auch jederzeit offene und genaue Berichte sicherzustellen.
3. Arbeiten für eine bessere Gesellschaft
Wir müssen sorgfältig/gewissenhaft sein gegenüber denen, die sich auf uns verlassen/uns vertrauen und die Würde aller Menschen respektieren. Unterschiedliche Behandlungen wegen Rasse, Alter, Religion oder Geschlecht werden nicht toleriert.
Ein Teil des Gewinns ist an Menschen zu verteilen, denen es schlechter geht als uns.
Als eine anerkannte und verantwortliche Unternehmung kann unser Erfolg andere dazu anregen, unserem Beispiel zu folgen. Wir werden denen helfen, die uns folgen wollen. Obwohl die Unternehmung von politischen Organisationen unabhängig ist - wird sie nach Möglichkeit die Mitarbeiter unterstützen, die sich einer gemeinschaftlichen, öffentlichen Aktivität verpflichtet fühlen.
4. Selbstverwaltung
Der Geist von Scott Bader ermutigt zu persönlicher Verantwortung und Selbstverwaltung, weshalb alle Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit und über umfassendere Unternehmensentscheidungen gut informiert und beraten werden und wodurch alle Mitarbeiter angeregt werden, im besten Sinne für die Gesamtorganisation zu arbeiten. Der Miteinbezug in Entscheidungsprozessen hat durch verschiedene Formen gewählter Vertretungen zu erfolgen. Schließlich liegt Mitverantwortung bei der Hauptversammlung der Mitglieder des Commonwealth.
Scott Bader Group of Companies
The Scott Bader Commonwealth Limited
Scott Bader Company Limited
Wollaston, England
Scott Bader SA
Amiens, Frankreich
Scott Bader Scandinavia AB
Falkenberg, Schweden
Scott Bader Middle East Limited
Dubai, Vereinigte Arabische Emirate (UAE)
Scott Bader Eastern Europe sro
Liberec, Tschechien
Scott Bader (Proprietary) Limited
Hammersdale, Südafrika
Scott Bader Inc
Ohio, USA
www.scottbader.com
Ernest Bader war schon früh mit der kapitalistischen Wirtschaft unzufrieden. Die bloße Vorstellung eines "Arbeitsmarktes" und "Lohnsystems" waren ihm zuwider, insbesondere der Gedanke, daß das Kapital Menschen beschäftigte, statt daß die Menschen das Kapital beschäftigen.
"Das eigentliche Hindernis war das Gesellschaftsrecht mit seinen diktatorischen Vollmachten der Aktionäre und der von ihnen überwachten Geschäftsleitungshierarchie" -Ernest Bader-
Er versuchte die Industrie menschlichen Bedürfnissen anzupassen ohne darunter die Rentabilität leiden zu lassen. So übertrug er wie gesagt das Eigentum seines Unternehmens auf das Scott Bader Gemeinwesen, dem Commonwealth, und verfasste gemeinsam mit seinen Teilhabern eine Verfassung die u.a. folgende Punkte umfasste:
- Das Unternehmen soll mittlerer Größe bleiben, d.h. nicht über 350 Mitarbeiter hinauswachsen. Es soll jedem Angehörigen in Gedanken und Vorstellungen erfaßbar bleiben. Wachstum über diese Zahl hinaus soll zu neuen, selbständigen Unternehmen führen, die nach den Grundsätzen des Commonwealth aufgebaut sind.
- Bei den Einkommen darf der Unterschied zwischen den niedrigsten und den höchsten Bruttobeträgen nicht über ein Verhältnis von 1:7 hinausgehen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Aufgabe und Erfahrung.
- Kündigung der Teilhaber durch andere Mit-Teilhaber nur bei grob fahrlässigem Fehlverhalten. Eigenes Ausscheiden ist jederzeit nach bestimmten Fristen möglich.
- Der Verwaltungsrat des Scott Bader Unternehmens ist dem Commonwealth zur vollständigen Rechenschaft verpflichtet. Der Commonwealth hat die ernannten Direktoren zu bestätigen oder zurückzunehmen. Auch die Festsetzung ihrer Entschädigung bedarf ihrer Zustimmung.
- Der Commonwealth entnimmt maximal 40 % des Nettoertrages. Davon muß er die Hälfte an die Teilhaber ausschütten und die andere Hälfte für gemeinnützige Zwecke außerhalb von Scott Bader spenden.
Was ist hierzu aus der Sicht der sozialen Dreigliederung zu sagen?
- Das Eigentumsrecht an Scott Bader kommt dem von der Dreigliederung geforderten, eingeschränkten Nutzungsrecht an Grund und Boden und Produktionsmitteln nahe. Dies war die erste Voraussetzung für ein neues Verhältnis der Mitarbeiter zu dem Unternehmen. Dieses Recht ist zwischen uneingeschränktem Privateigentum und staatlichem Gemeinschaftseigentum einzuordnen. Wie in der Dreigliederung soll ausgeschlossen sein, daß jemand Anteil an der Wertschöpfung und Leitung hat, der keine Leistung für das Unternehmen bringt. Die Teilhaber am Commonwealth können nur gemeinsam über ihr Eigentum verfügen.
- Die Verteilung der Einkommen im Rahmen bestimmter Verhältnisschlüssel wird auch in der Dreigliederung vorgeschlagen. Hierbei zeigen sich die krassen Mißverhältnisse aufgrund eines überholten Eigentumsrechts besonders stark: Einkünfte im Leitungsbereich haben heute nicht selten ein Verhältnis von 1:1000 zu denen der sonstigen Einkommen. Ernest Bader hat aufgrund seiner christlichen Einstellung darauf verzichtet, unermeßlich reich zu werden und einem Schlüssel von 1:7 auch für seine Leitungsarbeit zugestimmt. Doch der Trend ist heute noch immer umgekehrt, insbesondere in den USA. Privateigentum legitimiert unermeßliche Wertschöpfungsabflüsse zu einzelnen Menschen und bilden die Quelle von Habsucht und Neid bei den übrigen Menschen.
- Die Anordnung die Hälfte des entnommenen Nettoertrages wohltätigen Zwecken außerhalb von Scott Bader zufließen zu lassen (Jugendarbeit, Alten- und Behindertenfürsorge u.a.) hat dabei geholfen Aufgaben zu erfüllen, die sonst in einer kapitalistischen Gesellschaft vernachlässigt werden. Wie in der Dreigliederung durch verstärkte Schenkungen vorgesehen, führt ein solches Verhalten dazu, daß Geld wieder in gesunde Abbauprozesse durch fehlende Gegenleistung mündet. Auch hier ist der Trend heute entgegengesetzt: Die Gewinne und Einkünfte werden gesammelt, gehortet, verzinst, "reinvestiert" in einer Spirale ohne Ende, so daß das Verhältnis Ware - Geld immer mehr auseinanderklafft. Geld sucht Rendite, wo Schenkung und Spende den einzigen Ausweg zur Gesundung der Geldordnung darstellen.
Auch die Arbeitslosigkeit könnte eine große Minderung erfahren, wenn sich viel mehr Menschen mit Jugendlichen, Alten, Kranken und sonstigen Benachteiligten beschäftigen könnten.
- Die Scott Bader Unternehmen können nicht ein Opfer "diktatorischer Vollmachten der Aktionäre" werden. Die Macht der Aktionäre und Banken nimmt heute immer stärker Einfluss auf innerbetriebliche Entscheidungen. Produktionsprozesse richten sich immer stärker nach den Interessen ihrer "Ermöglicher" als nach wirklichen Bedürfnissen. Hier ist Scott Bader ein Vorbild. Die Selbstverwaltung ist ein richtiger Gedanke, der auch in der sozialen Dreigliederung verankert ist. Durch eine andere Eigentumsordnung, durch eine Verwaltung der Produktionsmittel durch das Kultur- und Geistesleben und durch eine andere Geldordnung wird erreicht, daß wirtschaftiche Entscheidungen innerhalb der assoziativen Wirtschaft fallen und keine Menschen allein wegen ihrer Kapitalmacht dabei mitsprechen können.
Die Aufgaben des Commonwealth würden zum Teil von Korporationen des Kultur- und Geisteslebens und zum Teil von Assoziationen der Wirtschaft übernommen.
Das in der westlichen Sphäre verbreitete Aktienrecht fördert die zur Zeit größte Gegenbewegung für eine Wirtschaft auf Gegenseitigkeit: Den einseitigen Abzug von Wertschöpfung auf Kosten des Wohls der Allgemeinheit und die rücksichtslose Naturausbeutung. Die immer kürzeren Intervalle der Wiedergabe von Aktienkursen in den Medien unterstützen nur den Glauben, die allgemeine Ausbeutung sei ein Naturgesetz, an der sich jeder beteiligen muß. Hier können Unternehmungen wie Scott Bader heilsam wirken.