Assoziative Unternehmensgemeinschaften
- Vorstufe einer assoziativen Wirtschaft -


1. Einleitung

  1.1 Einzelaspekte aus "Die Befreiung der Arbeit" von Folkert Wilken:
      Zum Eigentum
      Arbeitgeber/Arbeitnehmer
      Vertrauen zwischen Leitung und Ausführung
      Trennung von Leistung und Einkommen
      Gewerkschaften
      Aufgabenwandel gewerkschaftlicher Arbeit
      Betriebsassoziationen und Wirtschaftsassoziationen
      Föderal oder demokratisch?
      Föderative Entscheidungen und Delegation
      Die kommerzielle Betriebsverfassung
      Das "demokratische" Prinzip in der Wirtschaft
      Übersicht über die Formen
         der Neutralisierung des Kapitaleigentums
         und der Gewinnverfügung


2.1 Unternehmensbeispiele aus "Die Befreiung der Arbeit" von Folkert Wilken (Stand 1965):

Textilbetrieb Gert Spindler, Hilden
Eisenwerk G. L. Rexroth, Lohr
Die Kunststoffwerke Scott Bader, Wollaston
Warenhauskette John Lewis, London
Staedtlersche Bleistiftfabrik, Nürnberg
Speickwerk Walter Rau, Stuttgart
Optischen Werke Carl-Zeiss, Oberkochen
Robert Bosch Werke, Stuttgart


  2.2 Weitere Beispiele (alphabetisch nach Namen):

   A - G   H - L   M - S   T - Z



A - G
Naturkostkette Alnatura, Bickenbach
Drogeriemarktkette dm, Karlsruhe
GLS Gemeinschaftsbank, Bochum
H - L
Rentenversicherung Hannoversche Kassen
M - S
Kolbenhersteller Mahle, Stuttgart
Handelskonzern Migros, Zürich (gesonderter Beitrag)
T - Z
Handelshaus tegut
Heilmittelhersteller Wala, Bad Boll
Heilmittelhersteller Weleda, Schwäbisch-Gmünd
Heilmittelhersteller Weleda, Arlesheim
Maschinenbau Voith






1. Einleitung


Auf die Einführung einer assoziativen Wirtschaftsordnung durch den Staat zu hoffen, scheint mehr den je in weite Ferne gerückt zu sein. Die Politik ist zu sehr in marktwirtschaftlicher Dogmatik verhaftet.
Und in der Wirtschaft selbst? Trotz steigender Renditen gibt es Sozialabbau und Jobverlagerungen in Billiglohnländer (oder zumindest in die Richtung gehende Drohungen). Da scheint dieser Beitrag über sozialpartnerschaftliche Unternehmensgestaltung anachronistisch zu sein. Doch der Schein trügt, denn die Überwindung egoistischer Polarisierungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird die Unternehmen letztlich überlebens- und erneuerungsfähiger machen. Die Erfüllung der Unternehmensaufgabe gelingt um so besser, je mehr Leitung und Ausführung "an einem Strang" ziehen.

Ein neuer kooperativer Geist muß die neoliberalen Wirtschaftsmethoden des Westens fortentwickeln, daß darin eine Balance entsteht aus Menschlichkeit und Wettbewerb, aus Kooperation und Arbeitsteilung. Heute stehen sich Unternehmer und Mitarbeiter in unversöhnlichen Positionen gegenüber. Eine notwendige soziale Zusammenarbeit wird verhindert. Die Globalisierung verschärft diese Situation, indem sich menschenverachtendes Unternehmensmanagement über den ganzen Globus verbreitet. Doch die innerbetrieblichen Ungerechtigkeiten werden früher oder später auch in den Billiglohnländern nach Veränderung drängen. Langfristig führt kein Weg an einer assoziativen Wirtschaft vorbei.

Der Neuanfang besteht aus vielen kleinen "Inseln" wo Menschen aus ihrem Wahrheitsempfinden, wo Unternehmer aus ihrem mitmenschlichen Gewissen heraus ohne äußeren Zwang eine gerechte Zusammenarbeit und faire Ergebnisteilung vereinbaren, die diesen Namen verdient. Diese "Inseln" innerhalb der Weltwirtschaft bieten trotz aller Unzulänglichkeiten (z.B. dem unveränderten Privateigentum) eine Basis für erste assoziative Zusammenarbeit. Mögen diese Inseln nach und nach zu neuen "Ländern" und "Kontinenten" zusammenwachsen.

Mit assoziativen Unternehmensgemeinschaften sind nicht familienähnliche Zusammenschlüsse gemeint, sondern damit soll ausgedrückt sein, daß Leiter/Innen und Ausführende trotz polarer Interessen einen gemeinsamen Weg einer bedarfsgerechten Zusammenarbeit finden. Dies kann sich in sozialen Unternehmensverfassungen ausdrücken.
Mit einer bewußten Harmonisierung - nicht mit einer Gleichschaltung - der Interessengegensätze wird dann zukünftig ein Blick über den "Tellerrand" des eigenen Unternehmens hinaus in die Gesamtwirtschaft möglich. Dann erst kann an die Gründung von Wirtschaftsassoziationen im Sinne der sozialen Dreigliederung gedacht werden. Durch die Verlagerung der Interessen auf eine unternehmensübergreifende Ebene kann ein egoistisches Lohn- bzw. Gewinninteresse sich wandeln zu einem Interesse für den Bedarf anderer, für ökologische Erfordernisse oder anders gesagt zu einem "objektiven Gemeinsinn".

Folkert Wilken hat hierzu bereits 1965 in seinem Buch "Die Befreiung der Arbeit" gründliche Überlegungen angestellt und sie mit einigen Unternehmensbeispielen verdeutlicht. Die Darstellungen Wilkens spiegeln nicht mehr die heutige Situation der Unternehmen wieder. Sie lassen aber Grundzüge einer assoziativen Gestaltung erkennen und sind nach meiner Meinung daher auch heute noch von hohem Wert. Wilken bringt auch Beispiele aus England, die auf seinen freundschaftlichen Kontakt zu Ernest Bader beruhten, der viele von Wilkens Vorschlägen in seinem Werk umsetzte.
Ich veröffentliche daher hier einen großen Teil dieses Buches. Die Auszüge aus dem Buch sind blaugrau hinterlegt. Ich hoffe, daß dies auch im Sinne von Folkert Wilken geschieht und so noch möglichst viele Menschen seine Darstellungen für die Gestaltung moderner Unternehmensgemeinschaften nutzen.

Natürlich ist die assoziative Entwicklung in den Unternehmen weitergegangen. Das "lernende Unternehmen", organische Entwicklungs- und Führungsmodelle wie z.B. das von Lievegoed/Glasl und viele weitere Konzepte bieten heute menschliche Gestaltungsperspektiven. Neben den Beispielen von Wilken im Abschnitt 2.1 sollen daher die im Abschnitt 2.2. genannten "weiteren Beispiele" die jüngere Entwicklung kennzeichnen und wollen die assoziative Theorie in der Praxis beleuchten.

Noch ist diese Liste ein Gerüst, doch dies soll sich - die Unterstützung möglichst vieler Menschen vorausgesetzt - in den nächsten Monaten und Jahren ändern. Assoziative Arbeit heißt aufeinander zugehen und sich kennenlernen. Vielleicht kann daraus ein Informationsportal für ein assoziatives Unternehmensnetz entstehen. Wer dies will, darf hier gerne mitmachen und seine Erfahrungen anderen zur Verfügung stellen, denn so manches "Rad" wird heute aus Unkenntnis zweimal erfunden.

1.1 Grundsätze assoziativer Unternehmensgemeinschaften


Zum Eigentum:
Die wahre Betriebsgemeinschaft ruht auf zwei Eigentumsgestalten: auf dem Nutzungseigentum an den Produktionsmitteln und auf der Neutralisierung des Eigentums an der in den Produktivitätsgewinnen sich darstellenden volkswirtschaftlichen Kapitalbildung. Irgendwelche intellektuellen Konstruktionen und Organisationen führen auf diesen Gebieten der Eigentumsreform nicht weiter. Das, was die Zeit hier fordert, das hängt nicht allein von dem Verständnis und guten Willen der Unternehmer ab, sondern in einem ebenso hohen Grade auch von der Willenskraft und den Fähigkeiten der Arbeiterschaft zur verantwortlichen Mitarbeit. Die Unternehmer müssen vor allem sich innerlich überwinden und den Mut aufbringen, einen Teil der Kräfte ihres Erwerbsstrebens in soziale Methoden umzuwandeln. Das wird sich auszahlen, und zwar durch den von der Arbeiterseite ausgehenden Leistungszuwachs. Denn es werden die Arbeiter aus den sozialen Impulsen der Betriebsgemeinschaft sich zu größeren Anstrengungen bereit finden. Gerade sie aber müssen dazu beitragen, daß eine Arbeitsordnung entsteht, innerhalb deren sie ihren lohnpolitischen Egoismus überwinden können. Um das zu verstehen, muß jetzt noch auf die besondere Eigenart der sozialen Methodik eingegangen werden, welche die Herstellung einer wahren Betriebsgemeinschaft praktisch verwirklichen kann.

Arbeitgeber/Arbeitnehmer:
Unternehmer und Betriebsleiter sind erfüllt von einem das Ganze der Unternehmung und des Betriebes umspannenden Willen. Dieser Wille wird getragen von einem Bewußtsein der Verantwortung für den ökonomischen Endzweck der Unternehmung. Er will nicht nur die Gegenwart bewältigen, sondern in seinen Absichten lebt stets die fernere Zukunft des Unternehmens. Nicht so der Arbeiter. Er lebt von Natur aus in den unmittelbaren Lebensinstinkten, die rein auf die Gegenwart bezogen sind, auf das, was der Arbeitsplatz und die Lebensnotdurft im Augenblick erfordern. Er will Gegenwart und ist ihr mit seinem ganzen Menschen hingegeben. Aber es leben in ihm mit elementarer Kraft gerade die ursprünglichen menschlichen Bedürfnisse nach Gemeinschaft.

Dadurch entsteht in der Einstellung zum Leben ein charakteristischer menschlicher Gegensatz zwischen den in der Unternehmung zur Kooperation berufenen beiden Menschentypen. Deren Unterschiede verwischen sich bisweilen, besonders dann, wenn die Arbeiter von dem unternehmerischen Erwerbsstreben erfaßt werden und in immer stärkerem Maße in die unternehmerische Denkweise einzudringen sich bemühen, was bei den Gewerkschaftsfunktionären bereits völlig gelungen ist. Andererseits findet man auch bei vielen Unternehmern Seiten, die der wahren Seelenverfassung des Arbeiters sich annähern. Alle diese Übergänge können aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die charakterisierte Seelenverfassung in gegensätzlicher Art auf die beiden Menschentypen verteilt ist, die berufen sind, miteinander auszukommen. Der Angestellte, der eine Art Mittelstellung zwischen beiden einnimmt, indem er in seiner Denkverfassung dem Unternehmertyp zuneigt, jedoch in seiner Willenshaltung zum Betriebsganzen mehr dem Arbeitertyp, steht aber letzten Endes in seinem Verhältnis zur Unternehmens- und Betriebsleitung in derselben sozialen Problematik darinnen wie der Arbeiter.

Die menschliche Polarität im Betriebe besitzt auch ihre sachliche Entsprechung. Der leitende Geist des Unternehmens und seine Ideen bleiben unfruchtbar, wenn sie nicht die Mitmenschen finden, die die Arbeit leisten, um die wirtschaftlichen Ideen zu verwirklichen. Die zur Arbeitsleistung Fähigen können nicht leben, wenn sie keine Gelegenheit zur Arbeit finden. Der leitende Geist verhält sich sozusagen ansaugend mit Bezug auf die Arbeit, die Arbeitsfähigen verhalten sich hindrängend zur Arbeit. Sie geben ihre Arbeit dem Leiter des Unternehmens. Sie sind in Wahrheit die "Arbeit-Geber", während der Unternehmer der die Arbeit Empfangende ist, der "Arbeit-Nehmer". Der übliche umgekehrte Sprachgebrauch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sieht das Arbeitsverhältnis nicht sachlich, sondern machtmäßig. Da ist der Unternehmer derjenige, der als der nachdem Eigentumsrecht Verfügungsberechtigte über die Produktionsmittel die Gelegenheit zur Arbeit gibt, der Arbeiter derjenige, der diese Gelegenheit wahrnimmt und insofern Arbeitnehmer ist.

Das Arbeitsverhältnis so zu sehen, ist zwar historisch zu rechtfertigen, aber in der Sicht einer zeitgemäßen sozialen Betriebsverfassung sachlich nicht mehr zutreffend. Jeder der beiden Pole ist eigentlich ein Arbeitsuchender. Der eine sucht die Leistung, der andere sucht zu leisten. Demgemäß wird man richtiger von einem Arbeitbedürfenden und einem Arbeitleistenden sprechen. Dieser in der Sache begründeten Polarität entspricht die menschliche, in welcher der Unternehmer - und überhaupt jeder Leitende - den geistigen Pol der Wirtschaft verkörpert, der zu dem materiellen Pol, den die Arbeitleistenden verkörpern, in Beziehung tritt. Die Arbeitsleistung ist in ihrem Wesen materiell, obwohl sie den geistigen Persönlichkeitsimpuls der Arbeitenden erfordert. Den menschlichen Hintergrund dieser Polarität hat man früher unter den Bezeichnungen "Bürgertum" und "Proletariat" erfaßt. Dieser Gegensatz hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verwischt. Um dessen trotzdem bestehende menschliche Wirklichkeit zu erfassen, bedarf es noch tieferer Einsichten in die Differenzierung der Menschheit im Hinblick auf die Einseitigkeit ihrer seelischen Anlagen. Klar kann jedoch erkannt werden, daß das Verhältnis "Unternehmer-Arbeiter" auf dem wirtschaftlichen Felde zwei Kraftpole verkörpert, die eine Verbindung eingehen müssen. Historisch gesehen sind diese beiden wirtschaftlichen Kraftpole in Machtpole zweier Menschenklassen entartet, die aus dem Gegensatz zueinander den Klassenkampf heraufbeschworen haben. Auf dieser Ebene können sie nur abstrakte vertragliche Bindungen eingehen, bei denen alles Menschliche ausgeklammert ist. Die fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit aber verlangt Bindungen, in denen auch die im wahrhaft Menschlichen wurzelnden, gemeinschafts-bildenden Kräfte zur Wirksamkeit kommen.

Vertrauen zwischen Leitung und Ausführung:
Die Individualsphäre der Unternehmung kann nur zu einer aufbauenden sozialen Bildekraft in den Betriebsgemeinschaften werden und diese damit überhaupt erst möglich machen, wenn die Arbeiterschaft das volle Vertrauen haben kann, daß es im obersten individuellen Bereich der Unternehmung überall mit Sachlichkeit zugeht. Die Hauptgarantie dafür besteht nun eben in der Neutralisierung der in der Bilanz der Unternehmung zutage tretenden volkswirtschaftlichen Kapitalbildung. Das in die Leitung der Unternehmung gesetzte Vertrauen und die Anerkennung der besonderen Höhe der unternehmerischen Verantwortung wird also erst dann möglich, wenn von der Unternehmungsleitung jene soziale Gesinnung ausgeht, die nur entstehen kann, wenn der egoistische Antrieb verschwindet, das sich in der Unternehmung bildende Kapital ohne weiteres für sich zu okkupieren.

Die gleiche Selbstlosigkeit wird von der Arbeiterseite verlangt. Auch sie muß die Antriebe zu ihren wirtschaftlichen Leistungen vom Lohninteresse lösen und ihre Leistungen aus der Kraft der Verantwortung vollbringen. Je ein Akt der Selbstlosigkeit auf beiden Seiten - und das bedeutet hier objektive Sachlichkeit - schafft die Voraussetzung dafür, daß in der Arbeiterschaft und im einzelnen Arbeiter der Impuls der Verantwortung entstehen und in Form irgend einer Art von Leistungsgemeinschaften sich verwirklichen kann.

Wenn speziell die Unternehmer den von ihnen geforderten Akt der Selbstlosigkeit, der zugleich ein Akt der ökonomischen und sozialen Vernunft ist und sein muß, vollziehen, dann kann die in der Unternehmung zutage tretende Kapitalbildung nicht mehr ein Objekt der gewerkschaftlichen Lohnpolitik sein. Ebenso wird das Bedürfnis nach wirtschaftlicher Mitbestimmung in der Unternehmung seinen Sinn verlieren. Die Mitbestimmung würde sich in die überbetrieblichen sozialen Institutionen verlagern, in denen die Verständigung gesucht wird über die Befriedigung des Bedarfes, über die gerechte Einkommensbildung, über die Lenkung des volkswirtschaftlichen Kapitals in die von der ökonomischen Vernunft und durch die Erkenntnis des sozial Notwendigen bestimmten Bahnen.

Es tritt damit klar hervor, daß eine soziale Ordnung der wirtschaftlichen Arbeitsverhältnisse ein Umdenken in der Gestaltung der Ordnung des Wirtschaftslebens, also eine Überwindung des universalen marktwirtschaftlichen Denkens erfordert. Es muß eingesehen werden, daß eine Wirtschaft, die alle Vorgänge aus egoistischen Gewinninteressen lenken will, niemals sozial sein und werden kann. Die Korrektur der unsozialen Wirkungen der Marktwirtschaft durch den Staat beseitigt zwar soziale Schäden, wenigstens teilweise, macht aber die Methode der Marktwirtschaft nicht sozial. "Soziale Marktwirtschaft" ist ein Unbegriff.

Trennung von Einkommen und Leistung
Das nach den Verantwortungsbereichen und den sonstigen Gesichtspunkten festgelegte Einkommensniveau wird notwendigerweise begrenzt durch die volkswirtschaftliche Produktivität. Aber zu den solchermaßen fixieren Einkommensgrößen gesellt sich gegebenenfalls ein bewegliches Element, das aus der individuellen Lage der einzelnen Betriebe kommt. Die Individualität der Betriebe und die wechselnden Dimensionen ihrer jeweiligen Produktionsaufgaben bringen es mit sich, daß es nicht angeht, eine starre Arbeitszeit zu fixieren.

Auch heute ist das trotz der gewerkschaftlichen Politik, feste und immer stärker sich verkürzende Arbeitszeiten tariflich festzulegen, nicht möglich. Der 8-Stunden-Tag, die 45-Stunden-Woche, die 5-Tage-Woche usw. sind Abstraktionen, zu denen Arbeitskämpfe geführt haben. Die wirkliche Arbeitszeit bestimmt sich im allgemeinen aus der Erkenntnis des Bedarfs, den man decken will, und im besonderen aus den jeweiligen Produktionsnotwendigkeiten des einzelnen Betriebes.

Die heute sich durch Überstunden korrigierenden festgelegten Arbeitszeiten sind ein unorganisches Behelfsmittel. Die ewig fortschreitende Technik bringt es natürlich mit sich, daß die notwendig werdenden Arbeitszeiten die unaufhaltsame Tendenz haben, immer kürzer zu werden. In den wahren Betriebsgemeinschaften, in denen die Arbeiter die von ihnen zu verrichtenden Arbeiten wirklich verantworten wollen, muß auch die Arbeitszeit beweglich gehalten werden. Doch wird sich der wechselnde Umfang der notwendig werdenden Arbeitsleistungen gegebenenfalls in einer Modifikation der festgelegten Einkommensgrößen ausdrücken. - Ein weiterer Anlaß zu einer Modifikation der Einkommen kann sich aus der konjunkturellen Lage ergeben, die in der Phase des Aufschwungs unter Umständen Erlöse bringt, welche die kalkulierten Einkommen übersteigen, in der Phase des Abschwunges auch unterschreiten.

Mit dem Aufhören des Lohnverhältnisses verschwindet auch der mit "Lohn" bezeichnete Charakter der Arbeitseinkommen. Lohn ist der Name für den auf dem Arbeitsmarkt erzielten Preis für die "Ware" Arbeit. Wenn jedoch der Arbeitende mit seiner Arbeit vollmenschlich in den Betrieb hereingenommen wird und sich als Mitglied einer Betriebsgemeinschaft fühlen darf, so steht er nicht mehr dem Betriebsergebnis als ein mit dem Lohn Abgefundener unbeteiligt oder feindselig gegenüber.

Es entspricht dem Geiste einer Betriebsgemeinschaft, daß alle ihre Mitglieder, sowohl die Unternehmer und leitenden Direktoren wie auch die Arbeiter und Angestellten, dem Gesamterfolg der Unternehmung solidarisch gegenüberstehen. Dieses solidarische Interesse kann niemals die primitive persönliche Form annehmen, daß die Mitglieder der Betriebsgemeinschaft sich nun darüber verständigen, wie sie das ganze Ergebnis der Unternehmung unter sich verteilen. Täten sie das, dann würden sie nicht berücksichtigen, was die volkswirtschaftliche Kapitalbildung ist, und in welchem Umfange sie schätzungsweise oder auch berechenbar im finanziellen Ergebnis der Unternehmung enthalten ist. Über diesen Kapitalbetrag kann einesteils nur für den Investitionsbedarf des eigenen oder einer anderen Unternehmung verfügt werden, anderenteils muß durch ihn beigetragen werden zur Finanzierung kultureller und sozialer Zwecke.

Gewerkschaften:
Die Gewerkschaft ist gegenwärtig die Repräsentation der Solidarität der Arbeiterschaft, doch ist sie es unter den bestehenden Verhältnissen nur bruchstückhaft. Als Partei des Arbeitsmarktes und als Träger von dessen kämpferischer Taktik hat sie natürlich keinerlei Interesse daran, daß sich Betriebsgemeinschaften als Synthese, das heißt als höhere Einheit, aus den beiden Polen der wirtschaftlichen Tätigkeit bilden. Und das mit Recht - solange diese beiden Pole noch nicht ihre bereinigte, noch nicht ihre wahre Gestalt angenommen haben. An die Stelle echter sozialer Gemeinschaftsbildungen läßt die Gewerkschaft die Forderung nach Mitbestimmung treten.

Zu meinen, daß die Methode zu einer Neuordnung der Wirtschaft die Formen der politischen Demokratie annehmen soll, beruht auf einer unstatthaften Übertragung der für das Staatsleben geltenden sozialen Technik der politischen Willensbildung auf das Wirtschaftsleben. Diese soziale Technik besteht in der Willensbildung durch Majoritätsbeschlüsse und deren verschiedene Abwandlungen. Demokratie ist ein politischer, kein wirtschaftlicher Begriff. Die speziell wirtschaftlichen Entscheidungen im Wirtschaftsleben, welche die Art und Richtung der Produktion, die Lenkung des Einsatzes von Kapital und Arbeit, die Verteilung der Rohstoffe usw. betreffen, können nicht durch Abstimmungen und Majoritätsbeschlüsse herbeigeführt werden. Sie sind nur von denjenigen, die Sachverständnis besitzen, richtig zu treffen. Das sind nicht diejenigen, welche die Arbeiten ausführen. Nur in den Fragen, die sich an das Rechtsbewußtsein wenden, wie es z. B. die Machtfragen und die Verteilung der wirtschaftlichen Erträgnisse sind, ist jeder Mensch sachverständig. Hier kann demokratisch verfahren werden.

Der Staat soll Kontrollfunktionen ausüben und soll durch Verstaatlichung großer Teile der Wirtschaft der privaten Wirtschaftsmacht die Objekte entziehen. Andererseits sollen die Arbeiter in die Willensbildung der Leiter der wirtschaftlichen Machtbildungen eindringen und durch verschiedene Methoden der Mitbestimmung mitentscheiden. Es wird immer deutlicher, daß diese sich Wirtschaftsdemokratie nennende Methode im Wesen der Wirtschaft selber gar nicht begründet ist, sondern nur durch deren sozialwidrige Unmethoden herausgefordert wird.

Bei der Begründung der politischen Demokratie in der Französischen Revolution hieß es: Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. Überträgt man diese Vorstellung auf das Wirtschaftsleben, so kann man nicht sagen, daß in der Wirtschaft die Macht vom Volke ausgeht. Sie geht entweder von den Unternehmern, von den Arbeitern oder aber vom Staate aus. Jede dieser drei Möglichkeiten ist eine soziale Unmöglichkeit, wenn man sich die wahre Natur des wirtschaftlichen Lebens vorstellt. Denn niemals und nirgends geht es im wirtschaftlichen Leben um Macht, sondern um Produktivkräfte und soziale Kräfte durch die eine gesellschaftliche Produktion von materiellen Gütern für den Bedarf an solchen ermöglicht werden soll. Machtpositionen bilden einen Fremdkörper in einem durch Gemeinschaftsformen richtig geordneten Wirtschaftsleben. Die Verstaatlichung der Wirtschaft im Ganzen oder in Teilen und auch die sogenannte Wirtschaftsdemokratie sind heute Abwehrmaßnahmen zur Beseitigung sozialer Anomalien und ökonomischer Fehlentscheidungen im Wirtschaftsleben. Sie haben keinerlei grundsätzliche Bedeutung für dessen wahre Ordnung. Auf sie kann der Ausdruck "Neuordnung" nicht angewendet werden.

Den Mißständen einer asozialen Wirtschaft kommt man nicht bei, wenn man nur ihre Symptome frontal angreift, aber deren Hintergründe bestehen läßt. Das führt zur Verewigung einer das Wirtschaftsleben lähmenden Kampfsituation. Von dieser kann die Wirtschaft nur befreit werden, wenn man deren Fundamente ändert, indem man das egoistische, antisoziale Marktgetriebe in seine Grenzen zurückdrängt und es durch soziale Bildungen ersetzt, die in den Unternehmungen und Betrieben anfangen müssen.

Der Sinn und der Wille zu einer echten sozialen Umgestaltung lebt unzerstörbar in den Arbeiterseelen. Die Resignation gegenüber ihren tiefsten Willenstrieben hat die Arbeiter zu Lohnegoisten herabgewürdigt, die infolgedessen an allem wirtschaftlichen Geschehen innerlich uninteressiert sind, wie auch selbst an den Gewerkschaften. Gerade diese letztere Tatsache weist in die Richtung, in welcher die Gewerkschaften ihre wahren Aufgaben suchen sollten. Es werden deshalb diese Ausführungen sinnvoll abgeschlossen werden können, wenn wir uns in das Gewerkschaftsproblem noch weiter vertiefen und uns vorzustellen versuchen. auf welchen Bahnen sich die gewerkschaftliche Tätigkeit bewegen müßte, wenn sie die Initiative zu einer zeitgemäßen sozialen Neuordnung des Wirtschaftslebens ergreifen will. Die ihr dabei erwachsenden Aufgaben würden dann auch eine strukturelle Neugestaltung der Gewerkschaftsorganisation nötig machen, welche die Kraft ihres Wirkens außerordentlich erhöhen dürfte.

Aufgabenwandel gewerkschaftlicher Arbeit:
Immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß die Durchführung einer sozialen Neuordnung zur Voraussetzung hat die Reform der Eigentumsverhältnisse. Erst wenn es gelingt, die auf das Privateigentum am Kapital sich gründende Wirtschaftsmacht, welche nicht nur in den Wirtschaftsprozeß immerfort ein ordnungswidriges Element hineinträgt, sondern auch den permanenten Kampf der Arbeitenden um eine ausreichende Beteiligung am Erfolg der Wirtschaft erregt hat, in sinnvoller Weise auszuschalten, werden die Gewerkschaften frei für ihre eigentlichen Aufgaben. Da wird es nicht mehr utopisch erscheinen, wenn sie als übergeordnete Verantwortungsträger und damit als Träger einer neuen Arbeitsmoral ihre Rolle als spezifisch soziale Impulsgeber im Wirtschaftsleben übernehmen.

Wenn die Barriere der privaten Kapitalmacht und das damit verbundene Sichbemächtigen der freien wirtschaftlichen Werte nicht mehr besteht oder wenigstens eingeschränkt wird, dann eröffnet sich für die gewerkschaftliche Tätigkeit das Tor ihres wahren Wirkens auch auf dem Gebiete der Einkommensbildung für die Arbeitenden. Die Beteiligung der Arbeitenden am Sozialprodukt bzw. am Betriebsergebnis in ökonomisch vertretbarer und sozial gerechter Weise wird eine Aufgabe sein, die nur im Bewußtsein höchster sozialer Verantwortung gelöst werden kann. Soziale Verantwortung bedeutet hier, daß in Betracht gezogen wird, daß von der wirtschaftlichen Arbeit nicht nur die Arbeiter zu leben haben, sondern auch deren Familien, ferner die Nicht-Arbeitsfähigen und die Rentner aller Art, außerdem der Staat und nicht zuletzt auch das gesamte Kulturleben. Auf der Betriebsebene kann eine solche gerechte Verteilung der wirtschaftlichen Ergebnisse nur annähernd richtig gelöst werden. Besteht doch hier die Gefahr, daß Unternehmer und Arbeiter das Betriebsergebnis unter sich verteilen ohne Rücksicht auf die soeben genannten finanziellen Bedürfnisse der weiteren Allgemeinheit.

Es gilt also herauszufinden, wie hoch sich das für konsumtive Zwecke verfügbare Sozialprodukt beläuft, und dann sich darüber zu verständigen, was jedem Menschen als sein ökonomisches und kulturelles Minimaleinkommen zustehen muß. Von dieser Grundlage aus kann dann mittels weiterer Maßstäbe darüber disponiert werden, wie hoch die durchschnittliche Höhe der Arbeitseinkommen anzusetzen und als verbindlich anzusehen wäre.

Die verhältnismäßige Einheit der Arbeitseinkommen spiegelt den gesellschaftlichen Charakter der Arbeit wieder und liegt in der Richtung der Gerechtigkeit trotz aller Abstufungen, welche unter bestimmten Bedingungen getroffen werden. Insofern entspricht die Technik der Tarifverträge durchaus einer sozialen Wirklichkeit. Andererseits aber ist einzusehen, daß die Verhandlungen über eine sachgemäße Gestaltung der Arbeitereinkommen in den größeren Rahmen der sozialen Verwendung des Sozialproduktes gestellt werden müssen. In diesen Verhandlungen haben nicht nur die Gewerkschaften mitzuwirken, sondern auch die Vertreter der anderen Gruppen von Einkommensbeziehern, also die der Beamten, der Rentner und nicht zuletzt die der kulturell Tätigen und ihrer Institutionen. Zur Gewinnung der Erkenntnisse darüber, was ökonomisch möglich ist, können die Gewerkschaften wiederum durch ihre wirtschaftswissenschaftlichen Institute beitragen. Auf diese Weise können Tarifforderungen entstehen, welche ökonomisch begründet und sozial gerecht sind. Dann wird auch für die Gewerkschaften kein Anlaß mehr bestehen, sich in die leitenden Unternehmerfunktionen einzumischen und auf eine Verstaatlichung der Produktionsmittel hinzuarbeiten. Wenn ihre leitenden Geister sich über die Dogmatik der einseitigen marktwirtschaftlichen Nationalökonomie erheben können und sich vor allem eine wahre Erkenntnis vom Wesen der volkswirtschaftlichen Kapitalbildung verschaffen, dann können sie zielbewußt an einer wirklichen Neuordnung des Wirtschaftslebens mitarbeiten, ja eine solche von sich aus herbeizuführen trachten.

Die Stufen der sozialen Betriebsverfassung
Was unter dem Namen "Betriebsgemeinschaft" beschrieben wurde, ist die Charakterisierung eines sozialen Idealzustandes. Der in letzter Zeit häufig gewordene Gebrauch dieses Wortes für irgendwelche menschlich gemeinten Partnerschaften bei Aufrechterhaltung der überkommenen Unternehmungsstrukturen ist bei vielen Gewerkschaftsvertretern auf Ablehnung gestoßen. Es ist auch nicht zu leugnen, daß der Ausdruck Betriebsgemeinschaft einen gewissen sentimentalen Beigeschmack bekommen hat. Er ist belastet durch einen familiären Anklang. Irgend etwas Familiäres, wie es noch in der patriarchalischen Betriebsverfassung lebte, fällt bei der oben geschilderten Betriebs- und Unternehmensverfassung völlig fort.

Was in ihr die menschliche Seite begründet, ist eine objektive soziale Gesinnung, ist ein objektiver Gemeinsinn, wie es bei Rudolf Steiner heißt. Dieser aber wurzelt tief im Menschlichen, nämlich da, wo die Freiheitskräfte der selbständigen Persönlichkeit ihren Sitz und ihr Zentrum haben. Was dabei an subjektiven menschlichen Beziehungen entstehen kann, gehört zu den möglichen Folgen der Betriebsgemeinschaft, andererseits in gewisser Weise auch zu deren Wegbereitung. Was heute mit dem guten Betriebsklima bezeichnet wird, bildet zweifellos auch eine der Voraussetzungen für die Entstehung echter Betriebsgemeinschaften. Gegenseitige Anerkennung, Interesse für den Betrieb und seine Aufgaben, das Empfinden der Lohngerechtigkeit im Lohnverhältnis schaffen heute schon, ohne daß eine Betriebsgemeinschaft vorliegt, das gute soziale Klima. Es bildet das Element einer sozialen Betriebsverfassung. Eine solche kann sich auf verschiedenen Stufen verwirklichen, welche durch die Tiefe und den Umfang der sozialen Beziehungen gekennzeichnet sind. Gegenüber der letzten Stufe, der vollen Betriebsgemeinschaft, gibt es also Vorstufen, die als Übergangslösungen in der Verwirklichung einer vollen sozialen Betriebsverfassung erscheinen. Von diesen Übergangslösungen ist deshalb noch zu sprechen, zumal sie die entscheidenden sozialen Betriebsprobleme noch in besonderer Weise beleuchten.

Um die niederen oder höheren Grade in der Sozialgestaltung der Betriebe zu kennzeichnen, soll der Begriff der "sozialen Betriebsverfassung" als Oberbegriff für die verschiedenen Stufen der betrieblichen Sozialität benutzt werden, der sie alle umfaßt. Beiläufig sei bemerkt, daß die Anwendung des Ausdrucks "Betrieb" im allgemeinen auch die den Betrieb übergreifende Unternehmung beinhaltet. Der Begriff Betrieb wird also, wie das auch im landläufigen Sprachgebrauch geschieht, bald in einem engeren, bald in einem weiteren Sinne verwendet. Unter Berücksichtigung dieser Terminologie kann nun gesagt werden, daß die soziale Betriebsverfassung auf drei Stufen verwirklicht werden kann. Es sind dies:

1.Der Partnerschaftsbetrieb als unterste Stufe;
2. Der integrierte Betrieb oder die soziale Betriebsintegration als mittlere Stufe. In ihr ist zu einem Teil verwirklicht
3. der assoziative Betrieb oder die Betriebsassoziation als letzte und höchste Stufe, die die wahre Betriebsgemeinschaft verkörpert.

In bezug auf die letztere sind die Stufen 1 und 2 als Übergangslösungen anzusehen. Naturgemäß enthalten die höheren Stufen im allgemeinen die niederen oder Elemente derselben in sich, also der integrierte Betrieb Partnerschaftselemente, die Betriebsgemeinschaft die assoziativen Elemente der sozialen Betriebsintegration. Es versteht sich weiter, daß jede Stufe in verschiedenen Abwandlungen und Übergängen auftritt, also nicht dogmatisch festgelegt werden kann. Besonders sind die Übergänge von der sozialen Integration zu einer vollkommenen Betriebsassoziation fließend. Da für die letztere noch kein Beispiel gegeben werden kann, aber die soziale Betriebsintegration eine unmittelbare Vorstufe zu ihr bildet, so ist es zu verstehen, wenn man die Bezeichnung des Assoziativen auch bei der sozialen Betriebsintegration verwendet, obwohl es hier nur in einem eingeschränkten Sinne Geltung besitzt.

Betriebsassoziationen und Wirtschaftsassoziationen:
Es muß darauf hingewiesen werden, daß die hier beschriebene Betriebsassoziation sich unterscheidet von den wirtschaftlichen Assoziationen, welche vom Standpunkte der Dreigliederung des sozialen Organismus zu dessen Verwirklichung auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens gefordert werden.
In einer zur Stufe der Selbstgestaltung oder Selbstverwaltung fortgeschrittenen Wirtschaft wird das gesamtwirtschaftliche Zusammenwirken durch assoziative Zusammenschlüsse von Produzenten, Händlern und Konsumenten erreicht. Diese alle Wirtschaftsgebiete durchziehenden Assoziationen, die der Verständigung zwischen entgegengesetzten Interessensphären dienen, besitzen nicht jenen hohen Grad menschlicher Verbundenheit, welchen die Betriebsassoziationen anstreben. Auf der Ebene und im Rahmen eines einzelnen Betriebes der Produktion oder des Handels verwirklicht sich das assoziative Prinzip dadurch, daß die Führungsinitiativen und Arbeitsinitiativen, denen verschieden geartete Menschentypen zugrunde liegen, zu einer gemeinschaftlichen Kooperation zwecks Verwirklichung des obersten Betriebszweckes sich zusammenfinden. Sie regeln die Verantwortungsbereiche der Arbeitstätigkeiten und die ökonomisch und sozial begründete Verwendung des Betriebsertrages gemeinschaftlich und freiheitlich in einer als gerecht empfundenen Weise.

Dieses gemeinschaftliche Zusammenwirken ist für den Betrieb notwendig und menschlich natürlich, während die Gegensatzstellung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer menschlich unnatürlich und wirtschaftlich schädlich ist. Es ist die Wirtschaft ihrem Wesen nach überall auf Zusammenarbeit veranlagt, im ganzen sowohl wie in den einzelnen Betrieben. Die assoziative Verbundenheit zwischen den Angehörigen eines Betriebes reicht tiefer in das rein Menschliche hinein, als es bei den wirtschaftlichen Assoziationen notwendig ist. Was sich in der assoziativen Betriebsverfassung als gemeinschaftliche Regelung der gegenseitigen Verantwortungen herausbildet, kann als eine Assoziation höherer Ordnung gelten. Demgegenüber sind die umfassenderen, auf das gesamtwirtschaftliche Zusammenwirken sich erstreckenden wirtschaftlichen Assoziationen zwar auch von einem objektiven Gemeinsinn für eine gegenseitige Verständigung beseelt, aber die handelnden Personen wechseln, während der in den Betriebsverhältnissen zu entwickelnde menschliche Gemeinsinn auf eine dauerhafte Verbindung und Kooperation hinzielt. Charakteristisch für beide Arten von Assoziationen ist, daß ihre Mitglieder sich als selbständige Persönlichkeiten gegenüberstehen und in Freiheit sich zum allgemeinen Besten verständigen wollen.


Föderal oder demokratisch?

Im Wirtschaftsleben geht es also grundsätzlich nicht um Macht und Gewalt. Darauf wurde bereits hingewiesen und aus diesem Grunde ist der Ausdruck "Demokratie" für die Wirtschaft einfach unpassend. In der Wirtschaft geht es um menschliche Zusammenarbeit, um Verantwortung, Verantwortungsteilung, letzte Verantwortung. Die letzte Verantwortung liegt bei der obersten Führung des Betriebes. Sie verkörpert ihrem Wesen nach keine materielle Herrschgewalt, sondern strahlt eine geistige, ordnende Macht aus. Die politische Macht dagegen besitzt einen herrschaftlichen Charakter, der ein bestimmtes menschliches Verhalten materiell erzwingen will. Ein weiterer Unterschied ergibt sich dadurch, daß die Träger der geistigen Führungsmacht im Wirtschaftsleben nicht wie die politischen Führer vom Volke gewählt werden, weil im Wirtschaftsleben keine Gewalt vom Volke ausgeht. Die Arbeitenden streben es auch nicht an, die Wirtschafts- und Betriebsführer zu wählen oder zu ernennen. Sie wollen nur die nicht im Wesen der Wirtschaft begründete materielle Unternehmermacht durch Entfaltung von Gegenmacht in der Form der Mitbestimmung in allen Betriebs- und Unternehmerangelegenheiten begrenzen oder gar brechen. Ein solches Hindrängen zur Mitbestimmung in den Machtverhältnissen der kommerziellen Betriebsverfassung seitens derer, die an der Macht nicht teilhaben, kann vielleicht im übertragenen Sinne als demokratisch bezeichnet werden. Innerhalb einer wahrhaft sozialen Betriebsverfassung wird jedoch eine solche pseudo-demokratische Aktivität gegenstandslos.

Eine Demokratie von machtpolitischer Art gewinnt also im Wirtschaftsleben nur solange eine gewisse Bedeutung, als es sich um die kommerzielle Betriebsverfassung mit ihren Machtpositionen handelt. Es sind die Absatzkonkurrenz und die Arbeitskämpfe, durch welche das Phänomen der Macht im Wirtschaftsleben zum methodischen Bestandteil geworden ist. Die Theorie der Marktwirtschaft rechnet mit diesen Kämpfen, welche die Wirtschaft als ein ihr fremdes und ihre Produktivität herabsetzendes Element durchziehen. Zum Schaden der Wirtschaft sind deren Betriebe zu machtpolitischen Gebilden entartet. Dieser unnatürliche Zustand kann allein durch korporative Formen der Zusammenarbeit überwunden werden.

Wie immer die Betriebsverfassung beschaffen sein mag, es gibt in ihr eine Sphäre des Rechts. In dieser geht es nicht darum, wie Macht in den Betrieben konstituiert wird, sondern wie das menschliche Zusammenleben in ihnen rechtlich geordnet wird. In der Sprache des politischen Lebens heißt das, wie der Betrieb verwaltet wird. Im Staate wird das Zusammenleben von Menschen verwaltet. Auch im Betrieb leben Menschen zusammen, und ihr Zusammenleben muß rechtlich geordnet und dementsprechend verwaltet werden. Diese Verwaltung bezieht sich aber nicht auf das Ganze des Betriebes. Die eigentlich betriebliche, d. h. sachliche und technische Ordnung der Arbeitsprozesse besteht nicht aus Verwaltungsakten, sondern aus einer Organisation aller Arbeitstätigkeiten und ihrer Verantwortungskreise. Diese Zusammen"arbeit" wird durch die Logik der Produktions- und Handelsprozesse geordnet und organisiert. Hier beherrscht das ökonomische Prinzip die technische Gestaltung und die Anpassung derselben an den Menschen und die Anpassung des Menschen an sie. Aber mit dieser organisierten Zusammenarbeit ist ein Zusammen"leben" der Menschen verbunden. Dieses verlangt eine rechtliche Regelung und Verwaltung, bei der gewisse soziale Techniken der politischen Demokratie zur Anwendung kommen können. Das ist zunächst dort der Fall, wo die Bedingungen und der Inhalt der Arbeitsordnung festgesetzt werden. Die soziale Ordnung, nach welcher die Arbeiten zu verrichten sind, umfaßt in der Regel die Länge der Arbeitszeit, ihren Beginn, die Pausen, die Einrichtung und Hygiene der Arbeitsräume und dergleichen mehr. Dieser Teil des Betriebslebens besitzt Rechtscharakter und erfordert eine Verwaltung. Eine solche kann entweder autoritär ausgeübt werden wie in den frühkapitalistischen Arbeitsordnungen, oder aber föderativ, d. h. unter gleichberechtigter Mitwirkung der Arbeitenden selbst. Hier gibt es verschiedene Stufen. Eine Betriebsordnung kann nach Besprechung (Konsultation) mit den Arbeitenden erlassen werden; es können aber auch die Arbeitenden selbständige Entscheidungen in einzelnen Fällen treffen, z. B. über den Beginn der Arbeit. Über solche und ähnliche Fragen kann durchaus abgestimmt werden mittels der demokratischen Technik der Mehrheitsbeschlüsse. Das ist sinnvoll, denn die menschliche Seite der Arbeit ist ein soziales Anliegen, kein ökonomisches.

Föderative Entscheidungen und Delegation:
Auf diesem sozialen Felde kann es Gegenstände geben, welche in die volle Selbstverwaltung der Arbeitenden übergehen können, wie z. B. die Verwaltung der Krankenkasse, der Betriebsausflüge und anderes mehr. Von allen diesen rechtlichen und föderativ zu gestaltenden Verwaltungsvorgängen (statt "demokratisch" muß es richtiger "föderativ" heißen) ist wohl zu scheiden die Gliederung der wirtschaftlichen Arbeit in Verantwortungskreise, die von einer obersten Spitzenverantwortung, die das Ganze verantwortet, herunterführt zu den einzelnen Arbeitsplätzen, welche die letzten Verrichtungen ausführen, die entweder von den Einzelnen oder von Gruppen Zusammenarbeitender zu verantworten sind, bis hinauf zu der korporativen Verantwortung in einer vollen Betriebsgemeinschaft. In diesen Zusammenhängen kann es keine föderativen Abstimmungen geben, sondern nur Delegierungen von Verantwortungen, und zwar von höheren Stellen an niedere. In der politischen Demokratie delegieren die Regierten, also das Volk, die Staatsgewalt und die praktische Ausführung der Gesetze an die Regierung. Im Wirtschaftsbetrieb delegieren umgekehrt die führenden Träger der Verantwortung nicht etwas, was der Staatsgewalt vergleichbar wäre, sondern Arbeitsverantwortungen an die unteren Stellen der ausführend Arbeitenden. Verantwortungskräfte sind nicht materielle Gewalten, sondern geistige Führungsgewalten, und diejenigen, an die sie delegiert, d. h. übertragen werden, befinden sich nicht in der Rolle von Regierten. Je mehr sich der Betrieb der assoziativen Stufe nähert, um so mehr kommt den von der obersten Betriebsleitung ausgehenden Verantwortungsübertragungen der selbständige Verantwortungswille der ausführend Arbeitenden entgegen. In dem ganzen Gewebe der Verantwortungsteilung betätigt sich eine nach unten ausgegliederte geistige Autorität. Diese Geisteskräfte organisieren die materiellen Gewalten des Wirtschaftsprozesses, die in den Maschinen und bei den mit ihnen Arbeitenden wirksam werden. Das erfolgreiche Zusammenwirken dieser geistigen und materiellen Gewalten hängt von der menschlichen Solidarität aller Betriebsangehörigen ab.

Von der Tiefe der gegenseitigen Verbundenheit zwischen den Kraftfeldern der Arbeitenden und der obersten Betriebsleitung hängt es dann auch ab, ob und inwieweit das Vertrauensverhältnis zwischen beiden nach der politisch-föderalistischen Methode durch Abstimmung sanktioniert werden muß. Die Anerkennung der obersten Betriebsleitung durch eine Majorität widerspricht im Grunde dem Wesen einer Betriebsverfassung, die auf der assoziativen Stufe steht. Sie verlangt Einstimmigkeit mindestens da, wo die Anerkennung oder Ablehnung der Person des obersten Betriebs- und Unternehmensführers ausgesprochen werden soll und nicht nur einzelner Verhaltungsweisen derselben. Dabei ist dann durchaus zu bedenken, daß die Beurteilung der Taten und Unterlassungen der obersten Leitung als des letzten Verantwortungsträgers ein Höchstmaß von Sachverständnis erfordert.

Die kommerzielle Betriebsverfassung:
Das Gegenstück zu den sozialen Betriebsverfassungen aller Stufen bildet die kommerzielle Betriebsverfassung, die den Typus dessen darstellt, was historisch als Marktwirtschaft überkommen ist. Der Arbeitsmarkt und das Lohnverhältnis gehören zu ihren Bestandteilen und sind repräsentativ für die kommerzielle Betriebsverfassung. Ihr entspricht die Lohngesinnung als Antrieb für die Verrichtung der wirtschaftlichen Arbeiten und unterwirft diese rein kommerziellen Antrieben. Der Hauptinhalt oder kommerziellen Betriebsverfassung besteht an jeder Stelle im Aushandeln von materiellen Vorteilen, also nicht nur im Austausch von Waren, sondern auch von Arbeitsleistungen gegen Einkommensleistungen. Überall stoßen da entgegengesetzte materielle Interessen aufeinander. Auf seiten der Unternehmens- und Kapitaleigentümer überwiegt das Bestreben, gestützt durch die überkommene Rechts- und Eigentumsordnung, den Betrieb als personelles Eigentum für die eigenen Interessen zu reklamieren. Darin liegt die Tendenz zu einer einseitig autokratischen Betriebsverfassung. Die Arbeiterschaft tritt gegen diese Betriebsverfassung auf und reklamiert für sich eine immer größere Beteiligung am Betriebsertrage und eine Herabsetzung der zu erbringenden Leistungen. Aus alledem ergibt sich für die kommerzielle Betriebsverfassung eine durchaus asoziale Situation. Speziell von seiten der Arbeiter erweitern sich die kommerziellen Bestrebungen immer mehr auf die Durchsetzung erhöhter Rechte in der Verwaltung der Unternehmungen. Dieses Bestreben kleidet sich in die Forderung von Mitbestimmung. Mitbestimmung ist zum methodischen Kernstück geworden in der kommerziellen Auseinandersetzung der Arbeiter mit den Unternehmern. Letztere verteidigen ihre durch die bestehende Eigentumsverfassung legalisierte "Alleinbestimmung" in allen Angelegenheiten der Unternehmung.

So sehr die Forderung nach Mitbestimmung seitens der Arbeiter kommerzielle Hintergründe besitzt, so birgt sie andererseits doch den Impuls zu einer sozialen Betriebsverfassung in sich. Die richtige Verwirklichung der Mitbestimmung der Arbeiterschaft kann sich eigentlich wirksam nur in den Formen sozialer Betriebsverhältnisse vollziehen. Tut sie das nicht, wird sie erzwungen und der Unternehmerseite aufgedrängt, so ändert sich an der asozialen Betriebsverfassung nichts. Sie bleibt ihrem Wesen nach kommerziell und stellt ein Kampffeld dar, auf dem sich Unternehmermacht und Arbeitergegenmacht begegnen. Das ändert sich selbst dann nicht, wenn die Auseinandersetzung auf die überbetriebliche Ebene, etwa zur Herausfindung ökonomisch berechtigter Löhne, verschoben wird.

Für die Betriebsverfassung ergeben sich auch daraus nicht soziale Verhältnisse, sondern nur intellektuelle Kontakte, wie sie zwischen den Kontrahenten eines Tauschaktes üblich sind. Das schließt natürlich nicht aus, daß trotzdem sich menschliche Kontakte herstellen können, die ein gutes Betriebsklima erzeugen. Aber das genügt noch nicht, um eine soziale Betriebsverfassung im strukturellen Sinne zu erzeugen.

Das "demokratische" Prinzip in der Wirtschaft:
Der Leiter der Scott Baderschen Fabrik hat eine besondere Gesellschaft zur Weiterverbreitung der von ihm ins Leben gerufenen sozialen Betriebsverfassung gegründet, der er nach langen Überlegungen den Namen gegeben hat: "Society for democratic Integration in Industry" (Demintry). Der Ausdruck ...demokratische Integration" ist nicht so unmittelbar ins Deutsche zu übersetzen. Bei der Integration handelt es sich einerseits um den sozialen Zusammenschluß zwischen der Unternehmensleitung und den Arbeitern und Angestellten. Andererseits handelt es sich um einen die Unternehmung durchdringenden (integrierenden) Geist der Verständigung und des Miteinanderwirkens. Wenn auf eine solche assoziative Unternehmungsgestaltung der politische Begriff der Demokratie angewandt wird, so ist das als eine nur teilweise zutreffende Kennzeichnung zu verstehen.

... Das griechische Wort "Kratos" bedeutet: Macht, Gewalt, Obergewalt. Die Entfaltung von Macht bildet ein Wesenselement des Staates. Im Kampfe um die Macht im politischen Leben ist die Demokratie entstanden. Diese Macht wurde in vordemokratischen Zeiten durch eine autoritär und meistens auch autokratisch regierende Monarchie ausgeübt. Das Volk, der Demos, drängte sich erstmals in der Französischen Revolution in diese autoritäre Staatsgewalt hinein mit dem Willen zur Mitgestaltung am Staate beziehungsweise zur Alleingestaltung desselben. Damit kam es zur Verdrängung der autokratischen Staatsführung und Staatsgestaltung. Sie wurde von dem zur Mündigkeit aufgestiegenen Volke selbst in die Hand genommen. Eine solche "Volksherrschaft" kann sich auf verschiedenen Stufen verwirklichen, die sich zwischen einer parlamentarisch beschränkten, sog. konstitutionellen Monarchie und einer Republik bewegen. In der letzteren bildet sich aber mit Notwendigkeit auch die Polarität zwischen einer selbständigen Regierung und einer demokratisch gewählten Volksvertretung heraus. Auch die Republik bedarf einer irgendwie mit Autorität ausgestatteten Spitze. Sie geht aber dann hervor aus dem das Volk repräsentierenden Parlament.

Im Wirtschaftsleben, so wie es historisch geworden ist, ergab sich eine scheinbar ähnliche Lage. In ihm wirkte führend die Macht einer autoritären und auch autokratischen Unternehmerpersönlichkeit. Was im politischen Leben das Volk ist, ist hier die Arbeiterschaft, also nur ein begrenzter Teil des Volkes. Sie drängte zur Mitbestimmung in den wirtschaftlichen Arbeitsverhältnissen. Um diese Mitbestimmung durchzusetzen, haben sie sich in den Gewerkschaften ein Organ der Gewalt geschaffen. Der Fall scheint ähnlich zu liegen wie im politischen Leben. Das ist jedoch nur ein Schein, der deshalb entstanden ist, weil die ursprüngliche ökonomische Unternehmerfunktion sich mit einer sozialen Machtausübung verbunden hat. Diese letztere äußert sich jedoch nicht nur im Konkurrenzkampf um die Herrschaft auf den Warenmärkten, sondern vor allem auf dem rechtlichen Felde. Hier handelt es sich um die Art der Heranführung der Arbeiter an ihre Arbeit und um die Aneignung der Ergebnisse der wirtschaftlichen Tätigkeit, d. h. um die Menschenwürdigkeit der Arbeitsbedingungen und die gerechte Verfügung über die Ergebnisse, die aus der ökonomischen Zusammenarbeit hervorgehen.

Im Wirtschaftsleben geht es also grundsätzlich nicht um Macht und Gewalt. Darauf wurde bereits hingewiesen und aus diesem Grunde ist der Ausdruck "Demokratie" für die Wirtschaft einfach unpassend. In der Wirtschaft geht es um menschliche Zusammenarbeit, um Verantwortung, Verantwortungsteilung, letzte Verantwortung. Die letzte Verantwortung liegt bei der obersten Führung des Betriebes. Sie verkörpert ihrem Wesen nach keine materielle Herrschgewalt, sondern strahlt eine geistige, ordnende Macht aus. Die politische Macht dagegen besitzt einen herrschaftlichen Charakter, der ein bestimmtes menschliches Verhalten materiell erzwingen will. Ein weiterer Unterschied ergibt sich dadurch, daß die Träger der geistigen Führungsmacht im Wirtschaftsleben nicht wie die politischen Führer vom Volke gewählt werden, weil im Wirtschaftsleben keine Gewalt vom Volke ausgeht. Die Arbeitenden streben es auch nicht an, die Wirtschafts- und Betriebsführer zu wählen oder zu ernennen. Sie wollen nur die nicht im Wesen der Wirtschaft begründete materielle Unternehmermacht durch Entfaltung von Gegenmacht in der Form der Mitbestimmung in allen Betriebs- und Unternehmerangelegenheiten begrenzen oder gar brechen. Ein solches Hindrängen zur Mitbestimmung in den Machtverhältnissen der kommerziellen Betriebsverfassung seitens derer, die an der Macht nicht teilhaben, kann vielleicht im übertragenen Sinne als demokratisch bezeichnet werden. Innerhalb einer wahrhaft sozialen Betriebsverfassung wird jedoch eine solche pseudo-demokratische Aktivität gegenstandslos.

Eine Demokratie von machtpolitischer Art gewinnt also im Wirtschaftsleben nur solange eine gewisse Bedeutung, als es sich um die kommerzielle Betriebsverfassung mit ihren Machtpositionen handelt. Es sind die Absatzkonkurrenz und die Arbeitskämpfe, durch welche das Phänomen der Macht im Wirtschaftsleben zum methodischen Bestandteil geworden ist. Die Theorie der Marktwirtschaft rechnet mit diesen Kämpfen, welche die Wirtschaft als ein ihr fremdes und ihre Produktivität herabsetzendes Element durchziehen. Zum Schaden der Wirtschaft sind deren Betriebe zu machtpolitischen Gebilden entartet. Dieser unnatürliche Zustand kann allein durch korporative Formen der Zusammenarbeit überwunden werden.

Wie immer die Betriebsverfassung beschaffen sein mag, es gibt in ihr eine Sphäre des Rechts. In dieser geht es nicht darum, wie Macht in den Betrieben konstituiert wird, sondern wie das menschliche Zusammenleben in ihnen rechtlich geordnet wird. In der Sprache des politischen Lebens heißt das, wie der Betrieb verwaltet wird. Im Staate wird das Zusammenleben von Menschen verwaltet. Auch im Betrieb leben Menschen zusammen, und ihr Zusammenleben muß rechtlich geordnet und dementsprechend verwaltet werden. Diese Verwaltung bezieht sich aber nicht auf das Ganze des Betriebes. Die eigentlich betriebliche, d. h. sachliche und technische Ordnung der Arbeitsprozesse besteht nicht aus Verwaltungsakten, sondern aus einer Organisation aller Arbeitstätigkeiten und ihrer Verantwortungskreise. Diese Zusammen"arbeit" wird durch die Logik der Produktions- und Handelsprozesse geordnet und organisiert. Hier beherrscht das ökonomische Prinzip die technische Gestaltung und die Anpassung derselben an den Menschen und die Anpassung des Menschen an sie. Aber mit dieser organisierten Zusammenarbeit ist ein Zusammen"leben" der Menschen verbunden.

Dieses verlangt eine rechtliche Regelung und Verwaltung, bei der gewisse soziale Techniken der politischen Demokratie zur Anwendung kommen können. Das ist zunächst dort der Fall, wo die Bedingungen und der Inhalt der Arbeitsordnung festgesetzt werden. Die soziale Ordnung, nach welcher die Arbeiten zu verrichten sind, umfaßt in der Regel die Länge der Arbeitszeit, ihren Beginn, die Pausen, die Einrichtung und Hygiene der Arbeitsräume und dergleichen mehr. Dieser Teil des Betriebslebens besitzt Rechtscharakter und erfordert eine Verwaltung. Eine solche kann entweder autoritär ausgeübt werden wie in den frühkapitalistischen Arbeitsordnungen, oder aber föderativ, d. h. unter gleichberechtigter Mitwirkung der Arbeitenden selbst. Hier gibt es verschiedene Stufen. Eine Betriebsordnung kann nach Besprechung (Konsultation) mit den Arbeitenden erlassen werden; es können aber auch die Arbeitenden selbständige Entscheidungen in einzelnen Fällen treffen, z. B. über den Beginn der Arbeit. Über solche und ähnliche Fragen kann durchaus abgestimmt werden mittels der demokratischen Technik der Mehrheitsbeschlüsse. Das ist sinnvoll, denn die menschliche Seite der Arbeit ist ein soziales Anliegen, kein ökonomisches.

Auf diesem sozialen Felde kann es Gegenstände geben, welche in die volle Selbstverwaltung der Arbeitenden übergehen können, wie z. B. die Verwaltung der Krankenkasse, der Betriebsausflüge und anderes mehr. Von allen diesen rechtlichen und föderativ zu gestaltenden Verwaltungsvorgängen (statt "demokratisch" muß es richtiger "föderativ" heißen) ist wohl zu scheiden die Gliederung der wirtschaftlichen Arbeit in Verantwortungskreise, die von einer obersten Spitzenverantwortung, die das Ganze verantwortet, herunterführt zu den einzelnen Arbeitsplätzen, welche die letzten Verrichtungen ausführen, die entweder von den Einzelnen oder von Gruppen Zusammenarbeitender zu verantworten sind, bis hinauf zu der korporativen Verantwortung in einer vollen Betriebsgemeinschaft. In diesen Zusammenhängen kann es keine föderativen Abstimmungen geben, sondern nur Delegierungen von Verantwortungen, und zwar von höheren Stellen an niedere.

In der politischen Demokratie delegieren die Regierten, also das Volk, die Staatsgewalt und die praktische Ausführung der Gesetze an die Regierung. Im Wirtschaftsbetrieb delegieren umgekehrt die führenden Träger der Verantwortung nicht etwas, was der Staatsgewalt vergleichbar wäre, sondern Arbeitsverantwortungen an die unteren Stellen der ausführend Arbeitenden. Verantwortungskräfte sind nicht materielle Gewalten, sondern geistige Führungsgewalten, und diejenigen, an die sie delegiert, d. h. übertragen werden, befinden sich nicht in der Rolle von Regierten. Je mehr sich der Betrieb der assoziativen Stufe nähert, um so mehr kommt den von der obersten Betriebsleitung ausgehenden Verantwortungsübertragungen der selbständige Verantwortungswille der ausführend Arbeitenden entgegen. In dem ganzen Gewebe der Verantwortungsteilung betätigt sich eine nach unten ausgegliederte geistige Autorität. Diese Geisteskräfte organisieren die materiellen Gewalten des Wirtschaftsprozesses, die in den Maschinen und bei den mit ihnen Arbeitenden wirksam werden. Das erfolgreiche Zusammenwirken dieser geistigen und materiellen Gewalten hängt von der menschlichen Solidarität aller Betriebsangehörigen ab.

Von der Tiefe der gegenseitigen Verbundenheit zwischen den Kraftfeldern der Arbeitenden und der obersten Betriebsleitung hängt es dann auch ab, ob und inwieweit das Vertrauensverhältnis zwischen beiden nach der politisch-föderalistischen Methode durch Abstimmung sanktioniert werden muß. Die Anerkennung der obersten Betriebsleitung durch eine Majorität widerspricht im Grunde dem Wesen einer Betriebsverfassung, die auf der assoziativen Stufe steht. Sie verlangt Einstimmigkeit mindestens da, wo die Anerkennung oder Ablehnung der Person des obersten Betriebs- und Unternehmensführers ausgesprochen werden soll und nicht nur einzelner Verhaltungsweisen derselben. Dabei ist dann durchaus zu bedenken, daß die Beurteilung der Taten und Unterlassungen der obersten Leitung als des letzten Verantwortungsträgers ein Höchstmaß von Sachverständnis erfordert.

Wie so etwas in Wirklichkeit gehandhabt werden kann, zeigt die Konstitution des Scott Bader Commonwealth von 1963. In ihm ist, wie gesagt, das Kapital der wirtschaftlichen Unternehmung neutralisiert worden und wird hier treuhänderisch verwaltet. Dafür ist nun eine sehr bemerkenswerte Regelung getroffen worden, durch welche die ökonomische Gebarung der direktorialen Betriebsleitung einer Kontrolle unterzogen wird. Diese Kontrolle geht also nicht vom Fabrikationsbetrieb der Scott Bader Company Ltd. aus, sondern von der Kapitalverwaltungsgemeinschaft des Commonwealth. In diesem letzteren sind zwei Institutionen vorgesehen: eine Jury (Panel of Representatives) und eine Treuhänderschaft (Trustees).

Das Verfahren, mittels dessen 'die Tätigkeit der Betriebsleitung begutachtet wird, ist mit vielen Sicherungen umgeben. Die Jury, bestehend aus 12 Personen, wird anläßlich der jährlichen Generalversammlung aus den Mitgliedern des Commonwealth durch das Los bestimmt. Diese Jury soll das Vertrauen zum Direktorium durch Majoritätsbeschluß aussprechen. Wird das Vertrauen nicht ausgesprochen, sondern dies und jenes bemängelt, dann wird die Entscheidung auf innerhalb drei Monate vertagt und abermals eine Jury zu demselben Zwecke neu bestimmt. Kann auch diese das Vertrauen nicht aussprechen, dann wird die Treuhänderschaft eingeschaltet, welche die aufgezeigten Mängel prüfen und Vorschläge zu deren Beseitigung zu unterbreiten hat. In der Treuhänderschaft sind auch Personen tätig, die nicht der Unternehmung und dem Commonwealth angehören, sondern aus dem Bereich der Wissenschaft und der Arbeiterorganisationen und des öffentlichen Lebens aufgefordert werden.

Es geht bei der Tätigkeit dieser Kontrollorgane offensichtlich um die Lösung eines Rechtsproblems, das darin besteht, ob das Direktorium in seiner bisherigen Stellung oder Verhaltensweise bestätigt oder einer Änderung unterworfen werden soll. Die Tätigkeit des Direktoriums ist eine ökonomische; seine Stellung im Gesamtorganismus der Unternehmung dagegen eine rechtliche, die allerdings von der ökonomischen Funktion aus begründet und gerechtfertigt wird. Der Scott Bader Commonwealth ist ein reines Rechtsinstitut, kein ökonomischer Betrieb. Die Hauptaufgabe des ersteren besteht seinem Wesen nach in der rechtlichen Verfügung über die ökonomischen Ergebnisse des Wirtschaftsbetriebes, der selbständig in der Scott Bader Company Ltd. verkörpert ist.

Damit stoßen wir auf das zweite Gebiet der Rechtsprobleme, die in das Wirtschaftsleben hereinragen und in den Betrieben teilweise zur Lösung kommen können. Bei der Verwendung der Betriebsergebnisse, die durch das Kapital, die Unternehmungsführung und die menschliche Arbeit hervorgebracht werden, geht es zunächst um die gerechte Einkommensbildung, dann aber darum, wie über die die Einkommensmasse übersteigenden Betriebserträge, die sog. Gewinne, verfügt wer- den soll: ob sie der Investition dienen, dem Kulturleben zugeführt oder unter die Arbeitenden verteilt werden sollen. In diesen Verhältnissen der Gewinnverfügung, in denen die Unternehmermacht wurzelt, ist die demokratische Aggression der Arbeiterschaft entsprungen, da die überkommene Rechtsordnung den Kapitaleignern und Unternehmensleitern das Recht auf das Eigentum am Gewinn einräumt.

Der auf Mitbestimmung drängende demokratische Impuls der Arbeitergewerkschaften ist also entfesselt worden durch die Anomalie der nicht wirtschaftsgemäßen Machtpositionen in den Unternehmungen. Er bildet deshalb selber eine Anomalie und belastet das Wirtschaftsleben mit einem ihm widerstrebenden demokratischen Machtkampf - nicht aus ökonomischen, sondern aus sozialen Gründen. Normal ist, daß über die Verwendung der Betriebsgewinne objektive Entscheidungen gefällt werden, die so beschaffen sein müssen, daß jeder rechtlich Denkende mit ihnen einverstanden sein kann. Die Instanzen für solche Entscheidungen können Einzelne sein oder institutionelle Gruppen. Ein einzelner Unternehmer kann auf diesem Gebiete auch richtige Entscheidungen treffen, aber er ist dazu nicht gezwungen. In einer Gruppe jedoch, in welcher Unternehmer, Arbeitende und andere Personen gleichberechtigt zusammensitzen, muß man sich verständigen über die Art, wie die Betriebsgewinne verteilt werden sollen. Das Zusammenwirken in diesem Falle besitzt einen föderativen Charakter. Da können in einzelnen Fällen Abstimmungen notwendig werden, wenn es z. B. darum geht, ob ein bestimmter Gewinnbetrag, der für das Kulturleben ausersehen ist, den Schulen oder vielleicht den Theatern zugewendet werden soll. Die föderative Technik wird hier zu einem Notbehelf, wenn Einstimmigkeit nicht erzielt werden kann.

Solche Überlegungen drängen dazu, das unberechtigte demokratische Element im Wirtschaftsleben wohl zu unterscheiden von dem in ihm berechtigten föderativen Element. Historisch gesehen haftet dem demokratischen Element der Wille zum Kämpferischen an, der sich gegen autoritäre Machtstellungen der Staatsführung richtete, während das föderative Element gerade das sachliche Zusammenwirken in der Verwaltung von Rechtsverhältnissen bezweckt. Die gewerkschaftliche Mitbestimmung besitzt also ein überwiegend demokratisches Gepräge. Dagegen weist die Einrichtung von Organen der Kooperation zwischen den Leitenden und den ausführend Arbeitenden in einer Unternehmung in die Richtung eines föderativen gemeinschaftlichen Zusammenwirkens. Beispiele eines solchen finden wir bei Scott Bader und auch in anderen alsbald zu besprechenden Fällen.

Der Begriff des Föderalismus ist in den obigen Ausführungen nicht politisch, sondern methodisch gemeint. Politisch wird der Begriff in einem eingeschränkten Sinne auf die Verbindung mehrerer selbständiger Staaten in einem Bundesstaat angewandt. In diesem Sinne bilden die Vereinigten Staaten von Nordamerika (USA) eine reine Föderation, keinen Einheitsstaat. Dasselbe gilt von dem ehemaligen Deutschen Reich als einem Bundesstaat, in dem eine Reihe souveräner Einzelstaaten sich politisch vereinigte. Dessen Wesen charakterisiert Jellinek in der "Allgemeinen Staatslehre" Seite 772 mit folgenden Worten: "In der Zusammenfassung der Organe des Staates zu einem kollegialisch organisierten Organ des Bundesstaates prägt sich namentlich dessen föderalistischer Charakter aus, während die übrigen Organe ein durchaus unitarisches Gepräge tragen."

Versteht man jedoch das föderative Prinzip rein methodisch , so drückt es eine bestimmte Methode der Verwaltung irgendwelcher gemeinsamer Angelegenheiten aus durch die Art der Willensbildung in ihr. Rechtlich gleichstehende und gleichberechtigte Körperschaften, Gruppen oder auch Einzelne wirken zusammen entweder passiv, indem sie in Ausübung ihrer Rechte durch eine ihnen übergeordnete Instanz verpflichtet werden, oder aktiv, indem sie in Ausübung ihrer Rechte im eigenen Namen und aus eigenen Antrieben handeln. Letzteres geschieht teilweise in den politischen Gemeinden, aber auch, wenn Unternehmer und Arbeiter als Gleichberechtigte, d. h. föderativ zusammenwirken. Die niedrigste Form des föderativen Zusammenwirkens besteht im Meinungsaustausch, in Beratungen (konsultativer Betrieb); bei höheren Formen geht es um Verständigung und gemeinsame Entscheidungen.

Dabei kommt es darauf an, auf welche Gegenstände sich diese Entscheidungen erstrecken. Je mehr sich die Betriebsverfassung der assoziativen Stufe nähert, um so mehr wird es auch zu Vereinbarungen zwischen den beiden Sozialpartnern kommen, welche die Verteilung der Verantwortungsbereiche für die Arbeitstätigkeiten zum Inhalte haben. Bei föderativen Entscheidungen sind wohl Abstimmungen möglich, aber sie entsprechen nicht dem föderativen Gemeinschaftsgeiste. Sie bilden deshalb nur einen Notbehelf in untergeordneten Fragen. Einmütigkeit ist der Sinn des föderativen Zusammenwirkens. In der politischen Demokratie dagegen, in der ein Parlament zu einheitlichen Beschlüssen kommen muß, besitzen Abstimmungen und Majoritätsbeschlüsse den Rang einer grundsätzlichen Methode der politischen Willensbildung.

Den Unterschied zwischen Demokratie und Föderalismus muß man sich durchaus klarmachen, wenn man verstehen will, daß für die sich selbst verwaltende Wirtschaft nicht das demokratische Prinzip maßgebend ist. Es ist nur ein historisch vorübergehender Zustand, daß die Arbeiterschaft sich genötigt sieht, in die Machtsphäre der Unternehmer einzudringen und in ihr mitzubestimmen. Da ist noch nicht Gleichstellung und Gleichberechtigung der beiden menschlich polaren Träger des Wirtschaftslebens erreicht worden. Solange der eine menschliche Pol dem anderen noch irgendwie sozial über- oder untergeordnet ist, ist trotz aller Verhandlungen das föderative Prinzip noch nicht verwirklicht worden. Da herrscht noch das demokratische Prinzip der Mitbestimmung , das aus der Minderberechtigung des einen Teiles erwächst. Das föderative Prinzip verlangt nicht Mitbestimmung, sondern Zusammenstimmung. Da geht es nicht um Mitentscheidungen, sondern um gemeinsame Entscheidungen. Diese erstrecken sich jedoch im Gegensatz zu der bis in alle ökonomischen Bereiche vorstoßenden Mitbestimmung nur auf die Rechtsprobleme des Betriebslebens, die die Gestaltung der Betriebsordnung einerseits und die Verfügung über die Betriebsergebnisse andererseits betreffen.

Durch die Begründung einer eigenen Körperschaft - neben der wirtschaftlichen Unternehmung - für die Lösung der besonderen Rechtsprobleme, die besonders mit dem Kapitaleigentum und der Gewinnverwendung gestellt sind, wird eine große Klarheit in die Betriebsverfassung getragen. Damit wird ein dem Wesen der Wirtschaft zugehöriger Rechtskomplex ausgesondert und als Rechtsorganismus in einer eigenen Institution verselbständigt. Das kann aber nur geschehen auf dem Hintergrunde einer gerechten Eigentumsverfassung. Sie allein macht es möglich, daß föderative Institutionen entstehen, wie der Badersche Commonwealth, der mit Rechtskraft über die Verteilung der Betriebsüberschüsse verfügt. -

Wenn dagegen, wie bei der Gewerkschaftspolitik, die rechtliche Ordnung des Kapitaleigentums und oder Einkommensbildung durch eine generelle Mitbestimmung in allen ökonomischen Prozessen erstrebt wird, so wird, damit die ökonomische Seite oder Wirtschaft mit ihrer rechtlichen in ungesunder Weise verquickt. Das entspricht aber der kommerziellen Betriebsverfassung. In ihr sind die Rechtsfragen der Gewinnverwendung privaten Interessen unterworfen und damit zu Machtfragen gestempelt worden. Aus diesem Grunde wurde das kämpferische demokratische Wollen der Mitbestimmung in allen Betriebsangelegenheiten von der Arbeiterschaft gewaltsam in die Betriebe hineingetragen. Hier wirkt es ökonomisch als ein Fremdkörper, bildet jedoch den Reflex auf die ungelöste soziale Frage der gerechten Verteilung der Ergebnisse der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Für die rein ökonomischen Probleme ist die betriebliche Rechtskörperschaft nicht unmittelbar zuständig, soweit sie nicht die rechtlichen Interessen der Arbeiterschaft berühren. Das ist bei einer assoziativen Betriebsverfassung nur wenig der Fall. Hier fallen die ökonomischen Entscheidungen überwiegend und eigentlich auch grundsätzlich in die "Prärogative" der Betriebsleitung, um den politischen Begriff zu verwenden. In der konstitutionellen Monarchie hatte der König eine Prärogative für eine Reihe von Entscheidungen, die ihm allein vorbehalten waren.

So hat die wirtschaftliche Betriebsleitung z. B. die Prärogative in den Fragen der Ausdehnung des Betriebes. Auf diesem Gebiete ist die Arbeiterschaft normalerweise nicht sachverständig. Die sich auf die genannten Rechtsgebiete erstreckende föderative Selbstverwaltung der Betriebe findet also ihre Grenze dort, wo die obersten ökonomischen Entscheidungen getroffen werden. Werden zentrale ökonomische Probleme der föderativen Selbstverwaltung überantwortet, so wird die Arbeiterseite überfordert. Das kann zu Schwierigkeiten führen, die durch Abstimmungen und Majoritätsbeschlüsse nicht sachgemäß zu bewältigen sind. Wo Widerstände gegen die ökonomischen Entscheidungen der Betriebsleitung seitens einer Minorität sich erheben, werden sie durch Abstimmungen nur festgelegt, aber nicht überwunden. Bei den Opponenten lebt dann die Unzufriedenheit fort. Das ist nicht günstig für das föderative Betriebsklima. Das föderative Prinzip gilt grundsätzlich nur für die rechtliche Selbstverwaltung des Betriebes. Diese ist mit Majoritätsbeschlüssen, ausgenommen in Nebensachen, nicht verträglich.

Bader hat in seinem Betriebe die ersten entscheidenden Schritte zu einer assoziativen Betriebsverfassung unternommen auf der Grundlage einer gerechten Eigentumsverfassung und - soweit möglich - auch einer menschlich zufriedenstellenden Einkommensordnung. Diese rechtliche Grundlage der produktiven betrieblichen Arbeit hat er in dem Institut des Commonwealth herausgesondert und verselbständigt und damit klar die rechtliche Seite des Betriebsgeschehens von der unmittelbar wirtschaftlichen geschieden. Die den Baderschen Betrieb leitenden Rechtsvorstellungen haben dazu geführt, das zu verwirklichen, was oben als Lohnablösung beschrieben wurde. Seit 1963 ist der Unterschied zwischen Löhnen (wages) und den Bezügen des Management und der Direktoren (salaries) aufgehoben worden. Die Einkommen beider Kategorien werden zusammen als wages gebucht und auf einem besonderen Konto, einer Art Einkommenskonto, ausgewiesen. Dessen Summe bildet einen Bestandteil dies allgemeinen Betriebsüberschusses (margin). Nach Abzug der Einkommenssumme und einiger Spezialkosten ergibt sich dann der Nettogewinn. Es kann dieses Verfahren im Sinne einer perfekten Darstellung der Lohnablösung noch nicht als vollkommen gelten. Aber die Umstellung ist gegenüber der bisherigen buchhalterischen Gepflogenheit doch so einschneidend, daß Bader schreibt: "Es geht lange, bis man sich an das Neue gewöhnt hat."

Bader hat die Verselbständigung des rechtlich-föderativen Elementes in den Betriebsverhältnissen als so wesentlich erkannt, daß er für die Ausbreitung dieser Idee, wie gesagt, eine eigene Gesellschaft gegründet hat: die "Society for democratic Integration in Industry" (Demintry). Diese Gründung hat uns die Anregung gegeben, die vorstehenden Betrachtungen über das Verhältnis von Wirtschaft und Demokratie anzustellen. Auf Grund dieser Betrachtungen müssen wir sagen, daß es richtiger gewesen wäre, die Ausbreitung der Idee der rechtlichen Selbstverwaltung der Wirtschaftsbetriebe in einer selbständigen, von einer eigenen Konstitution getragenen Corporation durch eine "Society for Selfgovernment in Industry" zu beschreiben. Zieht man jedoch in Betracht, daß der Rechtsorganismus des Betriebes alle Arbeitsverhältnisse durchdringt und so den Geist der assoziativen Zusammenarbeit in den ökonomischen Prozessen fortpflanzt, so könnte man hier sprechen von einer "Society for associated Integration in Industry". Man könnte auch sagen: "Society for Realising the associated Enterprise in Industry".

Übersicht über die Formen der Neutralisierung des Kapitaleigentums und der Gewinnverfügung:
Bei der Vielfältigkeit der Kapitalverfassungen in den verschiedenen Unternehmungen, die in dieser Schrift behandelt wurden, wird es dem Leser eine größere Klarheit verschaffen, wenn zum Schluß eine systematische Übersicht über die Eigentumsordnungen in den Kapitalverhältnissen gegeben wird.

1. Der kommerziellen Betriebsverfassung liegt die fast unbeschränkte private Verfügungsmacht über das Kapital und seine Ergebnisse seitens des Unternehmers oder Eigentümers der Produktionsmittel zugrunde. Darum hat sich für diese historische Unternehmensverfassung der Name "Kapitalismus" eingebürgert. Im Protest gegen sie hat die sozialistische Wirtschaftsund Betriebsverfassung das Privateigentum am Kapital und seinen Erträgnissen abgeschafft und in das sogenannte Gemeineigentum übergeführt, das identisch ist mit dem Staatseigentum. Man kann die Bindung des Kapitaleigentums an den Staat insofern als eine Neutralisierung des Kapitals ansehen, als es dem Machtkampf einzelner Individualitäten entzogen wird. Jedoch vollzieht sich diese Neutralisierung in der Weise, daß das Kapital zwar den Machtstrebungen einzelner Persönlichkeiten entrissen wird, doch geschieht dies in der Weise, daß man es dem größten Machtträger, den es gibt, dem Staat, auf Tod und Leben überantwortet.

2. Eine echte und wahre Neutralisierung des Kapitaleigentums besteht jedoch darin, daß seine Nutzung nicht durch Machtkräfte, weder individuelle noch staatliche, bestimmt wird, sondern durch die wirtschaftlichen und sozialen Notwendigkeiten und ein diesen entsprechendes Recht. Dieses Recht ist nicht von der Gestalt wie ein Wirtschaftsrecht oder Staatsrecht, das die genannten machtmäßigen Verfügungen über das Kapital sanktioniert, sondern ein Recht, welches das Kapital vor jeder selbstsüchtigen Nutzung schützt und seine Verfügung in Rechtsformen bringt, welche eine wirtschaftlich und sozial gerechtfertigte Nutzung desselben sichern. Die Neutralisierung des Kapitaleigentums bereitet den Weg zur Moralität im Wirtschaftsleben. Sie bewirkt eine selbstlose Verrichtung der Unternehmerfunktion und setzt eine solche auch voraus, wenigstens teilweise. Diese Gesinnung findet ihren Ausdruck in der treuhänderischen Verwaltung des Kapitals und seiner Erträgnisse. Darin besteht die moralische Seite der Neutralisierung des Kapitals. Sie kann betätigt werden, ohne daß juristisch auf das Privateigentum am Kapital und seinen Erträgnissen verzichtet wird. Es ist dann nur die Unternehmergesinnung, welche die Verwendung des Kapitals neutralisiert, ohne daß dafür eine juristische Form gewählt würde. Die Neutralisierung wird hier in der Idee freiwillig vollzogen und nicht institutionell festgelegt. So sind verfahren Spindler, Rexroth, Rau. Ihr Unternehmungskapital verwalten sie als ein nicht-institutionalisiertes Verantwortungseigentum.

3. Die institutionelle Neutralisierung des Unternehmungskapitals und des Unternehmungsgewinnes in einer Stiftung. Die Stiftung ist eine juristische Person. Sie verwirklicht eine Lebensform, die das Streben nach persönlichem Besitz und nach wirtschaftlicher Macht ausschließt. Der Stiftungszweck umschreibt im letzten Sinne stets Gemeinnützigkeit, Förderung sozialer und kultureller Aufgaben. In diesem Rahmen gibt die Institution der Stiftung die größten Freiheiten. Man kann zum Beispiel in sie einbringen Kapitalien und Vermögenswerte. Eine solche Stiftung bezeichnet Prof. Dr. G. Strickrodt als Kapital- bzw. Vermögensträgerstiftung.

Strickrodt "Stiftungsgründung - Einführung in die Gestaltungsideen" in "Die Aussprache" Sept. 1963; von demselben Verfasser ein Entwurf "Die Stiftung als neue Unternehmensform" 1951; ferner "Stiftungsrecht, geltende Vorschriften und rechtspolitische Vorschläge", BadenBaden 1962; und weitere Schriften.

Strickrodt unterscheidet sechs Stiftungstypen. Außer der soeben genannten Kapitalträgerstiftung gibt es noch die Anstaltsträger-Stiftungen, bei denen die Stiftung eine Anstalt, etwa eine Schule, in der ihr gemäßen Organisation verantwortlich trägt und leitet. Die Anstalt bildet einen Vermögensfundus der Stiftung.

Funktionsträgerstiftungen werden errichtet, wenn die Unabhängigkeit von Gutachter- und Schiedsrichterfunktionen gesichert werden soll. - Die uns besonders angehende Stiftungsform ist die Unternehmensträgerstiftung. Eine solche trägt durch die Stiftungsorgane die volle und ausschließliche Verantwortung für ein oder mehrere von der Stiftung verwaltete Unternehmungen. Die Stiftungsorgane können dabei entweder selbst in der Unternehmung führend tätig sein oder die Unternehmensführung einer eigenen Kapitalgesellschaft übertragen, deren Gebarung die Stiftung zu verantworten hat. Komplexe Stiftungsgebilde entstehen, wenn mehrere der vorstehend genannten Stiftungsinhalte in einer Stiftung vereinigt werden.

Wenn wir unter diesen Gesichtspunkten die von uns näher behandelten Unternehmungen, die sich der Stiftung in verschiedener Weise bedient haben, charakterisieren wollen, so können wir besonders auf zwei Typen hinweisen.

a) Die Teilneutralisierung des Unternehmungskapitals in einer Kapitalträgerstiftung. Das ist der Fall bei der Rudolf- und Clara-Kreutzer-Stiftung. Der Betrieb, d. h. die Produktionsmittel der Staedtlerwerke sind nicht unmittelbar in die Stiftung eingebracht worden, sondern nur ein Teil der Geldäquivalente derselben, des investierten Kapitals also. Die Zuwendungen an die Stiftung stammen primär aus dem Vermögen der Komplementäre, sekundär aus freiwilligen Einlagen der Kommanditisten und Dritter.

Das so zusammengesetzte und in die Stiftung eingebrachte Kapital wird von ihr der Firma belassen in der Form eines Darlehens gegen eine feste Verzinsung von 4 Prozent. Also nicht der gesamte Kapitalwert der Produktionsmittel der Staedtlerwerke und ebensowenig das Unternehmen als solches sind in die Form der Stiftung gekleidet worden. Die Stiftung als partieller Kapitalträger der Staedtlerwerke verfügt im Kern und in der Hauptsache nur über das ihr aus dem Privatvermögen der persönlich haftenden Gesellschafter zugewendete und noch zuzuwendende Finanzkapital. Letzteres wird dadurch vor Erbauseinandersetzungen geschützt und damit insoweit auch die Unternehmung. Das kulturelle Ziel, dem die Stiftung dienen will, wurde bereits genannt.

b) Auch bei der stiftungsähnlichen "Robert-Bosch-Vermögensverwaltung GmbH" handelt es sich um eine Vermögensträgerstiftung(gesellschaft). In sie wurden nicht die Wirtschaftsbetriebe eingebracht, auch nicht nur ein Vermögensteil der leitenden Unternehmer, sondern das volle finanzielle Kapitaläquivalent der gesamten Unternehmung. Die Stiftung ist damit im formellen Sinne zum Eigentümer der Unternehmung geworden, allerdings in einem durchaus eingeschränkten Sinne. Die finanzielle Eigentumsübertragung entzieht der StiftungsGmbH entscheidende Eigentumsrechte. Das kommerzielle Verfügungsrecht, also der Verkauf der Unternehmung, wie auch der Eigentumstitel, wird durch das Wesen der Stiftung sowieso aufgehoben. Der Verzicht auf das Stimmrecht beraubt die Stiftungs-GmbH weiterhin des Rechtes, auf die Verwendung der Produktionsmittel einen Einfluß zu nehmen. Dieses Recht, das eine Partiale des Eigentumsrechtes darstellt, ist an eine eigene Gesellschaft, die "Industriebeteiligungs-GmbH" abgetreten worden. Auf sie sind die Produktionsmittel als Verantwortungseigentum übergegangen. Der Stiftungs-GmbH ist nur eine einzige Partiale des Eigentumsrechtes verblieben. Es ist das in der Sprache des Aktienrechtes das sogenannte Gewinnbezugsrecht. Die empfangenen Gewinne dienen den genannten sozialen und kulturellen Aufgaben.

Der Fall der "Robert-Bosch-Vermögensverwaltung GmbH" zeigt, daß die gemeinnützigen Ziele, die in der Form der Stiftung erreicht werden, auch in der Form einer GmbH erreicht werden können. Der Unterschied besteht darin, daß die gemeinnützige GmbH Vermögenssteuer zahlen muß für das in sie eingebrachte Vermögen. Von dieser Belastung ist die Stiftung frei. Aber dafür untersteht sie der staatlichen Aufsicht, von der wiederum die GmbH frei ist.

c) Was nun die institutionelle Vollneutralisierung der gesamten Unternehmung und ihrer Erträge in einer Stiftung betrifft, so hat hierfür als hervorragendes Beispiel die Zeiss-Stiftung zu gelten. Entscheidend in einem solchen Falle ist, wer die Stiftung verwaltet und wieweit sich ihr Einfluß auf die Gestaltung des Unternehmens selbst auswirkt. Die Zeiss-Stiftung verwaltet einerseits das "industrielle Vermögen", andererseits ein sonstiges "nicht-industrielles Vermögen". Ersteres wird nach dem Statut durch die Geschäftsleitungen der Stiftungsbetriebe verwaltet, was selbstverständlich ist, letzteres durch die eigentliche Stiftungsverwaltung. Für deren Leitung ist als oberste Behörde der Kultusminister des Landes vorgesehen. Das ist seit 1959 der baden-württembergische Kultusminister.

Diese Stiftungsverwaltung hat, obwohl sie einer staatlichen Behörde unterstellt ist, nicht die Staatsinteressen, sondern ausschließlich die im Statut festgelegten Interessen der Unternehmungen zu vertreten. Insbesondere bestellt sie die Mitglieder der Geschäftsleitungen und außerdem einen "Stiftungskommissar", der eine prominente Persönlichkeit des allgemeinen Wirtschaftslebens zu sein pflegt. Dieser hat über die Einhaltung des Stiftungsstatuts zu wachen und zu vermitteln zwischen der Stiftungsverwaltung und den Geschäftsbetrieben. Durch den Stiftungskommissar und seine Kontrollfunktionen ist in die allgemeine Stiftung das Element einer Funktionsträgerstiftung eingebaut worden. Das Kernstück der Zeiss-Stiftung bildet jedoch die Einbringung der Zeiss-Werke und der Jenaer Glaswerke Schott & Genossen in sie. Das ergibt eine Vollneutralisierung dieser Unternehmungen in einer Unternehmensträgerstiftung. Die sozialen und kulturellen Ziele, für welche der Unternehmungsgewinn verwendet wird, wurden bereits genannt.

4. Nun gibt es noch eine Neutralisierung des Unternehmungskapitals bzw. der Unternehmung als eines Produktionsmittelkomplexes und damit auch des Unternehmungserfolges in einer selbständigen Rechtskörperschaft eigener Art. Dasjenige, was diese Konstruktion von den oben behandelten unterscheidet, ist ihr spezifisch sozialer Charakter. Es handelt sich nämlich um die Übertragung des Eigentums an der Unternehmung und ihren Betrieben auf alle Betriebsangehörigen. Das sind außer den leitenden Unternehmern die Angestellten und die Arbeiter. In den bereits beschriebenen Formen einer Kapitalneutralisierung wurde eine Kapitaltransaktion vorgenommen, die ausschließlich auf die Seite der Unternehmer beschränkt blieb, die also die Belegschaft nicht mit einbezog. Über eine solche sozial einseitige Neutralisierung des Kapitals wird hinausgeschritten, wenn die gesamte Unternehmung in ein Gemeinschaftseigentum aller Betriebsangehörigen verwandelt wird. Zwei Beispiele dieser Art wurden besprochen, der Scott Bader Commonwealth und die John Lewis Partnership. Was in diesen beiden Fällen ins Werk gesetzt wurde, verwirklicht in rechtmäßiger Weise jene Idee, die heute in Deutschland "unrechtmäßig" unter dem Schlagwort "breite Streuung des Eigentums" lohnpolitisch, und das heißt: unter Umgehung einer zeitgemäßen sozialen Neuordnung, verwirklicht werden soll.

Das Badersche und Spedan Lewissche Anliegen aber geht darauf aus, eine höhere Stufe einer sozialen Betriebs- und Arbeitsordnung zu erreichen. Erst in der Verbindung mit einer solchen gewinnt die von ihnen geschaffene Eigentumsgemeinschaft ihren sozialen Rang. Ein solcher fehlt vollkommen den mechanisch manipulierten und individuell isolierten Eigentumsbeteiligungen der Arbeitnehmer am Finanzkapital der Unternehmung, wie sie in Gewerkschaftskreisen ausgedacht und propagiert werden und in dem sogenannten "312-DM-Gesetz" verwirklicht werden sollen. Durch ein solches Verfahren wird eine Eigentumsverfassung in Szene gesetzt, die nur einen Sinn hätte, wenn sie als Folge und als Ausdruck einer sozialen Betriebsverfassung in Erscheinung träte. ökonomisch gesehen kann man so etwas nur machen, wenn man kein Bewußtsein hat von den Gesetzen der Geldvermehrung, der richtigen Preisbildung und vor allem vom Wesen der freien Kapitalbildung.

Unter dem Gesichtspunkt der freien Kapitalbildung sei zum Schluß noch einiges bemerkt zur Neutralisierung der Betriebsergebnisse. In dem, was als das Betriebsergebnis in Form der Unternehmungsgewinne zu gelten hat, ist die etwaige freie Kapitalbildung ungeschieden enthalten. Unter Außerachtlassung dieser Tatsache kann die Neutralisierung der Gewinne nur summarisch und global vorgenommen werden. Der freien Kapitalbildung wohnt vor allem die Aufgabe inne, der finanziellen Versorgung des Kulturlebens zu dienen, dessen schöpferischer Tätigkeit sie ihre Entstehung verdankt. Wird das nicht bedacht, so kann die Verfügung über den Gewinn in einer Weise gehandhabt werden, daß selbst bei einer treuhänderischen Verwaltung des Kapitals über den Betriebsertrag ausschließlich im Interesse der Betriebsangehörigen verfügt wird. In diesem Falle wird das Neutralisierungsverfahren dem Selbstversorgergeiste aller Betriebsangehörigen unterworfen. Eine solche partikularistische Handhabung der sozialen Technik der Gewinn- und Kapitalneutralisierung konzentriert die Unternehmung und ihren Betrieb in einer sozial isolierten Selbstversorgereinheit. Das steht auch bei der John Lewis Partnership noch im Vordergrunde.

Unternehmungen, in denen das Bewußtsein von der Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit und im besonderen gegenüber dem Geistesleben bei der Betriebsleitung und vielleicht auch in den Seelen der Arbeitenden lebt, sind darauf bedacht, von dem neutralisierten Unternehmungserfolg Teile , abzuspalten, welche dem Kulturleben, allgemein sozialen und auch gemeindepolitischen Zwecken zugewendet werden. Das konnte festgestellt werden bei Zeiss, bei Bosch, bei Bader, bei Kreutzer und kommt bisweilen auch bei anderen nicht genannten Firmen vor, so zum Beispiel bei der Friedrich Bauer GmbH in Burgkunstadt, einem Schuhversandgeschäft großen Stils, das eine Stiftung errichtete, welche der Förderung der Universität München und der Bekämpfung der Kinderlähmung dienen will.

Der Impuls der Dotierung des Kulturlebens unmittelbar aus der Wirtschaft heraus, ohne Dazwischentreten des Staates mit seinen Zwangsmitteln, lebt in der amerikanischen Wirtschaft in hohem Maße. Er wird durch umfangreiche Stiftungen verwirklicht, die selbst international das Kulturleben anderer Länder großzügig finanziell unterstützen. Solche aus dem Wirtschaftsleben unmittelbar entspringenden Antriebe sind vom Geist der Zeit inspiriert, welcher dahin wirken will, daß das Geistesleben vom Staat unabhängig wird und sich in Freiheit entfalten kann.

Es ist eine unumgängliche Notwendigkeit, daß die im Wirtschaftsleben tätigen Menschen das selbstbezogene kommerzielle Denken zurückbilden und sich davon überzeugen, daß das Kulturleben seine ihm notwendigen materiellen Mittel freiwillig von der Wirtschaft und ohne den Umweg über die staatliche Zwangsbelastung der Wirtschaft erhalten muß. Eine wirtschaftliche Sicherstellung des Kulturlebens aus der freien Initiative des Wirtschaftslebens kann jedoch erst dann zu einem methodischen und systematischen Element der Wirtschaftsordnung werden, wenn die Wirtschaft die Kapitalbildung und die Kapitalverwendung unter Einbeziehung ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Geistesleben selbst verwaltet. Wie das geschehen könnte, darüber wurden in dieser Schrift Andeutungen gemacht. Voraussetzung dafür wird jedoch sein, daß die freie Kapitalbildung in ihrem Wesen klar erkannt und in die begriffliche Vorstellungswelt der Nationalökonomie eingeht. Dann kann sie auch aus dem Unternehmungserfolg rechnerisch ausgesondert, buchhalterisch zum Ausdruck gebracht und schließlich neutralisiert werden.





2. Beispiele sozialer Unternehmensverfassungen
 
Das Textilunternehmen Gert Spindler

- wahrscheinlich nicht mehr existent -

Ein typischer Partnerschaftsbetrieb ist derjenige des Textilindustriellen Gert Spindler in Hilden. Spindler ist ein Unternehmer, dem die sozialen Probleme zum Bewußtsein gekommen sind. Er hat eingesehen, daß die Arbeiter in das Stadium der individuellen Persönlichkeitsreife einzutreten begonnen haben und nicht mehr als passive Werkzeuge für die Betriebszwecke benutzt werden wollen und dürfen. Er ist bereit, der Verwirklichung dieses Gedankens seinen Teil der überkommenen Unternehmerrechte zu opfern. Es verschlägt seinem Selbstbewußtsein nichts, wenn er sich mit den Arbeitern zusammensetzt, sich mit ihnen über die Betriebsziele unterhält und ihnen das Recht der Mitberatung und der Mitentscheidung in fast allen wesentlichen Punkten der sachlichen Betriebsführung und der Gestaltung der Betriebsarbeit einräumt. Immer wieder betont er in seinem Buche "Mitunternehmertum", daß der Arbeiter Persönlichkeit werden will und daß der Wirtschaftsbetrieb das Mittel dazu sein muß. Es ist ihm zum Erlebnis geworden, daß die Macht Einzelner diejenigen, die dieser Macht unterworfen werden, unfrei macht. Er weiß aus Erfahrung, daß die Macht des Kapitals und ihre unerbittliche Logik, höchste Gewinne zu erstreben, den Arbeiter an der Entfaltung seiner Persönlichkeit verhindert und in den Klassenkampf getrieben hat.

Es liegt Spindler am Herzen, diesem Kampf den Boden zu entziehen. Der Unternehmer muß deshalb neue und größere, insbesondere soziale Aufgaben übernehmen. Es genügt nicht mehr, daß er den Wirtschaftsbetrieb als etwas auffaßt, was nur seinen persönlichen Zwecken zu dienen hat. Er muß vor allem erkennen, daß er dem Arbeiter gegenüber eine sozialpädagogische Verantwortung trägt. Er ist berufen, im Arbeiter die Kräfte der Verantwortung zu wecken und zu erziehen. Um dessentwillen muß er ihn als gleichberechtigten Partner in das Unternehmen einordnen. Partnerschaft bedeutet Teilhaberschaft. Unter den bisherigen Betriebsverhältnissen ist der Arbeiter vollständig passiv und gleichgültig geworden. Nichts war ,dazu angetan, ihn für den Betrieb und seine Arbeit zu interessieren und sich für beide irgendwie innerlich verantwortlich zu fühlen. Nur der Lohn, mitunter der Akkordzwang und die Entlassungsfurcht bilden im allgemeinen den Antrieb zur Erbringung der Leistung.

Die aus solchen Erwägungen von Spindler begründete "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft" gibt in ihrer Satzung folgende Definition oder richtiger Erklärung des partnerschaftlichen Wesens: "Betriebliche Partnerschaft ist jede durch eine Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern festgelegte Form der Zusammenarbeit, die außer einer ständigen Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen eine Mitwirkung und Mitverantwortung sowie eine materielle Beteiligung am Betriebserfolg zum Inhalt hat." - Es sind also drei Elemente, welche die Partnerschaft tragen: 1. die rein menschliche Bindung, 2. der geistige Antrieb zur Verantwortung und Mitwirkung, 3. das materielle Interesse an der Ergebnisbeteiligung. Durch eine weitgehende Mitbestimmung im Betriebsgeschehen soll die soziale Atmosphäre (Klima) geschaffen werden, in der das Persönlich-Menschliche erwachen und gedeihen kann. Neben der Mitbestimmung und Mitwirkung will Spindler den arbeitenden Menschen durch Beteiligung an der Kapitalsubstanz des Unternehmens auch materiell mit der Unternehmung verbinden. Spindler hat für diese Bindungen, die menschlich-soziale und die materielle, den Ausdruck "Mitunternehmertum" angewandt.

Der Ausdruck "Mitunternehmer", auf den Arbeiter angewandt, besagt, daß der Arbeiter in die Unternehmerverantwortung mit hereingezogen wird, daß er also nicht nur als verantwortlicher Mitarbeiter in der Exekutive der Unternehmung verbleibt. Hier wird nicht berücksichtigt, daß das, was der Unternehmer zu verantworten hat und was der Arbeiter zu verantworten hätte, zwei polarisch entgegengesetzte Verantwortungssphären sind, die in ihrer Eigenart nicht vermischt werden können, besser dürfen. Denn es handelt sich um die unverwischbare Polarität zwischen der geistigen Führung und geschäftlichen Leitung und der an den materiellen Betriebsmitteln ausführend tätigen Arbeiter und Angestellten. Diese naturgegebene Verantwortungsteilung ist dadurch begründet, daß nur der Verantwortungen übernehmen kann, der auf dem Gebiete, das er verantworten soll, sachverständig ist. Die leitende Funktion des Unternehmers oder der Direktoren ist unabdingbar mit der Gesamtverantwortung für das die Unternehmung repräsentierende Kapital verknüpft. So weit kann die Arbeitnehmerverantwortung niemals reichen. Spindler erlebt diese Kapitalverantwortung des Unternehmers, wie das heute schon bei vielen fortschrittlichen Unternehmern anzutreffen ist, als Rechte und Pflichten eines Treuhänders. Nicht das persönliche Eigentum, sondern die treuhänderische Verwaltung des Kapitals kennzeichnen die höhere Verantwortung des Unternehmers.

Es ist also irgendwie sozial nicht in Ordnung und ökonomisch nicht zweckmäßig, wenn Spindler seinen sogenannten Mitunternehmern ein weitgehendes Mitentscheidungsrecht in der Verwaltung und dem Einsatz des Kapitals durch die oberste Geschäftsleitung einräumt. Im § 14 des Mitunternehmervertrages werden die Fälle aufgezählt, in denen die Arbeiter mitzuentscheiden haben. Einige davon, wie Veränderungen des Personalstandes und die Änderung des Betriebszweckes sind auch schon im Betriebsverfassungsgesetz in berechtigter Weise der Mitbestimmung der Arbeitenden unterworfen worden. Anders verhält es sich mit den Investitionen und Kreditaufnahmen. Die hier den Arbeitern gewährten Mitentscheidungsrechte greifen zum Teil weit in den Bereich der ökonomischen Verantwortung der obersten Geschäftsleitung ein. Diese Mitbestimmungsrechte sollten, insofern nicht die Sicherheit der Arbeitsplätze davon berührt wird, nur als Informationsrechte gefaßt werden. Das Informationswesen wird im Spindlerschen Betrieb sonst überhaupt als soziales Mittel zur Interesseweckung bewußt gepflegt. Diese gemeinsame Bewußtseinsbildung ist sehr wichtig, das haben alle fortgeschrittenen Unternehmensleiter erkannt. Vom Standpunkte des Partnerschaftsprinzips ist jedoch von Interesse die eigenartige Form der Kapitalbeteiligung, die Spindler seinen Mitarbeitern gewährt, um die den Mitarbeitern zugestandenen weitgehenden Verantwortungs- und Mitbestimmungsrechte auch materiell zu unterbauen.

Da Spindler den Betrieb als "Errungenschaftsgemeinschaft" aufgefaßt wissen will, bestimmt der Mitunternehmervertrag, der auf Freiwilligkeit beruht, daß der im Unternehmen Mitarbeitende nicht nur an den Geschäftsergebnissen der Firma, sondern in Verbindung damit am Betriebsvermögen beteiligt wird. Diese Beteiligung ist auf 25 % begrenzt. Sie vollzieht sich nach Art des Investivlohnes in der Weise, daß aus dem Gewinnanteil des Mitunternehmers eine Rücklage gebildet wird. Es ist also nicht das ursprüngliche Betriebskapital, an dem die Mitunternehmer beteiligt werden, sondern diese liefern aus ihrer Gewinnbeteiligung dem Betriebe ein Zusatzkapital, das auch verhältnismäßig am Verlust teilnimmt und das erst ausgezahlt wird, wenn der Mitunternehmer ausscheidet. Die Kapitalbasis der Unternehmung wird dadurch erweitert. Der eigentliche Kapitalkern dagegen, der die Unternehmung wirklich repräsentiert, bleibt ausgeschlossen von der Bindung an die Belegschaft.

Die Beteiligung der Arbeiter am Unternehmungskapital ist in den angelsächsischen Ländern schon lange üblich gewesen. Sie geschieht meistens in der abstrakten Form der Gewährung oder des Erwerbs von Kleinaktien. Durch sie werden menschliche Bindungen nicht geschaffen, da sie ausschließlich an das Gewinninteresse appellieren. Letzteres steht bei der Spindlerschen Gewinnrücklage nicht im Mittelpunkte. Spindler will durch die Art, wie die Rücklage gebildet wird und wie sie mit weitgehenden Mitbestimmungsrechten verquickt worden ist, eine tiefere Verbundenheit des Arbeitenden mit dem Betriebe und mit dem gesamten Betriebsgeschehen erreichen. An dieser Stelle entstehen entscheidende Fragen.

Es ist lehrreich, in diesem Zusammenhange einen kurzen Blick auf die amerikanischen Arbeiter- und Betriebsprobleme zu werfen. Dort hat das, was wir in Mitteleuropa als soziale Betriebsverfassung mit ihrer Tendenz zur Betriebsgemeinschaft bezeichnen, überhaupt keinen Boden. Die Lebensziele des amerikanischen Arbeiters sind auf materiellen Komfort und innere Zufriedenheit gerichtet. Ein Bedürfnis nach weit umfassender Sozialität, welches innerstes Lebensbedürfnis vor allem des östlichen, aber auch des deutschen Menschen ist, trifft man beim amerikanischen Arbeiter kaum an. Beim mitteleuropäischen Arbeiter streben die beiden Lebensrichtungen, die materiell egoistische und menschlich soziale zu einer Vereinigung. Der mitteleuropäische Mensch ist berufen, sie zum Ausgleich zu bringen und auf dieser Grundlage eine menschenwürdige Form des Wirtschaftslebens auszubilden. In Amerika hat man gefunden, daß die menschlichen Beziehungen (human relations) die Leistung steigern und damit den Gewinn; und man hat weiter gefunden, daß ohne Beteiligung der Arbeitenden am Gewinn die menschlichen Beziehungen nicht leicht herzustellen sind. Aber mit der Befriedigung der ökonomischen Interessen erschöpft sich die Zufriedenstellung der Arbeiter in den USA noch keineswegs. Das Institut for Social Research der University of Michigan unterscheidet viele Typen von Zufriedenheit, die für die industriell Arbeitenden von Bedeutung sind: Befriedigung,
a) die die Individuen aus ihrer Befähigung zur Arbeit ableiten;
b) aus der Mitgliedschaft zu einer informellen Gruppe (Cliquen, Nachbarschaften, Verwandtschaften);
c) daß man mit einem großen und bekannten Werke sich identifizieren kann;
d) aus guten menschlichen Beziehungen zu den Vorgesetzten;
e) daher, daß man mit dem Lohn sich Güter sozialen Prestiges (Autos, Pelzmäntel usw.) kaufen kann. Dazu kommt die Befriedigung, welche aus der Zugehörigkeit und Tätigkeit in religiösen Verbänden, Vereinen, Gemeinden und in der Familie entspringt. 1)

1) Vgl. Hans Stirn, "Die informelle Arbeitsgruppe", Dortmund 1952. Diese Schrift informiert in ausgezeichneter Weise über die Methoden und Ergebnisse der amerikanischen Sozialforschung. Vgl. besonders Seite 91.

Es fällt auf, daß unter den Faktoren der persönlichen Zufriedenheit das Bedürfnis nach Miteigentum am Betriebe fehlt. Es ist offenbar nicht ausschlaggebend. Weiter fällt auf, daß die Mitbestimmung ebenfalls nicht gefordert wird, wenigstens nicht in der Form, wie das in Deutschland geschieht. Sie ist aber vorhanden, und zwar in der Weise, daß die Gewerkschaften sich in die Betriebsführung einmischen, jedoch nur in deren ökonomische Funktion im Interesse der Produktivität und damit Lohnsicherung. Diese Einmischung erstreckt sich bisweilen bis in die tätige Finanzierung hinein. Obschon die deutschen Gewerkschaften auch in die Betriebspraxis und in die Unternehmungsfunktion mitbestimmend einzugreifen bestrebt sind, so wird man doch den grundlegenden Unterschied der amerikanischen Mitbestimmungsformen von den deutschen erkennen müssen. Bei schärferem Zusehen zeigen sich in den deutschen Bestrebungen zur Mitbestimmung zwar vordergründlich auch die ökonomischen Interessen, aber letzten Endes doch sozialreformerische Absichten.

Es läßt sich aus alledem der Schluß ziehen, daß für die Erzeugung der partnerschaftlichen Gesinnung in der Arbeiterschaft die Kapitalbeteiligung nicht wesentlich ist und erst recht keine unerläßliche Voraussetzung für jene bildet. Vielmehr ist das Umgekehrte richtig, daß eine genügend tiefe soziale Verflechtung der Arbeiterschaft in die Existenz des Betriebes dahin drängt, dem Ausdruck zu verleihen durch die Herstellung gewisser Eigentumsbindungen an die Produktionsmittel. Wie man sich solche vorzustellen hat, ist in der genannten Schrift des Verfassers über neue Eigentumsformen und derjenigen von Schweppenhäuser über das Eigentum an den Produktionsmitteln dargestellt worden. Die hier in Betracht kommende Eigentumsbindung ist in keinem Falle von der Art der Spindlerschen Rücklagen aus Gewinnbeteiligungen. Solche haben nur die Bedeutung von Lohnergänzungen und einer äußerlichen finanziellen Verbindung des Arbeiters mit dem Betrieb. Bemerkt Spindler doch selbst, "daß die Häufigkeit und Höhe der Ausschüttungen keinen wesentlichen Einfluß auf die Einstellung der Mitarbeiter zu der ,Idee', das heißt dem gesellschaftspolitischen Anliegen der Partnerschaft, ausübt. Dies ist eine wichtige Feststellung, weil viele Betriebe sich große Mühe machten, durch entsprechende Auszahlungsmodalitäten der Ergebnisbeteiligungen oder Prämien die Partnerschaft als Idee zu popularisieren. Daraus können nur Scheinerfolge kommen, wie sich bei Belastungsproben zeigt." (vgl. Düsseldorfer Handelsblatt vom 15. 6.1962).

Viel wichtiger und eindruckvoller für die Belegschaft ist, daß Spindler den ersten Schritt zu einer Neutralisierung des Unternehmungskapitals getan hat. Den entscheidenden Schritt hat er natürlich noch nicht vollzogen. Aber der Bewußtseinswandel kündigt sich bei ihm - wie auch schon bei vielen anderen Unternehmern - darin an, daß er sich als verantwortlicher Treuhänder seines Unternehmens, also des investierten Geldkapitals und der Produktionsmittel, empfindet. Ein Treuhänder ist ein Verantwortlicher, der fremde Rechte juristisch als Eigenrechte, aber nicht im persönlichen Interesse, sondern im Interesse anderer, in diesem Falle im Interesse aller Betriebsangehörigen und aus den objektlven ökonomischen Notwendigkeiten des Betriebes heraus, verwaltet. Demgemäß bezieht Spindler die treuhänderische Verantwortung seines Unternehmens nicht nur auf sein Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, sondern auch auf die Allgemeinheit.

Die Verwaltung der Unternehmung aus überpersönlichem, treuhänderischem Geiste im Dienste der Allgemeinheit und der Sicherung der materiellen Existenz aller Betriebsangehörigen bildet die Grundlage für die Verwirklichung der Partnerschaft und der in ihr liegenden sozialen Möglichkeiten. Ihr Ziel besteht letzten Endes darin, daß die Arbeitenden als freie Persönlichkeiten im Betriebe stehen und als solche in ihm arbeiten sollen. Es zeigt sich jedoch, daß die Partnerschaft dieses Ziel, persönlichkeitsbildend zu wirken, mit ihren Methoden nur teilweise erreichen kann. Das hat seine Gründe. Die Partnerschaft Spindlerischer Prägung schafft wohl eine soziale Atmosphäre und damit die Lebensluft, in der verantwortliche Aktivitäten bis zu einem gewissen Grade heraufkommen können. Aber diese finden ihre Grenze an der vom Unternehmensleiter ausgehenden Autorität, die die partnerschaftliche Ordnung allein aus der unternehmerischen Initiative an die Arbeitenden herangetragen hat. Mit anderen Worten: diese Initiative geht nicht von den Arbeitenden selbst aus, und soweit es geschieht, kann sie das nur innerhalb der Grenzen, welche die partnerschaftliche Ordnung und die in ihr waltende unternehmerische Autorität zulassen. Dieser Vorrang der Unternehmerautorität kommt zum Ausdruck in dem Worte "Mit". Der Unternehmer und seine Unternehmung sind das Erste, die Arbeiter sind M i tarbeiter, M i tunternehmer, haben das Recht zur M i t-bestimmung usw. Dieses Wort "Mit" deutet daraufhin, daß der Betrieb mit seinem Leiter als selbständige Größe dasteht und daß der Arbeiter daran irgendwie mit-beteiligt wird. Es ist noch nicht das soziale Gleichgewicht zwischen der Unternehmungsleitung und den ausführenden Arbeitern erreicht worden. Das drückt sich auch aus in der Übersteigerung der Arbeiterverantwortung in Bereichen, in denen die Arbeiter nicht sachverständig sein können.

So kann es nicht verwundern, daß Spindler vor der Tatsache steht, daß das Bedürfnis der Arbeiter nach Partnerschaft und Mitbestimmung im Grunde nur wenig vorhanden ist. In sehr aufschlußreicher Weise schreibt Spindler im Düsseldorfer Handelsblatt vom 15.6.1962: "Schwieriger ist die Frage zu beantworten, in welchem Umfange Partnerschaft einem echten gesellschaftlichen Bedürfnis entspricht. Partnerschaft als Idee wird unterschiedlich aufgenommen. Frauen sehen meist mehr auf die kurzfristige materielle Seite (was herausspringt). Jüngere Männer (bis 30 Jahre) sind auch meistens an der materiellen Seite stärker interessiert als an der gesellschaftspolitischen. Übereinstimmend berichten die Partnerschaftsbetriebe, daß in ihnen die qualifizierten Facharbeiter, die Handwerker, die Meister, die Sachbearbeiter in den Jahrgängen zwischen 30 und 55 Jahren am stärksten interessiert und für die Partnerschaft aktiv tätig seien. Unter diesen bewerten die gesellschaftlich Interessierten die materiellen Möglichkeiten als nebensächlich, mehr materiell Interessierte natürlich umgekehrt. Bei einer Belegschaft von einem Drittel Frauen, zwei Drittel Männern sind nach zehnjähriger partnerschaftlicher Praxis 25 % als aktiv an der Partnerschaft interessiert zu bezeichnen. Die anderen sind Mitläufer."

Mitläufer wird es immer geben, weil immer eine bestimmte Anzahl von Menschen zu bequem ist, sich besonders anzustrengen und Verantwortung zu übernehmen. Aber bei Spindler ist der Prozentsatz offensichtlich zu groß. Das liegt aber an der noch nicht ins Assoziative entwickelten sozialen Betriebsstufe der Partnerschaft. In ihr ist auch das Lohnverhältnis praktisch noch nicht überwunden, obschon die partnerschaftlichen Beziehungen dasselbe auflockern. Der Lohnempfänger kann in ihm empfinden, daß er doch irgendwie sein Einkommen aus der gemeinsamen Arbeit aller bezieht.

Was in der partnerschaftlichen Betriebsverfassung noch unzulänglich ist, besteht in folgendem. Spindler hat sich noch nicht durchgerungen zu einem Verzicht auf das Unternehmungskapital und damit zu einer eigentumsmäßigen Umformung desselben, durch die dessen soziale Neutralisierung bewirkt wird. Sein Betrieb hat noch nicht den Rang einer sozialen Objektivierung erlangt. Er ist noch "sein" Betrieb, obschon die treuhänderische Einstellung zu ihm in die Richtung der Neutralisierung weist. - Zweitens tritt die partnerschaftliche Betriebsgestaltung als ein Geschenk des Unternehmers an die Arbeiter auf. Sie entspringt noch nicht zugleich aus den sozialen Initiativen der Arbeiter selbst, obschon das Ideal Spindlers in diese Richtung weist. Denn er meint, dem Unternehmer sei die selbstlose menschenführende Aufgabe zugefallen, daran mitzuhelfen, daß die Arbeiter sich geistig-seelisch zu vollen Persönlichkeiten entwickeln, die bereit sind, Verantwortungen zu übernehmen und den Betrieb als ihre Angelegenheit zu betrachten. Das kann er auf seine Weise nur in begrenztem Umfange erreichen, weil die Grundstruktur seines Betriebes eine noch kapitalistische ist. Könnte es aber erreicht werden, dann würden im Arbeiter auch die sozial schöpferischen Verantwortungskräfte erwachen können. Dann würden sie aber auch nicht anstreben, Mitunternehmer zu werden, denn das ist eine Kategorie der ihnen polar gegenüberstehenden Unternehmungsleitung, sie würden vielmehr darauf hinarbeiten, die gemeinsame Verantwortung für die Ausführung der Arbeitsprozesse selbständig zu übernehmen, wie das an früherer Stelle dargelegt wurde. Das ist aber nur möglich, wenn in den Betrieben die dafür unerläßlichen sozialen Verbindungen geschaffen werden. Diese höhere Stufe einer sozialen Betriebsverfassung bahnt sich in der sozial integrierten Betriebsverfassung an.

Die Partnerschaft stellt in jedem Falle aber einen sozialen Zusammenhang zwischen den Beteiligten in ihrem Verhältnis zum Betriebe her. Als ebenbürtige Sozialpartner begegnen sie sich so in dem Betriebe, daß eine machtmäßige Beherrschung des einen Betriebspoles durch den anderen zum Verschwinden gebracht wird. Die Partner sind einander menschlich gleichwertig und in der Stellung zueinander und zum Betriebe gleichberechtigt. Nur insoweit, als sie das sind, sind sie Partner. Ein solches soziales Verhältnis der Partnerschaft kann man in dem historischen Bilde der Demokratie sehen. Die Demokratie hat geschichtlich einen politischen Zustand herbeigeführt, in dem Volksteile, die politisch beherrscht und unterdrückt wurden, sich den Zustand der Gleichberechtigung erkämpften. Dieser Kampf wurde im Wirtschaftsleben durch die Gewerkschaften geführt. Er konnte nur eine abstrakte Rechtsgleichheit und eine paritätische Mitbestimmung erreichen. Eine solche bildet auch den Inhalt von überbetrieblichen Partnerschaften, wie sie heute z. B. von der Baugewerkschaft befürwortet werden. Sie liegt auf einer höheren Ebene als die betriebliche. Die überbetrieblichen Partnerschaften wollen die Fronten der Arbeitskämpfe in solche von ebenbürtigen Verhandlungsgegnern verwandeln, um in sachlicher Weise und bei gegenseitiger Achtung sich über Lohnfragen und Arbeitszeiten zu verständigen. Das alles ergibt noch keine Partnerschaft im Sinne einer menschlich getragenen Verbundenheit mit dem Betrieb und seiner Leitung. Eine solche aber streben die aus unternehmerischer Reformgesinnung unternommenen partnerschaftlichen Versuche an. Ein besonders eindringliches und lehrreiches Beispiel dieser Art wird uns noch in England in der Spedan Lewis Parnership entgegentreten.


 
Das Eisenwerk G. L. Rexroth

www.boschrexroth.com
www.rexroth-stiftung.de/

Unsere Aufmerksamkeit verdient noch ein Partnerschaftsbetrieb, in welchem die soziale Seite der betrieblichen Zusammenarbeit besonders zur Geltung gebracht worden ist. Es ist das Eisenwerk G. L. Rexroth in Lohr, welches 1200 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Rexroth besitzt sehr klare Vorstellungen von den tieferen Hintergründen der Arbeiterfrage und darüber, was zu deren Lösung notwendig ist. In einer auf einer Versammlung von Unternehmern 1963 gehaltenen Rede hat er sich darüber ausgesprochen. Ausgehend von der Entseelung der Arbeitsprozesse durch Mechanisierung und Automation und der mit ihr verbundenen Entfremdung des Arbeiters gegenüber seiner Arbeit erkennt er, daß im Tagesarbeitsablauf wesentliche Teile der Seelentätigkeit des so arbeitenden Menschen unbeschäftigt bleiben und eine tiefe Unzufriedenheit hervorrufen.

"Da der Mensch in irgendeiner Form doch wieder zur Ganzheit seines Wesens hinstrebt, und ohne eine innere Seelenregsamkeit tagsüber nicht sein kann, führen diese Bedürfnisse ein dem Bewußtsein mehr und mehr entfallendes Eigenleben. Die Rolle, die die Antipathie, das Ablehnen, das Sich-auf-alle-Fälle-Dagegenstellen, das Mißtrauen dabei spielen, ist allgemein bekannt. Das Betriebsklima, ein Hin- und Herschwanken zwischen Zustimmung und Ablehnung, ist dadurch ein recht wetterwendisches. Undurchschaute und zunächst auch undurchschaubare Verstrickungen und Verknüpfungen menschlicher Schicksalsbeziehungen verbergen sich hinter dem allen." Der Betrieb vereinigt Menschen, die mit verschiedenen Schicksalen belastet sind. Das eröffnet aber dem Führer des Betriebes die Möglichkeit, schicksalordnend zu wirken.

Aus dieser Gesinnung heraus hat Rexroth in jahrelangen Bemühungen sein Ideal zu verwirklichen unternommen. Er begann zunächst damit, wie es auch sonst vielfach geschieht, das Lohnverhältnis zu veredeln in der Form der Ertragsbeteiligung. Diese wurde im Geiste der Partnerschaft so geordnet, daß die zu Mitarbeitern, nicht Mitunternehmern, erhobenen Arbeiter und Angestellten das Bewußtsein der Lohngerechtigkeit haben konnten. Jedoch für die menschliche Seite der Partnerschaft genügte das noch nicht. So ist im Laufe der Zeit immer stärker die Pflege der menschlichen Beziehungen in den Vordergrund getreten. Es geschah durch die Ausbildung von Gemeinschafts- und Gesprächsorganen. Außer dem Betriebsrat und dem Wirtschaftsausschuß wurden ein Partnerschaftsausschuß und eine Reihe spezieller Gremien ins Leben gerufen, die alle Fragen des Betriebsgeschehens laufend und in voller Freiheit behandeln. "Die Tätigkeit des Verhandelns", meint Rexroth, "mag dabei von größerer Bedeutung für das angestrebte Ziel sein, als das Ausgehandelte selbst." Durch diese fortgesetzte Verständigung wird Vertrauen geschaffen und die betriebliche Zusammenarbeit über alle persönlichen Emotionen hinausgehoben und verobjektiviert. Dadurch wurde augenscheinlich ein gutes Betriebsklima erreicht. Eine im Jahre 1961 veranstaltete Betriebsumfrage des Studienkreises für betriebliche Personal- und Sozialpolitik e. V., Düsseldorf, hat ergeben, daß ca. 75 Prozent der Belegschaft die Rexrothsche Partnerschaft bejaht, daß 79 Prozent die Lohngerechtigkeit anerkennen und dem Rexrothschen Betriebe den Vorzug vor anderen Betrieben geben.

Man kann sagen, daß eine solche partnerschaftliche Betriebsverfassung den Ausgangspunkt für die höheren Stufen einer Betriebsintegration und einer assoziativen Betriebsverfassung bilden könnte. Denn es ist bis zu einem gewissen Grade gelungen, das Interesse der Beschäftigten auf das Betriebsganze hinzulenken und die Elemente für die Verantwortung desselben zu schaffen. Vertrauen und Verantwortung sind die leitenden Ideale des Initiators dieser Betriebsverfassung.

Der kritische Punkt besteht hier wie auch bei Spindler darin, daß diese Art Partnerschaftsbetrieb noch getragen wird von der Selbstversorgergesinnung. Der Rexrothsche Betrieb ist zu einer großen Selbstversorgergemeinschaft geworden, die das gesamte Betriebsergebnis sich zurechnet und unter sich verteilt. Im Rahmen eines veredelten Lohnverhältnisses werden die Leistungen in genauer Parallelität zum finanziellen Betriebserfolg in Beziehung gesetzt, auf der Basis des Tariflohnes vergolten und mit Zuschlägen gemäß der Höhe des Gewinnes ergänzt. In diesem Gewinn steckt sowohl der größere Produktivitätserfolg, welcher aus der partnerschaftlichen Zusammenarbeit entspringt, wie auch jene besondere Erfolgsgröße, welche gegebenen Falles der Konjunktur zu verdanken ist. Zu diesen beiden Erfolgsgrößen, die aus der Partnerschaftsordnung und aus den Konjunkturverhältnissen hervorgehen, gesellt sich noch diejenige, die aus den technischen Fortschritten fließt. Sie zusammen erzeugen jene Wertgröße, welche oben als freie Kapitalbildung beschrieben wurde und von der gesagt werden mußte, daß sie nicht ohne weiteres in das Eigentum der Unternehmung und der in ihr Beschäftigten übergehen dürfte. Bei Aufrechterhaltung des Lohnverhältnisses ist das nur schwer zu vermeiden. -

Andererseits ist es auch wieder einzusehen, daß die besonderen Überschüsse im Betriebserfolg, welche man schätzungsweise der partnerschaftlichen Produktivitätssteigerung zurechnen darf, es rechtfertigen, daß die Urheber dieser Produktivitätserfolge einen Anspruch auf sie erheben. Bis zu welchem Grade die Gewinnbeteiligung unter gesamtsozialen Gesichtspunkten vertretbar wäre, wurde bereits dargelegt und wird in den noch zu behandelnden Beispielen assoziativer Betriebsverfassungen praktisch belegt werden.
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Die Scott-Bader Company und ihre assoziative Betriebintegration:

www.sottbader.com
s. gesonderten Beitrag

Die soziale Betriebsverfassung ist auf jeder ihrer Stufen gekennzeichnet durch das Verhältnis, in welchem die Betriebsleitung und die ausführend Arbeitenden zueinander stehen, und weiterhin durch das Verhältnis, das beide Teile zum Betriebe als solchem haben. Diese zwei Verhältnisse, das sozial menschliche und das ihm korrespondierende sozial sachliche, nehmen in der assoziativen Betriebsgestaltung andere Formen an als in der partnerschaftlichen. Das sozial sachliche Verhältnis zum Betriebe führt beim Leiter der Unternehmung zu einer besonderen Eigentumsgestaltung des von ihm verwalteten Kapitals und bei den ausführend Arbeitenden zu einer höheren Stufe der Verantwortungsinitiativen. Um eine konkrete Vorstellung von einer solchen assoziativen Betriebsverfassung zu gewinnen, sei eine Verwirklichung derselben vorgeführt in jener eigenartigen Form, welche in einem englischen Betrieb für sie gefunden wurde.

In England ist vor zwölf Jahren durch die Initiative eines fortschrittlichen Unternehmers ein Unternehmen der Kunststoffindustrie in eine Form der Zusammenarbeit zwischen Leitung und Belegschaft gebracht worden, die als eine Vorstufe des hier geschilderten Endzustandes einer sozialen Wirtschaftsordnung zu betrachten und zu schätzen ist. Die Kunststofffabrik von Scott-Bader in Wollaston hat eine Neutralisierung des Unternehmungskapitals in der Weise durchgeführt, daß dieses Kapital in eine selbständige gemeinnützige Gesellschaft eingebracht wurde, die sich als das "Scott-Bader-Gemeinwesen" bezeichnet. Alle Erträge des Unternehmens fließen in diese Gesellschaft. Sie wird getragen durch ihre Mitglieder. Es sind das der Unternehmer und alle Betriebsangehörigen, soweit sie sich freiwillig zum Eintritt in diese Gesellschaft entschließen. Für diesen Eintritt ist jedoch eine zweijährige Dauer der Betriebszugehörigkeit Bedingung.

Diese Gesellschaft verfügt also über den Gewinn der Unternehmung und damit auch über die in ihr zutage tretende volkswirtschaftliche Kapitalbildung. In diesem Gemeinwesen haben der Unternehmer und die leitenden Persönlichkeiten nicht mehr Stimmen als der einzelne Arbeiter und Angestellte. Es obliegt ihnen die gemeinsame Aufgabe, darüber Entschlüsse zu fassen, wie das Ergebnis der Unternehmung verteilt werden soll. Damit das in ökonomisch und sozial verantwortlicher Weise geschehen kann, hat eine langjährige Aufklärung und Bildung der Arbeiterschaft über die sich bei einer solchen Einrichtung ergebenden Probleme stattgefunden. Nur so konnte erreicht werden, daß die Mitglieder des Gemeinwesens die Entscheidung über die Verfügung des Gewinnes mit einem erhöhten Verantwortungsbewußtsein treffen. Obschon dabei ein Bonus zur Verteilung an die Arbeiterschaft kommt, ist doch der Sinn dafür geweckt worden, daß es notwendig ist, daß ein Teil des Gewinnes für kulturelle Zwecke verwendet und auch ein Teil der politischen Gemeinde, in welcher der Betrieb gelegen ist, für karitative Zwecke zugewendet wird. Außerdem wird natürlich entschieden, welcher Teil für Investitionszwecke dienen soll. Der Staat holt sich seinen Teil durch die Steuergesetzes.

Das mit solchen Rechten und Verantwortungen ausgestattete Gemeinwesen der Scott-Bader-Fabrik unterliegt naturgemäß bestimmten Bedingungen, die gemeinsam erarbeitet und in einer Konstitution rechtlich formuliert wurden. Zur Sicherung derselben wurde vom Gemeinwesen ein Rat von sieben Treuhändern gebildet, der ausschließlich darüber zu wachen hat, daß die Beschlüsse, die das Gemeinwesen faßt, der Konstitution und dem Geiste, aus dem sie geschaffen wurde, entsprechen. Eine solche treuhänderische Sicherung würde man überhaupt bei jeder Betriebsvereinbarung, welche eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Betriebsleitung und den ausführenden Mitarbeitern zum Inhalte hat, schaffen müssen, um deren Mißbrauch zu verhüten.

Wir wollen nicht behaupten, daß diese Art einer gemeinschaftlichen Verwaltung eines Industriebetriebes schon etwas Endgültiges sei, zumal die Frage einer gerechten Einkommensbildung auf dieser schmalen Grundlage noch nicht im volkswirtschaftlichen Umfange gelöst werden kann. Aber in einer solchen Initiative, wie sie dieser englische Betrieb entfaltet hat, kann doch ein verheißungsvoller Anfang gesehen werden, um eine wirkliche Neuordnung des Wirtschaftslebens auf der Betriebsstufe in die Wege zu leiten. Um zu ermessen, wie sich eine solche Betriebsgemeinschaft auf die Arbeiter aktivierend auswirkt, ist zu erwähnen, daß sich im vergangenen Jahre bei Scott-Bader ein Arbeiterausschuß gebildet hat, völlig freiwillig, also ohne daß die Betriebsleitung dazu die Anregung gegeben hätte. Etwa acht Arbeiter haben sich aus eigener Initiative zusammengeschlossen und halten alle zwei bis vier Wochen eine Zusammenkunft ab, um praktische Entschlüsse zu fassen in Hinsicht auf die Gestaltung einzelner Vorgänge des Produktionsprozesses, angefangen von der Kontrolle beim Betreten des Werkes.

Nach den mir vorliegenden Protokollen dieser Zusammenkünfte ist es eine Fülle von kleinen Maßnahmen, mit denen die Arbeiter Teile des Produktionsprozesses und der mit ihm verbundenen Arbeitsprozesse in die eigene Verantwortung nehmen. Dieser Arbeiterausschuß bezeichnet sich als Sicherheitskomitee. Ein solches Komitee kann als der Anfang eines normalen, aus der Arbeiterschaft hervorgehenden Betriebsrates verstanden werden. Er ist insofern ein Anfang, als er zwar aus der Initiative einiger Arbeiter entstanden ist, aber noch nicht auf der Stufe eines Organs einer voll ausgebildeten Leistungsgemeinschaft steht. Aber der Weg zu einer solchen ist damit beschritten. Es müßte sowohl für die Unternehmerseite wie für die Gewerkschaftsseite interessant sein, diesen Vorgang ernsthaft zu durchdenken.

Aber es darf dabei nicht vergessen werden, daß die wichtigste Voraussetzung für diesen Vorgang zweifellos die Neutralisierung des gesamten Kapitaleigentums und der finanziellen Ergebnisse der Unternehmung gewesen ist. Es wäre von zukunftweisender Wirkung, wenn die Gewerkschaften Einrichtungen dieser oder ähnlicher Art in ihr Aktionsprogramm aufnehmen würden. Wenn solche Einrichtungen sich weiter ausbreiteten, so würde durch sie eine wesentliche Grundlage für die Verwirklichung einer gerechten Einkommensbildung gewonnen werden. Gerechte Einkommen sind volkswirtschaftliche und soziale Größen, welche deswegen nur überbetrieblich bestimmt werden können.

Es sind immer wieder Menschen aufgetreten, die für die Einkommensbildung das Prinzip der Gleichheit gefordert haben. Ein solches kann in heutiger Zeit nur vertreten werden für ein Grundeinkommen, welches die Existenz eines jeden Staatsbürgers sichert. Darüber hinaus aber wird eine Abstufung der Einkommen notwendig unter dem Gesichtspunkte, was der Einzelne leistet und bei trägt zum Fortbestande und der Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft. Das käme auch zur Geltung innerhalb der einzelnen Betriebsgemeinschaften, die ein Bewußtsein dafür entwickeln müssen, daß die Einkommen der Betriebsangehörigen nach dem Grade der Verantwortung und der Leistung abgestuft werden müssen. Wie dann im einzelnen die Größenverhältnisse der Betriebseinkommen gestaltet werden, insbesondere wie diejenigen der leitenden Kreise sich bemessen, darüber muß ein Einverständnis zwischen allen Betriebsangehörigen bestehen. Hiermit wird eine wichtige soziale Frage berührt, die in gegenwärtiger Zeit die Grundlage aller Arbeitskonflikte bildet. Das Rivalisieren um die Einkommensbezüge gehört zu den abstoßendsten Erscheinungen des westlichen Wirtschaftslebens. Es offenbart in aller Kraßheit dessen asozialen Grundzug.

Wenn es gelingt, eine richtige Betriebsgemeinschaft herzustellen, werden die persönlichen Einkommen der Unternehmer und Betriebsleiter nicht herunternivelliert werden. Deren besondere Höhe wird freiwillig anerkannt werden, wenn die sozialen Gesetze der Einkommensbildung klar erkannt worden sind und in ihrer Anwendung volle Offenheit herrscht. Mit den Unternehmereinkommen hat es, wie schon gesagt, eine besondere Bewandtnis. Was ihnen als Leistung entspricht, sind überwiegend Taten des schöpferischen Menschengeistes oder wenigstens immer solche einer höheren Verantwortung. Diese Taten stehen jenseits von jeder Berechenbarkeit. Was den Unternehmern als Einkommen zufließt, unterliegt ähnlichen Bedingungen wie die Einkommen derjenigen Menschen, welche im Geistesleben tätig sind und dort eine schöpferische Arbeit verrichten.

Die Rede vom Unternehmer"lohn" erweckt eigentlich falsche Vorstellungen, da ihm berechenbare, das heißt nach Zeit und Menge qualifizierbare Leistungen nicht zugrunde gelegt werden können. Auf diesem Gebiete mag es sonderbar erscheinen, aber es ist doch nicht anders möglich, als daß die geistig Führenden des Wirtschaftslebens selber zu bestimmen haben, was sie unter verantwortungsvoller Würdigung der Lage des Unternehmens für sich fordern wollen. Sie können auf Grund ihrer schöpferischen Unternehmerleistungen auch einen Teil der durch diese verursachten volkswirtschaftlichen Kapitalbildung beanspruchen. Dieser Tatsache müssen sich die Arbeitenden bewußt sein. Wenn sie gerecht denken, werden sie es dann verstehen, daß die Träger der letzten Verantwortung, von denen das Sein oder Nichtsein der Unternehmung abhängt und die außerdem einen besonderen Aufwand treiben müssen, um die Beziehungen zur übrigen Wirtschaft herzustellen und zu pflegen, auch besondere finanzielle Ansprüche stellen dürfen. Abgesehen davon hat ferner die Erfahrung gezeigt, daß die Arbeiter, wenn sie frei sind von der Rivalität mit den Unternehmereinkommen, sich für die Höhe derselben nur wenig interessieren. Das sieht man auch bei den Staatsbeamten, die sich über die Ministergehälter nicht den Kopf zerbrechen. Es genügt, wenn die Arbeiter die Überzeugung haben, daß die Ordnung der Einkommen gerecht ist und daß die von ihnen bezogenen Einkommen ökonomisch und sozial richtig bemessen worden sind.

Wenn wir die Badersche Unternehmung als Beispiel für eine - allerdings noch unvollendete - assoziative Betriebsverfassung anführen, so hat das drei Gründe. Erstens gehen die Arbeitsinitiativen - obwohl noch anfangsweise und nur zum Teil - von den Arbeitenden selbst aus. Zweitens hat der ursprüngliche Unternehmer auf das private Kapitaleigentum verzichtet. Drittens ist eine Einrichtung getroffen worden, um eine gerechte Einkommensbildung und eine sinnvoll geordnete Verwendung des Betriebsergebnisses mit dem Einverständnis der Betriebsangehörigen zu bewirken. Diese drei Elemente sind untrennbar miteinander verknüpft. Sie bedingen sich gegenseitig. Eine volle Betriebsgemeinschaft, welche das assoziative Prinzip restlos verwirklicht hat, wird mit ihnen jedoch noch nicht erreicht. Dazu wäre notwendig, daß die gesamten Arbeitsinitiativen von der Arbeiterschaft als solidarischer Gruppe ausgingen. In der vollendeten Betriebsassoziation tut man unmittelbar nichts mehr für die Arbeiter, sondern es geht von den Arbeitern alles das aus, was der Betrieb von ihnen verlangt und was sich zugleich mit ihren ökonomischen und sozialen Bedürfnissen deckt. Die Verwirklichung dieser anzustrebenden sozialen Höchststufe bleibt solange undurchführbar, wie die Passivität der betrieblichen Arbeiterschaft und die diese Passivität mitbedingende privatkapitalistische Eigentumsordnung sowie die ungelöste Frage der gerechten Einkommensbildung weiterbestehen.

Solange das der Fall ist, werden auch die aggressiven gewerkschaftlichen Forderungen nach einer abstrakten Steigerung der Arbeitseinkommen, nach Beteiligung am Betriebsergebnis und nach Mitbestimmung in allen betrieblichen Angelegenheiten weiter bestehen. Dem wird allein durch eine assoziative Betriebsverfassung der Boden entzogen. So wie diese bei Bader auftritt, ist sie noch unvollendet geblieben. Sie wird naturgemäß durch die Grenzen bestimmt, die einerseits im Menschlichen liegen, andererseits aber auch durch die bestehende Rechtsordnung gezogen werden, welche ganz und gar zugeschnitten ist auf die kommerzielle Betriebsverfassung.

Es ist also besonders wesentlich für die Ausbildung einer assoziativen Betriebsverfassung, es möglich zu machen, daß in den Arbeitenden freie Initiativen für die ihnen auferlegten Verantwortungen erwachen können. Das kann nur geschehen, wenn sie für den Betrieb, in dem sie arbeiten, ein wirkliches Interesse aufbringen können und dadurch eine wirkliche, aus ihren persönlichen Lebensinteressen hervorgehende Verbindung zu ihm haben. Die Voraussetzung dafür ist, daß alles Machtmäßige und damit jede autokratische Tendenz aus der Betriebsführung verschwinden. Bleiben darf nur die Geisteskraft der sachlichen Verantwortung für das Ganze. Dadurch wird die wahre Autorität der Betriebsführung begründet. Bader hat das an das materielle Kapitaleigentum geknüpfte materielle Machtelement beseitigt, indem er sich der Eigentumsrechte am Kapital der Unternehmung völlig entäußerte. Er neutralisierte dieses Kapital in einem Rechtsinstitut, welches das englische Recht zuläßt. Der Scott Bader Commonwealth wurde der rechtliche Eigentümer des gesamten Unternehmungskapitals und seiner Erträge.

Sozial gesehen besitzt diese Gründung den Charakter einer Treuhändergemeinschaft. Die persönlichen Träger dieser Eigentums- und Treuhändergemeinschaft sind alle Betriebsangehörigen der Scott Bader Fabrik, insofern sie Mitglieder jener Gemeinschaft sein wollen. Diese Art der Neutralisierung des Kapitals ist ein möglicher Weg, der nicht ausschließt, daß man es auch anders hätte machen können. Aber das wichtige Ergebnis dieses Schrittes ist die Erkenntnis gewesen, daß eine individuelle Vermögensbildung der Arbeitnehmer für die Ausbildung einer sozialen Betriebsverfassung ohne Belang ist. Die individuelle Beteiligung am Betriebsvermögen ist meistens nur eine Äußerlichkeit, welche - besonders wenn sie in Aktien erfolgt - nur wenig beiträgt zu einer tieferen Verbindung des Arbeitenden mit dem Betriebe und zu einer Sicherung des Arbeitsplatzes, wie sie dem Unternehmer durch das Kapitaleigentum gewährt wird. Diese Sicherung muß auf eine Weise gewonnen werden, bei der beide Teile, Unternehmensführung und Arbeitende, gleichgestellt sind. Der erste Schritt hierzu ist, daß der Unternehmer seine private Eigentumsbeziehung zum Kapital, insofern sie ihm materielle Vorrechte gewährt, löst. Das "Verwaltungseigentum" am Betriebe verbleibt ihm ungeschmälert und die auch mit diesem verbundenen Verfügungsrechte. Nur vom stubstantiellen Betriebseigentum muß er sich distanzieren. Auf welche Weise per das tut, also in welcher Form er das Kapital neutralisiert, ist eine Frage zweiten Ranges.

Wesentlich ist, wie dieser Verzicht auf die Kapitalmacht auf die Arbeiterschaft wirkt. Er wirkt der Tendenz nach so, daß der Arbeitende nicht mehr das Empfinden zu haben braucht, daß er für den Unternehmer und dessen Privatinteressen arbeitet. Das Bewußtsein, daß der Betrieb nicht den Unternehmern und nicht den Kapitalgebern gehört, öffnet das Tor, durch das er in den Betrieb wirklich eintreten kann, und, wenn die sonstigen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, ihn als ein Stück seines eigenen Lebens empfinden kann. In einer wirklichen Betriebsassoziation beginnen die Arbeiter sich so sehr mit dem Betriebe eins zu fühlen, daß sie eine unmittelbare Eigentumsbeziehung zu ihm gewinnen, die zunächst noch nicht eine organisatorische Gestalt anzunehmen braucht. So wie die Dinge bei der gegenwärtigen Seelenverfassung in der Arbeiterwelt liegen, wird eine solche tiefere Betriebsverbundenheit nur von den Arbeitern reiferen Alters geschätzt, wie das auch schon Spindler in seinem Partnerschaftsbetriebe feststellen mußte. Die Jugendlichen wollen noch fluktuieren. Das entspringt ihrem erwachenden Ichbewußtsein und dessen Freiheitsdrang. Die kommerzielle Betriebsverfassung setzt diesem Fluktuieren überhaupt keine Grenzen, da sie nur die Lohnbindung der Arbeitenden an den Betrieb kennt.

 
Die Warenhauskette John Lewis

www.johnlewis.com
Die John Lewis Partnership

"It was during this time that he became aware that he, his father and his younger brother, who had also joined the business, were enjoying betwen them an income equivalent to the earnings of the entire workforce of the two shops."
Quelle: www.johnlewispartnership.co.uk (the founder)

Von besonderem Wert ist die Kenntnis der John Lewis Partnership, sowohl in Hinsicht auf ihre rechtliche Konstruktion, wie im Hinblick auf ihre sozialen Wirkungen. Was die äußere Konstruktion der "John Lewis Partnership Limited" betrifft, so zeigt sie in mancher Hinsicht eine große Ähnlichkeit mit dem Scott Bader Commonwealth. Ein gewisser Unterschied ergibt sich jedoch schon daraus, daß der Baderschen Gründung ein Fabrikationsbetrieb zugrunde liegt, derjenigen von John Spedan Lewis ein Handelsbetrieb, und zwar ein großes Warenhaus mit Filialen in ganz England und mit einer Reihe von Nebenbetrieben. Baders Betrieb beschäftigt ca. 300 Arbeitende, Lewis' Betriebe beschäftigen heute mehr als 16 000 Mitarbeiter. Baders erste Konstitution, welche die Neutralisierung des Kapitals in einer selbständigen Unternehmung einleitete, datiert vom Jahre 1948. Spedan Lewis konstituierte seine Partnerschaftscompany bereits 1929. Er gab ihr eine zweite radikalere Fassung 1950. Bader erneuerte die Konstitution seines Commonwealth im Jahre 1963. Durch sie wurde das Unternehmungskapital restlos in den Commonwealth eingebracht und damit eigentumsmäßig neutralisiert. Eine solch restlose Einbringung des Kapitals vollzog Spedan Lewis von Anfang an, also schon 1929. Aber diese Einbringung erfolgte zunächst in der Form eines zinslosen Darlehens an die Partnerschaft, die es in 30 Jahren aus den, in sie einfließenden Betriebsüberschüssen amortisieren sollte. Nach der zweiten Konstitution ist dann das inzwischen auf 28,5 Millionen Pfund Sterling angewachsene Kapital der Partnership wirklich übereignet worden.¹

¹ Zur genaueren Orientierung über das Wesen und den Werdegang der John Lewis Partnership dienen grundlegend zwei Bücher, die John Spedan Lewis selbst geschrieben hat: "Partnership for all",1949/52; "Fairer Shares", 1954. Ferner "The John Lewis Partnership", a brief description, von der Betriebsleitung herausgegeben. Laufend erscheint wöchentlich die Betriebszeitung "The Gazette". In der Nr. 5 vom 2. März 1963 erschien anläßlich des Todes von J. Spedan Lewis (1885-1963) eine längere Abhandlung über sein Lebenswerk.

Was wir bei: Bader und Lewis als ein Gemeinsames feststellen müssen, besteht in der charakteristischen Tatsache, daß der soziale Impuls zur Neutralisierung des. Unternehmungskapitals in beiden Fällen von der Unternehmerseite ausgegangen ist. Die beiden Untiernehmernaturen, die das vollbrachten, zeigen sich beseelt von einer besonderen Höhe des sozialen Empfindens und der sozialen Verantwortung. Spedan Lewis machte, erst 23 Jahre alt, in der Unternehmung seines Vaters eine Entdeckung, welche sein Gerechtigkeitsbewußtsein gründlich erschütterte. Er stellte fest, daß sein Vater, sein Bruder und er selbst aus dem Geschäft zusammen einen Geldgewinn empfingen, der größer war als die gesamte Lohnsumme, die allen Arbeitenden in der Firma bezahlt wurde. Das war 1908. Es dauerte 21 Jahre, bis er gegen den Widerstand des Vaters 1929 die erste Konstitution für die John Lewis Partnerchip ins Werk setzen konnte, und weitere 21 Jahre, bis er ihr 1950 die endgültige radikale Verfassung geben konnte. In der Bilanz der Partnerschaft figuriert nun das gesamte Kapital der Handelsunternehmungen als Eigenkapital der Partnerschaft. Hier erscheint es in der Gestalt von shares. Diesen stehen bilanzmäßig alle Anlagen und sonstigen Aktiven der Handelsunternehmungen gegenüber, beide in Höhe von 28,5 Millionen Pfund Sterling.

Die Sicherung der Partnerschaftscompany erfolgt durch einen Trust, die John Lewis Partnership Trust Limited. Er besteht aus fünf Direktoren, an deren Spitze der Chairman steht. Das war bis zu seinem Tode Spedan Lewis selbst. Dieses oberste Trustorgan besitzt die Funktion einer Kontrollinstanz, die darüber zu wachen hat, daß die Konstitution von der Verwaltung der Partnerschaft eingehalten wird. Bei Bader übte diese Funktion der Panel of Representatives aus in Verbindung mit sieben Trustees, wie es oben beschrieben wurde. Die John Lewis Partnerschaft wird; geleitet durch eine Gruppe von zwölf Direktoren, den Central Board, welcher verwaltungsmäßig konfrontiert ist mit dem von den Mitgliedern der Partnerschaft gewählten Central Council. Letzterer ist nicht nur ausführendes Organ, sondern kann auch eine Reihe selbständiger Entscheidungen treffen, deren Rahmen von der Konstitution festgelegt ist. Auch bei Bader besteht ein zwölfköpfiges Direktorium, welches den Commonwealth leitend verwaltet. Es heißt Community Council. Dem Central Council entspricht bei Bader das General Meeting der gesamten Mitgliedschaft. Die äußere Konstruktion der John Lewis Partnership gleicht also im allgemeinen derjenigen des Commonwealth. bei Bader. Die äußere Gleichheit bedeutet jedoch nicht, daß auch das innere Wesen der beiden Sozialgebilde gleichartig ist. Es finden sich da charakteristische Unterschiede. Sie ergeben sich zum Teil schon daraus, daß der Initiator der John Lewis Partnership ein reiner Engländer ist, während der Initiator des Scott Bader Commonwealth in seiner Jugend aus der Schweiz nach England einwanderte und etwas vom geistigen Wesen Mitteleuropas nach England brachte und dort

fruchtbar machte. Das wird sich zeigen, wenn wir den sozialen Charakter der beiden Partnerschuften miteinander vergleichen. Das hauptsächlich Interessierende an der John Lewis Partnership ist nicht ihre äußere technische Konstruktion, sondern ihre soziale Struktur. An den Formen der sozialen Struktur der Partnerschaft hat Spedan Lewis von seinem 25. Lebensjahre an immerfort gearbeitet. Wie er dabei von dem englischen Tatsachensinn geleitet wurde, lassen die beiden genannten, von ihm selbst geschriebenen Bücher erkennen. Besonders das letzte Buch "Fairer Shares" ist aufklärend in der Hinsicht, wie aus den Anlagen des englischen Volkscharakters heraus eine soziale Körperschaft aufgebaut werden kann. Im mitmenschlichen Verhalten verlangt der Engländer fairness und in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit fair sharing. Was das bedeutet, läßt sich nicht mit einem Worte ins Deutsche übersetzen. In seinem Buche "Fairer Sharing" hat Spedan Lewis die Sache aus ihren drei Wurzeln dreifach klargelegt. Es sind dies die Sharing Gain, das Sharing Knowledge, das Sharing Power.

1. Sharing Gain


In Verbindung mit der Fairness bedeutet das die "redliche Teilung des Gewinnes". Hier wird Gewicht darauf gelegt, daß der partnerschaftliche Mitarbeiter ein Einkommen bezieht, das ihn veranlaßt, sein Bestes für den Betrieb herzugeben. Es bedeutet weiter, daß alle Betriebsangehörigen einschließlich der leitenden Person kein größeres berufliches Einkommen haben, als es zu einem guten, anständigen Lebensunterhalt für sie selbst und ihre Angehörigen notwendig ist. Doch ist damit in keiner Weise eine Gleichheit der Einkommen gemeint. Besondere Leistungen und große Verantwortungen werden entsprechend hoch honoriert. Von den höchsten Einkommen heißt es, daß sie "nicht höher sein dürfen, als daß ihre Empfänger mit ihnen, durchaus zufrieden sein können in einer Welt, wo so viele Menschen schlecht leben". Zu den festen Einkommen kommt dann die Gewinnteilung hinzu. Man bemerke, daß es hier nicht um eine Gewinnbeteiligung geht, also nicht um eine Beteiligung an einem Gewinn, der eigentumsmäßig einem anderen gehört, sondern um die Teilung des Gewinnes, der in seiner Gänze in die Partnerschaft fließt und somit dem Kollektiv ihrer Mitglieder gehört.

Nach der Bilanz von 1961/62 floß in die Partnerschaft ein Nettogewinn (d. h. nach Abzug der Hypothekenzinsen der von den Wirtschaftsbetrieben aufgenommenen Schulden) von 2 158 000 Pfund (also etwa 24 Mill. DM). Nach Abzug der Steuern und anderer Pflichtleistungen verblieben 1 671 000 Pfund zur Teilung. Davon gingen 506 000 Pfund in den Pensionsfonds; 847 000 Pfund als Bonus an die Mitglieder; der Rest wurde der Reserve überwiesen. Der Bonus belief sich auf 12 0/o der Lohnsumme, also auf ein Monatseinkommen durchschnittlich. Im Vorjahre waren es 14 0/0. Der Bonus wird zum Teil in shares, auf die feste Dividenden entfallen, ausgeteilt, so daß dem Unternehmen auf diese Weise Investitionskapital zuwächst. Zum anderen Teil wird er in bar vergütet. Die shares sind nicht börsenfähig. Aus dem Barteil wird auch ein Teil für den Kollektivkonsum verwendet, z.B. für sportliche, für kulturelle und vielerlei Einrichtungen, durch die die Mitglieder der Partnerschaft ihre Bedürfnisse nach den Annehmlichkeiten und der Verschönerung des Lebens befriedigen. Alle diese Sondereinrichtungen besitzen einen imponierenden Umfang. Entspringt doch das Bedürfnis nach einem äußeren Lebenskomfort dem tiefsten Wesen der englischen Volksmission, der die Aufgabe gestellt ist oder war, eine materielle Erdenkultur der Menschheit zu beringen. Wird diesen Bedürfnissen entsprochen, dann ist die Hauptgrundlage für die Zufriedenheit des englischen Arbeiters und Angestellten gelegt. Diese Zufriedenheit kann, jeder wahrnehmen, der die von Lewis geleiteten Betriebe durchschreitet. Der Geist der fairness waltet in ihnen. Dieser Geist erstreckt sich auch auf den Kunden. Symptomatisch dafür ist, daß einem Kunden, der nachweist, daß er die bei Lewis gekaufte Ware anderswo billiger erstanden hätte, sofort der Differenzbetrag ausbezahlt wird. Das ist fairness.

Nun aber erkannte Spedan Lewis, daß durch die Gewinnteilung die Betriebsangehörigen noch nicht ohne weiteres aktiv mit dem Betriebe und damit auch untereinander verbunden werden. Diesem Ziele dienen die beiden anderen Sharings.

2. Sharing Knowledge


Bei ihm handelt es sich um die Erzeugung einer speziellen geistigen Teilhabe am Betriebsgeschehen durch. das Wissen um alles, was in den Betrieben und deren Einrichtungen vorgeht. In weiser Erkenntnis von der Bedeutung, daß in jedem einzelnen Mitglied der Partnerschaft ein volles Bewußtsein von dem Betriebe, dem es seine Lebenskraft widmet, leben muß, hat Spedan Lewis dieses Bewußtsein auf alle Weise zu entwickeln versucht. Einmal geschieht es durch die wöchentlich erscheinende Gazette, welche nicht nur die Betriebsangehörigen fortgesetzt über alles unterrichtet, was in den Betrieben vorgeht, sondern ihre Spalten auch grundsätzlich offen hält für jede Zuschrift, auch dann, wenn sie anonym eingesandt wird. Dieser geistige Kontakt mit jedem seiner Mitarbeiter erschien Lewis unerläßlich, denn das Gelingen der Partnerschaftsinstitution, der er das gesamte Geschäftsvermögen unwiderruflich übermacht hatte, hängt entscheidend davon ab, wie die Mitglieder sich in ihr fühlen. Lewis war sogar der Ansicht, daß die umfassende Informierung der Mitglieder über das Betriebsgeschehen und das volle Durchschauen desselben für den sozialen Zusammenhang der Partnerschaft, für die co-partnership, noch wichtiger sei, als die Gewinnteilung, das profit-sharing. Freie Aussprache, die Bildung von Ausschüssen für alle möglichen Zwecke, unmittelbare Kontakte zwischen dem Management und den Inhabern der Arbeitsplätze, Meetings so viel als möglich, das alles soll dazu dienen, Klarsichtigkeit und ein gemeinsames Bewußtsein zu schaffen zwischen allen Betriebsangehörigen und in deren Verhältnis zu den Geschäftsbetrieben, in denen sie arbeiten. Dieses Zusammenarbeiten und der Geist, indem es erfolgen sollte, bilden nun noch ein besonderes Problem, das von Lewis behandelt wird unter dem Stichwort: Sharing power.

3. Sharing Power


Sie bedeutet: gerechte und sinnvolle Verteilung der Verantwortungsbereiche in den Geschäftsbetrieben und den Einflußsphären in der Partnerschaftsverwaltung. Diese Unterscheidung trifft Lewis nicht ausdrücklich, aber sie geht aus der sehr ausführlichen Behandlung hervor, die er gerade dieser Machtverteilung angedeihen läßt. Jede Verantwortung ist eine Machtgröße, ein Kraftfeld. Es gibt da Kraftfelder verschiedenen Umfangs, sowohl was die äußere wie die innere Dimension betrifft. Der Einzelverantwortung steht die Gruppenverantwortung gegenüber; der Einzelentscheidung die Gruppenentscheidungen. Diese letzteren können entweder einmütig und einstimmig getroffen werden oder durch Majoritätsbeschlüsse.

Das Problem der Machtverteilung sucht Lewis genauer zu begreifen durch das Prinzip der Demokratie, das er sehr weit faßt. Im Rahmen des Geschäftsbetriebes geht es um Verantwortung aller Grade. Die oberste Verantwortung, gleichbedeutend mit einer Macht über das Ganze, die der Chairman trägt, wird aber dadurch nichtdemokratisch, wie Lewis meint, wenn er Teile dieser Verantwortungen an Direktoren und an Mittelinstanzen überträgt. Es wurde bereits gezeigt, daß die Delegation von Verantwortungen nach unten nicht Demokratie ist. Allein die horizontale Verteilung der obersten Verantwortung der Unternehmensführung auf ein Direktorium könnte man allenfalls im politischen Bilde einer Oligarchie sehen - zum Unterschiede von einer Monarchie. Beide Bezeichnungen sind übertrieben, wenn sie auf die Führung von Wirtschaftsbetrieben angewandt werden. Deren Führungskräfte verkörpern in ihrer Art und Dimension nicht eine solche Macht, die mit der Staatsgewalt vergleichbar wäre. Auch in formaler Beziehung kann man das Zusammenwirken von Direktoren in der obersten Betriebsführung nicht mit der demokratischen Mitbestimmung der Regierten bei den obersten Entscheidungen der Regierung vergleichen. -

Andererseits mischt sich die demokratische Volksvertretung nicht in die exekutive Staatsverwaltung hinein. In der Exekutive herrscht nicht die horizontale, sondern die vertikale, d. h. von oben nach unten sich ausgliedernde Verteilung der Kompetenzen. So verwirklicht auch die oberste Staatsführung ihre Zwecke durch Delegation von Kompetenzen an die von den untersten Stufen bis zu den Ministerien sich aufbauenden Verwaltungsstellen. Nur dieser Vorgang der nach unten sich immer weiter verzweigenden Verteilung von Verantwortungsmacht kehrt auch in der Organisation der Arbeiten in Wirtschaftsbetrieben als Verantwortungsteilung wieder. Diese abgestufte Verantwortungsteilung entspricht weder im politischen Leben noch im Wirtschaftsleben einem Zustand der Demokratie. In diesem Sinne hätte es Demokratie schon seit uralten Zeiten gegeben. Die Ausübung von Verantwortungsmacht sowohl in Staaten wie in Wirtschaftsbetrieben verlangt individuelles Sachverständnis. Abstimmungen und Majoritätsbeschlüsse sind auf diesem Gebiete, wenn überhaupt, so nur in unwesentlichen Angelegenheiten möglich. Zu dieser Erkenntnis ist auch Spedan Lewis gekommen.

In der Ordnung der wirtschaftlichen Verantwortung mißt Lewis der Gruppenverantwortung, wie sie von geschlossenen Arbeitsteams übernommen wird, ein großes Gewicht bei. Die prinzipielle Bedeutung solcher Gruppenverantwortungen durch Leistungsgemeinschaften haben wir hervorgehoben. Was solche Gruppen zu entscheiden haben, kann nach Lewis nicht richtig durch demokratische Abstimmungen erfolgen. Hier ist Einstimmigkeit notwendig, und, wenn sie nicht erreicht werden kann, dann ist die Entscheidung durch einen übergeordneten Verantwortungsbereich oder Verantwortungsträger zu treffen.

Für die persönliche und soziale Zufriedenheit des Einzelnen ist zweifellos die richtige Verteilung der Verantwortungen nach Fähigkeiten von größter Bedeutung. Nun aber sind die Menschen im Betriebe nicht nur zur gemeinsamen Arbeit vereinigt, sondern auch zu dem Ziele, ihre wirtschaftliche Existenz aus den Betriebserfolgen heraus zu begründen, und nach der Logik der Arbeitsteilung auch die der anderen. Das betrifft dann die andere Seite der sharing power. Sie besteht in der Verwaltung der Partnerschaftsgesellschaft und in der Praxis der Machtverteilung in ihr. In der Partnerschaft verwaltet sich sozusagen das Gesamtmenschliche der Partner selbst, nicht der technische Vollzug ihrer Arbeiten. Aus diesem Grunde ist die Partnerschaftsinstitution ein Rechtsorganismus. Bei Lewis verwaltet er sich, wie bereits erwähnt, durch die drei Autoritäten des Chairman, des Direktoriums und des Central Council. Letzterer trägt demokratisches Gepräge, da er aus der gesamten Mitgliedschaft heraus als repräsentatives Organ derselben gewählt wird.

Der Central Council ist bei Lewis mit sehr großen Machtvollkommenheiten ausgestattet. Er wählt nicht nur fünf von den Mitgliedern des Board of Direktors, sondern auch alljährlich drei Trustees, welche über die Einhaltung der Konstitution zu wachen haben. Außerdem steht dem Council ein Geldbetrag in Höhe von 1 % der Lohnsumme zur Verfügung, über dessen Verwendung er allein zu bestimmen hat. Die Verwendungszwecke dienen ausschließlich der Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit. Letztere umfaßt z. B. die Fixierung des Minimaleinkommens in Anpassung an die Lebenskosten, den Ladenschluß, Familienzuschüsse, Verkürzung der Arbeitswoche, Erfüllung von Bitten um finanzielle Hilfe in Notlagen, die er aus eigenen Mitteln gewährt, und dergleichen mehr. Außerdem hat der Council als generelle Partnerschaftsvertretung das Recht, der obersten Betriebsleitung in gewissen Angelegenheiten Empfehlungen zu übermitteln, an welche jene zwar nicht gebunden ist, die sie aber sehr ernst nimmt, weil sie von der Gesamtheit der Partner ausgeht. Die Tätigkeit des Council hat sich in viele Ausschüsse (comittees) verzweigt.

Alle diese Einrichtungen haben, da sie auf einer lebenslangen Erfahrung beruhen, ihren Wert in der Praxis bewiesen. Wer sich mit dem Geiste dieser Art Partnerschaft erfüllt hat, kann als Engländer vollmenschlich in den Betrieb hineingehen und alle Lebenskräfte mit seiner Arbeit verbinden. Allerdings wird man damit rechnen müssen, daß es auch in der besten Betriebsverfassung immer einen gewissen Prozentsatz von Opponenten oder Gleichgültigen geben wird. Das erscheint wie ein Weltgesetz ähnlich dem, daß die menschliche Gesellschaft stets einen gewissen Prozentsatz von Verbrechern mittragen muß. Als Unternehmer erwartet Spedan Lewis denn auch von den Mitgliedern der Partnerschaft, daß sie als wirkliche Mitarbeiter dem großen Betriebe mit ihrem ganzen Menschen dienen. Darum hat er dessen Eigentum unwiderruflich an die Gesamtheit aller in ihm Tätigen übertragen und die soziale Seite des Betriebslebens in die Selbstverwaltung aller Partner gegeben. In seinem Buche "Fairer Shares" stellt Lewis die Frage, wer als ein würdiges Mitglied der Partnerschaft gelten könne (S. 71). Er antwortet darauf, "das könne jeder, der es auf sich nimmt - unter Vorbehalt des Rechtes, sich freiwillig von der Mitgliedschaft zurückzuziehen und gewisse Verantwortungen zu begrenzen -, der Unternehmung das Ganze oder im wesentlichen sich ganz in seiner Arbeitszeit hinzugeben, und daß er, solange die Unternehmung besteht, zu allen Zeiten und nicht nur aus Pflicht sich zu der Unternehmung und zu den individuellen Partnern in ihr so stellen wird, wie es Geschäftseigentümer in klug loyaler und ursprünglich freundschaftlicher Art in einer gewöhnlichen Teilhaberschaft tun würden". Spedan Lewis ist unbeschadet seiner hohen sozialen Bestrebungen von einem strengen Geschäftsgeist beseelt, der von seinen partnerschaftlichen Mitarbeitern höchste Leistungen erwartet. Die Logik der besten Leistung bestimmt überall das Arbeitsklima. Jeder Angestellte weiß, daß er seinen Arbeitsplatz verliert, wenn er durch einen Fähigeren ersetzt werden kann.

Die John-Lewis-Partnerschaft besteht nun seit über 50 Jahren (1965). Sie hat die Verlustjahre während der Weltkriege Überstanden. Es sind ihr jedoch auch Kritiken erwachsen, welche hervorheben, daß die ganze partnerschaftliche Einrichtung letzten Endes doch von einem autoritären Geiste getragen werde. Das wird bestritten angesichts, der vielseitigen Rechte, die den Mitgliedern der Partnerschaft zugestanden wurden, und angesichts der Selbstbeschränkung, welche der führende Geist des Unternehmens freiwillig sich auferlegt hat, wobei er sich dem Zwange der von ihm selbst geschaffenen Konstitution unterwarf. Trotzdem liegt der Schöpfung der Partnerschaft ein autokratisches Element zugrunde. Der autoritäre Charakter der John Lewis Partnership rührt mit Notwendigkeit davon her, daß sie geschaffen wurde aus der Initiative einer einzelnen menschlichen Individualität, die im Wirtschaftsleben eine führende Stelle einnahm. Der führende Geist, der diese soziale Schöpfung zustande brachte, lebt in ihr weiter und bildet eine autoritative Kraft, die das Ganze beherrscht und zusammenhält. Die autoritäre Kraft dieser Persönlichkeit empfing ihre besondere Prägung durch das Zusammenwirken dreier englischer Seelenhaltungen. Es sind das common sense - fairness - business. Zu deutsch: gesunder Menschenverstand - Anständigkeit und Gerechtigkeit - strenger Geschäftsgeist. Mit diesen Seelenhaltungen hat Lewis eine autoritär wirksame Kraft ausgeübt, welche die ganz unpersönliche Form eines schwer zu erschütternden Systems angenommen hat und einen starken Antrieb ausübt auf alle, die in ihm tätig sind. Ein Unternehmer und Betriebsführer kann autokratisch sein, im guten wie im schlechten Sinne. Spedan Lewis zeigte zwar in seinen Bestrebungen eine durchaus autokratische Natur. Aber er hat sie benutzt, um ein soziales Werk zu errichten, dem er freiwillig die materiellen Grundlagen seines Unternehmens opferte.

Rein geistige Kräfte wirken immer führend indem, was sie schaffen und geschaffen haben. Sie wirken als eine Autorität, die aber so beschaffen sein kann, daß man sich ihr in Freiheit unterordnet. Das ist es, was sowohl Lewis wie Bader erstreben und eigentlich auch erreichen. - Aber nun denke man sich den Fall einmal umgekehrt, daß es nicht der Initiative eines einzelnen Wirtschaftsführers zu danken ist, daß ein selbständiger Rechtsorganismus in den Zusammenhängen eines Wirtschaftsbetriebes sich bildet, sondern daß eine solche Initiative von der Arbeiterschaft ausgeht, die nun an den Kapitalbesitzer des Unternehmens herantritt, um ihn zu veranlassen, das Kapital der Unternehmung in einem selbständigen Rechtsorganismus zu neutralisieren und in ihn den Gewinn zu übertragen, damit er unter objektiven Gesichtspunkten gerecht verwendet wird. In diesem Falle würden und müßten also die Initiativen der beiden menschlichen Pole des Wirtschaftslebens sich vereinigen. Das ergäbe erst eine wahre, aus Gemeinschaftskräften entsprungene soziale Tat. Indem eine solche Tat bei Lewis und Bader aus dem Individualimpuls eines Einzelnen hervorgegangen ist, sind die Arbeitenden in die passive Rolle von Empfangenden versetzt worden. Sie haben eine geniale soziale Institution über sich ergehen lassen und fühlen sich von ihr getragen. Es ist das eine bequeme, aber noch nicht endgültige Lösung der sozialen Frage in den Wirtschaftsbetrieben, wenn der Unternehmer allein das schaffen muß, was die Arbeitenden hätten mitschaffen sollen. Sowohl Bader wie Lewis haben durchaus begriffen, daß ihre soziale Konstitution nicht wirksam werden könnte, wenn die in sie eingeordneten Arbeitstätigen völlig passive Nutznießer derselben blieben. Sie haben deshalb die größten Anstrengungen darauf gerichtet, die Arbeiter zu aktivieren und sie so zu erziehen, daß sie das Wesen der sozialen Selbstverwaltung in seiner Bedeutung erkennen und aus dieser Erkenntnis heraus sich in den Betrieb hineinleben. Auf diesem Gebiete ist Bader noch weiter fortgeschritten als Lewis.

Bader hat zur Gründung des Commonwealth erst aufgerufen, nachdem er zehn Jahre lang auf seine Arbeiter bewußtseinsbildend und ihre Willensinteressen erweckend eingewirkt hatte. So wollte er allmählich das Verständnis und die seelische Reife in ihnen erzeugen, mit der sie die Gründung des Commonwealth in ihren Willen aufnehmen konnten. Darum mußte er auch die Gewährung der Mitgliedschaft im Commonwealth grundsätzlich von dem freiwilligen Entschluß jedes einzelnen Betriebsangehörigen abhängig machen und sie außerdem an eine zweijährige Zugehörigkeit zum Betriebe knüpfen. Bei Spedan Lewis wird jeder in den Betrieb Eintretende, soweit er nicht nur auf Zeit eingestellt worden ist, vom Tage seines Eintritts in das Unternehmen Mitglied der Partnerschaft. Er wird also ohne jede innere und äußere Vorbereitung in den Rang des Partners erhoben. Allerdings hat sich Spedan Lewis sehr viele Gedanken über die Bedingungen der Partnerschaft gemacht, hat auch eine Probezeit erwogen und hat den Status einer gehobenen Partnerschaft eingeführt für gewisse Funktionen in ihr, den 7-JahrStatus. Auf die vielen Spezialfragen, die auf diesem Gebiete von Lewis angeschnitten werden, kann hier nicht eingegangen werden. Eine Übersetzung seiner Schriften ins Deutsche könnte fortschrittlichen Unternehmern viele Anregungen geben.

Der Grund dafür, daß bei Bader das Gemeinschaftswesen noch tiefer entwickelt werden konnte als bei Lewis, besteht nicht nur in den erschwerten Bedingungen für die Mitgliedschaft, sondern in entscheidender Weise auch darin, daß Bader der Gemeinschaft des Commonwealth eine weltanschauliche, menschenverbindende Grundlage zu geben versucht hat. Er hat seine Gründung unternommen aus dem Impuls des praktischen Christentums der Quäker. Dessen Geist waltet im Baderschen Unternehmen. Er hat ihn sogar bis in die Produktionsziele hinein verwirklicht, so daß der Fabrikationsbetrieb jeden Auftrag ablehnt, der irgendwie kriegerischen Zwecken, also der Rüstungsproduktion, dient. Das bedeutet jedoch nicht, daß der Badersche Betrieb nur Quäker beschäftigt. Im Gegenteil, hier herrscht größte Toleranz. Es ist vielmehr der von der Betriebsleitung ausgehende Geist, der von dieser Gesinnung getragen wird. Von ihm sind naturgemäß auch die sieben Trustees beseelt, denen auch der Gründer angehört, die die Einhaltung der Konstitution überwachen. In der Weltanschauung der Quäker sind die Antriebe zu christlichen Liebestaten wirksam, und daraus leitet sich ab das Prinzip der Brüderlichkeit in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Von ihm getragen pflügt die Badersche Sozialverfassung seelisch tiefer als die von Lewis. Sie ist intimer und unmittelbar menschlicher. Aus diesem Grunde vermochte die Badersche Betriebsverfassung auch zu assoziativen Gemeinschaftsbildungen zwischen der Betriebsleitung und den Arbeitstätigen vorzustoßen, wie das oben ausführlicher dargelegt wurde. Bader selbst spricht von seinem Commonwealth als von einer Genossenschaft und stellt sie der Partnerschaft von Lewis gegenüber, die er als eine konstitutionelle Monarchie einschätzt, was richtig verstanden, keine Abwertung bedeutet, sondern nur die Charakterisierung ihrer sozialen Stufe durch ein politisches Bild.

Im Vergleich mit einer assoziativen Betriebsverfassung stellt die Partnerschaft eine losere soziale Bindung her. In ihr verwirklicht sich eine Art abstrakter Gleichstellung der Beteiligten, die in bestimmten Rechtsformen und Rechtsregelungen ihren Ausdruck findet. Partnerschaft ist eine Rechtslage zwischen den leitend Führenden und den ausführend Arbeitenden, gemäß deren sie einander gleichgestellt sind. Diese Gleichheit besteht nach Lewis, wie wir sahen, in dreifacher Weise, nämlich in dem Verhältnis der Partner zu den Betriebsergebnissen, ferner in bezug auf das Wissen um alle Betriebsvorgänge und schließlich hinsichtlich ihrer Verantwortung für das Betriebsgeschehen. Doch sind diese Gleichheiten nicht materiell zu verstehen. Die rechtliche Gleichheit der Ansprüche aller Art differenziert sich, so wie sie materiell verwirklicht wird, nach den verschiedenen Fähigkeiten der Partner.

Unter diesem Gesichtspunkt wird die partnerschaftliche Gleichstellung nicht aufgehoben, wenn gemäß den Fähigkeiten die Betriebsergebnisse nicht in gleichen Anteilen verteilt werden, wenn der Erwerb des Wissens von den einzelnen Partnern in verschiedenem Umfang erreicht wird, wenn die Fähigkeit, Verantwortungen zu tragen, bei den Einzelnen verschieden groß ist. Nur da, wo rein rechtlich-soziale Fragen zur Entscheidung stehen, sind zu deren Lösung alle Betriebsangehörigen gleich befähigt und deshalb insgesamt berufen, sei es in Form einer Repräsentation durch Vertreter, wie im Central Council bei Lewis, sei es in der Form einer unmittelbaren Gesamtrepräsentation aller Mitglieder durch einen General Meeting, wie bei Bader. In der Rechtssphäre von solchermaßen sich selbständig konstituierenden Rechtsorganismen des betrieblichen Wirtschaftslebens können, wie wir sahen, mitunter die demokratischen Techniken der Abstimmung zur Anwendung kommen.

Für eine so gegliederte Gemeinschaft, wie der John Lewis Partnership stellen wir zum Schluß die Frage: woran liegt es, daß sie so gut und offenbar zur allgemeinen Zufriedenheit funktioniert, und die weitere Frage, ob sie in Deutschland ebenso sozial erfolgreich wirken würde?

Lewis hat einmal geschrieben: "Partnerschaft ist Gerechtigkeit. Besser noch als Gerechtigkeit, sie ist Menschengüte (kindness)." Das Wort kindness ist kaum zu übersetzen. "Menschengüte" besitzt ein moralisches Schwergewicht und hat einen sentimentalen Einschlag. Beides wird beim Engländer im Begriff kindness nicht erlebt. Es hat einmal jemand gesagt, wenn man einem Engländer begegnet, so verhält er sich so, daß man das Gefühl hat, er sei einem ganz besonders freundschaftlich zugetan. Das gilt jedoch nur für den Augenblick. Ist die Begegnung zu Ende, ist diese Freundschaftlichkeit sofort verschwunden. So verhält es sich mit der kindness. Im Deutschen könnte man vielleicht sagen: "unverbindliche Herzenshöflichkeit gepaart mit menschlichem Wohlwollen". Mit ihr hängt auch zusammen die andere typisch englische Seelenkraft der fairness. Diese eigenartige Seelenlage des Engländers birgt in sich den Schlüssel zum Verständnis der Erfolge, die die Spedan-LewisPartnership unter ihren Voraussetzungen gerade nur in England und bei den Trägern des englischen Volkscharakters erreichen konnte. Die dem Engländer normalerweise eingeborene kindness bildet eine Gegenkraft gegen die andere Seite des englischen Wesens, die sich bekundet in jenem selbstverständlichen Egoismus und rigorosen Geschäftsgeist, der die materiellen Werte zum Sinn des Erdenlebens erhebt und ein persönliches Selbstbewußtsein in dem zähen Streben nach Gewinn und das Lebensglück in einem komfortablen Leben findet. Dieses Sichausleben in einer materiellen Kultur wird durch die kindness gemildert. Aus dieser englischen Seelenlage der kindness in Verbindung mit dem praktischen common sense des Geschäftslebens sind die von Spedan Lewis aufgestellten 3 Grundsätze der Teilung, des sharing, herausgeboren. Auf dieser seelischen Grundlage können die Grundsätze der Partnerschaft im Arbeiter das Interesse für den Betrieb wachrufen und sein Streben zur Bewußtwerdung aller Betriebsvorgänge, sowohl der technischen wie der menschlichen, beflügeln.

Speziell der dritte Grundsatz, der die Verantwortungsteilung bei den wirtschaftlichen Arbeiten und die Machtteilung in der Verwaltung der Partnerschaft zum Inhalt hat, wird beherrscht von der Idee der Gerechtigkeit. Das Bewußtsein, daß in der Ordnung der Arbeiten und in den Rechtsbeziehungen der Partner zueinander und in der partnerschaftlichen Teilung der Betriebsergebnisse Gerechtigkeit waltet, bildet zweifellos eine Voraussetzung dafür, daß in den Betrieben von Lewis ein gutes Betriebsklima entstanden ist, in welchem ein normaler Engländer sich wohlfühlen kann. -

Für den durchschnittlichen deutschen Arbeiter würde jedoch ein soziales Arrangement der Partnerschaft, wie das von Spedan Lewis geschaffene, noch nicht genügen, um ihn menschlich zu aktivieren. In den Untergründen der deutschen Arbeiterseele wurzelt eine tiefe menschliche Unzufriedenheit, deren letzte Ursache ihr nicht klar zum Bewußtsein kommt. Äußerlich lebt diese Unzufriedenheit sich aus in dem Verlangen nach immer mehr Lohn und immer weniger Arbeit. In dieser Beziehung wird ihm eine Gewinnteilung nach dem Schema von Lewis durchaus willkommen sein. Aber sie würde nicht die Wurzel seiner inneren Unzufriedenheit ausreißen. -

Der zweite Grundsatz von Lewis, der jedem Betriebsangehörigen eine Information über alles, was im Betrieb vorgeht, fortlaufend verschaffen will, wie es auch viele deutsche Werkszeitungen tun, würde den deutschen Arbeiter ebenfalls nicht voll befriedigen. Dieses Wissen genügt ihm nicht, zumal wenn ihm das Betriebsinteresse aus anderen Gründen abgeht. Auf dem Grunde seiner Seele schlummern geistige Sehnsüchte, die durch die Kenntnis aller Betriebsverhältnisse, die selbstverständlich auch unerläßlich ist, noch nicht befriedigt werden. An dieser Stelle ist auf das zu geistigen Lebensinhalten drängende Streben des deutschen Arbeiters zu verweisen. Dieses Streben wird verschleiert, überdeckt, niedergehalten, weil die Seelen- und Geistesverfassung des englischen Unternehmers und Arbeiters durch drei Generationen hindurch dem deutschen Wirtschaftsleben eingepflanzt worden ist.

Das hatte zur Folge, daß dem deutschen Arbeiter in der Unternehmung, in der er arbeitete, eine Denkverfassung und Betriebsmoral entgegentrat, die seine Arbeitsleistung als eine Unkostengröße kalkulierte und damit die moralischen Arbeitsantriebe vernichtete. Andererseits wurde er hineingestellt in eine Gewerkschaftsbewegung, welche als Reflex auf die kommerzielle Betriebsverfassung entstanden war und in den Mittelpunkt ihrer Politik das Lohndenken und den Lohnkampf stellte. So hatte im Deutschtum die dem englischen Wesen gemäße Konkurrenzkampfverfassung des Wirtschaftslebens, in welcher der Daseinskampf um die materiellen Erdenwerte zur Methode erhoben wird, Eingang gefunden. Während diese Wirtschaftsmethode aber in England durch die Seelenkraft der kindness gemildert wurde, trat sie in Deutschland ohne eine solche soziale Milderung auf und wirkt hier abstoßend, im besonderen aber zurückstoßend auf die in der Arbeiterseele verborgenen Geistestriebe und sozialen Bedürfnisse.

Der dritte Grundsatz von Lewis, der die Macht- und Verantwortungsteilung in gerechter Weise verwirklichen will, ist allein derjenige, von dem aus auch die deutsche Arbeiterschaft den für sie richtigen Weg finden könnte. Dieser Weg besteht in der Bereitschaft aller Arbeitenden, die Verantwortung für ihre Arbeiten zu übernehmen, und dies nicht nur individuell, sondern cooperativ. Damit das geschehen kann, ist es nicht zu umgehen, daß eine soziale Betriebsverfassung herbeigeführt wird, in der es möglich ist, daß die Arbeiter ihre Verantwortung für das Betriebsgeschehen in Freiheit ergreifen. Die Grundlage zu einer sozialen Betriebsverfassung kann aber nur durch die Lösung der Eigentumsfrage gelegt werden. Wenn diese Lösung unter der Devise "Eigentum für alle" angestrebt wird, so geht sie am wesentlichen vorbei, denn sie berührt das betriebliche Eigentumsproblem nicht, sondern weicht ihm aus.

Es ist kein Zufall, daß in Deutschland der Sozialismus als weltweit wirkende Idee entwickelt wurde. Ihre praktische Verwirklichung wurde jedoch mit unrichtigen sozialen Vorstellungen, wie Verstaatlichung der Produktionsmittel und staatlich erzwungener Arbeit für die im Staate organisierte Allgemeinheit propagiert. Damit hat der Osten Ernst gemacht und konnte es, da er es mit noch nicht zur persönlichen Freiheit erwachten Menschen zu tun hat. Das dem deutschen, in sich abgeschlossenen Ichmenschen, speziell dem Arbeiter, einwohnende Bedürfnis nach Menschlichkeit und Gemeinschaft kann und muß im Wirtschaftsleben seine Erfüllung finden, indem es hier Gebilde von umfassender Sozialität erschafft. In den Betriebsverhältnissen kann das verwirklicht werden in den Formen kooperativer Zusammenarbeit zwischen den beiden in ihnen wirkenden menschlichen Polen, mit dem Ziele, eine wahre Betriebsgemeinschaft zu errichten. Unter diesem Gesichtspunkte sollen noch einige Versuche fortschrittlicher deutscher Unternehmer betrachtet werden, die in diese Richtung weisen.


 
Die J. S. Staedtler Bleistiftfabrik

www.staedtler.de/

"Der Weg Rudolf Kreutzers, an der Seite von Clara Kreutzer, war ein Weg des Dienstes an der Gemeinschaft. Er führte die Firma Staedtler aus kleinen Anfängen heraus zu einem Unternehmen von Weltrang. Dabei verzichtete er – im Sinne der Dreigliederungsideen von Rudolf Steiner – auf sein Eigentum an den Produktionsmitteln zugunsten einer Stiftung."
Quelle: biographien.kulturimpuls.org


Weit ernster zu nehmen ist die Stiftung, die Dr. Kreutzer, der Chef und Hauptinhaber der Staedtler-Bleistiftfabrik in Nürnberg, aus eigenem Antrieb begründet hat.¹

¹Als Quellen liegen vor: 1. Die Satzung der Rudolf- und Clara-Kreutzer-Stiftung Nürnberg, 1955. 2. Dr. Kreutzer "Ein praktisches Beispiel neuer Eigentumsordnung und Betriebsverfassung" in "mensch und arbeit", Zeitschrift für schöpferische Betriebsführung vom 15. 4. 1958. 3. Eine Darstellung in den "Staedtler Nachrichten" vom April 1963. 4. "Die Betriebsverfassung der Firma J. S. Staedtler" im Handbuch für die Mitarbeiter.

Die Staedtler-Bleistiftfabrik ist eine Kommanditgesellschaft. Die beiden persönlich haftenden Gesellschafter haben jeder ihren gesamten Geschäftsanteil in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. Jeder künftige persönlich haftende Gesellschafter ist verpflichtet, dasselbe zu tun. Selbst die Einlagen der Kommanditisten fließen, soweit sie das testamentarisch bestimmen, ebenfalls in die Stiftung. Das so der Stiftung überlassene Kapital bleibt jedoch oder Bleistiftfabrik erhalten, da sie es von der Stiftung als Darlehen gegen 4 % Verzinsung zurückempfängt. Die Einnahmen der Stiftung bestehen lediglich aus diesen 4 % Zinsen. Alle Erträge des Betriebes, welche diese Verzinsung übersteigen, verbleiben dem Betrieb zum Ausbau, zur Sicherung gegen Risiken und zum Wohle der Werksangehörigen. Die Stiftung verwendet die ihr zufließenden Geldbeträge ausschließlich zur Finanzierung einer kulturellen pädagogischen Anstalt, nämlich der Rudolf-Steiner-Schule in Nürnberg, und darüber hinaus zur Förderung der Waldorfschulpädagogik und der sie verwirklichenden Rudolf-Steiner-Schulen überhaupt.

Auf der anderen Seite ist die Stiftung bestrebt, eine Betriebsverfassung zu schaffen, für die Rudolf Steiner in seiner Schrift "Die Kernpunkte der sozialen Frage" 1919 die grundlegenden Gesichtspunkte aus den Notwendigkeiten der Zeitlage dargelegt hat. Es kommt hier vor allem die Neutralisierung des Unternehmungskapitals in Betracht. Diese ist jedoch nicht, wie es in den Staedtler Nachrichten ausgeführt wird, gleichbedeutend mit einer Neutralisierung des Eigentums an den Produktionsmitteln. In der Stiftung wurden nicht die Produktionsmittel eingebracht, sondern nur das Kapitaläquivalent derselben. Sie kann nicht über jene verfügen, sondern das tun die persönlich haftenden Gesellschafter als Leiter der Produktion. Eine Neutralisierung des Verfügungseigentums an den Produktionsmitteln ist überhaupt sinnwidrig. In einer sozialen Betriebsverfassung kann das Eigentum an den Produktionsmitteln nur in der besonderen Form eines Nutzungseigentums sinnvoll verwirklicht werden. Das wurde an früherer Stelle näher erklärt. Bei Staedtler ist diese besondere Eigentumsform nicht verwirklicht worden und konnte es auch nicht, da dessen Betrieb noch nicht die assoziative Stufe erreicht hat.

Durch die Übertragung an die Stiftung wird das Kapital der Unternehmung geschützt vor der Zersplitterung durch den Erbübergang und damit auch vor dem Übergang an untüchtige und uninteressierte Erben. Die Nachfolge in der Geschäftsleitung wird im Staedtlerschen Betrieb völlig losgelöst von den familiären Bindungen und Ansprüchen der Blutsverwandtschaft. Die jeweils persönlich haftenden Gesellschafter bestimmen durch Kooptation die Persönlichkeit, die sie für fähig halten, die Unternehmung weiterzuführen. Das entspricht dem Prinzip der treuhänderischen Verwaltung des Kapital-Eigentums an den Produktionsmitteln. Die Verwirklichung dieses Prinzips kann den ausführend Arbeitenden das Gefühl geben, daß sie nicht für die Privatinteressen eines Unternehmers tätig sind. Sie können damit einverstanden sein, daß ein wesentlicher Teil des Gewinnes unmittelbar, das heißt ohne Dazwischentreten des Staates, dem Kulturleben zufließt.

Neben der mit der Gewerkschaft vereinbarten Arbeitsordnung hat die Firma die ihr wesentlich erscheinenden Grundsätze, nach denen die Arbeit im Betrieb geleistet werden soll, in einer eigenen Betriebsverfassung niedergelegt. Diese informiert jeden Betriebsangehörigen über den Geist, in welchem die oberste Geschäftsleitung den Betrieb führen möchte. Es ist der Geist einer objektiven Verantwortung gegenüber dem Betriebe und den in ihm Arbeitenden. Charakteristisch ist der Punkt sechs, welcher von den "Beziehungen der Werksangehörigen zu Untergebenen, zu Vorgesetzten und zur Geschäftsleitung" handelt. In den dazu gegebenen Ausführungen steht das "Verhältnis des Vorgesetzten zu seinen Untergebenen und der Untergebenen zum Vorgesetzten" im Mittelpunkt. Dieses Verhältnis soll getragen werden von Vertrauen, von der Achtung vor der Persönlichkeit des anderen Menschen, und vor allem soll es durchdrungen sein von absoluter Wahrhaftigkeit. Das ist in der Tat der Geist, der auch eine echte Betriebsgemeinschaft, von der in der Staedtlerschen Betriebsverfassung mehrmals die Rede ist, auszeichnet.

Unter den Gesichtspunkten, die in unseren Untersuchungen als maßgebend für eine echte Betriebsgemeinschaft entwickelt wurden, erhebt sich die Frage, ob durch die Staedtlersche Betriebsverfassung und durch die Art, wie sie sich die betriebliche Zusammenarbeit vorstellt, schon die Stufe einer vollendeten Betriebsgemeinschaft erreicht werden kann? Wer das Wesen einer solchen in ihrem Geiste nicht nur, sondern auch in ihren Voraussetzungen, die jenen Geist allein erzeugen können, erfaßt hat, der kann einsehen, daß es in einer vollendeten Betriebsgemeinschaft weder Vorgesetzte noch Untergebene geben kann. Das sind Kategorien der Über- und Unterordnung. Allerdings ist mit diesen Kategorien die moderne Unternehmung geschichtlich ins Dasein getreten. Das konnte geschehen, weil die aus dem Bauerntum hervorgehende Arbeiterschaft in der Ichkraft weit hinter dem bürgerlichen Unternehmertum zurückgeblieben war, weil sie unter dem Zwang zu arbeiten stand und dem Unternehmerwillen ohnmächtig unterlag. Inzwischen ist auch die Arbeiterschaft in der Icherkraftung fortgeschritten. Mit dieser Icherkraftung, mit der zur Übernahme von Verantwortungen bereiten Willensaktivität der ausführend Arbeitenden in Verbindung mit den geistigen Initiativen der leitend verantwortlichen Persönlichkeiten rechnet die echte Betriebsgemeinschaft. Sie besitzt jenen Grad einer betrieblichen Gemeinschaft, in der es nur leitend Tätige und ausführend Tätige gibt, nicht Vorgesetzte und Untergebene. In der technischen Unter- und Überordnung der Arbeitsvorgänge gibt es Weisungsberechtigte und Weisungsverpflichtete, denen praktisch entsprechen Weisungsgeber und Weisungsempfänger. In der Hierarchie der Verantwortungen ist der Weisungsempfänger dem Weisunggebenden unterstellt. Er ist aber nicht sein Untergebener, wenn er selber den Verantwortungsimpuls für seine Aufgaben in sich trägt, als freiwollende Persönlichkeit.

Wir stoßen uns keineswegs an dem Ausdruck "Untergebener". Er ist zutreffend für die tatsächlich in den Betrieben bestehende soziale Lage. Er kann sogar sachlich begründet sein, wenn er nicht machtmäßig, sondern geistig verstanden wird als das Verhältnis vom geistig Leitenden und die Arbeit Organisierenden zu den die Arbeitsanordnungen Ausführenden. Das ergibt dann ein geistiges Verhältnis von Über- und Unterordnung, kein rechtliches.

Ein ähnliches soziales Grenzverhältnis berührt der vielgebrauchte Ausdruck "Mitarbeiter". Auch er kennzeichnet zutreffend die heute im allgemeinen bestehende Lage. In einer wirklich assoziativen Betriebsverfassung gibt es keine Mitarbeiter. Mitarbeiter sind, wie das Wort sagt, Menschen, welche dem Unternehmer und den das Betriebsinteresse verkörpernden Autoritäten mit ihrer Arbeit helfend zur Seite stehen, ohne daß sie den Betrieb und seine Interessen innerlich tätig mitverantworten. In der wahren Betriebsgemeinschaft gibt es nur "Miteinanderarbeitende". In ihr sind alle Betriebsangehörigen gleichberechtigte "Mitglieder" der Betriebsgemeinschaft, die sie in ihrer Gesamtheit verkörpern. Sie tragen zwar dem Umfange nach verschiedene, jedoch sozial gleichwertige Verantwortungen. Die soziale Gerechtigkeit besteht in der Ordnung der sich wechselseitig bedingenden Verantwortungskreise. Wenn man für diese Zusammenarbeit der leitend Tätigen mit den ausführend Arbeitenden, insofern die letzteren aus der freien Arbeitsinitiative der corporativen Arbeitergesamtheit tätig werden, den Ausdruck Mitarbeiter einführen will, so gehören zu den Mitarbeitern auch die leitend Tätigen. Mitarbeiter sind dann alle gleichberechtigt im Betriebe Miteinanderarbeitenden.

Eine solche ideale Betriebsgemeinschaft steht natürlich nicht am Anfange einer ins Leben tretenden Unternehmung. In der Praxis sieht das normalerweise so aus, daß ein Betrieb aus der Unternehmerinitiative gegründet wird, und daß er dann die seine Produktionsideen Ausführenden zunächst in der Form von Mitarbeitern suchen muß. Diesen Mitarbeitern obliegt es dann, wenn die Betriebsverhältnisse sich konsolidiert haben, sich corporativ zusammenzuschließen, um gemeinsam die Verantwortung der von ihnen zu leistenden Arbeiten zu übernehmen - als eine dem Unternehmer ebenbürtige Leistungsgemeinschaft.

   Eine vollendete Betriebsgemeinschaft kann deshalb der Unternehmer von sich aus überhaupt nicht herstellen oder organisieren. Er kann nur die Voraussetzungen für eine solche von seiner Seite aus schaffen. Er kann vor allem auch erzieherisch dahin wirken, daß die Arbeitenden ihre corporative Arbeitsverantwortung ergreifen. Wenn sie das nicht tun, ist eine Betriebsgemeinschaft im strengen Sinne noch nicht möglich. An deren Stelle erscheint dann das Verhältnis von Vorgesetzten zu Untergebenen. Der Badersche Commonwealth ist ein Versuch, in den Arbeitenden eine corporative Verantwortung zu erzeugen, und zwar zunächst auf dem Umwege einer gesamtbetrieblichen Verfügung über den Betriebsertrag. Das hat sich dann weiter auch auf den Fabrikationsbetrieb ausgewirkt, wo sich freiwillige Gruppenverantwortungen herauszubilden begonnen haben. Das sind die Früchte einer vieljährigen Betriebspädagogik gewesen.

Was das erzieherische Bestreben gegenüber der Belegschaft angeht, so hat der Betriebsleiter Dr. Kreutzer gerade diese Aufgabe in den Vordergrund gestellt. Er ist bemüht, in seinen Mitarbeitern den Geist zu entwickeln, der in einer Betriebsgemeinchaft herrschen muß. Dieser Geist kann nur entbunden werden aus einer Erweckung der Persönlichkeitskraft im Menschen. Das wurde von dem Chef der Staedtler-Werke, Dr. Kreutzer, klar erkannt und an die Spitze einer Abhandlung gestellt, die er in der Werkszeitung, den "Staedtler Nachrichten" vom März 1954 unter der Überschrift "Die ideale Betriebsgemeinschaft" veröffentlicht hat. Der erste Teil dieser Abhandlung wendet sich an die Persönlichkeit des einzelnen Betriebsangehörigen und macht sie darauf aufmerksam, wie sie ihre Anlagen entwickeln kann, wie sie eine Selbsterziehung üben muß, und wie sie aus ihren Phantasiekräften sich zu Idealen erheben sollte. Die Herbeiführung einer Betriebsgemeinschaft ist in der Tat ein solches soziales Ideal.

Kreutzer ist dann der Ansicht, daß der Betrieb dem Arbeitenden, der in ihm den größten Teil seines tagwachen Lebens verbringt, zu einer Heimat werden müsse. Den Begriff "Heimat" muß man hier von Grund aus umdenken. An die Stelle der naturhaft durch Blutsbindungen bewirkten menschlichen Gemeinschaft muß die bewußt aus dem Verantwortungsorganismus des Zusammenwirkens von Betriebsleitung und ausführend Tätigen sich erzeugende menschliche Tatgemeinschaft treten. Ebenso können die lebendigen, menschenvereinenden Kräfte des gemeinsam erlebten Bodens nicht von den toten Produktionsmitteln ausgehen. Diese bilden zwar auch den Boden des Betriebs, aber das vereinigende Element entsteht hier erst durch die gemeinsame Arbeit an und mit ihnen. Diese Gemeinsamkeit kann nur verwirklicht werden durch die soziale Institution des Nutzungseigentums an den Produktionsmitteln. In diesen beiden, dem verwandelten Bluts- und Bodenprinzip entsprechenden Richtungen kann sich das Gemeinschaftswesen in einem sozial durchgestalteten Betriebe ausbilden. Nur in einem übertragenen Sinne kann hier von Heimat gesprochen werden.

Zum Schluß fragt Kreutzer: "Wie sieht nun unsere ideale Betriebsgemeinschaft, die auf gegenseitige Hilfe gegründet ist, im einzelnen aus?" Vier Wesenszüge macht Kreutzer für sie geltend: 1. daß der Mitarbeiter als Mensch voll anerkannt wird, 2. daß er seinen Fähigkeiten entsprechend in die Arbeitsverhältnisse eingeordnet wird, 3. daß das Klima des Betriebes von Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit bestimmt wird, 4. daß Verantwortungsfreudigkeit und innere Selbständigkeit gefordert werden mit dem Ziele der "höchsten Verantwortlichkeit jedes einzelnen für das Ganze". Dazu ist zu sagen, daß man bei der Charakteristik einer Betriebsgemeinschaft scheiden muß das, was ihre Bedingungen sind und was ihren Inhalt bildet. Die Punkte 1 und 3 handeln von den Bedingungen einer jeden Betriebsgemeinschaft, die da sind Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit. Der Punkt 2, der die persönlich richtige Einordnung in die Arbeitsprozesse fordert, gehört jenem Gebiete an, das allgemein als die soziale Technik der Arbeitsordnung zu gelten hat. Allein der Punkt 4, der von der Verantwortung handelt, führt zum Inhaltlichen der Betriebsgemeinschaft. Kreutzer appelliert zunächst an die Verantwortungsbereitschaft des Einzelnen, geht dann aber weiter und fordert beste Verteilung, Gliederung und Zusammenwirkung aller einzelnen Verantwortungen.

Auf diese Weise kann man den Inhalt einer echten, idealen Betriebsgemeinschaft charakterisieren. Aber damit weiß man noch nicht, wie sie unter den bestehenden menschlichen Gegebenheiten erreicht wird, das heißt wie die notwendigen Verantwortungen übernommen werden können. Wenn man sie vom Einzelnen her kennt, kann man zur Wirklichkeit und zur Verwirklichung der Übernahme von solchen Verantwortungen nicht voll vordringen. Die Verantwortungen bleiben isoliert und werden auf den Einzelnen beschränkt. Die Einzelverantwortung besteht zu Recht bei dem führenden und leitenden Geist des Unternehmens. Für die Arbeitenden gilt sie zwar auch, aber es genügt nicht, nur diesen Impuls der individuellen Verantwortung zu fordern. Der funktioniert letzten Endes doch nur aus dem Lohninteresse und dem Zwang der Arbeitsordnung. Das von Kreutzer aufgestellte Ideal der Verantwortung für das Ganze kann von seiten der Arbeiterschaft des Betriebes nur corporativ verwirklicht werden. Das ist nicht leblose Theorie, sondern folgt aus dem Wesen der Arbeiterschaft und der ihr eigentümlichen Seelenverfassung, die auf das brüderliche Element in der Zusammenarbeit veranlagt ist.

Kreutzer erkennt mit aller Deutlichkeit das Problem der Cooperation der Verantwortungen und fordert Beratungsgremien, um sie zu erreichen. Seine Darlegungen gipfeln in dem Bekenntnis: "Der ideale Betrieb des 20. Jahrhunderts ist der konsultative an Stelle des bisherigen hierarchischen oder autoritären." Das ist zweifellos das Äußerste, das Maximum, das auf der Stufe des Prinzips der Individualverantwortungen überhaupt erreicht werden kann. Aber es nicht die letzte und höchste Stufe, auf welcher die Individualverantwortungen der einzelnen Unternehmer mit der corporativen Verantwortung der Arbeitergesamtheit des Betriebes als Leistungsgemeinschaft eine Verbindung eingehen müssen. Eine auf dieser Grundlage sich bildende Betriebsgemeinschaft kann zum Ideal werden in jeder Einzelseele, sei es der Unternehmer, sei es der Arbeitenden.

Wenn in dem Staedtlerschen Betrieb die assoziative Stufe also nicht erreicht ist, so kann das niemals allein an der Betriebsleitung liegen. Sie kann das Ideal der Betriebsgemeinschaft nur so weit verwirklichen, als ihrem Bestreben die Geneigtheit, die persönliche Reife und der corporative Verantwortungswille der Arbeiterschaft entgegenkommen. Wie es sich damit verhält, darüber wird noch am Schlusse dieser Schrift etwas gesagt werden müssen. Die vom Wissen um das im allgemeinen Wesentliche getragenen Bestrebungen des Staedtlerschen Betriebes haben jedenfalls dahin gewirkt, ein gutes Betriebsklima zu erzeugen und bei einzelnen Betriebsangehörigen den Willen zu selbständiger Betätigung zu wecken.1 Die damit bei Einzelnen sich hervorwagenden Persönlichkeitskräfte sind aber dieselben, aus denen schließlich die corporative Verantwortung der auszuführenden Arbeiten hervorgehen müßte. Ehe der Betrieb sich nicht zu dieser Stufe erhebt, kann auch das Lohnverhältnis nicht wirklich überwunden werden. Das ist es bei Bader auch noch nicht, aber noch weniger bei Spindler, Staedtler und anderen Betriebsreformern. Es besteht weiter und mit ihm der Lohnegoismus als überwiegend alleiniger Arbeitsantrieb. Was aber die soziale Seite betrifft, so wird durch die partnerschaftlichen und die ins Associative verstoßenden Bemühungen in Verbindung mit einer nicht nur scheinhaften, sondern tief überzeugten Achtung von der unantastbaren Persönlichkeit eines jeden Menschen das Lohnverhältnis langsam entschärft und gesinnungsmäßig erschüttert, indem ihm der Stachel der Ausnutzung der Arbeitskraft für eine persönliche Bereicherung genommen wird.

1Es sei noch bemerkt, daß bei Staedtler, ohne Zusammenhang mit der Stiftung, eine Gewinnbeteiligung besteht, welche traditionsgemäß bis in das Jahr 1904 zurückreicht.

 
Das Speickwerk Walter Rau

www.speickwerk.de/

Dem Unternehmer Walter Rau war besonders daran gelegen, seinen Betrieb als einen kleinen sozialen Organismus zu gestalten. Dabei leitete ihn die Idee der "Dreigliederung des Sozialen Organismus", wie sie Rudolf Steiner für die Gestaltung des großen sozialen Organismus als den von der Zeit geforderten Weg zur Gesundung der sozialen Verhältnisse in vielen Schriften und Vorträgen entwickelt hat. Der große soziale Organismus steht vor der Aufgabe, seine drei Lebensbereiche: das Wirtschaftsleben, das Rechts- und Staatsleben und das Kulturleben als drei eigene soziale Sphären gegeneinander abzugrenzen. Deren grundverschiedenes inneres Wesen verlangt, daß sie praktisch nach drei grundsätzlich verschiedenen Prinzipien sozial gestaltet werden. Das unterste Glied des sozialen Organismus, von welchem dieser in allen seinen drei Gliedern materiell getragen wird, haben wir im Wirtschaftsleben vor uns. Sachlich gesehen, handelt es sich in der Wirtschaft um die Erzeugung von materiellen Gütern und deren Überführung an die Menschen, die als Verbraucher ihrer bedürfen. Menschlich gesehen, vollzieht sich sowohl die Erzeugung wie die Übertragung der Güter in sozialen Akten der Zusammenarbeit und des Verkehrs. In den Stätten der wirtschaftlichen Erzeugung und des Handels müssen Menschen in der verschiedensten Weise sich verbinden und zusammenarbeiten. Das müssen sie ebenso, wenn sie die überbetrieblichen Zusammenhänge, die den Einklang zwischen dem Güterbedarf und seiner Deckung zum Ziele haben, mit Bewußtsein regeln wollen.

Das oberste Glied steht in Polarität zum untersten; es gründet nicht in der Erdenarbeit, sondern in den geistig schaffenden Tätigkeiten der Menschen auf wissenschaftlichem, künstlerischem und religiösem Gebiete. Auf die Erdenverhältnisse bezogen, bringen diese Tätigkeiten das Kulturleben hervor und schaffen eine Welt des objektiven Geistes, wie Hegel sagt. Dieses geistige Leben der Menschheit möchte der Marxismus aus dem Wirtschaftsleben ableiten. Damit negiert er die selbständige geistige Seite der menschlichen Existenz und das Prinzip ihrer sozialen Gestaltung: die Freiheit. Nicht das Wirtschaftsleben, sondern das Geistesleben ist der Ort, wo das Prinzip der individuellen Freiheit gilt. Im Wirtschaftsleben gilt es nur da, wo eine schöpferische Tätigkeit entfaltet wird. Der Sozialcharakter des Freiheitsprinzipes ist gewissermaßen negativ, indem das soziale Verhalten hier darin besteht, dem Menschen die geistige Betätigung frei zu geben und nicht einen politischen oder sonstigen Zwang auf ihn auszuüben, der vorschreiben will, was man denken soll und was man aussprechen darf.

Zwischen diese beiden Glieder des sozialen Organismus stellt sich ein mittleres Glied, in welchem das Verhältnis von Mensch zu Mensch geregelt wird in allen seinen Beziehungen, d. h. nicht nur, wie es sich im gewöhnlichen Verkehr abspielt oder im familienhaften und sonstigen gesellschaftlichen Zusammenleben, sondern auch in den Formen, die es im Wirtschaftsleben und im Geistesleben annimmt. Die Regelung der eigentümlich menschlichen Seite im menschlichen Zusammenleben geschieht durch die Rechtsordnung, welche der Staat zu vertreten und für deren Einhaltung er mit seinen Machtmitteln zu sorgen hat. In diesen rechtlichen Ordnungen - und nur in diesen - gilt der Grundsatz der absoluten Gleichwertigkeit aller erwachsenen und mündigen Menschen. Jeder Mensch trägt in sich das Gefühl für das, was Recht und was Unrecht ist. Auf diesem Gebiete ist er ohne weiteres urteilsfähig. In oder Rechtsordnung werden die rechtlichen Verhältnisse zwischen den Menschen bis hinein in die einzelnen konkreten Lebenslagen fest geordnet. Und da das Menschliche in allen drei Gliedern des sozialen Organismus wirksam ist, so durchzieht die rechtliche Ordnung auch das Wirtschaftsleben und das Geistesleben.

Diese weltgesetzliche Dreigliederung des sozialen Organismus hat Rau auf den Wirtschaftsbetrieb übertragen, um ihn, wie er sagt, "als einen kleinen sozialen Organismus in dem großen sozialen Organismus leben zu lassen". Seit 1948 hat er damit begonnen, dieses Ziel in die Tat umzusetzen. Als erstes wurde ein "Kollegium" als Organ des Geisteslebens aus dem Betriebe herausgegliedert. Für den Unternehmer als geistigen Leiter der Unternehmung lag es nahe, hiermit zu beginnen. Das Kollegium umfaßt 9 Personen, und es kann jeder Betriebsangehörige, der geistig und charakterlich die Voraussetzungen mitbringt, in dasselbe berufen werden. Der Leiter ist der Firmenchef. Das Kollegium verkörpert nicht die Geschäftsleitung, sondern es beschäftigt sich lediglich mit der "Erörterung allgemeiner Probleme, die den Gesamtbetrieb betreffen". Die Fülle der sich hier ergebenden Fragen hat dazu geführt, daß 1958 fünf Arbeitsgruppen, die sich mit Sonderfragen beschäftigten, gebildet wurden. In ihnen wurden einzelne in der Betriebspraxis sich ergebende Probleme behandelt und für ihre praktische Verwirklichung vorbereitet. "Das Kollegium ist somit ein Organ der Bewußtseins- und Urteilsbildung im Betriebe."'1

1Vgl. "Feinseifenwerk Walter Rau & Co." in der Zeitschrift "AGPMitteilungen der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft e. V.", IX. Jahrgang, Nr. 5, vom 1. Juli 1961.

diese Weise werden das ganze Betriebsgeschehen und seine Probleme fortlaufend allen Betriebsangehörigen zum Bewußtsein gebracht. Dieses Durchschauen aller Betriebsvorgänge verschafft den Arbeitsleistern jene Sicherheit, welche die geistige Beherrschung einer Sache mit sich bringt. Dasselbe strebte Spedan Lewis unter der Devise "sharing knowledge" an, weil er darin eine wichtige Voraussetzung für die Erweckung des Betriebsinteresses erkannt hatte.

Das zweite Organ, dem mittleren Gliede des sozialen Organismus entsprechend, wurde 1954 als "Rechtshelferschaft" gebildet. Den Anstoß dazu gab kurioserweise die Tatsache, daß unter der 200köpfigen Belegschaft sich nichtgenügend Bewerber fanden, um den Betriebsrat mit der gesetzlich vorgeschriebenen Mitgliederzahl aufzustellen. So wurde 1954 aus oder Arbeiter- und Angestelltenschaft ein Kreis von 12 Menschen berufen, zu denen 4 Vertreter der Geschäftsleitung hinzukamen. Diese letzteren können bei den für die Rechtssphäre geltenden demokratischen Methoden durchaus überstimmt werden, da auch sie nur eine Stimme haben. Dieselbe Situation fanden wir auch bei Bader und Spedan Lewis. In ihr drückt sich das Vertrauen zu den Rechtsgefühlen oder Menschen aus. Der Rechtshelferschaft bei Rau obliegt die verantwortliche Behandlung und auch Entscheidung aller im Betriebe rechtlich zu regelnden Verhältnisse. Nach der genannten Abhandlung umfaßt sie folgende Aufgabenbereiche: Arbeitszeit, Arbeitsmaß, Arbeitsordnung, Urlaub, Arbeitsversäumnis, Wohlfahrtseinrichtungen, Versicherungsangelegenheiten, Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Einstellungen und Entlassungen, Beschwerderecht, Tarifinterpretation, Formen der Ertragsbeteiligung usw. "Im Endziel soll die Einrichtung der Rechtshelferschaft dazu führen, daß sie die Arbeitsbedingungen autonom festsetzt."

Für die sachliche Regelung der Wirtschaftsprozesse, deren Hauptinhalt die Organisation der Arbeitstätigkeiten der Handelstätigkeiten bei Kauf und Verkauf, aber auch die unmittelbar praktischen Organisationsgedanken zur Ausführung der leitenden Betriebsbeschlüsse bilden, wurden "Organe des betrieblichen Wirtschaftslebens geschaffen. Sie besitzen den Charakter von "Geschäftsleitungsbesprechungen" und von "Abteilungsleiterbesprechungen". Durch sie soll eine reibungslose Zusammenarbeit aller Mitarbeiter und Instanzen des Betriebes gesichert" werden. In diesem Zusammenbange wurde außerdem eine Einrichtung getroffen, die alle Mitarbeiter umfaßt. Es sind das die monatlich einmal abgehaltenen "Werkstunden", in denen die gesamte Belegschaft informiert wird über die Produktionstechnik, Materialprobleme und auch über die Sozialleistungen. Auf

Um dieser dreifachen Betriebsgliederung eine Wirksamkeit zu geben, der keinerlei Mißtrauen in die Ehrlichkeit der Absichten entgegengebracht werden konnte, hat der Firmenchef nicht nur eine hohe übertarifliche Bezahlung der Löhne und Gehälter eingeführt, sondern auch eine Ertragsbeteiligung, daneben eine Fülle einzelner Einrichtungen, welche :die Persönlichkeitsentfaltung und die geistige Bildung der Arbeitsleistenden fördern sollen. Als Grundvoraussetzung für die praktische Wirksamkeit aller dieser Organisationen und Einrichtungen hat der Firmenchef klar erkannt, daß vom Eigentümer des Betriebes "der Grundsatz des Treuhandeigentums in irgendeiner Form praktiziert" werden muß. Das ist vorläufig noch nicht durch irgendeine feste Institutionalisierung des Unternehmungskapitals geschehen, sondern es lebt nur als Gesinnung des leitenden Unternehmers in dem Gebaren der drei Betriebsorgane. In den Aufgabenbereich der Rechtshelferschaft würde gegebenen Falles auch die Rechtsgestaltung des Eigentums fallen.

Die Errichtung der drei Organe zur Gestaltung und Verwaltung des Betriebes, wie sie Rau vorgenommen hat, ist tief begründet in den Gesetzmäßigkeiten des sozialen Lebens. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von dem ab, was den Inhalt ihrer Besprechungen bildet. Das können ebensowohl Fragen der kommerziellen Betriebsverfassung sein, wie solche, die zu einer assoziativen Betriebsverfassung hinführen. Das geistige Kollegium könnte z. B. die Verwirklichung assoziativer Betriebsformen in den Mittelpunkt seiner Beratungen stellen. Das würde sich besonders auf die Tätigkeit des Rechtsorgans auswirken.

Die Rechtshelferschaft, deren zentrale Bedeutung für die menschliche Seite des Betriebes Rau klar erkannt hat, kann für unsere Untersuchungen anregend und aufschlußreich sein. Das zeigt sich schon, wenn man sie vergleicht mit dem Baderschen Commonwealth und der Partnerschaft von Spedan Lewis. Diese beiden Institutionen hatten wir als im Rahmen der Gesamtunternehmung verselbständigte Rechtsorganismen charakterisiert. Rau spricht von seiner Rechtshelferschaft als von einem Rechtsorgan. Als solches ist es noch nicht hinaufentwickelt worden auf die Stufe eines vollkommenen Rechtsorganismus. Es steht noch auf der Stufe eines Organs, durch welches die Rechtssphäre des Betriebes in eigene Verwaltung genommen worden ist, aber das ist sie nur bis zu einem gewissen Grade. Sie hat noch nicht in ihren Bereich gezogen die Eigentumsverfassung und die Gewinnverfügung.

Das Betriebseigentum liegt noch bei der Leitung des Unternehmens, jedoch in der Gesinnung der treuhänderischen Verwaltung desselben. Das Ziel ist von Rau klar erkannt worden. In den Niederschriften, die er zu den Sitzungen der Rechtshelferschaft verfaßt hat, steht an einer Stelle, die von der Wandlung des wirtschaftlichen Egoismus in "objektiven Gemeinsinn" handelt, daß dafür "das Haupthindernis im Westen das Privateigentum an den Produktionsmitteln" sei. "Ohne die Neutralisierung des Kapitals gibt es keinen entscheidenden Fortschritt, die Triebkräfte der Wirtschaft zu ändern. Die Wege dazu müssen gesucht werden. Eine erste Etappe die Betriebsbindung des Kapitals." - Das zweite Rechtsgebiet, welches die Rechtshelferschaft noch nicht in eine rechtliche Selbstverwaltung genommen hat, ist die Verfügung über den Gewinn. In dieser Hinsicht steht der Rausche Betrieb noch auf der Stufe der - allerdings sehr großzügig gehandhabten - Gewinnbeteiligung.

Die Weiterführung der augenblicklichen Stufe der Rechtshelferschaft hängt nun keineswegs allein von dem guten Willen der Betriebsinhaber ab, sondern genauso von der Bewußtseinsstufe und Bereitschaft der Arbeiterschaft, die zu zwei Dritteln aus Frauen besteht. Es ist ebenso fesselnd wie aufschlußreich, wenn man aus den Niederschriften von Rau erkennt, in welchem Maße er bemüht ist, das Rechtsbewußtsein unter den Betriebsangehörigen zu wecken und in ihnen den Willen zum Mittragen der Betriebsvorgänge anzuregen. Darüber soll einiges angeführt werden, damit erkannt wird, um wie viel tiefer man in Deutschland im Vergleich zu England schürfen muß, um den Arbeiter an den Betrieb zu binden. In England werden soziale Verhaltensweisen weitgehend aus der Befriedigung der ökonomischen Interessen impulsiert; in Deutschland ist die soziale Wirklichkeit und ihre Erzeugung Eigenzweck und besitzt Selbstwert. Das ist ein sehr bedeutsamer Unterschied, der die Herstellung einer sozialen Ordnung in Deutschland viel schwieriger macht als in England.

Hören wir einmal, wie Rau die Dinge sieht und darstellt, mit denen er zu ringen hat. Wir entnehmen seinen Niederschriften einiges, was er in ihnen ausgeführt hat. "Die Wirtschaft hat sich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts - seit dem Kraftloswerden des Zinsverbots - als drittes Glied des sozialen Organismus nach ihren eigenen Gesetzen entwickelt. Das Gesetz war: der Egoismus als Antrieb der Wirtschaft. Das war wohl berechtigt. Denn mit dem Egoismus trat der Besitz als neue Wirtschaftskategorie auf. Und im Besitz landete das Ich in der Wirtschaft. Die Iche als Träger wirtschaftlichen Fortschritts haben die moderne Industriegesellschaft geschaffen; sie haben aber auch die sozialen Mißstände hervorgerufen, aus denen dann der Sozialismus geboren wurde." Dieses Wirtschaftsleben hat dazu geführt, "daß im heutigen Betrieb sich immer gegenüberstehen zwei Parteien: Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dadurch ist ein Gegensatz entstanden, geschichtlich völlig begreiflich. Der Gegensatz entwickelt sich aus dem Oben-Unten-Verhältnis, das aus der Frühzeit des industriellen Zeitalters stammt, das aber heute durch die Gesetzgebung weitgehend gegenstandslos gemacht wurde. Trotzdem erhält sich heute noch der Klassenkampf - er zieht seine Kraft aus den Eigentumsverhältnissen." .,Heute sieht man zunächst das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer als den Gegensatz von Kapitalist/Unternehmer und Lohnarbeiter. Und das stimmt in dem Maße, als der Egoismus auf beiden Seiten vorherrscht."

Rau zieht aus diesen Erkenntnissen die entscheidende Folgerung, daß der Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in eine Polarität verwandelt werden muß. Diese prinzipielle Notwendigkeit haben wir in unseren Untersuchungen dargelegt. Rau kontrastiert den Begriff der Polarität mit dem des Gegensatzes zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. "Der Gegensatz bedeutet Kampf. Die Träger zweier entgegengesetzter Interessenrichtungen bekämpfen sich. Die eine Richtung siegt, oder es entsteht ein Spannungsverhältnis mit labilem Gleichgewicht. Das erstere ist im Osten verwirklicht, das zweite wird im Westen praktiziert." Die Versöhnung der Polaritäten verschiebt Rau auf eine höhere Ebene, auf welcher das egoistische Wesen beider Betriebsgegner oder Betriebsparteien sozusagen verschmilzt, insoweit es im Interesse am Ganzen aufgeht. Dabei bleiben die privaten Egoismen in ihrem Bereich bestehen. "Mit der Verwandlung des Egoismus als Triebkraft ist der Gegensatz auf ein anderes Niveau gehoben - nicht aufgehoben: das Interesse des Ganzen steht dem Interesse der Einzelnen gegenüber. Und das sind die Pole in der Rechtshelferschaft." Durch drei Fragen wird diese Polarität erläutert. "1. Schließen die Interessen des Ganzen und der Einzelnen im Betrieb sich aus? 2. Kann man versuchen, sie gleichzuschalten, wie das die Partnerschaftsbewegung versucht? Aber das ist eine Gleichschaltung bei Fortbestehen des egoistischen Antriebs. 3. Oder gibt es ein Gesamtinteresse, das die Einzelnen umfaßt?" Ein solches Gesamtinteresse gibt es natürlich. In der Betriebsgemeinschaft wird es Wirklichkeit.

Wenn wir nun die sozialen Möglichkeiten der von Rau verwirklichten Betriebsverfassung richtig einschätzen wollen, so müssen wir etwas bedenken, was auch in den bisher besprochenen Fällen bedacht werden mußte, daß nämlich die gesamte Initiative zu den geschilderten Einrichtungen allein vom obersten Leiter des Betriebes, also von Rau persönlich als dem Chef der Firma, ausgeht. Nirgends wird bemerkt, ob und was von der Arbeiterseite seinen Bestrebungen aus deren eigener Initiative entgegengekommen ist. Vielmehr war es notwendig, die sogenannten Mitarbeiter immerfort anzuregen, selbständig Verantwortungen zu übernehmen und in den vom Firmenchef geschaffenen Organen tätig mitzuarbeiten. Die Bedeutung der Schritte, die Rau auf dem Wege zu einer sozialen Betriebsgestaltung getan hat, kann man ermessen, wenn man sich einmal vergegenwärtigen würde, was geschehen wäre, wenn Rau sein ideales Wollen nicht verwirklicht hätte. Es wäre dann gar nichts geschehen. So aber ist doch eine Pionierleistung vollbracht worden. Nur muß man sich bewußt bleiben, daß eine tiefere, den Betrieb von Grund aus erfassende und durchdringende Betriebsgemeinschaft nur entstehen kann, wenn die Initiativen zu ihr von beiden Seiten ausgehen und sich vereinigen. Kommen sie nur von einer Seite, und bleibt der andere Pol mehr oder weniger passiv, sind dem Versuch Grenzen gesetzt und können Enttäuschungen sich einstellen.

In einigen Überlegungen, die Rau über Recht und Macht anstellt, kommt er zu Feststellungen, die pessimistisch stimmen können. Er sagt: "Man muß sehen lernen, wie das Verhältnis von Recht und Macht im heutigen sozialen Organismus nach einer neuen dreigliedrigen Lösung drängt; man muß aber auch-. klar sehen, wie die heutige Verfassung der Menschen eine solche Lösung schwer, ja fast undurchführbar macht." Die soziale Gestaltung im Betriebe von Rau kann auch dadurch speziell erschwert werden, daß der Betrieb zu zwei Dritteln Frauen beschäftigt. Sind sie sehr jugendlich und unverheiratet, so liegen ihre Interessen außerhalb des Betriebes; sind sie verheiratet, also Hausfrauen, so ist das ebenso. Aber dann kommt allgemein in Betracht, was Rau die "heutige Verfassung der Menschen" nennt. Darüber sollen im Schlußkapitel noch Betrachtungen angestellt werden, um alles, was über die ideale soziale Betriebsverfassung in dieser Schrift ausgeführt wurde, ganz auf den Boden der Wirklichkeit zu stellen.

 
Die optischen Werke Carl-Zeiss

www.zeiss.de
www.zeiss.de (Carl-Zeiss-Stiftung)

Die Zeiss-Stiftung ist weltberühmt geworden. Ihre Gründung fällt in das letzte Drittel des XIX. Jahrhunderts. Im Jahre 1889 beschloß Ernst Abbe, sich seines Betriebsvermögens zu entäußern und es auf eine Stiftung zu übertragen, der er den Namen seines verstorbenen Partners und Freundes Carl Zeiss gab. Eine genaue Darstellung der Vorgänge hat kürzlich Walter David in den "Zeiss-Mitteilungen" vom Juni 1964 gegeben. Die Stiftung hat in sich vereinigt das Unternehmen Carl Zeiss und das Unternehmen Jenaer Glaswerk Schott & Genossen. Diese beiden Firmen wurden zur Gänze in die Stiftung eingebracht, so daß die Stiftung die Unternehmerin zweier Einzelfirmen wurde. Eine etwas eingehendere Darstellung dieser Art von Neutralisierung des Kapitalkomplexes und seiner Erträge findet sich im Kapitel 34 dieser Schrift.

Es kennzeichnet die Errichtung der Carl-Zeiss-Stiftung, daß sie aus der Initiative einer moralisch und geistig überragenden Persönlichkeit entsprungen ist. Der Stiftungsimpuls Ernst Abbes wurde getragen von einer Reaktion gegen die kommerzielle Betriebsverfassung aus einem Gerechtigkeitserlebnis, ähnlich dem von Spedan Lewis, dem Begründer der John-Lewis-Partnership. Wie dieser wurde Abbe durch den ihm aus seinen Betrieben zufallenden immer größer werdenden Reichtum in seinem Gewissen beunruhigt. Abbe "kam zu der Überzeugung, daß die Betriebsinhaber diesen Reichtum nicht allein erschaffen hatten, sondern daß die Unternehmergewinne` das Ergebnis der organisierten Zusammenarbeit aller Arbeiter und Angestellten, also das Ergebnis einer Cooperation seien". (David, S. 206.)

Die Stiftungsform, in die man eine Unternehmung kleiden kann, sagt nichts über die soziale Verfassung, die in einem Stiftungsunternehmen verwirklicht wird. Ein Stiftungsunternehmen kann durchaus kommerziell im Lohnverhältnis geführt werden, es kann aber auch partnerschaftliche Elemente in sich aufnehmen und kann auch zu einer vollen Betriebsgemeinschaft ausgestaltet werden.

Als Carl Zeiss das Stiftungsstatut verfaßte, hat er in den Paragraphen 56 bis 99 das Rechtsverhältnis der Angestellten und Arbeiter in den Stiftungsbetrieben genauestens geordnet. Das geschah in einer für die damaligen Zeiten aufsehenerregenden sozialpolitischen Großzügigkeit. Dieser Teil des Statuts wurde 1955 mit einigen zeitgemäßen Modifikationen, als die Betriebe nach Heidenheim und Oberkochen verlagert worden waren, beibehalten. Die Arbeitsorganisation der Zeisswerke beruht nach wie vor auf dem Lohnverhältnis. Es heißt im § 57: "Das in den Stiftungsbetrieben durch den Dienstvertrag begründete Pflichtverhältnis der Geschäftsangehörigen zur Stiftung, zu ihrer Firma und zu allen Vorgesetzten erstreckt sich lediglich auf die vertragsmäßigen Arbeitsleistungen und die sonstigen Dienstgeschäfte ..." Im § 61 wird direkt vom Lohnverhältnis besprochen.

Andererseits aber waltet in der Ausgestaltung dieses Lohnverhältnisses in vieler Hinsicht eine besondere Großzügigkeit. Es sind nicht nur die verschiedenen Vergünstigungen hervorzuheben, die gewährt werden im Falle von Betriebsstörungen, die unabhängig vom Willen der Firma für längere oder kürzere Zeit eintreten können (§ 85), sondern es wird auch die Tendenz entwickelt, Anstellungen auf Lebenszeit (§ 59) zu ermöglichen. Da der Gewinn an die Stiftung geht, werden die Jahreseinkommen der Geschäftsleitung dahin begrenzt, daß sie nicht das Zehnfache eines durchschnittlichen jährlichen Arbeitseinkommens der 24 Jahre alten "im gewöhnlichen Lohnverhältnis stehenden Arbeiter aller Stiftungsbetriebe" überschreiten dürfen (§ 94). Und schließlich geht an die Belegschaft ein Teil des Betriebsergebnisses, der von Abbe als Lohn- und Gehaltsnachzahlung aufgefaßt wurde. Das hat bislang für den Einzelnen mehr als einen halben Monatslohn ergeben. Es wird angestrebt, einen ganzen Monatslohn zu erwirtschaften. Für diese Nachzahlungen werden monatliche Rückstellungen gemacht, die in die Kostenrechnung eingehen (§ 98). Es kommen noch hinzu die hohen Pensionszahlungen, die als eine Lohnergänzung gewertet werden können.

Abbe hatte für die Verwendung der Betriebsergebnisse der Stiftungen zwei Aufgaben gestellt. Erstens sollten die Betriebserträgnisse zum Teil den in der Firma Tätigen zufließen. Das geschieht in der Form der eben genannten Lohn- und Gehaltsnachzahlungen. Zweitens sollten die Betriebsergebnisse jene Einrichtungen fördern, denen der Wirtschaftsbetrieb seine geistigen Voraussetzungen verdankt, also den Schulen, den Wissenschaften und insbesondere damals der Universität Jena, auf der Abbe seine Ausbildung als mathematischer Physiker erfahren hatte und die ihm die großen Entdeckungen auf optischem Gebiete möglich gemacht hatte.
Diese Dotationen an das Kulturleben konnte die Stiftung seit der Verlagerung von Jena nach Heidenheim zunächst nicht mehr erfüllen, da alle Gewinne zur Abdeckung der Schulden des Neuaufbaues dienen müssen. Nur materielle Spenden in Form von Apparaten finden statt. Erst seit 1962 sind wieder höhere Ausgaben für Wissenschaft und Forschung aufgewendet worden.

 
Die Robert Bosch Werke


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Am 26. Juni 1964 wurde der testamentarische Wille des 1942 verstorbenen Begründers der Robert Bosch GmbH vollstreckt. In einem Wirtschaftsunternehmen, das in seinen Betrieben 75 000 Menschen beschäftigt, wurde dessen Kapitalwert in einer eigenen "Vermögensverwaltung Bosch GmbH" (heute Robert-Bosch-Stiftung) neutralisiert. Die letztere bestand schon seit mehreren Jahren mit einem Kapital von 25 Millionen DM. Ihre Gründung wurde sozusagen vollendet, indem ihr vom gesamten Stammkapital der Bosch GmbH weitere 117 Millionen DM zugewiesen wurden. Damit besitzt die Vermögensverwaltung vom gesamten Stammkapital der Firma, das 180 Millionen DM beträgt, nunmehr 155 Millionen DM.1 Sie hat das Recht, den Rest von 25 Millionen DM zum Nominalwert von den derzeitigen Inhabern zu erwerben. Diesen muß sie aus den Dividenden bezahlen, die ihr auf der Grundlage des Stammkapitals zufließen, soweit sie der Inhaber desselben ist. In den letzten Jahren hat die Bosch GmbH 6 Prozent Dividende verteilt, so daß die Vermögensverwaltung nach ihrem gegenwärtigen Kapitalbestande 9,3 Millionen DM jährlich bezieht. Die Verwendung der in die Vermögensverwaltung fließenden Dividendenbeträge ist, abgesehen von den Zahlungen für den Erwerb der restlichen GmbH-Anteile, ganz auf Gemeinnützigkeit abgestellt, wie bei einer Stiftung. Die gemeinnützigen Zwecke, die Robert Bosch gepflegt wissen wollte, umfassen die Gesundheitspflege mit besonderer Berücksichtigung der Homöopathie, die Volks- und Berufsbildung nebst Begabtenförderung, die Wohlfahrtspflege, die Völkerverständigung, Kunst und Kultur und speziell die Lehre und Forschung in den Geistes- und Naturwissenschaften. Wie diese verschiedenen Stiftungszwecke entstanden, darüber kann man das Nähere nachlesen in "75 Jahre Bosch", Bosch Schriftenreihe, Folge 9, 1961. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die sozial überpersönliche Gesinnung von Robert Bosch darin, daß er sämtliche Kriegsgewinne in Stiftungen anlegte, da es ihm aus innerster Seele zuwider war, am Kriege zu verdienen.

Obgleich der gesamte, in den Stammanteilen dargestellte Vermögenswert der Robert Bosch GmbH bei der "Vermögensverwaltung" liegt, ist diese doch ohne Einfluß auf den Geschäfts

1 Über die Neuordnung der Gesellschaftsverhältnisse unterrichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3.7.1964; ferner ein Sonderdruck der Stuttgarter Zeitung vom 3.7.1964; ferner die Werkzeitschrift "BoschZünder", Heft 8./9/10 1964.

betrieb, da sie keinerlei Stimmrecht besitzt. Dieses Stimmrecht ist fast völlig auf eine besondere Gesellschaft, auf die eigens für die Geschäftsführung gegründete "Robert Bosch Industriebeteiligungs GmbH" übergegangen. Ihr sind nur einige wenige Geschäftsanteile überlassen worden, die ihr jedoch von 70 Stimmen 60 gewähren. Die sieben Gesellschafter der Industriebeteiligungsgesellschaft sind prominente Persönlichkeiten, darunter zwei Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, und die übrigen sind Spitzenvertreter des Wirtschaftslebens, die auch schon früher dem Aufsichtsrat der Firma angehörten. Damit ist die Geschäftsführung, das heißt die ökonomische Nutzung des Produktionsmittelkomplexes gänzlich von der Vermögensverwaltung getrennt und auch dem Einfluß aller persönlichen Familieninteressen entzogen worden und damit verobjektiviert worden.

In der "Vermögensverwaltung" ist demnach das gesamte Nominalkapital der Firma neutralisiert worden. An sie wird der Gewinn der Firma in Gestalt der Dividenden weitergegeben. Von diesen Dividenden darf vielleicht behauptet werden, daß sie im großen und ganzen die in der Unternehmung hervortretende freie Kapitalbildung repräsentieren und daß es sozial richtig ist, wenn sie in das Kulturleben fließen. Was in dieser Form vor uns hintritt als die riesige Kapitalkonzentration der Weltfirma Robert Bosch GmbH in einer selbständigen StiftungsGmbH, wie man wohl sagen darf, ist ein Vorgang gewesen, der sich ausschließlich auf der Unternehmerseite des Betriebes vollzogen hat. Diese großartige, das Kulturleben finanziell befruchtende Schöpfung steht, soviel man sieht, in keiner unmittelbaren Beziehung zu der Betriebsverfassung, in welcher die 75 000 Beschäftigten der Firma tätig sind.

Robert Bosch war ein Unternehmertyp von der Art des Fr. Krupp, E. Abbe, J. M. Voith, den Gebr. Mahle u. a., die aus einer kleinen Werkstatt ein Weltunternehmen entwickelten. In ihrer Beziehung zu den Beschäftigten, mit denen sie zusammenarbeiteten, stand die Forderung höchster Leistungen an der Spitze. Andererseits fühlten sie sich tief verpflichtet, den Arbeitern und Angestellten jede Art von materieller Sicherung und Fürsorge in allen Lebenslagen angedeihen zu lassen. Vom Standpunkte ihrer materiellen Wünsche konnten die Arbeitenden sich befriedigt fühlen. Was in alten Zeiten aus einer patriarchalischen Seelenhaltung hervorging, das ist inzwischen unpersönlich und objektiv geworden. Bosch legte großes Gewicht darauf, nicht als patriarchalischer Unternehmer betrachtet zu werden; er wollte seine Arbeiter und Angestellten weder bevormunden noch betreuen. Er erkannte, daß sie freie und selbständige Persönlichkeiten seien, die als solche auch behandelt werden mußten. Bosch war der Überzeugung, daß nur dann seine Mitarbeiter Außergewöhnliches leisteten, wenn er ihnen Außergewöhnliches bot. Bezeichnend hierfür war seine Antwort, die er einmal einem Manne gab, der zu ihm gesagt hatte, als reicher Unternehmer könne er es sich ja leisten, seinen Arbeitern hohe Löhne zu zahlen: "Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle" ("75 Jahre Bosch" S. 33).

Die Einzelheiten der Arbeitsorganisation bei Bosch werden dargestellt in der Bosch-Schriftenreihe Folge 4 "Sozialpolitik bei Bosch" 1951. In der Gesinnung und dem Inhalte nach erinnert das in dieser Schrift enthaltene Kapitel "Der Mensch in der Arbeitswelt" in vieler Beziehung an Spedan Lewis, dessen soziale Überzeugungen wir darstellten. Bosch hat wie Lewis erkannt, daß alles davon abhängt, wie es gelingt, den arbeitenden Menschen mit seiner Arbeit und dem gesamten Betriebsgeschehen, mit seinen Mitarbeitern und den sogenannten Vorgesetzten zu verbinden. Die Schwierigkeit der Gestaltung der menschlichen Beziehungen und die Erzeugung eines guten Betriebsklimas wird klar gesehen und auch klar erkannt, daß es ohne den guten Willen der Mitarbeiter nicht geht. Allgemeine Vorbedingung für diesen ist die Befreiung der Mitarbeiter von Existenzsorgen, von Ängsten aller Art, ferner seine Vertrautmachung mit dem gesamten Betriebsgeschehen durch fortgesetzte Unterrichtung, um welche sich die seit 44 Jahren bestehende Werkszeitung "Bosch-Zünder" unausgesetzt bemüht.

Mit der bei Bosch vorgenommenen Kapitalneutralisierung sind jedoch nicht besondere Schritte zu einer sozialen Betriebsreform verbunden worden. Das Lohnverhältnis besteht weiter, wird jedoch abgeschwächt durch soziale Korrekturen von mancherlei Art. Solche kommen zum Ausdruck in der Gestaltung der Anstellungsverträge in der Richtung auf eine Lebensstellung, ferner in der möglichst weitgehenden Aufrechterhaltung des Anstellungsverhältnisses in Notzeiten und bei Arbeitsmangel, dann in der großzügigen Handhabung der Pensionszahlungen und der Hinterbliebenenfürsorge und dergleichen mehr. - Aber in das Zentrum der tieferen Gemeinschaftsbedürfnisse und Gemeinschaftsaufgaben des Arbeiterdaseins treffen alle diese sichernden und sorgenden Gestaltungsformen des Lohnverhältnisses nicht. Bosch wollte auf diesem Wege eine "Betriebsgemeinschaft" herbeiführen. Diesem Wunsche gab er Ausdruck, als er 1919 die Werkszeitschrift "Der Bosch-Zünder" erscheinen ließ.

Er schrieb damals: "Entsprungen ist er (der "Bosch-Zünder") dem Wunsch, die Angehörigen unseres Hauses mehr als früher teilnehmen zu lassen an dem Leben und Schicksal, den Sorgen und Hoffnungen des Unternehmens, dem sie sich anvertraut haben, dem sie ihre Arbeitskraft, ihr Wissen und Können widmen und dessen Zukunft auch die ihrige ist ... Dieser Überzeugung von unserer Arbeitsgemeinschaft zu dienen - unter Ablehnung jedes einseitigen Beeinflussungsversuches und unter Ausschaltung des Trennenden - das ist Zweck und Ziel dieser Blätter. Sie sollen Tatsachen berichten." (75 Jahre Bosch, Seite 49 f). Auch weiterhin blieb es das Ziel der Arbeitsorganisation bei Bosch, eine Arbeitsgemeinschaft aller Betriebsangehörigen zu erreichen. In der Schrift "Sozialpolitik bei Bosch" wird von "Leistungsgemeinschaft" gesprochen. "Was wir anstreben, ist daß alle sich im Betrieb als Glieder einer Leistungsgemeinschaft fühlen, die beide Sozialpartner einschließt und von der sie beide leben."

Nach allem, was wir in unseren Untersuchungen als die Voraussetzungen für die Entstehung einer Betriebsgemeinschaft und der sie tragenden Leistungsgemeinschaften erkannt haben, genügen die weitherzig bis an die äußerste Grenze des lohnpolitisch Möglichen führenden sozialpolitischen Einrichtungen noch nicht, um das große soziale Ziel der vollendeten Betriebs- und Leistungsgemeinschaften zu verwirklichen. Dessen ist sich auch der Verfasser von "Sozialpolitik bei Bosch" bewußt, wenn er dem oben zitierten Satz die weiteren Sätze anschließt: "Es ist nicht nur die Entwurzelung in der eigentlichen Arbeitswelt - hervorgerufen durch die Spezialisierung der Teilaufgaben - die diesem Ziele entgegenwirkt, sondern es kommen dazu schwerwiegende Hemmnisse von außen her. Das ist im letzten die gesellschaftliche Entwurzelung des Arbeiters, jener schwerwiegende Vorgang in unserem ganzen sozialen und politischen Leben, der den Arbeiter einmal hat zur Klasse werden lassen."

Was mit dieser Entwurzelung in den tieferen Schichten der Arbeiterseelen vor sich geht und was durch das Lohnverhältnis, selbst in seiner sozial veredelten Form nicht zu bewältigen ist, das soll in den folgenden Kapiteln noch näher untersucht und in seiner Tragweite beleuchtet werden.

Während der Drucklegung dieses Buches wurde bekannt, daß auch die Firma Mahle (s.u. weitere Beispiele), Stuttgart, ähnlich wie Bosch eine Neugestaltung ihrer Gesellschaftsverhältnisse vorgenommen hat.

 
Naturkostkette Alnatura

www.alnatura.de


 
Drogeriemarktkette dm

www.dm-drogeriemarkt.de/


 
GLS Gemeinschaftsbank

www.gemeinschaftsbank.de


 
Rentenversicherung Hannoversche Kassen

www.hannoversche-kassen.de


 
Die Kolbenhersteller Mahle

www.mahle.com
www.mahle.com (Stiftung)


 
Sekem, Ägypten

www.sekem.com


 
Handelshaus tegut

www.tegut.com


 
Heilmittelhersteller Wala

www.wala.de


 
Heilmittelhersteller Weleda (D)

www.weleda.de


 
Heilmittelhersteller Weleda (CH)

www.weleda.ch


 
Maschienenbau Voith

www.voith.com

"Die Lebensarbeit Hanns Voiths zeichnete sich durch Treue gegenüber dem Werk seiner Väter sowie durch Liebe und Sorge für die Mitarbeiterschaft aus. Als beide Brüder während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg starben, konnte der jetzt über 60-Jährige seine eigenen Intentionen frei verwirklichen. Seinen Impuls, das Kapital in einer Stiftung zu neutralisieren, konnte er wegen der Erben seiner Brüder, die als Mitgesellschafter an der Firma beteiligt waren, nicht verwirklichen."
Quelle: biographien.kulturimpuls.org