Landwirtschaft


Landwirtschaft - top-millenium-business
Die landwirtschaftliche Individualität
Unterschiede zwischen Landwirtschaft und Industrie
Die Landwirtschaft als Vorbild
Aufgabe von Regionen



Landwirtschaft
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Albrecht Thaer (1752-1828) prägte den Satz "Die Landwirtschaft ist ein Gewerbe wie jedes andere auch." Er trug auch maßgeblich dazu bei, den naturwissenschaftlichen Geist und marktwirtschaftliche Grundsätze in die jahrhundertealte Landwirtschaftsweise hineinzutragen.

Dennoch ist es bis heute nicht gelungen die Landwirtschaft in die wirtschaftlichen Schablonen einzupressen. Wo sie weitgehend industriemäßig betrieben wird und über die Massenproduktion versucht Gewinne zu erwirtschaften, gerät ihr leicht die Hauptaufgabe aus dem Blickfeld: die Erzeugung gesunder Lebensmittel.

Die europaweiten Seuchen der jüngsten Vergangenheit (BSE, MKS) sind hierfür ein deutlicher Beweis. Sicher ist in der Folge eine Zunahme des Biolandbaus zu begrüßen, doch sollte nicht verkannt werden, daß ein wirkliches Verständnis für die Landwirtschaft nötig ist.


Die landwirtschaftliche Individualität

Ist eine Landwirtschaft nur eine betriebswirtschaftliche Größe? Oder neigen Sie mit mir eher dem folgenden Verständnis zu, das Grundlage der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist:

"Nun, eine Landwirtschaft erfüllt eigentlich ihr Wesen im besten Sinne des Wortes, wenn sie aufgefaßt werden kann, als eine Art Individualität für sich, eine wirklich in sich geschlossene Individualität... Das heißt, es sollte die Möglichkeit herbeigeführt werden, alles dasjenige, was man braucht zur Hervorbringung, innerhalb der Landwirtschaft selbst zu haben, wobei zur Landwirtschaft der entsprechende Viehstand selbstverständlich hinzugerechnet werden muß." 327.42

Schon von außen eingebrachte Düngemittel, müßten eigentlich als Heilmittel einer erkrankten Landwirtschaft angesehen werden. Eine für die Hoffläche genügend große, aber auch nicht zu große Rinderherde sorgt eben nicht nur für Einnahmen, sondern über den betriebseigenen Dünger für eine ständige Erneuerung der Bodenfruchtbarkeit. Überhaupt ist eine ausgewogene Zahl der Tiere im Verhältnis zur Fläche eines Hofes eine der wichtigsten Kenngrößen einer biologischen Landwirtschaft.

Dieses Bild der Individualität bezieht sowohl in der Horizontalen (Gemarkung, Landschaft, Land, Erdteil) als auch in der Vertikalen (Erde und Kosmos) jeweils spezifische Einflüsse mit ein. Der Landwirt arbeitet daran, die dünne Humusschicht zwischen Himmel und Erde dauernd fruchtbar zu halten. Sie ist die Mitte des Hofes und im ökonomischen Sinne die Quelle der Wertschöpfung der Urproduktion. Alle Wertschöpfung außerhalb der Landwirtschaft hängt letztlich von dieser Quelle ab (s.u.).


Unterschiede zwischen Landwirtschaft und Industrie

Die Landwirtschaft kann nicht wie die Industrie auf immer neue Produkte ausweichen, sie ist bei der Auswahl an Pflanzen und Tieren an Boden und Klima gebunden. Die heutige Massenproduktion hat hierin ihren Grund, denn die landwirtschaftlichen Preise sind gegenüber denen der Industrie zu niedrig. Der Landwirt sucht sein Auskommen in Erzeugnissen, die mit einfachem Aufwand viel einbringen. Dabei leidet Vielfalt und Qualität.

In der Industrie herrscht eine gewisse Beliebigkeit, Flexibilität und Gleichgültigkeit. Sofern eine Arbeitsweise oder ein Produkt mehr Gewinn verspricht, wechselt man hierzu über. Hiergegen soll nichts gesagt werden. Diese Gesinnung aber auf die Landwirtschaft zu übertragen, untergräbt die Lebensbedingungen einer gesunden Landwirtschaft.

Eine weitere wichtige Tatsache ist, daß Handel, Gewerbe, Industrie und Dienstleistungen sich nur entwickeln konnten, dadurch, daß die Landwirtschaft den dort tätigen Menschen die unmittelbar am Boden notwendige Arbeit erspart. Die Landwirtschaft erarbeitet ständig Überschüsse, durch die der gesamte, vom Boden emanzipierte Bereich erhalten wird. Ziel einer gesunden Wirtschaft muß es sein, die Preisverhältnisse zwischen Landwirtschaft und Industrie so auszutarieren, daß der Aufwand einer industriellen Produktion annähernd dem Wert entspricht, den die Landwirtschaft erbrachte, damit die Menschen für diese Produktion arbeiten konnten. Dies ist heute nicht der Fall und sollte durch die soziale Dreigliederung geändert werden.

"Daher ist das erste, daß hintendiert werde auf Assoziationen, die sich bilden gerade aus der Landwirtschaft heraus mit verschiedenen Zweigen der Industrie. ...aber so sich bilden, daß nun wirklich dadurch, daß sie zustandekommen, hingearbeitet wird nach einer entsprechenden Preislage...Anfangen kann man zunächst am besten, indem man mit dem beginnt, was der Landwirtschaft nahesteht, und von dort aus Assoziationen bildet mit dem, was reine Industrie ist. Eine Industrie, die ... selber noch ihre Rohstoffe gewinnt, die steht der Landwirtschaft näher als eine Industrie, die mit lauter Industrieprodukten, halbfertigen Fabrikaten usw. arbeitet." Vortrag Steiners v. 12.10.1020 in Landwirtschaft und..., S. 115f


Die Landwirtschaft als Vorbild

Die Aussage Thaers müßte also umgekehrt lauten: Jedes Gewerbe muß sich nach dem Vorbild der Kreislauf-Wirtschaft einer gesunden Landwirtschaft gestalten. Einerseits sollten stoffliche Kreisläufe (Kompost, Recycling, Mehrweg...) verstärkt werden. Andererseits sollte der Landwirtschaft (im weiteren Sinne die gesamte Urproduktion also auch Bergbau, Fischerei etc.) durch ein gerechtes Preisverhältnis das zurückgegeben werden, was sie für den Rest der Wirtschaft tatsächlich erbringt. Daher Landwirtschaft - top-millenium-business.


Aufgabe von Regionen

Nicht auf eine abstrakte Weltwirtschaft wird es ankommen, die durch Konkurrenz Lebensräume zerstört, sondern eine Weltwirtschaft in der sich die Lebensräume im Miteinander erhalten, ergänzen und fördern. Erst durch Regionalisierung wird Weltwirtschaft menschlich durchdringbar und gestaltbar. Die Landwirtschaft ist derjenige Teil der Ökonomie, der auf einen solchen Regionalismus seiner Immobilität wegen am meisten angewiesen ist. Trotz zunehmender Proteste befürworten die Industrieländer eine Verstärkung der freien Marktwirtschaft (vormals durch die GATT-Verträge und heute durch die UN-Organisation der WTO = Welthandelsorganisation betrieben).


Links zum Thema

Nachhaltige Landwirtschaft von Nicanor Perlas -
www.cadi-info.de/

Gemeinschaftshöfe oder CSA - Buschberghof -
www.buschberghof.de/Seiten/wgbinhalt.html
Greenpeace-Landwirtschaftsseite