Der Schäl trifft den Tünnes und sagt: "Du, isch han heut nacht jeträumt - und jetzt weiß isch der Unterschied von Hölle un Himmel." "Enäh", sagt der Tünnes, "verzäll mal!" "Ja", sagt der, "da kam isch innen jroße Raum. Da war in der Mitte en jroßer Topp; da war ein Julasch drin - ganz wunnebar. Un heröm stande all die arme Seelen - und die hatten ene Löffel in der Hand mit enem janz lange Stiel. Un se waren immer am Versuchen - schon jahrelang - datt se wat essen könnten. Aber der Stil war immer zu lang: Se konnten de Mund nicht finde; et jing immer alles danebe! Oben über dieser Tür stand 'Hölle'."






"Ja, und wie war dat denn nu im Himmel?" fragt Tünnes. "Ja", sät de Schäl, "dat war jenauso. Da stand widder so en Topp; war widder so en köstlicher Julasch drin. Da stande nu all die lieben, juten Seelen drumheröm, hatten wieder der langstielige Löffel in der Hand. Nur mit dem einen Unterschied: die fütterten sich jejenseitig!"

W.E. Barkhoff in Wir können...S.56f
Hintergrund wb2003




Dreigliederung und Schule

Diesen Beitrag hatte ich zunächst Dreigliederung und Waldorfschule genannt. Dies finde ich inzwischen zu eng, denn diese Ideen (wie auch die gesamte Waldorfpädagogik), sollten Eingang in den Unterricht aller Schulen finden.

Ich sehe einen direkten Zusammenhang zwischen der fehlenden, praktisch-christlichen Sozialbildung und umsichgreifender sozialer Passivität und Gewaltbereitschaft. Soweit an die Übernahme von Elementen der Waldorfpädagogik an Staatsschulen gedacht wird, sollte dies von folgenden Inhalten zur Bildung von Sozialfähigkeiten begleitet sein:

Es ist schwer einzelne Mustereinrichtungen (Betriebe, Behörden, Schulen etc.) innerhalb eines sonst kranken Gesellschaftsorganismus auf Dauer am Leben zu halten. Daran sind schon viele Sozialreformer wie Robert Owen () gescheitert.

Bleibt für die soziale Dreigliederung also nur der "große" Weg, können "kleine Anfänge von unten" durch einzelne Einrichtungen nichts bewirken?

Ich glaube schon, wenn auch langsamer, denn jeder Mensch muß aus freier Einsicht gewonnen werden. In welcher Weise wirken die Waldorfschulen, die ja ein "Kind" der Dreigliederung sind, für deren Verbreitung?

"Aus diesen Überlegungen kann gefolgert werden, daß eine Schule, die aus dem Gedanken einer Befreiung des Geisteslebens gegründet wird, zugleich ihren Beitrag auch für die Verbreitung des sozialwissenschaftlichen Verständnisses der Dreigliederung zu erbringen hat:
  1. indem sie als Einrichtung und in ihrer spezifischen Sozialgestalt von der Fruchtbarkeit eines sich selbstverwaltenden Geisteslebens Zeugnis ablegt und zu einer ständigen Aufforderung für die gesellschaftliche Erneuerung wird, insofern sie bestimmte freiheitssichernde Garantien der Gesellschaft benötigt;
  2. daß diese sich einerseits in ihrer Pädagogik an jene Schichten wende, die noch nicht von überlieferten Denkgewohnheiten besetzt sind, und somit einen Beitrag zur Förderung bildungsferner Schichten leiste;
  3. daß sie Anregungen zu einem Sozialempfinden an die Schüler vermittle, damit der soziale Organismus sich als lebensfähig erweisen kann für den Menschen. Diese Vermittlung sozialwissenschaftlicher Empfindungen und Erkenntnisse wir so notwendig sein wie die der vier Grundrechnungsarten."
    Die Sozialgestalt...S.19


Freiheit im Geistesleben

Waldorfschulen werden in kollegialer Selbstverwaltung geführt. Trotz aller staatlichen Beschränkung, die die Fruchtbarkeit der Selbstverwaltung noch immer vermindern, zeigt sich in den weltweiten Schüler- und Schulzahlen rein äußerlich wachsende Fruchtbarkeit.
Hauptmerkmal der Selbstverwaltung ist es doch, daß die Lehrinhalte in einem dauernden (karmischen) Lebensprozeß zwischen Lehrer und Schüler - ergänzt durch Erfahrungsaustausch im Kollegium - gestaltet werden, ohne auf einen festen Lehrplan schauen zu müssen. Nur so entsteht eine breite Palette vielfältigster Fähigkeiten. Gerade dies läßt sich in seiner großen Bedeutung nicht statistisch oder intellektuell erfassen, weshalb diese "Frucht" leicht übersehen wird.

Einheitsschule

Der prinzipielle Ausrichtung der Waldorfschule als Einheitsschule wird heute durch die fehlende finanzielle Selbstverwaltung des Kultursektors seitens des Rechtsstaates stark eingeschränkt. Wenn sich arme Familien keine freien Schulen leisten können, so ergibt sich wieder über das Einkommen eine Auslese und Trennung der Schüler. Ohne die gleichberechtigte Finanzmittelausstattung zwischen verschiedenen Schultypen wird sich letztlich keine Chancengleichheit und sozialer Friede erreichen lassen (zur Finanzierung siehe auch K3)

Sozialempfinden/Sozialerkenntnis

Ein sinnvoller Wettbewerb unter den verschiedenen Schultypen ist heute zu einem Wettbewerb der Schüler untereinander verkommen. Nach dem materialistischen Prinzip "survival of the fittest" wird eine das ganze Leben bestimmende Auslese betrieben und Kinder werden schon früh auf egoistisches Verhalten "getrimmt". Dies rührt nicht zuletzt von einem aus der Wirtschaft stammenden Nützlichkeitsdenken ("Standort Deutschland") her, das in die staatliche Pädagogik eindringen konnte.

In der Wirtschaft selbst aber zeigt sich an fortschrittlichen Entwicklungen ("lean production"), daß heute, mehr als zur Zeit der beginnenden Massenproduktion, durch Kooperation und Teamarbeit weit kostengünstiger gearbeitet wird, als durch bloße Einzelleistung. Dies steht ganz in Übereinstimmung mit den Ideen der sozialen Dreigliederung, die zeigen, daß die heute stark notwendige Bedürfnisausrichtung der Wirtschaft ein hohes Maß an Kooperation, an Information, an Interesse am anderen voraussetzt. (Damit soll nicht gesagt werden, daß Dreigliederung mit allen neuen Entwicklungen der Wirtschaft übereinstimmt.)

Zielen Selbstverwaltung und Einheitsschule darauf ab direkt den sozialen Organismus zu gesunden, so versuchen Waldorfschulen über die altersgerechte Ausbildung sozialer Fähigkeiten bei den Schülern indirekt und langfristig auf eine gesellschaftliche Veränderung hinzuwirken.

Jedes Lebensalter der Schüler erfordert dabei eine Wandlung (Metamorphose) in der Vermittlung der Ideen. Eine inhaltliche Beschäftigung (keine Textarbeit) mit den Kernpunkten kann in der 7. und 8. Klasse erfolgen.

Im folgenden seien altersgerechte Beispiele aus dem Waldorfschulunterricht genannt:

1. - 2. Klasse:

Rechenunterricht
Der Aufbau und die Reihenfolge des Unterrichts der Rechenarten, sollten vom Ganzen zu den Teilen gehen. Damit wird eine Geste beschrieben des Verschenkens, des Weggebens und nicht des Ansammelns, des Einheimsens, wie bei einem Unterricht, der mit der Addition beginnt. Dies kann später für ein Verständnis der Preis- und Einkommensgestaltung befruchtend wirken, die Teilungsprozesse gemeinsamer Wertschöpfung darstellen.

Sprachunterricht
Der Einstieg erfolgt über das lebendige Sprechen und vermittelt das Gefühl, daß sich die Sprachen von Innen her formen. Die Regeln der Grammatik kommen erst später hinzu. Dies beugt einem Gefühl vor, daß alles schon von außen geregelt ist. Das heutige Anspruchsdenken, die eher beobachtende soziale Inaktivität, ist zu einem guten Teil auf dieses Gefühl zurückzuführen.

Zeichnen/Schreiben
Der Beginn liegt im Malen, das Zeichnen ist anfangs mehr aus der Farbe abgeleitet, als Farbgrenze. Auch das Schreiben wird aus dem malenden Zeichnen entwickelt, wobei Bedeutung des Buchstabens und Form zunächst miteinander verbunden bleiben. Wird diese Verbindung gleich aufgehoben, ist ein gedankenloses, willkürliches Gestalten von Verträgen, Gesetzen oder Absprachen später einmal vorprogrammiert.

In weiteren Fächern werden Elemente angelegt, die Keime legen für nachfolgende Klassen (in der Musik auf andere hören, in der Heimatkunde Mensch und Natur im nächsten Umkreis verstehen, in der Eurythmie gleichzeitig Eigen- und Gruppenbewegung wahrnehmen etc.)

Ab 3. Klasse

Hier kommen vermehrt handfest praktische Inhalte hinzu: Hausbau, Feldbestellung, in der Handarbeit die Schaffung von Gebrauchsgegenständen, im beginnenden Turnunterricht "Gesten menschlicher Arbeit" (Säen, Dreschen etc.).

In der 4. Klasse soll in Deutsch das schriftliche Nacherzählen in das Abfassen von Briefen aller Art, auch zu ersten kleinen Geschäftsbriefen, übergeleitet werden.

Aus den Geschichten der Vorklassen wird ab der 5. Klasse Geschichte mit dem Blick über die Entwicklungsepochen. Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten die Dreigliederung einzubinden.
Die Heimatkunde wird jetzt zur Geographie erweitert, wodurch sich der Blick vom eigenen Lebensraum auf den arbeitsteiligen Zusammenhang mit der Weltwirtschaft erweitert. In der Pflanzenlehre wird die Erde als Organismus und die Bedeutung der Flora für der Umgebung vermittelt. Es werden Keime gelegt für ein Verständnis der Verwobenheit von Ökologie und Ökonomie.
Ab der 6. Klasse soll der Gartenbau die Erfahrung bieten, wieviel Arbeit in den Erzeugnissen einer biologischen Landwirtschaft steckt und deutlich machen, wie sehr wir alle von der Arbeit der Landwirte abhängen.

Ab 7. Klasse

Jetzt kann der Rechenunterricht in die Gebiete der einfachen und doppelten Buchführung einführen. Jedes Kind sollte Gelegenheit haben die Buchführung kennenzulernen. Sie vermittelt die Tatsache, daß jede Buchung eine Gegenbuchung erfordert.

Jedem Gewinn innerhalb der Weltwirtschaft steht ein Verlust an anderer Stelle gegenüber.

Jeder Einkauf hat seine Folge, was Ökobilanzen zunehmend deutlich machen. Die Buchführung kann helfen, hierfür ein Bewußtsein zu schaffen.

Jetzt können auch "Gastlehrer" den Unterricht bereichern, die durch ihre verantwortungsvolle Arbeit auf wichtigen Posten der Wirtschaft einen Überblick über die verschiedenen Wirtschaftsgebiete vermitteln können.

Bisher wurden soziale Themen in Verbindung mit anderen Inhalten behandelt. Von nun an kann die soziale Frage auch als Hauptthema gegeben werden.

8. - 12. Klasse

Nach der Geschlechtsreife kommt es immer mehr darauf an, daß der Unterricht einen zeitgenössischen Bezug hat: Sowohl in der Naturwissenschaft und Technik als auch im Bereich aktueller sozialer Fragen. Bestimmte Gebiete des modernen Lebens, wie die Computertechnik, dürfen dabei nicht ausgespart werden, wenn sie für das spätere Berufsleben unentbehrlich sind. Die Arbeitsteilung fordert, daß jeder hierin Grundkenntnisse sammelt und sich nicht auf eine idyllische Selbstversorgung zurückziehen kann.

Wenn auch die Computertechnik für manches Berufsleben Vorteile bietet, als Unterrichtsmedium ist sie viel weniger brauchbar als ihr heute nachgesagt wird (Hierzu mehr bei www.waldorfschule.info).

Dies alles kann nur grob andeuten, wie durch den Unterricht die Ideen der Dreigliederung vielfältig hindurchscheinen und das gesamte Kollegium und nicht ein Fachlehrer allein dazu beiträgt.

Insbesondere die Oberstufenschüler werden daneben kleine Aufgaben übernehmen und dadurch ganz praktisch zu sozialem Verständnis geführt.
Hierzu gehören: Pausenaufsichten, Verkehrslotsendienst, Hilfe bei Tagungen, Patenschaften für die neuen 1. Klassen, der Ausflug mit der Patenklasse, die Mitgestaltung von Festen, Bällen, Märkten und Basaren, Arbeitseinsätze zum Aufbau neuer Schulen in Entwicklungsgebieten, Selbstorganisation von Schülertagungen über Zeitfragen und vieles andere.

Diese Komposition verschiedener Elemente zur Ausbildung sozialer Fähigkeiten und Empfindungen berechtigt zu der Hoffnung, daß die Waldorfschüler in der Zukunft ein besonderes Verständnis für die Ideen der sozialen Dreigliederung aufbringen werden.
Abschließend sei es erlaubt verschiedene Zitate zum Thema anzufügen:

"Soziales Einmaleins"

"Sie sehen daraus, daß wirkliche Menschenerkenntnis und wirkliche Erkenntnis der sozialen Struktur sich gegenseitig bedingen, daß man zu dem einen nicht kommen kann, ohne das andere. So wie der Mensch Kopfmensch, Brustmensch, Stoffwechselmensch ist, also Sinnes- und Nervenmensch, rhythmischer Mensch und Stoffwechselmensch ist, so ist der Staat nicht ein ganzer Organismus, sondern die soziale Struktur ist: Staat und Wirtschaft und geistiges Leben. Das muß geradezu das Einmaleins werden für die soziale Einsicht in die Zukunft"
188.163

Kapitalzins und Grundrente

"Es wird anders werden, wenn das Urteil entstehen wird, daß es einfach zur allerelementarsten Schulbildung gehört, sich mit sozialem Wollen auszurüsten, wie man sich mit der Kenntnis des Einmaleins ausrüstet. Heute muß jeder wissen, wieviel drei mal drei ist. In Zukunft wird es auch nicht schwieriger erscheinen, zu wissen, wie sich Kapitalzins zur Grundrente verhält, wenn ich etwas aus dem heutigen Leben heraus wähle. Es soll gar nicht schwieriger sein in Zukunft, als zu wissen, daß dreimal drei neun ist. Aber dieses Wissen wird eine Grundlage geben für ein gesundes Drinnenstehen im sozialen Organismus, das heißt für ein gesünderes soziales Leben.
328.123

Wirkliche Sozialkunde

"Man kann niemals eine wirkliche Sozialkunde aufbauen, ohne daß man weiß, daß alles dasjenige, was der Mensch zu erstreben hat durch sein Inneres, ein Ergebnis ist der ganzen Entwickelung, die Sie in meiner Geheimwissenschaft im Umriß dargestellt finden bis zur jetzigen Erdenentwickelung, und daß alles dasjenige, was der Gegenwartsmensch durch die soziale Gemeinschaft aufnimmt, ein Keim ist für dasjenige, was weiter geschehen soll mit der Erdenentwickelung."
196.20