Weltwährung


Rein geldtechnisch läßt sich leicht einsehen, daß ein weltweites einheitliches Zahlungsmittel viele Vorteile bietet, z.B.:



Gleichgültig welchen Namen dieses Geld einmal haben wird, ob Bancor, Terra, Globo oder sonst wie; eine Weltwährung begriffen als weltweite Buchführung der Wirtschaft wäre an sich ein großer zivilisatorischer Fortschritt.

Es mag paradox erscheinen, wenn ich die Entstehung eines Regionalgeldes und einer Weltwährung gleichzeitig sinnvoll finde. Dies wird erst vor dem Hintergrund der Dreigliederung plausibel, die jegliche Gestaltung einer Geldordnung in die Hände der Wirtschaft legt.

Ein Regionalgeld ist dabei ein Nahziel, die Weltwährung ein Fernziel. Dazwischen liegt eine Entwicklung, bei der es darum geht, daß die Menschen Vertrauen in eine neue, von staatlichen Einflüssen befreite Geldordnung finden. Ich hoffe kaum, daß sich alle Staatsregierungen jemals auf eine Weltwährung einigen werden. Sollte dies doch in ferner Zukunft geschehen, so wäre wahrscheinlich, daß eine mächtige Weltbank die alten Fehler einer einheitsstaatlichen Fiskalpolitik übernehmen würde wie heute die EZB.
Deshalb will ich mich dafür einsetzen, daß Regionalwährungen stark werden und den "Grundstein" für eine allein von der Wirtschaft verwaltete Weltwährung bilden. Ein Zusammenwachsen dieser gerade aufkeimenden lokalen "Pflänzchen" wird natürlich noch dauern und setzt auch eine gewisse Vereinheitlichung voraus, doch gerade die Elektronisierung bietet dazu ein großes Hilfepotential.

Wir haben derzeit 193 souveräne Staaten auf der Erde, die für sich das Recht auf eine eigene Währung beanspruchen. Auf der anderen Seite wird die Zahl der Regionalgeldwährungen, die heute weltweit zwischen 2700 - 3000 liegen dürfte, noch stark zunehmen. So könnten sie einwenden, daß es leichter sei eine Weltwährung durch Einigung zwischen den Ländern zu erreichen als zwischen den tausenden Regionalgruppen.

Es geht hier jedoch nicht um eine bloße Zahlenlogik oder um kurzfristige Erfolge, sondern um eine Grundfrage der Dreigliederung: Ist eine staatlich gegebene Geldordnung sinnvoll? Wird eine Weltwährung auf Regierungsbasis zu einer bedürfnisorientierten Wirtschaft führen? Hat der Euro bisher zum Abbau des Arm-Reich-Gefälles beigetragen? Nein.

Langfristig geht es darum, eine Weltwährung mit den Grundzügen aufzubauen, wie sie J. M. Keynes mit der Clearing Union schon 1946 in Bretton Woods vorschwebte und die identisch sind mit den Zielen einer assoziativen, geschwisterlichen Weltwirtschaft:



Es handelt sich um den Gedanken des Ausgleichs und der Übereinstimmung zwischen der Leistungseite (Waren, Dienstleistungen) und der Zeichen- oder Geldseite.



Wie aber Keynes 1946 durch die staatlichen Unterhändler Amerikas enttäuscht wurde, die seinen Plan zur Wahrung nationaler Vermögensinteressen ablehnten, so werden die Menschen enttäuscht werden, die weiterhin daran glauben, daß jemals auf staatlich-demokratischem Wege eine gerechte Währungsordnung entstehen wird.

"Währung wird die vernünftige Einrichtung des gesamten Wirtschaftsorganismus durch dessen Verwaltung. Die Währungsfrage wird niemals ein Staat in befriedigender Art durch Gesetze lösen; gegenwärtige Staaten werden sie nur lösen, wenn sie von ihrer Seite auf die Lösung verzichten und das Nötige dem von ihnen abzusondernden Wirtschaftsorganismus überlassen."
23.106.

In der Dreigliederung sollen die Menschen in demokratischer Weise nur über solche Dinge beschließen, die alle gleichermaßen betreffen und über die alle mündigen Menschen gleichermaßen urteilsfähig sind (vor allem über Fragen der inneren und der äußeren Sicherheit des Staates).

Sachfragen des Wirtschaftslebens sind aber von grundlegend anderer Natur. Auf der Konsum- wie auf der Produktionsseite sind nur wenige Menschen jeweils urteilsfähig. Der Konsum hat sich heute stark individualisiert, die Produktion ist stark arbeitsteilig organisiert. Die "zersplitterten" Erfahrungen müssen deshalb in den Assoziationen zusammenfasst und die Interessen in Verträgen zusammengeführt werden. Eine assoziative Arbeitsweise könnte in den erwähnten Regionalgeldgruppen langsam erübt werden, wodurch sich ihr Aufgabenspektrum auch auf Wirtschaftsfragen erweitern würde.

Die Assoziationen verwalten vor diesem Erfahrungshintergrund auch das Geld. Folgende Merkmale spielen dabei eine Rolle:

Der Staat hat in der assoziativen Wirtschaft keine währungsstabilisierende Aufgabe. Er soll das Kultur- und Geistesleben und die Wirtschaft von seiner finanziellen und weisungsmäßigen Einwirkung befreien und sich auf die notwendige Gestaltung des Rechts beschränken.

Sobald aus dieser neuen Freiheit heraus eine assoziative Wirtschaft aufblühen kann und ein weltweites Netz an Assoziationen entsteht, hat auch die Entstehung einer Weltwährung als eine gerechte Buchführung gegenseitig erbrachter Leistungen aller Regionen der Erde eine Chance:

"Die Assoziationen assoziieren sich weiter. Das gibt dann erst die Grundlage für die großen Weltassoziationen, für den großen Weltwirtschaftsbund, der nur aus einem vom Geistesleben und vom Staatleben unabhängigen Wirtschaftsleben heraus geschaffen werden kann."
Rudolf Steiner, Vortrag in Delft, 25. Febr. 1921, aus "Ass.d.W.", S. 88
(Fallstudien Heft 3, Schweppenhäuser, S. 110)

Eine solche Weltwährung könnte einen "Mosaikstein" auf dem Weg zu einer friedlicheren Welt darstellen.