Die menschliche Dreigliederung

Für das Einfügen dieses Themas im Bereich der Grundlagen sozialer Dreigliederung gibt es zwei Gründe:

Methode und Inhalt kommen also hierbei zusammen. Doch sollen keine einfachen Vergleichsspielereien zwischen menschlichem und sozialem Organismus vorgenommen werden:

"Die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus nimmt nicht Naturerkenntnis einfach herüber aus dem Naturgebiet ins soziale Lebensfeld. Sie will nur an der Naturbetrachtung die Kraft gewinnen, die soziale Tatsachenwelt unbefangen anzusehen."  24.102


Die drei leiblichen Glieder des Menschen

Die drei leiblichen Glieder des menschlichen Organismus sind

1. Nerven- und Sinnesleben,
2. Rhythmisches System (Atmung, Blutzirkulation),
3. Stoffwechsel- und Gliedmaßensystem.

Jedes der drei Glieder wirkt mit einer gewissen Selbständigkeit. Dies ist aber keine völlige Trennung, keine absolute, sondern nur relative Zentralisation.
Jedes der drei Glieder hat ein eigenes Verhältnis zur Außenwelt: Das Kopfsystem durch die Sinne, das Rhythmussystem durch die Atmung, das Stoffwechselsystem durch die Ernährung und Bewegung.
Die Glieder durchdringen sich vollständig, so daß in jedem Organ, an jeder Stelle des Organismus in jeweils verschiedener Stärke von allen drei Systemen etwas vorhanden ist:

"Die Menschen wollen Linien ziehen, wenn sie einteilen, und das kann man nicht, wenn man von Realitäten spricht. Wir sind im Kopfsystem (= Nerven- und Sinnessystem, wb) hauptsächlich Kopf, aber der ganze Mensch ist 'Kopf', nur ist das andere außer dem Kopfe nicht hauptsächlich Kopf. Denn wie wir im Kopfe die eigentlichen Sinneswerkzeuge haben, so haben wir über den ganzen Leib ausgebildet zum Beispiel den Tastsinn und den Wärmesinn; indem wir daher Wärme empfinden, sind wir ganz "Kopf". Wir sind nur im Kopfe 'hauptsächlich' Kopf, sonst sind wir nebenbei Kopf. So gehen also die Teile ineinander, und wir haben es nicht so bequem mit dem Gliedern, wie es die Pedanten haben möchten. Ebenso ist es mit der Brust (= Rhythmussystem, wb)..." 293.50

Neben diesem räumlichen Verwobensein gibt es zahlreiche funktionale Verbindungen zwischen den Systemen durch systemübergreifende "Kommunikation". Darüberhinaus sucht jedes System - wie gesagt - eigene Außenbeziehungen.
Nicht nur räumlich stehen sich dabei das Nerven- und Sinnessystem (zentralisiert im Kopf) und Stoffwechsel- und Gliedmaßensystem (zentralisiert im Unterleib) polar gegenüber mit dem Brustsystem in der Mitte.
Funktional zeigt sich im ersteren ein Abbau von Lebenskräften (erkennbar z.B. an absterbenden Gehirnzellen) und im letzteren ein Aufbau von Lebenskräften, die durch Atmung und Herztätigkeit vermittelt werden.

Lesen Sie auch den Lexikon-Stichpunkt "Vergleich menschlicher und sozialer Organismus ()