Die langsame Nachwirkung künstlicher Bienenzucht


"Der Bienenstock ist eben durchaus ein Ganzes. Er ist als Ganzes aufzufassen. Aber bei einem Ganzen erscheint der Schaden durchaus nicht momentan. Wer den Menschen gut kennt, der kann zum Beispiel folgendes sich sagen: Irgendein Mensch - es gibt solche - ist mit fünfundsechzig, sechsundsechzig Jahren noch ziemlich frisch; ein anderer ist nicht mehr frisch, weil er an innerlichen Verkalkungen der Blutadern und so weiter leidet. Dieses sich anzuschauen und in Zusammenhang mit dem zu bringen, was in der Kindheit sich vollzogen hat, das ist außerordentlich interessant.

Man kann zum Beispiel einem Kinde Milch geben, die von Kühen herrührt, die zuviel Nahrung aufnehmen, die mit dem Kalkboden zu tun hat. Dadurch kann das Kind schon mit der Kuhmilch, mit der es genährt wird, etwas von dem Kalkboden bekommen. Das zeigt sich vielleicht gar nicht gleich. Und nun kommt irgendein Mediziner von der heutigen Sorte, zeigt einem ein solches Kind, das mit Kuhmilch aufgezogen ist, auch vom Kalkboden, und ein anderes, das mit Muttermilch aufgezogen ist, und er sagt: Das macht gar keinen Unterschied - und dergleichen. Aber das Kind, das mit Muttermilch aufgezogen ist, ist mit fünfundsechzig, sechsundsechzig Jahren noch frisch, das Kind, das mit Kuhmilch aufgezogen ist, das verkalkt mit fünfundsechzig, sechsundsechzig Jahren! Das ist, weil der Mensch ein Ganzes ist und was in einem Zeitraum wirkt, noch in viel späterer Zeit nachwirkt. Etwas kann in einem Zeitraum ganz gesund sein; dennoch wirkt es nach. Und das ist es, was ich meine, wenn ich sage: Es läßt sich aus dem heutigen Bestand überhaupt gar nichts schließen darauf, was die künstliche Bienenzucht bedeutet oder nicht, sondern das muß man nach fünfzig, sechzig Jahren oder meinetwillen hundert Jahren ins Auge fassen. (Hervorhebung wb) Daß heute einer sagt: Ich begreife das nicht, daß das in fünfzig, sechzig oder hundert Jahren anders sein soll -, das ist ganz selbstverständlich. Daß man das heute gar nicht einsehen will - das ist gerade so, wie es mir einmal auf einem Gute passierte. Sie können versichert sein: Ich bin einst in aller Gutmütigkeit fast totgemacht worden, als ich dort nur anfing, davon zu reden, daß man auf einem Gute nicht so viel Milch gewinnen sollte; denn die Kuhzucht wird viel schneller leiden, wird in einem Vierteljahrhundert ruiniert sein.

Man kann heute gegen die künstliche Bienenzucht gar nichts haben, weil wir schon einmal in Verhältnissen leben, in denen auf sozialem Gebiete gar nichts gemacht werden kann. Aber eingesehen werden muß es, daß es etwas anderes ist, ob man der Natur ihren Lauf läßt und sie nur in richtige Bahnen bringt, oder wenn man etwas Künstliches in die Sache hineinbringt. Aber ich will mich da gar nicht gegen das, was Herr Müller gesagt hat, irgendwie aufbäumen. Das ist ganz richtig: Man kann das heute noch nicht feststellen, sondern man muß das vertagen. Wir wollen uns in einem Jahrhundert wieder sprechen, Herr Müller, und wollen sehen, was Sie dann für eine Ansicht haben. Das ist etwas, was heute gar nicht entschieden werden kann. Das ist die Sache. "
351.188f


Dies ist ein Auszug eines Vortrages, den Rudolf Steiner vor den Bauarbeitern des Goetheanum am 5. Dezember 1923 gehalten hat. Damals konnte fast niemand seine Voraussage eines Niederganges der Bienenhaltung binnen eines Jahrhunderts verstehen. Die künstliche Befruchtung der Bienenköniginnen war damals noch nicht so weit verbreitet wie heute.

Die Entwicklung ist jetzt 82 Jahre weiter und wir müssen feststellen, die Gesundheit der Bienen ist massiv eingebrochen. Viele Imker müssen starke Völkerverluste hinnehmen, da Parasiten in einem Umfang um sich greifen, die man zu Zeiten natürlicher Königinnenvermehrung (Schwarmbetriebsweise) nicht kannte. Die Behandlung mit fragwürdigen Arzneimitteln wird zum Normalfall.

Mag es auch vielen Imkern schwer fallen, den Parasitenbefall der Bienenvölker mit der Königinnen-Vermehrung in Zusammenhang zu bringen. So ist es doch unverantwortlich, besonders gefährliche Parasiten wie den Bienenstockkäfer (Synonym: Beutenkäfer) allein aus kommerziellen Gründen mittels "Königinnen-Exporte" über die ganze Erde zu verbreiten.

Sicher wirkt sich nicht allein die künstliche Vermehrung krankheitsfördernd auf die Bienen aus. Auch die Verminderung der Blütenpflanzen in der Landschaft als natürliche Futterquellen der Bienen und der "Ersatz" durch künstliche Zuckerzufütterung und viele weitere arbeitsvereinfachende Maßnahmen heutiger Großimkereien schwächen die Kräfte der Bienen nachhaltig. Welche Gefahr von nicht artgerechter Tierhaltung und Fütterung aus Gründen übertriebener Rationalisierung ausgeht, hat uns erst der BSE-Krise bei Rindern deutlich gemacht. Hier haben wir jetzt die besonderen Auswirkungen industriell betriebener Bienenhaltung.



In diesem Zusammenhang erreichte mich Ende Januar 2005 folgende E-Mail von der Bienenstockkäfer Kampagne durch Thomas Radetzki, Imkermeister:


3. Newsletter zu illegalen Königinnen Importen in die EU

Bienenstockkäfer in Europa?


Nachdem der Bienenstockkäfer oder auch kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) genannt über illegale Königinnen-Importe aus Texas zunächst nach Portugal gelangte, wo durch eine zeitnahe Abtötung der Bienenvölker vermutlich eine Ausbreitung verhindert wurde, sind aus demselben texanischen Königinnen-Zuchtbetrieb zwischen April und September 2004 mehr als 3.000 Königinnen nach Frankreich geliefert worden und dort an 116 Imker in 56 Départements verteilt worden!

Der französische Imkerverband „Union Nationale de l'Apiculture Francaise“ (U.N.A.F.) bezweifelt, dass eine seriöse Überprüfung dieser vielen Königinnen auf Käferbefall stattgefunden hat. Von Seiten der zuständigen Behörden wurde es bis heute nicht für nötig gehalten, die Völker abzutöten. Die Imker wurden nach langem Drängen der U.N.A.F. nur zur Kontrolle ihrer Völker aufgefordert.

Vertrauenswürdigen Angaben zufolge wurden auch nach Luxemburg und Deutschland Königinnen aus den USA importiert.

 

Illegale Königinnen-Importe auch in Deutschland?


Aktuelle Recherchen der Bienenstockkäfer Kampagne ergaben, dass vermutlich 1.000 Königinnen aus Kalifornien nach Deutschland importiert wurden. Unabhängig davon ob, oder wie viele der Königinnen mit Käfern befallen waren - alle Importe aus den USA sind nach geltendem EU-Recht zweifelsfrei illegal! Das Importverbot wurde zum Schutz der europäischen Bienenvölker vor dem sich global ausbreitenden kleinen Beutenkäfer erlassen.
Politik und Behörden sind zur Umsetzung dieses Importverbotes verpflichtet.

Der portugiesischen Behörde hat die Illegalität der Einfuhr ausgereicht, um die betroffenen Völkerbestände vernichten zu lassen. In Frankreich folgte den Protesten des Imkerverbandes eine recht unverbindliche Reaktion. Womit haben wir in Deutschland zu rechnen? Wird die europäische Gesetzgebung je nach Land unterschiedlich ausgelegt?

 Die Bienenstockkäfer Kampagne fordert:



Ausblick


Wenn der Beutenkäfer nach Europa eingeschleppt wird und sich ausbreitet bevor vertretbare Bekämpfungsstrategien entwickelt wurden, ist mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen. Es ist zu befürchten, dass viele Imker ihre Beschäftigung mit den Bienen aufgeben. Ein nicht wieder gut zu machender Strukturverlust wäre die Folge, eine flächendeckende Bienenhaltung wäre kaum noch zu erwarten. Die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen wäre in Frage gestellt.

Wir sind empört darüber, dass deutsche Bienenwissenschaftler die Gefahr herunterspielen, weil die Imker in den USA lernen, den Beutenkäfer mit Arzneimitteln im Schach zu halten. Die Bienengesundheit darf nicht durch weitere Parasiten und Medikamente belastet werden. Sie ist ohnehin in hohem Maße von der Varroatose und den zu ihrer Behandlung erforderlichen Maßnahmen belastet. Darüber hinaus sind die Bienen von Insektiziden und Pestiziden der konventionellen Landwirtschaft angegriffen und leiden unter mangelnder Blütenvielfalt infolge intensiver Landbewirtschaftung. Zudem ist weiter zu befürchten, dass die Agro-Gentechnik der Imkerei erheblichen Schaden zuführen wird. 

Trotz der Sorge, es könnte Panik entstehen, informiert die Bienenstockkäfer Kampagne Imkerschaft und Politik. Ohne die Information über die tatsächliche Situation ist zu befürchten, dass weiter unbemerkt illegale Importe erfolgen. Trotz der Gefahr durch den Beutenkäfer dürfen wir Imker nicht resignieren. Die Verhältnisse in Deutschland sind anders als in Südeuropa oder in den USA. Wir Imker hier führen in der Regel eine gut organisierte Imkerei und sind nah an dem einzelnen Volk. Das ist nicht mit Großimkereien zu vergleichen die tausende Völker betreuen. Wir können bei einem Befall die besonders gefährdeten, schwachen Völker rechtzeitig erkennen.

 

Details zur juristischen Lage


Am 11.12. 2003 ist eine EU-Verordnung in Kraft getreten, welche die Einfuhr von Bienen und Königinnen aus den USA hätte verhindern müssen!
Der kleine Beutenkäfer ist in den USA weit verbreitet und eine Anzeigepflicht für diesen Parasit besteht dort nicht. Wenn in einem Land Beutenkäfer vorhanden sind und eine Anzeigepflicht für ihn besteht, kann der Import in die EU leider erlaubt sein. Vorraussetzung für einen Import ist dann lediglich ein für ganz Europa einheitliches Gesundheitszeugnis, in dem bescheinigt wird, dass im Radius von 30 km um die exportierende Imkerei keine Beutenkäfer gefunden wurden. Seit der oben genannten EU-Verordnung unterliegt der in einem solchen Fall erlaubte Import allerdings einem strengen Kontrollverfahren. Die zuständige Behörde muss die Versandkäfige und Begleitbienen kontrollieren und vernichten. Die Königinnen dürfen dem Imker erst nach der Kontrolle in neuen Käfigen mit neuen Begleitbienen weitergeleitet werden.

Dieses Importverbot muss ausgeweitet werden. Alle politischen Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden, um das Importverbot trotz des internationalen rechtlichen Rahmens auszuweiten. Gesundheitsbescheinigungen können unter fragwürdigen Bedingungen ausgestellt werden.

 

Weitere Informationen


Weitere aktuelle Informationen finden Sie jeweils unter

  www.bienenstockkaefer.de

Verfolgen Sie die Publikationen in der Fachpresse. Bei Verdachtsmomenten wenden Sie sich an Ihr zuständiges bienenwissenschaftliches Institut. Die Informationsschrift des Bundesministeriums über den Beutenkäfer ist vergriffen und soll laut Auskunft des Amtes nicht wieder aufgelegt werden. Die Infoschriften der Bienenstockkäfer Kampagne sind ebenfalls vergriffen und wir sind im Moment nicht in der Lage eine Neuauflage zu finanzieren.

Die Bienenstockkäfer Kampagne ist eine Initiative des Vereins Mellifera e.V. in 72348 Rosenfeld. Die Kampagne wurde mit Beiträgen von Vereinsmitgliedern und mit Einzelspenden überwiegend von Imkern finanziert. Bitte helfen auch Sie mit Spenden, dass auch weiterhin eine unabhängige Information der Imkerschaft gewährleistet ist.  

Spendenkonto 187 100 07, GLS Bank, BLZ 430 609 67 (mit Stichwort „Beutenkäfer“ & Absender)




Was ist artgerechte oder besser wesensgemäße Bienenhaltung?


Ein kurzer Auszug aus den Richtlinien für Demeter-Bienenhaltung, mit der Demeter als einziger Verband des ökologischen Landbaus den Organismus Bien (= das gesamte Bienenvolk als individuell zu behandelndes Lebewesen) in den Mittelpunkt der imkerlichen Pflegemaßnahmen stellt. Daraus ergibt sich konsequenterweise Einschränkungen der heute üblichen Betriebsweisen in der Bienenhaltung, die die Entfaltung des Bien behindern würden. Dies sind vor allem:



Der Honigpreis


Es reicht nach meiner Meinung nicht allein aus die industrielle Landwirtschaft, Massentierhaltung, Gentechnik, Monokulturen auf der einen Seite anzuprangern und auf der anderen Seite mit jedem "Pfennig" für Lebensmittel zu knausern. Was wäre Ihnen eine wesensgemäße Bienenhaltung ausgedrückt im Honigpreis für ein 500-Gramm-Glas wert?



Wenn Sie in Zukunft sicher sein wollen, daß Sie mit dem Honig keine Reste von Arzneien gegen Bienenkrankheiten zu sich nehmen, dann sollten Sie Imker mit Schwarmbetrieb durch Ihren Kauf unterstützen.

An dieser Stelle möchte ich noch weiter gehen und sagen: Honig ist etwas so wertvolles, daß es gar nicht über den Preis bezahlt werden kann. Ein Teil des Wertes wird immer verschenkt. Der wirkliche Wert eines 500-Gramm-Glases für den gesamten Naturhaushalt wäre wohl mit 50 Euro reichlich sparsam angesetzt. Denn stellen Sie sich doch einmal den Verlust vor, den unsere Natur erleidet, wenn die Bienen nicht mehr da wären. Die Fruchtbarkeit vieler Pflanzen würde einerseits durch die direkte Bestäubungsleistung der Bienen und über die homöopatische Verdünnung des Bienengiftes in der Natur stark nachlassen.

Dieser "Mehrwert" sollte in die Waagschale fallen und den Imkern mit wesensgemäßer Bienenhaltung zukommen, damit diese langfristig kostendeckend arbeiten können Entweder indirekt über noch höhere Preise oder direkt über Einkommenszuweisungen für die Erhaltung der Kulturlandschaft. Im Prinzip ist damit der an anderer Stelle angesprochene assoziative Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Industrie gemeint.


Unterstützen Sie Imker mit Schwarmbetriebsweise, unterstützen Sie die Forschung für eine wesensgemäße Bienenhaltung, verlangen Sie die Einhaltung des Importverbotes für nicht kontrollierte Bienenköniginnen! Wir sollten jetzt sofort alles daran setzen, daß Steiner mit seiner Prognose nicht Recht behält wonach 2023 die Bienenhaltung ausgestorben sein könnte.