Das Gegenteil

(16.12.05)

Nach neusten Medienberichten wurde Horst Seehofer nun offensichtlich von einem Lobbyisten der Bio-Anbauverbände "heimgesucht", denn er will die Landwirtschaftspolitik seiner Amtsvorgängerin Renate Künast nicht nur fortsetzen, sondern sogar noch ausweiten. Er will vor allem den Anbau genveränderter Pflanzen nicht weiter vorantreiben, da er die wachsende Ablehnung der Gentechnik weltweit erkenne. Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen gesundheitliche Gefahren. In der Schweiz wurde die Gentechnik jüngst per Volksentscheid verboten ().

Von seiten des Deutschen Bauernverbandes hagelte es faustdicke Kritik, da dieser von Seehofer gern (wieder) eine deutliche Bevorzugung der konventionellen Landwirtschaft gesehen hätte ("er wisse wohl nicht mehr, wo die dicksten Rüben wachsen..."). Was (oder Wer) mag nur in die Haut von Horst Seehofer gefahren sein? Selbst die SPD-Führung war angetan von den gar nicht erwarteten Äußerungen Seehofers und lobte die vorbildliche Einhaltung des Koalitionsvertrages. Der Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte, Seehofer entpuppe sich "noch in seinen ersten 100 Tagen als Vertreter einer nachhaltigen Landwirtschaft" und Fraktionschefin Künast versprach spontan Seehofer mal zu einem schönen Essen einzuladen, denn für sie sei es eine besondere Freude zu sehen, wie glänzend Seehofer "ihre" Agrarpolitik weiter entwickele.

Doch Seehofer erklärte schlicht, daß er sich den "erschlagenden" Sachargumenten beugen müsse, die ja inzwischen von vielen unabhängigen Gremien publiziert würden, z.B. dem Rat für Umweltfragen (z.B. ). Eine vernünftige Landwirtschaftspolitik müsse nun endlich dem Boden-, dem Gewässerschutz, der Luftreinhaltung oberste Priorität einräumen. Es sei keinesfalls mehr hinnehmbar, daß niedrigere Agrarpreise mit steigender Umweltverschmutzung "erkauft" werden und so die konventionelle Landwirtschaft sich unter Umgehung des Verursacherprinzips gegenüber den Biolandwirten Wettbewerbsvorteile "erschleiche".

Seehofer will die unter Künast anvisierte Marke von 10 % Biolandbau bis 2010 auf 20 % verdoppeln. Die Bauern sollten dabei selbst entscheiden, ob sie Biolandwirtschaft oder traditionellen Anbau betreiben wollten, sagte der Minister. Er sehe allerdings seine Aufgabe darin Ökobilanzen für alle Agrarbetriebe in Zusammenarbeit mit Umweltschutzorganisationen aufzustellen und deren Ergebnisse für die Heranziehung zu längst fälligen Steuern wie der Nitrat-, Agrarabwasser-, Biomethan- und vor allem einer Pestizidsteuer zu benutzen. Seehofer spiele nicht mehr einen gegen den anderen aus, sondern stelle lediglich den Wettbewerb und damit die Preise auf eine gerechte Grundlage...

Sehr verehrte Besucher, ich muß Sie leider enttäuschen: Das Gegenteil davon ist wahr!!!
Horst Seehofer vollzieht eine Kehrtwende mit der Agrarwende. Wer eine umweltbelastende Landbewirtschaftung aus falsch verstandener christlicher Loyalität retten will, handelt gerade unchristlich, da er Natur und Gesundheit der Menschen "den Bach hinunterschickt". Wehren Sie sich, die Schweiz ist ein gutes Beispiel.

S. auch Das Goetheanum