Umweltschutz oder Abzocke?

(21.08.05)

  Jüngst erreichte mich eine E-Mail von dem Schweizer George Meyer, der für eine finanzielle Beteiligung (sogeannte "Baumpunkte") an einer Baumpflanzaktion in Bolivien warb, die über das sogenannte Networking (eine Art Prämien-Schneeballsystem) entwickelt werden soll.
Auf diese Networking-Aktionen werde ich mich nicht einlassen, denn nach meiner Meinung sind zwar Baumpflanzungen dringend erforderlich, doch sie vertragen sich nicht mit auf schnelle Rendite ausgerichteten Geschäften. Vernünftiger Waldbau braucht halt Zeit und die "Rendite" ist nichts anderes als ein faktischer Generationenvertrag. Ehrliche Waldbauer sind solche, die für sich nichts wollen und den "Ertrag" aus der Liebe zur Sache den nachfolgenden Generationen überlassen. Dies gilt insbesondere in der borealen Nadelwaldzone, in der die Bäume langsamer wachsen als in den Tropen. Doch selbst bei den tropischen Edelhölzern (z.B. Teak, Mahagoni) ist eine Umtriebszeit, die ja sinnvollerweise mit einer Renditeauszahlung korrespondieren sollte, von 10 - 12 Jahren zu kurz. Dies geht eher in den Kiefernplantagen mit Pinus radiata und ponderosa, wie Gerard Bannwart in Brasilien () zeigt.

Wer allerdings die Waldfunktion in den Tropen nur auf Nutzholzplantagen reduzieren will, der reduziert sein ökologisches Verständnis auf Kolonialzeitniveau. Auch mit dem Verständnis des Waldes als CO2-Senken tasten wir uns erst langsam an ein Bild eines globalen Organismus heran, das Ökologie-Pioniere wie St. Barbe Baker schon Anfang des letzten Jahrhundert vermittelt haben: Verliert ein Mensch mehr als ein Drittel seiner intakten Haut, dann ist er zum Tode verurteilt. Verliert ein Baum einen solchen Teil seiner Rinde, ist sein Überleben nicht sicher. Verliert die Erde mehr als ein Drittel ihres grünen Mantels, ihres "Baumkleides", ist es da unvernünftig anzunehmen, daß sie sterben wird. (Richard St. Barbe Baker, My Life, My Trees, S. 165).
Zudem wünsche ich mir eine unabhängige Zertifizierung der Waldflächen durch internationale Forstsachverständige, die in diesem Fall wohl auch nicht gegeben ist. Das Forest Stewardship Council könnte dafür infrage kommen oder eine bessere Organisation, die nicht allein auf das "Wie" des Waldbaus schaut, sondern auch darauf, wer den Waldbau betreibt (indigene Gruppen oder große Konzerne).
Die zuletzt genannten Aspekte sind bei dem Angebot von Andreas Eke und Illiana Armien aus Panama (www.baumsparvertrag.de/produkt.php) überzeugender, wobei diese Waldbauer nicht auf das nach meiner Meinung intransparente Networking, sondern auf eine einfache Kapitalansparung setzen. Weitere Informationen erhalten Sie unter google oder auch folgenden Internetseiten:

pro:
europa.forestation.biz/
kulturfarm.forestation.biz/
www.golden-tree.ch/
www.jam.li/

contra:
www.gomopa.net/Finanzforum/
www.konsuminfo.ch/forum/
www.mlm-infos.de/