Kinderarbeit heute

"Das wissen die Menschen zum großen Teile nicht, aber wir haben tatsächlich in unserer sozialen Gesinnung die Fortsetzung des griechischen Geisteslebens, das darauf beruhte, daß ein vollständig menschenwürdiges Dasein nur derjenige führt, der eigentlich nicht arbeitet, der nur für Politik sorgt und höchstens Landwirtschaft beaufsichtigt und dergleichen. Derjenige, der arbeitete, der gehörte eigentlich nicht in Wirklichkeit zu den Menschen, die im höheren Sinne in Betracht kommen. Beim Griechen lag es gewissermaßen im Blute, sich so zum Menschtum zu stellen, und danach richtete sich sein ganzes Geistesleben ein. Das griechische Geistesleben ist nicht anders denkbar, denn als Oberbildung über eine breite Unterbildung von Leuten, die nicht an diesem Geistesleben teilnehmen konnten, die nicht das griechische Geistesleben als solches hatten. Aber diese Anschauung vom Geistesleben ist in unserem Gefühl geblieben. Man braucht über solche Dinge wahrhaftig nicht mit Leidenschaft zu urteilen, aber man kann sie berücksichtigen: die leitenden, führenden Kreise haben sich oftmals in sehr abstrakter Weise mit dem beschäftigt, was menschliche Brüderlichkeit ist, Nächstenliebe ist und so weiter. Nehmen wir ein drastisches Beispiel. In der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo die Leute auch vom Standpunkt ihrer religiösen, ihrer ethischen Weltanschauung aus über Nächstenliebe, über Brüderlichkeit nachgedacht haben, hat man eine statistische Aufnahme gemacht über die Schäden der Bergarbeit in England. Da hat sich herausgestellt, daß in der Tat in die Bergschächte neun-, elf-, dreizehnjährige Kinder vor dem Aufgang der Sonne hinuntergelassen und nach dem Untergang der Sonne erst wieder heraufgeholt worden sind, so daß die armen Kinder den ganzen Tag über nicht das Sonnenlicht gesehen haben, die ganze Woche nicht, nur am Sonntag. Ja, bei den Kohlen, die auf diese Weise zutage gefördert worden sind, in gut geheizten Zimmern, haben sich dann die gebildeten Klassen unterhalten in ihrer lebensfremden Weltanschauung über Brüderlichkeit, über Nächstenliebe, haben ihre ethischen Ansichten entwickelt, haben sogar entwickelt, daß ein ethischer Mensch nur derjenige ist, welcher ohne Unterschied des Standes und so weiter alle seine Mitmenschen liebt. "
332a.99

Das heutige "proletarische Sklaventum" ist nicht abgeschafft, sondern in andere Erdteile "ausgelagert": Ein großer Teil der heute in Deutschland verwendeten Grabsteine wird in Indien mit Kinderarbeit gefertigt. Da hat sich wohl seit den oben genannten ersten statistischen Aufnahmen (ca. 1840) nicht viel geändert.

Vor allem zeigt es das Versagen der Nationalregierungen und der "freien" Marktwirtschaft. Ein Gruppe von deutschen Steinmetzen, die sich unter dem Namen "signum-grabzeichen" zusammen geschlossen haben, versucht dies zu ändern. Ich erwähne dies auf meiner Seite, weil es als Beispiel für notwendige globale Assoziationen in der Wirtschaft und für eine Offenlegung der Einkommensanteile zwischen Hersteller, Transporteur und Handel stehen kann. Lesen Sie hierzu: