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 N 
Nachfolger des Unternehmers
Nächstenliebe
Nationalökonomische Begriffe

 O 
Osten und soziale Frage
Ost-West-Mitte und soziale Frage

 P 
Paradies auf ökonomischem Wege
Parteien/Agrarier eher konservativ
Parteien/Parteiprogramme antisozial
Parteien/Karikaturen, Abglanz des Geistigen
Parteien/Zusammenhalt aus Gewohnheit
Parteien prägen Phrasen
Parteien/Wirtschaft und Politik durcheinander
Parteien/Dreigliederung kein Parteiprogramm
Platonische Idee der drei Stände
Preis/Allgemeines
Preis/gerechter, richtiger Preis
Profit
Punctum saliens

 Q 

 R 
Rechtleben/Inhalt, Umfang
Recht auf Erziehung, auf Lebensunterhalt
Rechtsquellen
Reinkarnation und Karma (Wiederverkörperung und...)
Reklame, Werbung
Rente/Aktien
Rente/antisoziales Gepräge
Rente/leistungsloses Einkommen - Grundeinkommen
Richter/Wahl
Pazifistischer Richtsatz

 S 
Selbstversorgung
Sozialer Organismus/bewirken statt beweisen
Soziales Hauptgesetz
Sozialistische Illusion
Soziologisches Grundgesetz
Spirituelle Fähigkeiten/gesunder Menschenverstand
Spirituelle Fähigkeiten/Zuordnung

 Sch 
Scheitern der Bewegung 1919
Schenkungen
Schulpflichtersatz

 St 

Stadt-Land-Verhältnis/Entstehung
Steuern/Ausgaben besteuern
Steuern/Abgabe für Unternehmer
Steuern/Verfahren
Strafe
Strafrecht

 T 
Teilungsverhältnis, vertragsgemäßes
Tod im sozialen Leben
Trichotomie/Dreigliederung des menschl. Wesens
Trinität (Dreieinigkeit, -faltigkeit; hier aber Dreizahligkeit)
Typen volkswirtschaftlicher Werte

 U 
Unternehmer/Einkommen
Unternehmer/freie Initiative
Unternehmer/Nachfolge, allgemein
Unternehmer/Nachfolge in Landwirtschaft
Unternehmer/Wahl
Unternehmergeist
Urteil, soziales/wirtschaftliches
Urzelle, wirtschaftliche

 V 
Vergleich menschlicher und sozialer Organismus
Verkehr
Volksentscheid (direkte Demokratie)
Volkstalente/Volksbegabungen

 W 
Ware/Begriff
Welt- und Menschheitsentwicklung
Weltherrschaft/anglo-amerikanische
Weltwirtschaft/Bewußtsein
Weltwirtschaft/Korrektur
Werbung, Reklame
Wert/Preisentstehung - Güter
Westen und soziale Frage
Wert/geistiger Leistungen
Widerrechtlicher Fürst der Welt
Wiederverkörperung und Schicksal (Reinkarnation und Karma)/Begriffe
Wiederverkörperung und Schicksal/Verantwortung
Wiederverkörperung und Schicksal/Doppelegoismus
Wirtschaft/Freigiebigkeit bei geistigen Leistungen
Wirtschaft/Gesamtwille wirkt auf Einzelwille
Wirtschaft/Gesetz des wirtschaftlichen Altruismus
Wirtschaft/Heilkraft gegen Verfall
Wirtschaft/Sympathien
Wirtschaft/Urteilsbildung
Wirtschaft/Wirkung nach dem Tode

 XYZ 
Zeitgeister/Träger des Wirtschaftskreislaufes
Zeitung für Dreigliederung
Zeitungen/Gliederung innerhalb eines Wirtschaftszweiges
Zins
Zweigliederung








Nächstenliebe:
Eine heutige Wirklichkeitswissenschaft muß über Arbeit, über Kapital, über Kreditverhältnisse, über Bodenverhältnisse, über alle diese Dinge, die mit dem heutigen Leben zusammenhängen, über die Gestaltung des sozialen Lebens so reden können, wie sie zu reden versteht über das Verhältnis des Menschen zum göttlichen Wesen, über das Verhältnis des Menschen zur Nächstenliebe und so weiter. Das ist, was die Menschheit so lange versäumt hat: den Anschluß zu finden von oben herunter bis in die unmittelbarsten konkreten Gestaltungen und Prozesse des Lebens. Das ist, was Theologie und Theosophie in unserer Zeit versäumten in ihren verschiedenen Gestaltungen, was auch eine okkulte Richtung versäumte. Sie reden sozusagen von oben herunter bis dahin, wo sie den Leuten sagen können: Seid gute Menschen, und dergleichen ähnliches. Aber sie sind unfruchtbar, sie sind steril, wenn es darauf ankommt, die brennenden konkreten Fragen der Gegenwart wirklich zu erfassen. 186.265

Nicht darauf kommt es an, Nächstenliebe zu predigen! Ich habe oftmals gesagt in den verschiedensten Kreisen: Wenn im Zimmer ein Ofen steht, und ich rede so, wie es nun üblich geworden ist in der bürgerlichen Weltanschauung, von allerlei ethischen Forderungen zu sprechen, zu denen auch die Nächstenliebe gehört, dann müßte ich sagen: Der Ofen hat die Pflicht, das Zimmer warm zu machen. Aber wenn ich mich auch bemühe zu sagen: Lieber Ofen, es ist deine Ofenpflicht, das Zimmer warm zu machen, es ist deine heilige Pflicht -, und ich wiederhole das immer wieder und wieder, das Zimmer wird halt kalt bleiben! Aber ich kann mir die Rede sparen, wenn ich Holz einlege und es anzünde. Da tue ich das Konkrete, da wird es warm im Zimmer. Manchmal redet man von der Art und Weise, wie sich im Wirtschaftsleben Assoziationen bilden sollen, wie da, wie ich gesagt habe, im großen Stile die Brüderlichkeit herrschen soll, und im konkreten Leben zustande komme; redet man davon, wie man gliedern muß den sozialen Organismus, dann redet man von etwas Konkretem. Da steckt ja schon alles drinnen, auch was Nächstenliebe sein will! Aber das bloße Reden von Nächstenliebe, das ist ja auch dasjenige nicht, was heute unter unseren komplizierten Verhältnissen etwas zuwege bringt. Und wenn es heißt: Jesus Christus soll der Führer sein -, selbstverständlich soll er der Führer sein. Aber es kommt nicht auf das Reden an, sondern auf dasjenige, was einer tut. 329.183f



Nationalökonomische Begriffe:
Volkswirtschaftliche Begriffe gelten immer nur für ein bestimmtes Gebiet und ändern sich für ein anderes Gebiet um. Das ist auch sonst in der Wirklichkeit der Fall. Was ein Heilmittel für den Kopf ist, ist ein Verderbnismittel, ein krankmachendes Mittel für den Magen, und umgekehrt. Und so ist es durchaus auch im volkswirtschaftlichen Organismus. 340.101

Wir müssen in der Volkswirtschaft nicht zu richtigen, sondern zu anwendbaren Begriffen kommen. 341.63

Die heutigen Begriffe der Nationalökonomie sind deshalb so schlecht, weil die Menschen (noch) keine Erkenntnisse von übersinnlichen Welten haben. Beispielsweise brauchen sie
Begriffe gestatten Ihnen gar nicht, den volkswirtschaftlichen Prozeß zu erfassen, Sie müssen ihn in Bildern erfassen. Das ist dasjenige, was heute nun von aller Gelehrtheit außerordentlich unbequem empfunden wird, wenn irgendwo gefordert wird, daß etwas übergehen soll aus der bloßen Abstraktheit der Begriffe in die Bildhaftigkeit. Wir werden aber niemals eine wirkliche Volkswirtschaftswissenschaft begründen können, ohne daß wir zu bildhaften Vorstellungen übergehen, ohne daß wir also in die Lage kommen, uns die einzelnen volkswirtschaftlichen Detailprozesse bildhaft vorzustellen und sie so vorzustellen, daß wir im Bilde selber etwas Dynamisches drinnen haben und wissen, wie solch ein volkswirtschaftlicher Detailprozeß wirkt, wenn er so oder so gestaltet ist.340.149

Daher kann es in der Volkswirtschaft nicht die rein deduktive Methode geben. Die induktive hilft erst recht nichts. Sie hat Lujo Brentano befolgt. Wir können nur die wirtschaftlichen Tatsachen beobachten - sagt sie - und steigen dann allmählich zu dem Gesetze auf. - Ja, da kommen wir überhaupt zu keinem schöpferischen Denken. Das ist die sogenannte neuere Nationalökonomie, die sich die wissenschaftliche nennt. Die will eigentlich bloß induktiv sein. Aber mit ihr kommen Sie nicht vorwärts.

In der Volkswirtschaft brauchen Sie durchaus eine charakterisierende Methode, die die Begriffe dadurch zu gewinnen sucht, daß man von verschiedenen Ausgangspunkten kommt, sie zusammenhält, sie in Begriffen gipfeln läßt. Dadurch bekommt man einen bestimmten Begriff. Der wird wahrscheinlich, da man niemals den vollen Umfang der Tatsachen überschauen kann, sondern nur eine gewisse Summe von Erfahrungen hat, in gewissem Sinne einseitig sein. Jetzt gehen Sie mit dem Begriff noch einmal durch die Erscheinungen durch und versuchen ihn zu verifizieren. Da werden Sie sehen, daß das eigentlich ein Modifizieren ist. So kommen Sie, indem Sie charakterisieren, zu einem Begriff, den Sie verifizierend modifizieren, und Sie bekommen dann eine volkswirtschaftliche Anschauung.
341.11



Osten und soziale Frage:
Die Asiaten haben durch Jahrtausende hindurch zu pflegen gewußt die altruistischen Antriebe in der Menschennatur. Dennoch aber haben sie es zuwege gebracht, daß die ungeheueren Hungersnöte in China, in Indien und so weiter wüteten. Das ist das Eigentümliche der asiatischen Kultur, daß die Gesinnung vorhanden ist, und daß diese Gesinnung innerlich ehrlich ist, daß aber kein Talent dazu vorhanden ist, diese Gesinnung im äußeren Leben zu verwirklichen. Und das ist sogar das Eigentümliche dieser asiatischen Kultur, daß sie einen ungeheuer bedeutsamen altruistischen Antrieb im Inneren der Menschennatur enthält und keine Möglichkeit, ihn äußerlich jetzt zu verwirklichen. Im Gegenteil, würde Asien allein bleiben, so würde durch diese Tatsache, daß Asien zwar die Möglichkeit hat, den Altruismus innerlich zu begründen, aber kein Talent, ihn äußerlich zu verwirklichen, eine furchtbare Zivilisationswüste werden. So daß man sagen kann: Von diesen drei Dingen, Impuls zur Kosmogonie, Impuls zur Freiheit, Impuls zum Altruismus, hat Asien das dritte am allermeisten in der inneren Gesinnung. Aber es hat nur das eine Drittel von dem, was notwendig ist für die gegenwärtige Zivilisation, wenn sie wiederum hochkommen will: nämlich die innere Gesinnung für den Altruismus. 191.75



Ost-West-Mitte und soziale Frage:
Ja, man lernt heute die Geheimnisse unserer Zivilisation nicht kennen, wenn man nicht zu verteilen weiß die drei Impulse, bei denen es sich um den Aufstieg unserer Zivilisation handelt, auf die Glieder unserer Erdoberfläche; wenn man nicht weiß, daß das Streben nach Kosmogonie in den Talenten der anglo-amerikanischen Welt liegt, das Streben nach Freiheit in der europäischen Welt liegt, das Streben nach Altruismus und nach einer solchen Gesinnung, die, wenn sie richtig in der Wirklichkeit angewendet wird, zum Sozialismus führt, eigentlich nur in der asiatischen Kultur. Amerika, Europa, Asien haben jedes ein Drittel von dem, was anzustreben notwendig ist für einen wirklichen Neuaufstieg, für einen Neuaufbau unserer Kultur. 191.77



Paradies auf ökonomischen Wege:
Der Mensch kann auf ökonomischem Wege kein Paradies auf Erden herstellen. Sobald wir aber einzelnen Faktoren der Wirtschaft ihren wirklichen Wert geben, kann ein bestmöglicher Zustand erreicht werden. Insbesondere die Preise der geistigen Arbeit, aber auch die der Waren, sollten in ein richtiges Verhältnis zueinander gebracht werden. 341.77



Parteien/Agrarier eher konservativ:
Dafür möchte ich Ihnen wiederum ein Beispiel angeben. Sie wissen, in den verschiedenen Parlamenten der Welt haben sich in den vergangenen Zeiten, sagen wir, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, noch etwas später, zwei Parteirichtungen herausgebildet, vor denen man eigentlich bislang einen ziemlich großen Respekt hatte: eine konservative und eine liberale Parteirichtung. Das andere, was an Parteien aufgetaucht ist, ist ja erst später zu diesen zwei Grundparteien hinzugekommen. Aber sehen Sie, das ist heute so notwendig, daß man über die Phrase zur Sache vordringt, und daß man bei vielem nicht danach fragt, was die Menschen selbst, die es vertreten, davon sagen, sondern nach dem, was in dem Unterbewußtsein der Menschen drinnensitzt. Und da werden Sie denn finden, daß diejenigen Menschen, die sich zu irgendwelchen mehr konservativ gefärbten Parteien bekennen, solche sind, die irgendwie mehr zu tun haben mit Agrarischem, mit der Besorgung des Grundes und Bodens, also des Urgliedes der menschlichen Kultur. Selbstverständlich können an der Oberfläche allerlei Nebenerscheinungen auftreten. Ich sage nicht, daß jeder Konservative ein Agrarier sein muß, natürlich gibt es überall Zuläufer, überall gibt es solche, die aus der Phrase heraus irgendeinem Prinzip anhängen; aber man muß auf die Hauptsache sehen, und die ist, daß dasjenige, was ein Interesse daran hat, gewisse Strukturformen der sozialen Ordnung aufrechtzuerhalten, sie nicht zu schnell vorwärtsgleiten zu lassen, die agrarische Bevölkerung ist.

Dasjenige, was mehr aus dem Industriellen heraus kommt, was mehr aus der vom Lande losgerissenen Arbeit heraus kommt, das ist liberal, das ist progressiv. So, daß diese Parteirichtungen auf etwas Tieferes zurückgehen; und man sollte überall suchen, diese Dinge über die Phrase hinauszubringen, von den Worten bis zu den Sachen vorzudringen.
191.81



Parteien/Parteiprogramme antisozial:
Die Menschen sondern sich heute in Parteien oder in Gruppen und vertreten irgendeine Maxime, irgendein Programm. Sie sind überzeugt von dieser Maxime, sie sind überzeugt von diesem Programm und können es beweisen. Die anderen vertreten eine ganz andere Maxime, ein ganz anderes Programm; sie können es auch beweisen, und man kann nicht sagen, daß der eine schlechtere oder der andere bessere Gründe für seine Überzeugung hat. Das ist eine Erscheinung des öffentlichen Lebens, die man wirklich bemerken sollte, denn es ist die allercharakteristischste Erscheinung unserer Zeit. Es führt ja diese Erscheinung schließlich zu den allerantisozialsten Tatsachen und Stimmungen.
191.146

Das ist das eine Mittel, das Ahriman hat, um seine Inkarnation möglichst wirksam zu machen: die Menschen bei dem wissenschaftlichen Aberglauben zu halten.

Das andere Mittel, das zweite Mittel, das er hat, ist: alles das zu schüren, was die Menschen heute in Gruppen, in kleine Gruppen zerteilt, die sich gegenseitig befehden. Sie brauchen bloß in der Gegenwart auf das Parteiwesen, auf das sich befehdende Parteiwesen hinzusehen, und Sie werden finden - wenn Sie nur unbefangen sind, können Sie das anerkennen -, daß diese sich befehdenden Parteien eigentlich aus der bloßen Menschennatur heraus wahrhaftig nicht zu erklären sind.
193.171

Dann tritt aber noch etwas anderes hinzu. Wir sehen heute überall für dies oder jenes Parteien auftreten. Nun, in bezug auf diese Parteimeinungen und Parteiprogramme sehen die Menschen durchaus heute nicht klar und wollen nicht klarsehen. Man kann heute mit einem großen menschlichen Scharfsinn das Allerradikalste beweisen. Leninismus läßt sich sehr scharfsinnig beweisen, aber auch sein Gegenteil, und alles, was dazwischen liegt. Sie können heute jede menschliche Programmeinung streng beweisen. Nur hat derjenige, der die entgegengesetzte Programmeinung beweist, ebenso stark recht. Dasjenige, was intellektualistischer Geist ist, wie er heute unter den Menschen herrscht, das reicht keineswegs, aus, um irgend etwas in seiner inneren Lebensfähigkeit, in seinem inneren Lebenswert zu zeigen. Es beweist. Aber was bewiesen ist, das sollten wir durchaus noch nicht für etwas Lebenswertes, Lebenskräftiges halten. Daher stehen sich heute die Menschen, einander bekämpfend, in Parteien gegenüber, weil sich jede Parteimeinung mit demselben Rechte oder wenigstens die wesentlichsten Parteimeinungen mit dem gleichen Rechte beweisen lassen. Dasjenige, was unser Intellekt ist, bleibt an der oberen Schicht des Verstehens der Dinge, dringt nicht in diejenige Schicht hinunter, wo die Wahrheit wirklich liegt. Das müßte auch nur tief und gründlich genug eingesehen werden. Die Menschen lieben es heute, gerade mit ihrem Verstande an der Oberfläche zu bleiben und nicht durch tiefere Geisteskräfte in weitere, dem Wesen der Dinge entsprechende Schichten des Seins vorzudringen. Obwohl man sich nur im äußeren Leben ein wenig umzusehen brauchte - schon das alleralleräußerste Leben zeigt oftmals, wie man durch das, was die Menschen heute lieben, getäuscht werden kann. Die Menschen lieben heute in der Wissenschaft die Zahl, sie lieben aber auch im sozialen Leben die Zahl. Sehen Sie einmal die sozialistische Wissenschaft an: sie besteht fast aus lauter Statistiken. Und aus Statistiken, das heißt aus Zahlen, werden die wichtigsten Dinge geschlossen, erschlossen. Nun, auch mit Zahlen läßt sich alles beweisen und alles glauben. Denn die Zahl ist nicht ein Mittel, etwas zu beweisen, sondern die Zahl ist gerade ein Mittel, die Menschen zu täuschen. Sobald man nicht von den Zahlen auf das Qualitative sieht, über die Zahl hinwegsieht und auf das Qualitative sieht, kann man durch die Zahl am meisten getäuscht werden.... Zahlen sind dasjenige, wodurch Ahriman am meisten erreichen kann, wenn die Zahlen als Beweismittel angeführt, als Beweismittel angesehen werden.193.190f



Parteien/Karikaturen, Abglanz des Geistigen:
Was sind denn also Parteien hier im physischen Leben? Sie sind die Karikaturen von demjenigen, was in der übersinnlichen Welt seine gute Berechtigung hat; sie sind die verzerrten Schattenbilder von Dingen, die in der geistigen Welt ihre gute Berechtigung haben. Das ist das Schwierige der Sache, daß dasjenige, was in der sinnlichen Welt auftritt, das Abbild sein kann von etwas, was in der geistigen Welt eine ganz gute Bedeutung hat. In der sinnlichen Welt ist es verderblich, verwerflich, denn die Welten haben alle ihre eigenen Gesetze - und wir steuern heute hinein in die Notwendigkeit, uns zur geistigen Welt wieder hinaufzuarbeiten. Aber die erste Etappe wird damit begonnen, daß hier in dem physischen Leben die Karikaturen des geistigen Lebens auftreten, daß die Menschen zunächst hier Parteifahnen aufrichten und Parteigötzen folgen, während sie geistigen Wesenheiten folgen sollten. Da ist es Wahrheit, wenn es in der übersinnlichen Welt geschieht; Lüge und Illusion ist es, wenn es hier in der physischen Welt geschieht. Sie sehen, es ist keine Phrase, wenn davon gesprochen wird, daß es darauf ankommt, das bloß theoretische Wesen in Wirklichkeit zu verwandeln, sobald man von den Wahrheiten jenseits der Schwelle sprechen will.197.124

Sie erleben es heute, daß Sie hineinwachsen in eine Welt, in der es unter vielem andern, auf sozialem Felde zum Beispiel, Parteien gibt, liberale, konservative und alle möglichen andern Parteien. Die Menschen schlafen gegenüber dem, was diese Parteien sind. Wenn sie Wahlzettel erhalten, so bekennen sie sich zu einer oder der andern Partei, denken nicht viel darüber nach, was eigentlich das ist, was im ganzen öffentlichen Leben, dieses Leben durchwühlend, als Parteimeinung existiert. Man kann eben die Dinge nicht ernst nehmen. Da ist eine ganze Menge von Leuten, die plappern in der schönsten Weise alle möglichen Orientalismen von Maja in der Außenwelt nach; aber sobald sie einen Schritt in dieser Außenwelt machen wollen, dann bleiben sie nicht bei dem, was sie abstrakt nachplappern. Denn sonst würden sie zum Beispiel fragen: Maja?
199.22
Also sind auch die Parteien Maja? Was ist denn die Wirklichkeit, auf die diese Maja hinweist? Geht man geisteswissenschaftlich - und wir werden uns morgen genauer über diese Sache aussprechen - genauer auf diese Sache ein, dann findet man, daß Parteien in der äußeren physischen Welt da sind, indem sie Programme haben, Grundsätze haben, das heißt, indem sie abstrakten Ideen nachjagen. Aber alles, was äußerlich in der physischen Welt lebt, ist immer das Abbild, der Abglanz dessen, was in der geistigen Welt als eine Realität intensiverer Art vorhanden ist. Da haben wir immer die physische Welt (siehe Zeichnung, rot). Aber alles hier in der physischen Welt weist hin auf Geistiges. Und da oben in der geistigen Welt sind für diese physischen Dinge erst die eigentlichen Realitäten (siehe Zeichnung, rot). Da unten sind zum Beispiel die Parteien (orange); wovon sind sie Abglanz? Auf der Erde bekämpfen sich diese Parteien; da suchen sie eine Menge von Menschen unter einem abstrakten Programm zusammenzuhalten. Wovon sind denn diese Parteien der Abglanz? Was ist denn da oben in der geistigen Welt, wenn hier in der Maja die Parteien sind? In der geistigen Welt gibt es keine Abstraktionen, und die Parteien stehen in der Abstraktion. Da oben gibt es nur Wesen. Da oben kann man sich nicht zu einem Parteiprogramm bekennen, sondern da kann man Anhänger dieses oder jenes
199.23
Wesens, dieser oder jener Hierarchie sein. Man kann dort nicht bloß mit seinem Intellekt einem Programm anhängen, das gibt es da nicht; man muß mit seinem ganzen Menschen einem andern Wesen nachgehen. Was hier abstrakt ist, ist da oben wesenhaft, das heißt, das Abstrakte ist hier nur Schatten des Wesenhaften da oben. Und wenn Sie die beiden Hauptkategorien der Parteien, konservativ und liberal, nehmen, so ist es so, daß die konservative Partei ein Programm hat, die liberale Partei ein Programm hat; aber wenn man hinaufsieht, wovon das der Abglanz ist, dann zeigt sich: Ahrimanisches Wesen schattet sich hier (siehe Zeichnung, unterer Teil) im Konservativen ab, luziferisches Wesen schattet sich hier ab im Liberalen. Hier läuft man einem konservativen oder einem liberalen Programm nach, oben ist man Anhänger von einem ahrimanischen Wesen irgendeiner Hierarchie oder einem luziferischen Wesen irgendeiner Hierarchie.
199.22ff



Parteien/Zusammenhalt aus Gewohnheit:
Kämpfen denn heute noch in Wirklichkeit Parteien gegeneinander im Sinne ihrer alten Programme? Nein. Die Programme sind zur Phrase geworden und nur die Personen sind noch geblieben, die ehedem an diesen Programmen etwas gehabt haben. Es gibt eigentlich keine " rechtsstehenden " und keine " linksstehenden " Parteien mehr, sondern nur noch ihre Schatten. Denn Parteien sind ohne Parteiprogramme nichtig. Die Personen, die sich vor noch kurzer Zeit unter dem sachlichen Inhalt einer bestimmten Willensrichtung vereinigt gehalten haben, stehen aus alter Gewohnheit noch zusammen. Sie bilden Gruppen. Aber ihr Zusammenhalt ist im Grunde nur noch ein persönlicher 24.173

Parteien haben immer die Eigentümlichkeiten, daß sie nach und nach eigentlich abkommen von dem, was ursprünglich ihre Impulse waren... . Parteien entstehen, haben eine gewisse Lebenszeit, die verhältnismäßig kurz ist, dann sterben sie. Aber sie bleiben gewissermaßen, wenn sie schon Leichnam sind, noch lebendig als Leichnam; sie mögen nicht gerne sterben. Aber das schadet nichts. Wenn sie auch ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben, so sind sie doch noch Sammelbecken für die Menschen, und es ist trotzdem noch gut, wenn sie da sind, damit die Menschen eben nicht auseinanderlaufen. Deshalb hat man, wenn man nicht ein theoretisierender Politiker ist, wie es die Parteimänner ja oft sind, und wenn man nicht ein ideologischer oder utopistischer Politiker sein will, sondern wenn man sich auf praktischen Boden stellen will und sich bewußt ist, daß im politischen Leben nur etwas zu erreichen ist mit geschlossenen Menschengruppen, deshalb hat man gar kein Interesse daran, die Parteien zu zersplittern. Wir würden das Dümmste machen, was wir überhaupt machen könnten, wenn wir darauf aus wären, die Parteien zu zersplittern, oder etwa gar eine neue Partei begründen wollten. Wir könnten nichts Dümmeres machen. Also, darum kann es sich nun wirklich ganz und gar nicht handeln. 331.136ff (s. auch 332a.184)



Parteien prägen Phrasen:
Ein Wahrheitsuchen, das nicht aus dem Geiste selbst seine Säfte ziehen kann, kommt aus innerer Notwendigkeit bei der Phrase an. Und die Phrase ist heute das Kennzeichen des öffentlichen Lebens. Die Parteien prägen die Phrasen. Sie agitieren mit den Phrasen; sie finden Glauben mit den Phrasen.36.41



Parteien/Wirtschaft und Politik durcheinander:
Und was quiekt denn da eigentlich aus dem törichten Parteigezänke heraus? Es ist das wüste Durcheinanderwerfen und Ineinander-verschmelzen von wirtschaftlichen Gesichtspunkten und politischen Gesichtspunkten. Diese neuzeitlichen Parteien sind deshalb so schädlich, weil sie ganz auf dem beruhen, was sich als Verschmelzung des politischen mit dem wirtschaftlichen Leben überlebt hat. Daher hört man immer wieder von Leuten, die von einer Struktur der sozialen Ordnung rein gar nichts verstehen, daß man erst die politische Macht haben muß und dann die wirtschaftliche. Dann kehren sie das wiederum um und so weiter. Aus all diesen Dingen spricht der wüsteste Dilettantismus. Daß gerade solche Anschauungen innerhalb der Parteien auftreten, zeigt, wie notwendig die Dreigliederung des sozialen Organismus ist. 331.242



Parteien/Dreigliederung kein Parteiprogramm:
Wo alle Parteiprogramme versagt haben in dieser tragischen Zeit, werden es unsere Forderungen sein, welche in Innen- und Außenpolitik die neuen Wege vorzeichnen. Die Träger der Idee vom dreigliedrigen sozialen Organismus lehnen es entschieden ab, mit dieser Idee auf irgendeinen Parteiboden gestellt zu werden. Sie werden sich nie mit einem der bisherigen Parteiprogramme identifizieren. Ihr Ziel ist, zu Menschen und niemals zu Parteimitgliedern als solchen zu sprechen.24.443

Weder mit einer anderen Partei noch mit einer selbstgegründeten möchte ich irgend etwas zu tun haben. Also auch nicht mit einer selbstgegründeten. 330.404



Pazifistischer Richtsatz:
Wenn wir von dieser Gesinnung ausgehen, so finden wir namentlich einen Satz, den ich Sie bitte, sich recht zu Herzen zu nehmen, denn dieser eine Satz kann unter anderem Richtkraft für soziales Denken in der Zukunft geben. Dieser eine Satz ist der: Man reicht aus, ohne daß man Ideen hat, in Zeiten von Revolutionen und Kriegen, man kann aber nicht ausreichen ohne Ideen in Zeiten des Friedens; denn werden die Ideen in Zeiten des Friedens rar, dann müssen Zeiten von Revolutionen und von Kriegen kommen. - Zum Kriegführen und zu Revolutionen braucht man keine Ideen. Um den Frieden zu halten, braucht man Ideen, sonst kommen Kriege und Revolutionen. Und das ist ein innerer spiritueller Zusammenhang. Und alle Deklamationen über den Frieden nützen nichts, wenn nicht diejenigen, die die Geschicke der Völker zu leiten haben, sich bemühen, gerade in Friedenszeiten Ideen zu haben. Und sollen es soziale Ideen sein, so müssen sie sogar von jenseits der Schwelle herrühren. Wird eine Zeit ideenarm, so schwindet aus dieser Zeit der Friede.185a.212



Platonische Idee der drei Stände:
Mit der Dreigliederung soll nicht die alte platonische Idee dreier gesellschaftlicher Stände erneuert werden. Nicht die Menschen werden gegliedert, sondern funktionell unterschiedliche Teilbereiche der Gesellschaft, denen jeder Mensch angehört. Daher ist die Dreigliederung das Gegenteil der platonischen Idee einer Dreiteilung.328.94


Aus dem Griechentum ragt herein in unsere soziale Gliederung dasjenige, was durch die Regeln, die im Weltgeschehen sind, überwunden werden will: die Gliederung der Menschheit in Nährstand, Wehrstand, Lehrstand. Das soll gerade... überwunden werden; denn die Gliederung nach Ständen, die ist es, welche das Chaos in unsere gegenwärtige soziale Struktur hereinträgt... Diese Stände werden ganz naturgemäß verschwinden. Dahin geht die historische Notwendigkeit, daß die Verhältnisse gegliedert werden und der Mensch gerade als Mensch, als lebendiges Wesen, nicht als Abstraktum, sondern als lebendiges Wesen die Verbindung zwischen den drei Gliedern hervorruft. 186.11
23.140



Preis/Allgemeines:
Die Preisfrage ist der Zielpunkt aller volkswirtschaftlichen Fragestellungen. Sie ist nicht einfach.340.23
Wenn schon der Wert etwas Fluktuierendes ist, das man nicht definieren kann, dann ist ja, wenn sie Wert gegen Wert austauschen, gewissermaßen dasjenige, was im Austausch entsteht als Preis, das ist etwas Fluktuierendes im Quadrat. 340.33



Preis/gerechter, richtiger Preis:

Diese sog. Preisformel ist identisch mit dem Begriff der "Urzelle"

Ich habe also in den " Kernpunkten der sozialen Frage " als Formel das Folgende angegeben: Ein richtiger Preis ist dann vorhanden, wenn jemand für ein Erzeugnis, das er verfertigt hat, so viel als Gegenwert bekommt, daß er seine Bedürfnisse, die Summe seiner Bedürfnisse, worin natürlich eingeschlossen sind die Bedürfnisse derjenigen, die zu ihm gehören, befriedigen kann so lange, bis er wiederum ein gleiches Produkt verfertigt haben wird. Diese Formel ist, so abstrakt sie ist, dennoch erschöpfend. 340.82

Daher werden die Assoziationen vorzugsweise aus dem unmittelbaren Leben heraus die Tendenz zu gestalten haben nach dem richtigen Preise, so daß jeder tatsächlich aus seinem eigenen Erzeugen heraus dasjenige auch kaufen kann, was ihn versorgt. Ich habe einmal versucht, in eine Formel zu bringen, wie ein solcher gerechter Preis sich ausnehmen werde. Das ist natürlich nicht gemeint, daß er abstrakt bestimmt werden soll. Bestimmt wird er, wie ich angedeutet habe, aus dem wirklichen Leben heraus. Aber ich habe gesagt: Ein solcher Preis für irgendein Erzeugnis im sozialen Leben, also für eine Ware, ist der, der dem Menschen die Möglichkeit gibt, für sich und seine Familie den Lebensunterhalt und alle seine Bedürfnisse zu besorgen, bis er wiederum ein gleiches Produkt hervorgebracht hat. 79.261



Profit:
Der Profit mag in ethischer Beziehung was immer bedeuten; in wirtschaftlicher Beziehung ist er in der hergebrachten Wirtschaftsform das Erkennungszeichen für die Notwendigkeit der Erzeugung eines Gutes. Für die Fortentwicklung des Wirtschaftslebens handelt es sich darum, den Profit aus dem Grunde auszuschalten, weil er die Gütererzeugung dem Zufall des Marktes ausliefert, den zu beseitigen eine Forderung des Geistes der Zeit ist...Für das Wirtschaftsleben handelt es sich darum, daß das Erkennungszeichen des Profits abgelöst werde durch das Wirken von Personen, die in dem Wirtschaftskreislauf mit der Aufgabe eingeschaltet werden, die Vermittlung zwischen Konsum und Produktion in vernunftgemäßer Weise (als Aufgabe der Assoziationen, wb) zu besorgen, so daß der Zufall des Marktes wegfällt. 24.68f
332a.56



(Das) Punctum saliens der sozialen Frage:
= lt. Duden der springende Punkt , Kernpunkt, Entscheidendes;
Was hat es innerhalb der abendländischen Menschheit bewirkt, daß so das Vorstellungsvermögen der Menschen umgeartet worden ist? - Das Christentum! Das Christentum hat die Menschen entsklavt, das Christentum hat sie dazu geführt, wenigstens im Prinzip den Satz anzuerkennen: Die Menschen sind in bezug auf ihre Seele gleich vor Gott. Das aber hat auch die Sklaverei ausgeschlossen aus der sozialen Ordnung der Menschen. Aber wir wissen: Es hat eines gelassen, auf das wir von den verschiedensten Gesichtspunkten immer wieder hinweisen müssen, es hat bis in unsere Zeit herein die Auffassung gelassen, von der ich Ihnen gesagt habe, daß sie gerade das Punctum saliens ist in dem Bewußtsein des Proletariers: daß in unserer sozialen Ordnung ein Teil des Menschen, und noch dazu ein im Leib sich Abspielendes vom Menschen als Ware gekauft und von ihm selbst verkauft werden kann. Das ist ja das Aufreibende und Aufregende. Das ist eigentlich das Punctum saliens der sozialen Frage, daß Arbeitskraft bezahlt werden kann. Es ist auch das, was auf dem Grunde unserer ganzen sozialen Gemeinschaft läßt den Charakter des Egoismus; denn Egoismus muß herrschen in der sozialen Ordnung, wenn der Mensch für das, was er für sich braucht, sich seine Arbeit bezahlen lassen muß. Er muß erwerben für sich. Was als nächste Etappe nach der Überwindung der Sklaverei überwunden werden muß, das ist, daß keines Menschen Arbeit Ware sein kann! Das ist das wirkliche Punctum saliens der sozialen Frage, die das neue Christentum lösen wird. Und ich habe Ihnen einiges vorgetragen von den Lösungen der sozialen Frage, denn jene Dreigliederung der sozialen Ordnung, von der ich Ihnen gesprochen habe, die löst die Ware von der Arbeitskraft ab, so daß die Menschen in der Zukunft nur Ware, nur äußeres Erzeugnis, nur vom Menschen Abgesondertes kaufen und verkaufen werden, daß aber der Mensch, wie ich es schon dargestellt habe in dem Aufsatz " Theosophie und soziale Frage ", der 1905 erschienen ist, aus Bruderliebe für den anderen Menschen arbeiten wird. 186.311f



Rechtsleben/Inhalt, Umfang:
Anders als nach heutigen Verhältnissen müssen Strafrecht und Privatrecht der Zuständigkeit des Kultur- und Geisteslebens zugerechnet werden. Das öffentliche Recht (für innere und äußere Sicherheit) verbleibt beim staatlichen Rechtsleben.328.39

Das Demokratische muß ausgesondert werden von dem Boden des Geisteslebens, von dem Boden des Wirtschaftslebens. Dann ergibt sich zwischen beiden das eigentliche demokratische Staatsleben in dem ein jeder Mensch dem anderen als urteilsfähiger, mündiger, gleicher Mensch dem anderen gegenübersteht, in dem aber auch nur Majoritätsbeschlüsse gefaßt werden können über das, was abhängt von der gleichen Urteilsfähigkeit aller mündig gewordenen Menschen. 332a.86



Recht auf Erziehung, auf Lebensunterhalt
Wie Kindern das Recht auf Erziehung, so steht Altgewordenen, Invaliden, Witwen, Kranken das Recht auf einen Lebensunterhalt zu, zu dem die Kapitalgrundlage in einer ähnlichen Art dem Kreislauf des sozialen Organismus zufließen muß wie der gekennzeichnete Kapitalbeitrag für die Erziehung der noch nicht selbst Leistungsfähigen. Durch den vom Wirtschaftsleben abgesonderten Rechtsstaat wird, was eine allgemeine Angelegenheit der Menschheit ist, auch wirklich zu einer solchen Angelegenheit gemacht, denn im Gebiete der Rechtsorganisation wirkt dasjenige, worinnen alle mündig gewordenen Menschen mitzusprechen haben. 23.128f.



Rechtsquellen:
Ein Robinson Crusoe entwickelt auf seiner Insel kein Rechtsleben (höchstens mit seinem treuen Diener Freitag). Das Recht lebt erst zwischen den Menschen auf. Es entzündet sich das Recht an den Gefühlen der Menschen zueinander im gemeinsamen Leben. 332a.83f

Im Geistesleben drinnen, an den Universitäten muß das Staatsrecht entstehen als Wissenschaft zunächst, rein aus der menschlichen geistigen Auffassung heraus, denn das, was in den Parlamenten als Majoritätsbeschlüsse heute zustande kommt sind kaum inspirierte Tatsachen. 296.63

Das Leben der Menschen zwischen Geburt und Tod bildet die Quelle für alles das, womit der politische Staat zu tun hat. 189.41



Reklame, Werbung:
Die heutige Art der Werbung, die ein künstliches Interesse an Produkten erzeugt, muß zu Krankheiten des sozialen Organismus führen. 188.199
Es wird sich beim dreigeteilten Sozialorganismus von selber ergeben, daß Reklame nur als Sachreklame möglich sein wird. Es werden Agenturen das sein. Wenn ich einen Schuh fabrizieren will, muß ich mich an einen Schuh-Agenten wenden, der eine selbständige Agentur hat. Der wird meinen Schuh auf seine Reise mitnehmen. Eine solche Sachreklame wird immer zu finanzieren sein.
Frage: Aber werden dann nicht die Leute, die schneller vorwärts kommen wollen, doch wieder zu Suggestivreklame greifen?
Das wird nicht so sein. Wenn ich eine solche Einzelheit beantworte, so nehmen ich die Antwort nicht aus einer nur logischen Überlegung, sondern ich sehe den ganzen dreigegliederten Sozialkörper konkret vor mir. Und daraus ergibt sich, daß eine bloße Suggestivreklame nicht zu finanzieren sein wird. Es wird dafür einfach kein Geld vorhanden sein...
Entwurf..., S. 238



Rente/Aktien:
Wir haben uns ja schon sehr daran gewöhnt, daß es "normal" ist, Geld in Aktien "anzulegen". Mehr und mehr wird die Wirtschaft durch das Sharholder-Value, das Aktionärsvermögen, bestimmt als von den Interessen wirklicher Bedürfnisbefriedigung. Außerdem entspricht die Dividende einer Abschöpfung ohne wirkliche Gegenleistung, ist soweit eine Zusatzbelastung für die Wirtschaft. Was heute herausbezahlt, herausgeholt wird aus den Produktionsmitteln, was die Leute in den Hypothekenscheinen, in Pfandbriefen oder den Obligationen (heute in Aktien, wb) und so weiter ihr Kapital oder ihre Rente nennen, das ist absolut unnötig im wirklichen Prozeß der menschlichen Entwickelung der gesellschaftlichen Ordnung. Das...stellt die Menschen, die es herausnehmen, selber aus dieser Gesellschaftsordnung heraus, macht sie mehr oder weniger zu Parasiten und zu denjenigen, welche die großen Kräfte der Unzufriedenheit innerhalb der gesellschaftlichen Organisation erzeugen. 330.177



Rente/antisoziales Gepräge:
Nicht darauf beruht die Schädlichkeit der nichtarbeitenden Rentenbesitzer, daß sie ein verhältnismäßig Weniges den Arbeitenden entziehen, sondern darauf, daß sie durch die Möglichkeit, arbeitsloses Einkommen zu erzielen, dem ganzen Wirtschaftskörper ein Gepräge geben, das antisozial wirkt. 24.215f



Rente/ leistungsloses Einkommen - Grundeinkommen:
Die Welt kann ohne Rente im weitesten Sinne gar nicht leben, denn von ihr muß das ganze geistige Leben, Erziehung, Unterricht und alles erhalten werden und außerdem müssen die nicht arbeitsfähigen und kranken Menschen, die alten Menschen und dergleichen aus der Rente erhalten werden.
Nicht jede Art von leistungslosem Einkommen (=Rente) wird von der Dreigliederung kritisiert. Es handelt sich aber darum, einen Teil der Wertschöpfung der Unternehmen zunächst für den Lebensunterhalt von Menschen ohne eigenem Einkommen zu verwenden. Auch der restliche Teil der Gewinne sollte nicht völlig in das Privatvermögen, sondern in den Unterhalt des kulturellen und geistigen Lebens und damit in einen notwendigen Verjüngungsprozeß des sozialen Organismus geleitet werden. 185a.59



Richter/Wahl:
Die Urteilsfindungen selbst aber liegen in Einrichtungen, die aus der geistigen Organisation heraus gebildet sind. Diese Urteilsfindung ist in hohem Maße abhängig von der Möglichkeit, daß der Richtende Sinn und Verständnis habe für die individuelle Lage eines zu Richtenden. Solcher Sinn und solches Verständnis werden nur vorhanden sein, wenn dieselben Vertrauensbande, durch welche die Menschen zu den Einrichtungen der geistigen Organisation sich hingezogen fühlen, auch maßgebend sind für die Einsetzung der Gerichte. Es ist möglich, daß die Verwaltung der geistigen Organisation die Richter aufstellt, die aus den verschiedensten geistigen Berufsklassen genommen sein können, und die auch nach Ablauf einer gewissen Zeit wieder in ihre Berufe zurückkehren. In gewissen Grenzen hat dann jeder Mensch die Möglichkeit, sich die Persönlichkeit unter den Aufgestellten für fünf oder zehn Jahre zu wählen, zu der er so viel Vertrauen hat, daß er in dieser Zeit, wenn es dazu kommt, von ihr die Entscheidung in einem privaten oder strafrechtlichen Fall entgegennehmen will. Im Umkreis des Wohnortes jedes Menschen werden dann immer so viele Richtende sein, daß die Wahl eine Bedeutung haben wird. Ein Kläger hat sich dann stets an den für einen Angeklagten zuständigen Richter zu wenden...Für die engere Gesetzeskenntnis werden den in der geschilderten Art bestellten Richtern und Gerichtshöfen Beamte zur Seite gestellt, deren Wahl auch von der Verwaltung des geistigen Organismus zu vollziehen ist, die aber nicht selbst zu richten haben. Ebenso werden Appelationsgerichte (Berufungsinstanzen, wb)aus dieser Verwaltung heraus zu bilden sein...Die Urteilsvollstreckung fällt dem Rechtsstaate zu. 23.138

Diejenigen nun, die die Verwalter des Geisteslebens sind, werden zu gleicher Zeit die Richter zu bestellen haben, und jeder Mensch wird das Recht und die Möglichkeit haben - sagen wir sogar bloß für eine Zeitdauer - sich zu bestimmen, von welchem Richter er abgeurteilt sein will, wenn er in die Lage kommt, für irgendetwas Zivil- oder Strafrechtliches abgeurteilt zu werden. Da wird aus den wirklichen individuellen Verhältnissen heraus der Mensch sich seinen Richter bestimmen. Da wird der Richter, der nicht ein juristischer Bürokrat ist, sondern der aus dem geistigen Organismus heraus bestellt wird, aus den Zusammenhängen, in die er mit seiner Umgebung in sozialer Beziehung versetzt ist, auch feststellen können, wie aus der sozialen Umgebung heraus, derjenige zu beurteilen ist, über den zu richten ist. Es wird sich darum handeln, daß nicht aus staatlichen Bedürfnissen heraus die Richter bestellt werden, sondern daß die Gründe, aus denen heraus man einen Richter bestellt, ähnliche sind wie die, die man im freien Geistesleben geltend macht dafür, daß man den besten Erzieher an irgendeinen Platz hinbringt. Das Richterwerden wird etwas ähnliches sein wie das Lehrer- und Erzieherwerden.
Natürlich drängt sich dadurch die Rechtsfindung ab von der Feststellung des Rechtes, die auf demokratischem Wege erwächst. Wir sehen gerade an diesem Beispiel der Strafrechtspflege, wie aus der Demokratie dasjenige herauswächst, was individuelle Angelegenheit des Menschen ist, was auch individuellerweise beurteilt werden muß. Die Feststellung des Rechtes ist ja im eminentesten Sinne eine soziale Angelegenheit. In dem Augenblicke, wo man genötigt ist, sich an einen Richter zu wenden, hat man es in der Regel mit einer über- oder antisozialen Angelegenheit zu tun, mit etwas was aus dem sozialen Leben herausfällt. Solche Angelegenheiten sind im Grunde genommen alle individuellen Angelegenheiten der Menschen. Solche Angelegenheiten sind die Verwaltungszweige des geistigen Lebens, und unter diesen auch die Verwaltung der Rechtsfindung. Die Rechtsfindung wächst heraus, über die Grenzen der Demokratie.
332a.95f



Scheitern der Bewegung 1919:
Als ich dann nach Stuttgart kam, war es in einem gewissen Sinne selbstverständlich, daß zunächst die breiten Massen des Volkes angesprochen wurden...In meiner innersten Seele wußte ich, wie die Dinge stehen; denn ich wußte, daß, solange die Führer, die aus der alten Zeit herüberragen - ob sie nun die Führer der rechtsstehenden oder die Führer der linksstehenden Parteien, auch der am weitesten linksstehenden, sind -, die Parteien fest in der Hand haben, die Menschen fest in der Hand haben, so lange mit den Menschen nichts anzufangen ist. Aber denken Sie doch, was geschehen wäre, wenn ich gesagt hätte, ich wäre nicht dafür, mich an die weiten Kreise des Volkes zu wenden. Es hätte mir niemand zu glauben gebraucht, aber wenn es nicht geschehen wäre, so hätte man hinterher gesagt: Hätte er sich nur an die breiten Kreise des Volkes gewendet, dann wäre alles ganz anders geworden! - Wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, muß man auch durch Wirklichkeiten beweisen. Und es mußte erst durch die Wirklichkeiten bewiesen werden, daß aus sämtlichen linksstehenden Parteien die Verleumder und Phrasenhelden sich auftaten gegen das, was durch die Dreigliederung eben anfing, den breitesten Massen des Volkes verständlich zu werden. 199.276f



Schenkungen:
Was sind eigentlich die fruchtbarsten Kapitalumlagerungen?
Die Schenkungen sind gerade innerhalb des volkswirtschaftlichen Prozesses das Fruchtbarste. Und man kann eigentlich zu einem gesunden volkswirtschaftlichen Prozess nur kommen, wenn erstens die Möglichkeit da ist, daß Leute zum Schenken etwas haben, und zweitens den guten Willen haben, dieses zu Schenkende auch in vernünftiger Weise zu schenken. Schenkungskapitalien sind das Allerproduktivste im volkswirtschaftlichen Prozesse. Weniger produktiv... sind die Leihkapitalien, und am unproduktivsten ist dasjenige, was unmittelbar unter dem Kauf und Verkauf gezahlt wird...Geschenkt wird was...den volkswirtschaftlichen Prozeß schädigen würde, wenn es sich auf Grund und Boden stauen würde.
340.129f
Es gäbe keine ständige Erneuerung der menschlichen Gesellschaft, wenn nicht auch für Erziehung, Schulen und sonstiges Kultur- und Geistesleben gesorgt würde. Entweder geschieht dies nur schlecht, zwangsmäßig und ohne wirkliches Interesse oder es geschieht aus einem gewissen Interesse, auch aus einem menschlichen Verbundensein mit einer jeweiligen Einrichtung des Kultur- und Geisteslebens. Schenkungen müssen da sein. Die Menschen machen sich nur etwas vor, wenn sie sagen: In einem gesunden sozialen Organismus gibt es keine Schenkungen. Aber sie zahlen ihre Steuern. Die Steuern sind ja nur der Umweg, denn darin sind die Schenkungen, die wir an die Schulen und so weiter abgeben, das sind die Schenkungen. 305.238



Schulpflichtersatz:
Der Staat darf die Menschen nicht zu einer Schulbildung zwingen. Auch die Erlangung grundlegender Fähigkeiten wie Schreiben und Lesen sind Aufgaben, die vollständig dem freien Kultur- und Geistesleben zurechnen. Würde unter der Dreigliederung allerdings das Wahlrecht die Analphabeten ausschließen, so möchte ich die Eltern sehen, die ihr Kind nicht soviel Schulbildung aus eigenem Antrieb zukommen lassen, daß es als Erwachsener einmal wählen darf.

Der Staat hätte nur Forderungsrechte. Er stellt den nicht an, der keine Kenntnisse hat. Auch die Wahlmöglichkeit müßte so beschränkt werden. Das wäre der Ersatz für die allgemeine Schulpflicht: nur derjenige, der z. B. schreiben kann, darf stimmen. Wer nicht durch die Volksschule gegangen ist, darf nicht wählen. Man braucht den Führern nur zu sagen, daß dies einen praktischen Unterschied in Deutschland nicht machen würde. Es wäre nur eine Umlagerung der Verhältnisse. Man muß bestehen auf dem gleichen, allgemeinen Wahlrecht (daß es geheim sei, ist nicht wesentlich); aber die Analphabeten müssen ausgeschlossen sein. Entwurf..., S. 224



Selbstversorgung:
Es wird immer weniger, daß heute die Leute für sich selber produzieren, mit Ausnahme der Landwirtschaft, wo es naheliegt, daß sich der Landwirt selbst versorgt. In der Landwirtschaft, wo ohnedies so viele Korrekturen des allgemeinen wirtschaftlichen Ganges stattfinden, macht es nun wirklich nicht so viel aus, ob der Bauer sein Krauthapperl aus Eigenem nimmt oder kauft. 341.45

siehe auch Lohnempfänger/Selbstversorger



Sozialer Organismus/bewirken statt beweisen:
Im sozialen Organismus ist es nicht möglich die Entwicklung objektiv zu betrachten wie in der Natur. Man muß die Entwicklung bewirken. Deshalb ist es für ein gesundes soziales Denken verhängnisvoll, daß ihm gegenwärtig Ansichten gegenüberstehen, die, was sozial notwendig ist, so "beweisen" wollen, wir man in der Naturwissenschaft "beweist". 23.137



Soziales Hauptgesetz:
Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden. 34.33 (Einzelausgabe)



Sozialistische Illusion:
Sozialistische Illusion hat geglaubt, daß diese immer mehr angesammelten Kapitalmassen zuletzt von ihren Privatbesitzern einfach an die Gemeinschaft übergehen können, und daß sich dadurch eine sozialistische Gemeinschaftsordnung verwirklichen müßte. In Wahrheit müßte durch solchen Übergang die wirtschaftliche Fruchtbarkeit des Kapitals verlorengehen; denn diese beruht auf den wirtschaftlichen Fähigkeiten der einzelnen. Man sollte sich rückhaltlos eingestehen: Der Wirtschaftskreislauf wird dann am lebenskräftigsten sein, wenn ihm auf seinem eigenem Gebiete die Tendenz zum Antisozialen nicht genommen wird; dafür ihm aber fortdauern aus einem anderen Gebiete, dem geistige Gliede des sozialen Organismus, Kräfte zugeführt werden, welche das entstehende Antisoziale wieder zum Sozialen zurückbringen. 24.72f



Soziologisches Grundgesetz:
Die Menschheit strebt im Anfange der Kulturzustände nach Entstehung sozialer Verbände; dem Interesse dieser Verbände wird zunächst das Interesse des Individuums geopfert; die weitere Entwicklung führt zur Befreiung des Individuums von dem Interesse der Verbände und zur freien Entfaltung der Bedürfnisse und Kräfte des Einzelnen." 31.255f



Spirituelle Fähigkeiten/gesunder Menschenverstand:
Es ist ja heute so, daß dasjenige, was sozial fruchtbar ist an Ideen, eigentlich nur gefunden werden kann von den wenigen Menschen, welche sich gewisser spiritueller Fähigkeiten bedienen können, die die weitaus überwiegende Mehrzahl der Menschen heute nicht gebrauchen will, trotzdem sie in jeder Seele liegen. Aber diese wenigen, diese werden sich die Aufgabe setzen müssen, dasjenige, was sie herausholen aus der geistigen Welt gerade mit Bezug auf soziale Ideen, mitzuteilen. Sie werden es übersetzen in die Sprache, in die eben die geistigen Wahrheiten, die in einer anderen Gestalt jenseits der Schwelle geschaut werden, übersetzt werden müssen, wenn sie populär werden sollen. Diejenigen die aus der Initiation etwas wissen über soziale Ideen, werden die Verpflichtung haben, diese sozialen Ideen der Menschheit mitzuteilen, und die Menschheit wird sich entschließen müssen dazu, über die Sache nachzudenken. Und durch Nachdenken, bloß durch Nachdenken mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes, wird schon das Richtige heraus kommen.185a.200f



Spirituelle Fähigkeiten/Zuordnung:
Es liegt alles dasjenige, was mit Bezug auf die ökonomischen, die wirtschaftlichen und die wirtschaftsgesetzlichen Zusammenhänge ergründet werden muß, in Imaginationen. Alles, was in dem lebt, das man nennen kann das geistige Leben, alles das beruht auf Inspiration. Und alles das, was nun wirklich losgelöst vom Menschen existieren darf, ja losgelöst vom Menschen existieren muß, das worinnen die Menschen gleich sein müssen, wie man sagt, vor dem Gesetz, das kann nur auf Intuitionen beruhen. Darauf beruht also der, man könnte sagen, politische Organismus. Imagination: Wirtschaftsorganismus; Inspiration: geistiger Organismus; Intuition: Politischer Organismus. In dieser Weise müssen zusammenwirken wirklich Inspiration, Intuition, Imagination in der Gestaltung der Lebensverhältnisse.188.233f



Stadt-Land-Verhältnis/Entstehung:
Wir sehen, wie aus den alten Verhältnissen sich ergibt, daß die frühere Stadt, die aus irgendwelchen kirchlichen oder dergleichen Gründen entstanden war, Marktmittelpunkt, Markt wird. Und indem aus den alten Städten Märkte werden, entstehen wiederum neue Städte. Es ist interessant zu sehen, wie wirklich unter dem Einfluß des Wirtschaftslebens im 13., 12., 11. Jahrhundert die Städte entstehen. Zuerst entstehen die Städte durchaus so, daß sie im heutigen Süddeutschland und im Westen von Europa in Entfernungen von fünf bis sechs Wegstunden entstehen. Im Norden und im Osten entstehen sie in Entfernungen von sieben bis acht Wegstunden. Das ist in älteren Zeiten durchaus etwas wie Selbstverständliches. Warum? Weil die Bauern, die umher die Wirtschaft betreiben, mit ihren Produkten an einem Tag hinkommen und wiederum zurückkommen sollen. Das entsteht aus innerer Notwendigkeit heraus. 338.81f

Aber wie ist man denn überhaupt zu diesem Marktverhältnis gekommen? Im Grunde genommen aus der instinktiven Assoziation heraus, indem eine Anzahl von Dörfern in solch einer Entfernung, daß man hin- und zurückgehen kann im Tage, um einen größeren Ort herum waren und da die Leute ihre Produkte austauschten. 339.86



Steuern/Ausgaben besteuern:
Sehr aktuell sind diese Gedanken zum Steuerrecht, da eine Steuerreform mit dem Ziel einer Vereinfachung des Steuerrechts selbst von Experten als dringend notwendig empfunden wird. Es denkt heute jeder, es sei selbstverständlich das Gerechte, das Einkommen zu besteuern. Und doch, so paradox es für den heutigen Menschen klingt, dieser Gedanke, daß man die gerechte Besteuerung durch die Besteuerung des Einkommens erreichen könne, rührt nur von der Täuschung her, die die Geldwirtschaft gebracht hat...Man besteuert, was eigentlich kein wirkliches Gut ist, sondern nur Zeichen für ein Gut. Geld wird erst zu einem Wirklichen, wenn es ausgegeben wird. Die Menschen brauchen ja auch nur eines zu bedenken: Es nützt dem Menschen gar nichts, wenn er viel einnimmt. Wenn er die große Einnahme in den Strohsack legt, so mag er sie haben; das nützt ihm gar nichts im Wirtschaftsprozeß. Den Menschen nützt nur die Möglichkeit, viel ausgeben zu können...Daher muß man, wenn man im Steuersystem nicht etwas schaffen will, was parasitär am Wirtschaftsprozesse ist, sondern wenn man etwas schaffen will, was eine wirkliche Hingabe des Wirtschaftsprozesses an die Allgemeinheit ist, das Kapital in dem Augenblicke versteuern, in dem es in den Wirtschaftsprozeß übergeführt wird. Und das Sonderbare stellt sich heraus, daß die Einnahmesteuer verwandelt werden muß in eine Ausgabensteuer - die ich bitte, nicht zu verwechseln mit indirekter Steuer.
Hier wird deutlich, daß eine Steuerreform im Bereich der heute noch wichtigen Einkommenssteuer im Sinne der Dreigliederung nur eine (allmähliche) Abschaffung bedeuten kann. Mehrwertsteuer und andere Ausgabensteuern können dann nach und nach verstärkt werden. Allerdings wird der Ausgabenumfang des Staates insgesamt sinken, sodaß die "Steuerschraube" nicht so stark anzuziehen ist. 332a.60f



Steuern/Abgabe für Unternehmer:
Dr. Steiner: Wenn man auf diesem Gebiete wirklichkeitsgemäß denkt, so braucht man nur dem äußere Anerkennung zu schaffen, was da ist. In Wahrheit ist richtig in der Weltwirtschaft, daß jeder Besitzer desjenigen Teiles des Bodens und der Produktionsmittel ist, der dann herauskommt, wenn man den ganzen Umfang des Bodens und der Produktionsmittel dividiert durch die Bevölkerungszahl. Es stellt sich dabei heraus, daß der Volksreichtum allerdings abhängt von der Bevölkerungszahl, indem ein Stück Land besser ausgenützt wird, wenn es kleiner ist. Wenn in einem Territorium die Bevölkerung anwächst, so wird ideell jeder Besitzer eines kleineren Stück Bodens. Das Privateigentum kann gar nicht aus der Welt geschafft, sondern nur maskiert werden. Ich will nicht, daß alle Proletarier werden, sondern daß jeder Besitzer ist, und zwar desjenigen, was ihm zukommt. Das Privateigentum soll nicht abgeschafft, sondern auf eine solche Basis gestellt werden, daß sein Nutzeffekt kollektivistisch wirkt. Der Unternehmer muß den privaten Profit haben.
Das Übrige kommt dann bei der Steuer in Betracht. Das "Recht auf den vollen Arbeitsertrag" schafft alle freie Bewegung aus der Welt. Es ist nötig, daß der Unternehmer einen gewissen Mehrwert hat. Daß das Privateigentum in seinem Nutzeffekt für die Gesamtheit wirke, wird erreicht durch die Steuerregulierung. Es werden nur die Ausgaben versteuert. Die Festsetzung der Steuer ist Sache der politischen Behörde. Der Unternehmer bezahlt nicht nach seinem Besitz, sondern nach seinen Ausgaben. Wenn er z. B. 100 Arbeiter hat, bezahlt er für jede Quote, die er an diese entrichtet, seine Steuer. Man muß die Ausgabensteuer radikal durchführen. Keine Einnahmen- und keine Besitzsteuer, sondern nur Ausgabensteuer. Dann entfällt aller Schaden des Privateigentums. Auch die Schädlichkeit des Profites entfällt, wenn der Betreffende genötigt ist, so und so viel Steuern zu bezahlen dafür, daß er 100 Arbeiter anstellt. Dann kommt die Tatsache, daß er in der Lage ist, 100 Arbeiter anzustellen, der Allgemeinheit zugute. Es muß nötig sein, daß man gewissermaßen einen Reservefonds für den Fortschritt der Kultur hat. Dann ist es auch nicht nötig, daß die geistigen Arbeiter, wie in den "Grundsätzen" vorgeschlagen, sich dem Treuhandorganismus anschließen. Dieser Organismus, wie alles bloß Wirtschaftliche, führt in eine Sackgasse. Die geistige Produktion, einschließlich der Fabrikleitung, steht auf dem Gebiet des freien Geisteslebens. Dieses muß die Möglichkeit haben, das Erträgnis, das übrig bleibt, wenn alles andere besorgt ist, zu vollständig freier Verfügung zu haben. Nur dadurch, daß Sie auf dem geistigen Gebiete volle Freiheit walten lassen, schaffen Sie die Möglichkeit eines wirklichen Fortschritts. Jeder wirtschaftliche Körper führt in eine Sackgasse. Daraus kann man nur herauskommen durch Freiheit im Geist. Man muß sich dies immer zugestehen. Auf dem Gebiete der geistigen Produktion kann ich nicht anders, als für die Allgemeinheit schaffen.
Molt: Wenn aber der Unternehmer seinen Nutzen für sich verwendet?
Dr. Steiner: Diese Gefahr ist leicht zu unterbinden. Ein solches Handeln steht nicht vereinzelt da. Es tritt die Besteuerung der Ausgaben ein für solche Aufwendungen, z. B. auch für Miete. Die Steuern müssen ganz flüssig gehalten werden, z. B. große Mietsteuern für größere Mietansprüche. Die Schädlichkeit entsteht erst in dem Moment, da die Ausgabe gemacht wird. Beispiel: In der Zeit, da noch primitive Ausnützung des Meeres herrscht, erfindet einer ein Boot, mit dem zehnmal mehr gefangen werden kann; das beruht ganz auf seiner Erfindung. Er steigert dadurch den Wohlstand aller derjenigen, die in dem Gebiet arbeiten, wo er die Erfindung verwertet. Er kann nur schädlich werden, wenn ihm das nicht wieder abgenommen wird, wenn er ausbeutet. Wenn er das nur liegen läßt, was er einnimmt, wird es nie volkswirtschaftlich schädlich. Die Geizhälse sind die allerungefährlichsten sozialen Kostgänger. Alle die, die Geld in ihrem Strohsack verstecken, schaden gar nichts...

Die Steuerfragen stehen heute auf ganz verkehrten Füßen. Wenn man heute von Ausgabensteuern spricht, so denken alle an indirekte Steuern (Begriff s. wikipedia). Ich denke an Ausgabenbesteuerung. Die wichtigsten Lebensbedürfnisse sind gering zu besteuern, die weniger wichtigen stärker. Das Bankdepot ist Ausgabe.

Entwurf..., S. 226ff

Kühn: Würden dann nicht alle Gelder an den Staat fließen, wodurch die kulturellen Unternehmungen gefährdet würden?
Dr. Steiner: Es handelt sich darum, daß man spezifiziert. Der geistige Arbeiter wird gewisse Dinge für seine Arbeit brauchen. Sie werden gering versteuert sein. Wer zugleich industrieller Unternehmer ist, wird für alles das, was er für seine industriellen Unternehmungen braucht, hohe Ausgabensteuern zahlen müssen. Die geistige Produktion wird aus sich selbst leben können. Man braucht sie nur nicht zu hindern dadurch, daß man vom Staate hineinredet. Wenn sie frei vor sich gehen kann, dann muß jeder Mensch aus dem, was er in den anderen Sphären einnimmt, der geistigen Produktion seinen Tribut zahlen. Die beiden anderen Sphären brauchen Spezialisten, die gebildet werden müssen. Die ganze Erziehung muß bezahlt werden von den anderen beiden Sphären. Die Wirtschaftsmöglichkeit der geistigen Sphäre wird auch ganz auf sich selber gestellt sein.
Entwurf..., S. 228f



Steuern/Verfahren:
Molt: Wer wird bei der Ausgabensteuer Steuereinnehmer sein?
Dr. Steiner: Jeder ist verpflichtet, am Anfang des Monats so und so viele Stempelmarken zu kaufen. Wenn Sie dann eine Ausgabe machen, müssen Sie die Marke abgeben. Diese Marken müssen dann wieder einkommen, wie die Fahrkarten der Eisenbahnen. Die Steuer wird nicht vom Produzenten bezahlt. Sie ist bezahlt, bevor die Ausgabe gemacht wird. Es werden Kategorien der Steuerhöhe eingerichtet werden. Dies System wird sehr einfach sein. Aber es spielt überall das menschliche Urteil hinein. Es werden immer Fragen entstehen. Wenn ein neues Bedürfnis entsteht, entsteht eine neue Produktion. Nun entsteht die neue Frage: Wie ist ein solcher Artikel zu besteuern? Es wird nie die Produktion losgelöst vom menschlichen Urteil...

Betreffs Ausgabensteuer: Das Geld, das ins Ausland geht, müßte an der Grenze Steuer zahlen.
Entwurf..., S. 236f



Strafe:
Das Strafrecht, das wie der Schatten eigentlich unsoziale Zustände begleitet, wird in sozialen Zuständen auf ein Minimum herunter reduziert werden können. Daher werden die Fragen, die heute auftauchen gegenüber dem Strafrecht, ob es ein Überbleibsel ist und dergleichen, auf einen ganz neuen Boden gestellt werden, wenn eine solche Umwälzung wirklich geschieht. Ich möchte sagen: Wenn der Mensch krank ist, so tut er gewisse Dinge; wenn er gesund ist, tut er andere Dinge. So ist es auch hier. Es weist hin die Notwendigkeit, zu strafen, auf gewisse Krankheitssymptome innerhalb des ganzen sozialen Organismus. Wenn man anstrebt, den sozialen Organismus gesund zu machen, so werden die Begriffe über Strafe, Strafrecht, Strafvollzug eben doch auf einen ganz anderen Boden gestellt werden können. 332a.107



Strafrecht:
Das scheint heute radikal. Allein, man muß solche Radikalismen aussprechen, sobald man sie erkannt hat. Das geistige Leben, einschließlich des Erziehungslebens und einschließlich der Rechtsprechung in Privat- und Strafsachen, unterliegt so sehr dem, was aus der einzelnen Individualität des Menschen herausfließt in voller Freiheit, daß die beiden anderen Glieder des sozialen Organismus keinen Einfluß nehmen dürfen auf die Konfiguration, auf die Gestaltung dieses Lebens. 328.40



Teilungsverhältnis, vertragsgemäßes:
Diese Schrift stellt eine Form des sozialen Organismus dar, in dem der Begriff des Arbeitslohnes ebenso eine Umformung erfährt wie der alte Eigentumsbegriff. Aber durch diese Umformung wird ein lebensfähiger sozialer Zusammenhang der Menschen geschaffen. Nur eine leichtfertige Beurteilung wird finden können, daß mit der Verwirklichung des hier Dargestellten nichts weiter getan sei, als daß der Arbeitszeitlohn in Stücklohn verwandelt werde. Mag sein, daß eine einseitige Ansicht von der Sache zu diesem Urteil führt. Aber hier ist diese einseitige Ansicht nicht als die rechte geschildert, sondern es ist die Ablösung des Entlohnungsverhältnisses durch das vertragsgemäße Teilungsverhältnis in bezug auf das von Arbeitsleiter und Arbeiter gemeinsam Geleistete in Verbindung mit der gesamten Einrichtung des sozialen Organismus ins Auge gefaßt.23.108



Tod im sozialen Leben hineinweben
Der Sinn muß sich in diesem Zeitalter ausbilden, daß im äußeren historischen Geschehen Geburt und Tod lebt, und daß, wenn man irgend etwas gebiert, sei es ein Kinderspielzeug oder sei es ein Weltreich, man gebiert es mit dem Bewußtsein, daß es auch einmal tot werden muß. Es muß der Mensch es sein, der Geburt und Tod hineinwebt in sein soziales Leben.185.98f



Trichotomie/Dreigliederung des menschl. Wesens:
Woher kommt denn eigentlich der materialistische Geist der Gegenwart? Wer hat ihn gezüchtet? - Diesen materialistischen Geist gezüchtet haben eigentlich die religiösen Bekenntnisse. Und daß er heute auch in der sozialen Weltanschauung pulsiert, ist nur aus dem Grunde der Fall, weil die soziale Weltanschauung ein getreuer Schüler ist alles desjenigen, was im Grunde genommen von den religiösen Bekenntnissen in den Jahrhunderten gekommen ist. Es war wirklich wichtiger, als man denkt, daß die katholische Kirche im Jahre 869 auf dem allgemeinen Konzil zu Konstantinopel, das ich ja schon öfter erwähnt habe, den Geist abgeschafft hat. Seit dieser Zeit durfte innerhalb der katholischen Gelehrsamkeit nicht davon geredet werden, daß der Mensch Geist in sich habe. Es durfte nur gewissermaßen gesprochen werden davon, daß der Mensch Leib und Seele habe. So war es das ganze Mittelalter hindurch. Und vor nichts fürchteten sich die katholischen mittelalterlichen Gelehrten mehr als vor einem Sprechen von der Trichotomie, das heißt von der Dreigliederung des menschlichen Wesens in Leib, Seele und Geist. Denn das Konzil zu Konstantinopel hat bestimmt: Der Mensch besteht aus Leib und Seele, und die Seele hat einige geistige Kräfte und Eigenschaften; etwas Geist ist schon in der Seele, aber man darf nicht von einem besonderen Geiste sprechen. Dann haben die Wissenschafter und Philosophen geglaubt, daß sie aus voraussetzungsloser Wissenschaft nur Leib und Seele unterscheiden, während sie es doch nur unter dem Einfluß des kirchlichen Dogmas aus dem neunten Jahrhundert taten. Solche braven Professoren wie Wilhelm Wundt sind nur die Schüler der katholischen Dogmatik, auch als Psychologen. Diesen Zusammenhang durchschaut man nur gewöhnlich nicht.

Wodurch ist es gekommen, daß man, wenn man weltliche Wissenschaft bespricht, überhaupt nicht von Geist reden darf? Zum Teil ist es von diesem Dogma gekommen. Man darf aber nicht einmal von Seele reden. Von wirklicher Seele darf man nicht reden, weil die religiösen Bekenntnisse für sich das Recht beanspruchen, über Seele und, soweit sie wollen, soweit es das Dogma gestattet, über Geist zu sprechen; es ist für sie monopolisiert. Man redet eigentlich über etwas, was einem nicht zukommt, wenn man über Seele und Geist redet, denn das gehört denjenigen, die vom Standpunkte eines religiösen Bekenntnisses aus zu den Menschen sprechen. Was blieb denn der wirklichen Wissenschaft anderes übrig, dieser armen Zoologie, Physiologie, Chemie und Physik, als von materiellen Vorgängen zu sprechen. Wenn da oder dort etwas aufflammt, wenn sie vom Geiste sprechen, da mischen sie sich ein in die Angelegenheiten der religiösen Bekenntnisse. Es bleibt dieser armen weltlichen Wissenschaft nichts anderes übrig, als materiell, materialistisch zu werden, weil die religiösen Bekenntnisse ihr die Möglichkeit benahmen, irgend etwas Geistiges zu berühren.

Darin liegt etwas sehr Wichtiges. Sehr wichtig ist, zu erkennen, daß diejenigen Mächte, welche den Materialismus gebracht haben, die kirchlichen Mächte des Abendlandes sind. Den Kirchen verdanken wir den Materialismus.
192.353



Typen volkswirtschaftlicher Werte:
Sehen Sie, was notwendig ist, das ist, das Augenmerk zu richten auf die drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten, die die hauptsächlichsten drei Typen sind und um die die eigentlichen Fragen gehen. Was heute behandelt werden muß durch Denken und durch die Tat, das sind diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten. Sie können sich aber nur verständigen, auch durch die Tat nur verständigen mit dem, was als elementare Strömung heraufzieht, wenn Sie den Willen haben, auf die Sprache, die das Proletariat spricht, einzugehen und Ihr wirklich sachgemäßeres und wirklichkeitsgemäßeres Urteil ins Auge fassen und geltend machen können. Die drei Typen sind der sogenannte Unternehmergewinn, Kapitalgewinn, die Rente und der Lohn. Andere Typen von nationalökonomischen Werten gibt es nicht. Alles, was es gibt an nationalökonomischen Werten, fällt sachgemäß unter die drei Typen, entweder Unternehmergewinn, oder Rente, oder Lohn. Sehen Sie, was notwendig ist, das ist, das Augenmerk zu richten auf die drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten, die die hauptsächlichsten drei Typen sind und um die die eigentlichen Fragen gehen. Was heute behandelt werden muß durch Denken und durch die Tat, das sind diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten. Sie können sich aber nur verständigen, auch durch die Tat nur verständigen mit dem, was als elementare Strömung heraufzieht, wenn Sie den Willen haben, auf die Sprache, die das Proletariat spricht, einzugehen und Ihr wirklich sachgemäßeres und wirklichkeitsgemäßeres Urteil ins Auge fassen und geltend machen können. Die drei Typen sind der sogenannte Unternehmergewinn, Kapitalgewinn, die Rente und der Lohn. Andere Typen von nationalökonomischen Werten gibt es nicht. Alles, was es gibt an nationalökonomischen Werten, fällt sachgemäß unter die drei Typen, entweder Unternehmergewinn, oder Rente, oder Lohn. 185a.56



Unternehmer/Einkommen:
Zu einer Monopolstellung kann es nicht kommen, denn wie ich auch in meinem Buche (Kernpunkte, wb) zeigen werde, dasjenige, was jemand als Leiter bezieht, kann ja von Anfang an festgestellt werden, während dasjenige, was sich durch die gesellschaftliche Konjunktur ergibt, entweder in den Betrieb hineingesteckt werden muß, oder zum Ausgleich eben an die Allgemeinheit, das heißt, an einen anderen gehen muß, der es nun verwaltet, wenn er die Fähigkeiten dazu hat. Alle diejenigen Schäden, welche durch die heutige Stellung des Privateigentums eintreten, werden auf diese Weise beseitigt. 329.181

Der Betreffende (der Unternehmer, wb) wird gewisse Ansprüche stellen für seine geistige Leistung, für seine Führerleistung, für seine Leitung. Wenn einmal ein wirklicher Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen wird - der heute übliche Vertrag ist nur ein Scheinvertrag -, wird der Arbeitnehmer einsehen, daß seine Interessen am besten vertreten sind, wenn der Unternehmer den Betrieb mit seinen individuellen Kräften gut leitet, ohne ihn aber zu besitzen. Und dies ist eben dann möglich, wenn der Unternehmer ursprünglich aus freier Initiative die Forderung für seine geistige Leistung aufstellt und darüber mit den Arbeitern verhandelt. Kann diese Forderung nicht erfüllt werden, muß der Unternehmer mit seiner Forderung eben heruntergehen. Aber die Forderung muß aus völlig freier Initiative ursprünglich gestellt werden. Findet der Unternehmer keine Abnehmer, so muß er, was sich von selbst versteht, heruntergehen. Aber nun muß es dabei bleiben. Er bezieht nun aus dem Unternehmen heraus nichts weiter als den vereinbarten Anteil, der, wenn sich seine Arbeit vergrößert, vergrößert werden kann. Aber es bleibt Zins. Daneben besteht die Produktivität der Produktionsmittel selber, der Profit, der aus dem Betrieb hervorgeht. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge, das, was man durch seine geistige Leistung erwirbt, und das, was aus dem Betrieb herausgeht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, mit Produktionsmitteln zu arbeiten, als sein erspartes Kapital in Produktionsmittel hineinzustecken. Diese Dinge unterscheidet man heute nicht. Diese Dinge werden im gesunden sozialen Organismus unterschieden werden.190.28

Statt dem Gemeineigentum der Produktionsmittel wird im sozialen Organismus ein Kreislauf dieser Mittel eintreten, der sie immer von neuem zu denjenigen Personen bringt, deren individuelle Fähigkeiten sie in der möglichst besten Art der Gemeinschaft nutzbar machen können. Auf diese Art wird zeitweilig diejenige Verbindung zwischen Persönlichkeit und Produktionsmittel hergestellt, die bisher durch den Privatbesitz bewirkt worden ist. Denn der Leiter einer Unternehmung und seine Unterleiter werden es den Produktionsmitteln verdanken, daß ihre Fähigkeiten ihnen ein ihren Ansprüchen gemäßes Einkommen bringen. Sie werden nicht verfehlen, die Produktion zu einer möglichst vollkommenen zu machen, denn die Steigerung dieser Produktion bringt ihnen zwar nicht den vollen Profit, aber doch einen Teil des Erträgnisses. Der Profit fließt ja doch nur im Sinne des oben Ausgeführten der Allgemeinheit bis zu dem Grade zu, der sich ergibt nach Abzug des Zinses, der dem Produzenten zugute kommt wegen der Steigerung der Produktion. Und es liegt eigentlich schon im Geiste des hier Dargestellten, daß, wenn die Produktion zurückgeht, sich das Einkommen des Produzenten in demselben Maße zu verringern habe, wie es sich steigert bei der Produktionserweiterung. Immer aber wird das Einkommen aus der geistigen Leistung des Leitenden fließen, nicht aus einem solchen Profit, welcher auf Verhältnissen beruht, die nicht in der geistigen Arbeit eines Unternehmers, sondern in dem Zusammenwirken der Kräfte des Gemeinlebens ihre Grundlage haben. 23.99f

Solange eine Person für sich allein oder in Verbindung mit einer Personengruppe die produzierende Betätigung fortsetzt, die sie mit einer Kapitalgrundlage zusammengebracht hat, wird ihr das Verfügungsrecht verbleiben müssen über diejenige Kapitalmasse, die sich aus dem Anfangskapital als Betriebsgewinn ergibt, wenn der letztere zur Erweiterung des Produktionsbetriebes verwendet wird. Von dem Zeitpunkt an, in dem eine solche Persönlichkeit aufhört, die Produktion zu verwalten, soll diese Kapitalmasse an eine andere Person oder Personengruppe zum Betriebe einer gleichgearteten oder anderen dem sozialen Organismus dienenden Produktion übergehen. Auch dasjenige Kapital, das aus dem Produktionsbetrieb gewonnen wird und nicht zu dessen Erweiterung verwendet wird, soll von seiner Entstehung an den gleichen Weg nehmen. Als persönliches Eigentum der den Betrieb leitenden Persönlichkeit soll nur gelten, was diese bezieht auf Grund derjenigen Ansprüche, die sie bei Aufnahme des Produktionsbetriebes glaubte wegen ihrer individuellen Fähigkeit machen zu können, und die dadurch gerechtfertigt erscheinen, daß sie aus dem Vertrauen anderer Menschen heraus bei Geltendmachung derselben Kapital erhalten hat. Hat das Kapital durch die Betätigung dieser Persönlichkeit eine Vergrößerung erfahren, so wird in deren individuelles Eigentum aus dieser Vergrößerung so viel übergehen, daß die Vermehrung der ursprünglichen Bezüge der Kapitalvermehrung im Sinne eines Zinsbezuges entspricht. - Das Kapital, mit dem ein Produktionsbetrieb eingeleitet worden ist, wird nach dem Willen der ursprünglichen Besitzer an den neuen Verwalter mit allen übernommenen Verpflichtungen übergehen, oder an diese zurückfließen, wenn der erste Verwalter den Betrieb nicht mehr besorgen kann oder will.(Unterstreichung, wb) 23.90
s.auch Gewinn/kein...



Unternehmergeist:
Das Geistesleben, das auf sich selbst gebaut ist, wird auch kein philiströses, kein bürgerliches Geistesleben sein, das wird ein Menschheits-Geistesleben sein, ein Geistesleben, das von den höchsten, allerhöchsten Gliedern des geistigen Schaffens hinunterreichen wird bis in die einzelnen Details der menschlichen Arbeit und ihrer Leitung hinein; die Leiter der einzelnen Wirtschaftsgebiete, sie werden Zöglinge des freien Geisteslebens sein und aus diesem freien Geistesleben heraus nicht das entwickeln, was heute zum Unternehmergeist, zum Kapitalismusgeist geworden ist.
s. auch freie Initiative



Unternehmer/Nachfolger allgemein:
Der Unternehmer soll das Unternehmen für die Zeit leiten, wie seine Fähigkeiten dies rechtfertigen. Das Geistesleben wird dies beurteilen. Hält der Unternehmer selbst oder eine Korporation des Geisteslebens den Zeitpunkt für gekommen, daß ein Nachfolger die Unternehmung weiterleitet, so kann der bisherige Leiter einen Nachfolger bestimmen. Hierin soll die Freiheit und Selbstverwaltung des Geisteslebens seinen Ausdruck finden. Weshalb sollte in diesem Sinne auf das fachkundige Urteil des Unternehmers verzichtet werden, der die Verhältnisse sicher gut kennt und auch die persönlichen Fähigkeiten eines evtl. Nachfolgers einzuschätzen weiß?
Und wenn er das nicht selber kann oder will, so entscheidet die freie Korporation des freien Geisteslebens. 338.169f

Er wird nur dafür zu sorgen haben, daß die Übertragung an eine solche Person oder Personengruppe geschieht, welche diesen Vorgang durch ihre individuellen Fähigkeiten als gerechtfertigt erscheinen lassen. Aus dieser Voraussetzung heraus wird auch zunächst ganz allgemein die Bestimmung zu gelten haben, daß, wer aus den geschilderten Gründen zu einer Kapitalübertragung zu schreiten hat, sich aus freier Wahl über seine Nachfolge in der Kapitalverwertung entscheiden kann. Er wird eine Person oder Personengruppe wählen können, oder auch das Verfügungsrecht auf eine Korporation der geistigen Organisation übertragen können. Denn wer durch eine Kapitalverwaltung dem sozialen Organismus zweckentsprechende Dienste geleistet hat, der wird auch über die weitere Verwendung dieses Kapitals aus seinen individuellen Fähigkeiten heraus mit sozialem Verständnis urteilen. Und es wird für den sozialen Organismus dienlicher sein, wenn auf dieses Urteil gebaut wird, als wenn darauf verzichtet und die Regelung von Personen vorgenommen wird, die nicht unmittelbar mit der Sache verbunden sind.Eine Regelung dieser Art wird in Betracht kommen bei Kapitalmassen von einer bestimmten Höhe an, die von einer Person oder einer Personengruppe durch Produktionsmittel (zu denen auch Grund und Boden gehört) erworben werden, und die nicht auf der Grundlage der ursprünglich für die Betätigung der individuellen Fähigkeiten gemachten Ansprüche persönliches Eigentum werden.23.91f



Unternehmer/Nachfolger in Landwirtschaft:
Bei dem industriellen Pol wird ja vorzugsweise die individuelle geistige Fähigkeit der Menschen, dasjenige, was sie können, gelernt haben, wozu sie veranlagt sind, bei dieser Übertragung in Betracht kommen. Bei der agrarischen Übertragung kommt anderes in Betracht; da kommt zum Beispiel in Betracht das Zusammengewachsensein des Menschen mit Grund und Boden. Da muß durchaus berücksichtigt werden, daß derjenige, der die besten Fähigkeiten hat, um den Grund und Boden weiter zu bearbeiten, nicht in abstrakter Weise gewählt werden kann nach seiner geistigen Veranlagung, sondern in einer gewissen Weise mit dem Boden zusammengewachsen sein muß. 332a.180



Unternehmer/Wahl:
Durch die Wahl des Unternehmers seitens der Arbeiterschaft würde eine Unterdrückung der Freiheit eintreten. Was absolut gewährleistet sein muß, ist dies: Ihr müßt mir dasjenige für meine geistige Leistung geben, was ich für nötig halte. Für das, daß der Unternehmer geistiger Leiter ist, bekommt er sein volles Einkommen.
Molt: Wer bestimmt, wer Unternehmer wird?
Dr. Steiner: In der Praxis wird die Kontinuität gewahrt. Die Unternehmer bleiben bis zu einem gewissen Grade bestehen. Die Absetzung des Unternehmers wird auf dem Wege der Schädigung durch den Staat erfolgen. Der Unternehmer muß vor Absetzung geschützt sein, solange er nichts macht, was die Allgemeinheit schädigt. Die drei Sphären stehen nicht nebeneinander. Der staatliche Organismus ist allen einzelnen übergeordnet. Im Wirtschaftskörper sind nur die Wirtschafter, im geistigen nur die Geistesarbeiter. Die Absetzung des Unternehmers müßte auf gesetzlichem Wege erfolgen.
Entwurf..., S. 231



Urteil, soziales/wirtschaftliches:
Aber wir müssen vor allen Dingen lernen, wirklich modern zu denken, um im modernen Sinne zu einer sozialen Urteilsbildung zu kommen - fassen wir das doch nicht oberflächlich auf, meine Damen und Herren -, um im modernen Sinne zu einem sozialen Urteil, zu einer sozialen Urteilsbildung zu kommen. Das können wir nur, wenn wir unter die Oberfläche der sozialen Erscheinungen hineinsehen in die Tiefen. Und da ergibt sich heute eine eigentümliche Tatsache. Da ergibt sich die Tatsache, daß der einzelne überhaupt, wenn er noch so gescheit ist, wenn er ein noch so intelligenter und meinetwillen auch idealistischer und praktischer Mensch ist - ich möchte das " Praktisch " dreimal unterstreichen -, daß er als einzelner überhaupt ein soziales Urteil nicht gewinnen kann. Es ist ein, ich möchte sagen, soziales Mysterium, meine Damen und Herren, daß jedes soziale Einzelurteil falsch ist. 305.206



Urzelle, wirtschaftliche:
Diese wirtschaftliche Urzelle - ich möchte wenigstens mit ein paar Worten kurz von ihr sprechen -, worin besteht sie denn? Geht man nicht vom Produzieren, sondern vom Konsumieren, von der Befriedigung der Bedürfnisse aus, so handelt es sich darum, daß wir erst zu einem praktikablen Ergebnis dessen kommen müssen, was im Sinne der Bedürfnisbefriedigung zu einer sachgemäßen Preisbildung führt. Das geschieht nämlich heute in anarchisch-chaotischer Weise durch Angebot und Nachfrage, und da steckt viel drinnen von der Unmöglichkeit, heute überhaupt zu etwas zu kommen. Mit der Formel von Angebot und Nachfrage wird man nicht zu dem Ziel kommen, zu produzieren, um zu konsumieren. Nicht wahr, um zu dem Ziel zu gelangen, ist es notwendig, daß das, was ich produziere, im Vergleich zu anderen Gütern so viel wert sein muß, daß ich dafür eintauschen kann, ganz gleich, wie sich der Tausch gestaltet, alle diejenigen Güter, die meine Bedürfnisse befriedigen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich ein gleiches Produkt wie jetzt hervorgebracht habe. Dabei muß dann alles das mit eingerechnet werden, was man als Beitrag zu leisten hat für diejenigen, die zur Zeit nicht unmittelbar selbst produzieren können, also für Kinder, die erzogen werden müssen, für Arbeitsunfähige und so weiter. Wovon man also ausgehen muß, das ist, sich klar zu werden über diese wirtschaftliche Urzelle. Erst dadurch wird es möglich, auf wirtschaftlichem Boden eine gerechte Preisbildung zu erreichen, so daß man dann in der Zukunft nicht wiederum, wenn man auf der einen Seite mehr verdient, auf der anderen Seite mehr ausgeben muß, weil die Dinge selbstverständlich unter dem Einfluß des Mehrverdienstes teurer werden. 331.128f

Diese wirtschaftliche Urzelle, die besteht einfach darin, daß in einem gesunden Wirtschaftsleben jeder für ein von ihm hergestelltes Produkt so viel erhalten muß - wenn man alles übrige einrechnet, was er zu erhalten hat, was gewissermaßen die Auslagen sind und so weiter -, so viel erhalten muß, wie er nötig hat zur Befriedigung seiner Bedürfnisse bis zur Herstellung eines gleichen Produktes. Ich habe es oftmals dadurch angedeutet, daß ich trivial sagte: Es muß ein paar Stiefel so viel Wert haben, wie alle anderen Produkte - seien es physische oder geistige Produkte -, die der Schuster nötig hat, die er überhaupt braucht, bis er wieder ein neues Paar Stiefel hergestellt hat. Ein Wirtschaftsleben, welches nicht durch irgendeine Rechenoperation etwa den Preis der Stiefel feststellt, sondern das dahin tendiert, daß dieser Preis von selbst herauskommt, ein solches Wirtschaftsleben ist gesund. 337b.227f
s. auch richtiger Preis



Vergleich menschlicher und sozialer Organismus/Umkehrung:
Die Verhältnisse der beiden Organismen sind in bestimmter Hinsicht umgekehrt:
Funktion Menschlicher
Organismus
Sozialer
Organismus
Erzeugung Nerven-/Sinnessystem Wirtschaftsleben
Vermittlung Herz-/Lungensystem Rechtsleben, Staat
Verbrauch Stoffwechsel Kultur- und Geistesleben
symbolisch
188.174 f

Boos: Ist es richtig, wenn man das soziale Carcinom so versteht, daß durch Überwuchern der Produktion (Aufbau) über den Konsum (Abbau) die Wucherkrankheit gekennzeichnet wird?
Dr. Steiner: Man darf die Produktion nicht vergleichen mit dem Aufbau, sondern nur mit der Einatmung. Das überwuchern der Einatmung über die Ausatmung führt zum Krebs. So wird das Bild richtig.
Entwurf..., S. 230



Verkehr:
Aber noch in viel alltäglicheren Dingen sehen wir dieses Ineinanderspielen: Nehmen wir ein Beispiel, wo dreierlei ineinanderfließt in einem Tatbestand des öffentlichen Lebens. Das ist im V e r k e h r. Der Verkehr hängt ja auf :der einen Seite, dadurch daß er die Straße braucht, mit Grund und Boden zusammen. Aber man sieht, weil der Verkehrsboden, Straßen usw. nicht Privatbesitz sein kann, auch nicht Ware sein kann, daß man da heraus muß aus der Ware, - daß also wenigstens ein Teil von Grund und Boden nicht als Ware betrachtet werden kann. Aber mit dein Verkehrswesen hängt auch unsere ganze Kultur zusammen. Das aber steht wiederum unter drei Gesichtspunkten. Was unterliegt dem Verkehr ? Erstens Güter, Waren. Zweitens Menschen. Drittens Nachrichten. In irgendeine der drei Kategorien können Sie alles unterbringen, was dem Verkehr unterliegt: Nachrichten, Menschen, Waren. Dadurch, daß im Verkehr W a r e n drinnen stehen, muß dasjenige, was sich auf den Warenverkehr bezieht, nach V e r t r ä g e n, nach den Impulsen des Wirtschaftslebens geregelt sein. Was sich auf Menschen bezieht, ist aus dem S t a a t s l eben heraus geregelt. Das sind R e c h t s v e r h ä l t n i s s e. Der Verkehr der Menschen muß nach Rechtsverhältnissen geregelt sein. Die Nachrichten unterliegen dem geistigen Leben, sind auch das geistige Leben im Verkehr. Sie werden schon finden, wie von den drei Seiten her die Dreigliederung des Verkehrswesens verwaltet werden muß, - was die alten Einrichtungen nicht zustande gebracht haben. Rechnen Sie sich aus, was für ein Unding es ist, daß noch immer bei uns in derselben Weise durch dieselbe Institution Güter und Nachrichten besorgt werden, die Postpakete und die Nachrichten ausgetragen werden, was durchaus nicht zusammengehört, und wozu auch keine Notwendigkeit vorliegt in den äußeren Einrichtungen. Aber die alten Staatseinrichtungen konnten es nicht dahinbringen, die Paketfahrt zu trennen vom Nachrichtendienst, so daß das eine das andere stört.
Sehen Sie in das Posttarifwesen hinein, da werden Sie sehen, was für eine Unwirtschaftlichkeit darin liegt, daß die Post für Nachrichten- und Güterverkehr dient.

Gerade da, wo das Leben anfangen muß, praktisch zu werden, und das Leben heute uns zu eng geworden ist, weil es nicht mehr praktisch ist, - an allen Ecken und Enden sitzt die Unpraxis - da ist d i e D r e i g l i e d e r u n g dazu berufen, wiederum das Praktische herzustellen. Nur gehört eines zu eben dieser Dreigliederung: ein wenig Mut. Wer sich allerdings nicht getraut, die Postpakete wegzunehmen dem Nachrichtendienst der Post, und sie zu übergeben dem gewöhnlichen Eisenbahnverkehr, wer immer da seine Bedenken einwendet, und nicht real nachrechnet, was das eine oder andere bedeutet, der wird die Dreigliederung ewig nicht verstehen.
Landwirtschaft..., S. 97



Volksbegabungen/Volkstalente:
So haben wir verteilt über die hauptsächlichste Zivilisation von Europa das geistige Leben und das Rechts- und Staatsleben. Diese Dinge sind zugleich, ich möchte sagen, unter die Völker als Gaben ausgeteilt. Und das Wirtschaftsleben, das eigentliche Gebiet der neueren Entwickelung der Menschheit, das ist an das englisch-amerikanische Volk gegeben. Alles dasjenige, was zum Verständnis des Wirtschaftslebens gehört, hat daher seinen besten Gedanken gefunden innerhalb Englands und Amerikas. Vom Wirtschaften verstehen die Franzosen nichts, sie sind besser Bankiers. Vom Wirtschaften haben die Deutschen von jeher nichts verstanden, sie haben auch kein Talent dazu. Und wenn sie versucht haben, in den letzten Jahrzehnten zu wirtschaften in der Art, daß sie immer von Aufschwung sprachen und vom Platz an der Sonne oder einer ähnlichen Phrase, dann bedeutete das, daß sie etwas sprachen, was gänzlich außerhalb ihrer Talente lag und wodurch sie gerade das deutsche Wesen in Grund und Boden schlugen...

So stehen diese drei Gebiete, von denen ich öfters schon gesagt habe, sie müssen sich miteinander vertragen, in dem Verhältnis einer Dreigliederung - deutsch: geistig; französisch: staatlich-juristisch; englisch: wirtschaftlich. Wie wird man eine Möglichkeit des internationalen Zusammenwirkens finden können? Dadurch, daß man die Dreigliederung über alle diese Gebiete ausgießt. Denn dann wird das, wozu der eine talentiert ist, auf den andern übergehen können, sonst auf keinem Wege. Das ist der geschichtliche Antrieb. So müßte eigentlich Geschichte vor allem des 19. Jahrhunderts studiert werden.
196.237f



Volksentscheid (direkte Demokratie):
Die Ideen der sozialen Dreigliederung bevorzugen keine Demokratieform, weder die parlamentarisch-repräsentative noch die direkte oder unmittelbare Demokratie. Dies ist eine der ersten und wichtigsten Entscheidungen der Menschen eines sozialen Organismus, die sie aus Ihrem Rechtsgefühl heraus festlegen sollten.
Dementsprechend findet sich keine Stelle im Werk Steiners, die erkennen läßt, daß für ihn nicht nur das "WAS" (Gebiete des demokratischen Rechtslebens), sondern auch das "WIE" (Vertreter- oder Referendumsdemokratie) mit der sozialen Dreigliederung bestimmt wird. Beide Möglichkeiten werden nebeneinander genannt.

Was heißt denn Demokratie? Demokratie heißt,- die Möglichkeit, daß die Menschen in bezug auf dasjenige, was für alle gleiche Angelegenheiten sind, was für jeden mündig gewordenen Menschen Angelegenheit des Lebens ist, daß darüber die Menschen, sei es durch Referendum, sei es durch Vertretung, selber entscheiden. Das ist zuletzt das Ideal der Demokratie, das gleiche unter den Menschen in bezug auf die Entscheidungen jetzt alles desjenigen, was von mündig gewordenen Menschen gleich ist - nach diesem strebte der Staat. Aber was strebte der Staat, der sich eben im Laufe der Geschichte entwickelt hat, der aus ganz anderen Verhältnissen hervorgegangen ist, bloß an? Zwei Gebiete können niemals im Menschenleben demokratisch entschieden werden: das eine Gebiet ist dasjenige des Geisteslebens und das andere Gebiet ist dasjenige des Wirtschaftslebens. Gerade, wer es ehrlich meint mit der Demokratie, der muß sich klar darüber sein: Wenn volle Demokratie werden soll, dann muß aus dem Gebiete des bloß demokratischen Staates ausgesondert werden auf der einen Seite das Geistesleben, auf der anderen Seite das Wirtschaftsleben.334.179

Die Demokratie muß darin bestehen, daß jeder mündig gewordene Mensch sein Rechtsverhältnis mittelbar oder unmittelbar gegenüber jedem anderen mündig gewordenen Menschen in demokratischen Parlamenten festsetzen kann. Aber gerade wenn man ehrlich und aufrichtig diese Demokratie in die Welt setzen will, dann kann man die geistigen Angelegenheiten nicht im Sinne dieser Demokratie verwalten, denn da würde entscheiden müssen jeder mündig gewordene Mensch über das, was er nicht versteht. 330.409
s.auch 337a.132

Es liegt darin, daß die neuere Menschheit geschichtlich reif werden will dafür, auf dem freien Staatsboden, auf dem freien Rechtsboden gesetzmäßig dasjenige zu verwalten, worin alle Menschen einander gleich sind, worüber also jeder mündig gewordene Mensch neben jedem anderen mündig gewordenen Menschen mittelbar oder unmittelbar - mittelbar durch Vertretung, unmittelbar durch irgendein Referendum - entscheiden kann. So müssen wir in Zukunft einen selbständigen Rechtsboden haben, der die Fortsetzung des alten Macht- und Gewaltstaates sein wird, und der erst der wahre Rechtsstaat sein wird. 333.83
s.auch 329.221, 331.167, 332a.40, 334.181



Ware:
Dieser Begriff der Ware verdeutlicht, daß Produktionsfaktoren (Arbeit, Boden, Kapital) keine Waren sind und deshalb ihre Verwaltung nicht zu den Aufgaben der Wirtschaft gehören: Eine Ware ist nur das, was in Zusammenhang gekommen ist mit der menschlichen Tätigkeit, entweder seinem inneren Wesen nach durch menschliche Tätigkeit verändert oder durch menschliche Tätigkeit von einem Orte zum anderen gebracht worden ist. 189.07

Ich nenne Ware jede Sache, die durch menschliche Tätigkeit zu dem geworden ist, als das sie an irgendeinem Orte, an den sie durch den Menschen gebracht wird, ihrem Verbrauch zugeführt wird23.58



Welt- und Menschheitsentwicklung:
Die Anthroposophie geht von folgenden Entwicklungsstufen und Zeiträumen aus, wobei die jeweils gültige Stufe unterstrichen ist:
Sieben Planeten oder Bewußtseinszustände:
1. Saturn oder Trancebewußtsein
2. Sonne oder Tiefschlafbewußtsein
3. Mond oder Traumbewußtsein
4. Erde oder Wachbewußtsein
5. Jupiter oder psychisches Bewußtsein
6. Venus oder überpsychisches Bewußtsein
7. Vulkan oder spirituelles Bewußtsein
Nach jedem Planeten folgt ein großer Schlafzustand (Pralaya).
Jeder Zustand durchläuft sieben Runden, Reiche oder Lebenszustände:
1. Elementarreich
2. Elementarreich
3. Elementarreich
4. Mineralreich
5. Pflanzenreich
6. Tierreich
7. Menschenreich
Nach jedem Reich folgt ein kleiner Schlafzustand (Pralaya).
Jedes Reich geht durch sieben Globen oder Formzustände:
1. Arupa - formlos
2. Rupa - geformt
3. Astral
4. Physisch
5. Plastisch
6. Intellektuell
7. Archetypisch oder urbildlich
Jeder Globus (105.840 Jahre) hat sieben Hauptzeiträume oder Wurzelrassen (= je 15.120 Jahre):
1. Polarischer Hauptzeitraum
2. Hyperboräischer Hauptzeitraum
3. Lemurischer Hauptzeitraum
4. Atlantischer Hauptzeitraum
5. Nachatlantischer Hauptzeitraum
6. Hauptzeitraum
7. Hauptzeitraum
Jeder Hauptzeitraum (15.120 Jahre) entwickelt sich in sieben Unterstufen (= je 2.160 Jahre). So lassen sich für den jetzigen 5. Hauptzeitraum folgende Stufen oder Kulturepochen nennen:
1. Altindische Kultur (7227 - 5067 v.Chr.)
2. Urpersische Kultur (5067 - 2907 v.Chr.)
3. Ägyptisch-chaldäische Kultur (2907 - 747 v.Chr.)
4. Griechisch-lateinische Kultur (747 v.Chr. - 1413 n.Chr.)
5. Gegenwärtige Kulturepoche
(Synonyme: 5. Nachatlantische/r Kulturepoche, Zeitraum)
6. (Nachatlantische/r) Kultur/Zeitraum - slawisch -
7. (Nachatlantische/r) Kultur/Zeitraum - amerikanisch -
aus GA 93a



Weltherrschaft/anglo-amerikanische:
Die anglo-amerikanische Welt mag die Weltherrschaft erringen: ohne die Dreigliederung wird sie durch diese Weltherrschaft über die Welt den Kulturtod und die Kulturkrankheit ergießen, denn diese sind ebenso eine Gabe der Asuras, wie die Lüge eine Gabe des Ahriman, wie die Selbstsucht eine Gabe des Luzifer ist. So ist das dritte, sich würdig den anderen an die Seite Stellende, eine Gabe der asurischen Mächte! 194.235f
Die anglo-amerikanischen Länder haben zwar keine absolute Weltherrschaft, dennoch lassen sich aufgrund ihrer führenden Stellung in der Welt verschiedene Kulturkrankheiten feststellen, die wohl auf das Fehlen der Dreigliederung zurückzuführen sind:
Eine materialistische Wissenschaft, die in kleinsten Materieteilchen (Atomen, Genen) die letzten Ursachen sieht.
Eine prinzipiell auf Eigennutz ausgerichtete Wirtschaft. Sekundärfolgen sind ein religiös-fundamentalistisch scheinender Weltterrorismus, Nationalismus, Umweltverschmutzung u.a.



Weltwirtschaft/Bewußtsein:
...die kleinste Frage, auch die Frage des Preises zum Beispiel unseres Frühstückskaffees, ist etwas, was heute unter dem gesamten Einfluß des Wirtschaftslebens der Erde steht. 340.163



Weltwirtschaft/Korrektur:
Es würden in diesem geschlossenen Wirtschaftsgebiet, das nicht eine Volkswirtschaft ist, die an eine andere angrenzt, wo man Export und Import treiben kann, drei Gebiete entstehen in bezug auf das Geld: Leihgeldgebiet, Kaufgeldgebiet, Schenkungsgeldgebiet. Und wenn irgendwo dasjenige eintritt, was sonst korrigiert werden muß von der Nachbarschaft her durch Export und Import, so wird das jetzt korrigiert von den drei Gebieten. Richtet das Kaufgeld eine Störung an, dann fließt Geld in der entsprechenden Weise zu oder ab in die Kaufgeldsphäre, die Leihgeldsphäre - so wie sonst aus anderen Ländern - oder die Schenkungsgeldsphäre. 340.182f

Diese Aussage ist im Zusammenhang mit der Auswanderungs- und Exportmöglichkeit der europäischen Volkswirtschaften nach Nordamerika vom 15. - 19. Jahrhundert zu sehen. Heute aber kommt die Weltwirtschaft zunehmend an ihre Grenzen. Ausgleich und Korrektur kann sich nur durch einen inneren Prozeß im vorgenannten Sinne ergeben.



Wert/Preisentstehung - Güter:
Sie finden keine anderen Arten, wie volkswirtschaftliche Werte erzeugt werden: entweder wird die Natur durch die Arbeit modifiziert oder es wird die Arbeit durch den Geist modifiziert, wobei der Geist im Äußeren vielfach in den Kapitalformationen sich darlebt, so daß in bezug auf die Volkswirtschaft der Geist in der Konfiguration der Kapitalien gesucht werden muß...Sie finden keinen anderen Austausch als den von Werten. Eigentlich ist es falsch, wenn man von Güteraustausch spricht. Im volkswirtschaftlichen Prozeß ist das Gut, ob es nun modifiziertes Naturprodukt ist oder modifizierte Arbeit, ein Wert. Wenn irgendwo sich Kauf und Verkauf abspielen, so werden Werte ausgetauscht. - Und dasjenige, was nun herauskommt im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn Wert und Wert gewissermaßen aufeinanderprallen, um sich auszutauschen, das ist der Preis. Sie finden den Preis erscheinen niemals anders, als daß Wert an Wert stößt im volkswirtschaftlichen Prozeß. Daher kann man auch über den Preis gar nicht nachdenken, wenn man etwa an den Austausch von bloßen Gütern denkt. Wenn Sie einen Apfel für 5 Pfennige kaufen, dann können Sie ja sagen, sie tauschen ein Gut aus gegen ein anderes Gut, den Apfel gegen 5 Pfennige. Auf diese Weise kommen sie aber nie zu einer volkswirtschaftlichen Betrachtung. Denn der Apfel ist gepflückt, ist dann befördert worden, es ist vielleicht um ihn herum noch manches andere geschehen. Das ist die Arbeit, die ihn modifiziert hat. Sie haben es nicht zu tun mit dem Apfel, sondern mit dem von Menschenarbeit veränderten Naturprodukt, das einen Wert darstellt. Und man muß immer ausgehen vom Wert in der Volkswirtschaft. Ebenso haben Sie es bei den 5 Pfennigen mit einem Wert und nicht mit einem Gut zu tun; denn diese 5 Pfennige sind doch wohl nur das Zeichen dafür, daß vorhanden ist in dem Menschen, der sich den Apfel kaufen muß, ein anderer Wert, den er eintauscht dafür...Wert gegen Wert ergibt den Preis...340.33f

Der volkswirtschaftliche Wert ist eine Art Spannungszustand: Auf der einen Seite steht das Gut, die Ware, in ihren Qualitäten und außerdem mit Bezug auf den Ort an dem sie konsumiert werden kann; also auf der einen Seite steht die Ware an einem bestimmten Ort und in bestimmter Zeit. Auf der anderen Seite steht das menschliche Bedürfnis, was dasselbe ist wie künstliches oder natürliches Interesse. Dieser Spannungszustand gibt den wahren volkswirtschaftlichen Wert, nichts anderes. Der Arbeitsbegriff ist da gar nicht darinnen.
Mit dem Wertbegriff haben wir aber nicht etwas, das man allein volkswirtschaftlich fassen kann, er berührt die geistige Welt, denn aus dieser lassen sich letztlich die Bedürfnisse ableiten. Vereinfacht gesagt drückt sich im Wert eine Spannung aus zwischen Natur (in der Ware als veränderter Natur) und Geist (als Bedürfnis). 188.196f



Wert/geistiger Leistungen:
Da, wo es sich um geistige Leistungen handelt, bekommen wir überall, wenn wir den Wertbegriff finden wollen, den anderen Begriff, den Begriff der ersparten Arbeit, der Arbeit , die man erspart...Das Geistige läßt sich nicht ohne weiteres vergleichen mit dem Natürlichen...Was der (geistigen, wb) Leistung Wert erteilt, ist die Arbeit, die ich nunmehr mit ihr ersparen kann.
So also bekommt man auf der einen Seite des volkswirtschaftlichen Prozesses die wertebildende Kraft dadurch, daß Arbeit herbeigeschafft wird, an das Produkt gebracht wird, an das Produkt gewendet wird - das Produkt zieht die Arbeit an. Auf der anderen Seite strahlt das Produkt die Arbeit aus, bewirkt die Arbeit; der Wert ist ursprünglich da, der bewirkt die Arbeit.
340.190



Westen und soziale Frage:
Die anglo-amerikanische Kultur erobert die Welt. Es ist notwendig, daß sie, indem sie die Welt erobert, aufnimmt dasjenige, was von den eroberten Teilen der Welt herkommen kann: Freiheitsimpulse, altruistische Impulse; denn sie selbst hat nur einen kosmogonischen Impuls. Sie verdankt sogar ihre Erfolge nur einem kosmogonischen Impuls. Sie verdankt ihre Erfolge dem Umstande, daß man in Weltengedanken denken kann, wie wir das ja gerade während der Kriegszeit oft und oft besprochen haben; daß die Erfolge von jener Seite aus übersinnlichen Impulsen gewisser Art herausgekommen sind, die die anderen nicht verstehen wollten. Das Kosmogonische, das darf da nicht isoliert bleiben, sondern muß sich durchdringen mit dem Freiheitsgebiet.

Um diesen Satz zu durchschauen, ist natürlich notwendig, daß man sich recht, recht stark von der Phrase lossagt und zu Wirklichkeiten kommt. Denn derjenige, der an der Phrase haftet, der wird sich natürlich sagen: Nun, wer hat denn in den letzten Jahren die Freiheit mehr vertreten als die anglo-amerikanische Welt! - Selbstverständlich mit den Worten ungeheuer viel; aber es handelt sich darum, wie die Dinge in Wirklichkeit sind, nicht wie sie mit Worten vertreten werden.
191.82



Widerrechtlicher Fürst der Welt:
Der widerrechtliche Fürst tritt dann auf, wenn man den Christus-Impuls oder das Geistige äußerlich nach Staatsprinzipien organisiert, wenn man die äußere Organisation nicht bei der bloßen sozialen Brüderlichkeit läßt. 185.228
s. auch 193.30



Wiederverkörperung und Schicksal (Reinkarnation und Karma)/Begriffe:
Wiederverkörperung (Reinkarnation) bedeutet...
die Umwandlung der gestaltenden Kräfte der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation der einen Verkörperung (Inkarnation) in die des Kopfes der nächsten Verkörperung 205.97

Schicksal (Karma) bedeutet...
die geistige Verursachung eines späteren Ereignisses, einer späteren Eigenschaft oder Fähigkeit des Menschen durch ein Vorhergehendes. Gleichgültig, ob diese geistige Verursachung auftritt in einem Leben zwischen Geburt und Tod, oder ob sie sich als das große Schicksalsgesetz der Menschheit durch die verschiedenen Erdenleben hindurchzieht, so daß die Ursachen für etwas in einem Leben Geschehendes in einem vorhergehenden oder einem weit zurückliegenden Leben liegen - dieses Gesetz, dieses umfassende Schicksalsgesetz ist das, was wir Karma nennen... 108.95



Wiederverkörperung und Schicksal/Verantwortung u. Neigung:
Da erweitert sich etwas mit dem Wissen von Reinkarnation und Karma über die Grenzen von Geburt und Tod hinaus, was der Mensch bisher nur in engsten Grenzen kennengelernt hat: das Verantwortungsgefühl!...Wir werden als Menschen, die unter dem Einfluß der Ideen von Reinkarnation und Karma leben, wissen lernen, daß es sich nicht handeln kann um eine Beurteilung unseres Lebens bloß nach den Voraussetzungen, welche sich zwischen Geburt und Tod ausleben, sondern nach Voraussetzungen, welche über viele, viele Leben hin verbreitet sind. 135.113f

...es gibt zum Beispiel nichts, was so sehr feindlich gesinnt ist einer wirklichen Überzeugung von Reinkarnation und Karma als der Grundsatz des Lebens, daß man für dasjenige, was man unmittelbar als Arbeit leistet, einen der Arbeit entsprechenden Lohn, der die Arbeit geradezu bezahlt, einheimsen müsse...135.148

Im Nachfolgendem zeigt sich die besondere Bedeutung der Ideen für die heutige Arbeitsteilung:
Vor allen Dingen folgt aus der Idee des Karma, daß wir...nicht durch Zufall uns hingestellt fühlen sollen auf den Posten, auf dem wir uns befinden im Leben, sondern daß diesem Hingestelltsein gleichsam eine Art von unterbewußtem Willensentschluß zugrunde liegt; daß wir gewissermaßen, bevor wir in dieses irdische Dasein getreten sind, ...als Ergebnis unserer früheren Inkarnationen in der geistigen Welt den Willensentschluß gefaßt haben - den wir nur wieder vergessen haben, als wir uns in den Körper einlebten -, uns hinzustellen an den Platz, an dem wir stehen. So daß das Ergebnis eines vorgeburtlichen, vorirdischen eigenen Willensentschlusses uns an unseren Lebensplatz hinstellt und uns ausstattet gerade mit der Neigung für diejenigen Schicksalsschläge, die uns treffen. 135.148f



Wiederverkörperung und Schicksal/Doppelegoismus:
Nur wenn der Mensch sich weiß als ein Glied der geistigen Welt, hört er auf, sich selbst so furchtbar interessant zu sein, daß ihm das eigene Selbst nur zum Mittelpunkte der ganzen Welt wird; dann hören die egoistischen Antriebe auf, die altruistischen Antriebe beginnen. Unsere Zeit hat aber wenig Neigung, dieses große Interesse zu entwickeln für die geistige Welt. Denn das Interesse muß sich vergrößern, wenn man wirklich sich fühlen will als ein Glied der geistigen Welt.

Und so kommt es denn, daß, man möchte sagen, wie hereingeschneit wurden in unsere Zivilisation die Impulse der Reinkarnation und des Karma. Aber wie wurden die Impulse der Reinkarnation und des Karma aufgefaßt? Selbst von denjenigen, die sich zuwandten diesen Ideen von Reinkarnation und Karma, wurden diese Ideen im Grunde genommen in sehr egoistischem Sinne aufgefaßt. Es wurde zum Beispiel gesagt, der Mensch habe sein Schicksal verdient in einem bestimmten Leben. Man hat sogar hören können von sonst intelligenten Leuten, daß die Ideen von Reinkarnation und Karma an sich schon eine Beantwortung seien für die Frage nach dem Vorhandensein des menschlichen Leides; die soziale Frage habe im Grunde genommen keine Berechtigung.
So haben manche, sonst intelligente Leute gesagt, der Arme habe sich das eben in seiner früheren Inkarnation verdient und er habe nur dasjenige in seiner jetzigen Inkarnation auszuleben, was er sich in seiner früheren Inkarnation verdient hat. Sogar die Ideen von Reinkarnation und Karma sind nicht imstande, in unsere Zivilisation hereinzuwirken, so, daß sie einen Antrieb bilden zum altruistischen Empfinden. Es handelt sich ja nicht bloß darum, daß wir solche Ideen wie Reinkarnation und Karma in unsere Zeit hereinbringen, sondern es handelt sich darum, wie wir sie hereinbringen. Wenn sie nur ein Antrieb zum Egoismus werden, dann hebe.. sie unsere Kultur nicht, dann drängen sie unsere Kultur erst recht hinunter.

Auf der anderen Seite werden ja Reinkarnation und Karma zu unethischen Ideen, zu antiethischen Ideen, wenn viele Menschen sagen: Ich muß ein guter Mensch werden, damit meine nächste Inkarnation eine gute ist. Aus diesem Antrieb, ein guter Mensch zu werden, damit man in der nächsten Inkarnation möglichst Sympathisches erlebt, aus diesem Antrieb handeln ist Doppelegoismus, ist nicht bloß einfacher Egoismus. Aber dieser Doppelegoismus, der kam für viele Menschen aus den Ideen von Reinkarnation und Karma. So daß man sagen kann: Unsere Zivilisation hat so wenig altruistisch-religiösen Impuls, daß es ihr unmöglich ist, selbst solche Ideen wie Reinkarnation und Karma in dem Sinne aufzufassen, daß sie Antriebe werden zu altruistischem und nicht zu egoistischem Handeln und Empfinden.
191.71



Wirtschaft/Freigiebigkeit bei geistigen Leistungen:
In bezug auf das, was die Menschen geistig hervorbringen, sind sie ihrer Naturanlage nach nicht gerade geizig; davon möchten sie soviel als möglich jedem Menschen mitteilen. Derjenige, der selbst nur ein Lyriker ist, möchte am liebsten das, was er als Lyriker produziert, allen Menschen höchst freigebig und egoismusfrei hingeben. Anders machen es die Leute heute in Bezug auf äußere, materielle Güter, die möchten sie für sich behalten.
Auf diese Tatsache beruht auch wohl die relative Freigiebigkeit des Internets, die aber nun durch sich verbreitende Bezahlungstechniken (Firstgate etc.) vermindert wird. 338.112f



Wirtschaft/Gesamtwille wirkt auf Einzelwille:
Es muß übergehen die Tauschgesellschaft in die Gemeingesellschaft. Wie wird diese Gemeingesellschaft gestaltet sein? Geradeso wie in der Machtgesellschaft der Einzelwille oder der Wille einer Aristokratie, also auch eine Art Einzelwille, gewissermaßen fortwirkt in der Gesamtheit, so daß die einzelnen in ihren Wollungen nur darstellen Fortsetzungen des Willens der einzelnen, und wie die Tauschgesellschaft zu tun hatte mit dem Aufeinanderprallen von Einzelwille auf Einzelwille, so wird die wirtschaftliche Ordnung der Gemeingesellschaft zu tun haben mit einer Art von Gesamtwille, der nun umgekehrt auf den Einzelwillen zurückwirkt. 332a.170



Wirtschaft/Gesetz des wirtschaftlichen Altruismus:
Der Egoismus der heutigen Wirtschaftsordnung ist nicht anderes als eine Summe von realen Lügen, von Sünden wider dasjenige, was doch eigentlich unter der Oberfläche geschieht, und was steht unter dem Gesetze des sozialen, des wirtschafltichen Altruismus. 329.171




Wirtschaft/Heilkraft gegen Verfall:
Sie haben das Wirtschaftsleben, das wegen der Erdenentwicklung durch sich selbst fortwährend für den Verfall reif ist, so brauchen sie dagegen das fortwährende heilende innere Geistesleben. Das ist ein innerer Zusammenhang. Es hängt mit einer gesunden Kosmogonie zusammen, daß wir ein selbständiges Geistesleben bekommen. Und ohne selbständiges Geistesleben, das eine fortwährende Heilweisheit ist neben dem fortwährend mit der Tendenz zum Verfall ausgerüsteten Wirtschaftsleben kommt die Menschheit nicht vorwärts. Denn Torheit ist es, das Wirtschaftsleben aus sich selbst regenerieren zu wollen. Man muß die Heilkraft in einem selbständigen Geistesleben neben dieses Wirtschaftsleben hinstellen, und beide müssen überbrückt werden durch das neutrale Rechtsleben. 191.118

Diese Aussage steht im Zusammenhang mit der marxistischen/sozialistischen Ansicht, daß Staats- und Geistesleben nur Überbau des Wirtschaftslebens seien, sozusagen letzteres allein Quelle allen Lebens und somit aus sich selbst regenerationsfähig sei. 200.76f



Wirtschaft/Sympathien:
Und wir lernen hier im Wirtschaftsleben aufeinander angewiesen sein, füreinander zu arbeiten, miteinander im Wirtschaftsleben Vorteile gegen Vorteile austauschen, weil wir dadurch die Grundlage legen für gewisse Sympathien, welche sich im nachtodlichen Leben zwischen den Seelen entspinnen sollen, zwischen denen nicht schon hier ein Anziehungsband da ist durch das gewöhnliche Karma. 189.120



Wirtschaft/Urteilsbildung:
Das Wirtschaftsleben muß verwaltet werden aus seinen eigenen Bedingungen heraus. Es kann (wie im Geistesleben) wiederum nicht über die Art und Weise, wie gewirtschaftet werden soll, demokratisch geurteilt werden von jedem mündig gewordenen Menschen, sondern nur von dem, der drinnensteht in irgendeinem Wirtschaftszweige, der die Verkettungen kennt, wie dieser Wirtschaftszweig mit anderen Wirtschaftszweigen zusammenhängt. Fachkundigkeit und Fachtüchtigkeit, das sind die Bedingungen, durch die im Wirtschaftsleben allein etwas Fruchtbringenden zustandekommen kann. 332a.41f

Und drittens das ökonomische Gebiet. Da zeigt sich, wie da alles nicht von dem einzelnen Urteil ausgehen kann - das Urteil des einzelnen ist gleichgültig, denn es kann niemals richtig sein -, sondern von den Assoziationen, von den Gemeinschaften der Menschen, die aus dem Zusammenfluß ihrer Urteile ein gemeinschaftliches Urteil heraus zustande bringen. 305.232



Wirtschaft/Wirkung nach dem Tode:
Während wir im irdischen Wirtschaftsleben den Nachklang dessen ausleben, was wir geistig durchlebt haben, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind, während wir im Rechtsleben des politischen Staates nur ausleben, was zwischen Geburt und Tod liegt, lebt sich, während wir im Wirtschaftsleben stehen, wo wir nicht untertauchen können mit unserem höheren Menschen, etwas aus, bereitet sich etwas vor, was auch geistig ist, was wir durchtragen durch die Pforte des Todes. Daher sollte niemand darauf verfallen, die Organisation des Wirtschaftslebens für sehr gering zu halten. In all dem, was sich auf dem Grunde des Wirtschaftslebens an Brüderlichkeit entwickelt, liegen Vorbedingungen für das Leben, das wir entwickeln nach dem Tode. 189.42f



Zeitgeister/Träger des Wirtschaftskreislaufes:
Die Zeitgeister, die Archai, werden zu Trägern, zu Verwaltern des Wirtschaftskreislaufes der Menschen, die werden immer mehr und mehr im wirtschaftlichen Leben walten, wenn dieses wirtschaftliche Leben wirklich organisiert sein wird. 190.54



Zeitung für Dreigliederung:
Also es handelt sich darum, so viel für die Dreigliederungszeitung zu arbeiten, die jetzt noch ein Wochenblatt ist, daß durch die eigenen Erträgnisse diese Zeitung in eine Tageszeitung umgewandelt werden kann. Dann brauchen wir nicht "unterzukriechen" bei den anderen; darauf kommt es an. Warum sollte es nicht möglich sein, eine Sache, die von so eminenter Wichtigkeit ist, auf eigene Beine zu stellen!



Zeitungen/Gliederung innerhalb eines Wirtschaftszweiges:
(dies als Beispiel für die gesamte Medienbranche schlechthin)
Nun, sehr verehrte Anwesende, ich will herausheben aus dieser ersten Frage vor allen Dingen das Zeitungsgewerbe. Denn gerade an so etwas wie dem Zeitungsgewerbe wird man ersehen können, wie auf der einen Seite tatsächlich die Dreigliederung des sozialen Organismus zu einer vollständigen Umgestaltung der gegenwärtigen Verhältnisse führen kann, aber in organischer Weise, und wie auf der anderen Seite sich daraus ergeben kann, daß die Einheit des Lebens gar nicht gestört wird. Im Grunde genommen wird es sich dabei auch zeigen können, daß dasjenige, was die Menschen über das Unverständliche des dreigeteilten sozialen Organismus sagen, eigentlich darauf beruht, daß man sich eben aus den alten Denkgewohnheiten heraus in der Gegenwart noch nicht einlassen will auf das, was eben notwendig ist. Aber man wird sich entschließen müssen, zu diesem Notwendigen sich zu bequemen. Sie sehen, sehr verehrte Anwesende, im Zeitungsgewerbe fließen im Grunde genommen alle drei Betätigungsweisen des menschlichen Lebens zusammen. Im Zeitungsgewerbe haben wir auf der einen Seite den Verleger, denjenigen, der dafür zu sorgen hat, daß die Zeitung gedruckt wird, daß sie in der entsprechenden Weise vertrieben wird und so weiter - das ist eine rein wirtschaftliche Aufgabe. Auf der anderen Seite haben wir diejenigen, welche die Zeitung schreiben. Ich glaube, daß heute doch schon viele Menschen aus unseren merkwürdigen Verhältnissen heraus sich zu der Ansicht bequemen, daß die Zeitungen anders geschrieben werden
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sollten, als sie vielfach geschrieben werden. Denn, sehen Sie, irgend etwas der Menschheit Heilsames kann ja bei dem Zeitungsschreiben nur herauskommen, wenn dasjenige, was geschrieben wird, lediglich hervorgeht aus den Interessen und Bedürfnissen des geistigen Lebens der Menschheit und aus den Bedürfnissen, die sich dadurch ergeben, daß das geistige Leben auch die verschiedenen anderen Lebenszweige anschaut. Der Zeitungsschreiber und alles dasjenige, was zum Redaktionsstab gehört, gehört dem geistigen Leben an. Und da man es beiderseits, sowohl im wirtschaftlichen Teile des Zeitungsgewerbes wie im geistigen Teile des Zeitungsgewerbes, zu tun hat mit Menschen, die ihrerseits wieder als Menschen in Beziehungen stehen, nicht etwa bloß zu ihren Abonnenten, sondern auch zu der ganzen breiten Öffentlichkeit, so hat man es dabei zu tun mit Verhältnissen, die von Mensch zu Mensch spielen, das heißt mit Rechtsverhältnissen. Dasjenige, um was es sich handelt, sehr verehrte Anwesende, das ist, daß gerade bei einem solchen Gewerbe wie dem Zeitungsgewerbe in der Zukunft nicht ineinanderspielt zum Unheile der Menschheit das eine in das andere, das Wirtschaftliche, das Rechtliche und das Geistige, Kulturelle, sonst kommen wir am Ende in der Kulmination des Unheils zu solchen Dingen, wie wir sie zum Beispiel in der Gegenwart erfahren. Neulich ist eine merkwürdige Annonce durch den sogenannten Blätterwald gegangen. Da wird aufgefordert, daß sich insbesondere die Welt der Großindustriellen und die Welt der Kapitalisten zusammentun zu einer neuen Zeitung. Es wird also geworben für eine neue Zeitung insbesondere bei Kapitalisten und Großindustriellen. Die Aufgabe dieser Zeitung soll sein, mit allen geistigen Mitteln zu kämpfen gegen die Sozialisierung der Produktionsmittel. Also, sehr verehrte Anwesende, das Interesse von Kapitalisten und Großindustriellen soll alles dasjenige versklaven, was eigentlich aus dem Urteil, das aus dem Impulse der geistigen Welt kommt, die Menschheit aufklären sollte. Diejenigen, die etwas Erfahrung haben im Leben, werden wissen, wie gerade im Zeitungsgewerbe diese Dinge in der neueren Zeit immer ineinander gegangen sind und sich unter den Verhältnissen
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der Gegenwart in einer ganz besonders grotesken Weise ausgebildet haben. In der Zukunft muß angestrebt werden, daß der Zeitungsverleger, der Drucker, ein bloßer Wirtschafter ist und der Verwaltung des wirtschaftlichen Teils des sozialen Organismus untersteht. Er wird mit alle dem, was er an Interessen entwickeln kann innerhalb seines Zeitungsgewerbes, drinnenstehen in dem wirtschaftlichen Organismus. Nicht wird in dem wirtschaftlichen Organismus drinnenstehen der Redaktionsstab, sondern der Redaktionsstab wird ganz und gar der Selbstverwaltung des geistigen Lebens - mit den anderen Zweigen des geistigen Lebens - unterliegen. Der Redaktionsstab wird eine Einheit bilden mit alle dem, was Unterrichts-, Kunstwesen oder dergleichen ist, was sonstige Zweige des geistigen Lebens sind. Wie ein bestimmter Zeitungsverleger zu einem bestimmten Redakteur wird kommen können, hängt von dem Vertrag ab, welcher abgeschlossen werden kann zwischen dem Zeitungsverleger und dem Redakteur, wobei der Redakteur, weil er der Selbstverwaltung des geistigen Organismus zugehört, mit Bezug auf sein ganzes materielles Leben unabhängig ist von der Zeitungsverlegerschaft. Der Redakteur wird bloß ein Interesse daran haben, überhaupt seinen Beruf ausüben zu können. Ginge er diesem Interesse nicht nach, seinen Beruf auszuüben, so würde er ja brotlos sein. Aber in dem Augenblicke, wo es ihm gelingt, einen Vertrag abzuschließen mit irgendeiner Administration, wird er nicht die Entschädigung für diesen Beruf aus den Interessen dieser Administration heraus erhalten, sondern aus den Interessen des sich selbstverwaltenden Geisteslebens. Wenn irgendwelche Dinge vorliegen, durch die der eine oder andere Teil der Zeitung das Recht verletzt, wird diese Rechtsverletzung den Gesetzen des Rechtsstaates unterstehen. Für einen solchen Produktionszweig wird also in der Zukunft anzustreben sein, daß in ihn hineinspielen die drei großen Verwaltungszweige des geistigen, rechtlichen und wirtschaftlichen Lebens. In den mannigfachsten Produktionszweigen werden zusammenfließen diejenigen Interessen, die von den verschiedensten Richtungen her verwaltet werden. Und das wird
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sich ergeben in dem Zusammenwirken der Menschen, daß diese Interessen - die sich sonst, wenn sie konfundiert werden, wenn sie zusammengeschmolzen werden in einen Knäuel, nur gegenseitig stören -, daß sich diese Interessen gerade gegenseitig moralisieren, ethisieren, stützen werden. Derjenige, der wirklich praktischen Sinn hat, der wird sich sagen: Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß wirklich praktisch eine solche Gliederung eines einzelnen Gewerbes vorgenommen werden kann. Und durch diese Gliederung des ganzen sozialen Organismus, die in die einzelnen Verhältnisse hineingreift, haben wir dann die Gesundung des gesamten sozialen Lebens. Nur ist es den Menschen heute noch ungewohnt, gerade dasjenige zu denken, was zu einer solchen Gesundung führt. Es ist ihnen auch aus dem Grunde ungewohnt, weil sie von manchem lassen müssen, was sie aus gewissen alten Lebensgepflogenheiten heraus für fast unerläßlich halten. Für unerläßlich betrachtet man heute, daß derjenige, der das wirtschaftliche Risiko für eine Zeitung übernimmt, auch denjenigen, der an der Zeitung im Redaktionsstabe angestellt ist, zu seinem Schreiber macht. Das wird er in der Zukunft nicht tun können. Daraus wird eine großartige Unabhängigkeit des Schreibenden gegenüber den wirtschaftlichen Interessen des Zeitungsverlegers im Zeitungsgewerbe entstehen, und gerade in diesem Zweige wird eine Gesundung eintreten, die wir wahrhaftig brauchen und von der wir zugeben müssen, daß wir sie brauchen, wenn wir auf die Lebensbedingungen des gesunden sozialen Organismus eingehen wollen.
337a.69ff



Zins:
Aus solchen Verhältnissen wird sich allerdings auch ergeben, daß der Zinsbezug von einem Kapitale im Laufe der Jahre sich immer verringere. Das Geld wird sich abnützen, wie sich Waren abnützen. Doch wird eine solche vom Staate zu treffende Maßnahem gerecht sein. "Zins auf Zins" wird es nicht geben können...denn aus der Vergangenheit herrührende Ansprüche können nur durch Arbeitsleistungen der Gegenwart befriedigt werden. Solche Ansprüche dürfen nicht zu einem wirtschaftlichen Gewaltmittel werden. 23.132f

Die meisten Menschen begehen, indem sie sich über die soziale Frage hermachen, sehr häufig den Fehler, daß sie nur die Gegenwart gewissermaßen wie einen einzigen Augenblick ins Auge fassen und für diesen einzigen Augenblick nachdenken: Wie ist da das Wirtschaftsleben zu gestalten? - Aber wirtschaften heißt zu gleicher Zeit, mit dem in einem gewissen Zeitpunkt Gewirtschafteten eine Grundlage für das Wirtschaften der Zukunft schaffen. Ohne daß man irgendwie eine Grundlage für die Zukunft schafft, würde man die Kontinuität des Wirtschaftslebens nicht aufrechterhalten können, das Wirtschaftsleben würde immer abreißen. Das begründet aber nicht Zins aus Zinserträgnissen, wohl aber Zinserträgnis, weil die Möglichkeit bestehen muß, daß immer in irgendeinem Zeitpunkt so viel gearbeitet wird, daß aus dieser Arbeit Leistungen entstehen, die auch einer zukünftigen Arbeit wieder dienen können. Das ist nicht zu denken, ohne daß der Betreffende für das, was er für die Zukunft leistet, eine Art von Äquivalent erhält, und das würde eine Art von Zins bedeuten. Ich hätte es auch anders nennen können, wenn ich hätte schmeicheln gewollt denen, die heute wettern über Zins im Einkommen. Aber es schien mir ehrlicher, die Sache so zu benennen, wie sie in der Wirklichkeit ist. 332a.208f



Zweigliederung:
Sogar die Dreigliederung des menschlichen Organismus oder des Menschenwesens im Ganzen ist ja in einer gewissen Beziehung, wie ich es Ihnen öfters erwähnt habe, für die abendländische Zivilisation durch das achte ökumenische Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 aus der Welt geschafft worden. Es ist zum Dogma erhoben, daß der Christ nicht zu glauben habe an eine dreigliedrige Menschenwesenheit, sondern nur an eine zweigliedrige Menschenwesenheit. An Leib, Seele und Geist zu glauben gilt als verpönt, und die mittelalterlichen Theologen und Philosophen, die noch viel wußten von der Wahrheit, die hatten eine große Mühe, sich um diese Wahrheit herumzudrücken, denn die sogenannte Trichotomie, die Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist, war für ketzerisch erklärt worden. Sie mußten die Zweiheit lehren: der Mensch bestehe aus Leib und Seele, nicht aus Leib, Seele und Geist. Und das ist ja dasjenige, wovon gewisse Wesen, wovon gewisse Menschen gut wissen, was es für eine ungeheure Bedeutung hat für das menschliche Geistesleben, die Zweigliederung an die Stelle der Dreigliederung zu setzen.194.23

Aber ich muß, wenn ich von der Dreigliederung spreche, ausdrücklich betonen, daß ich eine einseitige Abgliederung des Wirtschaftslebens vom Staatsleben unter Verbleiben des geistigen Lebens beim Staatsleben für das Gegenteil des Erstrebten ansehe, weil ich eine Zweigliederung für ebenso schädlich wie eine Dreigliederung für notwendig halte. 337a.50

Man sieht ja auch heute, wie wenig die Leute Empfindung haben für ein freies Geistesleben, daran, daß da oder dort Forderungen auftreten für ein vom Staate emanzipiertes Wirtschaftsleben. Man denke sich einmal im Konkreten aus, was nun das für ein soziales Gebilde wäre, bei dem auf der einen Seite der Rechtsstaat ist, der aber die ganze Schulverfassung in sich hat, aus dem also eigentlich alles das hervorgehen soll, was an Weisheiten dann in den Wirtschaftszusammenhängen entwickelt wird, und auf der anderen Seite ein emanzipiertes Wirtschaftsleben! Wer im wahren Sinne für die Dreigliederung des sozialen Organismus ist, dem sollte es nur nie einfallen, etwa zu sagen: Da ist ja schon ein Stück von der Dreigliederung des sozialen Organismus, nämlich die Zweigliederung. - Viel besser ist der chaotische Einheitsstaat als eine irgendwie geartete Zweigliederung. Denn das ist das Wesen der Dreigliederung, daß sie eben eine Dreigliederung ist und nicht eine Zweigliederung.339.115




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Literaturliste:


Boos, Roman (Hrsg., verstorben 1952)

Kühn, Hans (1889-1977)

Meyer, Thomas

Molt, Emil (1876-1936)

Spitta, Dietrich

Steiner, Rudolf (1861-1925)

Hier finden Sie die im Text genannten Titel der Gesamtausgabe (=GA) des Rudolf Steiner Verlages, Dornach -Schweiz- (jeweils am Anfang mit der GA-Nr. und am Ende mit dem Erscheinungsjahr des Bandes versehen)

Im Text bedeutet 23.12, siehe GA Band Nr. 23, Seite 12