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 F 
Feinde der Dreigliederung, s. Gegner
Föderalismus/Bundesstaatlichkeit
Fortschritt, technischer
Frauenfrage/Individuum statt Gattung
Frauenfrage/gemeinsame Wesenheit
Frauenfrage/jeder Mensch weiblich und männlich
Frauenfrage/das wirkliche eigene Urteil
Freie Empfänglichkeit/Geistesleben
Freie Entschädigung/Geistesleben
Freie Initiative
Freie Konkurrenz/Geistesleben
Freigeld (nach Gesell)/nichts Reales
Freigeld (nach Gesell)/partiell gleiches Ziel
Freiheit/Geistesleben

 G 
Geburtenregelung
Gegner der Dreigliederung/abstrakte Parteidogmatismen
Gegner der Dreigliederung/Wesen in ständigem Erdenleben
Gegner der Dreigliederung/ohne anthroposophische Basis
Gegner der Dreigliederung/Erfolg
Gegner der Dreigliederung/spüren Auslese der Tüchtigen
Geheimnis der Menschheitswerdung/Schwelle
Geistesleben/Inhalt und Umfang
Geistesleben/Nachklänge des Übersinnlichen
Geistesleben/Selbstverwaltung
Geld/Begriff
Geld/abnützen
Geld/Alterung - Verjüngung
Geld/Deckung
Geld/Kaufgeld - Leihgeld - Schenkungsgeld
Geld/realer Vergleichsmaßstab
Geld/Verwaltung
Geld/Weltbuchführung
Geschenk
Gewinn/Anreiz des Unternehmers
Gewinn/ohne Interesse Dasein öde
Gewinn/kein Privaterwerb
Gewinn von Einkommen aus Arbeit getrennt
Gewinnbeteiligung
Gewerkschaften/staatlich orientierter Zusammenschluß
Gliederung/Interessenkonflikt bei fehlender Gliederung
Gliederung/kein Interessenkonflikt bei Gliederung
Gliederung/keine Teilung
Grenzen
Grundmaxime freier Menschen
Grund und Boden
Grundrente

 H 
Hausbau/Wohnung/Gärtchen
homo oeconomus
Hypotheken

 I 
Ideale/einzelmenschliche Höhepunkte
Ideale/menschliche Dreigliederung
Ideale/Physische, seelische, geistige Welt
Innerer Sinn der Dreigliederung
Inspiration und soziale Ordnung
Internationale Beziehungen

 J 
Journalistik
Journalismus
Justiz (rechtsprechende Gewalt - Judikative)

 K 
Kapital/Entstehung
Kapitalkreislauf/Kapitalverbrauch
Kardinalproblem der Wirtschaftswissenschaften
Klassen
Konkurrenz, freie
Kranker sozialer Organismus
Krankes Rechtsleben/Konventionen
Kredit/Personalkredit - Realkredit
Kreislauf der Produktionsmittel/Eigentum
Krieg und Frieden

 L 
Liebe
Lohnempfänger/Selbstversorger
Lohnkämpfe
Lohnverhältnis

 M 
Märchen von der Schlange und der grünen Lilie von Goethe
Massenproduktion
Marxismus/Wirtschaft allein real
Marxismus als Weltanschauung
Maschinen/Steigerung der Produktivität
Mitteleuropa/staatliche Ideen






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Föderalismus/Bundesstaatlichkeit:
Gegenstand einer demokratischen Volksvertretung können nur die rein politischen, die militärischen und die polizeilichen Angelegenheiten sein...Innerhalb einer solchen Einrichtung kann sich auch der deutsche Individualismus entfalten mit seinem bundesstaatlichen System, das nicht eine zufällige Sache ist, sondern das im deutschen Volkscharakter enthalten ist.24.352



Fortschritt, technischer:
Man verkenne nicht die Meinung des hier Ausgeführten. Diese Meinung ist, daß wohl die Technik fortgeschritten ist, daß aber nicht auch eine Idee dafür vorhanden war, den technischen Fortschritt von einem entsprechenden sozialen Fortschritt begleitet sein zu lassen. - Derjenige, der Tatsachen zu beobachten versteht, der weiß, daß dieses moderne Wirtschafsleben sich emanzipiert hat, und daß, wenn man dieses Emanzipieren vom Staatsleben fordert, man nichts anderes fordert, als daß die Menschen das zugestehen und solche Einrichtungen treffen sollen, wie sie sich von selbst ausgestaltet haben. So folgt noch aus manchem Beispiel, das nicht ich oder andere erdenken, das in den Tatsachen selbst lebt, die Notwendigkeit der Emanzipation des Wirtschaftslebens. Es ist das, was die Tatsachen fordern. Was wird aber die Folge sein?
Nun, eine Grundforderung, eine Fundamentalforderung des modernen Lebens kann nur erfüllt werden durch die Abgliederung des Wirtschaftslebens von dem Staatsleben. In entgegengesetztem Sinne als mancher sozialistische Denker der neueren Zeit denkt, muß hier die Entwickelung vorschreiten. Während mancher sozialistische Denker denkt, daß das Wirtschaftsleben sich entwickeln muß wie in einer großen Genossenschaft, daß es umfassen muß auch das Geistesleben und Staatsleben, muß gerade das Wirtschaftsleben sich absondern und nur verlaufen in dem Kreislauf Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum. Das ist es aber, was allein zu einer Befriedigung notwendiger Lebensforderungen der Gegenwart führen kann.
Sehen Sie, das Wirtschaftsleben grenzt auf der einen Seite an die Naturbedingungen. Die Naturbedingungen können wir nur bis zu einem gewissen Grade meistern. Ob eine Gegend fruchtbar ist, ob der Boden Rohstoffe für die Industrie enthält, ob fruchtbare oder unfruchtbare
330.34



Frauenfrage/Individuum statt Gattung:
Solange die wirkliche Bedeutung der Geschlechter verschleiert wird, solange wird die Frauenfrage ein Teil der sozialen Frage überhaupt sein (trotz aller Aufklärung und inzwischen erfolgten Verbesserungen):
Es ist unmöglich, einen Menschen ganz zu verstehen, wenn man seiner Beurteilung einen Gattungsbegriff zugrunde legt. Am hartnäckigsten im Beurteilen nach der Gattung ist man da, wo es sich um das Geschlecht des Menschen handelt. Der Mann sieht im Weibe, das Weib in dem Manne fast immer zuviel von dem allgemeinen Charakter des anderen Geschlechtes und zu wenig von dem Individuellen. Im praktischen Leben schadet das den Männern weniger als den Frauen. Die soziale Stellung der Frau ist zumeist deshalb eine so unwürdige, weil sie in vielen Punkten, wo sie es sein sollte, nicht bedingt ist durch die individuellen Eigentümlichkeiten der einzelnen Frau, sondern durch die allgemeinen Vorstellungen, die man sich von der natürlichen Aufgabe und den Bedürfnissen des Weibes macht. Die Betätigung des Mannes im Leben richtet sich nach dessen individuellen Fähigkeiten und Neigungen, die des Weibes soll ausschließlich durch den Umstand bedingt sein, daß es eben Weib ist. Das Weib soll der Sklave des Gattungsmäßigen, des Allgemein-Weiblichen sein. Solange von Männern darüber debattiert wird, ob die Frau " ihrer Naturanlage nach " zu diesem oder jenem Beruf tauge, solange kann die sogenannte Frauenfrage aus ihrem elementarsten Stadium nicht herauskommen. Was die Frau ihrer Natur nach wollen kann, das überlasse man der Frau zu beurteilen. Wenn es wahr ist, daß die Frauen nur zu dem Berufe taugen, der ihnen jetzt zukommt, dann werden sie aus sich selbst heraus kaum einen anderen erreichen, Sie müssen es aber selbst entscheiden können, was ihrer Natur gemäß ist. Wer eine Erschütterung unserer sozialen Zustände davon befürchtet, daß die Frauen nicht als Gattungsmenschen, sondern als Individuen genommen werden, dem muß entgegnet werden, daß soziale Zustände, innerhalb welcher die Hälfte der Menschheit ein menschenunwürdiges Dasein hat, eben der Verbesserung gar sehr bedürftig sind. 4.238f



Frauenfrage/gemeinsame Wesenheit:
Ich möchte auf eine Frage aufmerksam machen, die seit langer Zeit die moderne zivilisierte Menschheit beschäftigt: die sogenannte Frauenfrage, dasjenige, was die Kluft bildet zwischen Mann und Frau. Mit Recht will man diese Kluft hinwegschaffen, aber man wird sie nicht hinwegschaffen können, wenn man nicht dasjenige wirklich begründet, was gemeinsame Wesenheit in Mann und Frau ist. Sieht man nur auf das, was der Mensch in der physischen Welt und aus der naturwissenschaftlichen Denkweise heraus sich aneignen kann, dann bleibt der Unterschied zwischen Mann und Frau ein radikaler. Der Abgrund zwischen Mann und Frau wird erst überbrückt, wenn die Verschiedenheit, die zwischen ihnen besteht im Aufnehmen der Welt, in dem Wirken in der Welt, ausgeglichen wird durch dasjenige, was den Menschen kommen kann durch jenes Wissen, jene Willens- und Gemütsbildung, die hervorgehen aus den Kräften, die der menschlichen Organisation selbst zugrunde liegen. Denn was im Manne nicht enthalten ist, aber in der Frau, das gibt dem Manne diese Geistesbildung. Und was in der Frau nicht enthalten ist, aber im Manne, das gibt der Frau diese Geistesbildung. Der Frau gibt, während sie körperlich-physisch Frau ist, diese Geistesbildung geistig-seelisch das Männliche, und dem Manne, während er physisch Mann ist, geistig-seelisch das Weibliche. Würde sich ausbreiten über unsere Zeitbildung, was ihr aus anthroposophisch orientierter Geistesbildung heraus erfließen kann, dann würde erst der Boden geschaffen werden für so etwas wie die Frauenfrage. 297.109



Frauenfrage/jeder Mensch weiblich und männlich:
Da wird sich uns ein Rätsel in den Beziehungen zwischen Mann und Frau aus der Menschennatur heraus in einer eigenartigen Weise lösen. Gerade der Okkultismus oder diese intime Betrachtung der Menschennatur führt uns da hinein in den physischen Leib, in den Ätherleib, in den Astralleib, in das Ich und das, was das Ich gemacht hat. Bei jedem Menschen - das ist eine Tatsache - ist der Ätherleib zweiteilig, und es stellt sich der Ätherleib des Mannes, wie er unter uns lebt, mit weiblichen Eigenschaften dar, und der Ätherleib des Weibes mit männlichen Eigenschaften. Eine ganze Fülle von Tatsachen in unserem Leben wird erklärt, wenn wir wissen, daß im Manne etwas von der Frauennatur ist, und gerade dasjenige, was wir eben besprochen haben als am Ätherleib hängend, hat beim Manne mehr Frauennatur und bei der Frau mehr Mannesnatur. Daher wird es sich erklären, daß gewisse Charaktereigenschaften beim Manne auftreten können. In Wahrheit haben wir in dem physischen materiellen Menschen niemals etwas anderes vor uns als einen physischen Ausdruck einer Totalpersönlichkeit. Die Menschenseele baut sich den Körper, wie aus zwei Polen sich der Magnet aufbaut. Sie baut sich einen männlichen und einen weiblichen Teil, das eine Mal den einen Teil als physischen Leib, das andere Mal als Ätherleib. Daher wird in bezug auf diejenigen Leidenschaften, die gerade am Ätherleib hängen: Hingebung, Tapferkeit, Liebe, die Frau offenbar männliche Charaktereigenschaften zeigen können und der Mann manchmal recht weiblich erscheinen. Dagegen mit Bezug auf alle Charaktereigenschaften, die mehr am physischen Leib hängen, da wird sich im äußeren Leben die Konsequenz des Geschlechts ausleben. Deshalb muß es erklärlich erscheinen, daß wir in jedem Menschen, wenn wir ihn ganz betrachten wollen, eine Erscheinung vor uns haben mit zwei Teilen, einem offenen materiellen und einem verborgenen, dem geistigen. Und der ist erst ein vollständiger Mensch, der mit einer äußeren Männlichkeit im Inneren einen weiblichen schönen Charakter zu verbinden in der Lage ist. Gerade das haben die größten Geister, namentlich die mystischen Naturen, von jeher empfunden in unserem verflossenen Geistesleben. 54.127f



Frauenfrage/das wirkliche eigene Urteil:
Ich mußte dazumal kurz auch die Frauenfrage berühren als eine soziale Frage, und dazumal (1894,wb) - es ist jetzt dreißig Jahre her - sagte ich nicht: So löst man die Frauenfrage, denn das ist ganz gleichgültig, was sich der einzelne heute vorstellt, das kann eine feuilletonistische Bedeutung haben, damit kann man Romane schreiben, aber damit greift man nicht in die Wirklichkeit hinein; deshalb sagte ich dazumal: Man muß ja erst die Frauen ordentlich fragen, wie sie sich das denken, dann kann man aus der Wirklichkeit heraus eine Unterlage gewinnen für dasjenige, was geschehen kann. Die Frauen waren dazumal nicht in Wirklichkeit gefragt; denn die paar Frauen, die bis dahin gesprochen hatten, die hatten ja nur Männerurteile gefällt, indem sie die Männerart, die immer geherrscht hat von der untersten Volksschulklasse bis in die Universitäten hinauf, einfach angewendet haben. Diese Frauen haben gar nicht das soziale Urteil in das soziale Gefüge einfügen wollen. Sie haben gar nicht gefragt, wie das soziale Leben herauskommt, nachdem wie der Rock ausschaut, den man anzuziehen hat; sie haben gestrebt darnach - verzeihen Sie, daß ich das erwähne, wenn es auch in England sonst verpönt ist -, sie haben gestrebt darnach, nun auch Beinkleider anzuziehen wie die Männer, haben gestrebt, geradeso nun auch Mediziner, Juristen, Kleriker und Schulmeister zu werden, wie die Männer geworden sind; nicht, das Frauenhafte einzufügen in den sozialen Organismus, nicht die Wirklichkeit zu nehmen, sondern von einer Theorie auszugehen. Denn die Theorie ist bis zur größten Unfruchtbarkeit in der heutigen Zeit heraufgebracht. Auch das muß man einsehen, daß man sich nicht theoretisch ein Urteil bilden soll in der Frauenfrage, sondern erst einmal die wirklichen Frauen hören. Denn um die Wirklichkeit handelt es sich. 305.209



Freie Empfänglichkeit/Geistesleben:
Von den größten geistigen Schöpfungen bis zu den geistigen Leistungen, die an der Erzeugung von Waren und Dienstleistungen beteiligt sind, alles muß auf die freie Empfänglichkeit dieser Geistesarbeit gerichtet sein. Im Wirtschafts- und Staatsleben muß das nicht so sein. Für die Leistungen des Geistgebietes ist dies aber die einzige gesunde Aufnahmemöglichkeit. 23.80f



Freie Entschädigung/Geistesleben:
Welche Verzerrungen schafft doch heute eine staatliche Kultur- und Schulförderung. In der Dreigliederung werden die Geistesarbeiter für ihre Leistungen allein durch eine freie Entschädigung leben, die sie von denen erhalten, denen diese Leistungen ein Bedürfnis sind. Sollte jemand innerhalb des Kultur- und Geisteslebens für seinen Lebensunterhalt nicht ausreichend entschädigt werden, so muß er sein Auskommen in der Wirtschaft oder beim Staat suchen. Es bleibt natürlich jedem frei seine geistigen Impulse quasi außerberuflich privat zu verfolgen. 23.86



Freie Initiative:
Eine Lebensbedingung des sozialen Organismus ist, daß demjenigen, welcher der Allgemeinheit durch seine individuellen Fähigkeiten dienen kann, die Möglichkeit zu solchem dienen aus der freien eigenen Initiative heraus nicht genommen werde. Wo zu solchem Dienste die freie Verfügung über Produktionsmittel gehört, da würde die Verhinderung dieser freien Initiative den allgemeinen sozialen Interessen schaden. 23.107



Das Geistige muß darauf beruhen, daß auf der einen Seite die freie Initiative des Menschen steht, so daß der Mensch in der Lage ist, im freien Geistesleben seine Kräfte individuell der Menschheit anzubieten. Auf der anderen Seite muß das freie Verständnis und das freie Entgegennehmen dieser Geisteskräfte liegen. Wie kann das sein? Das kann nur dadurch sein, daß bis in jene Verwendung des Geisteslebens, die sich ausdrückt in der Verwertung des Kapitals, das geistige Leben, das frei ist im Schulleben, in allen geistigen Zweigen, daß bis in die Verwendung des Kapitals hinein das geistige Leben einzig und allein verwaltet wird von der geistigen Organisation. Wie ist das möglich? Das ist nur dadurch möglich, daß nun wirklich jene Sozialisierung eintritt, die nicht dadurch eintreten kann, daß man die menschliche Gesellschaft zu einer einheitlichen Genossenschaft macht, bei der vielleicht nur wirtschaftliche Interessen sich geltend machen, und alles aus wirtschaftlichen Interessen organisiert werden soll. Gliedert sich ab in gesunder Weise der geistige Organismus, frei von den beiden anderen Zweigen, dem Staats- und dem Wirtschaftsorganismus, die angeführt worden sind, und ist man in der Lage, von jenem geistigen Organismus aus auch jene Verwaltung zu besorgen, die sich bezieht auf die Verwendung des Kapitals und das ganze Wirtschaftsleben, das heißt: werden ausgefüllt alle Stellen, die im Wirtschaftsleben notwendig sind, durch die Verwaltung der geistigen Organisation, wird der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten in das Wirtschaftsleben hineingestellt von der geistigen Organisation aus, dann kommt man allein zu einer gesunden, fruchtbaren Sozialisierung. 329.32



Freie Konkurrenz/Geistesleben:
Das Prinzip der freien Konkurrenz in der Wirtschaft führt zu Ressourcenverschwendung und sinnloser Produktion. Dieses Prinzip als gesunde Lebensbedingung des Kultur- und Geisteslebens kann im Vorfeld einer Produktion den unnötigen Einsatz von Mensch und Material einsparen helfen. Staatsmonopole sind hierbei ein Störfaktor.

Wenn Sie das durchdenken, - was verschwindet dann, wenn man wirklich auf diesem Wege durch Zusammenschließung der Branchen den Preis bestimmen kann? Es hört die Konkurrenz auf! es ist nur nötig, dieses Aufhören der Konkurrenz in einer gewissen Weise zu unterstützen. Und man kann es dadurch unterstützen, daß ja immer ein Bedürfnis dazu vorhanden sein wird, daß sich die Leute gleicher Branche auch zusammenschließen .

Aber dieses Zusammenschließen der Leute gleicher Branche verliert tatsächlich seinen wirtschaftlichen Wert, wenn dadurch, daß man nicht zu konkurrieren braucht auf dem freien Markt, man nicht nötig hat, den Preis zu unterbieten und dergleichen. Dann werden allerdings die Assoziationen - die sich im wesentlichen von Branche zu Branche begründen - durchzogen sein von jenen Vereinigungen, die wir dann wieder Genossenschaften nennen können, die aber keine eigentlich wirtschaftliche Bedeutung mehr zu haben brauchen, die mehr herausfallen aus dem eigentlich wirtschaftlichen Leben. Wenn sich diejenigen, die ein gleiches Produkt fabrizieren, verbinden, so wird das ganz gut sein. Aber es wird eine gute Gelegenheit sein, daß sich mehr geistige Interessen da entfalten, wenn da die Leute, die aus gemeinsamen Denkrichtungen heraus arbeiten - vorzugsweise dadurch, daß sie sich kennen lernen - einen gewissen moralischen Zusammenhang haben. Wer real denkt, kann sehen, wie schnell sich das machen ließe, daß abgetastet würde die Sorge um die Preisbestimmung von den Verbänden der gleichen Branche und die Preise lediglich bestimmt würden von den Verbänden der ungleichen Branchen. Denn es würde sich dadurch - indem das Moralische einziehen würde in die Verbände gleicher Branche - am besten die Brücke schaffen lassen zu der geistigen Organisation des dreigliedrigen sozialen Organismus.
Dornach, 12.Okt. 1920 (aus einer Sammlung von Fritz Götte für den "Heidenheimer Kreis")

Derjenige, welcher gewisse Begabungen hat für irgendeinen Wirtschaftszweig, der wird in völlig freier Konkurrenz zu Kapital kommen können, nämlich zu erspartem Kapital, das er sich als Darlehen zusammensammelt. 190.27f



Freigeld (nach Silvio Gesell)/nichts Reales:
Wir können von den Preisen nur sprechen im Zusammenhang mit der Verteilung der Menschen innerhalb gewisser Arbeitszweige des betreffenden sozialen Organismus. Was für Ansichten herrschen zuweilen heute, wo man überall die Tendenz hat, lieber mit Begriffen zu arbeiten als mit Realitäten, das zeigen Ihnen manche Freigeldleute. Die finden es ganz einfach: Wenn Preise, sagen wir, zu hoch sind irgendwo, also man zuviel Geld ausgeben muß für irgendeinen Artikel, so sorge man dafür, daß das Geld geringer wird, dann werden die Waren billiger, und umgekehrt. Wenn Sie aber gründlich nachdenken, so werden Sie finden, daß das ja gar nichts anderes in Wirklichkeit bedeutet für den volkswirtschaftlichen Prozeß, als wenn Sie beim Thermometer so durch eine hinterlistige Vorrichtung, wenn es zu kalt wird, die Thermometersäule zum Steigen bringen. Sie kurieren da nur an den Symptomen herum. Dadurch, daß Sie dem Gelde einen anderen Wert geben, dadurch schaffen Sie nichts Reales. Reales schaffen Sie aber, wenn Sie die Arbeit, das heißt die Menge der arbeitenden Leute, regulieren; denn es hängt eben der Preis von der Menge der Arbeiter ab, die auf einem bestimmten Felde arbeiten. So etwas durch den Staat ordnen wollen, das würde die schlimmste Tyrannei bedeuten. So etwas durch die freien Assoziationen, die innerhalb der sozialen Gebiete entstehen, zu ordnen, wo jeder den Einblick hat - er sitzt ja in der Assoziation, oder sein Vertreter sitzt darin, oder es wird ihm mitgeteilt, was darin geschieht, oder er sieht es selber ein, was zu geschehen hat -, das ist dasjenige, was zu erstreben ist. 340.80



Wir erleben es heute, daß allerlei Leute, Gesell und andere - es gibt ja sonderbare "Gesellen" des Lebens - heute herumtanzen und vom freien Gelde reden. Das sind Utopisten. Das sind Abstraktlinge. Um was es sich handelt, ist, daß man durch eine Erkenntnis des praktischen Lebens darauf kommt, wo eigentlich die Schäden liegen. Und ein Schaden liegt darin, daß sich das Bankwesen wirtschaftlich so gestaltet hat, wie es heute ist. Im wirtschaftlichen Leben steht heute das Bankwesen so drinnen, wie die Gedanken im Seelenleben eines Menschen drinnenstehen, der alles gleich in Abstraktionen umsetzt und der sich nicht um einzelne konkrete Dinge kümmert, mit denen man es zu tun hat, sondern alles in hohe Abstraktionen umsetzt. Der Mensch, der alles in hohe Abstraktionen umsetzt - und das sind die meisten heutigen Menschen -, ein solcher Mensch kommt niemals zu einer wirklichen Erfassung der Wirklichkeit. 337a.191f



Freigeld (nach Gesell)/partiell gleiches Ziel:
Ein Herr kam dazumal, nicht nur in der Diskussion, sondern am nächsten Tag zu einer Unterredung zu mir, sprach auch über " Freiland, Freigeld ". Wir konnten uns allerdings nach einer Stunde darüber verständigen, daß ja dasjenige, was eigentlich gewollt wird in der Regulierung der Währungsfrage, in der Herstellung einer absoluten Währung, einfach dann erreicht wird, wenn sachgemäß - allerdings sachgemäß - diese Dreiteilung durchgeführt wird, von der ich Ihnen heute gesprochen habe, wenn einfach die Verwaltung der Werte, die Verwaltung des Geldes weggenommen wird vom politischen Staate und in das Wirtschaftsleben hineinversetzt wird...

Was ist eigentlich für den heutigen sozialen Organismus das Geld? Es ist das Mittel, um gemeinsame Wirtschaft zu führen. Stellen Sie sich nur einmal die ganze Funktion des Geldes vor. Sie besteht darinnen, daß ich einfach für dasjenige, was ich selber arbeite, Anweisung habe auf irgend etwas anderes, was ein anderer arbeitet. Und sobald Geld etwas anderes ist als diese Anweisung, ist es unberechtigt im sozialen Organismus. Ich könnte, um das zu bestätigen, lange Ausführungen machen; ich will das aber nur kurz anführen: das muß das Geld werden! Es wird es werden, wenn alle übrigen Machinationen aufhören werden, die in die Zirkulation des Geldes hineinspielen. Denn lediglich das Geld ist der gemeinsame Index, der zu dem gemeinsamen Vergleich für die gegenseitigen Werte der Waren da ist. Das ist dasjenige, was auch durch die Art dieser Dreiteilung erreicht werden kann, und was partiell, einzeln angestrebt wird von der Freiland-Freigeld-Bewegung; deshalb habe ich in einem solchen Falle gesagt: Ich bin ganz mit dieser Bewegung einverstanden - weil ich immer versuche, die einzelnen Bewegungen in ihrer Berechtigung einzusehen, und ich möchte sie in einen gemeinsamen großen Strom leiten, weil ich eben nicht glaube, daß ein Mensch, oder selbst eine Gruppe von Menschen das Richtige finden kann, sondern weil ich demokratisch glaube, daß die Menschen zusammen in der Wirklichkeit, im Zusammenwirken, allein richtig organisiert, erst das Rechte finden werden.
329.139f



Freiheit/Geistesleben:
Weder Staat noch Wirtschaft dürfen auf das Geistesleben unmittelbar Einfluß nehmen. Hierzu gehört auch der Bereich Erziehung und Rechtssprechung in Privat- und Strafsachen. All diese Gebiete müssen das umfassen, was aus der einzelnen Individualität des Menschen in Freiheit herausfließt. 328.40f



Geburtenregelung:
Die Frage der Bevölkerungszunahme oder -stabilität oder selbst die der Bevölkerungsabnahme, die darf niemals eine volkswirtschaftliche Frage, sondern muß eine Frage der ethischen, der moralischen , kurz, überhaupt der geistigen und sogar der spirituellen Lebens- und Weltanschauung sein...188.199f
auch Bevölkerungsdichte



Gegner der Dreigliederung/abstrakte Parteidogmatismen:
Die Antriebe zur Dreigliederung des sozialen Organismus finden ihre hauptsächlichste Gegnerschaft an den Parteidogmatismen, die in Abstraktionen wurzeln. 24.133
200.39f



Gegner der Dreigliederung/Wesen in ständigem Erdenleben:
Es ist alles in der geistigen Entwickelung der neueren Zeit daraufhin angelegt, die Individualität emporzubringen, die Individualität im Westen nach westlicher Art, nach wirtschaftlicher Art; die Individualität in der Mitte nach der heute schon antiquierten staatlich-politisch-militärischen Art; die Individualität des Ostens nach antiquierter Art, nach der alten Geistigkeit, vollständig in der Dekadenz. Das muß von der geistigen Welt getragen werden. Und es wird dadurch getragen, daß sowohl im Westen wie im Osten - wollen wir zunächst von diesen zwei Gebieten reden - eine eigentümliche, tief bedeutsame Erscheinung auftritt. Es ist diese, daß außerordentlich viele Menschen, wenigstens verhältnismäßig viele Menschen geboren werden, die nicht den regelmäßigen Gang der Wiederverkörperung zeigen...
Diese Wiederverkörperungen sind zwar der regelmäßige Gang der Menschheitsentwickelung, aber sie erleiden eben Ausnahmen. Dasjenige, was uns als Mensch in Menschenform entgegentritt, muß nicht immer das sein, was der äußere Schein zeigt. Der äußere Schein kann eben Schein sein. Es können uns Menschen in Menschenform entgegentreten, die eigentlich nur dem äußeren Scheine nach solche Menschen sind, die immer wiederkommenden Erdenleben unterliegen; in Wahrheit sind das Menschenkörper mit physischem, ätherischem, astralischem Leib, aber in diesen verkörpern sich andere Wesenheiten, Wesenheiten, die sich dieser Menschen bedienen, um durch sie zu wirken...
Und was stellen sich eigentlich im großen und ganzen, in Totalität diese Wesenheiten für eine Aufgabe? Sie stellen sich die Aufgabe, das ganze Leben als bloßes Wirtschaftsleben zu erhalten, auszurotten allmählich alles andere, was von geistigem Leben da ist, das ja gerade da, wo es am regsten ist, in die Abstraktheit des Puritanismus zusammengeschrumpft ist, auszurotten das geistige Leben, allmählich zu verstumpfen das politisch-staatliche Leben und alles aufzusaugen durch das Wirtschaftsleben. Im Westen sind diese Menschen, die in einer solchen Weise in die Welt treten, die eigentlichen Feinde und Gegner des Dreigliederungsimpulses. Die erste Art von Wesen läßt nicht heraufkommen ein solches Wirtschaftsleben, das sich als ein selbständiges hinstellt neben das staatlich-rechtliche und neben das geistige Glied des sozialen Organismus. Die zweite Art von Wesen, die sich vorzugsweise die Oberflächlichkeit, das Phrasentum, die Lügenhaftigkeit zur Aufgabe macht, die will nicht aufkommen lassen neben dem Wirtschaftsleben ein selbständiges demokratisches Staatsleben. Und die dritte Art von Wesenheiten, welche die individuellen Fähigkeiten unterdrückt, welche nicht will, daß der Mensch etwas anderes ist als eine Art Schablone seiner Rasse, seiner Nationalität, die arbeitet entgegen der Emanzipation des Geisteslebens, der selbständigen Stellung des Geisteslebens.
200.38ff



Gegner der Dreigliederung/ohne anthroposophische Basis:
Wie viele Gegnerschaft hat zum Beispiel die Dreigliederungsbewegung der anthroposophischen Bewegung deshalb gebracht, weil die Dreigliederungsbewegung nicht verstanden hat, sich auf anthroposophischen Boden zu stellen, sondern sich auf den Boden aller möglichen Kompromisse gestellt hat, und man nach und nach in einzelnen Kreisen anfing, Anthroposophie zu verachten. 257.67



Gegner der Dreigliederung/Erfolg:
Wir müssen uns ferner darüber klar sein, daß sich gegen diesen Impuls der Dreigliederung alle alten Zivilisationskräfte, die in der Dekadenz begriffen sind, auflehnen, Gegnerschaften entwickeln, und daß wir viel zu kämpfen haben, wenn wir diesen Impuls der Dreigliederung mit unserer Kraft zur Geltung bringen wollen. Und wir werden um so mehr zu kämpfen haben, je mehr wir auf der anderen Seite etwa einen gewissen Erfolg haben. 338.17



Gegner der Dreigliederung/spüren Auslese der Tüchtigen:
Die Gegner reden ja zumeist an dem Inhalt dieser " Kernpunkte ", ich meine natürlich das Buch, vorbei. Es ist in der Regel in dem, was sie reden, kaum ein Bezug zu dem, was der Inhalt der " Kernpunkte " eigentlich ist...Nun, was spüren denn die Menschen, wenn sie an die Ideen der Dreigliederung des sozialen Organismus herangehen? Warum formen sie aus tiefen Untergründen ihrer Seele heraus Dinge, die so gar nicht passen? Weil sie eben etwas ganz Besonderes spüren. Sie spüren nämlich, ohne daß sie sich das zum Bewußtsein bringen, in sich dasjenige, was da in ihnen tätig ist. Sie spüren: wenn der Impuls für die Dreigliederung, wie er in den " Kernpunkten " dargelegt ist, in der Welt Wurzeln fassen würde, dann würde das eine Auslese der Tüchtigen bringen, und es würden herabgestoßen von ihrem Piedestal die Untüchtigen. 338.23



Geheimnis der Menschheitswerdung/Schwelle:
Die soziale Dreigliederung ist ein Erfordernis dieses 5. nachatlantischen Zeitraumes, das sich aus der weiteren Entwicklung der Menschheit ergibt. Es ist ein Geheimnis der Menschheitswerdung, daß die Menschheit in diesem Zeitraum unbewußt in der geistigen Welt zum Schauen kommen muß. Sie überschreitet also die Grenze zwischen physischer und geistiger Welt, man könnte auch von einer Schwelle sprechen, die überschritten wird. Die Folge ist, daß Denken, Fühlen und Wollen beim einzelnen Menschen auseinandergehen. Wir haben also das gesellschaftliche Leben so umzugestalten, daß dieses Auseinandergehen im Innern auch im Äußeren des zwischenmenschlichen Lebens Ausdruck findet. Anders würde der einzelne Mensch überall "anecken" und in seiner gesunden Entwicklung gehemmt.
193.118
s. auch 190.162f



Geistesleben/Nachklänge des Übersinnlichen:
Das irdische Geistesleben ist ein Nachklang unseres vorgeburtlichen übersinnlichen Lebens in der geistigen Welt.

Das übersinnliche Leben hat gar nichts von dem, was durch Rechtssatzungen oder äußere Sittenimpulse geregelt werden kann, denn da wird alles durch innere Seelenimpulse geregelt. Hier, im physischen Leben, wird der volle Gegensatz aufgestellt, indem man das Staatsleben mit seiner Grundnuance aufstellt, weil uns durch die Geburt dasjenige verlorengeht, was in der Seele lebt als Grundimpulse, die von Seele zu Seele das Leben herstellen; weil das verlorengeht, weil wir uns das Gegenteil hier aneignen zwischen Geburt und Tod. Dieses Gegenteil sind die Rechtssatzungen die existieren; die stellen her, was hergestellt werden muß, das Rechtsverhältnis, weil der Mensch das, was in der übersinnlichen Welt das Verhältnis von Seele zu Seele angeht, verloren hat. Von Mensch zu Mensch tragen wir in die physische Geisteskulturwelt etwas herein, was uns durch die Geburt als Nachklang bleibt aus der übersinnlichen Welt. Wir breiten gleichsam einen Glanz über das Leben aus dadurch, daß wir hereinleuchten lassen das, was wir in die Welt hineintragen, indem wir es zu offenbaren suchen in Kunst, Wissenschaft und Erziehung der anderen Menschen. Das ist mit dem Rechtsleben etwas anderes. Das müssen wir hier begründen auf der physischen Erde als einen Ersatz für das, was wir in übersinnlicher Beziehung verlieren, indem wir durch die Geburt in das physische Dasein hereinkommen. 192.43f
s. auch 193.28f



Geistesleben/Inhalt und Umfang
Was Steiner als Geistesleben bezeichnet, dasselbe was ich etwas ausführlicher häufig in dieser Site Kultur- und Geistesleben nenne, umfaßt grob folgende Gebiete: Kunst, Wissenschaft, Religion, Rechtsanschauungen, sittliche Impulse, Erziehung und Schule. 192.37



Geistesleben im irdischen Sinne ist alles das, was uns in irgendeiner Weise über den einzelmenschlichen Egoismus hinaushebt und mit Gruppen von anderen Menschen zusammenführt.193.47



Was als Geistesleben in den alten Zeiten da war in den Konfessionen, von denen die Universitätswissenschaften nur noch eine Depandance sind, dieses Geistesleben hat sich ausgelebt; das andere hat noch nicht als Geistesleben zu leben beginnen können, also dasjenige, was aus der Naturwissenschaft und Technik herausgewachsen ist. Das konnte sich noch nicht vergeistigen. Das muß hinaufgetrieben werden mit derselben Denkweise, aus der das alte Geistesleben entstanden ist. Die Geisteswissenschaft wird wiederum so produktiv sein, wie die frühere war, die dann in den Religionen in die Dekadenz gekommen ist. Das ist es was dem Geistesleben seinen Inhalt, seinen Schwung gibt. 338.90

Hauptaufgabe des Geisteslebens ist die Entwicklung der individuellen Begabungen. 330.187



Seit sich die Technik, seit der Kapitalismus sich ausgebreitet hat, hat sich das geistige Leben, das sich in einzelnen Individualitäten gerade mit Bezug auf das rein allgemein Menschliche geltend gemacht hat, sich, man kann nicht anders sagen, wie ein Parasit, wie etwas Parasitäres auf dem übrigen Kulturkörper entwickelt. Es war da, aber es war im Grunde genommen zu nichts da. 192.19f

Religiöse, wissenschaftliche oder auch künstlerische Anschauungen erfassen heute vielfach keine Realitäten. Sie können zwar das Menscheninnere mit Wohlbehagen erfüllen, erfassen aber nicht die Wirklichkeit. Dies ist das Zeichen eines lebensfremden , eines abstrakten Kultur- und Geisteslebens. 332a.155



Geistesleben/Selbstverwaltung:
Die Verwaltung der Unterrichtsanstalten, die Einrichtung der Lehrgänge und Lehrziele soll nur von Personen besorgt werden, die zugleich lehren, oder sonst produktiv im Geistesleben sich betätigen. Jede solche Person würde ihre Zeit teilen zwischen Unterrichten oder sonstigem geistigen Schaffen und Verwalten des Unterrichtswesens. Wer sich vorurteilslos in eine Beurteilung des geistigen Lebens einzulassen vermag, der kann einsehen, daß die lebendige Kraft, die man zum Organisieren und Verwalten des Erziehungs- und Unterrichtswesens braucht, nur in der Seele erwachsen kann, wenn man tätig im Unterrichten oder sonstigem geistigen Hervorbringen steht. 24.41f



Geld/Begriff:
Geld entstand erst in einer Wirtschaft, die sich über die bloße Selbstversorgungsstufe hinaus entwickelt hat.
Auf der Stufe erster Arbeitsteilung entstand das Geld zur Erleichterung des Warenhandels. Das Geld ist somit der äußerlich ausgedrückte Wert, der durch Arbeitsteilung erwirtschaftet wurde und zur Übertragung von dem einen auf den anderen dient.


Mit der Arbeitsteilung entstand der Kapitalismus und wenig später die Geldwirtschaft. Letztere ist gegenüber den warenwirtschaftlichen Geschehnissen ein abstraktes Geschehen, sie ist insbesondere gegenüber der Natur, gegenüber den Vorgängen der Urproduktion, ein absolut Gleichgültiges.

Innerhalb eines arbeitsteiligen Organismus ist das Geld der Ausdruck, das Mittel des Geistes, um in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen. Man mag über das Geld gut oder schlecht denken; innerhalb der Volkswirtschaft drückt sich der darin wirksame Geist aus. 340.56ff

Geld ist ohne die Anerkennung, die es durch die Menschen erfährt, überhaupt nichts (abgesehen vom Materialwert). Letztlich sind nur die Arbeitsleistungen wahre Werte. Selbst die einfachsten Naturprodukte sind ohne Arbeit volkswirtschaftlich wertlos (z.B. der Apfel, der erst durch das Pflücken und den Transport eine konsumierbare Ware wird). Daher ist Geld niemals etwas anderes, als letztlich eine Anweisung auf Arbeit 185a.62



Geld/abnützen:
Sofern Geld und Güter in einer wertmäßigen Äquivalenz stehen, so müßte der Wert des Geldes mit der Zeit ebenso, wie der Wert der Güter, abnehmen. Geld müßte sich genauso wie die anderen Güter abnützen. Andersherum: Geld, das von den Menschen ohne eine Abnützungs-Regel herausgegeben wird, erlangt gegenüber den abnützbaren Gütern einen Vorteil. Dies bewußt zu machen, mit all seinen schädlichen Auswirkungen, ist besonders wichtig. 340.164f



Geld/Alterung - Verjüngung:
Es würde sich dann darum handeln, daß wiederum für die Weltwirtschaft dasjenige herausgefunden wird, was ja für eine im Grunde genommen als lokale Wirtschaft sehr weitgehende Ökonomie schon da war. Das ist nämlich die Handhabe des Jubeljahres im Alten Testament. Das ist etwas ganz ähnliches wie das Altwerden des Geldes: das Nachlassen sämtlicher Schulden. Mit einem radikalen Nachlassen aller Schulden, fallen auch alle volkswirtschaftlich schädlichen Vermögen beziehungsweise Kapitalien weg - alle 70 Jahre war ein Jubeljahr. Der Usus war ursprünglich so, das menschliche Lebensalter festzustellen, weil man ganz richtig gerechnet hat: wenn man den Zeitenverlauf eines ganzen Menschenlebens nimmt, so liegt darin alles angelegt, was an Schenkungskapital in der Jugend da ist, dann an Leihkapital und an Handelskapital, also Verkehrskapital. Es wurde angenommen, daß der Mensch das Recht hat, dasjenige in der Jugend zu verzehren, was er später als reifer Mensch verdient, wenn es gegen das Ende zugeht. Man hat das dazumal als eine Art von Leihen angesehen. 341.78



Geld/ Deckung:
Weder Gold oder etwas anderes wird eine zukünftige Deckung des Geldes sein. Allein im Wirtschaftsprozeß benötigte Produktionsmittel werden die Deckung sein. 190.30



Geld/Kaufgeld - Leihgeld - Schenkungsgeld:
Da geschieht nun in Wirklichkeit, daß einfach im volkswirtschaftlichen Prozeß das Geld sich metamorphosiert, daß es verschiedene Qualitäten bekommt, indem es Leihgeld oder Schenkungsgeld wird. Das aber kaschieren wir, indem wir einfach das Geld Geld sein lassen und nach seiner ihm aufgeschriebenen Zahl uns richten. Die Wirklichkeit rächt sich, indem sie ihre Rache in den Schwankungen der Preise zeigt, die einfach da sind im volkswirtschaftlichen Prozeß .340.177

Das, was als Kaufgeld wird, bildet sich heraus aus demjenigen, was sonst nur dem Tausch unterliegt. Von diesem Kaufgeld unterscheidet sich ganz wesentlich dasjenige, was Leihgeld ist; denn bei diesem Kaufgeld haben sie keine anderen Gründe für seinen Wert, ...als diese, wieviel Sie dafür bekommen. Wenn wir nun das Geld verwenden als ein Äquivalent im reinen Tausch, dann haben wir allerdings in dem Gelde gegenüber den verderblichen Gegenständen einen unreellen Konkurrenten, weil das Geld eben unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht zu verderben scheint. 340.173

Es ist eigentlich im Grunde genommen das Leihgeld etwas ganz anderes als das Kaufgeld. Es bleibt nicht viel übrig, wenn Kaufgeld Leihgeld wird, als, sagen wir daß Gold oder Silber oder Papier hineingetragen wird in das andere Lebensgebiet. Wert wird die Sache durch ganz andere Dinge. Denn es handelt sich ja jetzt, wenn das Leihgeld in Zirkulation kommt, darum, daß der Geist des Menschen eingreift, daß menschliches Denken eingreift, und durch dieses Eingreifen des menschlichen Geistes bekommt nun das Leihgeld seinen eigentlichen Wert. Es wäre viel wichtiger, auf die Banknote, die geliehen wird dem Mann, der etwas unternimmt, in dem Momente, wo er diese Banknote in Gebrauch überführt, darauf zu schreiben, ob der Mann ein Genie ist in wirtschaftlichen Dingen, oder ob er ein Idiot ist; denn von der Art und Weise, wie er sich damit verhält, hängt nun der Wert dieses Leihgeldes in der volkswirtschaftlichen Situation ab.

Und wenn wir nun von dem Leihgeld zu demjenigen übergehen, was heute gewöhnlich gar nicht besprochen wird, aber die denkbar größte Rolle spielt im volkswirtschaftliche Prozeß, wenn wir übergehen von den Leihgeld zu dem Schenkungsgeld. Schenkungsgeld ist im Grunde genommen alles, was für die Erziehung ausgegeben wird. Wenn wir uns dieses Schenkungsgeld anschauen, so müssen wir sagen: Dieses Schenkungsgeld, das wird für denjenigen, der angewiesen ist für sein Leben auf Kaufgeld, einfach wertlos...Sie haben also drei Arten von Geld, die qualitativ ganz voneinander verschieden sind.
340.176f



Geld/realer Vergleichsmaßstab:
Molt: Müßte das Metallgeld auch den Stempel tragen?
Dr. Steiner: Wenn die Sache über die ersten Stadien hinaus ist, wird es sich darum handeln, einen Vergleichsmaßstab für die Waren zu schaffen. Heute ist alles korrumpiert, weil wir einen ideellen Vergleichungsmaßstab haben. Wir brauchen einen realen, der nicht anfechtbar ist. Z. B. eine Banknote bedeutet so und so viele Laib Brot. Es würde dann notwendig eine Übereinkunft herrschen müssen zwischen den drei Gebieten, so zwischen Wirtschafts- und Staatskörper die Übereinkunft, daß das, was Zeichen für Ware, was Geld ist, gerade so stinkig wird wie die Ware selber.
Entwurf..., S. 228



Und so werden wir finden, daß auf diesem, ich möchte sagen, die fliegende Buchhaltung der Weltwirtschaft darstellenden Geld, so etwas Ähnliches wird stehen müssen wie auf einer so und so viel Quadratmeter großen Bodenfläche herstellbarer Weizen, der dann mit den anderen Dingen verglichen wird. Es lassen sich am leichtesten Bodenprodukte miteinander vergleichen. Und Sie sehen also, wovon man ausgehen muß. Man muß von etwas ausgehen, die Zahlen müssen etwas bedeuten. Es führt schlechterdings eben weg von der Wirklichkeit, wenn wir auf unserem Geld stehen haben so und so viel Goldgehalt; aber es führt zur Wirklichkeit hin, wenn wir darauf stehen haben: Das bedeutet so und so viel Arbeit an einem bestimmten Naturprodukt. Dann würden wir sagen können: Nehmen wir also zum Beispiel an, dadrauf steht X-Weizen, auf allem Geld steht X-Weizen, Y-Weizen, Z-Weizen - und es würde klar sein, worauf die ganze Volkswirtschaft zurückführt. Damit haben Sie zurückgeführt die Währung auf die brauchbaren Produktionsmittel, an denen körperliche Arbeit geleistet wird - Produktionsmittel irgendeines Wirtschaftsgebietes -, und das ist die einzige gesunde Währung: die Summe der brauchbaren Produktionsmittel.

Für den, der unbefangen in die Wirklichkeit hineinschauen kann, für den ergibt sich diese Sache so aus der Anschauung, obgleich vielleicht jemand sagen kann: Ganz genau läßt sich auch nicht mit so etwas vergleichen irgendein anderer Wert. Bis zu einem hohen Grad genau wird es sich vergleichen lassen. Denn im allgemeinen unterscheiden sich, weil bei dieser Bewertung zum Schluß alles durch den Konsum bewertet ist, die Werte der Leistungen nicht allzusehr. - Sei ich ein noch so geistiger Arbeiter, ich brauche so viel ersparte Arbeit in jedem Jahr, als ich eben brauche, um mich als Mensch zu erhalten. Und es wird ohne weiteres durch so etwas klarwerden dann auf welche Weise ein Geistesarbeiter eben noch etwas hinzu braucht zu dem, was ein Handarbeiter braucht. Und wenn die Sache so durchsichtig ist, wird das dann auch überall anerkannt werden, weil es durchsichtig ist. Es gibt immerhin in geschlossenen Wirtschaften Zustände, die ja immer seltener und seltener werden, die aber doch immerhin heute noch da sind, wo die Geistesarbeiter eigentlich reichlich das bekommen, was sie brauchen, wo die Leute es ihnen gerne geben, ohne daß sie es erst auf Zettel schreiben. Das sage ich nicht, weil ich zurückführen möchte ein Volkswirtschaftliches auf ein Sentimentales, sondern ich sage das, weil das auch in die Realitäten der Volkswirtschaft hineingehört und weil man überall dennoch innerhalb der Volkswirtschaft auf den Menschen stößt.

Vor allen Dingen wird dadurch erreicht ein wirklich überschaubares Verhältnis innerhalb der einzelnen Glieder eines wirtschaftlichen Ganzen. Es wird erreicht die Möglichkeit, daß jeder in jedem Augenblick seinen Zusammenhang mit der Natur auch im Gelde noch hat. Und das ist ja dasjenige, was alle unsere Verhältnisse so ungesund macht, daß sie sich so viel abheben von der Natur, der Zusammenhang mit der Natur gar nicht mehr da ist. Wenn wir es dazu bringen - und die Beantwortung der Frage ist ja nur eine Sache der Technik, die man eben im assoziativen Leben sich bilden kann -, tatsächlich statt des undefinierbaren Goldwertes den Naturwert zu haben auf unserem Papier, dann werden wir unmittelbar einsehen, im gewöhnlichen Verkehr einsehen, wieviel auch irgendeine geistige Leistung wert ist; denn ich weiß dann: Wenn ich ein Bild male, so müssen, weil ich das Bild gemalt habe, so und so viel, sagen wir, Landarbeiter so und so viel Monate oder Jahre arbeiten an Weizen, an Hafer und so weiter. Denken Sie sich, wie übersichtlich dadurch der wirtschaftliche Prozeß würde. Man würde ja nach dem heutigen Sprachgebrauch eben dann sagen: Es ist dann eben eine Naturwährung statt einer Goldwährung da. Das würde auch gerade das Richtige sein. Das würde dasjenige sein, was einen wirtschaftlichen Zustand wirklich gibt.
340.209ff



Geld/Weltbuchführung:
Was wäre das Geld unter den Verhältnissen der sozialen Dreigliederung? Insbesondere dann, wenn durch eine Abnützungsvorschrift ein Gleichschritt zwischen Waren (auch unter Einbezug geistiger Leistungen) und Geld entstünde, wenn also ein Parallelismus von Zeichen- und Sachwert entstünde?

Dann werden wir im Grunde eine weltwirtschaftliche Buchführung haben, eine "fliegende" Buchhaltung über die gesamte Erde hin, eine Weltbuchhaltung. Das Geld würde wieder zurückgeführt auf seine wirkliche Funktion als Austauschmittel. Es würde dadurch einsichtig, daß wir Menschen von den Leistungen, nicht aber von den Zeichen für Leistungen leben. "Lassen Sie Ihr Geld arbeiten". So eine Aufforderung würde dann zunehmend sinnlos. 340.202f

Aber für den dreigliedrigen sozialen Organismus muß angestrebt werden, daß der Staat nicht mehr dem Geld den Wert verleiht, sondern daß das Geld seinen Wert bekommt innerhalb des wirtschaftlichen Organismus. Dann aber ist das Geld nicht mehr eine Ware, wie es heute ist. Wenn das auch versteckt ist, so ist in Wahrheit heute das Geld doch eine Ware, und zwar nur dadurch, daß ihm sein Wert aufgetragen wird durch den Staat. Aber im dreigliedrigen sozialen Organismus wird das Geld als Zirkulationsmittel nur in dem Sinne vorhanden sein, daß es gewissermaßen eine fliegende Buchhaltung ist. Sie wissen ja aus dem, was ich heute vor acht Tagen gesagt habe: Es wird alles auf wirklicher Leistung und Gegenleistung beruhen im kommenden Wirtschaftsleben. Für die Leistung bekommt man gewissermaßen den Schein, der aber nichts anderes bedeutet als: Es steht auf der allgemeinen aktiven Seite für mich verfügbar dasjenige, was meinen Leistungen entspricht, und ich kann eintauschen dafür dasjenige, was meinen Bedürfnissen entspricht. Gebe ich den Schein hin, so bedeutet das dasselbe, wie wenn ich heute in einem kleinen Betrieb zu buchen habe dasjenige, was auf der linken Seite steht, zum Ausgleich auf der rechten Seite. Also, es wird der Geldverkehr die fliegende Buchführung sein für den Wirtschaftsorganismus. 331.224

Und so werden wir finden, daß auf diesem, ich möchte sagen, die fliegende Buchhaltung der Weltwirtschaft darstellenden Geld, so etwas ähnliches wird stehen müssen, wie auf einer so und so viel Quadratmeter großen Bodenfläche herstellbaren Weizens, der dann mit den anderen Dingen verglichen wird.340.209



Geld/Verwaltung:
Die Verwaltung des Geldes wird ganz eine Aufgabe des Wirtschaftslebens selbst sein, auch die Prägung, Geldausgabe, Wertbestimmung des Geldes. Der Erlaß von Vorschriften zum Geld und seine Verwaltung wird dem "Parlament", der "Verwaltung" des Wirtschaftslebens obliegen. 328.162



Geschenk:
Es gehört zu einem gesunden sozialen Organismus auch: eine richtige, aus dem ganzen Vollmenschen herauskommende Wertung der verschiedenen Güter und Leistungen des Lebens. Diese Wertung der Güter und Leistungen muß da sein. Aber von dem, was eigentlich der Lehrer leistet für die heranwachsende Generation, darf in einem gesunden sozialen Organismus gar nicht die Ansicht herrschen, daß es "bezahlt" werden könne. Das ist ein Geschenk, das der Lehrer aus der geistigen Welt an die Menschen vermitteln wird! Diese Gesinnung muß den gesunden sozialen Organismus ergreifen, daß der Lehrer das Medium ist, durch das die Fähigkeiten des Menschen, die individuellen Eigenschaften des Menschen heraufgeholt werden aus ihren dunklen Untergründen, wie sie veranlagt sind in der Menschennatur. Es ist bloß der Größenwahn des Banausentums, wenn man glaubt, daß das, was eigentlich auf dem Gebiet der Schule geleistet werden kann, bezahlt werden muß. Was der Wirtschaftskörper des gesunden dreigliedrigen sozialen Organismus wird zu leisten haben, das wird nur das sein, daß er dem Lehrer die Möglichkeit bietet, so zu leben, wie alle anderen Menschen leben. 330.316f



Gewerkschaften/staatlich orientierter Zusammenschluß:
Ein solches Zusammenschließen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist etwas anderes als zum Beispiele das in den modernen Gewerkschaften. Diese wirken sich im wirtschaftlichen Leben aus; aber sie kommen nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zustande. Sie sind den Grundsätzen nachgebildet, die sich in der neueren Zeit aus der Handhabung der staatlichen, der politischen Gesichtspunkte heraus gestaltet haben. Man parlamentarisiert in ihnen; man kommt nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten überein, was der eine dem andern zu leisten hat. In den Assoziationen werden nicht " Lohnarbeiter " sitzen, die durch ihre Macht von einem Arbeit-Unternehmer möglichst hohen Lohn fordern, sondern es werden Handarbeiter mit den geistigen Leitern der Produktion und mit den konsumierenden Interessenten des Produzierten zusammenwirken, um durch Preisregulierungen Leistungen entsprechend den Gegenleistungen zu gestalten. Das kann nicht durch Parlamentieren in Versammlungen geschehen. Vor solchen müßte man besorgt sein. Denn, wer sollte arbeiten, wenn unzählige Menschen ihre Zeit mit Verhandlungen über die Arbeit verbringen müßten? In Abmachungen von Mensch zu Mensch, von Assoziation zu Assoziation vollzieht sich alles neben der Arbeit. Dazu ist nur notwendig, daß der Zusammenschluß den Einsichten der Arbeitenden und den Interessen der Konsumierenden entspricht. 23.14f

Ergeben wird sich, daß um der Gesundung des sozialen Organismus willen das Wirtschaftsleben ein assoziatives wird, daß es sich so gliedert, daß ja die veranlagten Genossenschaften, Gewerkschaften und so weiter sich so ausbilden, daß sie abstreifen, was sie noch übernommen haben aus dem Vorurteil, daß alles sich nach dem Muster des alten Rechtsstaates bilden müsse. Was noch an Staatsleben lebt in diesen dem Wirtschaftsleben dienenden Assoziationen, das muß abgestreift werden. 328.85

Nun steckt so stark in unserer gegenwärtigen Menschheit das Staatsdenken, daß die Leute es gar nicht bemerken, wie sie im Grunde genommen überall nach dem Staate hintendieren. Ich habe das wiederholt seit Jahrzehnten dadurch charakterisiert, daß ich sagte: Die größte Sehnsucht des modernen Menschen besteht eigentlich darinnen, nur so durch die Welt zu gehen, daß er auf der rechten Seite einen Polizeisoldaten und auf der linken Seite einen Arzt hat. - Das ist eigentlich das Ideal des modernen Menschen, daß ihm der Staat beide zur Verfügung stellt. Sich auf seine eigenen Füße zu stellen, das ist eben nicht das Ideal des modernen Menschen. Das aber ist vor allen Dingen notwendig: Wir müssen den Polizeisoldaten und den Arzt, die uns vom Staate beigestellt werden, entbehren können. Und ehe wir nicht diese Gesinnung in uns aufnehmen, eher kommen wir keinen Schritt weiter. Nun sind aber alle diejenigen Institutionen da, welche uns vor allen Dingen gar nicht an die Menschen herankommen lassen, die in Betracht kommen für eine solche Bildung von Assoziationen. Nehmen Sie eines der letzten großen Produkte des Kapitalismus, nehmen Sie dasjenige, aus dem heraus zunächst die stärksten Hindernisse für unsere Dreigliederungsbewegung - außer der Verschlafenheit und der Korruption des Großbourgeoistums - sich gebildet haben: das ist die gewerkschaftliche Bewegung der Proletarier. Diese gewerkschaftliche Bewegung der Proletarier, meine sehr verehrten Anwesenden, die ist das letzte maßgebende Produkt des Kapitalismus, denn da schließen sich Menschen zusammen rein aus dem Prinzip, rein aus den Impulsen des Kapitalismus heraus, wenn es auch angeblich die Bekämpfung des Kapitalismus ist. Es schließen sich Menschen zusammen ohne Rücksicht auf irgendwelche konkrete Gestaltung des Wirtschaftslebens; sie tun sich zu Branchen zusammen, Metallarbeiterverband, Buchdruckerverband und so weiter, lediglich um Tarifgemeinschaften und Lohnkämpfe herbeizuführen. Was tun denn solche Verbände? Sie spielen Staat auf dem Wirtschaftsgebiete. Sie bringen das Staatsprinzip in das Wirtschaftsgebiet vollständig hinein. Ebenso wie die Produktionsgenossenschaften - die Verbände, die gebildet werden von den Produzenten untereinander - entgegenstehen dem Assoziationsprinzip, so stehen entgegen dem Assoziationsprinzip diese Gewerkschaften. Und wer wirklich unbefangen die Entwicklung der so sterilen, so unfruchtbaren, so korrupten Revolutionen der Gegenwart studieren wollte, der müßte ein wenig hineinschauen in das Gewerkschaftsleben und in seinen Zusammenhang mit dem Kapitalismus. Ich meine damit nicht bloß die kapitalistischen Allüren, die in das Gewerkschaftsleben auch schon hineingezogen sind, sondern ich meine das ganze Verwachsensein des Gewerkschaftsprinzips mit dem Kapitalismus. 337b.230

Und sie müssen verschwinden, denn nur dadurch, daß die Gewerkschaften verschwinden, die reine Arbeiterverbände sind, wird die Assoziation stattfinden können, und es ist ganz gleichgültig, ob einer heute nach der Richtung der Gewerkschaft hintendiert oder der Angestelltenvereinigung oder gar der kapitalistischen Vereinigung einer bestimmten Branche - die gehören alle zueinander, die gehören in Assoziationen hinein. Das ist dasjenige, auf was es ankommt, daß wir vor allen Dingen wirken zur Beseitigung desjenigen, was die Menschen auseinanderreißt.337b.235



Gewinn/Anreiz des Unternehmers:
Was gewöhnlich mit Bezug auf diese Sache vorgebracht wird, daß der Unternehmer zum Anreiz seiner Tätigkeit die Aussicht auf den Gewinn braucht, der an den Besitz der Produktionsmittel gebunden ist: das soll hier nicht geltend gemacht werden. Denn die Denkart, aus welcher die in diesem Buche dargestellte Meinung von einer Fortentwickelung der sozialen Verhältnisse erfließt, muß in der Befreiung des geistigen Lebens von dem politischen und dem wirtschaftlichen Gemeinwesen die Möglichkeit sehen, daß ein solcher Anreiz wegfallen kann. Das befreite Geistesleben wird soziales Verständnis ganz notwendig aus sich selbst entwickeln; und aus diesem Verständnis werden Anreize ganz anderer Art sich ergeben als derjenige ist, der in der Hoffnung auf wirtschaftlichen Vorteil liegt.23.86

Man sollte durchschauen, daß man in dem Augenblicke einen neuen Arbeitsantrieb schaffen muß, in dem man daran denkt, den alten des egoistischen Gewinnes zu beseitigen. Eine Wirtschaftsverwaltung, welche diesen Gewinn nicht innerhalb der in ihrem Kreislauf wirkenden Kräfte hat, kann von sich aus überhaupt keine Wirkung auf den menschlichen Arbeitswillen ausüben. Und gerade dadurch, daß sie dies nicht kann, erfüllt sie eine soziale Forderung, bei der ein großer Teil der Menschheit auf der gegenwärtigen Stufe seiner Entwickelung angelangt ist. Dieser Teil der Menschheit will nicht mehr durch den wirtschaftlichen Zwang an die Arbeit gebracht werden. Er möchte aus Antrieben heraus arbeiten, welche der Würde des Menschen mehr entsprechen.24.49

Sie (die Idee vom dreigliedrigen sozialen Organismus, wb) will in dem freien Geistesleben die Grundlagen schaffen, die ein Ersatz sein können für den Antrieb, der aus der persönlichen Gewinnsucht kommt. Nur in einem freien Geistesleben kann eine solche Liebe zur menschlichen gesellschaftlichen Ordnung entstehen, wie sie etwa der Künstler zu dem Entstehen seiner Werke hat. Will man aber nicht daran denken, in einem freien Geistesleben eine solche Liebe zu pflegen, so gebe man nur alles Streben nach einem Neubau der sozialen Ordnung auf. Wer daran zweifelt, daß die Menschen zu solcher Liebe erziehbar sind, der muß auch zweifeln an der Möglichkeit, den persönlichen Gewinn aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten. Wer nicht daran glauben kann, daß ein freies Geistesleben in dem Menschen solche Liebe erzeugt, der weiß eben nicht, daß die Abhängigkeit des Geisteslebens von Staat und Wirtschaft die Sucht nach persönlichem Gewinn hervorbringt, und daß diese Sucht nicht ein elementarisches Ergebnis der Menschennatur ist. Auf diesem Irrtum beruht es, daß so häufig gesagt wird, zur Verwirklichung der Dreigliederung seien andere Menschen als die gegenwärtigen nötig. Nein, die Menschen werden durch den dreigliedrigen Organismus so erzogen, daß sie anders werden, als sie bisher durch die Staatswirtschaftsordnung waren. 24.51f



Gewinn/ohne Interesse Dasein öde:
Wenn die Ursachen der modernen sozialen Bewegung besprochen werden, so weist man unter anderem darauf hin, daß weder der Besitzer der Produktionsmittel noch der Arbeiter an denselben in der Lage ist, dem Erzeugnis etwas mitzuteilen, was aus einem unmittelbaren persönlichen Interesse an demselben stammt. Der Besitzer der Produktionsmittel läßt die Erzeugnisse herstellen, weil sie ihm Gewinn bringen; der Arbeiter, weil er seinen Lebensunterhalt verdienen muß. Eine Befriedigung an dem hergestellten Produkte als solchem hat weder der eine noch der andere. Man trifft in der Tat einen wesentlichen Teil der sozialen Frage, indem man in dieser Art auf den Mangel eines persönlichen Verhältnisses der Erzeuger zu ihren Erzeugnissen in der modernen Wirtschafsordnung hindeutet. Aber man wird sich auch bewußt werden müssen, daß dieser Mangel die notwendige Folge der neueren Technik und der damit verbundenen Mechanisierung der Arbeitsweise ist. Er kann innerhalb des Wirtschaftslebens selbst nicht beseitigt werden. Was im Großbetrieb bei weitgehender Arbeitsteilung hergestellt wird, kann dem Hersteller nicht so nahe liegen wie dem mittelalterlichen Handwerker sein Produkt. Man wird sich damit abfinden müssen, daß für einen groben Teil der menschlichen Arbeit die Art des Interesses, die früher vorhanden war, dahin ist. Man sollte aber auch darüber sich klar sein, daß der Mensch nicht ohne Interesse arbeiten kann. Zwingt ihn das Leben dazu, so fühlt er sein Dasein als öde und unbefriedigend. 24.78



Gewinn/kein Privaterwerb:
Man muß einsehen, daß man wirklich nicht den Unternehmergewinn betrachte als eine Grundlage für privaten Erwerb, sondern daß alles, was Unternehmergewinn ist, zu einem nur in dem Verhältnis steht, daß man die Sache zu verwalten hat, und daß der Unternehmergewinn in der Zukunft nicht hineingehen darf in den privaten Erwerb. 185a.59

Der Unternehmer erhält aufgrund seiner Leitungs- und Führungsfähigkeiten ein Einkommen, daß sich eben nach diesen besonderen Fähigkeiten zu Beginn seiner Tätigkeit bemißt. Sofern das Unternehmen im Verlaufe der Zeit Gewinn erwirtschaftet, so erhält er eine so große verhältnismäßige Steigerung seiner Bezüge, wie das Kapital durch den Gewinn gestiegen ist, also eine Art Zinsbezug.
Beispiel: Kapitalvermehrung steigt durch Gewinn um 10 %, Unternehmereinkommen steigt um 10 %. Dies wäre schon eine wesentliche Verbesserung gegenüber heutigen Verhältnissen, die den Unternehmer "berechtigen" den gesamten Gewinn als persönliches Eigentum einzustreichen. Wichtig ist auch, daß eine Assoziation wohl kaum Kapital an einen Menschen vergibt, der für sich selbst gleich zu Beginn ungerechtfertigte Bezüge einsetzt. 23.113



Gewinn von Einkommen aus Arbeit getrennt:
In einer sozialen Ordnung, die auf den hier geschilderten Grundlagen ruht, kann eine vollkommene Scheidung durchgeführt werden zwischen den Erträgnissen, die auf Grund einer Arbeitsleistung mit Produktionsmitteln zustandekommen und den Vermögensmassen, die auf Grund der persönlichen (physischen und geistigen) Arbeit erworben werden. Diese Scheidung entspricht dem Rechtsbewußtsein und den Interessen der sozialen Allgemeinheit. 23.115f



Gewinnbeteiligung:
So wie sich die Struktur des Wirtschaftslebens entwickelt hat, so leidet dieses Wirtschaftsleben daran, daß eine Harmonisierung der Interessen innerhalb der bestehenden Struktur gar nicht möglich ist. Ich will nur einiges davon andeuten. Unter der Entwicklung unseres Wirtschaftslebens wird zum Beispiel der Arbeiter gar nicht interessiert an der Produktion - ich sehe ab von der wirklich törichten Interessiertheit etwa durch Gewinnbeteiligung, die ich für unpraktisch halte.
337a.26
Wird die Verteilung des Gewinnanteils lediglich innerhalb des Betriebes festgesetzt?
Darum kann es sich gar nicht handeln, sondern in einem Wirtschaftsgebiet wird die Bedürfnisfrage des einzelnen von dem ganzen Wirtschaftsgebiete abhängen. Und diese Tatsache, auf die hier hingeschaut wird - die Verteilung des Gewinnanteils innerhalb des Betriebes -, wird nämlich gar nicht eigentlich eine reale Tatsache, weil das einfach aus dem Assoziativen heraus gebracht werden muß. Wer dies oder jenes arbeitet, der muß für sein Arbeitsprodukt dies oder jenes bekommen. Es kann sich einfach gar nicht darum handeln, daß man innerhalb des Betriebes den Gewinnanteil festsetzt, sondern schon in dem ganzen Aufbau des Wirtschaftslebens liegt es darinnen, daß man seinen entsprechenden Gewinnanteil bekommen muß.
337b.172



Gliederung/Interessenkonflikt bei fehlender Gliederung:
Tragen die Menschen diejenigen Interessen, denen sie in ihrem Wirtschaftsleben dienen müssen, in die Gesetzgebung und Verwaltung des Rechtsstaates hinein, so werden die entstehenden Rechte nur der Ausdruck dieser wirtschaftlichen Interessen sein. Ist der Rechtsstaat selbst Wirtschafter, so verliert er die Fähigkeit, das Rechtsleben der Menschen zu regeln. Denn seine Maßnahmen und Einrichtungen werden dem menschlichen Bedürfnis nach Waren dienen müssen; sie werden dadurch abgedrängt von den Impulsen, die auf das Rechtsleben gerichtet sind.23.56



Gliederung/kein Interessenkonflikt bei Gliederung:
Auch wenn in der Vertretung des Rechtsstaates, wie es ja selbstverständlich ist, dieselben Personen sitzen, die im Wirtschaftsleben tätig sind, so wird sich durch die Gliederung in Wirtschafts- und Rechtsleben nicht ein Einfluß des Wirtschafts- auf das Rechtsleben ergeben können, der die Gesundheit des sozialen Organismus so untergräbt, wie sie untergraben werden kann, wenn die Staatsorganisation selbst Zweige des Wirtschaftslebens versorgt, und wenn in derselben Vertreter des Wirtschaftslebens aus dessen Interessen Gesetze beschließen. 23.74



Gliederung/keine Teilung
Ganz bewußt wird von einer Dreigliederung und nicht von einer Dreiteilung gesprochen. Die einzelnen Glieder müssen ineinanderwirken. 338.170



Grenzen:
Es ist gar nicht geboten, wenn der soziale Organismus wirklich dreigegliedert ist, daß die Geistesgrenzen mit den Wirtschaftsgrenzen oder mit den Rechtsgrenzen zusammenfallen. Es handelt sich also darum, daß aus einer inneren Gesetzmäßigkeit, aus dem lebendigen Leben selbst heraus, die Größe der Territorien sich ergeben wird. 332a.176f

Wie heute schon in vielen Lebensgebieten Landesgrenzen unbeträchtlich sind (z.B. für die Musik, für die Kunst, für die Wissenschaft, zunehmend für die Wirtschaft), so wird dies unter der Dreigliederung für das Zusammenleben der Menschen noch stärker. 23.141



Grundmaxime freier Menschen:
Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen."4.131



Grund und Boden:
Grund und Boden kann nicht produziert werden, er ist also von Anfang an keine Ware. Er unterliegt also niemals dem Prinzip der Ware, über die man Verträge abschließt, geht also überhaupt das, worüber man Verträge abschließt, nichts an, sondern muß allmählich übergeleitet werden in die soziale Struktur so, daß zunächst die Verteilung von Grund und Boden für die menschliche Arbeit eine demokratische Angelegenheit des politischen Staates wird, und der Übergang vom Einen zum Andern eine Angelegenheit des geistigen Gliedes des sozialen Organismus. ...daß man heute Grund und Boden bezahlt mit dem Geld, was man vielleicht aus dem Erlös von Ware hat, das ist keine Wahrheit, das ist eine soziale Lüge...
Man mache sich einmal klar, welch ungeheure konkrete Bedeutung der Grund und Boden hat im Leben der Menschen, wie es bei Grund und Boden nicht jemals vorkommen sollte, daß ich ohne Interesse an Grund und Boden Besitzer des Grund und Bodens bin, nur etwa meine Rente beziehe vom Grund und Boden, alles übrige mir aber gleichgültig ist -...
Denn gerade Grund und Boden macht notwendig, daß derjenige, der ihn bearbeitet, der mit ihm etwas zu tun hat..., daß der (innerlich, seelisch mit Interesse, wb) dabei ist.

Landwirtschaft...S.92ff bzw.
Soziale Frage...S.188ff

Der besondere Fall des Tausches einer Immobilie (das besondere drückt sich schon durch die notwendige Eintragung ins amtliche Grundbuch aus) gegen eine Geldsumme, stellt in Wirklichkeit den Tausch eines Rechtes gegen eine Sache dar. Die Annahme des Tausches von Sache gegen Sache ist deshalb falsch, weil der Boden niemals Ware sein kann. Wohl können auf ihm Waren entstehen, aber nach den wirklichen Verhältnissen kann Boden keine Ware sondern nur Recht sein (vergleichbar mit käuflichen Patenten). 189.107f



Grundrente = Bodenrente:
Nun frage ich Sie, wieviele Menschen heute eine deutliche Vorstellung haben von dem, was Grundrente ist. Ohne aber den sozialen Organismus in Bezug auf solche Dinge zu überblicken, läßt sich überhaupt eine gedeihliche Fortentwicklung der Menschheit nicht herbeiführen...Für die Menschen ist es heute sehr schwierig, diesen einfachen Bodenwert in klaren Begriffen zu denken, weil sich im heutigen kapitalistischen Wirtschaftsleben der Kapitalzins oder das Kapital überhaupt konfundiert hat mit der Bodenrente, weil der wirkliche wirtschaftliche Wert der Bodenrente zu einem Truggebilde gemacht worden ist durch das Hypothekenrecht, durch das Pfandbriefwesen, durch das Obligationenwesen und dergleichen. Dadurch ist alles im Grunde genommen in unmögliche, unwahre Vorstellungen hineingetrieben worden. Es ist natürlich nicht möglich im Handumdrehen wirklich eine Vorstellung von dem zu bekommen was Grundrente ist. Aber denken Sie einfach als Grundrente den volkswirtschaftlichen Wert des Grund und Bodens als solchem, aber mit Bezug auf seine Produktivität. Landwirtschaft...S.25



Hausbau/Wohnung/Gärtchen:
In dem dreigliedrigen Organismus wird der Mensch nicht bloß eine Wohnung zu suchen haben, sondern man tut auch sonst noch etwas. Man wird irgend etwas sein, Fabrikdirektor oder Tischler oder sonst etwas. Man hat da etwas zu tun. Dafür, daß man Fabrikdirektor oder Tischler wird, kann man leben; das wird einem vergütet. So geht dieses Zusammenbringen eines Menschen mit seiner Arbeit nach und nach im dreigliedrigen sozialen Organismus auf die Verwaltung des geistigen Gliedes des Organismus über. Eine Wohnung kriegen gehört aber zum Vergüten dazu. Das schließt sich zusammen. Sie dürfen sich nicht vorstellen: Ich bin ein Mensch, und muß zu einer Wohnung kommen, sondern: Ich bin nicht einfach ein Mensch, sondern ich habe auch etwas an einem Orte zu tun; und unter denjenigen Dingen, die mir als Vergütung zukommen, wenn normale soziale Verhältnisse sind, ist auch eine Wohnung. Nicht bloß darum handelt es sich, daß man abstrakt die Frage stellt: Wie komme ich zu einer Wohnung? - sondern: Was geschieht, wenn die Dreigliederung da ist? Da kriegt der Mensch eben, wenn er Mensch ist, an irgend einem Ort (und das ist man gewöhnlich, wenn man nicht ein Engel ist, der überall ist), da kriegt der Mensch, wie er ein Gehalt kriegt, auch eine Wohnung. Diese Dinge unterliegen eben dem, was aus der Organisation des geistigen Lebens herauskommt.

So werden wirklich erst ein wenig die Verhältnisse abgewartet werden müssen, die durch die Dreigliederung kommen, oder aber man wird nötig haben, sich durch die Phantasie auszubilden, wie sich die Verhältnisse gestalten werden. Dann wird es sich ja wirklich auch beantworten lassen, wie man zu verhandeln hat, wenn man irgendwo eine Stelle antritt, also eine Arbeit verrichtet, daß man auch zu einem kleinen Gärtchen kommt und dergl. Das sind wirklich Dinge, die nicht an den Nerv der Dreigliederung gehen, und von denen man sicher sein kann, daß sie sich so regeln werden, daß man wahrhaftig erst recht sein kleines Gärtchen vor dem Hause haben kann, wenn die Verhältnisse da sind, die durch die Dreigliederung herbeigeführt werden.

Ebenso handelt es sich ja darum, daß der Hausbau geregelt wird. Was ist er? Er geht aus von der Bodenfrage und hängt damit zusammen. Aber die Bodenfrage ist dann keine Frage der Ware mehr, sondern eine Frage des Rechts und des geistigen Lebens. Dann ist auch die Hausbaufrage eine Frage, die zusammenhängt mit der ganzen Kulturentwicklung der Menschheit. Es ist ja selbstverständlich, daß die Häuser gebaut werden aus denselben Impulsen heraus, aus denen heraus ein Mensch hineingestellt wird in seine Arbeit.

Also darum handelt es sich, daß man diese Fragen nicht in dieser Abstraktheit stellt; daß man nicht die Fragen so stellt, daß der Mensch als ein abstraktes Wesen herausgerissen wird aus seiner ganzen Konkretheit. Es ist eben nicht so, daß man einfach in einem lebendigen sozialen Organismus vor die Frage allein nur gestellt wird: Wie kommt man zu einer Wohnung? - sondern man wird mit der ganzen Konkretheit des Lebens da hereingestellt. Und alles kommt darauf an, wirklichkeitsgemäß diese Dinge zu behandeln.
Landwirtschaft...S.100f



homo oeconomus:
Die reine Naturwissenschaft ergebe die wirtschaftlichen Gesetze so, daß der Mensch als homo oeconomus im Sozialorganismus sich drinnenstehend wisse, und nicht mehr verfällt diesem dummen Glauben an den homo sapiens. Sie werden sagen, diese wahnsinnige Idee kann heute doch nicht als gescheit gelten! Ich werde Ihnen aber etwas erzählen, meine lieben Freunde. Vor einiger Zeit las ich im " Berliner Tageblatt " einen Artikel meines alten lieben Freundes Engelbert Pernerstorfers, der jetzt Vizepräsident des österreichischen Reichsrates ist. Er ist in vielen Dingen ein sehr gescheiter Mann. In diesem Artikel des " Berliner Tageblatts " war besonders hervorragend besprochen ein Buch von einem gewissen Dr. Renner: " Österreichs Erneuerung ". Aller Grund lag für mich vor, mich mit diesem Buch zu befassen, denn in dieser Besprechung von meinem alten Freund Pernerstorfer war gesagt, daß dieses Buch wohl berücksichtigt werden sollte von den Menschen der Gegenwart, denn man sähe, daß es noch Leute gibt, die wissen, wie man die Welt einzurichten habe, wenn dieser Krieg über uns hinweggezogen sein wird, daß es noch Leute mit fruchtbaren, schöpferischen Ideen gibt. Also, selbstverständlich, man muß seine Zeit kennen, ich ließ mir das Buch kommen. Da heißt es:

"..."

" Technik und Ökonomie beherrschen auch die Phantasie der Menschen, der Mensch ist aus dem homo sapiens der Klassik der homo oeconomus geworden, das wirtschaftliche Interesse waltet vor und drängt alle anderen zurück."

" Und so wird auch heute der Staat anders empfunden und gewertet ... Als Wirtschaftsstaat wird er heute angerufen von allen Parteien und Klassen im Innern, wird er nach außen und von außen gewertet."

Hier haben Sie's! So weit haben wir's gebracht: " Technik und Ökonomie beherrschen auch die Phantasie der Menschen, der Mensch ist aus dem homo sapiens der Klassik der homo oeconomus, geworden, das wirtschaftliche Interesse waltet vor und drängt alle anderen zurück."

Das ist das Buch, das dazumal empfohlen war als eine der bedeutenden Erscheinungen des gegenwärtigen Denkens, als eine der jenigen Erscheinungen, auf die man hinblicken soll, wenn man wissen will, wie die Erneuerung des gegenwärtigen Lebens geschieht.
167.287ff



Hypotheken:
Je mehr Hypotheken auf etwas lasten, desto teurer muß es dann bezahlt werden. Es wird fortwährend erhöht der Wert. Ja, ist denn das aber - die Höherwertung von Grund und Boden -, ist das eine Wirklichkeit? Es ist ja gar keine Wirklichkeit. Naturgemäß kann der Grund und Boden nicht mehr Wert bekommen, er kann mehr Wert höchstens bekommen, wenn eine rationellere Arbeit darauf verwendet wird. 340.75

Der Boden ist nach seiner Produktivität, das heißt nach der Art oder nach dem Grade der rationellen Ausnützung gegenüber der Gesamtwirtschaft so und so viel wert. Für die Menschen ist es heute sehr schwierig, diesen einfachen Bodenwert als klaren Begriff zu denken, weil sich im heutigen kapitalistischen Wirtschaftsleben der Kapitalzins oder das Kapital überhaupt konfundiert hat mit der Bodenrente, weil anstelle des wirklichen volkswirtschaftlichen Wertbegriffes der Bodenrente durch das Hypothekenrecht, das Pfandbriefwesen, das Obligationenwesen ein Truggebilde getreten ist. 189.32

Dem Kapital, das angelegt werden will, das also die Tendenz hat, in die Hypotheken hineinzumarschieren, dem muß man den Ablauf schaffen in freie geistige Institutionen hinein. So nimmt sich das praktisch aus. Lassen Sie die Assoziationen dafür sorgen, daß das Geld, das die Tendenz hat, in die Hypotheken hineinzugehen, den Weg in freie geistige Institutionen hinein findet! 340.95



Ideale/einzelmenschliche Höhepunkte:

Die Gleichheitsidee ist bei der Geburt von der Anlage her im einzelnen Menschen an ihrem Höhepunkt und wird zum Tod hin schwächer. Die Idee der Freiheit wächst hingegen von der Geburt zum Tod hin und erreicht beim Sterben ihren Höhepunkt. Für die Entwicklung der Brüderlichkeit bieten sich für jeden Menschen in der Mitte die besten Voraussetzungen. Geschlechtsneutral könnte man auch sagen, der Höhepunkt für die Geschwisterlichkeit liegt in der Lebensmitte 187.45f



Ideale/menschliche Dreigliederung:
Die Ideale der Fränzösischen Revolution, Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit, konnten als frühe soziale Forderungen nicht verstanden werden. Es war eine "tiefe Notwendigkeit", daß sie unter die Menschen kamen. Das wirkliche Verständnis für diese Worte wird sich jedoch erst durch ein Verständnis von der Dreigliederung des menschlichen Wesens ergeben. 158.181
171.210f



Ideale/Physische, seelische, geistige Welt:
Brüderlichkeit ist das wichtigste Ideal für die physische Welt. Freiheit für die Seelenwelt...Wir können uns überhaupt als Menschen nur im Leben zusammenfinden, wenn wir - jeder für sich selber - den Geist suchen und zuletzt zu einem gleichen geistigen Inhalt kommen können. Von der Gleichheit des Geisteslebens kann gesprochen werden. 158.183



Innerer Sinn der Dreigliederung:
Würde unter der modernen Verständigkeit des fünften nachatlantischen Zeitraums das Kapital bleiben bei den Menschen, auch dann, wenn sie nicht mehr es selber verwalten können, dann würde das Wirtschaftsleben selber den Kreislauf des Kapitals bewirken; Zerstörung müßte kommen. Da muß das geistige Leben eingreifen, da muß über das geistige Leben hinüber das Kapital an denjenigen gebracht werden, der wieder bei seiner Verwaltung dabei ist. Das ist der innere Sinn der Dreigliederung des sozialen Organismus, daß auch in dem richtig gedachten dreigliedrigen sozialen Organismus man sich keiner Illusion hingibt, daß das wirtschaftliche Denken in der modernen Zeit ein zerstörendes Element ist, und daß daher fortwährend ihm entgegengesetzt werden muß das aufbauende Element des geistigen Gliedes des sozialen Organismus.
Mit jeder neuen Generation, mit den Kindern, die wir in der Schule unterrichten, wird uns von der geistigen Welt etwas gegeben, etwas heruntergeschickt; das fangen wir auf in der Erziehung, das ist etwas Geistiges, das einverleiben wir wiederum dem Wirtschaftsleben und verhüten dessen Zerstörung; denn das Wirtschaftsleben, durch sich selbst seinen Gang gehend, zerstört sich.
200.76



Inspiration und soziale Ordnung:
Die Menschheit wird sich in Schmerzen und Leiden das Bewußtsein von der Inspiration auf dem schöpferischen Gebiete der sozialen Ordnung erringen müssen. Wenn der Mensch einsehen wird, daß er sich jetzt vorzubereiten hat, wiederum den Anschluß zu suchen an die geistige Welt, um in das Reich von dieser Welt ein Reich hineinzubringen, das nicht von dieser Welt ist, das aber das Reich von dieser Welt überall durchdringt, dann erst wird Heil in die chaotische soziale Menschheitsstruktur hineinkommen. 177.102



Internationale Beziehungen:
Die innere Gliederung des gesunden sozialen Organismus macht auch die internationalen Beziehungen dreigliedrig. Jedes der drei Glieder wird sein selbständiges Verhältnis zu den entsprechenden Gebieten der anderen sozialen Organismen haben...Durch diese Unabhängigkeit im Entstehen der Beziehungen werden diese in Konfliktfällen ausgleichend aufeinander wirken können. 23.141

Von besonderer Bedeutung muß einem wirklichkeitsgemäßen Denken erscheinen, daß die hier dargestellten Ziele eines sozialen Organismus zwar ihre Geltung haben für die gesamte Menschheit, daß sie aber von jedem einzelnen sozialen Organismus verwirklicht werden können, gleichgültig, wie sich andere Länder zu dieser Verwirklichung vorläufig verhalten. Gliedert sich ein sozialer Organismus in die naturgemäßen drei Gebiete, so können die Vertretungen derselben als einheitliche Körperschaft mit anderen in internationale Beziehungen treten, auch wenn diese anderen für sich die Gliederung noch nicht vorgenommen haben. Wer mit dieser Gliederung vorangeht, der wird für ein gemeinschaftliches Menschheitsziel wirken. 23.114

Die vorgeschlagene Struktur eines Wirtschaftskörpers, der dem dreigliedrigen sozialen Organismus angehört, gestattet einen hemmungslosen wirtschaftlichen Verkehr mit dem Auslande, auch wenn dieses Ausland die Dreigliederung nicht hat. 24.29



Journalistik:
Es wäre gewiß unrichtig, wenn man behaupten wollte, daß Schiff nur deshalb in solch emsiger Weise bemüht war, sein Wissen nach allen Seiten auszubilden, um ein vollkommener Journalist zu werden. Ihm war eine allseitige Bildung ein persönliches Bedürfnis. Etwas nicht zu wissen, schien seinen auf Universalität angelegten Geist zu beunruhigen. Aber gerade solche Menschen gehören in die Journalistik. Für diesen Beruf ist nichts zu gut. Und wenn man auch sagen muß, ein Mensch mit solchem Erkenntnisdrange müßte das Ideal eines Gelehrten geworden sein: bedauern darf man nicht, daß er Journalist geworden ist. Weil ein großer Teil unserer gebildeten Welt bloß die Tagesliteratur sich aneignet, braucht diese Persönlichkeiten, wie Emil Schiff eine war. Nur durch Charaktere von seiner Art ist es möglich, die so viel besprochenen Schäden der Journalistik aus der Welt zu schaffen. Das menschliche Wissen bildet ein in sich geschlossenes Ganzes. Man kann allenfalls Spezialist sein und die allgemeine Bildung entbehren. Man muß dann über die Einflüsse Byrons auf die deutsche Literatur rein Tatsächliches zusammenstellen; oder über die Fortpflanzung der Moose berichten, was man mit den Augen gesehen hat. Aber man kann unmöglich über eine politische Erscheinung oder eine wissenschaftliche Entdeckung seinen Zeitgenossen berichten, wenn man diese nicht auf Grund einer umfassenden Bildung in das ganze Kulturgetriebe der Gegenwart einzugliedern weiß. Unsere Journalisten können das zumeist nicht. Leider wird der Mangel einer solchen Fähigkeit auch viel zu wenig bemerkt321.31



Justiz (rechtsprechende Gewalt - Judikative):
Und ich habe schon aufmerksam darauf gemacht, daß zu diesem geistigen Gliede des sozialen Organismus nun auch gerechnet werden muß, was heute noch manchem nun auch paradox erscheinen wird, die wirkliche Praxis des privaten und des strafrechtlichen Urteilens. So sonderbar das klingt, auch da gibt es schon eine Tendenz im modernen Leben, die nur nicht in der richtigen Weise beurteilt wird. Was immer mehr und mehr von einer eben verfehlten Psychologie in Anspruch genommen worden ist für die Rechtsprechung, das ist es, was tendiert nach einem noch nicht erkannten, aber notwendigerweise zu erkennenden Prinzip der Einverleibung des privat- und strafrechtlichen Wirkens in das geistige Glied, das wiederum mit relativer Selbständigkeit dasteht, auch mit relativer Selbständigkeit dasteht gegenüber all dem Leben, das sich als das engere politische Leben entwickelt, das sich als das Leben des öffentlichen Rechtes, der Gesetzgebung entwickelt. Gewiß, es wird in Zukunft in einem gesunden sozialen Organismus der Verbrecher zum Beispiel zu suchen sein von dem, was sich im zweiten Gliede, im politischen Gliede ergibt. Wenn er aber gesucht ist, dann wird er abgeurteilt von dem Richter, dem er in einem individuellen menschlichen Verhältnis gegenübersteht.328.92
s.auch Richter...



Kapital/Entstehung:
Zunächst muß die menschliche Arbeit ja bei der Natur einsetzen, die Naturprodukte verwandeln, so daß das Naturprodukt einen volkswirtschaftlichen Wert erhält. Und in der Volkswirtschaft hat man es nun einmal nicht mit der Substanz zu tun. Diese hat als solche keinen volkswirtschaftliche Wert...Nun aber, indem so die menschliche Arbeit auf die Natur angewendet wird, kommen wir ja beim Weiterrücken der volkswirtschaftlichen Entwicklung in die Arbeitsteilung hinein, die dadurch entsteht, daß Menschen zusammenwirken. Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Nehmen wir an wir wären noch in einer sehr primitiven Zeit, es gäbe noch kein anderes Mittel, als daß die Arbeiter, um zu der Stätte zu kommen, wo sie die Natur bearbeiten, zu Fuß gehen. Nun kommt einer darauf einen Wagen zu bauen und Pferde zu benützen, um den Wagen zu ziehen. Da wird dasjenige, was zuerst allein verrichtet werden mußte von jedem, das wird nun von jedem verrichtet im Zusammenhang mit demjenigen, der den Wagen nun stellt. Es wird eine Arbeit geteilt. Dasjenige was verrichtet wird, was im volkswirtschaftlichen Sinne Arbeit ist, wird geteilt. Es spielt sich dann die Sache so ab, daß ein jeglicher der den Wagen benutzt, nun an den Wagenunternehmer eine bestimmte Quote zu bezahlen hat. Damit ist aber derjenige, der den Wagen erfunden hat, in die Kategorie des Kapitalisten eingetaucht. Der Wagen ist für den betreffenden Menschen jetzt richtiges Kapital. Sie werden, wo Sie suchen wollen, sehen, daß gewissermaßen der Entstehungspunkt des Kapitals immer in der Arbeitsteilung, Arbeitsgliederung liegt. Aber wodurch ist der Wagen erfunden worden? Er ist eben durch den Geist erfunden worden. Und jeglicher solcher Vorgang besteht darin, daß der Geist auf die Arbeit angewendet wird, daß die Arbeit durch den Geist in irgendeiner Beziehung durchdrungen wird. Wir haben es also zunächst mit nichts anderem zu tun, als mit durchgeistigter Arbeit, wenn wir im Verlaufe der Arbeitsteilung Kapital entstehen sehen.340.53ff



Kapitalkreislauf/Kapitalverbrauch:
Durch die ständige Rationalisierung, d.h. Anwendung des Geistes auf die Organisation und den Ablauf der Arbeit, entsteht Kapital. Dieses Kapital muß in einem gesunden sozialen Organismus bis auf einen kleinen Rest für Neuinvestitionen verbraucht werden, weil es sonst versucht sich in der Natur (insbesondere in Immobilien und Produktionsanlagen) zu konservieren. Steiner gibt hierfür ein schönes Bild, nämlich das des Landwirtes. Der Landwirt muß versuchen, seine Ernte zu verkaufen bis auf einen kleinen Rest, den er für die Aussaat im kommenden Jahr benötigt. Dieser Rest stellt volkswirtschaftlich den Kapitalbedarf für notwendige künftige Investitionen dar. Alles andere Kapital muß überführt werden in Schenkungen für kulturell-geistige Arbeit (insbesondere für Schulen und Universitäten). Da diese Arbeit nicht unmittelbar neue Werte schafft, stellt dies den wirtschaftlich notwendigen Entwertungsprozeß dar.
340.74ff



Kardinalproblem der Wirtschaftswissenschaften:
Es ist heute als das Kardinalproblem für die Wirtschaftswissenschaft das des geschlossenen Wirtschaftsgebietes, Riesenwirtschaftsgebietes zu lösen.
Ist diese Aussage vom August 1922 noch immer aktuell? Nun, wir sprechen zwar viel von Globalisierung, aber hat sich das wissenschaftliche Denken wirklich von der "Nationalökonomie" zu einer "Globalökonomie" entwickelt? Hat man sich von der Theorie ewigen Wachstums verabschiedet oder gilt die Prämisse, daß die wirtschaftliche Entwicklung nicht allein auf den Planeten Erde begrenzt sein soll? "Mondtourismus" scheint doch schon in greifbare Nähe zu rücken. Eine realistische, d.h. wissenschaftlich seriöse Globalökonomie muß die Endlichkeit der Erde, ein Ende von dauerndem Wachstum in ihre Überlegungen einbeziehen. 340.163




Klassen:
Dasjenige, was die Menschheit irgendwo und irgendwann erlebt hat durch ihren Adel, das ist Auswirkung eines alten Menschheitskarmas, das ist Auswirkung von Impulsen, welche einmal durch das oder jenes in die Menschheitsentwickelung hineingetragen worden sind. Damit gewisse Dinge über die Menschen kommen können wegen früherer gemeinschaftlich menschlicher Verwickelungen, dazu war im wesentlichen - jetzt spirituell betrachtet - der Adel auf diesem oder jenem Gebiete da; der Auswirker alter Schulden, könnte man sagen. Man muß überall zurückgehen in die Vergangenheiten, wenn man die Impulse, die Im Adel sozial wirken, mit Bezug auf ihre Bedeutung für die Menschheit verstehen will.

Hat man, ich möchte sagen, die tiefere Betrachtung der Dinge da einmal angefaßt, wo ich es Ihnen jetzt angedeutet habe, dann wird man dazu getrieben, auch beim anderen Pol einmal anzufassen. Und der andere Pol ist das Proletariat. Hier verhält sich die Sache umgekehrt. Alles dasjenige, was durch das Proletariat verursacht wird an Schwierigem für die Menschheit, was hereingetragen wird in die Menschheit an Verwickelungen durch das Proletariat, alles das weist auf die Zukunft hin, gibt Zukunftskarma, wird von der Menschheit in der Zukunft ausgetragen werden müssen.

Das erstere, daß der Adel gewissermaßen die vollziehende Gewalt gegenüber alter Schuld ist, diese Erkenntnis kann dazu führen, Verantwortlichkeit zu fühlen gegenüber dem, was heute durch das Proletariat geschehen muß. Denn schließlich ist ja doch dasjenige, was durch das Proletariat geschieht, in weitem Umfange auf dem Umwege durch das geistige Leben von der Bourgeoisie verursacht. Um das letztere durchdringend zu verstehen, muß man versuchen, die Mittelstellung der Bourgeoisie zwischen dem Adel und dem Proletariat ins Auge zu fassen. 185a.73f



Kranker sozialer Organismus:
Welche krankhaften sozialen Entwicklungen waren bisher vorherrschend? Das Wirtschaftsleben war auf den Zufall gegründet, also es war bisher chaotisch und planlos. Das Rechtsleben hat sich heute in vielen Bereichen so entwickelt, daß sich darin nur noch marginal etwas von Gerechtigkeit wiederfindet, es ist karikiert durch Einflüsse mächtiger Gruppen, es ist also ein Machtleben geworden. Das Kultur- und Geistesleben ist vielfach nicht mehr getragen von inneren, lebendigen Impulsen, sondern wird gewissermaßen traditionell fortgeführt. Die Darstellungen dieser Kultur erscheinen daher als Phrasen, als bloße Gedankenkonserven. Diese dreifache Gliederung muß überwunden werden, da müssen wir heraus. 296.29



Krankes Rechtsleben/Konventionen:
Alles Recht fließt substanziell aus Gefühlen zwischen Mensch und Mensch. Sie drücken sich aus in bestimmten Verhaltensgewohnheiten, die auch als Sitten bezeichnet werden und später zu (geschriebenem) Recht werden können. In dem schwachen Geistesleben unserer Zeit, in dem die Phrase herrscht, kann sich auch nur ein äußeres Verhältnis von Mensch zu Mensch ergeben. Aus Konventionen heraus entwickelt sich ein Recht, das häufig ohne eine wirkliche Gefühlsgrundlage von Mensch zu Mensch dasteht. 334.96



Kredit/Personalkredit - Realkredit:
Personalkredit verbilligt die Waren.
Kredit auf Grund und Boden, auch Realkredit genannt, verteuert die Waren. 340.71ff



Kreislauf der Produktionsmittel/Eigentum:
Statt dem Gemeineigentum der Produktionsmittel wird im sozialen Organismus ein Kreislauf dieser Mittel eintreten, der sie immer von neuem zu denjenigen Personen bringt, deren individuelle Fähigkeiten sie in der möglichst besten Art der Gemeinschaft nutzbar machen können...Die Gegenstände des Eigentums werden in den Fluß des sozialen Lebens gebracht. Der einzelne kann sie nicht aus seinem Privatinteresse heraus zum Schaden der Allgemeinheit verwalten; aber auch die Allgemeinheit wird sie nicht zum Schaden der einzelnen bürokratisch verwalten können, sondern der geeignete einzelne wird zu ihnen den Zugang finden, um durch sie der Allgemeinheit dienen zu können. 23.124ff



Krieg und Frieden:
Wenn wir von dieser Gesinnung ausgehen, so finden wir namentlich einen Satz, den ich Sie bitte, sich recht zu Herzen zu nehmen, denn dieser eine Satz kann unter anderem Richtkraft für soziales Denken in der Zukunft geben. Dieser eine Satz ist der: Man reicht aus, ohne daß man Ideen hat, in Zeiten von Revolutionen und Kriegen, man kann aber nicht ausreichen ohne Ideen in Zeiten des Friedens; denn werden die Ideen in Zeiten des Friedens rar, dann müssen Zeiten von Revolutionen und von Kriegen kommen. - Zum Kriegführen und zu Revolutionen braucht man keine Ideen. Um den Frieden zu halten, braucht man Ideen, sonst kommen Kriege und Revolutionen. Und das ist ein innerer spiritueller Zusammenhang. Und alle Deklamationen über den Frieden nützen nichts, wenn nicht diejenigen, die die Geschicke der Völker zu leiten haben, sich bemühen, gerade in Friedenszeiten Ideen zu haben. Und sollen es soziale Ideen sein, so müssen sie sogar von jenseits der Schwelle herrühren. Wird eine Zeit ideenarm, so schwindet aus dieser Zeit der Friede.185a.212



Liebe:
Man braucht das nur zu schildern, dann wird man, wenn es auch auf diesem Gebiete trocken und nüchtern erscheint, den eigentlichen Motor der Produktion sehen müssen in der hingebungsvollen Liebe an die menschliche Gesellschaft. Und ehe man nicht begreifen wird, daß die Produktion nur dadurch in sozialer Weise geregelt werden kann, daß Grundlagen geschaffen werden durch Geistes- und Rechtsleben, aus denen sich in die menschliche Seele hineinergieße - wegen des Interesses für ihre Mitmenschen, wegen des Interesses für das Leben - hingebungsvolle Liebe für ihre Produktionszweige, eher wird man nichts Positives sagen über die eigentliche Aufgabe des sozialen Problems.332a.191

Daher muß man sich klar darüber sein, daß es heute drängt, solchen Geist zu entwickeln, der die Wirklichkeit meistert, der in das materielle Leben untertauchen kann, der nicht nur zu sagen weiß: vertieft euch in das Innere, ihr werdet den Gott im Innern finden, ihr werdet den Quell der Liebe in euch entwickeln können, ihr werdet den Weg dann finden von der heutigen sozialen Ordnung zu einer solchen, in welcher der Mensch dem Menschen innerlich nahe steht! Nein, es handelt sich heute darum, solchen Geist, solche Sprache, solche Christen zu finden, die nicht bloß von ethischen und von religiösen Dingen reden, sondern die so stark im Geiste sind, daß der Geist die alleralltäglichsten Dinge zu umfassen vermag. Vom Geiste aus muß gefragt werden: was soll geschehen, um den heilenden Weg aus den Verheerungen des Kapitalismus zu finden, aus den Bedrückungen, denen die menschliche Arbeitskraft ausgesetzt ist?189.111



Lohnempfänger/Selbstversorger:
Im Grunde genommen ist jeder Lohnempfänger im gewöhnlichen Sinne heute noch ein Selbstversorger. Er ist derjenige, der so viel hingibt, als er erwerben will, der gar nicht kann so viel an den sozialen Organismus hingeben, als er hinzugeben in der Lage ist, weil er nur so viel hingeben will, wie er erwerben will.
Hier sind zwei verschiedene Ebenen angesprochen. Die eine ließe sich umschreiben mit "Dienst nach Vorschrift", öder Arbeitsalltag, langweilige Schufterei, Interesselosigkeit usw. und die andere mit freiwilligem Engagement usw.340.48



Lohnkämpfe:
Die Lohnkämpfe sind eine notwendige Folge davon, daß man Arbeit wie eine Ware bezahlt. Die Gewerkschaften müssen daher ihre Aufgabe darin sehen, den Preis der Ware "Arbeit" höher und höher zu schrauben. Letztlich steigen dadurch alle Preise und es zeigt sich, daß höhere Löhne wie bloße Geldvermehrung wirken und der Wirtschaftsprozeß nur künstlich aufgebläht wird. Daher kann auch innerhalb des Wirtschaftslebens nur in Frage kommen das Produkt, das durch die Arbeitskraft hervorgebracht wird. Und es kann sich die Wirtschaftsverwaltung nur damit befassen, den gegenseitigen Wert der Produkte zu regeln. Aus dem Wirtschaftskreislauf muß die Arbeit ganz draußen liegen. Art und Zeit, Charakter der Arbeit wird bestimmt durch die Rechtsverhältnisse der Menschen untereinander. Arbeit muß herausgehoben werden aus dem Wirtschaftsprozeß. Dann wird ...zurückbleiben, was man nennen kann die Regelung der gegenseitigen Bewertung der Waren...332a.53ff



Lohnverhältnis:
Das heutige Lohnverhältnis täuscht die daran beteiligten Menschen über die wirklichen Vorgänge. "Arbeitnehmer" sollten sich als "Teilproduzenten" oder "Mitunternehmer" verstehen, die Bezahlung als zustehender Mitanteil am Unternehmenserfolg. Obwohl die Arbeitswelt sich schrittweise diesem Verständnis nähert ist die folgende Auffassung sicher noch Neuland:
Wert in der Volkswirtschaft kann ja nur entstehen im Austausch der Erzeugnisse, im Austausch der Waren oder überhaupt volkswirtschaftlicher Erzeugnisse...Betrachten wir von diesem Gesichtspunkt aus einmal das sogenannte Lohnverhältnis, das Arbeitsverhältnis. Wir können nämlich gar nicht Arbeit gegen irgendetwas eintauschen, weil es zwischen Arbeit und irgend etwas eigentlich keine gegenseitige Bewertungsmöglichkeit gibt...Was in Wirklichkeit geschieht ist in Wirklichkeit etwas ganz anderes, etwa dieses: daß auch im Arbeits- oder Lohnverhältnis Werte ausgetauscht werden. Der Arbeiter erzeugt unmittelbar etwas, der Arbeiter liefert ein Erzeugnis; und dieses Erzeugnis kauft ihm in Wirklichkeit der Unternehmer ab. Der Unternehmer bezahlt tatsächlich bis zum letzten Heller die Erzeugnisse, die ihm die Arbeiter liefern. Und dann hat er die Aufgabe, daß er diesen Erzeugnissen durch die allgemeinen Verhältnisse im sozialen Organismus, nachdem er sie abgekauft hat, einen höheren Wert durch seinen Unternehmergeist verleiht. Das gibt ihm dann in Wahrheit den Gewinn. Wir haben es also im Arbeitsverhältnis mit einem richtigen Kauf zu tun. 340.96ff



Marxismus/Wirtschaft allein real:
. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind die einzige Realität, so predigt der Marxismus in allen Tonarten. Und dasjenige, was sich aus den wirtschaftlichen Verhältnissen ergibt, ist dasjenige, was der Mensch als seinen Seeleninhalt in sich trägt. Recht, Sitte, Religion, Wissenschaft, Kunst: alles Ideologie. 334.184

Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus will das Wirtschaftsleben auf seinen eigenen Boden stellen. Der marxistische Sozialismus macht den Staat zur wirtschaftlichen Organisation. Die Dreigliederung löst das Wirtschaftsleben vom Staate los. Sie kann daher nicht andere Maßnahmen ins Auge fassen als solche, die sich aus den Anforderungen des Wirtschaftslebens selbst ergeben. Dieses aber wird ertötet, wenn es auf eine zentralistisch orientierte Verwaltung aufgebaut wird; es muß hinsichtlich der Anordnung und Verrichtung der für die Produktion zu leistenden Arbeit auf der freien Initiative wirtschaftender Menschen beruhen. Verbunden mit dieser freien Initiative kann sein, daß die Früchte des Produzierens innerhalb des sozialen Organismus in der Art durch sozial gerechtfertigte Preise dem Konsumentenbedürfnisse entsprechen, wie dies in meinem vorigen Artikel gekennzeichnet ist. Die Wahrung der freien Initiative der Betriebsleitungen ist nur möglich, wenn diese nicht in eine Zentralverwaltung eingespannt sind, sondern wenn sie sich in Assoziationen zusammenschließen. Dadurch wird erreicht, daß nicht eine zentralistische Verwaltung maßgebend ist für dasjenige, was in den Betrieben geschieht; sondern es bleibt den Betrieben ihre volle Freiheit, und die soziale Orientierung des Wirtschaftskörpers geht aus den Abmachungen der selbständigen Betriebe hervor. 24.226f

Die letzte Konsequenz des Verstaatlichungssystems ist ja Marxismus, und, radikal, Bolschewismus. Da wird alles verstaatlicht; da wird der ganze Staat zu einem großen Industrieetablissement, zu einer Riesenunternehmung gemacht, wenigstens ist das zunächst das Ideal. Nun, wenn man das macht, dann ist es notwendig, einzuorganisieren in diese ganze Menagerie, Maschinerie wollte ich natürlich sagen, einzuorganisieren in diese ganze Maschinerie, was technische Kenntnisse sind. Denn ohne diese technischen Kenntnisse kann man nicht vorwärtskommen. Es ist ja die moderne Technik notwendig. Aber aller Bolschewismus und alle Arten, das marxistische Prinzip in die Wirklichkeit einzuführen, werden zu nichts anderem führen können als zu Raubbau auf diesem Gebiet. Das heißt, man wird für eine Zeitlang die technisch Begabten versklaven können. Aber sie verschwinden nach und nach, wenn man nicht vorher übergehen wird zu einem selbständigen, emanzipierten, freien, produktiven Geistesleben. Vor dieser Krisis steht man überall da, wo die Verstaatlichung des Geisteslebens radikale Fortschritte macht. 338.87



Marxismus als Weltanschauung:
Was ist das Wesentliche dieses proletarischen Marxismus als Weltanschauung? Das Wesentliche des proletarischen Marxismus als Weltanschauung ist der Unglaube an den Menschen. Dieser Unglaube an den Menschen hatte in den Zeiten der Urweisheit der Menschheit seine Berechtigung, denn da waren es göttliche Kräfte, die in dem menschlichen Innern saßen und den Menschen führten. Die Menschen wußten sich auf dasjenige verwiesen, was sie unbewußt aus Seelentiefen heraus als die Offenbarungen der Götter als Richtkräfte für das Leben erkennen konnten. Da war es der Unglaube an den Menschen und der Glaube an die Götter. Als herausgebunden war aus dem alten theokratisch-kirchlichen Element das staatlich-administrative, das beamtlich-militärische Element, da bestand noch immer dieser Unglaube an den Menschen. Denn da entstand der Glaube, der Mensch als solcher kann doch nicht die Geschicke leiten, das muß der Staat tun. Der Staat wurde zum Götzen, zum Fetisch. Und das führte den Menschen, der nun in das Staatssystem eingespannt war, zum Unglauben an den Menschen, zum Glauben an den äußeren Fetisch. Natürlich, sobald der Gott herunterkommt, wird er immer mehr und mehr zum Fetisch. Der proletarische Marxismus ist die dritte und letzte Stufe des Unglaubens an den Menschen. Denn der Proletarier sagt sich in seiner materialistischen Geschichtsphilosophie: Nicht der Mensch ist es, der die Geschicke leitet, sondern " die Produktionskräfte " sind es, die ihn leiten. Wir stehen als Menschen ohnmächtig da mit unserer Ideologie. So, wie die Produktionsprozesse verlaufen, so ist der geschichtliche Gang. Und was die Menschen innerhalb dieser Produktionskräfte sind, ist nur das Ergebnis der Produktionskräfte selbst.

Unglaube an den Menschen und wirklicher Glaube auch an den handgreiflichen Fetisch! Es ist kein prinzipieller Unterschied, ob der auf andere Weise in die Dekadenz gekommene afrikanische Wilde einen äußeren Holzklotz anbetet, zum Fetisch macht, oder ob der europäische Proletarier die Produktionsmittel und Produktionsprozesse als dasjenige ansieht, was die Geschichte dirigiert. Da ist logisch prinzipiell gar kein Unterschied, es ist unser Zauber-Aberglaube ! Und das müssen wir genügend ansehen. In verschiedener Weise sind die Menschen in die Dekadenz gekommen. In Afrika war auch eine Urweisheit da. Dann ist das heruntergekommen in der Verwaltung; in Ägypten sehen wir das. Dann verfällt es. Der Fetischismus ist nicht dasjenige, was am Ausgangspunkte steht, sondern was in der Dekadenz eintritt. Am Ausgangspunkt steht überall der reine Götterglaube, und im Verkommen liegt erst der Fetischismus. Innerhalb der zivilisierten Gegenden wurden, statt daß man äußerliche Holzklötze anbetete, die " Produktionskräfte " angebetet. Die Gebete wurden natürlich auch anders eingerichtet. Aber " die Produktionskräfte " und " Produktionsprozesse " wurden zu Götzen gemacht. Es ist die letzte Phase des Unglaubens an den Menschen, die Phase der wirtschaftlich abergläubischen Denkweise. Es ist auch prinzipiell kein Unterschied, ob man sich als afrikanischer Wilder mit einem Zauberspruch zu seinem Götzen begibt oder in einer modernen proletarischen Versammlung sich zusammenfindet und marxistische Phrasen drischt. Das Gebet klingt anders, aber man muß sich klar sein darüber, was das innere Wesen der Sache ist.

Dem muß gegenübergestellt werden, was nun nicht Unglaube an den Menschen, sondern Glaube an den Menschen ist. Und letzten Endes kommt es darauf an, daß der Glaube an den Menschen gefunden werde, der Glaube, daß im Innern des Menschen sich die Richtkräfte für das Leben offenbaren. Der Mensch muß zu sich selbst kommen, zum vollen Selbstbewußtsein. Er muß die Möglichkeit finden, sich zu sagen: Alles Äußere ist Aberglaube. Einzig und allein die Richtkräfte im eigenen Innern sind es, die in das Leben eingreifen müssen!
338.191f



Märchen von der Schlange und der grünen Lilie von Goethe:
Mit diesem Märchen hat Goethe rätselhaft, in bildmäßiger Darstellung, auf eine notwendige Gliederung des sozialen Organismus hinweisen wollen. Es war auch als Antwort auf die "Ästhetischen Briefe" Schillers, die ihm zu "gradlinig", zu verstandesmäßig das Problem der menschlichen Entwicklung aufgriffen, gedacht.
Nun kann man aber in einer gewissen Weise schon hindeuten darauf, wenn das auch Goethe selber noch nicht getan hat, wie der goldene König entsprechen würde demjenigen sozialen Gliede, das wir als das geistige Glied des sozialen Organismus bezeichnen; wie der König des Scheines, der silberne König, entsprechen würde dem politischen Staate; wie der König der Gewalt, der kupferne König, entsprechen würde dem wirtschaftlichen Gliede des sozialen Organismus; und wie der gemischte König, der in sich selber zerfällt, den Einheitsstaat darstellt, der in sich selber eben keinen Bestand haben kann.
Das ist gewissermaßen Goethes bildhafte Hindeutung auf das, was einmal herauskommen mußte als die Dreigliederung des sozialen Organismus. Goethe hat also gewissermaßen gesagt, als er Schillers " Ästhetische Briefe " bekam: So kann man das nicht machen; Sie, lieber Freund, stellen sich den Menschen viel zu einfach vor. Sie stellen sich drei Kräfte vor. So ist es beim Menschen nicht. Wenn man dieses ganze reichgegliederte Innere des Menschen nehmen und anschauen will, so bekommt man so ungefähr zwanzig Kräfte - die Goethe dann in seinen zwanzig Märchengestalten bildhaft dargestellt hat -, und man muß dann das Spielen und Ineinanderwirken dieser etwa zwanzig Kräfte auch in einer wesentlich weniger abstrakten Weise darstellen...

Und so sehen wir denn in einer eigentümlichen Weise in Schillers drei Zuständen, dem Zustand der Vernunftnotwendigkeit, dem der Instinktnotwendigkeit und dem der freien ästhetischen Stimmung, und in Goethes drei Königen, dem goldenen, dem silbernen, dem kupfernen, vorgebildet alles das, was wir sowohl über die Dreigliederung des Menschen, wie über die Dreigliederung des sozialen Gemeinwesens zu finden haben durch Geisteswissenschaft als die nächsten notwendigen Ziele und Rätselfragen des einzelnen Menschen und des menschlichen Zusammenlebens.
200.67ff



Massenproduktion
Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? - wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen.153.174

Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz ' Geisteswissenschaft und soziale Frage ' ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich - wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum - in sich selber vernichten wird. 184.185f



Maschinen/Steigerung der Produktivität:
Man kann berechnen, ziemlich exakt berechnen, wieviel Millionen Menschen mehr die Erde haben müßte, wenn alle die Arbeit, die von den Maschinen verrichtet wird, von den Menschen verrichtet würde. Die Erde müßte fünfhundert Millionen Menschen mehr haben. Man kann schon sagen: Heute (1919, wb) sind auf der Erde nicht nur diejenigen Menschen mit zwei Beinen und einem Kopf, die statistisch berechnet werden können, sondern fünfhundert Millionen mehr, gemessen an der Arbeitskraft; die Arbeitskraft wird eben von Maschinen verrichtet.188.52


Heute (1918, wb) ist es schon so, daß die Menschen auf der Erde vierzehnhundert Millionen sind; aber es wird nicht bloß Arbeit geleistet von diesen vierzehnhundert Millionen - ich habe das einmal hier ausgeführt -, sondern es wird so viel Arbeit geleistet auf rein mechanische Weise, daß man sagen kann, die Erde ist heute eigentlich von zweitausend Millionen Menschen bevölkert; die anderen sind eben einfach Maschinen; das heißt, würde die Arbeit, welche von Maschinen geleistet wird, durch Menschen geleistet werden müssen ohne Maschinen, so müßten sechshundert Millionen mehr Menschen auf der Erde leben. 186.71



Mitteleuropa/staatliche Ideen:
Hier in der europäischen Mitte ist der Boden gewesen, auf dem die staatlichen Ideen sich besonders ausbildeten, wie bei Humboldt, Schiller und Goethe.197.160




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Literaturliste:

Boos, Roman (Hrsg., verstorben 1952)

Kühn, Hans (1889-1977)

Meyer, Thomas

Molt, Emil (1876-1936)

Spitta, Dietrich

Steiner, Rudolf (1861-1925)

Hier finden Sie die im Text genannten Titel der Gesamtausgabe (=GA) des Rudolf Steiner Verlages, Dornach -Schweiz- (jeweils am Anfang mit der GA-Nr. und am Ende mit dem Erscheinungsjahr des Bandes versehen)

Im Text bedeutet 23.12, siehe GA Band Nr. 23, Seite 12