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 A 

Ältesten-Kollegien
Aktie
Arbeit/Art, Zeit und Charakter
Arbeit/verschiedene Bedeutung
Arbeit/volkwirtschaftlicher Begriff
Arbeitsteilung/Wirkung
Arbeitnehmer
Arbeitslosigkeit/Beschäftigung um jeden Preis
Arbeitslosigkeit/Wirtschaftsverwaltung
Arbeitsantrieb
Arbeitsruhe
Arbeitszeit, tägliche
Assoziation, instinktive
Assoziationen/Bildung
Assoziationen/gemeinsame Wirtschaftsleitung
Assoziationen/Menge der Arbeiter
Assoziationsprinzip/Genossenschaftsprinzip
Assoziationsprinzip/Liberalismus
Assoziationsprinzip/bessere Maschinenausnutzung
Assoziationsprinzip/gesundes soziales Urteil
Ausgabensteuern
Außenbeziehungen

 B 
Bankähnliches Institut
Bedürfnisse/Entstehung und Wahrnehmung
Bedürfnisse/Quelle
Bedürfnisse/Veredelung
Begriffe, nationalökonomische
Bevölkerung/Dichte und Zahl
Bildungsmonopole

 C 
Chaos, soziales
Christentum/Entsklavung
Christentum/Dreigliederung
Christentum und Wiedergeburt

 D 
deutsche/mitteleuropäische Aufgabe
deutscher Charakter
deutscher Geist
Dorfgemeinde
Dreigliederung/allmählicher Aufbau
Dreigliederung ist da
Dreigliederung entwickeln
Dreigliederung - Entwicklung oder Revolution
Dreigliederung/organisieren oder wachsen lassen
Dreigliederungszeitung
Dreizahl

 E 
Egoismus nicht aus dem Menscheninnern
Egoismus/Demokratie und Arbeitsteilung
Ehe/Ehegesetzgebung
Eigentumsbegriff/Kompetenz des Staates
Eigentumsbegriff/Kapital in Fluß bringen
Eigentumsbegriff/kollektiv nützliches Privateigentum
Eigentum/Produktivkapital übertragen
Einheit des Organismus/bewirkt durch Menschen
Einmaleins
Einzelurteil, soziales
Energie des Lebens
Erbe/Erbrecht
Europa/neues Geistesleben
Europa und soziale Frage
Existenzminimum







Ältesten-Kollegien:
Begibt man sich erst auf den Weg der Selbstverwaltung, so werden sich im Geistesleben als auch im Wirtschaftsleben Ältesten-Kollegien ergeben. Diesen Älteren wird man mehr Verwaltungskunst zutrauen, als den Jüngeren. 192.196

Worauf beruht denn alles Wirtschaftsleben geistig-seelisch? Das klingt heute noch sonderbar, aber alles Wirtschaftsleben beruht doch nur auf wirtschaftlichen Erfahrungen und auf einem Drinnen-Gestandenhaben im Wirtschaftsleben, und es wird daher am besten ausgebildet durch diejenigen Seelenkräfte, die am längsten im Leben drinnen gestanden haben, nämlich durch die Seelenkräfte des letzten Lebensdrittels. Wie man eine richtige Kunst nur durch die allerersten Seelenkräfte entwickelt, so entwickelt man ein richtiges Wirtschaftsleben durch die letzten Seelenkräfte. 192.247f



Aktie:
Bei dieser Stelle bitte ich Sie, sich zu erinnern, wie ich 1908 in seither auch gedruckten Vorträgen in Nürnberg darauf aufmerksam gemacht habe, wie entzogen wird dem unmittelbar persönlichen Einfluß die moderne wirtschaftliche Ordnung, und wie das Geld, das heißt, das Kapital als solches, zu arbeiten beginnt. Ich sagte: Immer mehr und mehr arbeitet sich die gegenwärtige soziale Ordnung unter ahrimanischem Einfluß so herauf, daß der eine bald unten, bald oben ist.Auf die Persönlichkeit kommt es nicht mehr an, sondern es kommt darauf an, daß das Geld als solches wirtschaftet, bald einen heraufwirft, bald wieder hinunterwirft. Die Aktie, die Kapitalanhäufung und sein Gegenpol, das Kreditwesen, dieses Apersönliche und Antipersonliche, ist dasjenige, was sich als das ahrimanische Gegenbild des Geistselbstes für die Zukunft der sozialen Ordnung entwickeln soll. 184.189f



Arbeitsantrieb - Arbeitswille:
Der einzelne wird im dreigliedrigen sozialen Organismus eine ganz andere Motivation zur Arbeit entwickeln als die, durch die Warenproduktion Gewinn zu machen. Die Produktion ergibt sich sozusagen nebenbei, weil die Arbeit eine bestimmte Zielsetzung verfolgt. Aber dasjenige, was zugrunde liegen muß, damit der Mensch arbeite, daß muß die Lust und Liebe zur Arbeit sein. Und wir kommen nicht früher zu einer sozialen Gestaltung des sozialen Organismus, als wenn wir die Methode finden, daß der Mensch arbeiten will, daß es ihm eine Selbstverständlichkeit ist, daß er arbeitet. Das kann in keiner anderen Gesellschaft geschehen, als in einer solchen Gesellschaft, in der sie von inspirierten Begriffen reden. Niemals wird in der Zukunft so wie in der Vergangenheit, wo die Dinge instinktiv und atavistisch waren, Lust und Liebe zur Arbeit die Menschen durchglühen, wenn sie die Gesellschaft nicht durchdringen mit solchen Ideen, die durch Inspiration der Eingeweihten in die Welt kommen. 296.60

Das freie Kultur- und Geistesleben hat die Aufgabe, den Menschen ein lebensvolles Verständnis für die Gesellschaft und für die Bedeutung und den Wert der Einzelarbeit im Gesamtzusammenhang zu vermitteln, so daß der Mensch seine Arbeit lieben lernt. Nur ein vom Profitdenken und gleichmachenden Staatnormen befreites Geistesleben kann eine Liebe zur menschlichen Ordnung bewirken. Anders: Ein abhängiges Geistesleben bewirkt Sucht nach Profit. Der Egoismus ist nicht wesenhafte Menschennatur, sondern eine Frage der Erziehung. Für die Dreigliederung sind nicht "bessere" Menschen nötig, sondern eine andere Erziehung. 24.51f



Arbeitslosigkeit/Beschäftigung um jeden Preis
Wo können Sie nicht in irgendeiner Gesellschaft oder Kommune erleben, daß die Menschen nachsinnen über dieses und jenes Heilmittel, zum Beispiel gegen die Arbeitslosigkeit. Wenn Arbeitslosigkeit da ist, ist Hunger da. Wie machen wir es aber, daß diesem abgeholfen wird? Da wird dann der Entschluß gefaßt: Man muß den Leuten Arbeit geben. - Und nun erfindet man irgend etwas, um den Leuten Arbeit, Beschäftigung zu geben, damit sie Geld bekommen und sich kaufen können, was sie wollen. Das scheint ein sehr probates Mittel zu sein, um gesellschaftliche Schäden abzuwenden: den Leuten Beschäftigung zu geben. Aber es ist ein sehr gefährliches Mittel, den Leuten Beschäftigung um jeden Preis zu geben, solange man nicht die Art der Beschäftigung in produktive und unproduktive Beschäftigung unterscheidet. Solange man diese Unterscheidung zwischen produktiver und unproduktiver Beschäftigung nicht macht, ist dies sogar ein furchtbares Mittel in seiner Wirkung auf die Gesellschaft. Denken Sie sich den radikalen Fall: Jemand wollte, weil in einer bestimmten Gegend, wo durch Erfindung einer neuen Maschine eine Anzahl Personen brotlos geworden sind, diesen Leuten schnell Arbeit und Brot verschaffen. Er erfindet einen Artikel, wo er wertlose Abfallprodukte für Toilettengegenstände verwendet. Die Leute können dann etwas verdienen und sich Brot kaufen. - Das ist aber nur ein Mittel, um die Armut von einer Seite auf die andere umzulegen, denn es wird gar nichts produziert auf diese Weise, gar nichts hervorgebracht. Jeder kann das an folgendem Falle selbst einmal bedenken: Es setzt sich jemand draußen auf dem Lande in ein Restaurant und sagt: Kellner, geben Sie mir zehn Ansichtskarten! - und schickt sie ab, ohne dabei zu bedenken, wieviele Briefträger dadurch vier oder fünf Stockwerke hinaufgehen müssen, und ohne zu bedenken, daß dadurch nichts an realer Kraft in der Welt in Bewegung gesetzt wird. Gar nicht bedenkt man, daß damit nichts Wirkliches, den Geist und Körper Förderndes erzielt wird. Wenn Sie das dem Betreffenden sagen, so wird er natürlich eine Ausrede haben. Er könnte zum Beispiel sagen, es könnten ja neue Briefträger eingestellt werden, dadurch bekämen mehr Leute Arbeit. Man bedenkt dabei aber gar nicht, daß, wenn man da neue Menschen einstellt, durch deren Arbeit nichts Neues geschaffen wird, sondern daß man nur die Armut anders verteilt hat. Das zeigt, daß die Menschen erst etwas wissen müssen über die Verteilung der Arbeit auf der Erde, bevor sie anfangen können mit dem kleinsten Reformgedanken. 101.121f
s. auch 54.98



Arbeitslosigkeit/Wirtschaftsverwaltung:
Die Entstehung der Weltwirtschaft drängte dazu, Verwaltungskörper für das wirtschaftliche Leben zu schaffen, die nur aus den Bedingungen der Wirtschaft selbst heraus arbeiten. Solche Verwaltungskörper können nur Assoziationen sein, die aus den Verhältnissen der Produktion, des Konsums, der Warenzirkulation sich ergeben. Nur solchen Assoziationen ist es möglich, das Ineinanderwirken der genannten drei Faktoren so zu gestalten, daß nicht, zum Beispiele, aus einer ungesunden Produktion auf der einen Seite, auf der andern zahllosen Menschen die Produktionsmöglichkeit entzogen werde. Arbeitslosigkeit kann nur die Folge ungesunder Wirtschaftsverwaltung sein.

Es wird hier nicht etwa behauptet, durch dieses oder jenes theoretisch erdachtes Rezept könne der Arbeitslosigkeit entgegengewirkt werden. Das wäre utopistisch gedacht. Es ist gemeint, daß im lebendigen Wirken von Assoziationen, die aus den Bedürfnissen der Wirtschaft selbst hervorgehen, eine Denkart sich entwickeln kann, die gesunde Zustände zur Folge hat. 36.31

In die Debatten, die auf der Grundlage eines assoziativen Wirtschaftslebens sich ergeben, werden die wirtschaftlichen Kräfte selbst hineinfließen. Sie werden kürzer sein können als die politisch-wirtschaftlichen. Denn ein großer Teil des Wesentlichen wird sich nicht im Reden, sondern im Tun der in den Assoziationen stehenden Persönlichkeiten ausleben. Was geredet wird, wird nur das für das Tun Richtunggebende sein.

Den wirklich im Sinne der Weltwirtschaft Denkenden werden Politiker zur Seite stehen können, die fruchtbar mit ihnen zusammenarbeiten.

Arbeitslosigkeit! Menschen können nicht Arbeit finden! Sie muß aber doch da sein. Denn die Menschen sind da. Und es kann im gesunden sozialen Organismus die Arbeit, die nicht getan werden kann, nicht eine überflüssige sein, sondern sie muß irgendwo fehlen. Soviel Arbeitslosigkeit, soviel Mangel. Das spricht aber deutlich dafür, daß Arbeitslosigkeit nur in der allgemeinen Gesundung der wirtschaftlichen Institutionen ihr Gegengewicht finden kann.36.33




Arbeitszeit, tägliche:
Es wäre kaum notwendig, daß ein Mensch, der heute 8 bis 9 Stunden arbeitet, länger als 3, 4 Stunden arbeitet. Die Menschen würden ja, wenn vernünftig volkswirtschaftlich gedacht würde, ungeheuer viel weniger sich zu betätigen brauchen, in der Art, wie sie sich jetzt betätigen. Jetzt verschwenden die Menschen so viel in Arbeit, die sowieso wieder zugrunde gehen muß. 341.37

Wenn ineinander arbeitet Handarbeit und Geistesarbeit, dann würde auf der ganzen Erde, wenn jeder seinen Teil Handarbeit verrichten würde kein Mensch mehr als 3 bis 4 Stunden handzuarbeiten brauchen. Was über 3 bis 4 Stunden hinaus handgearbeitet wird, das bewirken nicht die in der Menschheitsentwicklung liegenden Notwendigkeiten, das bewirken die Faulenzer und Rentengenießer. 192.140f




Arbeit/Art, Zeit und Charakter:
Die Bestimmung der Arbeit wird nicht innerhalb des Wirtschaftskreislaufs erfolgen. Sie muß im Rechtsleben erfolgen. Art, Zeit (= Maß) und Charakter der Arbeit werden unter den Menschen demokratisch abgemacht. Dann verbleibt für das Wirtschaftsleben allein die Bewertung der Waren, die Preisbildung. 332a.55



Arbeitnehmer:
Einem neuen Bewußtsein entsprechend wird es nicht mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer geben, sondern Arbeiter und Arbeitsleiter (oder mehr geistige und mehr körperlich arbeitende Menschen). 329.133



Arbeitsruhe:
In einem gesunden sozialen Organismus muß vom Arbeiter nicht nur die Arbeitskraft gebraucht werden, sondern auch die Ruhe, dasjenige, was an seiner Kraft übrig bleibt, wenn er gearbeitet hat. Und nur diejenigen Kapitalisten sind eigentlich berechtigt, die dafür sorgen, daß der Arbeiter nach einer bestimmten Arbeitszeit irgendwie an das herankommen kann, was allgemein menschliches geistiges oder sonstiges Bildungsgut ist (wie Fußball, Fernsehen u.a.). 189.90



Arbeit/verschiedene Bedeutung:
4. Kulturepoche (bis 1413): Arbeit wurde als Tribut geleistet, als Sklavenarbeit.
5. Kulturepoche (bis 3573): Arbeit wird als Ware geleistet, wird verkauft.
6. Kulturepoche (bis 5733): Arbeit wird als absolutes Opfer geleistet, als freie Arbeit. 93a.231



Arbeit/volkswirtschaftlicher Begriff:
Volkswirtschaftlich ist nicht jede physische Betätigung Arbeit. Es kommt auf die Gegenseitigkeit füreinander an: Ein Begriff der Arbeit ist sehr leicht zu bilden im volkswirtschaftlichen Sinn. Er liegt dann vor, wenn man ein Naturprodukt vor sich hat, das durch menschliche Tätigkeit verändert worden ist mit dem Zweck, konsumiert zu werden. Es muß wenigstens konsumfähig gemacht werden, denn dann hat es den Wert. 341.59f



Arbeitsteilung/Wirkung:
Arbeitsteilung bewirkt in einer richtigen Weise die Verbilligung der Produkte. Tendenzen gegen die Arbeitsteilung (durch Selbstversorgung) wirken umgekehrt die Produkte verteuernd. 340.52



Assoziation, instinktive:
Man wird plausibel machen, daß der einzelne Mensch eigentlich gar nichts weiß über das Wirtschaftsleben, daß er im Grunde genommen ganz darauf angewiesen ist, wenn er zu einem Urteil über das kommen will, was im Wirtschaftsleben zu geschehen hat, sich mit anderen zu verständigen, so daß eigentlich immer nur aus Menschengruppen ein wirkliches wirtschaftliches Urteil hervorgehen kann und man also angewiesen ist auf die Assoziationen. Man wird dann vielleicht auf Verständnis stoßen, wenn man darauf aufmerksam macht, daß ja vieles von dem, was heute besteht, eigentlich aus alten instinktiven Assoziationen hervorgegangen ist. Bedenken sie nur einmal, wie der heutige abstrakte Markt Dinge zusammenbringt, deren Zusammenkommen und wiederum Weiterverteiltwerden an den Konsumenten gar nicht überschaut werden kann. Aber wie ist man denn überhaupt zu diesem Marktverhältnis gekommen? Im Grunde genommen aus der instinktiven Assoziation heraus, indem eine Anzahl von Dörfern in solch einer Entfernung, daß man hin- und zurückgehen kann im Tage, um einen größeren Ort herum waren und da die Leute ihre Produkte austauschten. Das nannte man nicht eine Assoziation. Man sprach überhaupt kein Wort aus; aber in Wirklichkeit war es eine instinktive Assoziation. Diejenigen Leute, welche hier sich zum Markt vereinigten, waren assoziiert mit all denen, die in den Dörfern herum wohnten. Sie konnten rechnen auf einen bestimmten Absatz, der sich erfahrungsgemäß ergab. Daher konnten sie nach dem Konsum die Produktion regeln in ganz lebendigen Zusammenhängen. In solchen primitiven Wirtschaften waren durchaus assoziative Verhältnisse, die sich nur nicht als solche aussprachen, vorhanden. Das alles ist mit der Vergrößerung der wirtschaftlichen Territorien unüberschaubar geworden, und insbesondere dann sinnlos geworden gegenüber der Weltwirtschaft. Die Weltwirtschaft, zu der es ja erst gekommen ist im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die hat ja alles ins Abstrakte, das heißt, im wirtschaftlichen Leben auf den bloßen Geld- oder Geldeswertumsatz reduziert, bis sich eben dieses Reduzieren ad absurdum geführt hat. 339.86f



Assoziationen/Bildung:
Im Wirtschaftskreislauf sollen sich Interessengruppen zusammenschließen und Verträge abschließen. In Assoziationen stehen sich verschiedenste Berufssparten, Produzenten und Konsumenten gegenüber. Auf nichts anderes als auf Verträge unter den Assoziationen, als auf den Ausgleich gegenseitiger Leistungen, wird das Wirtschaftsleben beruhen. Eine gute Sachkenntnis und Fachtüchtigkeit wird den Verhandlungen in den Assoziationen zugrunde liegen. 332a.88

Daher ist das erste, daß hintendiert werde auf Assoziationen, die sich bilden, gerade aus der Landwirtschaft heraus mit verschiedenen Zweigen der Industrie. Vortrag v. 12.10.1920 in Landwirtschaft und..., S. 115f


Assoziationen/gemeinsame Wirtschaftsleitung:
Was der einzelne Mensch nicht mehr finden kann, kann die Assoziation finden, die wiederum eine Art Gruppenseele entwickeln wird, die auf dasjenige gehen wird, was jetzt nicht der einzelne entscheidet. Im Zeitalter des Intellektes war der einzelne der Wirtschafter, in der Zukunft wird es die Assoziation sein. Und in der Assoziation müssen die Menschen zusammenstehen. Da kann dann wiederum, wenn man anerkennt, daß ein Geistiges gebändigt werden muß im Wirtschaftsleben, etwas herauskommen, was Blutabstammung und Patent ersetzen kann. Denn dem Menschen würde das Wirtschaftsleben über den Kopf wachsen, wenn er nicht Geistiges mitbrächte, um dieses Wirtschaftsleben zu leiten. 200.95



Assoziationen/Menge der Arbeiter:
Bei zu niedrigen Preisen für ein Gut, d.h. die daran mitarbeitenden Menschen können davon nicht leben, müssen weniger Menschen an dessen Produktion arbeiten; sie müssen übergeleitet werden zu einer anderen Produktion. Bei zu hohen Preisen für ein Gut, d.h. die Konsumenten können dann ihren sonstigen Lebensunterhalt nicht decken, müssen mehr Arbeiter für dessen Herstellung herübergeleitet werden. Der Warenpreis hängt in der Wirklichkeit von der Zahl der Arbeiter ab; die Regulierung des Preises durch die Überleitung der Menschen ist am besten bei den freien Assoziationen und nicht beim Staat aufgehoben: So etwas durch die freien Assoziationen, die innerhalb der sozialen Gebiete entstehen zu ordnen, wo jeder Einblick hat - er sitzt ja in der Assoziation, oder sein Vertreter sitzt darin oder es wird ihm mitgeteilt, was darin geschieht oder er sieht es selber ein, was zu geschehen hat -, das ist dasjenige, was zu erstreben ist. 340.79ff



Assoziationsprinzip/Liberalismus:
Im Wirtschaftsleben handelt es sich darum, daß der Übergang gefunden wird vom wirtschaftlichen Liberalismus zum Assoziationsprinzip. Da stecken wir erst mitten in demjenigen drinnen, was geschehen muß. Das ist es, was uns den welthistorischen Augenblick in dieser Beziehung in seiner Wesenheit eigentlich erst enthüllt: Assoziationsprinzip im wirtschaftlichen Leben bedeutet nichts anderes als dasjenige, was notwendig kommen muß gegenüber den Ausartungen des wirtschaftlichen Liberalismus. Und in der modernen Zeit haben eben die Leute noch nicht, weil das Denken in gewisser Weise inaktiv ist, den Mut gefunden, zur Aktivität überzugehen, überzugehen vom liberalistischen Denken zum aktiven Denken. 338.185



Assoziationsprinzip/Genossenschaftsprinzip:
Was heißt das, sich statt auf den Boden des Genossenschaftsprinzips auf den Boden des Assoziationsprinzips stellen? Das heißt das folgende: Wer sich auf den Boden des Genossenschaftsprinzips stellt, der behauptet, die Menschen brauchen sich nur zusammenzutun, aus ihrer Gemeinsamkeit heraus Beschlüsse zu fassen, dann können sie die Produktionsprozesse verwalten. Also man beschließt zuerst die Assoziierung der Menschen, die Zusammenschließung der Menschen, und dann will man produzieren von dem gemeinsamen Zusammenschluß, von der Gemeinschaft der Menschen aus. Die Idee vom dreigegliederten Organismus stellt sich auf den Boden der Wirklichkeit und sagt: Zuerst müssen da sein die Menschen, die produzieren können, die sachkundig und fachtüchtig sind. Von ihnen muß der Produktionsprozeß abhängen. Und diese sachkundigen und fachtüchtigen Menschen, die müssen sich nun zusammenschließen und das Wirtschaftsleben besorgen auf Grundlage jener Produktion, die aus der Initiative des einzelnen fließt. - Das ist das wirkliche Assoziationsprinzip. Da wird zuerst produziert und dann das Produzierte auf Grundlage des Zusammenschlusses der produzierenden Personen zum Konsum gebracht.
Daß man den Unterschied, den radikalen Unterschied zwischen diesen zwei Prinzipien heute nicht einsieht, das ist gewissermaßen das Unheil unserer Zeit. Denn auf diese Einsicht kommt im Grunde alles an. Man hat nicht den Instinkt dafür, einzusehen, daß jede abstrakte Gemeinschaft den Produktionsprozeß, wenn sie ihn verwalten will, untergraben muß. Die Gemeinschaft, die eine Assoziation sein soll, kann nur das aufnehmen, was aus der Initiative des einzelnen heraus produziert wird und kann es sozial zur Verteilung an die Konsumierenden bringen.
332a.48f



Assoziationsprinzip/bessere Maschinenausnutzung:
Fragenbeantwortung nach dem zweiten Vortrag
Ein Maschinentechniker bringt einen im heutigen System oft anzutreffenden Mißstand zur Sprache: daß mehrere Fabriken Kapital in gleichartigen Maschinen investieren, die überall nur teilweise ausgenutzt werden. Er fragt, ob nicht in einer assoziativ geführten Wirtschaft diese Kapitalverschwendung beseitigt werden könnte.

Dr. Steiner: Ich darf vielleicht gleich darauf sagen: Was der Herr eben gesagt hat, bestätigt durchaus das Assoziationsprinzip. Wenn gearbeitet wird in vollständig rein individueller Weise, ohne daß sich die Produzenten assoziieren, also zusammenarbeiten, so wird natürlich eintreten, was Sie vorausgesetzt haben, daß eine Maschine nur teilweise ausgenützt wird. Die vollständige Ausnutzung aber, die kann nur bewirkt werden dadurch, daß sich wirklich die Betreffenden assoziieren. Also es liegt durchaus in der Linie desjenigen, was mit dem Assoziationsprinzip gemeint ist, was Sie sagen. 332a63f



Assoziationsprinzip/gesundes soziales Urteil:
Ein gesundes soziales Urteil wird aber nur zustande kommen auf der Grundlage dieser Initiationswissenschaft. Denn sehen Sie, nehmen wir das eine Gebiet des dreigliedrigen sozialen Organismus, nehmen wir das Materiellste und Prosaischeste, wie manche sagen, das Wirtschaftsleben. Wir wissen, dieses Wirtschaftsleben wird sich in einer gesunden Weise nur entwickeln, wenn es sich unter dem Assoziationsprinzip entwickelt. Was heißt das? Das heißt, daß in der Zukunft die Menschen ein wirtschaftliches Urteil sich überhaupt nicht aus der einzelnen Individualität heraus entwickeln werden. Es wird natürlich erkenntnistheoretisch aus der Individualität stammen, aber gebildet werden wird es nicht aus der Individualität heraus. Ein wirtschaftliches Urteil bloß aus der Individualität heraus zu bilden, wird den Menschen der Zukunft, wenn sie sich richtig entwickeln, so vorkommen, wie der berühmte Jean Paulsche Schläfer, der mitten in der Nacht im finstern Zimmer aufwacht, nichts sieht, nichts hört, und nachdenkt, wieviel Uhr es ist, und es durch Nachdenken herauskriegen will. Man muß im Einklange mit seiner Umgebung stehen, wenn man sich mitten in der Nacht ein Urteil bilden will, wieviel Uhr es ist. Und man wird in der Zukunft, wenn man sich ein wirtschaftliches Urteil bilden will, sagen wir, ein Preisurteil oder ein Urteil, wieviel Arbeiter in einer bestimmten Branche arbeiten dürften, man wird um sich haben müssen Assoziationen, solche Assoziationen, welche in dieser Branche produzieren, solche Assoziationen, welche in dieser Branche konsumieren. Und aus dem Zusammenfluß dessen, was von diesen Assoziationen ausgeht, wird man sich ein Urteil bilden. So wie man das heute will, von der Individualität aus, das würde eben dem Schläfer gleichkommen, der aus sich selbst herauskriegen will, wieviel Uhr es ist. Das hat sich ja eben gerade gezeigt, wie weit man mit einem solchen Urteil kommt, welches nicht auf assoziative Erfahrung gestellt ist. 199.91f

Ausgabensteuern:
Die allgemeinen Steuern sollen Ausgabensteuern (was keineswegs zu verwechseln ist mit indirekten Steuern) sein. Einnahmen als solche werden nicht steuerpflichtig; sie werden es in dem Augenblick, wo die Allgemeinheit dafür Interesse hat, also bei der Überführung in die Verkehrszirkulation.24.436
s.auch Steuern



Bankähnliches Institut:
Notwendig ist die Gründung eines bankähnlichen Instituts, das in seinen finanziellen Maßnahmen wirtschaftlichen und geistigen Unternehmungen dient, die im Sinne der anthroposophisch orientierten Weltanschauung sowohl nach ihren Zielen, wie nach ihrer Haltung orientiert sind. Unterschieden von den gewöhnlichen Bankunternehmungen soll dieses dadurch sein, daß es nicht nur den finanziellen Gesichtspunkten dient, sondern den realen Operationen, die durch das Finanzielle getragen werden. Es wird daher vor allem darauf ankommen, daß die Kredite etc. nicht auf dem Wege zustande kommen, wie dies im gewöhnlichen Bankwesen geschieht, sondern aus den sachlichen Gesichtspunkten, die für eine Operation in Betracht kommen, die unternommen werden soll. Der Bankier soll also weniger den Charakter des Leihers, als vielmehr den des in der Sache drinnenstehenden Kaufmanns haben, der mit gesundem Sinne die Tragweite einer zu finanzierenden Operation ermessen und mit Wirklichkeitssinn die Einrichtungen zu ihrer Ausführung treffen kann. Es wird sich dabei hauptsächlich um die Finanzierung solcher Unternehmungen handeln, die geeignet sind, das wirtschaftliche Leben auf einen gesunden assoziativen Boden zu stellen und das geistige Leben so zu gestalten, daß berechtigte Begabungen in eine Position gebracht werden, durch die ihre Begabung in einer sozial fruchtbaren Art sich ausleben können. Worauf es besonders ankommt, ist, daß zum Beispiel Unternehmungen entriert werden, die augenblicklich gut rentieren, um mit ihrer Hilfe andere Unternehmungen zu tragen, die erst in späterer Zeit und vor allem durch die jetzt in sie zu gießende Geistessaat, die erst nach einiger Zeit aufgehen kann, wirtschaftliche Frucht bringen können. Für die Beamten des Bankunternehmens ist es notwendig, daß sie eine Einsicht darin haben, wie die Lebensansicht, die mit der Anthroposophie gegeben ist, sich in wirtschaftlich fruchtbare Wirksamkeit umsetzt. Dazu ist notwendig, daß ein streng assoziatives Verhältnis hergestellt wird zwischen den Bankverwaltern und denen, die durch ihre ideelle Wirksamkeit das Verständnis für eine ins Leben zu setzende Unternehmung fördern können. 24.460f



Bedürfnisse/Entstehung und Wahrnehmung:
Die Wirtschaft wird nicht auf Arbeitsplätze oder hohe Gewinne zielen. Ihre Haupt- und Lebensaufgabe ist die Befriedigung aller sich frei bildenden Bedürfnisse. In der Dreigliederung liegen hierfür keine Statistiken oder anonyme Marktbeobachtungen zugrunde; assoziierte Menschen eines Gebietes kommen zusammen und unterrichten sich über die Bedürfnisse, die diese oder jene Menschen haben und gewinnen einen Überblick, wieviel Arbeiter in einer Produktion oder Dienstleistung dazu nötig sind. Diese Verhandlungen münden schließlich in Verträge über Preise und über die Zahl der Beschäftigten für den entsprechenden Leistungsbereich.
Scharf von diesen Aufgaben zu trennen, ist die freie Entstehung der Bedürfnisse. Die Bekämpfung sinnloser und schädlicher Bedürfnisse ist nicht Aufgabe der Assoziationen, also der Wirtschaft. Es ist Aufgabe des Kultur- und Geisteslebens durch Erziehung und Unterricht die Wünsche der Menschen auf wirklich sinnvolle Werte zu lenken. 338.166f




Bedürfnisse/Quelle:
So daß wir den sozialen Organismus geradeso haben wie den menschlichen Organismus, der auf der einen Seite die Brust, den Kopf hat, in den die geistige Welt hineinspielt, und auf der andern Seite hat den Nahrungsorganismus, wo die physische Seite hineinspielt. Dadurch ist der Mensch ein dreigliedriges Wesen. Aber auch der soziale Organismus ist ein dreigliedriger, indem auf der einen Seite alles dasjenige hineinspielt, was die Bedürfnisse selbst erzeugt, die niemals durch den volkswirtschaftlichen Prozeß erzeugt werden dürfen als solche, und auf der andern Seite dasjenige, was die Natur erzeugt. Das führt zur Dreigliedrigkeit. In der Mitte ist dasjenige, was beide verbindet.

Sie brauchen nur folgendes sich zu überlegen, so werden Sie die ungeheure Fruchtbarkeit, die soziale Fruchtbarkeit desjenigen, was hier ausgesprochen ist, schon merken. Nach dem, was ich hier eben schon ausgesprochen habe, darf niemals das Bedürfnis durch einen sozialen Eigenprozeß, durch einen wirtschaftlichen Eigenprozeß erzeugt werden, sondern das Bedürfnis muß gerade von außen herein entwickelt werden durch einen andern, sei es durch einen ethischen oder einen andern Kulturprozeß. In ungesunden Zeiten werden Bedürfnisse rein volkswirtschaftlich entwickelt, und darüber sind die ungesund denkenden Menschen eigentlich froh. Sie haben in der Zeit, die gerade zu unserer sozialen Katastrophe geführt hat, in der Zeit, wo das soziale Karzinom, die soziale Krebskrankheit sich allmählich heraufgesteigert hat, an allen Ecken und Enden sehen können, wie das Bedürfnis, das nicht aus der sozialen Struktur selber kommen, sondern das von anderer Kulturaufgabe der Menschheit hineinkommen sollte in die soziale Struktur, wie das durch den sozialen Prozeß selbst erzeugt werden sollte.

Eine Zeitlang las man immer wieder: Kocht mit Maggi gute Suppen! - Nun, das Bedürfnis nach Maggi wäre ganz gewiß nicht entstanden ohne diese Reklame! Diese Reklame ist aus der reinen Volkswirtschaft heraus. Das ist kein Bedürfnis, das sich auf wirkliche Weise ergeben hat. So Bedürfnisse erzeugen, so ein künstliches Interesse für ein bestimmtes Produkt erzeugen, das ist geradeso unheilsam und muß zur Krankheit des sozialen Organismus führen, als wenn Sie als Arzt zum Beispiel den Knaben, der etwas lernen soll, nicht durch moralische Mittel zum Fleiß anfeuern wollten, sondern wenn Sie ihm ein Pülverchen gäben, damit er durch dieses Pülverchen vielleicht da oder dort eine Aufrüttelung erlebe und durch seinen Magen fleißiger werde. Solche sozialen Pfuschereien, die dadurch zustande gekommen sind, daß man alles aufgebuckelt hat einem sogenannten Monon, einem sozialen Homunkulus, das ist es, was unsere katastrophale Gegenwart herbeigeführt hat. Denn es darf eben nicht der soziale Organismus selber auf der einen Seite die Bedürfnisse erzeugen, und auf der andern Seite darf er auch nicht Ware erzeugen, die nur dem sozialen Organismus als solchem dienen soll. Der soziale Organismus muß die Ware geliefert bekommen von der Naturgrundlage. Er muß die Bedürfnisse geliefert bekommen auf der andern Seite von der Menschheitsentwickelung selbst.
188.198.f



Bedürfnisse/Berechtigung:
Diese Feststellung der Bedürfnisse möchten sozialistische Denker heute nach der Statistik machen. Das kann nicht nach der Statistik gemacht werden. Das lebendige Leben läßt sich nie nach der Statistik formen, sondern allein nach dem unmittelbaren Beobachtungssinn der Menschen. Es müssen also innerhalb des Wirtschaftsorganismus die Menschen durch die sozialen Zustände in gewisse Ämter oder dergleichen gebracht werden, die da sind zur Verteilung der Bedürfniserkenntnisse an die Produktion. Gerade weil die Bedürfnisse verschieden sind, handelt es sich darum, nicht etwa eine Tyrannisierung der Bedürfnisse hervorzurufen, die ganz gewiß entstehen würde auf Grundlage des heutigen sozialdemokratischen Programms, sondern es handelt sich darum, aus den lebendigen Bedürfnissen zu erkennen, wie diese Bedürfnisse befriedigt werden sollen.

Daß selbstverständlich gewisse Bedürfnisse dann nicht befriedigt werden können, das wird auch die Praxis als solche ergeben. Aus einem Dogma heraus, weil irgend jemand meint, dies oder das sei kein richtiges menschliches Bedürfnis, darf darüber nicht entschieden werden. Aber wenn eine Anzahl von Menschen Bedürfnisse haben, die nach Gütern rufen, zu deren Herstellung Menschen ausgenützt werden müßten - das wird sich gerade im lebendigen Wirtschaftsleben ergeben, das auf seine eigenen Füße gestellt ist -, wird man diese Güter nicht herstellen können, für die einzelne Bedürfnisse haben. Es wird sich gerade darum handeln, zu erfassen, ob die Bedürfnisse ohne Vernachlässigung, ohne Schaden für die menschlichen Kräfte wirklich berücksichtigt werden können.
332a.103

Solche Assoziationen können an Stelle des bloßen Angebotes und der bloßen Nachfrage die Ergebnisse vertragsmäßiger Unterhandlungen zwischen Konsumenten- und Produzentenkreisen einerseits und zwischen den einzelnen Produzentenkreisen andererseits setzen. Wenn bei diesen Beobachtungen ausgeschlossen wird, daß sich der eine Mensch zum Richter darüber aufwerfen kann, was ein anderer an Bedürfnissen haben darf, so wird in den Grundlagen solcher Unterhandlungen nur das mitsprechen, was aus den Naturbedingungen der Wirtschaft und aus der menschlichen Arbeitsmöglichkeit heraus zustande kommen kann. 24.254



Bevölkerung/Dichte und Zahl:
Bevölkerungsdichte in der alten Zeit. Es muß eine dichte Bevölkerung dagewesen sein im (alten) Ägypten, viel dichter als zum Beispiel heute in Sachsen oder in Belgien die Bevölkerung ist. Also dem, daß man zurückgeht in der Erdentwickelung und auf immer weniger und weniger Menschen trifft, widersprechen ganz entschieden die Tatsachen der Geschichte. Außerdem, wenn wir weiter nach Asien hinüberkommen, finden wir riesige Kanalbauten angelegt, wozu auch wiederum riesige Menschenmassen notwendig waren. Wenn man in Amerika die Überreste anschaut, die zum Teil verschüttet sind, so kommt man darauf, daß da eine riesige Bevölkerung war, mit der die Europäer nicht zusammengekommen sind. Also dies ist einfach etwas, was nicht stimmt, daß früher viel weniger Menschen da waren auf der Erde. 350.12f

In ältesten Zeiten waren auch Riesenbevölkerungen in China* und auch in Südamerika und Nordamerika. In ältesten Zeiten ging ja auch dort das Land heraus gegen den Stillen Ozean. Nun, gegen das ist eigentlich unsere Erdenbevölkerung nicht gewachsen. 354.79

Daher darf auch niemals eine Soziale Frage werden die Frage der Bevölkerung. Und das bedeutet eben die Verkennung des richtigen Verhältnisses zwischen Mensch und Volkswirtschaft, auf die ich gestern hingedeutet habe. Das bedeutet, daß man in unserer Zeit nicht weiß den Unterschied zwischen Schwein und Mensch, wie ich gestern am Schluß angedeutet habe, das bedeutet eben, daß man das Bevölkerungsproblem zu einem sozialen Problem macht. Ob wünschenswert ist eine starke Vermehrung der Menschen oder ein Erhalten der Bevölkerung auf einem bestimmten Niveau der Bevölkerungszahl, das darf niemals von volkswirtschaftlichen Erwägungen abhängen, sondern da müssen andere, ethische, spirituelle Erwägungen mitsprechen. Bei Erörterung dieser Frage muß ganz besonders bedacht werden, daß, wenn man künstlich durch Volkswirtschaft hinarbeitet auf eine bedeutende Vermehrung der Bevölkerung, daß man dann Seelen, die vielleicht sich erst nach vier oder fünf Jahrzehnten haben verkörpern wollen, zwingt, daß sie jetzt schon herunterkommen, um in um so schlechterem Zustande auf diese Weise herunterzukommen. So daß eine Bevölkerungszunahme unter Umständen einen Zwang bedeutet, den Sie auf die Seelen ausüben, die dann in um so schlechterer Verfassung in die Körperinkarnation hinein müssen. Dadurch kommt dann das moralische Sumpfniveau unter Umständen. Die Frage der Bevölkerungszunahme oder Stabilität oder selbst die der Bevölkerungsabnahme, die darf niemals eine volkswirtschaftliche Frage, sondern muß eine Frage der ethischen, der moralischen, kurz, überhaupt der geistigen und sogar der spirituellen Lebens- und Weltanschauung sein. 188.199f




Bildungsmonopole - Journalismus:
Denn die Monopole auf die Bildung müssen alle im Grunde genommen angesehen werden als dasjenige, was die heutige Katastrophe mit herbeigeführt hat, das Arzt-Monopol und so weiter, und was sonst auf diese Weise konfundiert ist. Denn Freiheit in bezug auf das Geistige ist nur dann nicht von Schaden, wenn das Geistige im Geistigen stehenbleibt. Sobald irgendwie, was heute und seit langer Zeit immer geschieht, das Geistige, das heißt die Aneignung von Fähigkeiten, konfundiert wird mit der Möglichkeit, aus Unternehmergewinn privaten Erwerb zu machen, so daß der private Erwerb, der aus dem Unternehmertum gezogen ist, irgendwie eine Rolle spielen kann bei der Verwertung des Geistigen - alles das, was auf diesem Wege geschieht, ist etwas, was nur die tiefsten Schäden herbeiführen kann gegenüber dem, was in der Zukunft notwendig ist. Alle diese Dinge, die ich da berühre, sie hängen wiederum zusammen mit grundlegenden Dingen, die in alles Leben hineinspielen. Der innigste Zusammenhang ist ja zwischen den geistigen Fähigkeiten und dem Unternehmergewinn auf dem Gebiete des - mit Respekt zu vermelden - Journalismus eingetreten, der beute alle Welt beherrscht und von dem eben vieles andere abhängig ist. 185a.65f



Chaos, soziales:
Mit dem allmählich verglimmenden Griechentum ging eigentlich der Menschheit in ihrer Entwickelung vom dritten bis fünften nachatlantischen Zeitraum hin recht, recht viel verloren, was in einer anderen Form, eben vom Gesichtspunkt der neuen Geisteswissenschaft, wiederum erweckt werden muß, wenn auch in das soziale Chaos, das sich jetzt entwickeln wird, Ordnung hineingebracht werden soll. Denn man muß immer wieder und wiederum betonen: Das Wichtigste ist heute, daß die wirtschaftliche Kontinuität nicht zerrissen wird, sondern daß gewissermaßen auf dem Felde des wirtschaftlichen Lebens ein Provisorium geschaffen und auch als Provisorium empfunden wird, daß aber daneben tatsächlich in die Hand genommen werde allgemeine Aufklärung über dasjenige, was aufzuklären der Menschheit so notwendig ist. Man kann nicht mit den Begriffen, die heute schon da sind, eine neue soziale Ordnung gründen. 185a.110

Nach dem allgemeinen Zeitcharakter wird man natürlich solchen in die Geheimnisse der Schwelle Eingeweihten, über die sozialen Ideen Sprechenden, nicht glauben, weil das nötige Vertrauen unter den Menschen nicht da ist. Man wird jede soziale Idee, welche eigentlich keine Wirklichkeit ist, wie Sie aus dem Vorhergehenden ersehen können, jede soziale Idee, die mit dem gewöhnlichen Verstande auf die Sinneswelt gerichtet ist, in der heutigen demokratienärrischen Zeit - wollte sagen: demokratiesüchtigen Zeit - man wird selbstverständlich eine solche rein verstandesmäßig zutage geförderte soziale Idee, die keine ist, für demokratisch gleichwertig halten mit dem, was der Initiierte aus der geistigen Welt herausholt und was wirklich fruchtbar sein kann. Aber würde diese demokratiesüchtige Ansicht oder Empfindung den Sieg davontragen, so würden wir in verhältnismäßig kurzer Zeit eine soziale Unmöglichkeit, ein soziales Chaos im wüstesten Sinne erleben. Aber das andere ist ja eben vorhanden und gilt gerade in hervorragendem Maße für die sozialen Ideen, die von Initiierten von jenseits der Schwelle hergeholt werden. Ich habe es immer wieder und wieder betont: Derjenige, der sich wirklich seines gesunden Verstandes, nicht des wissenschaftlich verdorbenen, aber des gesunden Menschenverstandes bedienen will, der kann jederzeit, wenn er auch nicht finden kann dasjenige, was nur der Initiierte finden kann, er kann es prüfen, er kann es am Leben erproben, und er wird es einsehen können, nachdem es gefunden ist. Und diesen Weg werden für die nächste Zeit die sozial fruchtbaren Ideen zu nehmen haben. Anders wird man nicht vorwärtskommen. 185a.201



Christentum/Entsklavung:
Was hat es denn bewirkt, daß wir nicht mehr so denken wie die großen Philosophen Plato und Aristoteles gedacht haben: daß die Sklaverei etwas ganz Selbstverständliches ist? Damals war es selbstverständlich für die weisesten der Menschen, daß neun Zehntel der Menschheit als Sklaven leben mußten. Das ist für uns heute nicht mehr selbstverständlich, sondern wir betrachten es als eine Verletzung der Menschenwürde, wenn jemand so denkt. Was hat es innerhalb der abendländischen Menschheit bewirkt, daß so das Vorstellungsvermögen der Menschen umgeartet worden ist? - Das Christentum! Das Christentum hat die Menschen entsklavt, das Christentum hat sie dazu geführt, wenigstens im Prinzip den Satz anzuerkennen: Die Menschen sind in bezug auf ihre Seele gleich vor Gott. Das aber hat auch die Sklaverei ausgeschlossen aus der sozialen Ordnung der Menschen. Aber wir wissen: Es hat eines gelassen, auf das wir von den verschiedensten Gesichtspunkten immer wieder hinweisen müssen, es hat bis in unsere Zeit herein die Auffassung gelassen, von der ich Ihnen gesagt habe, daß sie gerade das Punctum saliens (der "springende Punkt", wb) ist in dem Bewußtsein des Proletariers: daß in unserer sozialen Ordnung ein Teil des Menschen, und noch dazu ein im Leib sich Abspielendes vom Menschen als Ware gekauft und von ihm selbst verkauft werden kann. Das ist ja das Aufreibende und Aufregende.

Das ist eigentlich das Punctum saliens der sozialen Frage, daß Arbeitskraft bezahlt werden kann. Es ist auch das, was auf dem Grunde unserer ganzen sozialen Gemeinschaft läßt den Charakter des Egoismus; denn Egoismus muß herrschen in der sozialen Ordnung, wenn der Mensch für das, was er für sich braucht, sich seine Arbeit bezahlen lassen muß. Er muß erwerben für sich. Was als nächste Etappe nach der Überwindung der Sklaverei überwunden werden muß, das ist, daß keines Menschen Arbeit Ware sein kann! Das ist das wirkliche Punctum saliens der sozialen Frage, die das neue Christentum lösen wird. Und ich habe Ihnen einiges vorgetragen von den Lösungen der sozialen Frage, denn jene Dreigliederung der sozialen Ordnung, von der ich Ihnen gesprochen habe, die löst die Ware von der Arbeitskraft ab, so daß die Menschen in der Zukunft nur Ware, nur äußeres Erzeugnis, nur vom Menschen Abgesondertes kaufen und verkaufen werden, daß aber der Mensch, wie ich es schon dargestellt habe in dem Aufsatz " Theosophie und soziale Frage " (umbenannt in "Geisteswissenschaft..., wb), der 1905 erschienen ist, aus Bruderliebe für den anderen Menschen arbeiten wird.
Es mag ein weiter Weg sein, um das zu erreichen, doch nichts wird die soziale Frage lösen als einzig und allein dieses. Und wer heute nicht daran glaubt, daß es nur so kommen müsse in der Weltenordnung, der gleicht dem, der zur Zeit des entstehenden Christentums gesagt hätte: Sklaven muß es immer geben. So, wie ein solcher dazumal unrecht gehabt hätte, so hat heute derjenige unrecht, der da sagt: Arbeit muß immer bezahlt werden. Damals konnte man sich nicht denken, daß nicht eine Anzahl von Menschen Sklaven sein müssen, nicht Plato, nicht Aristoteles konnten es sich denken. Heute können sich die gescheitesten Menschen nicht denken, daß man eine soziale Struktur haben kann, in der die Arbeit noch ganz andere Geltung hat, als wenn sie " bezahlt " wird. Natürlich wird auch dann aus Arbeit ein Produkt hervorgehen, aber das Produkt wird das einzig und allein zu Kaufende und zu Verkaufende sein. Das wird sozial die Menschen erlösen.
186.311f



Christentum/Dreigliederung:
Diese Dinge, die heute auch in einer anderen Form durch das Programm der " Dreigliederung des sozialen Organismus " verkündet werden, die sind heute das Christentum, die sind heute in äußerliche Formen gekleidete geistige Offenbarungen. Die sind das, was die Menschen brauchen, was einzig und allein die reale Grundlage und reale Möglichkeit bietet zum Umdenken und Umlernen, was der Menschheit so notwendig ist. 193.100f



Christentum und Wiedergeburt:
Die wiederholten Erdenleben tragen eben das Geheimnis der Präexistenz in sich, jenes Geheimnis der Präexistenz, welches die Bekenntnisse gerade so gern ausmerzen möchten, wovon sie nicht reden möchten. Die Urweisheit der Menschen hat gesprochen von dieser Präexistenz. Verlorengegangen ist erst während des Mittelalters durch die Aufnahme des Aristotelismus diese Lehre von der Präexistenz. Aber wie ein mit dem Christentum zusammenhängendes Dogma betrachten heute die christlichen Bekenntnisse die Ablehnung des vorgeburtlichen Lebens. Diese Ablehnung hat mit dem Christentum nichts zu tun, sie hat nur mit der Philosophie des Aristoteles zu tun. Mit dem Christentum selbst ist jene Idee der Unsterblichkeit durchaus vereinbar, von der wir hier auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft sprechen. Nicht eher wird es besser in bezug auf die allgemeine Menschheitskultur, bis die Menschen auch im sozialen Leben zu Taten kommen, die beherrscht sind von dieser Idee der Präexistenz198.212



deutsche Aufgabe/Mission
Ich habe vor einigen Jahren gesagt: Der Engländer ist etwas; der Deutsche kann nur etwas werden. Daher ist es so schwierig mit der deutschen Kultur, daher ragen in der deutschen und in der österreichisch-deutschen Kultur immer nur einzelne Individualitäten heraus, die sich in die Hand genommen haben, während die breite Masse beherrscht sein will, sich gar nicht mit den Gedanken befassen will, die bei der britisch sprechenden Bevölkerung in die Instinkte gelegt sind. Daher verfiel auch die mitteleuropäische Bevölkerung solchen Herrschaftsgelüsten, wie die der Habsburger und Hohenzollern es waren, eben wegen der apolitischen Natur, weil ganz andere Notwendigkeiten vorliegen, wenn der Deutsche zu seiner Aufgabe kommen will. Er muß zu dieser Aufgabe erzogen werden. Er muß gewissermaßen berührt werden von dem, was Goethe im " Faust " zur Gestaltung gebracht hat, vom Werden des Menschen zwischen Geburt und Tod.
Das zeigt sich wiederum beim Hüter der Schwelle. Wenn jemand im Volkstum der Deutschen drinnen stehenbleibt, und er kommt an den Hüter der Schwelle, dann bemerkt er nicht wie jene britischen Gesellschaften, von denen ich gesprochen habe, die bösen Diener von Krankheit und Tod. Daran können Sie eben die Unterscheidung machen, wenn Sie diese Dinge recht ins Auge fassen. Er bemerkt aber vor allen Dingen, wie ahrimanische und luziferische Mächte - die einen herüberstürmend aus der physischen Welt, die andern heranstürmend aus der geistigen Welt - miteinander im Kampfe liegen, und wie dieser Kampf angeschaut werden muß, weil er eigentlich ein fortwährend fortlebender Kampf ist, weil man niemals dazu kommen kann, zu sagen: da wird der Sieg sein. Mit demjenigen macht man sich beim Hüter der Schwelle bekannt, was die eigentliche reale Grundlage des Zweifels ist, mit dem, was in der Welt lebt als fortwährend sich anfachender, unentschieden bleibender Kampf, was einen geradezu ins Schwanken bringt, was aber zu gleicher Zeit dazu erzieht, die Welt von den verschiedensten Seiten anzuschauen. Und das wird die besondere Mission, trotz allem und alledem, des Deutschtums sein, daß von dieser Seite aus es in die Weltenkultur eingreift, auch als Deutschtum. Durch sein besonderes Volkstum werden gewisse Dinge, die ich heute zum Beispiel auf dem Erkenntnisgebiete berühren will, nur durch das deutsche Volkstum entwickelt werden können.
186.149f



Und wir haben als Deutsche, eingeklemmt zwischen dem Orient und dem Okzident, diese große Aufgabe, zu begreifen, was dort und da am meisten droht einzuschlafen und es aus der Mitte heraus zu erwecken. Und ich glaube, daß dies heute der beste Patriotismus ist, der zuletzt auch standhalten wird gegenüber alle dem, was aus den trüben Sümpfen von Versailles uns droht, indem das, was standhalten kann in der Mitte zwischen dem Osten und dem Westen, das sein wird: daß wir aufgehen lassen aus Deutschlands großer Zeit - aus unsern Lessing, Herder, Schiller, Goethe, aus der großen Zeit unserer das deutsche Wesen in ihrer Art zusammenfassenden deutschen Philosophie, der Philosophie Schellings, Fichtes, Hegels, aus der Zeit der deutschen Romantiker -, daß wir hervorgehen lassen, aufleuchten lassen, was unsere Aufgabe nach den furchtbaren Erfahrungen der letzten Jahre ist. Diese Aufgabe ist, zu erwecken gegenüber dem einschlafenden Geistesleben des Ostens, gegenüber dem einschläfernden materiellen Leben des Westens ein Geistesleben, das fähig ist, die materielle Welt vernünftig, menschenwürdig zu gestalten und ein Wirtschaftsleben, ein materielles Leben, das fähig ist, dem Menschen die Freiheit zu geben zu einem freien Geistesleben!330.271

Und sollte nicht, da wir hineingekeilt sind zwischen dem Osten und dem Westen als die Mitglieder des deutschen Volkes, des vielgeprüften, in große Not hineingehenden deutschen Volkes, sollten wir nicht imstande sein, aus demjenigen, was als Anlauf zur Spiritualität bei unseren großen geistigen Vorfahren vorhanden war, zu finden den Weg zu neuem Geistessuchen? Mag dann im äußerlich Politischen kommen, was da will: wenn wir die Kraft haben, uns hinzuwenden zu diesem Geistesweg, um dem Orientalen in der Zukunft etwas zu sagen von einem Geistesleben, das er in anderer Gestalt einstmals gehabt, aber verloren hat, um es dann von uns zu empfangen, wenn es uns möglich ist, dem Westen etwas zu sagen von einem Geistesleben, das einstmals sich hineinstellen können wird in all diejenigen Forderungen, die so hinunterziehend sind aus der bloß mechanistischen Kultur, dann werden wir in Europas Mitte, wenn wir einen solchen Weg suchen, eine Aufgabe erfüllen.333.141



deutscher Charakter:
Die Deutschen haben überhaupt jene Eigentümlichkeit, die einmal Herman Grimm ausgezeichnet charakterisiert hat, indem er sagte: Die Deutschen weichen in der Regel dann zurück, wenn es ihnen heilsam wäre, kühn vorzuschreiten, und sie stürmen furchtbar stark vor, wenn es ihnen heilsam wäre, sich zurückzuhalten. - Es ist das ein sehr gutes Wort für eine innere Charaktereigenschaft gerade des deutschen Volkes. Denn die Deutschen haben Stoßkraft durch die Jahrhunderte gehabt, aber nicht die Fähigkeit, die Stoßkraft durchzuhalten. Goethe konnte das Urphänomen hinstellen, aber es nicht bis zu den Anfängen der Geisteswissenschaft bringen.194.232f

Die Lage, in der der erkennende Mensch ist in dem Augenblicke, wo er sich sagen muß: Das eine ist richtig, das andere ist richtig - diese Lage in ihrer ganzen Fruchtbarkeit zu erkennen, das wurde eigentlich durch das Volkstum nur dem deutschen Volksstamm gegeben. Das versteht man sonstwo in der Welt gar nicht. Man versteht nicht in der Welt, daß sich die Leute lange darüber streiten können, daß der eine behaupten kann: Die vollkommenen Wesen stammen von den unvollkommenen ab, - wie zum Beispiel Darwin, oder daß der andere behaupten kann, wie Schelling: Die unvollkommenen Wesen stammen von den vollkommenen ab. - Sie haben beide recht, nämlich von verschiedenen Gesichtspunkten aus. Sieht man den geistigen Vorgang, so stammt das Unvollkommene vom Vollkommenen ab, sieht man den physischen, so stammt das Vollkommene vom Unvollkommenen ab.
Darauf hin ist die ganze Welt dressiert, einseitige Wahrheiten festhalten zu können. Die Deutschen sind dazu, ich möchte sagen, tragisch verurteilt, sich gegen ihre eigenen Anlagen abzustumpfen, wenn sie bei einer einseitigen Wahrheit verweilen wollen. Entwickeln sie ihre eigenen Anlagen, so wird ihnen sofort überall auftauchen, wenn sie sich nur ein wenig vertiefen: Wenn man irgendeine Behauptung macht über Weltenzusammenhänge, so ist das Gegenteil davon auch richtig
186.150f



deutscher Geist:
Ennemoser gebraucht selbst diese Worte, er sagt: " Es weht der Wind von Osten und Westen ", er weist also zunächst hin auf ein besonderes Verhältnis zum Orient und Okzident, auf das ich neulich im öffentlichen Vortrage hingewiesen habe. Er weist darauf hin als ein Mensch der alten deutschen Zeit und zeigt, daß in den alten Zeiten der deutsche Geist mit dem Weltengeist noch zusammenhing, und daß der deutsche Geist eigentlich berufen war, die großen Weltenzusammenhänge ein wenig zu durchschauen. 0 ja, es geht einem schon tief zu Herzen, wenn man in unserer jetzigen Zeit einen solchen Satz liest, der vor mehr als einem halben Jahrhundert hingeschrieben worden ist: " Deutschland wird seinen Beruf erfüllen oder auf das allerschmählichste untergehen und mit ihm die europäische Kultur. " Man fühlt dann, daß andere auch schon in verflossenen Zeiten das gedacht haben, was hier und an anderen Orten zu Ihnen und anderen Leuten schon gesprochen worden ist. Denn im Grunde genommen war vieles eine Umschreibung der Worte: Deutschland wird entweder seinen Beruf erfüllen oder untergehen und mit ihm die europäische Kultur. - Dieses Deutschland muß wieder Fragen bekommen, es muß wieder den Zusammenhang mit des Lebens höheren Gütern bekommen. Denn das steht und schwebt als eine Frage über uns: Können wir noch Fragen haben von tieferer Bedeutung? Können wir uns noch kümmern um des Lebens höhere Güter? Die Frage steht auf Sein oder Nichtsein. Kümmern wir uns um höhere Güter, können wir noch Fragen stellen an die geistige Welt, dann werden wir den Weg finden von Mitteleuropa aus, um die Weltkultur nicht untergehen zu lassen. Setzen wir dagegen den Weg fort durch eine senile Jugend und eine philiströse Phrase, die sich revolutionär maskiert, dann gehen wir in die Barbarei hinein. Versteht sich der Mensch in Deutschland zu durchgeistigen, dann ist er der Segen der Welt; versteht er es nicht, dann ist er der Fluch der Welt. Heute stehen die Dinge so, daß zwischen rechts und links, wie auf der scharfen Schneide eines Rasiermessers, der Weg geht, der zum Heile der Menschen in die Zukunft führen wird, und daß der Mensch, der die Dinge in ihrer Wirklichkeit erkennen will, nicht die Bequemlichkeit lieben, nicht bequeme Wege wählen darf. 192.217



Dorf/Dorfgemeinden:
Leninismus und Trotzkismus sind lediglich die Fortsetzung des alten Zarismus, und Lenin ist, was ich hier schon einmal betont habe, der Zar, bloß in einem andern Gewande, im Grunde ganz dasselbe. Der Zarismus stirbt im Leninismus, aber als Zarismus stirbt er im Leninismus. Aber schon seit Jahrhunderten arbeitet sich auch gegen den Zarismus im Osten etwas heraus, was jetzt sein eigenes Dasein nur mißversteht, wenn es irgendwie dem Leninismus und dem Trotzkismus entgegenkommt, und bis weit nach Asien hinein geschieht das. Die Menschen werden erst sehen, vor welchen Umwälzungen sie stehen; es ist nur eine Ruhepause zwischen der letzten Katastrophe und der folgenden. Die schlafenden Seelen werden eines Tages recht unsanft aufgeweckt werden aus ihrem Schlaf während der Ruhepause, werden sich die Augen wischen und die Zipfelmütze wegziehen, wenn sich die Katastrophe fortsetzt. Aber was sich trotzdem da herausarbeitet, das ist die Dorfgemeinde. Und nur derjenige versteht, was im Osten als eine soziale Konstitution sich herausarbeitet, der das Wesen der einzelnen Dorfgemeinden versteht. Die Dorfgemeinde ist das einzig Reale im Osten. Alles übrige ist Institution, die zugrunde geht. Im Westen wird man zu verstehen haben, wodurch dieses Aggregat der Dorfgemeinde organisiert werden kann. Und wodurch das in einzelne Menschenindividualitäten verfallende Meinungsgewebe des Westens auch organisiert werden kann, das ist lediglich die Dreigliederung des sozialen Organismus. Die Dreigliederung des sozialen Organismus muß aufnehmen die einzelnen Glieder der östlichen Dorfgemeinden und muß die zerfallenden alten Organismen des Westens, die sich individualisieren, die als Aggregate in ihre Einzelheiten zerfallen, vor dem Untergang bewahren. 199.40f

Und auf der anderen Seite haben wir ungefähr bis zu demselben Zeitalter (etwa vom 13. bis zum 16., 17. Jahrhundert, wb) das freie wirtschaftliche Walten, das seinen eigentlichen mitteleuropäischen Ausdruck gefunden hat in den freien wirtschaftlichen Dorfgemeinschaften. Und wie das freie Geistesleben hineingeschlüpft ist in die Universitäten, die zuerst lokalisiert sind und die dann unterschlüpfen unter den Staat, so bekommt dasjenige, was wirtschaftliche Organisation ist, zuerst eine gewisse Verwaltung im rechtlichen Sinn, indem die Städte immer mehr und mehr auftauchen und die Städte nun dieses wirtschaftliche Leben zunächst organisieren, während es früher gewachsen ist, als die Dorfgemeinden tonangebend waren. Und dann sehen wir, wie nun auch immer wieder mehr und mehr dasjenige, was in den Städten zentralisiert war, unterkriecht in die größeren Territorien der Staaten. 339.29



Dreigliederung ist da
Diese Dreigliederung des sozialen Organismus hat nicht irgendein abstraktes Denken zustande gebracht, diese Dreigliederung ist (schon) da. Und die Frage kann nur sein: Wie kann diese Dreigliederung in der entsprechenden Weise reguliert werden, so daß nicht ein kranker, sondern ein gesunder sozialer Organismus herauskommt? 329.55ff



Dreigliederung/Allmählicher Aufbau:
Der Fiskus, also die staatliche Wirtschaft, und die Staatsschulen müssen nicht in einem großen Umsturz sofort abgeschafft werden. Neues wird aus kleinen Anfängen heraus wachsen und das Alte, Staatschulen und Fiskus, nach und nach abbauen. 23.119



Dreigliederung entwickeln/nicht ausdenken:
Nicht darauf kommt es an, auszudenken, wie sich der soziale Organismus gestalten soll. Auf sozialem Gebiet geht nämlich unser Denken nicht so weit, daß wir eine Struktur des sozialen Organismus ohne weiteres angeben können. Alles Soziale entsteht durch Zusammenwirken. 189.100
Ich verstehe diesen Satz so: Ein Teil des sozialen Lebens kann ausgedacht werden. Wir können aber nicht bis in alle Details die Gestaltung ausdenken. Sie wird sich bis in die letztliche Tiefe hinein beim konkreten Zusammenwirken ergeben. Gerade in diesem Punkt drückt sich ja ein schlechter Charakterzug des deutschen Wesens aus, das Leben durch allgemeingültige Regeln zu stark in fixierte Bahnen lenken zu wollen. Krankhaftes Wachstum von Vorschriften bzw. mangelhafte Räume für Vertrag und freie Absprache sind die Folge.



Dreigliederung - Entwicklung oder Revolution:
Sie haben die Wahl, entweder Vernunft anzuwenden heute (1919 gesagt, wb), oder entgegenzugehen Revolutionen und Kataklysmen. 328.99

Schon Goethe hat mit Bezug auf die Revolution gesagt: Entweder Evolution oder Revolution -, sie haben die Wahl, entweder jetzt durch Vernunft das zu tun, oder sie werden Revolution und Kataklysmen erleben. Nicht nur diejenigen, die bisher am Ruder waren, werden die Kataklysmen erleben, sondern auch diejenigen, die an den Dogmen des Sozialismus bloß festhalten wollen, werden die Kataklysmen erleben. Es handelt sich darum, daß diese Dreigliederung des sozialen Organismus sich selber vollzieht. Und sie können es ja auch sehen: Dasjenige, was natürlich ist, das tritt immer unter gewissen außerordentlichen Verhältnissen in gewissen Einseitigkeiten der Entwicklung auf; diese drei Glieder wollen sich immer mehr verselbständigen. Und sie verselbständigen sich in einer unnatürlichen Weise, wenn man nicht ihre natürliche Selbständigkeit gibt, wenn man sie konfundiert... 329.51



Dreigliederung/organisieren oder wachsen lassen:
Die Entwicklung der Dreigliederung oder des dreigliedrigen Organismus ist keine Frage von Organisation, sondern eine Frage von Wachstum. Wie man Kindern gesunde Wachstumsbedingungen schafft, so kann man auch für ein gesundes Wachstum des sozialen Organismus sorgen. Es ist Kennzeichen aller Organismen, daß sie wachsen, daß sie quasi sich selbst "organisieren".
Was ein Organismus ist, das organisiert man eben nicht; das wächst...Was man organisieren kann ist kein Organismus... Die Dreigliederung ist etwas, was einfach aus dem natürlichen Zusammenleben der Menschen folgt. 339.28



Dreigliederungszeitung:
Und noch einige Andeutungen wollte ich Ihnen geben zu der Zeitungsfrage: Ich möchte nicht in Abrede stellen, daß manches sehr wichtig ist von dem, was gesagt worden ist. Und verdienstvoll wird es sein, wenn der eine oder andere der Freunde da oder dort in irgendeiner Zeitung einen Artikel unterbringt. Aber das Wesentlichste bleibt dabei, daß ebensowenig, wie man irgend etwas erreichen kann durch das Unterkriechen in den Parteien, man etwas erreichen kann durch das Unterkriechen in den anderen Zeitungen. Man kann es tun, aber es ist eigentlich dieselbe Sache, nur in einer anderen Farbe. Ich tadle es nicht, ich bin durchaus einverstanden, wenn es geschieht. Das Positive aber würde ich darin sehen, daß unsere Zeitung, unsere Dreigliederungszeitung propagiert würde von den Freunden - soviel als nur möglich. Sie können sagen: Schön, aber die Zeitungen, in die wir die Artikel hineinbringen wollen, die haben die Leute; die Dreigliederungszeitung müssen sie hinzuabonnieren. Sie müssen sie eben hinzuabonnieren. Alle werden es nicht tun, eine Anzahl aber wird es schon tun. Dann werden wir es dazu bringen, die Dreigliederungszeitung in eine Tageszeitung zu verwandeln. Dann erst können wir dasjenige an Artikeln unterbringen, was wir unterbringen wollen; das wird dann wirksam sein. Also es handelt sich darum, so viel für die Dreigliederungszeitung zu arbeiten, die jetzt noch ein Wochenblatt ist, daß durch die eigenen Erträgnisse diese Zeitung in eine Tageszeitung umgewandelt werden kann. Dann brauchen wir nicht "unterzukriechen" bei den anderen; darauf kommt es an. Warum sollte es nicht möglich sein, eine Sache, die von so eminenter Wichtigkeit ist, auf eigene Beine zu stellen! 337a.167f



Dreizahl (hier auch Trinität):
Denken Sie nur, daß wir also festzustellen haben: Will jemand sachgemäß in die Weltenstruktur hineinblicken, dann muß er die Dreizahl anerkennen, muß anerkennen, daß sich gegenüberstehen das luziferische und das ahrimanische Element, und daß das Göttliche besteht in dem Gleichgewichthalten zwischen beiden. Dem haben wir gegenüberzustellen den Irrwahn, der eingezogen ist in die Geistesentwickelung der Menschheit mit der Zweiheit, mit Gott und dem Teufel, mit den geistig-göttlichen Mächten oben und den teuflischen Mächten unten.
Es ist so, wie wenn man den Menschen gewissermaßen hinausbringen, hinausquetschen würde aus der Gleichgewichtslage, wenn man ihm verhehlt, daß das eigentliche Heil des Weltenverständnisses in dem richtigen Auffassen der Dreizahl besteht, und wenn man ihm vormacht, daß irgendwie die Weltenstruktur bedingt sei durch eine Zweizahl. Dennoch ist bestes menschliches Streben diesem Irrtum verfallen.
194.20

Bedenken Sie, der Christus-Impuls ist nur zu begreifen, wenn man ihn als den Gleichgewichtsimpuls ansieht zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen, wenn man ihn in die Trinität richtig hineinzustellen weiß. Was muß man tun - so kann man die Frage aufwerfen -, wenn man die Menschen irreführen will über den eigentlichen Christus-Impuls? Man muß die Menschen ablenken von der wahren Weltengliederung nach der Dreizahl und muß sie hinführen zu dem Irrwahn der Zweizahl, die nur da ihre Berechtigung hat, wo es sich um das Offenbare handelt, nicht da, wo es sich darum handelt, auch hinter dasjenige zu kommen, was hinter dem Offenbaren steht, was in der Sphäre des Wahren liegt. 194.20



Egoismus nicht aus dem Menscheninnern:
Ein Mensch, der seine Individualität voll entfalten kann, hat die natürliche Tendenz möglichst viel an seine Mitmenschen abzugeben. Eine vielseitige Entfaltung der menschlichen Anlagen kann nur in einem freien Geistesleben entwickelt werden. Was im Menschen entwickelt werden kann, das ist, wenn es in der richtigen Weise geleitet und gerichtet wird, durchaus nicht auf Egoismus angelegt. Der Egoismus wird im Menschen eigentlich von außen erzeugt, nicht von innen. 338.112



Egoismus/Demokratie und Arbeitsteilung:
Der Egoismus war früher innerhalb streng theokratischer Verhältnisse nicht schädlich, denn die Menschen mußten sich trotz ihres Egoismus fruchtbar in das Gemeinschaftsleben einbringen. So schadete der Egoismus nicht. In der neueren Zeit aber haben sich das Recht und die Arbeit vom sonstigen, insbesondere religiösen Gemeinschaftsleben befreit, verselbständigt. Daher strebt, ich möchte sagen, unbewußt der Menschengeist danach, fertigzuwerden mit dem menschlichen Egoismus, der sich nun regt und der in einer gewissen Weise hineingegliedert werden muß in das soziale Leben. Dieses Streben gipfelt dann einfach in der modernen Demokratie, in dem Sinn für Gleichheit der Menschen, dafür, daß jeder seinen Einfluß hat darauf, das Recht festzustellen und auch seine Arbeit festzustellen.

Aber gleichzeitig mit diesem Gipfeln des emanzipierten Rechtes und der emanzipierten Arbeit kommt noch etwas anderes herauf, was sich zur höchsten Kulmination entwickelte von der Zeit an, in der eben Recht und Arbeit am meisten emanzipiert waren - und das ist die Arbeitsteilung. In den älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung hatte die Arbeitsteilung deshalb keine besondere Bedeutung, weil ja eben auch sie in die religiösen Impulse hineingestellt war und gewissermaßen jeder an seinen Platz gestellt wurde, so daß sie also keine solche Bedeutung hatte. Da aber, wo sich der Hang nach Demokratie verband mit dem Streben nach Arbeitsteilung, da fing an - das ist erst heraufgekommen in den letzten Jahrhunderten und aufs höchste gestiegen im 19. Jahrhundert -, da fing an die Arbeitsteilung eine ganz besondere Bedeutung zu gewinnen, denn diese Arbeitsteilung hat eine volkswirtschaftliche Konsequenz. Sie führt dazu, das niemand dasjenige, was er erzeugt - volkswirtschaftlich gesprochen -, für sich selbst verwendet.
340.43f
Bei immer weiter zunehmender Arbeitsteilung nimmt die Selbstversorgung immer mehr ab, d.h. einer arbeitet immer mehr für alle anderen. Die moderne Volkswirtschaft fordert rein faktisch ein Ausrichten der Arbeit auf die Bedürfnisse der anderen. Sie erfordert es also, daß der Egoismus mit Stumpf und Stiel ausgerottet wird. Dies ist keine moralinsaure oder religiöse Pflicht, nicht sittliches Gebot, nein, das ist die Tendenz der modernen Arbeitsteilung. 340.45ff



Ehe/Ehegesetzgebung:
Es ist ganz zweifellos notwendig, daß die Ehegesetzgebung - mag man sie nun sonst aus anderen Verhältnissen heraus straff oder weniger straff denken -, es ist unter allen Umständen notwendig, daß diese Ehegesetzgebung gewissermaßen sich hineinfügt in die Dreigliederung des sozialen Organismus. Dazu ist aber natürlich notwendig, daß deutlich gefühlt wird gegenüber der Ehe, daß sie in ihrer eigenen Institution durchaus ein Bild des dreigliedrigen sozialen Organismus darstellt. Sie ist erstens eine Wirtschaftsgemeinschaft und muß sich hineingliedern in den sozialen Organismus, insofern er seinen wirtschaftlichen Teil hat. Es muß also ein Zusammenhang gesucht werden zwischen jener Wirtschaftsgemeinschaft, die die Ehe darstellt und den Assoziationen. An das kann heute kaum mehr als gedacht werden, aber aus den Gemeinschaften heraus muß dieses Bewußtsein entstehen, daß vor allen Dingen die wirtschaftliche Seite der Ehe mitgetragen werden muß durch die Maßnahmen der Assoziationen, durch die Maßnahmen des wirtschaftlichen Lebens. Das zweite ist, daß das Rechtsverhältnis deutlich empfunden wird als ein Verhältnis für sich, und daß der Staat nur in das Rechtsverhältnis der Ehe hineinzureden hat, daß also die Eheschließung zwischen Mann und Weib den Staat nur insofern angeht, als sie eine Angelegenheit des Rechts ist, das vom Staate ausgeht. Dagegen werden Sie als Ihre ureigene Angelegenheit innerhalb der religiösen Gemeinschaft den geistigen Segen der Ehe beanspruchen müssen in einer völlig freien Weise aus Ihrer Entscheidung heraus. Sie werden also anstreben müssen als ein Ideal, daß in die Freiheit der religiösen Entscheidung hineingestellt wird der religiöse Segen der Ehe und daß diese Entscheidung durchaus respektiert wird, so daß sie als Grundlage angeschaut wird für das andere, daß also tatsächlich durch das Vertrauen, das in der Gemeinschaft existiert, gesucht wird zunächst für die Ehe die Entscheidung des Pfarrers oder des Predigers. 342.54f



Eigentumsbegriff/Kompetenz des Staates:
Ebenso wie mit dem Arbeitsrecht ist es mit dem Besitzrecht. Sehen Sie, zuletzt gehen eigentlich die Grundlagen alles heutigen Besitzes auf alte Eroberungen zurück, auf alte Kriegsunternehmungen; aber das hat sich umgestaltet. Volkswirtschaftlich hat der Eigentumsbegriff überhaupt keinen Sinn. Er ist eine reine Illusion. Er ist nur da zur Beruhigung für gewisse bürgerliche Gemüter. Volkswirtschaftlich - was bedeutet denn der Eigentumsbegriff? Er bedeutet lediglich ein Recht, nämlich das Verfügungsrecht über Sachen, über Boden, über Produktionsmittel. Das Verfügungsrecht muß ebenso in die Kompetenz des Staates hineingestellt werden wie das Arbeitsrecht. Das können Sie nur, wenn Sie alle wirtschaftlichen und geistigen Gewalten fortschaffen aus dem Staate heraus. Das können Sie nur, wenn Sie das Wirtschaftsleben auf der einen Seite ganz selbständig führen, auf der anderen Seite ebenso selbständig das Geistesleben, und so dem Staate nur übrig bleibt die Demokratie.330.69



Eigentumsbegriff/Kapital in Fluß bringen:
Das wird ein gesunder Weg sein zur Sozialisierung des Kapitals, wenn wir dasjenige, was sich heute als Kapitalien im Erbschaftsrecht, im Entstehen von Renten, von Müßiggängerrecht, von anderen überflüssigen Rechten, was so sich aufhäuft in Kapitalien, in Fluß bringen im sozialen Organismus. Darauf kommt es an. Wir brauchen gar nicht einmal zu sagen: Privateigentum muß Gesellschaftseigentum werden. Der Eigentumsbegriff wird überhaupt keinen Sinn haben. So wenig wird er einen Sinn haben, wie es einen Sinn haben würde, wenn sich in meinem Leibe an einzelnen Stellen Blutzuschüsse anhäufen würden. Das Blut muß in Zirkulation sein. Das, was Kapital ist, muß von den Fähigen zu den Fähigen gehen. 330.98



Eigentumsbegriff/kollektiv nützliches Privateigentum:
Das Privateigentum soll nicht abgeschafft, sondern auf eine solche Basis gestellt werden, daß sein Nutzeffekt kollektivistisch wirkt. Der Unternehmer muß den privaten Profit haben. Das Übrige kommt dann bei der Steuer in Betracht. Das "Recht auf den vollen Arbeitsertrag" schafft alle freie Bewegung aus der Welt. Es ist nötig, daß der Unternehmer einen gewissen Mehrwert hat. Daß das Privateigentum in seinem Nutzeffekt für die Gesamtheit wirke, wird erreicht durch die Steuerregulierung. Es werden nur die Ausgaben versteuert. Die Festsetzung der Steuer ist Sache der politischen Behörde. Der Unternehmer bezahlt nicht nach seinem Besitz, sondern nach seinen Ausgaben. Wenn er z. B. 100 Arbeiter hat, bezahlt er für jede Quote, die er an diese entrichtet, seine Steuer. Man muß die Ausgabensteuer radikal durchführen. Keine Einnahmen- und keine Besitzsteuer, sondern nur Ausgabensteuer. Dann entfällt aller Schaden des Privateigentums. Entwurf..., S. 227



Eigentum/Produktivkapital übertragen:
Die Übertragung einer Unternehmung an einen oder mehrere Menschen wird nicht von einer bestimmten Kaufsumme, Erbschaft oder ähnlichem abhängen, sondern allein von den Sachkenntnissen und den Fähigkeiten der Menschen. Die Gesundung der sozialen Verhältnisse hängt in Zukunft stark davon ab, wieweit es gelingt, das Produktivkapital kontinuierlich von den Fähigen auf die nächsten Fähigen überzuleiten. 332a.165



Einheit des Organismus/ bewirkt durch Menschen:
Das Geistesleben, das seine eigene Verwaltung haben soll - steht nicht jeder Mensch zu diesem Geistesleben, wenn es sich völlig frei entwickelt, in einer Beziehung? Er wird in diesem freien Geistesleben erzogen, er läßt wiederum seine Kinder erziehen, er hat seine unmittelbaren geistigen Interessen bei diesem Geistesleben, er ist mit diesem Geistesleben verbunden. Und dieselben Menschen, die auf diese Weise mit diesem Geistesleben verbunden sind, die ihre Kraft aus diesem Geistesleben ziehen, stehen im Rechts- oder Staatsleben und bestimmen in diesem, was als Rechtsordnung zwischen ihnen wirkt. Diese Rechtsordnung ist unmittelbar bewirkt durch das, was durch die Beziehung zum Geistesleben erworben wird. Und wiederum, was von Mensch zu Mensch demokratisch auf dem Boden der Rechtsordnung entwickelt wird, das, was so der Mensch aufnimmt als den Impuls seine Beziehung zu anderen Menschen, das trägt er, weil es ja wiederum dieselben Menschen sind, die zum Geistesleben Beziehungen haben, im Rechtsleben drinnen stehen und wirtschaften, hinein in das Wirtschaftsleben. Die Einrichtungen, die er trifft, die Art und Weise wie er überhaupt wirtschaftet, das alles ist durchdrungen von dem, was er im Geistesleben ausbildet, was er als Rechtsordnung regelt im Wirtschaftsleben, denn dieselben Menschen sind es, die in dem dreigegliederten sozialen Organismus drinnenstehen, und nicht durch irgendeine abstrakte Ordnung, sondern durch den lebendigen Menschen selber wird die Einheit bewirkt. Nur das jedes der Glieder seine eigene Natur und Wesenheit durch seine Selbständigkeit sich ausbilden und so gerade in der kraftvollsten Weise zur Einheit wirken kann. 332a.159



Einmaleins:
Die gegenwärtige geschichtliche Menschheitskrisis fordert, daß gewisse Empfindungen entstehen in jedem einzelnen Menschen, daß die Anregung zu diesen Empfindungen von dem Erziehungs- und Schulsystem so gegeben werde, wie diejenige zur Erlernung der vier Rechnungsarten. Was bisher ohne die bewußte Aufnahme in das menschliche Seelenleben die alten Formen des sozialen Organismus ergeben hat, das wird in der Zukunft nicht mehr wirksam sein. Es gehört zu den Entwickelungsimpulsen, die von der Gegenwart an neu in das Menschenleben eintreten wollen, daß die angedeuteten Empfindungen von dem einzelnen Menschen so gefordert werden, wie seit langem eine gewisse Schulbildung gefordert wird. 23.49f

Sie sehen daraus, daß wirkliche Menschenerkenntnis und wirkliche Erkenntnis der sozialen Struktur sich gegenseitig bedingen, daß man zu dem einen nicht kommen kann, ohne das andere. So wie der Mensch Kopfmensch, Brustmensch, Stoffwechselmensch ist, also Sinnes- und Nervenmensch, rhythmischer Mensch und Stoffwechselmensch ist, so ist der Staat nicht ein ganzer Organismus, sondern die soziale Struktur ist: Staat und Wirtschaft und geistiges Leben. Das muß geradezu das Einmaleins werden für die soziale Einsicht in die Zukunft188.163

Und nun kommt man allerdings auf gewisse Vorstellungen, die der heutigen Menschheit zum großen Teil recht unbequem sind, weil in den letzten Jahrhunderten versäumt worden ist, die primitive Schulbildung, die auf solche Dinge hinarbeiten soll, wirklich in diese Richtung zu lenken. Es dürfte den Menschen bald klar werden, daß man, um ein halbwegs gebildeter Mensch zu sein, nicht bloß wissen soll, daß drei mal neun siebenundzwanzig ist, sondern man sollte zum Beispiel auch wissen, was das für ein Ding ist, das man 'Grundrente' nennt. Nun frage ich Sie, wieviele Menschen heute eine deutliche Vorstellung haben von dem, was Grundrente ist? Ohne aber den sozialen Organismus auch in bezug auf solche Dinge zu überblicken, läßt sich überhaupt keine gedeihliche Fortentwicklung der Menschheit herbeiführen.189.31

In früheren Zeiten lebte sich der Mensch instinktiv in das Wirtschaftsleben hinein. Jetzt muß das Hineinleben in die Wirtschaft immer bewußter und bewußter werden. So wie der Mensch - ich sagte es schon - schulmäßig das Einmaleins lernt, wie er andere Dinge schulmäßig lernt, so muß er schulmäßig in der Zukunft die Dinge lernen, die sich auf das Leben in dem sozialen Organismus, auf das wirtschaftliche Leben beziehen. Der Mensch muß sich fühlen können als ein Glied des Wirtschaftsorganismus. Es wird freilich für manche Menschen eine Unbequemlichkeit sein, weil schon einmal andere Denk- und Empfindungsgewohnheiten eingerissen sind, welche durchgreifende Änderungen erfahren müssen. 193.31

Es wird anders werden, wenn das Urteil entstehen wird, daß es einfach zur allerelementarsten Schulbildung gehört, sich mit sozialem Wollen auszurüsten, wie man sich mit der Kenntnis des Einmaleins ausrüstet. Heute muß jeder wissen, wieviel drei mal drei ist. In Zukunft wird es auch nicht schwieriger erscheinen, zu wissen, wie sich Kapitalzins zur Grundrente verhält, wenn ich etwas aus dem heutigen Leben heraus wähle. Es soll gar nicht schwieriger sein in Zukunft, als zu wissen, daß dreimal drei neun ist. Aber dieses Wissen wird eine Grundlage geben für ein gesundes Drinnenstehen im sozialen Organismus, das heißt für ein gesünderes soziales Leben. 328.123



Energie des Lebens:
Auf die Frage Ehrenfried Pfeiffers im Oktober 1920 nach einer Energie, die nicht desintegrierend, abbauend sei, also wie die heutige Atomkraft, Elektrizität zu einem Zerfall führe, antwortete Rudolf Steiner: Ja, eine solche Kraft existiert wirklich, aber sie ist noch unentdeckt. Sie ist das, was allgemein, als Äther (nicht der physikalische Äther) bezeichnet wird, die im Samen lebt. Bevor Sie mit dieser Kraft arbeiten können, müssen wir ihr Vorhandensein nachweisen. So wie wir in der Chemie Reagenzien haben, so müssen Sie ein Reagens für diese Ätherkraft finden. Man nennt sie auch ätherische Bildekraft, denn sie schafft die Form, die Gestalt, die Struktur eines lebenden, wachsenden Dinges. Sie können es mit Kristallisationsprozessen versuchen, welchen ein organisches Substrat beigefügt wird.
Es wird möglich sein, Maschinen zu entwickeln, die auf diese Kraft reagieren und von ihr angetrieben werden.
Anschließend machte Pfeiffer bestimmte Versuche nach Angaben von Steiner, zu dessen Ergebnis Steiner sagte, daß das Versuchsergebnis die Antwort der geistigen Welt für ihn sei, und sie bedeute, daß die Zeit noch nicht reif dazu sei, von der Ätherkraft Gebrauch zu machen. Pfeiffer fragte, wann die Zeit dazu denn reif sein werde. Antwort: Wenn die sozialen Zustände so sind, daß diese Kraft nicht für egoistische Zwecke mißbraucht werden kann. Das werde erst dann der Fall sein, wenn die Dreigliederung des sozialen Organismus mindestens auf ein paar Erdgebieten verwirklicht sei. Bis dahin würden Versuche zum Zwecke der Verwendung ätherischer Kräfte erfolglos bleiben oder sollten gar nicht unternommen werden.
Ein Leben...119ff u. 172f; s. auch
Dreigliederungs-Zeit, S. 113 und
186.72



Erbe/Erbrecht:
Und es muß gezeigt werden, daß für unsere künftige wirtschaftliche Ordnung der Boden nichts anderes ist als ein Produktionsmittel, daß das Produktionsmittel nur so lange Arbeitswert in sich aufnehmen darf, bis es fertig ist, daß es von da an in niemandes Besitz ist, daß von da an niemand ein eigentliches Erbrecht darauf hat, daß es von da an in die Zirkulation der Gesellschaft übergeht, wie ich das in meinem Buche beschrieben habe. 330.237

In manchen Gebieten des europäischen Lebens ragt hervor aus alten Einrichtungen dasjenige, was wir das Erbrecht nennen. Erbrecht, es hängt zusammen mit den Verhältnissen der Blutsbande der Menschen. Verfolgen Sie dasjenige, was von dem Erbrecht ausstrahlt in die ganzen öffentlichen Verhältnisse, auch in die Konfiguration der Staaten- und Gesellschaftszusammenhänge, so werden Sie sehen, wie viel auch im wirtschaftlichen Leben an diesem Erbrecht hängt. Das Erbrecht wirkt bei gewissen Leuten in diese oder jene Wirtschaftszweige hinein, es bringt die Leute hinein, sie sind da drinnen, und aus ihren Fähigkeiten heraus werden einzelne Dinge. Aber schließlich, aus diesen einzelnen Dingen setzt sich wiederum ein großer Teil des Gesamtwirtschaftslebens zusammen. Kurz, wir haben das Erbrecht eng gebunden an Blutsbande, an dasjenige, was von der Natur in der Menschheit organisiert ist...

Ist man ehrlich und hört hin auf das, was die Menschheit eigentlich will, so kommt man auf das, was Sie ausgeführt finden in den " Kernpunkten der sozialen Frage ", wo gezeigt ist, daß die Menschheit hintendiert in einer sozialen Ordnung nach einem Verbundensein des Menschen, der gewisse Fähigkeiten hat, mit den Produktionsmitteln, oder sagen wir mit dem Kapital. Kann er diese Fähigkeiten damit nicht mehr verbinden, dann muß die Summe der Produktionsmittel oder das Kapital von ihm übergehen wiederum an einen Befähigten. Da zeigt sich, wie die alte Zeit in die neue Zeit hineinwachsen muß. Die alte Zeit machte abhängig die wirtschaftliche Konfiguration vom Blute. Die neue Zeit macht abhängig - im Bewußtsein der Menschen ist es schon vorhanden -, will abhängig machen die Konfiguration des Wirtschaftslebens von dem, was bewußt erlebt wird. So daß in der neuen Ordnung nicht im gewöhnlichen Sinne vom Erbrecht gesprochen wird. Es wird aus diesem Grunde vielfach heute zum Beispiel das Erbrecht angezweifelt, es wird angezweifelt, daß vom Erbrecht die Rede sein kann. Es soll nur davon die Rede sein, daß, wenn ich durch meine Fähigkeiten mir eine Summe von Produktionsmitteln erworben habe, durch die ich etwas erreichen kann, ein Kapital angesammelt habe, so habe ich die Verpflichtung, wenn ich selber nicht mehr der Verwalter sein kann, das an einen anderen zu übertragen, der wiederum, seinen Fähigkeiten nach, damit verbunden sein muß. Ersetzt werden muß durch Vernunft und Menschenindividualität das, was nur vom Blute abhängig war.
334.208ff

Die sechste Frage: Ist Abschaffung jedes Erbrechtes geplant? Das Erbrecht, insofern Teile desselben bleiben, wird ja höchstens darauf beruhen können, daß in einer Übergangszeit irgendwie gerechnet werden muß mit Pietätsverhältnissen und dergleichen. Aber von einem Erbrecht [im Sinne des bisherigen Erbrechts] wird in der Zukunft nicht mehr gesprochen werden können aus dem einfachen Grunde, weil auf der einen Seite es das nicht mehr geben kann, daß irgend etwas, was eigentlich nicht verkauft werden kann, was nicht käuflich ist, für einen noch einen Wert hat. Auf der anderen Seite wird man das Erbrecht nicht mehr brauchen, weil unter den Einrichtungen des gesunden sozialen Organismus die Menschen diejenigen, die zu ihnen gehören, in einer ganz andern Weise werden für ihre Zukunft abfinden können, als es heute unter dem rein materiellen Erbrecht geschieht - ich habe das in meinem Buche ausgesprochen. 337a.80



Europa/neues Geistesleben:
Nun, wir haben es ja leider in Europa erlebt, daß die Menschen schließlich so sehr verloren haben den unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem, wonach sie im Geiste streben, und dem, was ihnen der Alltag bringt, daß wir jetzt zahlreiche Gesellschaften damit beschäftigt sehen, Europa zu gestalten nach rein äußerlichen wirtschaftlichen Gesichtspunkten und ihr Seelenbedürfnis, da einem die christliche Religion in Europa nicht mehr genügt, aus Asien her durch allerlei Theorien und so weiter zu befriedigen suchen. Solche Beziehungen sind nicht geeignet, einen Neuaufbau des Geisteslebens herbeizuführen; die sind die letzten dekadenten Schatten eines Alten.329.253



Europa und soziale Frage:
Dasjenige, was mitteleuropäisches Leben ist, liegt am Boden, ist mehr oder weniger in einen furchtbaren Schlaf versenkt. Gegenwärtig ist ja der Deutsche gedrängt, an Freiheit zu denken, nicht bloß so, wie phraseologisch schön über Freiheit gesprochen worden ist, als man unter Ludendorffs Unfreiheit geseufzt hat, sondern die Not bringt natürlich einiges Verständnis für die Freiheitsidee hervor, aber mit gelähmten Seelen und Körperkräften, mit der Unmöglichkeit, sich zu wirklichen intensiven Gedanken irgendwie aufzuraffen. Wir haben allerlei Versuche zu demokratischen Gebilden, allein wir haben in Deutschland keine Demokraten, wir haben eine Republik, aber kein Republikaner. Alles das ist eine Erscheinung, die in Mitteleuropa charakteristisch für das Europäertum ganz besonders hervortritt.

Und in Osteuropa: durch Jahrzehnte und Jahrzehnte hindurch wurde von dem Proletariat der ganzen Welt die Fruchtbarkeit des Marxismus gepriesen. Lenin und Trotzkij waren in der Lage, den Marxismus praktisch anzuwenden: er wird zum Raubbau an der Zivilisation, was gleichbedeutend ist mit dem Untergange der Zivilisation. Und diese Dinge stehen erst am Anfange (Okt.1919, wb).

Es ist trotzdem das Talent vorhanden in Europa, die Freiheit ideell, spirituell zu begründen. Aber es muß sich dieses Europa in wirklichem Sinne ergänzen durch die Zusammenarbeit mit den anderen Völkern der Erde.
191.83f



Existenzminimum:
Wenn Sie auf einem bestimmten Territorium die Grundrente nehmen, die kann bewertet werden nach der Produktivität, die auf irgendeinem Territorium ein Stück Boden hat, wenn Sie diese Grundrente nehmen und sie dividieren durch die Einwohnerzahl des betreffenden Territoriums, so bekommen sie einen Quotienten heraus, und dieser Quotient ergibt das allein mögliche Existenzminimum...Das ist aber eine primäre Tatsache, das ist etwas Fundamentales, daß eigentlich niemand in Wirklichkeit mehr verdient in irgendeinem sozialen Organismus, als die gesamte Grundrente dividiert durch die Einwohnerzahl! Was sonst verdient wird, wird verdient durch Koalitionen und durch Assoziationen, wodurch Verhältnisse geschaffen werden, durch die auf eine Persönlichkeit mehr Werte kommen als auf die andere Persönlichkeit. Aber wahrhaftig, in den mobilen Besitz eines einzigen Menschen übergehen kann gar nichts mehr als dasjenige, was ich jetzt bezeichnete. 189.36f
Das Existenzminimum muß sich aus dem Wirtschaftsprozeß heraus ergeben. Es ist nicht gesetzlich oder vertragsmäßig zu regeln.

Die Festsetzung des Existenzminimums ist eine der kompliziertesten Sachen, die sich aus dem Wirtschaftsorganismus heraus ergibt. Es ist dazu innerhalb eines Territoriums eine Verständigung sämtlicher Wirtschaftsorganisationen nötig. Das Existenzminimum ist nicht auf eine Formel zu bringen. Es ergibt sich als Resultat.
 Entwurf..., S. 230 u. 234


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Literaturliste:

Boos, Roman (Hrsg., verstorben 1952)

Kühn, Hans (1889-1977)

Meyer, Thomas

Molt, Emil (1876-1936)

Spitta, Dietrich

Steiner, Rudolf (1861-1925)

Hier finden Sie die im Text genannten Titel der Gesamtausgabe (=GA) des Rudolf Steiner Verlages, Dornach -Schweiz- (jeweils am Anfang mit der GA-Nr. und am Ende mit dem Erscheinungsjahr des Bandes versehen)

Im Text bedeutet 23.12, siehe GA Band Nr. 23, Seite 12